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Aktuelles vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg
Aktualisiert: vor 9 Stunden 8 Minuten

Der Gegner als Partner: Trump, Putin und die NATO - Gastbeitrag in "Blätter für deutsche und internationale Politik"

21. September 2018 - 10:27

Selten sind zwei politische Großereignisse so kontrovers diskutiert worden wie die beiden Gipfeltreffen im vergangenen Juli: der NATO-Gipfel in Brüssel und das anschließende Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki. Das Abschlusskommuniqué des NATO-Gipfels liefert die Grundlage für die künftige Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten. Darüber wurde kaum berichtet. Stattdessen dominierte ein Tweet des US-Präsidenten die Titelseiten und Schlagzeilen der Zeitungen, stellt Wolfgang Zellner fest. Donald Trump hatte darin behauptet, Deutschland mache sich von Russland abhängig, weil es russisches Erdgas importiere.

 

In Helsinki trafen anschließend erstmals seit mehreren Jahren der Präsident der Vereinigten Staaten und der Präsident Russlands wieder aufeinander. Sowohl Trump als auch Putin werteten ihr Gespräch anschließend als Erfolg, während die westlichen Medien überwiegend mit Entsetzen reagierten. Ihr Vorwurf: Trump habe zuvor seine engsten Verbündeten brüskiert und hofiere nun einen autokratischen Herrscher.

 

In seinem Gastbeitrag für die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ plädiert Wolfgang Zellner für mehr Sachlichkeit. Statt in simplen schwarz-weiß Bildern und einfachen Freund-Feind-Schemata zu denken, sollten die komplexen Zusammenhänge und Abhängigkeiten nicht aus dem Blick verloren werden. Die USA, Russland und selbst China seien für westliche Regierungen unverzichtbare Partner – unabhängig von der Ausrichtung ihrer politischen Führung. Denn Politik als „Kunst des Möglichen“ zeichne sich unter anderem dadurch aus, Kooperation, Konkurrenz und Gegnerschaft intelligent zu verbinden, so Wolfgang Zellner.

Den vollständigen Artikel lesen Sie hier: Link.

Der Erste Weltkrieg: Ursachen und Folgen

20. September 2018 - 10:02

Vor 100 Jahren, im November 1918, endete der Erste Weltkrieg. Anlass für die rumänische Sektion der Alexander-von-Humboldt-Stiftung auf einer zweitägigen Tagung in Bukarest den Krieg und seine Folgen näher zu beleuchten: die vielen menschlichen Schicksale, die mit ihm verbunden waren und die Konsequenzen, die er hatte.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter sowie Stipendiaten der Stiftung aus aller Welt hielten Vorträge, in denen sie die historische und kulturelle Dimension des Weltkrieges analysierten. Götz Neuneck vom IFSH erläuterte, welchen Einfluss das Engagement von Physikern auf den Verlauf des Krieges hatte.

Egon Bahr Symposium 2018 in Berlin zur Sicherheit in Europa

18. September 2018 - 13:31

Wandel durch Annäherung“ – mit diesem Slogan prägte Egon Bahr vor rund 50 Jahren die deutsche Ost- und Entspannungspolitik. Der Kalte Krieg ist Geschichte, aber Bahrs pragmatischer Realismus aktueller denn je. Zum Beispiel sein Postulat der „Politik der kleinen Schritte“.

Weltweite Aufrüstung, fehlende Rüstungskontrolle und enge Verbündete auf Abwegen zwingen die europäischen Staaten, ihre Sicherheitspolitik neu auszurichten. Wie umgehen mit einem amerikanischen Präsidenten, der nationale über gemeinsame Interessen stellt? Wie Russland einbinden, trotz der bestehenden Differenzen? Wie innerhalb der EU die unterschiedlichen Interessen bündeln?

Um diese Fragen ging es beim 3. Egon Bahr-Symposium in Berlin. Unter dem Titel „Gemeinsame Sicherheit neu denken – Europäische Impulse und Verantwortung“ hatten die Friedrich-Ebert-Stiftung und der Willy Brandt-Kreis zu der eintägigen Veranstaltung eingeladen. IFSH-Direktorin Prof. Dr. Ursula Schröder führte während einer Podiumsdiskussion in das Thema ein und moderierte den anschließenden Austausch. Auf dem Podium saßen neben dem SPD-Außenpolitikexperten Rolf Mützenich Matthias Dembinski von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Hans Stark vom Institut Français des Relations Internationales und Bundeswehr-General a.D. Harald Kujat.

