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Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Updated: 5 hours 59 min ago

Tuberkulose: Leben retten und Hoffnung geben in Corona-Zeiten

February 22, 2021 - 9:25am

Die Corona-Pandemie macht uns derzeit alle zu Stubenhocker*innen wider Willen. Wer kann, schützt sich und andere und bleibt zu Hause. Nicht so Rosemary Wanjiru in Kenia. Die Gesundheitshelferin hat ein klares Ziel: Sie will Tuberkulose in ihrem Viertel beenden. Und ihre Patient*innen vertrauen auf sie und brauchen sie – gerade in diesen Zeiten.

Seit über 18 Jahren arbeitet Rosemary Wanjiru als Gesundheitshelferin in Soweto, einem Viertel der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Nun hat COVID-19 die zweifache Mutter vor eine Zerreißprobe gestellt: Wäre es besser, sie bliebe zu Hause, um sich und ihre Familie vor Corona zu schützen? Oder sollte sie sich weiterhin um ihre Patient*innen kümmern, die dringend ihre Hilfe benötigen?

In ihrer Nachbarschaft setzt sich Rosemary mit viel Leidenschaft dafür ein Infektionskrankheiten wie HIV und Tuberkulose in den Griff zu kriegen. Zielstrebig bewegt sie sich durch die engen Gassen ihres Viertels und versorgt ihre Mitmenschen mit lebensrettenden Medikamenten und Gesundheitsinformationen. Doch mit den ersten COVID-19-Fällen wurde alles anders. Von einem Tag auf den anderen brachte ihre Arbeit sie selbst und ihre Familie in Gefahr.

Rosemary Wanjiru mit ihrem Sohn. Die Sorge, durch ihre Arbeit in der Klinik ihre Familie mit COVID-19 anzustecken, war für sie eine große Belastung. Bild: Der Globale Fonds / Michael Ilako.

Rosemary erinnert sich noch gut daran, wie sie ihrer Familie von den ersten COVID-19 Fällen in ihrem Krankenhaus erzählte. Ihre Kinder schreckten förmlich vor ihr zurück. Sie fürchteten, sie könne das Virus mit nach Hause gebracht haben. Für sie als Mutter war das ein furchtbarer Moment.

„Ich fühlte mich stigmatisiert, unerwünscht, ungeliebt“, erinnert sich Rosemary. „Aber ich verstand natürlich, dass alle Angst davor haben, zu sterben.”

Vielen hätte das wohl den Mut genommen. Aber nicht Rosemary. Sie konnte nicht einfach aufhören, ihre Patient*innen zu versorgen, die verzweifelt auf Hilfe warteten – vor allem nicht während der ersten Monate der Corona-Pandemie, als die kenianische Regierung den Lockdown verhängte.

„Die Menschen hatten nicht genug zu essen, alle hatten Angst. Doch meine Patient*innen glaubten, ich könnte ihre Probleme lösen. Zum Beispiel eine bettlägerige Patientin von mir, sie hat Tuberkulose und HIV, brauchte meine Pflege. Ich konnte sie doch während des Lockdowns nicht einfach vergessen“, erzählt Rosemary.  „Ich hatte keine andere Wahl als loszugehen und zu helfen.“

Ihr war jedoch auch klar, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun musste, um sich und ihre Familie vor einer Infektion zu schützen. In ihrer Klinik gab es jedoch nicht genügend Schutzausrüstungen (PPE). Darum ging Rosemary an ihr Erspartes und kaufte Masken und Handdesinfektionsmittel, um sich zu schützen.

Die Lage verbesserte sich erst, als Amref Health und Malteser International mit Unterstützung des Globalen Fonds begannen, Schutzausrüstung an Gesundheitshelfer*innen zu verteilen. Auch in Rosemarys Viertel, sodass sie sich von nun an besser vor dem neuen Virus schützen konnte. Seit März 2020 hat der Globale Fonds mehr als 45 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, um Kenias Maßnahmen gegen COVID-19 zu unterstützen. Die Mittel ermöglichen unter anderem Gesundheitspersonal zu schulen und Ausrüstung zum Gesundheitsschutz, wie Masken und Handschuhe, zu beschaffen – um Helfer*innen wie Rosemary zu schützen.

Wenn sie heute die Menschen in ihrem Viertel versorgt, fühlt sich Rosemary sicherer. Tausenden anderen Gesundheitspfleger*innen in Kenia fehlt jedoch weiterhin das Nötigste, um sich und ihre Familien vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. COVID-19 breitet sich weiter im Land aus und der verfügbare Gesundheitsschutz reicht bei weitem nicht aus. Rosemary hofft, dass sich bald alle ihre Kolleg*innen ausreichend schützen können, sodass sie nicht länger vor die Entscheidung gestellt werden: Schütze ich mich und meine Familie? Oder gehe ich meiner Arbeit nach, die ich liebe und wo ich gebraucht werde?

„Wir retten Leben, geben Hoffnung und verbreiten die Botschaft, dass Tuberkulose heilbar ist“, sagt Rosemary Wanjiru. „Das ist ein großartiges Gefühl… So fühle ich mich erfüllt.“

COVID-19 hat die Bekämpfung von Tuberkulose ausgebremst. Aber Rosemary ist trotzdem zuversichtlich, dass sie maßgeblich dazu beitragen kann, die Verbreitung der Krankheit in ihrem Viertel ein für alle Mal zu beenden.

 

Der Text ist ein Gastbeitrag vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria. Mehr Infos auf https://www.theglobalfund.org/en/.

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Die Aufhebung der Mexico City Policy bringt Kenia voran!

February 19, 2021 - 9:15am

Gastbeitrag von Evelyn Samba, Direktorin des DSW-Länderbüros Kenia. Der Text ist erstmals im kenianischen THE STANDARD in englischer Sprache erschienen. Sie lesen hier eine gekürzte Fassung. 

Evelyn Samba – Länderdirektorin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Kenia.

Die jüngste Aufhebung der Mexico City Policy durch US-Präsident Joe Biden ist eine erfreuliche Nachricht für die reproduktive Gesundheitsversorgung in Kenia.

Erstmals wurde sie 1984 von der Reagan Regierung in Mexiko-Stadt eingeführt und stellt allen im Ausland tätigen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) die rigorose Bedingung, dass sie für den Erhalt von US-Regierungsgeldern auf die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen oder die Beratung dazu verzichten müssen.  

Seitdem wurde die Mexico City Policy in der ersten Woche einer neuen Regierung entsprechend der Parteipolitik per Dekret aufgehoben und wieder eingeführt. Sie wurde im Januar 1993 vom demokratischen Präsidenten Bill Clinton aufgehoben, im Januar 2001 durch den republikanischen Präsidenten George W. Bush wieder eingeführt, im Januar 2009 erneut durch den demokratischen Präsidenten Barack Obama aufgehoben und im Januar 2017 erneut durch den republikanischen Präsidenten Donald Trump eingeführt.  

Ursprünglich bezog sich die Mexico City Policy nur auf finanzielle Mittel für den Bereich Familienplanung. Die Version der Trump Regierung, auch als Protecting Life in Global Health Assistance bekannt, schloss die gesamte US-Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitsbereich. Sie war gnadenloser als die Versionen von Reagan und Bush.

Die Umsetzung von Präsident Trumps Version der Global Gag Rule führte bei Hunderten von Organisationen, die Informationen und Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte anbieten, zum Wegfall von Finanzmitteln. Das hatte zur Folge, dass Millionen von Menschen auf der ganzen Welt den Zugang zu wichtigen Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit verloren haben.  

Ironischerweise zeigt eine Studie, die 2019 in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, dass die Mexico City Policy die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche in einigen Ländern sogar erhöht hat: Die Mexico City Policy hat nämlich auch den Zugang zu Verhütungsmitteln negativ beeinflusst, somit stiegen die Anzahl der unbeabsichtigten Schwangerschaften an..  

Die Ergebnisse der Studie mit dem Titel USA aid policy and induced abortion in sub-Saharan Africa: an analysis of the Mexico City Policy zeigen, dass die Mexico City Policy die Rate der Schwangerschaftsabbrüche in den sechsundzwanzig untersuchten Ländern in Afrika südlich der Sahara um etwa vierzig Prozent erhöhte; Kenia eingeschlossen. 

Die drastische Mittelkürzungen aufgrund der Mexico City Policy schnitt viele Kenianer*innen von lebenswichtigen Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der Familienplanung ab. Dies betraf insbesondere jene Kenianer*innen, die aus armen und unterversorgten Gemeinden stammen. 

Doch auch wenn wir den Politikwechsel der US-Regierung begrüßen, der den Kenianer*innen zugute kommen dürfte, ist es aus drei Gründen wichtig, dass Kenia auf eine vollständige Eigenfinanzierung von Programmen für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Familienplanung hinarbeitet. 

Der erste Grund ist, dass die Mexico City Policy bei erneuter Wahl eines republikanischen US-Präsidenten wieder in Kraft gesetzt werden könnte, was wieder zum Verlust von US-Regierungsgeldern führen würde.  

Der zweite Grund ist, dass Kenias Status als Land mit niedrigem mittlerem Einkommen bedeutet, dass wir allmählich von der Finanzierung derartiger Programme ausgeschlossen werden.

Tatsächlich vermerkt der im Oktober 2020 veröffentlichte Bericht der Health Sector Working Group 2021/22-2023/24, dass die Entwicklungspartner von Health Kenya (DFID, UNFPA, USAID und die Bill and Melinda Gates Foundation) zugesagt haben, die Mittel die reproduktive Gesundheit von Müttern, Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen (zu der auch die Familienplanung gehört) in Kenia zu verdoppeln, bis Kenia die Finanzierung ab 2023 vollständig selbst übernimmt. 

Der dritte Grund, weshalb Kenia die Finanzierung von Programmen für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Familienplanung durch eigene Gelder sicherstellen muss, ist, dass Präsident Uhuru Kenyatta auf dem Nairobi-Gipfel zum 25. Jahrestag der Weltbevölkerungskonferenz (ICPD25) im November 2019 zugesagt hat, dass Kenia die Finanzierung von Produkten der Familienplanung aus inländischen Mitteln erhöhen wird.

Im Januar erhielten wir die gute Nachricht, dass Kenia laut dem jüngsten Fortschrittsbericht Family Planning 2020 auf dem besten Weg ist, das Ziel für die Verwendung moderner Verhütungsmittel zu erreichen: Seit 2012 hat sich die Nutzung moderner Verhütungsmittel um zwei Millionen Anwender*innen erhöht. 

Um diesen Fortschritt aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, dass die kenianische Regierung und die Bezirksregierungen Mittel für Familienplanung und reproduktive Gesundheit aus unseren nationalen Einnahmen im Haushalt bereitstellen, statt sich wie bisher auf die Finanzierung aus externen Quellen zu verlassen.

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G7 unterstützen weltweite Eindämmung der Corona-Pandemie

February 19, 2021 - 8:43am
NGOs begrüßen klares Bekenntnis zu Solidarität und Multilateralismus

Gemeinsame Reaktion von Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Global Citizen, Oxfam und Save the Children.

