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Chemische Intensivierung stößt an planetare Grenzen

24. Februar 2021 - 14:19
Für Chemikaliensicherheit und Nachhaltigkeit ist internationale Zusammenarbeit unabdingbar

Bei manchen Stoffen ist das unvermeidlich: Pestizide müssen giftig und Brennstoffe entzündlich sein. Bei anderen haben die gefährlichen Eigenschaften hingegen nichts mit der Funktion zu tun – und die müssen vermieden werden.

Das ist eine der Herausforderungen der Chemikalienpolitik. Eine weitere besteht darin, die Nutzung chemischer Ressourcen insgesamt zu verringern. Die Chemikalienproduktion verdoppelt sich derzeit alle 10 bis 12 Jahre. Mehrere zehntausend Stoffe sind weltweit auf dem Markt, und ständig werden neue erfunden. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Experten sind sich darüber einig, dass die planetaren Grenzen bald erreicht sind, wenn das so weitergeht. In einzelnen Bereichen sind sie bereits überschritten. Für mehr Nachhaltigkeit sind drei Ansätze wichtig, die aus der Umweltpolitik bekannt sind:

  1. Eine Steigerung der Effizienz von Verfahren und Produkten. Dafür braucht es in erster Linie technische Innovationen, aber auch den nötigen Willen, etwa um Produkte langlebiger zu gestalten.
  2. Mehr Wiederverwertung. Chemikalien sollten so weit wie möglich im Kreislauf geführt werden. Bisher ist das nur bei einem Bruchteil der Fall.
  3. Weniger Verbrauch. Das bedeutet eine Veränderung des Konsums, vor allem in den reichen Ländern, die besonders viele Ressourcen verbrauchen.

Für Chemikaliensicherheit und Nachhaltigkeit ist internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Denn häufig umspannen Produktion, Verwendung und Entsorgung von Produkten den ganzen Globus – etwa wenn seltene Erden in Afrika gefördert und in China in Smartphones verbaut werden, die in Europa und den USA verkauft werden. Am Ende ihrer Lebensdauer landen sie zum Recycling wieder in Asien. Ziel muss es nicht nur sein, möglichst hohe Wiedergewinnungsraten zu erreichen, sondern auch Schaden und Nutzen von Chemikalien fairer zu verteilen: Umwelt- und Gesundheitsschäden treten eher lokal beim Rohstoffabbau und der Entsorgung von Abfällen auf als bei der Nutzung der Produkte.

Die chemische Intensivierung und ihre Folgen erhalten bislang weniger Aufmerksamkeit als andere globale, existenzielle Krisen wie die Erderhitzung und der Verlust von Biodiversität. Dabei hängen sie direkt und auf vielfältige Weise miteinander zusammen. Zum Beispiel tragen die Verwendung von Pestiziden und Düngemitteln in der Landwirtschaft sowie der Plastikeintrag in die Natur zum Artenschwund bei. Die sehr energieintensive Chemieindustrie ist für erhebliche Treibhausgasemissionen verantwortlich. Und höhere Temperaturen durch den Klimawandel wiederum machen manche Stoffe toxischer.

Umweltverbände wie der BUND fordern daher, Stoffpolitik als dritte wichtige Säule einer Transformation zur Nachhaltigkeit zu betrachten und mit den anderen beiden Säulen – Klima und Biodiversität – zusammen anzugehen. Diskutiert wird zudem die Idee einer internationalen stoffpolitischen Konvention in Anlehnung an die Klimarahmenkonvention. Diese könnte auch ein globales Ziel zur Begrenzung der chemischen Intensivierung auf den Weg bringen, analog zum 1,5-Grad-Ziel im Pariser Klimavertrag. Dazu muss aber zunächst geklärt werden: Wie viel Chemie braucht der Mensch? Und wie viel mehr hält das globale Ökosystem Erde aus?

Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
euz.editor@dandc.eu

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Pestizide müssen verantwortungsvoll eingesetzt werden

22. Februar 2021 - 13:14
Afrika holt andere Regionen beim Gebrauch von Schädlingsbekämpfungsmittel ein

Im Sommer 2019 fielen Riesenschwärme von Wüstenheuschrecken in Ostafrika ein und zerstörten hunderttausende Hektar Ernte. Das verschärfte in mindestens acht Ländern die Lebensmittelknappheit. Teils waren die Schwärme groß wie ganze Städte und verdunkelten den Himmel. Durch heftige Regenfälle 2020 konnten sich die Schädlinge einnisten und neue Heuschrecken ausbrüten – was die Lebensmittelkrise weiter verschärfte. Hinzu kommt die Klimakrise (siehe Mahwish Gul im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Papers 2020/11).

Ein weiterer Schädling – der Heerwurm – setzt vielen afrikanischen Ländern seit 2016 erheblich zu (siehe die Heutzutage-Kolumne von Humphrey Nkonde im E+Z/D+C e-Paper 2017/04). Diese Raupen treten im „Heer“ auf, fressen alles, was ihnen in den Weg kommt, und zerstören Getreidepflanzen und Weideland. Laut UN hat die Invasion dieser Insekten dem Kontinent bisher einen Ernteschaden in Höhe von drei Milliarden Dollar verursacht. Manche Bauern verloren ihre komplette Ernte. Inzwischen betrifft die Raupenplage zunehmend auch Asien.

Wenn Schädlinge eine Region befallen, versuchen Bauern sie daran zu hindern, auf den Feldern zu landen. Manche legen Feuer oder verbrennen Müll, um Rauch zu erzeugen. Manche werfen Steine, wedeln mit Stöcken oder machen mit den irgendwelchen Gegenständen Lärm, um die Schwärme zu vertreiben.

Das hilft wenig. Was hingegen hilft, ist, Pestizide aus Flugzeugen zu versprühen. Bei der Heuschreckeninvasion am Horn von Afrika geschah dies über einen koordinierten internationalen Einsatz. Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und die regionale Desert Locust Control Organization for Eastern Africa (DLCO-EA) waren aktiv daran beteiligt. Laut einem Artikel im Monatsmagazin Africa Report hat die DLCO-EA hunderte von Mitarbeiter dafür geschult, die Koordinaten der Heuschreckenschwärme zu übermitteln. War ein Schwarm mehr als 500 Hektar groß, setzten die Behörden Leichtflugzeuge ein, um die Schädlinge aus geringer Höhe mit Chemikalien zu vernichten.

Vorsicht ist geboten

Diese Sprüheinsätze sind umstritten. Das Gift, das die Schädlinge vernichtet, kann auch nützliche Insekten wie Bienen und Käfer töten, die für ein funktionierendes Ökosystem gebraucht werden. Werden zu viele Gifte eingesetzt, deren Rückstände die empfohlene Menge überschreiten, kann das die Ernte verunreinigen und Menschen und Tiere krank machen oder sogar töten. Wenn sich zu viele Pestizide im Organismus ansammeln, kann das wissenschaftlichen Studien zufolge je nach Dosis und Gift verheerende Folgen haben wie Geburtsschäden, Tumore, genetische Veränderungen, Blut- und Nervenschäden, Koma oder Tod.

Am Horn von Afrika wurde etwa ein Liter Pestizid pro Hektar Ackerfläche eingesetzt – eine Menge, die angeblich Schädlinge vernichtet, ohne Mensch und Tier zu schädigen. Das mag stimmen, jedoch hat Afrika einen weiten Weg vor sich, bis Pestizide sicher eingesetzt werden. Das Programm der US-Regierung, Feed the Future, dokumentierte einen weitverbreiteten Fehleinsatz von Pestiziden in Afrika. In dem Bericht von 2019 steht: „Ohne Regulierung, gute Schulung und Kompetenzaufbau der Bauern läuft Afrika Gefahr einer weitreichenden Pestizidvergiftung.“ Die Autoren warnen, „zunehmender Einsatz von Pestiziden hat Frischwasserquellen verunreinigt und bedroht die Tierwelt, darunter viele gefährdete Spezies“.