 

Ein reger Gedankenaustausch zwischen Wissenschaftlern, Fachpolitikern und Angehörigen der Streitkräfte – so wie ihn Egon Bahr immer gesucht hatte.

                   

                           

                 

                 (c) FES, Mark Bollhorst

 

 

Cybersicherheit – öffentliche Info-Veranstaltung im Bundestag mit Beteiligung des IFSH

14. September 2018 - 14:45

Attacken aus dem Internet nehmen zu. Die Ziele sind vielfältig: Regierungen, Stromversorger oder auch das Militär. Und unter den Akteuren finden sich zunehmend auch staatliche Cyber-Einheiten. Denn mittlerweile sind jede Fregatte und jeder Hubschrauber der Bundeswehr nur mit digitaler Technik einsatzfähig. Wo lauern die Gefahren? Wie kann man ihnen begegnen? Darum ging es bei einem öffentlichen Fachgespräch am 12. September im Deutschen Bundestag. Die Bundestagsfraktion „Die Linke“ hatte dazu Vertreter von Sicherheitsbehörden und IT-Experten eingeladen. Das IFSH wurde durch Thomas Reinhold vertreten. Der Wissenschaftler arbeitet am Institut zum Thema Cybersicherheit, Cyberwar und Cyberpeace.

 

In seinem Vortrag ging Thomas Reinhold vor allem auf die Risiken der Militarisierung dieser Domäne ein. Gerade beim Einsatz von Cyberwaffen bestehe eine große Gefahr darin, dass es für den Einsatz dieser Waffen noch keine international verbindlichen Regeln gibt, warnte der IT-Experte. Auch die viel diskutierten sogenannten „Hack Backs“ seien umstritten. Das sind Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, IT-Systeme von denen die Cyber-Angriffe ausgehen, durch Gegenmaßnahmen gezielt zu zerstören. Der Nutzen solcher Störmanöver sei zweifelhaft, die Gefahren von Fehlinterpretationen und damit einhergehenden Fehlreaktionen hoch, so Reinhold.

 

Eine weitere Schwierigkeit sieht der IT-Experte darin, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Das heißt: Über jeden bewaffneten Einsatz muss einzeln entschieden werden. Die offensiven Cyber-Fähigkeiten der Bundeswehr seien damit schwer in Einklang zu bringen, erklärte Thomas Reinhold.

 

Sein Fazit: Die neuen digitalen Waffentechnologien und die Militarisierung des Cyberspace würden bislang unzureichend kritisch wissenschaftlich begleitet. Außerdem bedarf es dringend internationale Abkommen, die Rüstungskontrolle und Abrüstung regeln. Nur so könne die Aufrüstungsdynamik in diesem Bereich gestoppt werden, so der Friedensforscher.

Internationales Projekt geht in die nächste Runde

14. September 2018 - 11:59

Die Zusammenarbeit der Universitäten Hamburg, Fudan (China) und Macquarie (Australien) wird fortgesetzt. Um zu besprechen, welche Projekte und Themen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig gemeinsam bearbeiten, reisten Vertreter der australischen Universität jetzt nach Hamburg und besuchten dabei auch das IFSH.

Prof. Dr. Ben Schreer und Prof. Bates Gill vom Fachbereich Sicherheitsstudien und Kriminologie trafen IFSH-Direktorin Prof. Dr. Ursula Schröder und MPS-Studiengangsleiterin Dr. Patricia Schneider. Geplant ist unter anderem eine Workshop-Serie. 