Berlin, 19. Februar 2021. Nach dem virtuellen G7-Treffen sagte Bundeskanzlerin Merkel heute neue Mittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro für den ACT-Accelerator zu. Der ACT-Accelerator ist die globale Antwort von Regierungen und Gesundheitsorganisationen auf die Corona-Pandemie. Damit sollen weltweit die Entwicklung und gerechte Verteilung von Covid-19-Impfstoffen, -Tests und -Medikamenten beschleunigt sowie Gesundheitssysteme gestärkt werden.

Neben der Bereitstellung zusätzlicher Mittel durch Deutschland kündigten auch US-Präsident Joe Biden und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weitere Beiträge für COVAX, die Impfstoffsäule des ACT-Accelerators an. Für die USA ist der Beitrag von 4 Milliarden US-Dollar der erste für den ACT-Accelerator. Die EU sagte weitere 500 Millionen Euro zu. Insgesamt kamen damit heute etwa 5,3 Milliarden Euro für die weltweite Eindämmung der Corona-Pandemie zusammen.

„Dies ist ein starker und dringend benötigter Beitrag der Bundesregierung, der USA und der EU. Wir begrüßen dieses klare Bekenntnis zu Solidarität und Multilateralismus und hoffen, dass dieses Signal andere Regierungen inspiriert, diesem Beispiel zu folgen“, sagen die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Global Citizen, Oxfam und Save the Children anlässlich der Bekanntgabe zusätzlicher Mittel zur Eindämmung der Pandemie. Denn ein internationaler Erfolg gegen Covid-19 ist ohne weitere finanzielle Zusagen nicht möglich. Der Bedarf ist immens: 38,1 Milliarden US-Dollar benötigt der ACT-Accelerator, um Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen bei der Eindämmung von Covid-19 zu unterstützen. Bisher wurden ohne die heutigen Zusagen nur circa 6 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Die neuen Beiträge der Bundesregierung, der USA und der EU tragen maßgeblich zur Reduzierung der Finanzierungslücke bei.

Um die Pandemie jedoch weltweit zu beenden, müssen weitere Regierungen jetzt folgen. Insbesondere für Tests und Medikamente werden zusätzliche Mittel benötigt. Darüber hinaus erhöht sich mit jedem Tag, um den die Pandemie unnötig verlängert wird, die Gefahr der Entstehung und Verbreitung von Virusmutationen. Eine fehlende globale Antwort auf die Covid-19-Pandemie wirkt sich zudem direkt auf die Weltwirtschaft, aber auch auf die deutsche Wirtschaft aus.

Bereits im Vorfeld der heutigen Ankündigung hatte Deutschland den ACT-Accelerator mit knapp 600 Millionen Euro unterstützt.

Hintergrundinformationen:

Der ACT-Accelerator (Access to Covid-19 Tools – Accelerator) wurde im April 2020 ins Leben gerufen. Im ACT-Accelerator haben sich seitdem multilaterale Gesundheitsorganisationen, Wissenschaftler*innen sowie Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft versammelt, um gemeinsam die Entwicklung und gerechte Verteilung von Impfstoffen, Diagnostika und Therapeutika im Einsatz gegen die Corona-Pandemie weltweit zu beschleunigen. Der ACT-Accelerator bündelt Expertise und Ressourcen, die einzelne Länder und Organisationen nicht allein mobilisieren können. Das gemeinsame Ziel ist, Lösungen zu finden, die schnell, präzise, skalierbar, erschwinglich und flächendeckend für alle Länder der Welt zugänglich sind. Der ACT-Accelerator besteht aus drei Säulen, darunter die Impfstoff-Säule COVAX, und einem „Health Systems Connector“ zur allgemeinen Stärkung der besonders betroffenen Gesundheitssysteme. Mehr Informationen auf: https://www.who.int/initiatives/act-accelerator

Pressekontakte:

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW):
Anke Witte, Tel.: 0511/ 94 373-32, E-Mail: anke.witte@dsw.org

Global Citizen:
Friederike Meister, Tel.: 01717364470, E-Mail: presse@globalcitizen.org

Oxfam:
Steffen Küßner, Tel.: 0177-8809977, E-Mail: skuessner@oxfam.de.

Save the Children:
Susanne Sawadogo, Tel.: 030-2759 5979 120, E-Mail: susanne.sawadogo@savethechildren.de

 

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein. Mehr unter www.dsw.org

Global Citizen ist eine internationale Kampagnen-Organisation mit dem Ziel, extreme Armut weltweit bis zum Jahr 2030 zu beenden. Unterstützt wird die Organisation bei ihrer Arbeit von Millionen von Global Citizens rund um den Globus, die sich über Themen wie Gleichberechtigung, Bildung, Ernährungssicherheit und Gesundheit informieren und anschließend aktiv werden. Auf diesen Wegen mobilisiert Global Citizen eine große Community von Global Citizens, die zusammen Entscheidungsträger*innen aus Politik und Wirtschaft zum Handeln auffordert und finanzielle und politische Zusagen für die Global Goals der Vereinten Nationen einfordert. Seit Global Citizen im Jahr 2011 mit der Kampagnenarbeit begann, sind Global Citizens mehr als 25 Millionen Mal aktiv geworden. Diese Aktionen haben zu Zusagen von Regierungen, Institutionen und Unternehmen in Höhe von über 48 Milliarden US-Dollar geführt, die bis heute das Leben von 880 Millionen Menschen verbessert haben. Mehr Informationen auf www.globalcitizen.org und auf Twitter/Facebook unter @GlblCtznDe.

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 20 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.500 lokalen Partnern in mehr als 67 Ländern. Mehr unter www.oxfam.de

Save the Children wurde 1919 gegründet und ist heute als größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in mehr als 110 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können – seit über 100 Jahren. Mehr unter www.savethechildren.de

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5 Fragen – 5 Antworten zu Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs)

February 17, 2021 - 5:55pm

Für über eine Milliarde Menschen, die von armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten betroffen sind, bleibt die Gesundheitsforschung eine Schicksalsfrage. Denn zu ihrer Eindämmung wurden noch nicht ausreichende Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente entwickelt.

Bild: DSW

Zu den armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten gehören zum Beispiel HIV, Tuberkulose, Malaria, verschiedene Wurmkrankheiten und die afrikanische Schlafkrankheit. Diese Krankheiten betreffen vor allem Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, aber auch benachteiligte Gruppen in Ländern mit hohem Einkommen. Für wenige armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten gibt es einen Impfstoff. Viele Arzneimittel können toxisch sein und haben häufig schwere Nebenwirkungen. Der Pharmaindustrie fehlt oft der wirtschaftliche Anreiz, für diese Krankheiten Impfstoffe, Medikamente, und Diagnostika zu entwickeln und zu verbessern. Daher wurden in den letzten Jahrzehnten Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) gegründet.

1. Was machen Produktentwicklungspartnerschaften?

Produktentwicklungspartnerschaften sind internationale Non-Profit-Organisationen, die sich auf Forschung und Entwicklung neuer Technologien konzentrieren, damit diese Krankheiten behandelt oder sogar geheilt werden können. In Kooperation mit Pharmafirmen und Forschungseinrichtungen entwickeln PDPs Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika für vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten. Außerdem vernetzen PDPs Forschungseinrichtungen mit öffentlichen und privaten Institutionen und verbessern die Verteilung von knappen Ressourcen.

2. Welche Erfolge konnten gefeiert werden?

Laut einem neuen Bericht der sogenannten Produktentwicklungspartnerschaften-Koalition, die aus zwölf PDPs besteht, konnten in den letzten zehn Jahren viele Erfolge gefeiert werden. So gab es wichtige Fortschritte wie unter anderem:

  • das erste Medikament für eine Behandlung von hoch-resistenten Formen der Tuberkulose,
  • eine Einzeldosis zur Behandlung und zur Verhinderung eines Rückfalls bei der verbreiteten Malariaform p. vivax,
  • die erste rein orale Behandlung für alle Stadien der afrikanischen Schlafkrankheit, und
  • der erste vaginale HIV-Präventionsring, der Frauen eine selbstständig anwendbare Möglichkeit bietet, sich vor HIV zu schützen.

Insgesamt haben diese zwölf Produktentwicklungspartnerschaften von 2010-2020 über 60 neue Gesundheitsinnovationen auf den Markt gebracht. Diese Innovationen haben über 2,4 Milliarden Menschen erreicht, hauptsächlich in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

3. Was macht Produktentwicklungspartnerschaften so besonders?

Zu den besonderen Eigenschaften von Produktentwicklungspartnerschaften gehören unter anderem:

Für eine Detailansicht klicken Sie bitte auf das Bild. Bild: DSW

  • Prävention und Reaktion auf neu auftretende und zukünftige Gesundheitsgefahren: PDPs haben dazu beigetragen, die globale Reaktion auf die Covid-19-Pandemie zu unterstützen. Sie haben Impfstoff- und Antikörper-Kandidaten entwickelt, chemische Datenbanken zur Verfügung gestellt, die auf ihre potenzielle Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 getestet werden, und Arzneimittelforschungstechniken zur Unterstützung der Covid-19-Produktforschung angewandt. Einige PDPs entwickeln auch Produkte und bilden Forschungskoalitionen, um aufkommende Gesundheitsbedrohungen, wie z. B. antimikrobielle Resistenzen, anzugehen.
  • Preis-/Leistungs-Verhältnis: Produktentwicklungspartnerschaften erhalten Gelder und Sachleistungen aus öffentlichen und privaten Quellen. Durch die Bündelung von Ressourcen und die Nutzung von Kooperationen sind sie ein kosteneffektiver Weg, um Leben zu retten und Länder wirtschaftlich zu fördern. Durch ihr Finanzierungsmodell sind PDPs in der Lage, Produkte zu Kosten zu entwickeln, die unter denen des Privatsektors liegen. PDP-Produkte bieten also ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Stärkung lokaler Kapazitäten: Durch Partnerschaften, Schulungen, Infrastrukturverbesserungen und der Förderung der nächsten Generation von Forscher*innen, Expert*innen und Wissenschaftler*innen bauen Produktentwicklungspartnerschaften nachhaltige Forschungsplattformen auf. Damit sind Länder besser darauf vorbereiten, neue und zukünftige Gesundheitsprobleme und Forschungsfragen anzugehen. Außerdem verbessern die entwickelten Produkte oft die Leistungsfähigkeit von Gesundheitssystemen.
  • Beitrag zur universellen Gesundheitsversorgung und den nachhaltigen Entwicklungszielen: Die Entwicklung von Produkten aus dem Portfolio der Produktentwicklungspartnerschaften ist eine notwendige Voraussetzung für eine universelle Gesundheitsversorgung. Außerdem können mehrere Nachhaltigkeitsziele ohne PDPs gar nicht erreicht werden. Zum Beispiel verbesserte Impfstoffe, Medikamente, Diagnostika und Schutzmaßnahmen für Tuberkulose, Malaria und HIV & Aids sowie verbesserte Instrumente für die Gesundheit von Frauen und Kindern.
4. Warum brauchen Produktentwicklungspartnerschaften Investitionen und politischen Willen?