Das sind konkrete Gefahren, obwohl Afrika – verglichen mit anderen Weltregionen – bisher wenig Pestizide einsetzt. Das zeigen auch aktuelle Statistiken der FAO (siehe Grafik: Give pests no chance).

Schnell wachsender Markt

 

So nutzte Afrika 2018 durchschnittlich 0,3 Kilogramm (kg) Pestizide pro Hektar – in Amerika waren es 3,5 kg, wobei in Süd- und Mittelamerika durchschnittlich mehr eingesetzt wurde als in Nordamerika – und 3,7 kg in Asien. Der globale Durchschnitt lag bei 2,7 kg pro Hektar.

Der noch gemäßigte Pestizideinsatz in Afrika ändert sich aber, seit Anbieter von Landwirtschaftschemikalien wie Insektiziden, Fungiziden, Herbiziden und Düngemitteln den Kontinent für sich „entdecken“. Die Beratungsfirma Market Data Forecast schätzt den Markt für Pflanzenschutzmittel im Mittleren Osten und Afrika für 2020 auf 8,7 Milliarden Dollar. Sie geht davon aus, dass die Zahlen bis 2025 auf 10,4 Milliarden Dollar steigen – das wäre in fünf Jahren eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 3,1 Prozent.

Tatsächlich braucht Afrika mehr Pestizide aufgrund der Art seiner Landwirtschaft. Wie in anderen Entwicklungsregionen wird auf dem Kontinent weitgehend auf offenem Feld statt in Gewächshäusern angebaut – was die Ernte anfälliger für Schädlingsbefall macht. Um die Bevölkerung zu ernähren und Exporteinnahmen zu generieren, müssen landwirtschaftliche Erträge gesteigert werden.

Zudem konzentriert sich der immer wichtiger werdende Gartenbausektor in Afrika auf Pflanzen, die relativ schnell nach der Ernte verderben und die der Verbraucher frisch bevorzugt. Ein Schädlingsbefall zur falschen Zeit kann die komplette Ernte zerstören. Neben dem Insektenbefall können die Pflanzen auch durch Krankheiten oder Vogelfraß zerstört werden.

Natürliche Schädlingskontrolle

Nicht nur synthetische Pestizide können Afrikas Ernten schützen. Mancher Käfer ist gut für Nutzpflanzen, weil er ein natürlicher Feind von Raubinsekten ist. Setzt man ihn überlegt und nachhaltig ein, kann das ähnliche Erfolge zeigen wie das Sprühen von Gift.

Wo Pestizide die einzige schnelle und wirksame Lösung sind – zum Beispiel bei einer Schädlingsinvasion –, sollten sie trotzdem gespritzt werden. Das sollte Teil von umfassenderen und vordefinierten integrierten Produktions- und Schutzplänen (IPP) sein. Sie sollten bereits vor einer Krise entworfen werden. Das Sprühen sollte dann unter strikter Einhaltung von Sicherheitsprotokollen bezüglich der Mengen und Verabreichungsmethoden erfolgen.

IPP-Konzepte dienen dazu, Kosten und Folgen für die Umwelt niedrig zu halten und zugleich Erntemengen und Qualität zu maximieren. IPP beginnt mit der Verwendung hochwertigen Saatguts und anderen Pflanzmaterialien wie Zwiebeln und Kartoffelknollen. Zudem beinhaltet es die Verwendung sicherer und effektiver Dünger sowie gute Zucht und Anbau von Nutzpflanzen. Wo möglich, sollte IPP berücksichtigen, ob Gewächshäuser nutzbar wären, um die Umgebung der Pflanzen zu kontrollieren.

Synthetische Pestizide, Herbizide und Dünger können im Zusammenhang mit IPP wertvoll sein und dabei helfen, hochwertige Nutzpflanzen kosteneffizient zu produzieren und zuverlässig an globale Märkte zu liefern. Chemikalien sind jedoch keine Wundermittel. Die Regulierungsbehörden der Importländer müssen außerdem sicherstellen, dass die Sicherheitsstandards auf allen Stufen der Lieferkette bis hin zum Verkauf an den Verbraucher eingehalten werden.

In Erzeugerländern müssen die Regulierungsbehörden die Anlagen inspizieren – von der Farm bis zum Export die ganze Lieferkette entlang. Sie müssen die Produkte dezertifizieren, die den zulässigen Gehalt an Pestizidspuren überschreiten, und so verhindern, dass kontaminierte Pflanzen in Umlauf kommen. Auch die Importländer müssen gewährleisten, dass Sicherheitsstandards an allen Punkten entlang der Lieferkette bis hin zum Konsumenten eingehalten werden.

Lieferketten überprüfen

Für Erzeugerländer bedeutet totale Qualitätskontrolle, dass jeder, der irgendwo in der Lieferkette eine Rolle spielt, sich dieser Rolle bewusst ist. Hilfreich dafür ist besseres Training der Bauern – und auch der Landwirtschaftsberater, die den Bauern bewährte Praktiken zeigen. Zugleich sollten sich Regierungen und andere Organisationen auf die Entwicklung technologischer Alternativen für Pestizide, einschließlich des Einsatzes biologischer Pestizide, konzentrieren.

Wenn Heuschrecken oder Heerwürmer einfallen, müssen Behörden und Landwirte allerdings schnell reagieren können und setzen wahrscheinlich synthetische Pestizide ein. Mit dem richtigen politischen Ansatz und durch Schulungen wird dies auch auf eine sichere und verantwortungsvolle Art möglich.

Link
Feed the Future, 2019: Synthetic pesticides in Africa: The good, the bad and the ugly.
https://www.agrilinks.org/post/synthetic-pesticides-africa-good-bad-and-ugly

Patrick Ajwang ist Dozent für Agrar- und Biosystemtechnik an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT) in Juja, Kenia.
ajwang@agr.jkuat.ac.ke

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In Pakistan gefährden Toxine vor allem die Armen

19. Februar 2021 - 10:58
Pakistan setzt die Gesetze zur Kontrolle chemischer Verschmutzung kaum um

Die Industrialisierung in Pakistan nimmt zu, und der Konsum steigt. Negative Folgen sind chemische Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden. Besonders betroffen sind Orte, an denen arme Menschen leben.

Manchmal sind die Auswirkungen deutlich sichtbar. Bei einem Unfall in Karachi, der bevölkerungsreichsten Stadt Pakistans, starben im Februar 2020 mindestens 14 Menschen. Dutzende Überlebende kamen in örtliche Kliniken bei Keamari, einer Stadt nahe dem größten Handelshafen des südasiatischen Landes. Weil dort die Luft mit Chemikalien verunreinigt war, bekamen viele Patienten Brustschmerzen, Augenbrennen und Atemnot.

Durch Chemikalien verursachte gesundheitliche Probleme sind nicht immer leicht zu erkennen. Wer etwa aufgrund städtischer Luftverschmutzung krank wird, kann das oft nicht klar darauf zurückführen, obwohl bekannt ist, dass Stadtluft verschiedene Gifte enthält. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht verpestete Luft jährlich 22 000 vorzeitige Todesfälle. In dem Land mit 220 Millionen Einwohnern gibt es laut der UN-Agentur jährlich 40 Millionen Fälle von akuten Atemwegserkrankungen.