Die Gefahren der "Neuen Rechten"

14. September 2018 - 0:00

Sie unterwandern die Gesellschaft, sie beeinflussen die Sprache und machen Unsagbares vermeintlich sagbar: neue politische Bewegungen am extremen rechten Rand werden zu einer zunehmenden Bedrohung für die liberalen Demokratien. Auf Einladung der Volkshochschule Nordkreis Aachen und des Geschichtsvereins Baesweiler e.V. fand nun mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ein zweitägiger Workshop zu dem Thema statt. IFSH-Extremismusexperte Maik Fielitz erklärte dabei das Phänomen der "Neuen Rechten" aus der Sicht der Friedensforschung. Mehr über die Veranstaltung erfahren Sie hier.

Internationale Konferenz des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

13. September 2018 - 0:00

Wie bedingen sich Krieg, Militär, Wissenschaft und Technik gegenseitig? Um diese Frage ging es zwei Tage lang auf der 59. Internationalen Tagung für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften. Die Veranstaltung fand vom 11. bis zum 13. September in Potsdam statt.

IFSH-Abrüstungsexperte Götz Neuneck stellte dort vor, welche sicherheitspolitischen Konsequenzen autonome Waffensysteme haben können. Zusammen mit Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen berät der Physiker das Büro für Technologiefolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Im vergangenen Jahr hatten die Forscher für den Bundestag mehrere Gutachten erstellt, deren Ergebnisse ebenfalls auf der Konferenz diskutiert wurden. 

OSZE-Netzwerktreffen am IFSH - Hörfunkbeitrag auf NDR Info

12. September 2018 - 16:51

Zwei Tage lang diskutierten Experten aus Deutschland, den USA, der Schweiz, Russland, Polen und Lettland, wie die konventionelle Rüstungskontrolle wieder in Schwung gebracht werden kann. NDR-Info Autorin Eva Steinlein hat das OSZE-Netzwerktreffen am IFSH begleitet. In der aktuellen Ausgabe von "Streitkräfte und Strategien" beleuchtet sie Hintergründe und Ergebnis des Treffes. Den ausführlichen Radiobeitrag hören Sie in der Mediathek des NDR. 

Lehre und Studium der Friedensforschung in Kasachstan

12. September 2018 - 11:43

Auf Einladung der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty (https://dku.kz/en) unterrichtet Anna Kreikemeyer vom 10. bis zum 18. September ein mehrtägiges Blockseminar zum Thema "Friedensforschung in Europa und Eurasien".

 

Die Lehrveranstaltung findet im Rahmen des dortigen Masterstudiengangs Regionalstudien statt. Zusammen mit den Studierenden erarbeitet die IFSH-Wissenschaftlerin regionsspezifische Zugänge zu staatlichen, gesellschaftlichen und globalen Konflikten.

 

Ein weiterer Schwerpunkt sind interethnische Spannungen in der Region, die Situation von syrischen Flüchtlingen und die Lage von Mädchen und Frauen in Prozessen religiöser Radikalisierung am Beispiel Afghanistans.

 

Die Deutsch-Kasachische Universität wird von der deutschen und der kasachischen Regierung gefördert und strebt den Ausbau friedenswissenschaftlicher und sicherheitspolitischer Studien an. Darüber ist die Universität an einem vertieften Austausch mit vergleichbaren Studiengängen in Deutschland interessiert.

Maritime Sicherheit in der Arktis - Fachvortrag auf der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft

10. September 2018 - 14:52

50 000 Besucher aus mehr als 120 Ländern: Die SMM ist die weltweit bedeutenste Ausstellung für die maritime Branche. Alle zwei Jahre findet sie in den Hamburger Messehallen statt. Fester Bestandteil der Messe sind Fachtagungen wie zum Beispiel die "MS&D - The International conference on maritime security and defence". Zum Publikum gehören hochrangige Delegationen von Marine, Küstenwache und Industrie aus allen Teilen der Welt. IFSH-Wissenschaftlerin Patricia Schneider trug dort über den Zusammenhang zwischen Klimawandel und maritimer Sicherheit vor. Die mit der Erderwärmung verbundene Eisschmelze ermöglicht einen erweiterten Zugang zu Seegebieten sowie zu Ressourcen und macht die Arktis zu einem möglichen militärischen Einsatzgebiet. In ihrem Vortrag ging Patricia Schneider auf diese Konfliktpotenziale in der Arktis ein und stellte Kooperationsmechanismen vor.

