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Stadtgespräch: Bildung für Mädchen in der Entwicklungspolitik

Mädchen in Entwicklungsländern: Bundesregierung setzt falsche Schwerpunkte

In den ärmsten Ländern der Welt schließt nur gut die Hälfte aller Mädchen die Grundschule ab, nur jedes vierte Mädchen südlich der Sahara kann eine weiterführende Schule besuchen. Derzeit gehen 62 Millionen Mädchen weltweit nicht zur Schule. Dies war Thema eines Stadtgespräches in Hamburg.

Die Bundesregierung hat sich über die Nachhaltigkeitsziele verpflichtet, bis 2030 alles zu tun, damit Mädchen und Jungen weltweit gleichberechtigt aufwachsen können - die Bilanz ist jedoch ernüchternd. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die Fördermittel für Grundbildung signifikant erhöht werden. Das ist die Forderung des Mädchenberichts 2016, von Plan International. Bereits seit 2003 macht Plan International mit der Because I am a Girl-Bewegung auf die besondere Situation von Mädchen aufmerksam und setzt sich dafür ein, dass Mädchen ihre Rechte wahrnehmen können.

Ein Großteil der Entwicklungsgelder, die für den Bereich Bildung zur Verfügung stehen, bleibt in Deutschland. So flossen 2014 von den 1,4 Milliarden Euro für Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit nur 126 Millionen in die Förderung von Grundbildung von Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern. Über die Hälfte der Gelder blieb in Deutschland zur Finanzierung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen. „Für Plan International sind die Ergebnisse des Berichts besorgniserregend, da die Bundesregierung ihrem Versprechen nicht nachkommt“, sagte Sonja Birnbaum, Leiterin der Entwicklungspolitik und Kampagnen von Plan International Deutschland, die den Bericht und die daraus folgenden Forderungen am 26. Oktober 2016 im Hamburger Stadtgespräch präsentierte.

Problematisch ist dem Bericht zufolge auch, dass nur ein Viertel der Projekte mit Fokus auf Mädchen in den ärmsten Ländern durchgeführt werden. In afrikanischen Ländern südlich der Sahara wurden Programme, die speziell Mädchen fördern, sogar mehr als halbiert. Sonja Birnbaum sieht darin eine weitere Gefahr: „Mädchen in Afrika sind die Leidtragenden dieser falschen Politik. Während die Bildungsförderung für Mädchen im Nahen und Mittleren Osten steigt, geht sie in Afrika südlich der Sahara, eine der ärmsten Regionen der Welt, zurück. Das ist eine riskante Umverteilung, die zwar die Krise in einer Region entschärfen kann, aber in Afrika eine neue provoziert, die zu neuen Flüchtlingsströmen führen könnte.“ Plan gibt mit dem Mädchenbericht 2016 Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung. Dabei stützt sich der Bericht auf Daten, die das BMZ selbst an die OECD geliefert hat, wo die deutschen Leistungen für Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit registriert werden. Die Aussagekraft und Aktualität dieser Daten für die Praxis wurde heftig diskutiert. Für die Lobbyarbeit ist es ein starkes Argument, der Regierung ihre eigenen Zahlen vorzurechnen.

Auch wenn sich Plan International mit seinen Analysen und Forderungen an die Bundespolitik richtet, sind auch Städte und Regionen, ja alle Einzelnen von uns gefragt, was getan werden kann, um dem Ziel ‚Chancengleichheit für alle Mädchen und Jungen auf dieser Welt‘ näher zu kommen. Die als Hamburger Zivilgesellschaft versammelten Frauen und Männer stellten fest, dass die Herausforderungen bei der Bildung für Mädchen global sind und auch in Hamburg relevant. Bei uns haben Mädchen und junge Frauen einen hohen Anteil an den Bildungsanschlüssen erreicht. Ab Berufseinstieg bekommen sie aber weniger Lohn als Männer, kommen zu wenig in Führungspositionen und sind mit Kindern und Familie mehr belastet als Männer. Sichere Städte sind überall notwendig, vor allem für Mädchen. Weitere Punkte der Diskussion waren: Die SDGs sind nicht nur Entwicklungspolitik, sondern umfassen all Bereiche. Kohärenz der Politikbereiche schafft die Regierung nicht allein, das muss eingefordert werden. Die Farbe Pink steht inzwischen weltweit für Frauenrechte, auch dank der Debatte mit Pinkstinks Mädchenbildung hat die höchste volkswirtschaftliche Rendite, laut Weltbank und UNFPA. Feminismus darf sich nicht als Gender verstecken. Eine feste Quote wirkt besser als alle Versprechungen. Männer die Gleichberechtigung unterstützen wollen, wissen oft nicht wie und treten nicht angemessen dafür ein. Gleichberechtigung ist weltweit im Trend, es würde aber noch 170 Jahre dauern, bis sie bei derzeitigem Fortschritt erreicht ist. Das reicht nicht einmal für die Enkelinnen.

Wer selbst aktiv werden möchte, sollte Plans Online-Petition an Bundeskanzlerin Angela Merkel unterzeichnen und mit der Kampagne #Pink4GenderEquality ein Zeichen setzten.