Quellen chemischer Verunreinigung

Teil des Problems ist die ständig wachsende Anzahl motorisierter Fahrzeuge. Laut Weltbank gab es in den zwei Jahrzehnten bis 2012 einen mehr als fünffachen Anstieg auf 10,6 Millionen Fahrzeuge – und das Wachstum hält unvermindert an. Auch schädliche Anbaupraktiken (siehe meinen Kommentar in der Debatte des E+Z/D+C e-Paper 2021/01) und Kohlekraftwerke spielen eine Rolle wie auch Luftverschmutzung durch Industrie und Kleinproduktion sowie das Verbrennen von Plastikmüll. Staatliche Stellen sind überfordert, unfähig – und vielleicht auch nicht gewillt –, alle Quellen der Verunreinigung zu erfassen.

Da Plastikmüll, industrielle Abwässer und Mülldeponien nicht angemessen kontrolliert werden, sind auch Wasser und Böden stark verseucht. Auch der Einsatz von Pestiziden und chemischem Dünger ist bedenklich.

In Pakistan ist gewissermaßen jeder diesen Risiken ausgesetzt, doch die Armen leiden besonders. In Großstädten lebt mehr als die Hälfte der Menschen in informellen Siedlungen ohne angemessene Infrastruktur. Es gibt meist keine unterirdische Kanalisation, und die städtischen Dienste ignorieren sie gern. Die Slums liegen häufig in der Nähe von Fabriken. Der Rauch von Feuerstellen zum Kochen, herumliegender Müll und unzureichende Abwasserentsorgung verschlimmern die Lage.

Mikropartikel und andere Plastikrückstände verunreinigen vielerorts das frische Grundwasser (siehe Sabine Balk im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Papers 2021/03). Auch Chemikalien wie Farben können schädlich sein.

Plastikmüll

Zudem ist Plastikmüll – auch Tüten, Flaschen und Verpackungen – allgegenwärtig. Riesige Teile verstopfen offene Abflüsse und Kanalisation. Auf Müllkippen wird dieser Müll oft verbrannt. Der Rauch ist eine Mixtur verschiedener Giftstoffe. Auch andernorts gibt es solche Feuer, manche ungewollt, andere absichtlich entzündet. Meist haben arme Leute nichts anderes, um Feuer zu machen. Ein Viertel der Menschen in Pakistan lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Die internationale Nichtregierungsorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) schätzt, dass in Pakistan jährlich 55 Milliarden Plastiktüten verwendet werden und dass der Verbrauch jährlich um 15 Prozent ansteigt. Bislang gibt es selbst im urbanen Raum kein formales System, um Plastikmüll zu sammeln und zu recyclen. Müllsammler holen verwendbare Teile von den Müllkippen und verkaufen sie. Der Rest wird verbrannt oder vermüllt die Umwelt dauerhaft.

Laut dem Regierungsbericht Economic Survey of Pakistan 2019-2020 wird das meiste Plastik im Jahr der Herstellung wieder weggeworfen. Das schädigt die Ozeane, Menschen, Flora und Fauna sowie die Umwelt allgemein. Landes- und Provinzregierungen haben Gesetze und Verordnungen dagegen erlassen, setzen sie aber nicht effektiv um.

Allerdings ändert sich das Verhalten mancherorts auch. So bevorzugen wohlhabende Kunden in exklusiveren Läden inzwischen kompostierbare Tüten. Da Plastiktüten billiger sind, nutzen die Ärmeren sie aber weiterhin.

Umweltverschmutzende Branchen

Industrielle Verschmutzung ist ein großes Problem. Es gibt verschiedene Industriezonen mit großen, mittleren und kleinen Produktionsstätten. Großfabriken sind formell registriert, die kleineren Betriebe entziehen sich aber weitgehend staatlicher Aufsicht. Egal wie groß die Betriebe sind, für viele industrielle Prozesse werden oft gefährliche Chemikalien genutzt. Entsprechend schmutzig sind Dämpfe und Abwasser, wogegen die Behörden aber nicht vorgehen.

Zudem nutzt die Landwirtschaft gern nährstoffreiches kommunales Abwasser, besonders für den Gemüseanbau am Stadtrand. Was weder Bauern noch Konsumenten erkennen können, ist, dass das Abwasser mit Schwermetallen und anderen Giften belastet ist. Somit schadet gesund aussehendes Gemüse womöglich der Gesundheit. Darüber hinaus wird auf diesem Weg das Grundwasser verseucht.

Laut Gesetz muss die Industrie Luftfilter und Kläranlagen einsetzen. Theoretisch gibt es harte Strafen. Praktisch jedoch werden die Gesetze nicht durchgesetzt, die Behörden zeigen wenig Interesse daran. 2019 erklärte eine Gruppe von Umweltforschern (Mahmood, 2019): „Keine Behörde in Pakistan hat bisher ernsthaft versucht, die genaue Beschaffenheit und Konzentrationen der Schadstoffe in den Abwässern aus den verschiedenen Industriegebieten zu bestimmen.“

Viele kleine Gerbereien arbeiten in der Industriestadt Sialkot im östlichen Punjab weiter ohne jegliche Abwasserreinigung. Ähnlich sieht es in Faisalabad aus, der Hochburg der Textilindustrie des Landes. Viele Produktionsstätten liegen dort in Wohngegenden und arbeiten ebenfalls ohne Kläranlagen.

Die SDG-Herausforderung

Vielleicht hängt das mangelnde offizielle Interesse an chemischer Verschmutzung damit zusammen, dass es noch eine schlimmere Verschmutzung gibt: Laut Wissenschaftlern (Ali et al, 2017) sind 80 Prozent des Trinkwassers der Pakistaner durch Fäkalien verunreinigt, was aus mangelnder Abwasserentsorgung resultiert. Pakistan ist internationale Verpflichtungen eingegangen, auch im Zusammenhang mit den Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs), worin gute Abwasserentsorgung und sauberes Trinkwasser auf der Agenda steht. Um das zu erreichen, müssen Regierungen mehr politischen Willen aufbringen als bisher und ihre Behörden effizienter arbeiten lassen.

Links

Mahmood, Q., et al, 2019: Chemical pollutants from an industrial estate in Pakistan. In: Applied Water Science 9:47.
https://www.researchgate.net/publication/331854658_Chemical_pollutants_from_an_industrial_estate_in_Pakistan_a_threat_to_environmental_sustainability

Ali, S., et al, 2017: Drinking water quality status and contamination in Pakistan. In: BioMed Research International, 8:14.
https://www.hindawi.com/journals/bmri/2017/7908183/#introduction

Imran Mukhtar ist Journalist in Islamabad.
imranmukhtar@live.com
Twitter: @imranmukhtar

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Volle Klassen trotz Corona

19. Februar 2021 - 10:24
Burundis Bildungseinrichtungen bleiben in der Pandemie geöffnet, Abstandhalten ist nicht Pflicht

Burundis Regierung führte lediglich gewisse Schutzmaßnahmen ein, in erster Linie setzte sie auf gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife. Schulen stellten gechlortes Wasser, Seife und andere Desinfektionsmittel bereit.

Nachdem zwei Menschen an Covid-19 gestorben waren, schloss Burundi seine Grenzen. Fünf Monate lang kam niemand mehr per Flugzeug, Schiff oder auf dem Landweg herein oder heraus. Am 8. November öffneten die Grenzen wieder.

Während der gesamten Zeit blieben die Klassenzimmer voll wie eh und je. In einer Klasse sitzen in Burundi bis zu 100 Schülerinnen und Schüler, wobei sich jeweils drei eine Schulbank teilen. Abstand halten und Masken tragen mussten sie nicht. Das war nur in Kirchen Pflicht.