Veranstaltungshinweis: Jahrestagung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler in Berlin

10. September 2018 - 14:35

"Sicherheit statt Militarisierung in Europa. Für eine Neubegründung des Konzepts gemeinsamer Sicherheit". Unter diesem Titel findet vom 4. bis zum 5. Oktober 2018 die VDW-Jahrestagung statt. Veranstaltungsort ist die Hamburger Landesvertretung in Berlin. Ausführliche Informationen und das Programm der Tagung finden Sie hier. 

Woher kommt der Hass? Interview im Hamburger Abendblatt

10. September 2018 - 12:46

Jeden Sonnabend beschäftigt sich das Hamburger Abendblatt mit den "100 großen Fragen des Lebens". Diesmal geht es um die Frage, wodurch Hass und Gewalt entstehen. Martin Kahl, der sich am IFSH mit den Themen innere Sicherheit und gesellschaftlicher Frieden beschäftigt, gibt Antworten. Zusammen mit der Soziologin Professor Susanne Krasmann erklärt er, auf welchem Nährboden Abneigung gedeiht. Gibt es Menschen, die besonders anfällig sind? Und wann schlägt Hass in rohe Gewalt um oder wird zu einer radikalen Weltanschauung? Das ausführliche Interview lesen Sie hier.

Rechtsextreme, Islamisten und ihr apokalyptisches Weltbild - Artikel in der "Zeit"

10. September 2018 - 12:03

Sie nennen sich "Realität Islam" oder "Generation Islam", stehen in Fußgängerzonen und sammeln Unterschriften gegen ein Kopftuchverbot. Was haben junge, radikale Muslime mit der extremen Rechten in Deutschland gemein? "Zeit online"-Autor Volker Siefert hat sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten der beiden vermeintlich gegensätzlichen Bewegungen gemacht und dabei auch IFSH-Radikalismusexperte Maik Fielitz gefragt. Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier. 

 

 

Biedermänner oder Brandstifter? Eine Einordnung der AfD

10. September 2018 - 11:19

Im Interview mit der Aachener Zeitung erklärt IFSH-Radikalismusexperte Maik Fielitz den Aufstieg der AfD. Mit ihrem völkischen Weltbild und ihren offen rassistischen Parolen sei die Partei inzwischen fest im rechtsradikalen Milieu verankert, betont Fielitz. Vor allem das Internet und die sozialen Medien hätten zum Erfolg der AfD beigetragen, erläutert der Wissenschaftler. Zum einen nutze die Partei das Internet gezielt für Desinformationskampagnen. Zum anderen falle dort die soziale Kontrolle weg. In der Anonymität des Netzes könne jeder bei Facebook oder Twitter rechte Hetze verbreiten, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen. Und mehr noch: Wer dort am radikalsten auftrete, erhalte die meisten Likes und damit die größte Anerkennung, so Fielitz. Das ausführliche Interview lesen Sie hier.  

Podiumsdiskussion in Köln zu den Gefahren des "Cyberwar"

6. September 2018 - 0:00

"Cyberwar - Angriff auf Freiheit und Demokratie" so lautete der Titel einer Podiumsdiskussion im Maternus-Haus in Köln. Die Veranstaltung fand auf Einladung des Zentrums für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis) statt. An der Diskussion nahmen Vertreter von Militär, Wirtschaft und Wissenschaft teil. Für das IFSH war Götz Neuneck vertreten. 

Schulklasse informiert sich über Friedensforschung

3. September 2018 - 11:20
Oberstufenschüler und –schülerinnen zu Besuch im IFSH: Prof. Dr. Elvira Rosert und Dr. Regina Heller geben Einblicke in ihre Arbeit

 

Politikunterricht konkret: Was sind zurzeit die größten Krisen auf der Welt? Warum wird das Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nicht abgeschafft? Und wird Nordkorea wirklich freiwillig auf seine Atomwaffen verzichten?

Zwei Stunden reichten kaum aus, um die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten. Der Politikkurs aus der 12. Jahrgangsstufe des Sophie-Scholl-Gymnasiums in Itzehoe war zu Gast am Institut. Die beiden IFSH-Wissenschaftlerinnen Elvira Rosert und Regina Heller erklärten, worum es in der Friedensforschung geht, warum überhaupt Konflikte entstehen und welche Sanktionsmöglichkeiten es gibt, wenn Staaten die Regeln der internationalen Staatengemeinschaft brechen.