Die Entwicklung medizinischer Technologien braucht Zeit. Einige Forschungsansätze müssen auch verworfen werden. Deswegen benötigen Produktentwicklungspartnerschaften eine stabile langfristige Finanzierung und Investitionen. Sie brauchen dies in jeder Phase des Forschungsprozesses – von der Entdeckung und Epidemiologie bis hin zu klinischen Studien. Eine solche verlässliche Finanzierung kann durch längerfristige staatliche Mittel ermöglicht werden.

Um weltweit eine Verbesserung der Gesundheit zu erreichen, erfordert es einen ganzheitlichen Ansatz. Daher sind verstärkte Investitionen und eine sektorübergreifende Zusammenarbeit erforderlich, um die weit verbreitete Einführung, Bereitstellung und Umsetzung neuer Gesundheitstechnologien zu gewährleisten.

5. Setzt sich die Bundesregierung für Produktentwicklungspartnerschaften ein?

Ja, das tut sie. Einige Produktentwicklungspartnerschaften werden seit 2011 über das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Sogar in ihrer neuen Globalen Gesundheitsstrategie nennt die Bundesregierung PDPs als ein erfolgreiches Instrument, um vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten weiter einzudämmen. Die derzeitige Förderung (2016-2021) der Produktentwicklungspartnerschaften wurde pandemiebedingt bis Ende 2022 verlängert. Wie die nächste Bundesregierung dieses wichtige Instrument dann weiter fördert oder ob sie es sogar verstetigt, bleibt abzuwarten.

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Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung 2021: Fälle steigen an

February 5, 2021 - 8:00am
DSW: „In Zeiten von Covid-19 haben junge Mädchen und Frauen ein deutlich höheres Risiko an ihren Genitalien verstümmelt und früh verheiratet zu werden.“

Hannover, 5. Februar 2021. Über 200 Millionen Frauen weltweit sind von Genitalverstümmelung betroffen (s. Grafik 1/ Grafik 2) Laut des aktuellen Weltbevölkerungsberichtes des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) könnte die Zahl der Mädchen und Frauen, die jährlich an ihren Genitalien verstümmelt werden, von 4,1 Millionen in 2020 auf 4,6 Millionen in 2030 ansteigen. Die Corona-Pandemie verschärft das Problem, da schädliche Praktiken wie Genitalverstümmelung und Frühverheiratung gerade in Krisenzeiten zunehmen. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar aufmerksam.

Corona-Pandemie verschärft das Problem

„In Zeiten von Covid-19 haben Mädchen und Frauen ein deutlich höheres Risiko an ihren Genitalien verstümmelt und früh verheiratet zu werden“, erklärt Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Erfahrungsberichte aus Ostafrika belegen, dass Lockdown und Schulschließungen während der Pandemie dazu führten, dass viele Mädchen zu Hause blieben und der Genitalverstümmelung in ihren Gemeinschaften ausgesetzt waren. Denn diese Praxis wird dort oftmals als Voraussetzung für die Heirat oder als Übergangsritus zum Erwachsenenalter angesehen. Mädchen, die das grausame Ritual nicht durchleben mussten, werden von der Gemeinschaft häufig als nicht heiratsfähig angesehen.

Der Widerstand wächst

Nach UNFPA-Angaben geht der Anteil der von Genitalverstümmelung betroffenen Mädchen und Frauen zwar insgesamt zurück, doch die absolute Zahl der Mädchen und Frauen, die dieser Praxis unterworfen werden, nimmt aufgrund des Bevölkerungswachstums zu. „Weltweit wächst der Widerstand unter jungen Frauen und Männern gegen diese Praktik, dennoch steigen die Zahlen weiter. Gerade in Zeiten von Covid-19 müssen noch sehr viel größere Anstrengungen zur Abschaffung dieser Praxis unternommen werden,” sagt Jan Kreutzberg (s. Grafik 3). In den letzten Jahren wurden enorme Fortschritte dabei erzielt, weibliche Genitalverstümmelung und Frühverheiratung zu beenden. Weil entsprechende Dienste und Programme durch Kontaktbeschränkungen nur begrenzt zugänglich sind, drohen aktuell Rückschritte durch die Corona-Krise.

Lebenslange Folgen

„Schädliche Praktiken, wie zum Beispiel weibliche Genitalverstümmelung oder Frühverheiratung, sind der Ausdruck davon, dass Mädchen und Frauen nicht frei über ihre Körper und ihr Leben entscheiden können. Es ist unerlässlich, dass insbesondere in den am meisten betroffenen Ländern offen über die Auswirkungen dieser Praktiken gesprochen wird und Aufklärung stattfindet. Es muss ein viel stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen, wie lebensbedrohlich und traumatisierend es für Mädchen und junge Frauen ist. Nur wenn der Mantel des Schweigens durchbrochen wird, können patriarchalische Strukturen aufgebrochen werden,” sagt Kreutzberg. Zu den kurzfristigen Folgen von Genitalverstümmelung gehören heftige Schmerzen, starker Blutverlust, Infektionen und Tod. Viele Betroffene leiden lebenslang unter Traumata, psychischen Problemen, Einschränkungen des sexuellen Empfindens, Unfruchtbarkeit, Komplikationen bei Geburten und haben ein erhöhtes Risiko für Totgeburten (s. Grafik 4).

Geschlechtergerechtigkeit fördern

Neben der Aufklärung über die grausamen Auswirkungen dieser Praktik müssen Mädchen darin unterstützt werden, Schulen bis zum Abschluss zu besuchen statt früh verheiratet zu werden. So werden die Chancen von Mädchen erhöht, als Erwachsene ein eigenes Einkommen erwirtschaften und selbstbestimmt leben zu können.

„Jugendklubs, wie die DSW sie in ihren ostafrikanischen Partnerländern betreibt, leisten einen wertvollen Beitrag zur Veränderung von Geschlechternormen. Sie stärken das Selbstvertrauen junger Menschen und unterstützen vor allem Mädchen auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben”, sagt Kreutzberg. Zudem setzt sich die DSW dafür ein, neben den jungen Menschen möglichst alle Beteiligten so zu stärken, dass sie sich aktiv für Geschlechtergerechtigkeit und gegen schädliche Praktiken einsetzen können. Dazu gehören politische Entscheidungsträger*innen, religiöse Führer, Lehrkräfte ebenso wie die Überlebenden und Gefährdeten selbst.

Nachhaltige Entwicklungsziele erreichen

Die Weltgemeinschaft hat sich mit den nachhaltigen Entwicklungszielen vorgenommen, bis 2030 Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen. Die Zielvorgabe 5.3 der Agenda 2030 beinhaltet die Beseitigung aller schädlichen Praktiken. Dazu zählen auch Genitalverstümmelung und Frühverheiratung bei Frauen und Mädchen.

Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Unser Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Wir engagieren uns für die Umsetzung des Menschenrechts auf Familienplanung. Insbesondere unterstützen wir junge Menschen in Ostafrika dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringen wir uns auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Bilder und Grafiken
  • Bild : Ehem. Beschneiderin_West Pokot-Kenia_Brian Otieno-DSW

    Vorschlag Bildunterschrift:
    Eine ehemalige Beschneiderin aus West Pokot (Kenia) erzählt: „Ich habe weibliche Genitalverstümmelung in der Gemeinde praktiziert, weil es eine Kultur ist und ich es von meinen Eltern geerbt habe. Ich hörte mit der Praxis auf, weil es eine Aufklärungskampagne in der Gemeinde gab. Ich habe viele junge Mädchen gesehen, die aufgrund der Komplikationen verblutet sind, vor allem während der Geburt. Diese Praxis sollte aufhören, denn es ist gegen das Gesetz, es führt zum Tod von so vielen Mädchen, über die die Gemeinschaft nicht spricht, die Leute schweigen einfach.”
    Urhebernachweis: © Brian Otieno/ DSW

 

Weitere Informationen: Begriffserklärungen

Weibliche Genitalverstümmelung: Unter weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) versteht man die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien und andere Verletzungen der weiblichen Geschlechtsorgane aus nicht-medizinischen Gründen. Sie findet in allen Regionen der Welt statt und betrifft heutzutage 200 Millionen Frauen und Mädchen. Sie verletzt das Recht von Frauen und Mädchen auf Gesundheit, körperliche Unversehrtheit und Freiheit von Diskriminierung. Sie kann sogar tödlich enden. Dennoch besteht diese schädliche Praktik weiter, basierend auf dem fehlgeleiteten Glauben, dass sie die Fruchtbarkeit erhöhe, die sexuelle Lust der Männer steigere, die weibliche Sexualität unterdrücke, religiösen Forderungen entspreche oder zu gesellschaftlicher Akzeptanz führe. In einigen Ländern gelten Frauen und Mädchen nach einer Genitalverstümmelung als „heiratsfähiger“.

Frühverheiratung: Man spricht von einer Frühverheiratung, wenn mindestens eine der eheschließenden Personen das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Das kann sowohl ein Mädchen als auch ein Junge sein. In der großen Mehrheit sind es jedoch Mädchen. Frühverheiratungen sind fast überall verboten und doch werden jeden Tag 33.000 Mädchen noch vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, in allen Teilen der Welt, in jeder Kultur und jeder Religion. Es wird geschätzt, dass 650 Millionen heute lebende Mädchen und Frauen im Kindesalter verheiratet wurden. Wenn ein Mädchen verheiratet wird, endet in der Regel die Schulausbildung. Das Kinderkriegen beginnt. Die Wahrscheinlichkeit schwangerschaftsbedingter Todesfälle und geschlechtsbasierter Gewalt erhöht sich. Oft rechtfertigen Eltern die frühe Heirat von Mädchen als eine Möglichkeit, ihre wirtschaftliche Zukunft zu sichern. Eine Grundlage dieser Tradition ist in der Regel der Wunsch der Eltern, die Jungfräulichkeit eines Mädchens für ihren Ehemann zu bewahren.

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5 Fragen – 5 Antworten zu weiblicher Genitalverstümmelung

February 4, 2021 - 9:05am

Der 6. Februar ist der internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 200 Millionen beschnittene Mädchen und Frauen leben. Was hat es mit der Praxis auf sich? Hat sie etwas mit Religion zu tun? Und was kann man dagegen tun? Hier sind fünf Fragen und fünf Antworten zum Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung.

1. Warum Verstümmelung und nicht Beschneidung?

Bis in die 80er Jahre hinein wurde noch häufig von weiblicher Beschneidung gesprochen. Entwicklungsorganisationen und Aktivist*innen drängten jedoch darauf, den Begriff durch „Genitalverstümmelung“ zu ersetzen. Das Argument:
Bei der Beschneidung von Jungen oder Männern wird die Vorhaut des Penis abgetrennt. Bei Mädchen und Frauen hingegen ist das gesamte äußere Genital betroffen. So wäre das männliche Pendant zur weiblichen Genitalverstümmelung näher an der Kastration als an der Beschneidung. Die Verwendung des Begriffs Genitalverstümmelung soll zudem klar zeigen, dass bei dem Eingriff das Menschenrecht der körperlichen Unversehrtheit verletzt wird.