Während Schulen und Universitäten in den Nachbarländern zumachten, zogen sie in Burundi ihr normales Programm durch. Das Schuljahr, das im September 2019 begonnen hatte, endete im Juli 2020 ohne Einschränkungen. Bis heute hat die Corona-Pandemie den Unterricht nicht beeinträchtigt.

Eine Ausnahme bilden einige internationale Schulen. Sie ordnen Maskentragen und striktes Händewaschen an. Abstandhalten ist dort möglich, da sie wenige Schülerinnen und Schüler pro Klasse haben. Einzelne Schulen haben im vergangenen Schuljahr sogar dichtgemacht – und sich damit eine Mahnung von oberster Stelle eingehandelt.

Anfang 2021 nahm die Zahl der mit Corona infizierten Menschen in Burundi wieder zu. Als das zweite Trimester in den Schulen begann, wurden im Laufe einer Woche 140 neue Fälle registriert. Burundi schloss erneut seine Grenzen für den Schiffs- und Landverkehr, lediglich Warentransporte per Lkw werden noch hereingelassen. Flugreisende müssen einen negativen Corona-Test bei der Einreise vorweisen und einen weiteren nach sechs Tagen Quarantäne, die für alle Einreisenden obligatorisch ist.

Das Gesundheitsministerium organisierte kostenlose Massenschnelltests an drei Orten in Bujumbura, der mit Abstand größten Stadt des Landes. Die Kampagne begann am 11. Januar und dauerte 30 Tage. Von Juli bis September hatte es auch schon Massentestungen gegeben.

Der Unterricht geht weiter, die Regierung ruft die Menschen aber zu Vorsichtsmaßnahmen auf. Das Tragen von Masken sei jetzt auch in Bildungseinrichtungen geboten. Pflicht ist es aber nur im öffentlichen Nahverkehr. Die Cubahiro International School in Bujumbura verzeichnete im Januar einen Corona-Fall und schloss daraufhin für zwei Wochen die gesamte Schule.

Mireille Kanyange ist Journalistin und Reporterin bei Radio Isanganiro in Burundi.
mika.kanyange@gmail.com

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Worauf die Hoffnung ruht

18. Februar 2021 - 15:31
Der Coup ist ein herber Rückschlag für die Demokratisierung in Myanmar

„Ihr habt euch mit der falschen Generation angelegt!“ Das ist die Message der jungen Menschen an die Generäle. Sie sind viele, sie sind gut vernetzt – auch mit anderen Protestbewegungen wie denen in Thailand und Hongkong – und sie haben Freiheiten genossen, die sie sich nicht wieder nehmen lassen wollen. Diese Generation besteht darauf, von den Politikern regiert zu werden, die sie demokratisch gewählt hat.

Für 20-Jährige im heutigen Myanmar ist die Militärdiktatur eine Kindheitserinnerung. Das Land war seit zehn Jahren auf dem Weg der Demokratisierung. 2012 zog die National League of Democracy (NLD), die Partei der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, ins Parlament ein, seit 2015 hat sie dort die absolute Mehrheit. Das Militär war allerdings nie weg: Ein Viertel der Sitze ist für die Generäle reserviert, sie können damit jegliches Gesetz blockieren. Die Armee stellte außerdem mehrere Minister.

Trotzdem hatte Suu Kyi, die wegen einer für sie maßgeschneiderten Verfassungsklausel selbst nicht Präsidentin werden kann, viele Fäden in der Hand. Sie galt als De-facto-Regierungschefin, ihr Parteifreund und Vertrauter Präsident Win Myint als ihr Platzhalter. Nun sitzen beide in Haft. Die neuen selbsternannten Machthaber haben auch hunderte weitere Menschen festgenommen, darunter Politiker, Journalisten, Studenten und einen australischen Berater Suu Kyis.

Suu Kyis Image hat in den vergangenen Jahren – besonders im Westen – gelitten, weil sie mit den Generälen kooperierte und vor allem, weil sie die Verbrechen an der Minderheit der Rohingya weder verhinderte noch verurteilte. Bei sehr vielen Menschen in Myanmar genießt sie aber weiterhin großen Rückhalt, davon zeugen unter anderem die vielen Plakate, mit denen Demonstranten ihre Freilassung fordern.

Es geht hier jedoch nicht in erster Linie um Suu Kyi, und die heutige Generation der Protestierenden in Myanmar braucht auch keine Ikone, um für ihre Rechte zu kämpfen. Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft begehren dagegen auf, dass eine demokratisch gewählte Regierung nicht antreten durfte: Mönche und Ärztinnen, Ingenieure und Studentinnen, Mitarbeiter der Bahn und der Müllabfuhr. Die NLD hat die Parlamentswahlen am 8. November haushoch gewonnen, die Partei der Armee, die USDP, eine herbe Niederlage eingefahren. Die Militärs argumentieren mit Wahlbetrug, um den Putsch zu begründen. Er fand just an dem Tag statt, als das neu gewählte Parlament zum ersten Mal zusammenkommen sollte.

Vermutlich hatten die Generäle schlicht Angst, dass ihnen die Reste der Macht, die sie noch in den Händen hielten, entgleiten würden – und die Privilegien und Geldeinnahmen, die damit zusammenhängen. Mit einem derartigen Widerstand hatten sie aber wohl kaum gerechnet. Die Welt ist eine komplett andere als 1988, als es die letzten Massenproteste in Myanmar gab. Damals erschossen Soldaten tausende friedliche Demonstranten – und kamen ungestraft davon. Im Februar 2021 erschoss ein Polizist eine 19-jährige Demonstrantin – und die ganze Welt kennt ihren Namen und ihr Gesicht. Fotos und Videos von dem Moment, in dem Mya Thwate Thwate Khaing eine Kugel in den Kopf bekam, zirkulierten kurz darauf in den sozialen Medien.

Die Armee verliere zunehmend die Geduld, „aber es wird schwierig sein, ein Blutbad vor laufenden Smartphone-Kameras zu veranstalten“, schrieb Aung Zaw, der Chefredakteur der unabhängigen Zeitung The Irrawaddy, am 16. Februar. Der 52-Jährige hatte an den Protesten 1988 als junger Student teilgenommen und dafür mit Haft und Folter bezahlt. 1993 gründete er im thailändischen Exil The Irrawaddy. „Wenn das Militär, wie in der Vergangenheit, einen Großangriff startet, schaufelt es sich sein eigenes Grab.“

Die Hoffnung ist, dass ein Blutbad ausbleibt. Doch sicher ist das nicht. Bestimmt haben die Demonstranten Angst davor. Doch im Moment scheint eine andere Angst noch größer zu sein: Wenn die Menschen jetzt klein beigeben, sind Demokratie und Freiheit auf Jahre verloren.

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Hunger and poverty make young girls sell their bodies

12. Februar 2021 - 9:30
Zimbabwe is seeing a spike in child prostitution as poverty and hunger spread

Two girls – Tracy and Melisa, ages 13 and 15 respectively – are typical examples. Having lost their parents, they traveled from their home in Gokwe, a small rural community in Midlands Province, to Kadoma, a busy mining town west of Harare.

There, they joined six other girls, all of whom are school dropouts, to rent a room where they provide sex services to some of the thousands of men who go there to mine gold. Many of those clients look specifically for very young girls, believing they are less likely to have sexually transmitted diseases. “A lot of gold panners scramble for our services because they think we are innocent,” Tracy says.

Hungry and desperate child prostitutes are appearing on streets all over the country, not only in mining towns. They ply their trade in in the capital Harare and in remote border towns frequented by long-distance truckers.