Vor allem Oberstufenkurse nutzen regelmäßig das Angebot des IFSH, sich vor Ort über die Arbeit der Friedensforscherinnen und Friedensforscher zu informieren.

 

 

 

Die Chancen des Gipfels von Helskinki nutzen - Gastbeitrag in der Monatszeitschrift "Zeitzeichen"

3. September 2018 - 11:01

In einem Artikel für die evangelische Monatszeitschrift "Zeitzeichen" erläutert der Stellvertretende Wissenschaftliche Direktor des IFSH, Wolfgang Zellner, was dem Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin nun folgen muss. Link

Neues Wettrüsten im All? Eine kritische Auseinandersetzung mit Trumps Space Force-Plänen

25. August 2018 - 0:00

Noch in diesem Jahr wollen die Vereinigten Staaten ein Weltraum-Kommando aufstellen. In der Sendereihe "Streitkräfte und Strategien" auf NDR Info warnt IFSH-Abrüstungsexperte Götz Neuneck vor den Folgen eines neuen Wettrüstens im All. Link

Bewegung im Syrienkonflikt? Auf der Suche nach einer Nachkriegsordnung

23. August 2018 - 12:24

In die Suche nach einer Nachkriegsordnung für Syrien scheint Bewegung zu kommen. Trump traf sich mit Putin in Helsinki, Russlands Außenminister und Generalstabschef weilten in geheimer Mission in Berlin, Merkel traf letzten Samstag Putin in Meseberg, Erdogan telefonierte mit Macron und am 7. September ist ein Treffen zwischen Merkel, Macron, Putin und Erdogan vorgesehen. Es geht unter anderem darum, Wege für eine syrische Nachkriegsordnung auszuloten. Notwendig wäre eine solche Ordnung allemal.

 

Erstens geht es um die Beendigung eines Krieges, der eine der größten humanitären Katastrophen der jüngeren Vergangenheit ist. Die Schäden summieren sich auf 334 Mrd. Euro, mehr als 350.000 Menschen wurden getötet. Zweitens: Die Hälfte der Bevölkerung musste fliehen, die meisten innerhalb des Landes oder in die Region. Ein kleinerer Teil kam nach Europa. Das birgt destabilisierende Gefahren für die Hauptaufnahmeländer vor Ort, aber auch für Europa. Drittens besteht die Gefahr, dass die Nuklearmächte USA und Russland aneinandergeraten, denn beide sind im Lande militärisch präsent. Viertens geht es darum, einen der vielen Brandherde im Nahen Osten zu befrieden, bevor er sich zu einem Flächenbrand ausweitet.

 

Die Chancen für eine Friedensregelung sind nicht gut, aber besser als zuvor. Denn die Lage hat sich verändert. Assad kontrolliert Dank iranischer und russischer Unterstützung wieder große Teile des Landes. Das heißt nicht, dass die vielen bewaffneten Gruppen endgültig besiegt sind. Aber er kann jetzt aus einer Position relativer Stärke verhandeln. Moskau hat seine Ziele weitgehend erreicht. Der ursprünglich von den westlichen Staaten angestrebte Regimewechsel wurde verhindert und die eigene Position gestärkt.

 

Die USA konzentrieren sich ganz auf den Kampf gegen den IS und vor allem auf den Iran. Trump hat die militärische Unterstützung der Gegner Assads durch die CIA bereits letztes Jahr eingestellt. US-Militärs sind im Nordosten Syriens präsent und unterstützen dort – zusammen mit französischen Spezialkräften – die kurdische YPG. Die involvierten Regionalmächte haben mittlerweile andere Probleme. Saudi-Arabien ringt mit einer inneren Reform und ist tief in den von ihm selbst angestifteten Krieg im Jemen verstrickt. Sein Hauptgegner Iran kämpft mit großen internen Problemen und wird von außen durch eine saudisch-amerikanisch-israelische Koalition unter Druck gesetzt.