Wenn es nicht um die grausame Praktik selbst, sondern um ihre Opfer geht, sprechen wir aus Respekt vor jenen, die den Eingriff erleben mussten, von beschnittenen und nicht verstümmelten Frauen.

2. Was passiert bei der Genitalverstümmelung?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, denn es gibt viele Formen der Genitalverstümmelung (siehe Abbildung, die auch unterschiedlich durchgeführt werden. Die schmerzhafteste und mit Abstand gefährlichste Form ist die pharaonische Genitalverstümmelung, die normalerweise von traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt wird.

Meist sind die Mädchen jünger als 15 Jahre, wenn ihnen mit einem unsterilisierten Messer oder einer Glasscherbe der Genitalbereich abgeschnitten wird. Eine Betäubung bekommen die Meisten nicht. Nachdem die Wunde vernäht wurde, bleibt ihnen nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut. Für etwa einen Monat werden ihnen die Beine verbunden, damit die Wunde heilen kann. Viele Mädchen und Frauen verbluten dabei oder sterben später an den Folgen, wie beispielsweise Wundstarrkrampf oder Tetanus.

Allerdings gibt es auch andere Formen: In Ägypten, wo 87 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten sind, wird fast die Hälfte aller Eingriffe von Ärzt*innen vorgenommen. Die­ser „medi­zi­ni­sche“ Ein­griff redu­ziert zwar das Ster­be­ri­siko und ver­min­dert die Neben­wir­kun­gen für die Mäd­chen und Frauen. Eine Men­schen­rechts­ver­let­zung bleibt es aber dennoch. Neben den körperlichen Beschwerden haben die Frauen oft ein Leben lang mit den psychischen Folgen zu kämpfen.

3. Ist Genitalverstümmelung eine islamische Praxis?

Häufig heißt es, Genitalverstümmelung komme aus dem Islam. Diese Behauptung stimmt jedoch nicht. Im Koran heißt es in Sure 95,4: „Wahrlich, wir haben den Menschen in bester Form erschaffen.“ Im vorwiegend christlichen Äthiopien sind ca. 65 Prozent und in Sierra Leone sogar 86 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Die Religion wird zwar oft als Grund vorgeschoben, auch von den religiösen Meinungsführer*innen selbst, doch es ist vielmehr eine traditionelle Praktik, die vor allem in Ländern Afrikas und des Mittleren Ostens durchgeführt wird und älter ist als Islam oder Christentum. Dies belegen unter anderem mumifizierte Körper pharaonischer Prinzessinnen.

4. Warum wird die Genitalverstümmelung durchgeführt?

Weibliche Genitalverstümmelung ist Teil eines Übergangsrituals vom Mädchen zur Frau. Es passiert jedoch nicht immer im Jugendalter. Denn damit sich die Mäd­chen nicht dazu äußern können oder sogar von den vielerorts bestehenden Gesetzen Gebrauch machen, wer­den sie häu­fig schon in ganz jun­gen Jah­ren beschnitten.

Es  ist eine Tradition, die tief in den Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit verwurzelt ist. Unter der Ostafrikanischen Volksgruppe Massai gelten unbeschnittene Frauen beispielsweise als unrein und damit für den Heiratsmarkt als wertlos. Und noch ein Aspekt spielt eine wichtige Rolle: Da der Geschlechtsverkehr für die meisten beschnittenen Frauen große Schmerzen mit sich bringt, soll es sie davor „schützen“ ihren Ehemann zu betrügen.

Wenn die Rolle der Ehefrau für ein Mädchen die einzige Perspektive ist, ist die Heiratsfähigkeit (und damit die Beschneidung) für Eltern auch eine Form der Absicherung ihrer Tochter. Für die Fortführung dieser Begründung spielen die Frauen in den Gemeinde eine wichtige Rolle: Der Eingriff wird unter Ausschluss von Männern durchgeführt und häufig von der eigenen Mutter forciert.

5. Was kann man dagegen tun?

Aufklärung! Und außerdem: Frauen stärken, Frauen stärken und nochmals Frauen stärken. Denn wenn Frauen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen, ihr eigenes Einkommen verdienen und damit auch finanziell unabhängig sind, wird dieser Tradition eine wichtige Grundlage genommen. Wenn ihr Recht auf Unversehrtheit sowie körperliche und sexuelle Selbstbestimmung gewahrt wird, können sie sich entfalten und zu Fürsprecherinnen ihrer eigenen Bedürfnisse werden.

Hierfür müssen sich auch die lokalen Autoritäten wie Dorfvorsteher, religiöse Meinungsführer*innen und Gesundheitspersonal stark machen. Informationen, Diskussionen und kritische Reflexion gehören also genauso dazu, wie der Erlass von Gesetzen. Das kann sich auch in alternativen Zeremonien für Mädchen ausdrücken, die zwar den Übergang zum Erwachsenwerden markieren, aber die Mädchen nicht verletzen.

Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist auch die Beschneiderin: Zum einen verdient sie ihren Lebensunterhalt mit der Durchführung dieser Zeremonie. Zum anderen ist sie hierdurch ein angesehenes Mitglied ihrer Gemeinschaft. Wenn sie Zugang zu anderer Arbeit sowie zu Informationen über Genitalverstümmelung bekommt, kann sie zu einer wirkungsvollen Advokatin gegen die Praktik werden.

Dieser Beitrag ist  erstmals am 04.02.2019 erschienen und wurde aktualisiert.

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Prävention von Teenagerschwangerschaften

February 1, 2021 - 7:30am
Bingo-Umweltstiftung fördert Gesundheitsprojekt für Jugendliche in Tansania DSW: „Unter dem Titel ‚Meine Gesundheit – meine Schule‘ investieren wir in die Bildungschancen von Mädchen.“

Hannover, 1. Februar 2021. Ein neues Pilotprojekt der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) geht mit Beginn dieses Jahres an den Start! Ziel ist es, die Lebensbedingungen junger Menschen in Tansania zu verbessern. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) fördert das Projekt mit 60.000 Euro. Da in Tansania der Anteil von Teenagerschwangerschaften weltweit zu den höchsten gehört, will die DSW mit Unterstützung der Bingo-Umweltstiftung frühe Schwangerschaften durch Aufklärung verhindern. Nach Angaben des Tanzania National Bureau of Statistics sind 27 Prozent der Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren bereits Mutter oder mit dem ersten Kind schwanger.

„Eine Schwangerschaft im Schulalter bedeutet für Mädchen in Tansania meist auch das Ende ihrer Schullaufbahn und ein Leben in Armut. Die Corona-Pandemie verschärft dieses Problem noch: Während des Lockdown haben Teenagerschwangerschaften in unseren ostafrikanischen Partnerländern enorm zugenommen. Mit dem Projekt beugen wir nicht nur Teenagerschwangerschaften vor, wir senken auch die Quote der Schulabbrecherinnen in Tansania. Zudem finden wir in dieser Pilotphase heraus, wie Sexualaufklärung und Beratungsstrukturen an Schulen in Tansania jetzt und in Zukunft nachhaltig verbessert werden können. Wir freuen uns, dass die Bingo-Umweltstiftung gemeinsam mit uns in die Bildung und Chancengleichheit von Mädchen investiert,“ sagt Angela Bähr, stellvertretende Geschäftsführerin der DSW in Hannover.

Im Rahmen des zwölfmonatigen Pilotprojekts „Afya yangu – Shule yangu“ – „Meine Gesundheit – Meine Schule“ baut die DSW an fünf Sekundarschulen in Tansanias Hauptstadt Dodoma Anlaufstellen für Jugendliche auf. Dort erhalten sie Informationen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, ihren Rechten und erfahren, welche Verhütungsmittel es gibt und wo sie nach ihnen fragen können. 40 Jugendberater*innen und 15 Kontaktlehrer*innen werden eigens dafür ausgebildet.

„Die Bingo-Umweltstiftung hält es für besonders bemerkenswert, dass die DSW das Projekt in Zusammenarbeit mit den lokalen Schulen und Jugendorganisationen, Gesundheitsdienstleistern und weiteren Partnern entwickelt hat”, sagt Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr. Zudem sei das hohe ehrenamtliche Engagement besonders hervorzuheben.

Weitere Informationen Zahlen und Fakten rund um Teenagerschwangerschaften
  • Weltweit entfallen nahezu 95 Prozent der Geburten unter Minderjährigen auf Entwicklungsländer.
  • Mädchen, die im Alter von 13 Jahren heiraten, bringen im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 26 Prozent mehr Kinder zur Welt als Mädchen, die mit 18 oder später heiraten.

Quelle: UNFPA Weltbevölkerungsbericht, 2020

Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Über die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert Umwelt- und Naturschutzprojekte sowie Projekte zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit und der Denkmalpflege. Die Stiftung finanziert sich aus der Glücksspielabgabe und vor allem aus Einnahmen der Bingo-Umweltlotterie. Weitere Informationen unter www.bingo-umweltstiftung.de.

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Mexico City Policy außer Kraft: Biden-Regierung muss enormen Rückstand aufholen

January 26, 2021 - 9:11am
DSW: „Die Aufhebung der Global Gag Rule wird tausenden Mädchen und Frauen das Leben retten.“

Hannover, 28. Januar 2021. Heute hat US-Präsident Joe Biden die sogenannte Mexico City Policy außer Kraft gesetzt. Aufgrund der Richtlinie – auch Global Gag Rule genannt – wurden vielen Organisationen, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten, sich für deren Legalisierung einsetzen oder Frauen dazu beraten, während der Trump-Präsidentschaft US-amerikanische Entwicklungsgelder vollständig gestrichen. In der Folge fehlte auch zahlreichen Projekten, die nichts mit Schwangerschaftsabbrüchen zu tun haben, die Finanzierung.

Die Mexico City Policy wurde erstmals 1984 von dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan eingeführt. Seither wurde sie von demokratischen Präsidenten jeweils ausgesetzt und von republikanischen stets wieder eingeführt. Nicht-US-amerikanische Organisationen, die sich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit für sexuelle und reproduktive Gesundheit einsetzen, mussten während der Trump-Präsidentschaft die dringend benötigten Aktivitäten zur Sexualaufklärung und Versorgung mit Verhütungsmitteln massiv einschränken oder gar ganz einstellen. Das bedeutet, dass sich Millionen Mädchen und Frauen nicht mehr vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen konnten. Bei unbeabsichtigten Schwangerschaften wurde ihnen der Zugang zu sicheren Abbrüchen zusätzlich erschwert. Insbesondere für Teenager sind diese Angebote lebenswichtig: Schwangerschaften und unsichere Abtreibungen sind weltweit die häufigste Todesursache für 15- bis 19-Jährige.