Many of the girls have dropped out of school, as their families cannot pay school fees. In 2019, about 60% of Zimbabwe’s children in primary school were sent home for failing to pay fees, according to the Zimbabwe Vulnerability Assessment Committee. Others, like Tracy and Melisa, have been orphaned.

“We are seeing a spike in social vices like child prostitution and domestic violence,” says Father Martin Nyadewo of St. Peter’s Parish in Mbare, a high-density southern suburb of Harare. “Young girls are increasingly taking to the streets to sell their bodies to be able to feed themselves and their families.” His comments appear in a July 2020 article in America, the Jesuit review magazine.

“We call it child sexual exploitation, not child prostitution,” says Taylor Nyanhete, director of the Zimbabwe National Council for the Welfare of Children, a children’s rights organisation. “Children can also be exploited by being told that if they want something they must provide sex to get it.” For example, he says, “in Chitungwiza (a town 25 km from Harare), marshals tell them that if they want to get water early, they must provide sexual favours.”

Child prostitution is a crime in Zimbabwe, but the nature of the act makes it difficult for officials to keep accurate statistics. The cause of the increase, however, is visible everywhere. Zimbabwe is racked by poverty and its problems have been worsened by the Covid 19 pandemic. According to the UN’s Global Food Crisis Report Forecast of April 2020, some 4.3 million Zimbabweans face starvation.

As child prostitution spreads in Zimbabwe, the country’s AIDS epidemic is reaching into younger age groups. According to UNAIDS, in 2018 about a third of all new HIV infections in Zimbabweans over 15 were in the younger age cohort (up to age 24). In that year UNAIDS reported 9,000 new HIV infections among young women, more than double the number of new infections among young men (4,200).

Jeffrey Moyo is a journalist in Zimbabwe.
moyojeffrey@gmail.com

 

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E+Z/D+C 2021/03 – tr – Ben Ezeamalu – Africa Covid

10. Februar 2021 - 14:30
Africa’s coronavirus statistics look comparatively good, but inoculation is needed urgently nonetheless

In early February, that had only happened in Egypt, Mauritius and Guinea. Guinea had administered a mere 55 vaccine doses, according to the Bloomberg Vaccine Tracker. The comparative figure for Mauritius was 207. By contrast, 43 million doses of Covid-19 vaccines had been administered in the USA by 9 February. The comparative figures were 31 million in China, 12 million in Britain and 3 million in Germany.

This scenario is unacceptable. Paul Kagame, the president of Rwanda, wrote in the Guardian: “There are worrying signs of vaccine nationalism in Europe and North America.” Insisting that vaccination is not a matter of charity, he warned: “Until Africans get the Covid vaccinations they need, the whole world will suffer.” This is correct for several reasons. One is that virus mutations are likely in places where people are not inoculated, and those mutations can then affect other places. Another reason is that fear of the pandemic is an obstacle to economic development, so vaccination is important for international supply chains to be fully re-established. Since masses of Africans depend on the tourism sector, more­over, poverty is worsening because holidaymakers from prosperous world regions are staying away.

Africa was easily swept away in the race for the coronavirus vaccines. While the rich countries succeeded in acquiring millions of doses within the first few weeks of vaccine discovery, Africa is still negotiating with the manufacturers. John Nkengasong, the director of the Africa Centres of Disease Control and Prevention (Africa CDC), described the situation as “discriminatory”. The Africa CDC is an institution of the African Union and cooperates with regional centres throughout the continent. Nkengasong added: “Excluding people based on their country of origin would defeat the vaccination programme’s goal of reaching herd immunity, which is achieved when a large part of the population is immune to the virus.”

The situation is not hopeless. The Covax initiative, which was started in the G20 context last year, has pledged to vaccinate 20 % of the people in partner countries, and that includes Africa. As a consequence, the World Health Organization (WHO) is expected to deliver 600 million doses of the vaccine. On top of that, the Africa CDC is hoping to secure another 270 million. That would be a good start, but it would certainly not suffice. Africa has a population of 1.3 billion people. It is worrisome, moreover, that the vaccines are scheduled to arrive from April on. There is reason to believe that things will not work out as planned.

In Nigeria, for instance, the first batch of 100,000 vaccines the country said it would purchase were initially billed to be delivered in the last week of January. It has since been shifted to early February. As of 9 February, Nigeria’s 200 million people were still waiting for vaccinations to begin.

In South Africa, President Cyril Ramaphosa announced in January that 1.5 million doses, which would have vaccinated about 750,000 people, would arrive “in the next several weeks”. His policy is now in disarray after scientists found that the AstraZeneca vaccine does not adequately protect people from the coronavirus mutant that is spreading in – and also beyond – his nation.

There are several vaccines. Three are produced by multinational pharma corporations based in Western countries. All three have been approved by regulators according to international standards. There are also vaccines from Russia, India and China. Research suggests that they are effective, but by early February, they had not been approved by the WHO which adheres to international standards. For obvious reasons, people around the world prefer pharmaceuticals that meet the requirements of the strictest regulators. As the WHO is playing an important role in Africa, its criteria are very important. Even if they want to, African policymakers will find it hard to simply opt for other vaccines than the WHO appreciates.

Africa’s Covid-19 track record

The need to protect Africans from the coronavirus must not be underestimated. That, however, is happening to some extent because Africa has been trailing behind the rest of the world in terms of Covid-19 infections and deaths. Why that is so, is not fully understood. Experts say that hot climates may play a role and that Africa’s comparatively young populations may be less affected. Moreover, African societies are said to have learned to stick to hygiene rules in view of several Ebola outbreaks. The list goes on.

As of 9 February, Africa has recorded 3.7 million cases of coronavirus, with 3.2 million recoveries and not quite 96,000 deaths, according to Worldometer’s global coronavirus tracker. Southern Africa accounted for nearly half of those cases, with most infections registered in South Africa.

The official statistics, however, probably do not show the full picture. Health infrastructure tends to be particularly poor in least developed countries and, more generally speaking, in the remote areas of developing countries and emerging markets. Testing capacities depend on the quality of health infrastructure. Most likely, some Covid-19 patients are never professionally diagnosed with this disease in Africa. On the other hand, people know about the pandemic, and mobile-phone connectivity means that rural people can make themselves heard when an unprecedented health disaster escalates.

New coronavirus variants

African countries responded to the first news of the pandemic fast. Early travel restrictions and lockdown measures have probably helped to curtail the spread of the virus. Nonetheless, there is now a second wave, and the discovery of new Covid-19 variants is a matter of concern. Infection numbers rose in December and January in Africa. On 28 January, Matshidiso Moeti, the WHO regional director for Africa told a virtual press conference: “In the past week, there has been a small dip in cases in South Africa, but 22 countries continue to see their case numbers surge.” According to her, the number of deaths had doubled in four weeks.

Africa needs effective protection against the disease. Moreover, the global community needs Africa to be protected. Policymakers around the world must speed up efforts to make that happen. As the Rwandan president wrote in his newspaper comment, this is not about charity: “All we ask for is transparency and fairness in vaccine access, not the protectionism currently in play.” He wants the WHO to speed up the approval processes for vaccines. Moreover, he demands that countries with small populations get the same affordable pharma prices as the EU or the US have negotiated with powerful multinational corporations.