 

Die Türkei ringt mit einer Währungskrise, die sich zu einer Wirtschaftskrise auswachsen könnte. Sie hat ihre strategische Position in der syrischen Region Idlib gestärkt. Offen ist noch, was aus den beiden Rebellengruppen wird, die sich dort bekämpfen: die von der Türkei unterstützte Freie Syrische Armee (FSA) und die ehemalige Al Nusra-Front HTS. In letzterer sind Kämpfer aus dem Kaukasus aktiv, die Russland auf jeden Fall ausschalten will. Assads Armee geht seit einigen Tagen militärisch gegen die HTS vor. Sollte sie auch die FSA angreifen, würde das russisch-türkische Bündnis gefährdet.

 

In dieser veränderten Gemengelage versuchen nun Berlin, Paris, Moskau und Ankara Schritte zu einer Konfliktregelung zu erkunden. Deutschland und Frankreich wollen auf jeden Fall eine neue Massenflucht verhindern. Russland will die Ernte seines militärischen Engagements in Syrien einfahren und seine Truppen nach Hause holen. Das Syrienengagement ist nämlich mittlerweile in Russland sehr unbeliebt. Die türkische Währung befindet sich im Sinkflug und Erdogan braucht dringend Unterstützung. Zum IWF will und kann er wegen der USA auch nicht. Bleiben also Katar und die EU.

 

Deutschland und Frankreich geht es aber nicht nur um Syrien. Europa kann sich weder eine Destabilisierung der Türkei noch Russlands leisten. Genau diese nehmen die USA durch ihre Sanktionspolitik aber in Kauf. Beide Länder werden zwar von Autokraten regiert, die schon für viel Ungemach gesorgt haben. Doch geht es darum, auf der Grundlage gemeinsamer Interessen (z.B. Flüchtlinge, Nord Stream 2, Atomabkommen mit Iran oder regionale Sicherheit) nach Lösungen für Probleme zu suchen, die alle angehen. Früher nannte man das Politik gemeinsamer Sicherheit.

 

Die Vorbereitungen für die Nachkriegszeit in Syrien haben begonnen. Im April fand eine Geberkonferenz in Brüssel statt, weitere werden folgen. Auch die territorialen Claims scheinen abgesteckt: im Nordosten eine kurdisch dominierte Region, westlich davon eine unter türkischen Einfluss, im Süden Sicherheitszusagen für Israel mit einem Golan frei von Iran-freundlichen Milizen. Syrien bliebe als Staat erhalten, ob und wie föderalisiert muss sich zeigen. Die skizzierte Entwicklung entspricht einem Trend im Umgang mit Gewaltkonflikten: Ging es in den US-amerikanisch dominierten Jahren nach 1989 noch vorrangig um Machtteilung und Demokratisierung, ist im mittlerweile angebrochenen multipolaren Zeitalter das Ziel der Stabilität in den Vordergrund gerückt. In diesen Trend fügen sich die Aktivitäten von Deutschland, Frankreich, Russland und der Türkei ein. Es ist sinnvoll, sich jenseits ideologischer Differenzen auf die gemeinsamen Interessen zu konzentrieren. Die Absprachen der vier können zwar keine stabile Nachkriegsordnung für Syrien schaffen, aber vielleicht den Weg dorthin erleichtern.

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Fassung in der aktuellen Ausgbe der Wochenzeitung „Der Freitag“ erschienen.

Sanktionen als neues Mittel der Außenpolitik: Eine Einschätzung von Prof. Dr. Michael Brzoska im Interview auf "detektor.fm"

15. August 2018 - 17:35

Sanktionen sollen vor allem die Wirtschaft eines Landes schwächen. Doch wie das Beispiel Iran zeigt, treffen sie in erster Linie die Bevölkerung. Die Preise für Lebensmittel steigen, Medikamente und wichtige Ersatzteile sind nur noch schwer zu beschaffen. Sind Sanktionen ein neues Instrument der Außenpolitik? Der ehemalige IFSH-Direktor Michael Brzoska zu den Folgen, den Formen und der Wirkung von Sanktionen im Interview mit dem Internetradio "detektor.fm". Link.

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