Dazu sagt Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW):

„Wir freuen uns sehr über diese wegweisende Entscheidung des neuen US-Präsidenten Joe Biden. Die Aufhebung der Global Gag Rule wird tausenden Mädchen und Frauen das Leben retten. Dennoch kommt die Entscheidung für viele Mädchen und Frauen, die Leidtragende der Global Gag Rule waren, zu spät. Denn die Richtlinie hatte verheerende Auswirkungen für sie und ihren künftigen Lebensweg. Leider ist genau das eingetreten, was im Vorfeld auch schon durch wissenschaftliche Studien belegt war: Die Mexico City Policy hat die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nicht reduziert. Im Gegenteil: Sie ist gestiegen und mit ihr insbesondere die Zahl unsicherer Abbrüche.“

Der Anteil der unbeabsichtigten Schwangerschaften weltweit, die mit einem Abbruch enden, lag seit 1990 bei rund 51 Prozent. In der Zeit von 2015 bis 2019 stieg der Anteil auf 61 Prozent.

„Die Bundesregierung hat ihre Entwicklungszusammenarbeit im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte in den letzten Jahren aufgestockt. Mit diesen Erhöhungen wurden insbesondere Organisationen wie IPPF (International Planned Parenthood Federation) oder MSI Reproductive Choices unterstützt, die von der Global Gag Rule besonders betroffen waren. Die Aufhebung der Global Gag Rule darf nicht dazu führen, dass Deutschland nun weniger tut. Stattdessen muss sich Deutschland gemeinsam mit den USA und anderen gleichgesinnten Staaten verstärkt dafür einsetzen, dass die enormen Rückstände in diesem Bereich aufgeholt werden. Jede Frau und jedes Mädchen muss über den eigenen Körper entscheiden können, jede Schwangerschaft soll gewollt und jede Geburt sicher sein,“ sagt DSW-Geschäftsführer Kreutzberg.

Die DSW entschied im Herbst 2017 Projektverträge, die eine Anerkennung der Global Gag Rule verlangt hätten, nicht zu unterschreiben. Dies wirkte sich spürbar z.B. auf die Arbeit der DSW in Kenia aus. Allein für das Jahr 2018 fielen dort Fördermittel aus dem US-Gesundheitsprogramm in Höhe von 600.000 US-Dollar weg.

Weitere Informationen Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

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Referent*in Finanzen

January 22, 2021 - 11:01am

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Neben ihrem Hauptsitz in Hannover ist die DSW in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda sowie mit Verbindungsbüros in Berlin und Brüssel vertreten. Mehr Informationen unter www.dsw.org.

Die DSW sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine*n

Referent*in Finanzen

mit Dienstort Hannover.

Der*die Referent*in wird an der erfolgreichen Umsetzung der Zielsetzungen der Stiftung mitwirken und insbesondere die finanzielle Betreuung und Begleitung von Projekten in Ostafrika übernehmen.

Er*Sie wird als Mitglied des Bereichs Finanzen eng mit den Kolleg*innen aus den Teams Ressource Mobilisation und Projekt Management sowie den Kolleg*innen in den Partnerländern zusammenarbeiten.

Ihre Aufgaben:
  • Eigenverantwortliche finanzielle Betreuung von zugewiesenen Projekten in engem Austausch mit dem Kollegium in den Länderbüros und Partnerorganisationen sowie den Projektverantwortlichen im Head Office,
  • Unterstützung bei der Entwicklung von Projektbudgets unter Berücksichtigung der Geldgeberregularien,
  • Unterstützung bei der Überarbeitung und Monitoring der Jahresbudgets der Länderbüros,
  • Besprechung und Abstimmung der Monatsabschlüsse mit den Kolleg*innen der Länderbüros,
  • Unterstützung der Länderbüros/Partner bei der Definition und Weiterentwicklung von finanziellen Berichtsformaten,
  • Mitarbeit und Prüfung bei Monats- und Jahresabschlussarbeiten nach HGB sowie
  • Projektabrechnungen und –abstimmungen sowie Klärung von Verrechnungsposten.
Wir erwarten:
  • Abgeschlossenes Hochschulstudium im Finanzbereich oder vergleichbare Qualifikation (kaufmännische Ausbildung und mehrjährige, einschlägige Berufserfahrung)
  • Sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift, um intern und extern aktiv Austausch zu fachlichen Themen gestalten zu können
  • Kenntnisse im Finanzmanagement: Budgetierung und Planung, Buchhaltung, Projektcontrolling
  • Erfahrung mit Geldgeberregularien und deren Anwendung
  • Routinierter Umgang mit relevanter Buchungs- und Bürosoftware, insbesondere MS Excel
  • Hohe Kommunikations- und Teamfähigkeit
  • Bereitschaft zu Dienstreisen
Wir bieten:
  • eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einem motivierten Team
  • ein spannendes Themenfeld in einem internationalen und abwechslungsreichen Arbeitsumfeld
  • eine angemessene Vergütung
Bewerbungsverfahren:

Wenn Sie Interesse haben, senden Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf und Anschreiben) bitte mit dem Verweis “DSW2021_01 Referent*in Finanzen” per E-Mail an: jobs.deutschland@dsw.org

Bitte beachten Sie, dass nur Bewerbungen mit der Referenznummer „DSW2021_01 Referent*in Finanzen” in der Betreffzeile der E-Mail berücksichtigt werden können.

Das Arbeitsverhältnis ist zunächst befristet auf zwei Jahre mit Aussicht auf eine unbefristete Übernahme.

Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2021.

Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!

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Die Katastrophe in der Katastrophe

January 19, 2021 - 3:32pm

Corona führt in Kenia zu noch mehr Teenager-Schwangerschaften. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) kämpft dafür, dass die Pandemie Mädchen in Entwicklungsländern nicht das Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft raubt.

Fotos und Text: Brian Otieno, Philipp Hedemann

Catherine streicht sich vorsichtig über den Bauch: „So kann ich nicht nach Hause kommen. So darf Mama mich nicht sehen.“ Die Wölbung ist jetzt nicht mehr zu verstecken. In wenigen Wochen wird sie ein Baby zur Welt bringen. Catherine ist 17 Jahre alt. Sie hat die Schwangerschaft nicht gewollt. Sie ist eine von Hunderttausenden jungen Frauen, die seit Beginn des Corona-Lockdowns in Kenia unfreiwillig schwanger geworden sind. Die Covid-19-Pandemie führt dazu, dass sich im ostafrikanischen Land viele Mädchen nicht vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen können. Für sie ist die frühe Mutterschaft im Lockdown oft eine Katastrophe in der Katastrophe. Mit Aufklärungsarbeit setzt sich die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) aus Hannover dafür ein, dass die Pandemie Mädchen und Frauen in Kenia und weiteren ostafrikanischen Ländern nicht ihrer Zukunftschancen beraubt.

Catherine besuchte die siebte Klasse, als die Pandemie im März ihr Heimatland Kenia erreichte. Die Regierung erließ bald einen strengen Lockdown. Ausgangssperren, Kontaktverbote und vor allem: Schließung aller Schulen. Eine Wiedereröffnung ist nicht in Sicht. Mittlerweile gibt es Homeschooling – aber nicht für Catherine.

Sie weiß, dass Bildung der einzige Weg ist, der Armut zu entkommen

Als der Lockdown verhängt wurde, lebte sie mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer kleinen wellblechgedeckten Lehmhütte. Ohne Smartphone, ohne Computer, ohne Elektrizität. Catherine wollte diesem Leben endlich entfliehen, in einem Haus mit fließendem Wasser und Strom leben. Sie weiß, dass Bildung der einzige Weg ist, der Armut zu entkommen. Bildung, die sie jetzt nicht erhält, weil ihre Mutter zu arm ist, um ein Smartphone zu kaufen, mit dem Catherine am Unterricht teilnehmen könnte.

Weil sie im Lockdown schwanger geworden ist, wird sie nicht in die Schule zurückkehren können. Finanzielle Sorgen hat Catherine schon jetzt. Bild: DSW / Brian Otieno.

Zunächst arbeitete Catherine selbstständig ihre wenigen Schulbücher durch. Doch bald hatte sie die letzte Seite gelesen. Sie langweilte sich. Irgendwann beschloss sie, das Dorf in der Nähe des Victoriasees im Westen Kenias zu verlassen und an die Küste nach Mtwapa zu ziehen. Ihre ältere Schwester war zuvor in die Stadt nördlich der Hafenmetropole Mombasa gegangen. Bevor die meisten Flüge aus Europa nach Kenia eingestellt wurden, war der Ort für seinen Sextourismus berüchtigt. An den Traumstränden des Indischen Ozeans prostituierten sich auch viele minderjährige Mädchen.

„Als ich ihm sagte, dass ich von ihm schwanger sei, wollte er zunächst nichts damit zu tun haben“

Für die zweitägige Busfahrt an die Küste gab Catherine ihr letztes Geld aus. Als sie bei ihrer Schwester ankam, war sie mittellos. Dann lernte sie einen Mann kennen, der doppelt so alt war wie sie. „Wir haben geredet und geredet. Er war immer für mich da“, erzählt Catherine. Wenige Wochen nachdem sie ihn, der „so gut zuhören“ konnte, das erste Mal getroffen hatte, war die damals noch 16-Jährige von dem 16 Jahre älteren Mann schwanger – und plötzlich wollte er dem Mädchen vom Land nicht mehr zuhören. „Als ich ihm sagte, dass ich von ihm schwanger sei, wollte er zunächst nichts damit zu tun haben“, berichtet Catherine und kämpft dabei mit den Tränen.

In langen Gesprächen gelang es der jungen werdenden Mutter schließlich, den künftigen Vater zu überzeugen, Verantwortung für das ungeborene Kind zu übernehmen. Mittlerweile lebt Catherine mit ihrem Partner in einer kleinen Wohnung. Das bisschen, was er verdient, reicht gerade so, dass zwei über die Runden kommen. Wie Catherine und ihr Freund sich in wenigen Wochen zusätzlich Windeln, Kleidung und ein neues Moskitonetz kaufen sollen, um das Baby vor Malaria zu schützen, wissen sie noch nicht.

Hilfsorganisationen fürchten einen 40-prozentigen Anstieg von Teenager-Schwangerschaften

Mit den Schulschließungen fielen viele Aufklärungsangebote weg. Auch sind Gemeindezentren geschlossen, in denen es günstige Verhütungsmittel gibt. Die Folge: eine Zunahme von Teenager-Schwangerschaften. Bild: DSW / Brian Otieno.

Catherine ist kein Einzelfall. Schon vor Ausbruch der Pandemie war in Kenia fast jede fünfte Schwangere jünger als 20 Jahre. Genaue Zahlen liegen nicht vor. Aber nach Schätzungen von Hilfsorganisationen könnte der coronabedingte Lockdown zu einem 40-prozentigen Anstieg von Teenager-Schwangerschaften führen. Allein in Kenia könnten so Hunderttausende Minderjährige Mutter werden.

Auch in vielen weiteren Ländern des globalen Südens könnte Corona zu einem unbeabsichtigten Babyboom führen. Experten des renommierten Guttmacher-Instituts berichten, dass die Covid-19-Pandemie unter anderem durch Unterbrechung von Lieferketten bereits jetzt drastische Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln hat. Zudem würden dringend in der Familienplanung benötigte Kapazitäten abgezogen und für die Pandemiebekämpfung eingesetzt.