Ben Ezeamalu is a senior reporter who works for Premium Times in Lagos.
ben.ezeamalu@gmail.com
Twitter: @callmebenfigo

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Höhen und Tiefen eines Einwandererlebens in Deutschland

10. Februar 2021 - 11:59
Drei Migrantinnen aus Frankfurt erzählen ihre Geschichte

Als ich mein Portugiesisch-Studium für Lehramt in Argentinien abschlossen hatte, wollte ich Europa kennenlernen und bin mit einem Stipendium ein Jahr nach Portugal gegangen. Das hat mir sehr gut gefallen. Als ich in Buenos Aires zurück war, habe ich meinen zukünftigen Mann kennengelernt, der ebenfalls Europa bereist hatte und dorthin zurückgehen wollte. Wir beide hatten das Gefühl, dass du dir in Argentinien keine Zukunft aufbauen kannst. Die Lage im Land mit all den Wirtschafts- und politischen Krisen macht es unmöglich. Das ist übrigens heute noch so. Es war einfacher für uns, nach Deutschland zu gehen und dort verlässliche Pläne zu machen und in festen Strukturen zu leben. In Argentinien weißt du nie, was auf dich zukommt. Die Menschen gewöhnen sich zwar an diesen Zustand. Aber ich beobachte, dass die Argentinier ständig gereizt und gestresst sind.

So bin ich mit 26 Jahren nach Deutschland gegangen, obwohl ich kein Deutsch gesprochen habe. In Hamburg hatten mein Mann und ich entfernte Bekannte, bei denen wir erst mal unterkommen konnten. Die Idee war, später weiter nach Spanien zu gehen. Das hat sich aber ziemlich schnell zerschlagen, und es hat uns so gut hier gefallen, dass wir bleiben wollten.

Ich habe dann ein Studienvisum beantragt, weil ich in Deutschland auf jeden Fall weiterstudieren wollte. Mein Mann wollte in der Reisebranche arbeiten. Zuerst mussten wir aber so schnell wie möglich die Sprache lernen. Weil wir unser Leben in einer kleineren Stadt anfangen wollten, haben wir uns Würzburg ausgesucht – dort hatten wir Bekannte. In Würzburg haben wir neun Monate einen Intensivsprachkurs gemacht. Dafür und für unseren Lebensunterhalt hat uns mein Schwiegervater Geld geliehen.

Ich habe mich von Anfang an in Deutschland gut aufgenommen und zu Hause gefühlt. Dabei war sicher hilfreich, dass ich europäische Wurzeln habe – meine Großeltern sind von Italien nach Argentinien ausgewandert. Es ist außerdem von Anfang an alles so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe. Ich konnte meine Träume leben. Ich habe in Deutschland studiert, vergangenes Jahr sogar noch promoviert, ich habe an der Uni und an Schulen als Dozentin und Lehrerin gearbeitet. Ich habe meine beiden Kinder hier bekommen und immer viele Freunde gehabt – Deutsche und auch viele Latinos und Spanier.

Der Kontakt zu meiner Heimat Buenos Aires, meiner Familie und meinen Freunden war immer da und ist bis heute nicht abgerissen. Ich bin regelmäßig in Argentinien und kann mich – außer jetzt in Corona­zeiten – frei zwischen beiden Welten bewegen. Ich fühle mich sowohl in Deutschland als auch in Argentinien zu Hause.

Giselle Zenga ist für Sprachförderung und Personalentwicklung bei dem spanisch-deutschen Unternehmen HELMECA Personal GmbH zuständig.
euz.editor@dandc.eu

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Höhen und Tiefen eines Einwandererlebens in Deutschland

10. Februar 2021 - 11:45
Drei Migrantinnen aus Frankfurt erzählen ihre Geschichte

Mich hat eine verrückte Zufallsgeschichte 1989 nach Deutschland verschlagen. Als ich in Senegals Hauptstadt Dakar studiert habe, traf ich eine Frau, die in Kontakt zur evangelischen Kirche in Deutschland stand. Diese hat mich auf die Idee gebracht, nach Deutschland zu gehen. Sie wollte mir eine Familie vermitteln, die junge Studentinnen aus Entwicklungsländern aufnimmt. Das hat sich dann aber doch zerschlagen, und ich stand kurz vor der geplante Abreise ohne Plan da. Ich entschloss mich, dennoch nach Deutschland zu gehen – mit einem Touristenvisum. Ich hatte zum Glück einen Cousin, der in Frankfurt studierte, und der bot mir an, dass ich zu ihm kommen könne. Also machte ich mich auf in ein unbekanntes Abenteuer.

Ich habe diesen Schritt nie bereut. Ich lernte schnell an einer Sprachschule Deutsch, weil ich studieren wollte. Ich fing dann auch an, Wirtschaftswissenschaften zu studieren, habe aber bald zu Soziologie, Politik und Pädagogik gewechselt. Ich habe mit verschiedensten Jobs wie Putzen und Babysitting für meinen Lebensunterhalt gesorgt. Mein Cousin und ich haben im Studentenwohnheim in Frankfurt in einem Zimmer gelebt und das studentische Leben genossen.

Aufgewachsen bin ich rund 500 Kilometer von meinen Eltern entfernt bei meiner Tante in Podor an der Grenze zu Mauretanien. Meine Tante war verwitwet und hatte keine Kinder, und so wurde ich ihr versprochen. Bei uns ist es undenkbar, dass jemand alleine leben muss, und so kam ich mit 18 Monaten zu ihr. Das ist bei uns nicht ungewöhnlich. Kinder sind bei uns kein individueller Besitz der Eltern, sondern sie „gehören“ der Gemeinschaft, der Familie. Heute in Dakar in der neuen Generation ist das vielleicht nicht mehr so. Ich trage auch die Vornamen meiner Tante „Mariame Racine“. Meine Tante, die leider schon verstorben ist, war quasi meine Mutter.

In Deutschland ist es immer gut für mich gelaufen. Im Studium fragte mich eine Kommilitonin, ob ich Lust hätte, bei Afrika-Seminaren der Gewerkschaftsjugend Oberursel mitzuwirken. Das habe ich gemacht, und weil ich dann Mitglied im DGB war, habe ich ein Stipendium von der Hans-Böckler-Stiftung bekommen. So konnte ich mein ganzes Studium bis zur Promotion finanzieren.

Ich habe mich nie komisch als schwarze Frau an der Uni gefühlt, da waren immer Studenten aus anderen, auch afrikanischen Ländern. Bei der Gewerkschaftsjugend war ich die einzige schwarze Frau, aber ich habe mich immer gut aufgenommen gefühlt.

Ich glaube, ich habe eine Fähigkeit, die Sachen so anzunehmen, wie sie sind. Es liegt scheinbar eine Offenheit in meiner Natur, die mir das leicht ermöglicht. Ich habe gemerkt, es gibt Deutsche, die wollen mit schwarzen Menschen nichts zu tun haben. Die gehen auf Distanz, und das habe ich akzeptiert. Die, die zu dir kommen, die sind offen, und mit denen bin ich immer gut ausgekommen. Ich mag die deutschen Freundschaften, die sind echt.

Die Integration kam sozusagen aus mir heraus, ich brauchte keinen Kurs. 2018 habe ich sogar den Integrationspreis der Stadt Frankfurt bekommen. Gleichzeitig habe ich immer Kontakt mit dem Senegal gehalten, mit meiner Familie und Freunden. Für mich sind beide Länder meine Heimat. Ich habe immer Heimweh nach Deutschland gehabt, wenn ich im Senegal war.

In Deutschland habe ich meinen Mann, der ursprünglich aus Mali kommt, vor vielen Jahren durch einen Deutschkurs kennengelernt. Meine beiden Söhne sind hier geboren. Wir sprechen drei, vier Sprachen zu Hause – Deutsch und Französisch sowie unsere afrikanischen Muttersprachen.

Ich bin glücklich in Deutschland. Ich habe mich sogar eingebürgert. Ich konnte immer die Arbeit machen, die ich wollte. Nach dem Studium habe ich mich als Fachkraft bei Brot für die Welt beworben und habe eine Stelle im Senegal gekriegt. Dort bin ich mit meiner Familie hin, und nach sechs Jahren sind wir wieder nach Deutschland zurück.