Corona wirft die Entwicklungszusammenarbeit um Jahre zurück

Schwierige Zeit: Krankenschwester Hellen Mbodze Tunje möchte Mädchen wie Catherine gerne helfen. Bild: DSW / Brian Otieno.

Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) befürchtet, dass coronabedingte Einschränkungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen innerhalb von sechs Monaten zu sieben Millionen zusätzlichen unbeabsichtigten Schwangerschaften führen werden. Sollten die Restriktionen ein Jahr währen, könnte es sogar zu 15 Millionen zusätzlichen unbeabsichtigten Schwangerschaften kommen. Die zumeist unsicheren Abtreibungen könnten sich von 5,7 Millionen auf neun Millionen erhöhen. Da Schwangerschaften im Teenager-Alter besonders oft zu schweren Komplikationen führen, wird befürchtet, dass sich die Todesfälle bei jungen Müttern mehr als verdoppeln könnten, von 27.000 auf 55.000. 168.000 zusätzliche Neugeborene könnten während oder kurz nach der Geburt sterben. Und weil schwangere Mädchen oft besonders früh verheiratet werden und arme Familien in wirtschaftlich schwierigen Zeiten froh sind um jede weitere Tochter, die nicht von der Familie ernährt werden muss, rechnen die Vereinten Nationen damit, dass es infolge der Pandemie in den nächsten zehn Jahren weltweit zu 13 Millionen weiteren Frühverheiratungen kommen wird. So könnte Corona die seit den 1990er-Jahren weltweit erreichten Fortschritte beim Zugang zu Verhütungsmitteln und der Mütter- und Kindergesundheit wieder zunichte machen. Schon jetzt steht fest: Für die vielen Mädchen, die während des Lockdowns unfreiwillig schwanger wurden, wird Covid-19 lebenslange Folgen haben.

Vor allem auf dem Land wird Verhütung oft tabuisiert

„In der Schule haben sie uns nie erklärt, wie man sich vor einer ungewollten Schwangerschaft schützt“, erzählt Catherine mit niedergeschlagenem Blick. In vielen Gemeinschaften in Kenia wird der Wert einer Frau auch im Jahr 2020 noch daran bemessen, wie viele Kinder sie ihrem Mann schenkt. Auf Druck religiöser und konservativer Kräfte findet Aufklärungsunterricht an Schulen kaum oder gar nicht statt. Der Gebrauch von Verhütungsmitteln ist vor allem auf dem Land oft noch tabuisiert und stigmatisiert. Mädchen wie Catherine zahlen dafür einen hohen Preis.

Viele Mädchen werden in der Schule nicht aufgeklärt

Sylvia und ihre Mutter halten fest zusammen. Bald werden sie zu dritt zusammenleben, denn Sylvia ist ungeplant schwanger geworden. Bild: DSW / Brian Otieno.

Obwohl sie im achten Monat schwanger ist, schleppt Sylvia einen 20-Liter-Kanister vom Brunnen zu der aus dünnen Stämmen zusammengezimmerten, mit Lehm verputzen und Palmwedeln gedeckten Hütte ihrer Mutter. Die Sonne steht senkrecht am wolkenlosen Himmel, Sylvia rinnt der Schweiß über die Stirn. Die tropische Hitze macht der Hochschwangeren zu schaffen, aber sie will über der offenen Feuerstelle unbedingt Ugali, einen festen Maisbrei, für sich und ihre Mutter kochen.

Ihre Mama ist die einzige Person, die uneingeschränkt zu Sylvia hält. Der Mann, der es eigentlich tun sollte, macht es nicht. Sylvia lernte ihn in einem Nachtclub kennen, als sie 16 Jahre alt ist, und verliebte sich in den Gleichaltrigen. Ihre Schwangerschaft war weder geplant noch gewollt. „Der Junge hat nie ein Kondom benutzt. Er hat mir versprochen, dass ich trotzdem nicht schwanger werden kann. Ich habe ihm geglaubt. Ich habe ihn geliebt“, sagt Sylvia. Über Verhütungsmittel hat das Mädchen nie etwas gelernt. Weil ihre alleinerziehende Mutter sich Schuluniform und Schulgeld irgendwann nicht mehr leisten konnte, musste Sylvia wie viele ihrer Freundinnen die Schule in der fünften Klasse ohne Abschluss verlassen. Das Thema Verhütungsmittel stand bis dahin nicht auf dem Lehrplan.

Aus Verzweiflung begehen viele Mädchen unsichere Schwangerschaftsabbrüche

In Kenia entscheidet sich nach Schätzungen rund ein Drittel aller schwangeren Mädchen, die Schwangerschaft nicht auszutragen. Sie schlagen sich mit voller Kraft auf ihren wachsenden Babybauch oder gehen aus Mangel an sicheren Alternativen zu einem der unzähligen illegalen, schlecht oder gar nicht ausgebildeten Laien-Medizinern.

Diese verabreichen den verzweifelten Schwangeren giftige Säfte oder Tabletten, die das ungeborene Kind im Mutterleib töten sollen. Nicht selten kommt das Baby trotzdem zur Welt, dann häufig mit schwersten Missbildungen. In anderen Fällen ist die Dosis des Gifts so stark, dass auch die Schwangere daran stirbt.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Kenia die zweithäufigste Todesursache bei Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Seit dem Corona-Lockdown werden zudem immer wieder Leichen Neugeborener gefunden, die von ihren verzweifelten Müttern nach der Geburt getötet oder ausgesetzt wurden.

„Alle Mädchen, die sexuell aktiv sind, sollten wissen, wie man sich schützen kann.“

Unter sengender Sonne: Sylvia lebt in einer Lehmhütte. Um die Schule auch nach der fünften Klasse besuchen zu können, reichte das Geld nicht. Bild: DSW / Brian Otieno.

Alleine wäre auch Sylvia mit ihrem Baby vollkommen überfordert, doch mit Unterstützung ihrer Mutter will sie das Kind zur Welt bringen und ihm eine gute Mutter sein. „Meine Mutter wird mir helfen. Zusammen schaffen wir es“, sagt Sylvia.

Sie spricht mit fester Stimme. Dennoch klingt es eher so, als wolle sie sich mit dem, was sie sagt, Mut für eine ungewisse Zukunft machen. Eine Zukunft, in der der Vater ihres Kindes keine Rolle spielen soll. „Ich hätte Angst, dass er mich schlagen würde, weil ich schwanger geworden bin. Ich will ihn nicht mehr sehen und nie wieder mit ihm sprechen“, sagt die junge Frau voller Überzeugung.

Doch mit ihren Freundinnen, die früher mit ihr in schummrigen Bars und Nachtclubs abhingen, möchte sie sprechen. Und zwar über Verhütungsmittel. Sylvia: „Alle Mädchen, die sexuell aktiv sind, sollten wissen, wie man sich schützen kann.“

Eltern reagieren gegenüber ihren Töchtern oft gewalttätig, wenn sie erfahren, dass sie einen Freund haben

Mwanasiti Juma Ali kennt viele Mädchen wie Catherine und Sylvia – und durch Corona werden es immer mehr. Als ehrenamtliche Gesundheitshelferin geht sie in Mtwapa täglich von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte und spricht im Auftrag der DSW mit Eltern und Kindern über Verhütung und Familienplanung. „Weil die Schulen geschlossen sind, müssten jetzt eigentlich die Eltern mit ihren Kindern über Verhütung sprechen. Aber die meisten machen es einfach nicht“, sagt Mwanasiti Juma Ali. Statt ihnen zu sagen, wie sie sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV und ungewollten Schwangerschaften schützen können, reagieren viele Eltern gegenüber ihren Töchtern gewalttätig, wenn sie erfahren, dass sie einen Freund haben. „Sie fordern von ihren Kindern absolute Enthaltsamkeit, weil sie glauben, dass man durch Verhütung unfruchtbar werden kann. Ich kämpfe mit Aufklärung gegen diese Mythen“, sagt die Mutter von acht Kindern.

Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen hat durch Corona zugenommen

KÄMPFT FÜR Aufklärung: Mwanasiti Juma Ali, selbst Mutter von acht Kindern, möchte Mädchen helfen. Bild: DSW / Brian Otieno.

Durch ihre Gespräche mit verzweifelten Mädchen und jungen Frauen weiß Mwanasiti Juma Ali, dass geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen seit Beginn der Pandemie stark zugenommen hat. Die Täter stammen meist aus der eigenen Familie. Die Unterbrechung von Programmen zur Gewaltprävention, wegbrechende Einkommensmöglichkeiten während des Lockdowns, Eingesperrstsein auf engstem Raum sowie der mögliche Einfluss von Alkohol und Drogen führen vor allem für Frauen und Mädchen zu einer gefährlichen Situation. Vergewaltigungen in der Ehe und durch Familienangehörige sowie Inzest nehmen zu. Weil die Opfer sich in der Regel nicht trauen, die brutalen Verbrechen anzuzeigen und Lehrkräfte nicht mehr Alarm schlagen können, liegen keine genauen Zahlen vor, die Dunkelziffer dürfte die Zahl der gemeldeten Fälle deutlich übersteigen. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) befürchtet, dass coronabedingte Einschränkungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen innerhalb von sechs Monaten zu 31 Millionen weiteren Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt führen könnten.

Durch Schulschließungen sind Teenager auf sich allein gestellt

Bildung ist Alles: Hellen Mbodze Tunje
setzt sich dafür ein, dass Mädchen die Schule beenden. Bild: DSW / Brian Otieno.

Je länger die Schulen in Kenia geschlossen bleiben, desto mehr Mädchenträume werden platzen. Hellen Mbodze Tunje ist Krankenschwester im Gesundheitszentrum in Mtwapa. Sie weiß, dass Maßnahmen wie Schulschließungen notwendig waren, um das fragile kenianische Gesundheitssystem in der Pandemie vor dem Kollaps zu bewahren. Aber sie kritisiert, dass ausgerechnet die besonders gefährdeten Teenager in dieser Zeit weitgehend auf sich alleine gestellt sind. Die Kurve der Corona-Todesfälle konnte durch die Maßnahmen der Regierung vermutlich abgeflacht werden, die Kurve von unbeabsichtigten Schwangerschaften, Kinderehen und geschlechtsbezogener und sexualisierter Gewalt stieg jedoch an. „Es zeigt, dass die Regierung wirksame Schutzmaßnahmen hätte ergreifen sollen, bevor sie die Schulen schließt“, sagt die Krankenschwester. Den Mädchen, die zu ihr kommen, rät sie, wieder die Schule zu besuchen, sobald das möglich ist. Auch Catherine und Sylvia wollen sich diesen Traum eines Tages doch noch erfüllen.

Der Text ist erstmalig im Rossmann-Kundenmagazin Centaur 12/2020 erschienen.

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Weltbevölkerung zum Jahreswechsel 2020/ 2021 – 7.837.693.000 Menschen leben auf der Erde

December 21, 2020 - 9:08am
DSW: „Der Zugang zu Bildung und Verhütung darf durch die Corona-Pandemie nicht erschwert werden.”

Hannover, 21.12.2020: Zum Jahreswechsel 2020/ 2021 leben 7.837.693.000 Menschen auf der Erde, teilt die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mit. Damit ist die Weltbevölkerung im Jahr 2020 um etwa 82 Millionen Menschen reicher geworden. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wächst die Weltbevölkerung aktuell jedes Jahr um etwa 1,09 Prozent. Damit hat sich das Wachstum in den letzten 50 Jahren beinahe halbiert. Mit einem jährlichen Zuwachs von 2,05 Prozent hatte es zwischen 1965 und 1970 seinen Höchststand erreicht und befindet sich seitdem im Rückgang.

Grund dafür ist unter anderem die Entwicklung moderner Verhütungsmethoden und eine bessere Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln. Auch bessere Bildungschancen für Frauen spielen beim Rückgang des Bevölkerungswachstums eine entscheidende Rolle. So zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau und ihrem Bildungsabschluss. „Der Zugang zu Bildung und Verhütung in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen darf durch die Corona-Pandemie nicht erschwert werden!”, darauf macht Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) zum Jahreswechsel aufmerksam. Vor Beginn der Corona-Pandemie waren die UN davon ausgegangen, dass das jährliche Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2025 auf unter ein Prozent sinkt.

DSW: „Covid-19 darf die Erfolge der letzten Jahre nicht ausbremsen!”

„Seit Beginn der Corona-Pandemie beobachten wir in unseren Projektländern Kenia und Uganda eine enorme Zunahme der Teenager-Schwangerschaften, weil Schulen geschlossen sind. Die meisten der schwanger gewordenen Mädchen und jungen Frauen werden nicht in die Schule zurückkehren können, viele werden in Armut leben. Aufklärungskampagnen und eine bessere Versorgung mit modernen Verhütungsmitteln sind jetzt wichtiger denn je – vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Covid-19 darf die Erfolge der letzten Jahre nicht ausbremsen”, warnt Jan Kreutzberg. In Afrika südlich der Sahara ist der Bedarf an modernen Verhütungsmitteln nur zu 55,5 Prozent gedeckt. Das bedeutet, dass beinahe die Hälfte der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren nicht verhüten kann, obwohl sie es gerne möchte. Weltweit liegt der Anteil der Frauen und Mädchen, deren Bedarf an modernen Verhütungsmitteln gedeckt ist, bei 76,8 Prozent.

DSW: „Verhütungsmittel sind auf der Welt ungleich verteilt!”

Mit durchschnittlich 4,7 Kindern, bekommen viele Frauen in Afrika südlich der Sahara mehr Kinder als sie möchten. „Verhütungsmittel sind auf der Welt ungleich verteilt. Es liegt auch in der Verantwortung der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft den Zugang zu Verhütungsmitteln, Aufklärung und Gesundheitsdiensten in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen zu verbessern”, erklärt Kreutzberg. Laut den Vereinten Nationen liegt die Fertilitätsrate im internationalen Durchschnitt aktuell bei 2,4 Kindern pro Frau. Seit den 60er Jahren hat sich die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau mehr als halbiert. Sie lag damals noch bei fünf Kindern pro Frau. Bei einer durchschnittlichen weltweiten Fertilitätsrate von 2,1 Kindern pro Frau würde die Weltbevölkerung nicht weiterwachsen.

Weitere Informationen Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Pressekontakt:

Monika Schröder
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Hindenburgstr. 25 | 30175 Hannover
Telefon: 0511 94373-38 | Fax: 0511 94373-73
E-Mail: presse@dsw.org

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5 Fragen – 5 Antworten zu HIV und Aids

November 30, 2020 - 10:00am

Aids gehört mit Malaria und Tuberkulose zu den drei großen Armutskrankheiten. Die Krankheit verbreitete sich in den 1980er Jahren rasend schnell und ist heute eine der drängendsten Herausforderungen für die globale Gesundheit. Darauf wird jedes Jahr insbesondere am 1. Dezember – dem Welt-Aids-Tag – aufmerksam gemacht.

Durch die aktuelle Corona-Pandemie, die zu Versorgungsengpässen bei Medikamenten und Gesundheitsservices sowie weniger HIV-Tests führt, erfahren die großen Fortschritte der vergangenen Jahre in der Bekämpfung von Aids und HIV aktuell einen Rückschlag. Es darf jedoch nicht zugelassen werden, dass die Eindämmung von HIV und Aids auf das Abstellgleis gerät.

 

1. Was ist der Unterschied zwischen HIV und Aids?

HIV ist das Virus, das die Krankheit Aids auslösen kann. HIV steht dabei für die Abkürzung Human Immunodeficiency Virus, also das menschliche Immunschwäche-Virus. Wer sich mit dem HI-Virus angesteckt hat, ist nicht sofort krank. Ein gesundes Immunsystem kann das Virus anfangs meist noch erfolgreich bekämpfen und der Infizierte bleibt beschwerdefrei. Doch das Virus verschwindet nicht, sondern vermehrt sich weiter und schwächt das Immunsystem bis zu dem Punkt, an dem es den Körper nicht mehr vor anderen Infektionen schützen kann und die Krankheit ausbricht. Dann kann selbst eine harmlose Erkältung zur tödlichen Bedrohung werden. Ab diesem Moment spricht man von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome), dem erworbenen Immundefektsyndrom.

2. Wo ist das Virus verbreitet und wer ist besonders gefährdet?

HIV ist mittlerweile weltweit verbreitet. Im Jahr 2019 trugen 38 Millionen Menschen das HI-Virus in sich. Rund zwei Drittel der mit HIV Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara.

Junge Menschen haben ein besonders hohes Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Allein im Jahr 2019 haben sich weltweit rund 460.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren mit dem Virus angesteckt. Damit entfällt rund ein Viertel aller HIV-Neuinfektionen weltweit auf allein diese Altersgruppe. Einer der Hauptgründe: Sexualaufklärung ist in Entwicklungsländern oftmals nicht im Lehrplan vorgesehen und außerschulische Aufklärungsangebote sind Mangelware. Es fehlt auch an frühzeitiger und altersgerechter Aufklärung. Zudem ist das Thema in der Gesellschaft ein Tabu. Dadurch entstehen teils gefährliche Mythen zu Sexualität und Verhütung. Außerdem fehlt Jugendlichen oft der Zugang zu entsprechenden Verhütungsmitteln. Das ist für die jungen Menschen lebensgefährlich: Aids ist die häufigste Todesursache bei Jugendlichen in Afrika.

3. Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Am häufigsten wird HIV durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Deshalb ist es auch so wichtig, ein Kondom zu benutzen. Oder die weibliche Variante – das Femidom. Außerdem erhielt dieses Jahr ein Vaginalring eine positive Stellungnahme der Europäischen Arzneimittelagentur (Ema) und steht somit nach 16 Jahren Forschung kurz vor der Markteinführung. Durch den Ring, der ein Mikrobizid auf antiretroviraler Basis mit dem Wirkstoff Dapivirine enthält, lässt sich das HIV-Infektionsrisiko beim Geschlechtsverkehr um 35 Prozent senken. Im nächsten Schritt soll der Ring durch ein Kontrazeptivum ergänzt werden. So können sich Frauen – vor allem in Entwicklungsländern – auch mit dem Vaginalring vor einer ungewollten Schwangerschaft und einer HIV-Infektion schützen.

Bisher gibt es keine Möglichkeit, sich gegen HIV impfen zu lassen. Es wird an verschiedenen Impfstoffen geforscht, die teilweise bereits an Menschen getestet wurden, doch der durchschlagende Erfolg steht noch aus. Umso wichtiger ist es, die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs voranzutreiben. Ganz vorne mit dabei ist die Produktentwicklungspartnerschaft International AIDS Vaccine Initiative (IAVI).

Derzeit gibt es eine sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Das sind Medikamente, mit denen sich gefährdete Personen vor einer Ansteckung schützen können. In einigen Ländern sind die Medikamente bereits verfügbar, allerdings sind sie extrem teuer.

4. Ist Aids behandelbar?

Die Behandlungsmöglichkeiten für HIV-positive Menschen haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Dennoch bekamen im Jahr 2019 nur 67 Prozent der HIV-Infizierten eine sogenannte antiretrovirale Therapie (ART). Damit haben Betroffene fast so eine lange Lebenserwartung wie Menschen, die nicht von HIV betroffen sind.

5. Was ist zu tun, damit HIV und Aids bald der Vergangenheit angehören?

Um die Verbreitung des Virus einzudämmen und Aids zu beseitigen, muss dringend in weitere Forschung und Entwicklung investiert werden. Und zwar in allen Bereichen, welche die Diagnose, Vorbeugung und Behandlung einer HIV-Infektion und der Krankheit Aids betreffen: Dazu gehören umfassende Aufklärung, HIV-Schnelltests, Verhütungsmöglichkeiten, Prophylaxen, Medikamente und Impfstoffe.

Besonders Investitionen in die Vorbeugung zahlen sich für die Gesundheitssysteme der Länder aus. Denn wenn Neuinfektionen reduziert werden, entfallen die Kosten für langwierige und teure Therapien.

Alles gemerkt? Dann teste Dein Wissen in unserem Quiz.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen am 18.05.2017

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Welt-Aids-Tag 2020: Rückschritte durch Corona-Pandemie

November 30, 2020 - 8:00am
DSW: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Eindämmung von HIV und Aids auf das Abstellgleis gerät”

Hannover, 30. November 2020. In einem am 26. November veröffentlichten UNAIDS-Bericht wird deutlich, dass es seit Beginn der Corona-Krise im März einen großen und anhaltenden Rückgang der HIV-Tests gegeben hat. Besonders betroffen sind Länder in Ost- und Südafrika. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Welt-Aids-Tages am Dienstag, den 1. Dezember, mit großer Besorgnis aufmerksam.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Eindämmung von HIV und Aids auf das Abstellgleis gerät”, sagt DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg.Die Corona-Krise hat die Bekämpfung von HIV bereits jetzt erkennbar verlangsamt – vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. In Uganda beispielsweise, wo wir selbst Projekte durchführen, hat sich die Zahl der durchgeführten HIV-Tests seit März verringert – im April um besorgniserregende 40 Prozent.”

Zudem hat die Corona-Pandemie die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern verschärft. „Wir erleben weltweit eine Zunahme geschlechtsbasierter und sexualisierter Gewalt, eine Zunahme unbeabsichtigter Schwangerschaften und auch eine Zunahme von HIV-Infektionen bei Mädchen und Frauen,” sagt Kreutzberg. Auch ohne Corona sind junge Frauen in Subsahara Afrika besonders von HIV betroffen: Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren infizieren sich dort vier Mal häufiger mit HIV als ihre männlichen Altersgenossen.