Natürlich gibt es auch weniger schöne Dinge wie Rassismus, aber davon lasse ich mein Leben nicht bestimmen. Ich finde, die Leute sind heute offener. Damals, als ich nach Deutschland kam, gab es noch viel mehr Rassismus wie die Ausschreitungen und Anschläge gegen Ausländer in Rostock oder Solingen. Ich kapiere die Fremdenfeindlichkeit der Ostdeutschen nicht. Sie haben zu DDR-Zeiten Tunnel gegraben, um in den Westen zu kommen und ihre Träume zu leben. Und heute verstehen sie nicht, dass es auch woanders Leute gibt, die Träume haben und weggehen möchten.

Mariame Racine Sow ist Sozialberaterin in einer Flüchtlingsunterkunft des Arbeiter-Samariterbunds in Frankfurt. Sie engagiert sich zudem ehrenamtlich in dem Verein Forward For Women gegen weibliche Genitalbeschneidung.
https://forwardforwomen.org/

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Höhen und Tiefen eines Einwandererlebens in Deutschland

10. Februar 2021 - 11:33
Drei Migrantinnen aus Frankfurt erzählen ihre Geschichte

Ich bin Kurdin und habe meine Heimatstadt Istanbul vor etwa 25 Jahren verlassen. Ich konnte dort nicht mehr bleiben. Ich war seit Jahren in der linken, oppositionellen Szene aktiv und habe als Journalistin gearbeitet. Die Repressalien wurden immer schlimmer, und ich bin zwei, drei Mal festgenommen worden. Ich war insgesamt mehrere Monate in Haft. Ich erzähle das nicht so gerne, weil für Deutsche hört sich Gefängnis gleich nach Kriminalität an. Aber in der Türkei kann das bedeuten, dass du politisch unliebsam bist und willkürlich eingesperrt wirst.

Ich hatte die Hoffnung verloren, dass sich in der Türkei etwas ändert, deshalb wollte ich weg. In Deutschland hatte ich Bekannte, und deshalb bin ich erst einmal nach Nürnberg gegangen. Dort habe ich einige Jahre gebraucht, um mir darüber im Klaren zu werden, wohin ich mit meinem Leben will. Ich habe in Nürnberg ein paar Jahre als Sozialarbeiterin mit türkischen Jugendlichen in einem Drogentherapiezentrum gearbeitet. Dafür brauchte ich kein Deutsch zu sprechen. Das habe ich erst nach fünf Jahren im Land angefangen zu lernen.

Mit Ende 20 habe ich mich dann entschlossen, in Deutschland zu bleiben und hier zu studieren. Da ich in der Türkei Radio-, Kino und Fernsehwissenschaften studiert hatte, durfte ich in Deutschland nur ein ähnliches Fach studieren – auch wenn kein Schein aus der Türkei anerkannt wurde. Also habe ich Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Uni Frankfurt studiert, obwohl ich eigentlich lieber Soziologie oder Sozialarbeit studiert hätte, der Bereich, in dem ich auch heute arbeite. 2005 habe ich meinen Mann, einen griechischstämmigen Deutschen kennengelernt. 2010 und 2016 sind unsere Kinder zur Welt gekommen.

Ich vermisse die Türkei und vor allem Istanbul, die Sonne, das Meer, die Kultur und vor allem meine Eltern, Familie und Freunde. Ich war seit 2015 nicht mehr dort. Das war auch das letzte Mal, dass ich meine Eltern gesehen habe. Seitdem ich mich kritisch gegenüber Präsident Erdogan geäußert habe, traue mich nicht mehr in die Türkei.

Heimat – was bedeutet das für mich? Eine wirkliche Heimat, dort, wo ich akzeptiert werde, wie ich bin, existiert leider nicht. In der Türkei habe ich als Kurdin, Alewitin und Linke nie richtig zur türkischen Gesellschaft gehört, war immer eine Außenseiterin. In Deutschland werde ich immerhin per Gesetz so akzeptiert, wie ich bin. Aber es gibt ungeschriebene Gesetze in der Gesellschaft, und da passe ich auch nicht immer ins Schema. Ich habe auch in Deutschland noch nicht herausgefunden, wie man seine Meinung „richtig“ oder diplomatisch äußert. Deshalb kommt es schon mal zu Missverständnissen und Vorurteilen mir gegenüber. Das passiert in der Arbeit wie im Privaten.

Das Thema Integration sehe ich kritisch – wer soll sich wohin integrieren? Das schafft Hierarchien sowie Täter und Opfer. Jeder bringt seinen eigenen Hintergrund mit, ob Migranten oder Deutsche. Auch Deutsche sind keine homogene Masse. Integration ist auf jeden Fall eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Mit meinen türkischstämmigen Landsleuten in Deutschland kann ich mich nicht identifizieren, da geht es mir ähnlich wie den Deutschen. Viele leben in sehr geschlossenen Gesellschaften, in einer Parallelwelt. Vielleicht ist daran auch die Integrationspolitik Deutschlands schuld. Ich komme nur mit wenigen Deutschtürken klar. Ich fühle mich aber auch den Deutschen nicht zugehörig. Am ehesten fühle ich mich als Europäerin. Ich verteidige die Werte von Europa heutzutage mehr, als Europa es leider selbst es tut – wie zum Beispiel die Flüchtlings- und Migrationspolitik oder Arbeits- und Frauenrechte.

Sengül Yalcin-Ioannidis arbeitet als Bildungsbegleiterin für Geflüchtete und Migranten und als Familienhelferin. Sie plant, einen Verein zu gründen zur ganzheitlichen Bildungs- und beruflichen Begleitung für Migrantinnen, die häuslicher Gewalt entfliehen wollen.
euz.editor@dandc.eu

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Jakartas Herausforderungen bestehen fort

10. Februar 2021 - 9:57
Auch wenn Indonesiens Regierung umzieht, sind die Probleme der ehemaligen Hauptstadt nicht vom Tisch

Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist eine merkwürdige Mischung aus Hochhäusern und Slums. Man kann problemlos durch beide Arten von Vierteln laufen – sie liegen nicht weit auseinander, und manchmal reicht es, eine Straße zu überqueren, um aus einer Wohngegend der gehobenen Mittelschicht in ein Armenviertel zu gelangen. Viele informelle Siedlungen, sogenannte Kampungs, bestehen bereits seit Generationen.

Von 13 Flüssen umgeben, entstand Jakarta im 4. Jahrhundert aus einer Hafensiedlung. Etwa 11 Millionen Menschen leben heute innerhalb der Stadtgrenzen; im gesamten Ballungsraum sind es 28 Millionen. Die Bevölkerung ist schneller gewachsen, als guter neuer Wohnraum entstand. Jährlich werden Tausende neue bezahlbare Häuser gebaut, aber das reicht nicht. Auch die Infrastruktur hält nicht mit: Müllentsorgung, Wasser, Strom et cetera sind kritische Themen.

Die Klimakrise verschärft die Probleme. Etwa 40 Prozent der Stadt liegen unterhalb des Meeresspiegels und laufen Gefahr, überflutet zu werden. Manche Uferbereiche stehen permanent unter Wasser.

Unter den 20 größten Städten Südostasiens rangiert Jakarta bezüglich der Lebenshaltungskosten laut der Online-Datenbank Numbeo auf Platz 11. Was die Kaufkraft angeht, steht die Stadt jedoch auf Platz 15. Singapur führt beide Listen an, nur ist dort die Kaufkraft pro Kopf fünfmal höher als in Jakarta.