Gesundheit und Rechte stärken

„Investitionen in die Gesundheit und Rechte von Mädchen und Frauen sind wichtiger denn je, um die Eindämmung von HIV und Aids in Zeiten von COVID-19 nicht aus den Augen zu verlieren. Die Corona-Krise ist ein Weckruf an Regierungen und die Zivilgesellschaft, unermüdlich daran zu arbeiten, grundlegende Gesundheitsversorgung für alle zu ermöglichen und Gleichberechtigung zu erreichen. Gerade die Länder, die hohe HIV-Raten aufweisen, sind meist Länder mit niedrigem Einkommen, die im weltweiten Vergleich besonders stark von der coronabedingten Wirtschaftskrise betroffen sind. Gerade deshalb sollte eine Wirtschaftsnation wie Deutschland ihrer globalen Verantwortung gegenüber diesen Ländern gerecht werden. Um insbesondere Mädchen und Frauen vor einer
HIV-Infektion zu schützen, braucht es Präventionsmaßnahmen wie umfassende Sexualaufklärung, einen besseren Zugang zu Kondomen und einen höheren Schutz vor sexualisierter Gewalt”, erklärt DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg.

Forschung und Entwicklung ausbauen

Laut einem aktuellen Bericht von UNAIDS werden neue und verbesserte Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente jetzt mehr denn je benötigt, um HIV und Aids einzudämmen. „Die COVID-19 Pandemie hat weltweit große Investitionen in Forschung und Entwicklung für dringend benötigte Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente zur Bekämpfung der Pandemie hervorgebracht. Ähnliche Anstrengungen sind dringend erforderlich, um die Forschung und Entwicklung wirksamer Medikamente und Medizinprodukte für die Aids-Behandlung und HIV-Prävention weiterzuentwickeln”, sagt Kreutzberg.

Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Zahlen und Fakten zu HIV und AIDS
  • 2019 gab es 1,7 Mio. HIV-Neuinfektionen – 4.775 jeden Tag – weltweit, davon entfallen 64 Prozent auf Afrika südlich der Sahara. Somit infizieren sich weltweit jede Stunde knapp 200 Menschen mit HIV.
  • Jede Woche infizieren sich weltweit 5.500 junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV. Das sind 785 Frauen pro Tag.
  • In Afrika südlich der Sahara treten vier von fünf HIV-Neuinfektionen bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren bei Mädchen auf. Für junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren ist das HIV-Infektionsrisiko doppelt so hoch wie für junge Männer.
  • Seit 2010 sind die Neuinfektionen mit HIV bei Erwachsenen um schätzungsweise 23 Prozent zurückgegangen, von 2,1 Millionen auf 1,7 Millionen im Jahr 2019.
  • Zwischen 2010 und 2018 sind weltweit die HIV-Neuinfektionen unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren um 25 Prozent zurückgegangen.
Weitere Informationen Bilder und Grafiken

Passendes Bildmaterial und Grafiken stellt das DSW-Presseteam gern auf Nachfrage zur Verfügung.

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TeamUp: Gute Perspektiven in Corona-Zeiten

November 26, 2020 - 7:11pm
DSW-Entwicklungszusammenarbeit: Wie läuft das in Uganda?

Nassiwa Irene (24) strahlt vor Stolz, wenn sie auf ihren ein Viertel Hektar großen Garten mit 50 Kaffeepflanzen blickt. Sie lebt im Distrikt Mityana, etwa 70 Kilometer westlich von Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Im Jahr 2018 suchte die Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS) für das Programm TeamUp Uganda junge Menschen, die an einem Praktikum in der Landwirtschaft interessiert waren. Nassiwa erfuhr von einer Nachbarin von dem Angebot. So läuft das in Uganda – über Nachbarn, Verwandte und Freunde machen Neuigkeiten hier am schnellsten die Runde.

Das TeamUp-Konzept: Alle bringen sich ein!

Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in Uganda liegt bei knapp 1.800 US-Dollar. Uganda ist damit eins der ärmsten Länder der Welt. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die Hanns R. Neumann Stiftung, die Sieamens Stiftung und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben mit TeamUp ein Programm ins Leben gerufen, das jungen Menschen Perspektiven bietet. Mit Angeboten rund um sexuelle und reproduktive Gesundheit spricht die DSW Themen an, die vielerorts ein Tabu sind. Weil junge Menschen nur wenig über Verhütung und Sexualität wissen, werden viele Mädchen bereits im Teenageralter Mutter. Ihre Schule oder Ausbildung können sie dann meist nicht beenden. Auch ermutigt die DSW junge Menschen, ihre Bedürfnisse in der Lokalpolitik geltend zu machen. Die Siemens Stiftung bringt ihre Expertise in Wasserversorgung mit ein und die Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS) unterstützt junge Menschen dabei, sich über Landwirtschaft ein Einkommen zu sichern. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert das Programm finanziell. Die Partnerorganisationen erreichen durch ihre Zusammenarbeit eine größere Zielgruppe, als es ihnen mit Einzelaktivitäten möglich wäre, können intensiver mit den Jugendlichen arbeiten und ganzheitliche Effekte erzielen. Umgesetzt wird das Programm im Distrikt Mityana.

 

 

Für Nassiwa war schnell klar, dass sie mit TeamUp mehr über Landwirtschaft lernen wollte. Inzwischen bietet sie anderen jungen Menschen die Hilfestellung, die ihr ihre Nachbarin vor zwei Jahren geleistet hat, und geht sogar noch darüber hinaus. Von der ugandischen Partnerorganisation der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ließ sie sich zur Jugendberaterin ausbilden. In DSW-Jugendklubs spricht sie seitdem regelmäßig mit anderen jungen Menschen über freiwillige Familienplanung und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Diese tragen ihr neu erlangtes Wissen wiederum an Gleichaltrige weiter und so weiter. So läuft das in Uganda – alle bringen sich ein und geben Neues weiter. Nassiwa ist eine von 50.000 junge Menschen, die im Mityana Distrikt leben. Alle dort sollten von den TeamUp-Initiativen profitieren können, so war der Plan. Doch dann kam Corona und alles änderte sich.

Strenge Corona-Maßnahmen erschweren Entwicklungszusammenarbeit

Wie in vielen Ländern Afrikas traten auch in Uganda innerhalb kürzester Zeit strenge Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Kraft. Hohe Fallzahlen wie in Europa oder den USA konnte sich das ostafrikanische Land nicht leisten, zu fragil ist dort das Gesundheitssystem, zu begrenzt die Krankenhausbetten. Etwa fünf Krankenhausbetten gibt es in Uganda pro 10.000 Einwohner*innen, in Deutschland sind es 83. Die Unterbindung von Menschenansammlungen und das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen zur Eindämmung der Infektionskrankheit kennen wir seit März diesen Jahres auch in Deutschland. In Uganda kommen strikte Ausgangssperren hinzu, an die sich die Menschen zu halten haben. Mit geschlossenen Schulen und Gemeindezentren sowie stark reduzierten Leistungen in Gesundheitszentren gingen auch fehlende Angebote für Sexualaufklärung einher. Weil dort in der Regel auch die Verteilung von Verhütungsmitteln stattfindet, bricht für viele junge Menschen in Uganda und anderen afrikanischen Ländern eine wichtige, niederschwellige Anlaufstelle für Kontrazeptiva komplett weg. Außerdem stützte sich das TeamUp Programm vor allem auf den bewährten persönlichen Kontakt junger Menschen untereinander. Das ist aber seit März weitgehend verboten. Wie sollten die Erfolge der letzten Monate aufrechterhalten werden, wenn diese Grundpfeiler der Programmarbeit wegfallen? Dem Zusammenschluss um TeamUp war klar: Lösungen mussten her, und zwar schnell.

Bei TeamUp trifft man sich online

Wie in vielen anderen Ländern setzen diese Lösungen vor allem auf eins: digitale Kommunikation. Zoom, Skype und WhatsApp ersetzen in Zeiten von Covid-19 auch bei der DSW persönliche Treffen. Auch regelmäßige Telefonate helfen, damit die DSW-Partnerorganisation vor Ort den Kontakt zu den Jugendlichen nicht verliert und ein Austausch zu den Themen freiwillige Familienplanung und sexuell übertragbaren Krankheiten weiterhin stattfindet. Über die Zusammenarbeit mit Radiosendern wird zusätzlich Kontakt mit der jungen Zielgruppe aufgenommen. Durch Themensendungen können zum Beispiel Infoveranstaltungen ersetzt werden. Die einzelnen Sendungen werden außerdem auf der TeamUp-Webseite digital gespeichert und dauerhaft zur Verfügung gestellt. Das schafft nicht nur Flexibilität, sondern hat sich auch als äußerst effizient herausgestellt. Wo vor Corona an mehreren Orten Veranstaltungen zu nur einem Thema organisiert wurden, genügt jetzt ein Link.

TeamUp setzt Dialoge zu Familienplanung und sexuell übertragbaren Krankheiten fort

Dass die TeamUp-Arbeit weitergeht, freut auch Ronald Nsubuga (29). Der junge Mann aus dem Dorf Kakubansiri im Distrikt Mityana hat sich früher eher klein gemacht. Niemals hätte er gedacht, dass er mal Einfluss auf seine Gemeinde nehmen würde. Zu gering war sein Selbstvertrauen. Das änderte sich jedoch, als er durch eine Dorfversammlung von TeamUp erfuhr. Gemeinsam mit anderen jungen Leuten absolvierte er Schulungen zu Sexualität, Gesundheit und der Leitung von Jugendklubs. Inzwischen hat er sich in der Gemeinde als Sprachrohr der verschiedenen Jugendgruppen einen Namen gemacht. Als sogenannter DSW-Jugendchampion setzt er sich mit verschiedenen Gemeindemitgliedern und lokalen Führungskräften zusammen, um sich auf politischer Ebene für die Bedürfnisse von Jugendlichen zu engagieren. „Mein Engagement für die DSW hat mir geholfen, mich in einem neuen Licht zu sehen. Ich bin so voller Selbstvertrauen. Es fühlt sich gut an, dass ich Gleichaltrigen helfen kann, ein gesünderes Sexualleben zu führen“, erzählt Ronald stolz. Neben seiner politischen Arbeit ist Ronald auch als Jugendberater in einem DSW-Jugendklub tätig. Dort spricht er direkt mit Jugendlichen und klärt sie über Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten auf. Früher persönlich, jetzt über WhatsApp und Telefon – so läuft das in Uganda.

Weitere Informationen unter www.teamupug.org oder der Projektseite der DSW.

 

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Bayern 2 fragt: „Bevölkerungswachstum – wie viel verträgt die Erde?“

November 26, 2020 - 4:47pm

Die Sendung „Radiowissen“ von Bayern 2 stellt in der Sendung vom 12. November 2020 Fragen zur zukünftigen Weltbevölkerungsentwicklung. Bereits seit den 1960er Jahren verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum. Darüber, wie lange die Weltbevölkerung noch wachsen wird, gibt es unterschiedliche Prognosen. Welche Faktoren haben das Bevölkerungswachstum beschleunigt? Welche verlangsamen es aktuell? Und was hat die gesellschaftliche Stellung von Mädchen und Frauen mit all dem zu tun? Der Beitrag liefert in einer 20-minütigen Sendung Antworten auf diese und weitere Fragen.

Zu Wort kommen Angela Bähr (stellvertretende Geschäftsführerin und Programmdirektorin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), der Demograf Wolfgang Lutz vom Wittgenstein-Centre und Sara Hertog von der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen.

Den Beitrag können Sie hier anhören.

Weitere Informationen:

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