Jakartas Niedriglöhner leben in Kampungs. Viele arbeiten als Haushaltshilfe, Fahrer, in Läden oder betreiben kleine Geschäfte. Ihre Jobs sind meist so informell wie ihre Wohnsituation. Die reicheren Leute sind weitgehend von ihren Diensten abhängig.

Nicht nur Jakartas Bevölkerung wächst. Auch die Wirtschaft – samt informellem Sektor – expandiert. Die ohnehin hohen Bodenpreise steigen weiter. Immer mehr Hochhäuser werden gebaut, für Büros und Wohnungen. Gleichzeitig wird das verfügbare Land für Kampungs immer weniger, und die Menschen werden zunehmend an den Stadtrand gedrängt. Eine Folge davon sind Verkehrsstaus, die das Pendeln für alle stressiger machen. Trotz neuer Schnellstraßen und Stadtbahnstrecken sind Verkehr und Luftverschmutzung ein Alptraum.

Das nur eine Flugstunde entfernte Singapur gilt vielen als Beispiel dafür, wie eine Hauptstadt sein sollte – so auch der indonesischen Regierung. Allerdings hat Singapur nicht die gleichen Probleme. Die Stadt ist jünger, besser von Stadtplanern entwickelt, und der kleine Staat hatte in den letzten Jahrzehnten die Binnenmigration besser unter Kontrolle. Die Behörden in Jakarta hingegen konnten die Indonesier nicht davon abhalten, nach Jakarta zu ziehen, wo es für sie leichter ist, ihren Lebensunterhalt zu verdienen als auf dem Land.

Noch einmal bei null anzufangen erscheint daher attraktiv. Die Regierung hat entschieden, die Hauptstadt nach Kalimantan zu verlegen, den indonesischen Teil der Insel Borneo. Kalimantan ist so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen, hat aber lediglich 20 Millionen Einwohner. Bis 2024 sollen die Regierungsgebäude in der neuen Hauptstadt an der Grenze der beiden Regentschaften Kutai Kartanegara und Penajam North Paser errichtet sein. Jakarta liegt am westlichen Ende von Java, der bevölkerungsreichsten Insel Indonesiens, Kalimantan ist zentraler gelegen auf dem riesigen Archipel.

Der Umzug in eine neue Hauptstadt könnte der Regierung und ihrem bürokratischen Apparat einige Vorteile bringen. Islamabad in Pakistan, Abuja in Nigeria oder Brasília in Brasilien zeigen, dass es möglich ist. Die größere Herausforderung liegt darin, mehr dafür zu tun, dass Jakarta lebenswerter und nachhaltiger wird. Der Umzug wird den Druck etwas mindern, die Lösung ist er aber nicht. Wie Karachi, Lagos und Rio de Janeiro zeigen, erfordern Megastädte auch nach Wegzug der Bundesregierung Aufmerksamkeit.

Edith Koesoemawiria ist freie Journalistin.
hidayati@gmx.de

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Aus Utopie muss Wirklichkeit werden

9. Februar 2021 - 14:51
Klimakrise, Coronavirus und digitalisierte Kommunikation machen bessere Global Governance nötig

Die UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel gibt es seit fast 30 Jahren, aber die Klimakrise eskaliert weiter. Da Versuche, strengere Regeln zu beschließen, scheiterten, stützt sich das Paris-Abkommen von 2015 wieder auf freiwillige Maßnahmen, um den weltweiten Temperaturanstieg auf höchstens zwei und möglichst 1,5 Grad zu beschränken. Gute Absichten sind lobenswert, und dass US-Präsident Joe Biden kein Klimaleugner wie sein Vorgänger ist, wird helfen. Ob das ausreicht, steht jedoch nicht fest.

Auch in anderen Politikfeldern wäre globale Abstimmung nötig. Die Corona-Pandemie löst gesundheitlich und ökonomisch schweres Leid aus. In Rekordzeit wurden innovative Impfstoffe entwickelt, dank derer die wohlhabenden Nationen wahrscheinlich noch in diesem Jahr Herdenimmunität erreichen werden. Dagegen ist das Ziel der multilateralen Initia­tive Covax nur, in den Partnerländern 20 Prozent der Bevölkerung zu impfen, was für Herdenimmunität nicht reicht. Um nicht missverstanden zu werden: Covax verdient Lob. Dass Länder sich zusammentun, um allen Partnern Zugang zu Impfstoffen zu geben, ist wichtig.

Es reicht aber nicht. Ein belastbarer Plan, weltweite Herdenimmunität in wenigen Monaten zu erreichen, ist vielleicht unmöglich. Aber wie wäre es mit 15 oder 18 Monaten? Derart eindeutig artikulierter Ehrgeiz würde überall Zuversicht wecken. Er sollte zudem auf fairer Lastenteilung beruhen. Bisher tragen Regierungen reicher Nationen aber nur so viel Geld bei, wie ihnen selbst jeweils angemessen scheint.

Auch die Regulierung des Internets ist grenzüberschreitend nötig. Anfang Januar schlossen Twitter, Facebook und andere Plattformen US-Präsident Donald Trump aus, weil er einen Aufruhr in Washington angestachelt hatte. Die dominanten Internetriesen Amazon, Apple und Google haben zudem Parler, eine unter rechtspopulistischen Amerikanern beliebte Plattform, de facto ausgeschaltet, indem sie ihr die Nutzung digitaler Infrastruktur verweigerten. Solche Entscheidungen haben große öffentliche Bedeutung, werden aber von Managern getroffen, die nur den Anteilseignern Rechenschaft schulden. Ihr Ziel ist Profit­maximierung und Steuerminimierung, aber sie kontrollieren digitale Systeme von erheblicher öffentlicher Relevanz. Bisher tun sie viel zu wenig, um Propagandalügen und Hassrhetorik zu verhindern. Das Gemeinwohl obliegt dem Gutdünken dieser Großunternehmen. Als autokratischen Herrschern die Bedeutung des Internets noch nicht klar war, boten Internetplattformen Freiräume. Heute stellen sich die Unternehmenslenker dagegen nach Möglichkeit mit den Machthabern gut. Dass Trump schon abgewählt war, war wichtig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der komplette Ausschluss Trumps von den sozialen Medien dessen Redefreiheit einschränkt. Deutsche Regeln verbieten Hasspropaganda und zwingen die Online-Plattformen, diese nach Benachrichtigung zu löschen. Täter behalten so Zugang, aber Missbrauch wird begrenzt. Allerdings herrscht in den USA ein etwas anderes Verständnis von Redefreiheit als in Deutschland. Die US-Verfassung verbietet dem Staat, die Redefreiheit zu begrenzen, gewährt aber keinesfalls allen Menschen Zugang zu jeder Dimension des öffentlichen Raums. Wo Privatfirmen solche Dimensionen kontrollieren, entscheiden sie alleine. Dass sich das Verständnis von Redefreiheit nuancenweise von Land zu Land unterscheidet, ist kein großes Problem. Es ist aber verheerend, dass die Menschenrechte nicht international einklagbar sind, sondern nationaler Rechtsprechung unterliegen. Die Universelle Erklärung der Menschenrechte ist nicht bindendes Recht. Für globale politische Meinungsbildung brauchen wir stimmige Regeln über Redefreiheit im Internet – aber darüber bestimmen vielfach Konzerne und Potentaten.

Heute sind Umweltschutz, Gesundheit und digitaler Austausch globale Themen. Unser aller Wohlergehen hängt von kompetenter Zusammenarbeit und klugen Regeln ab. Unverbindliche Prinzipien reichen nicht. Besser wäre konsequentere Global Governance. Das ist utopisch – aber wenn die Forderung oft wiederholt und gründlich debattiert wird, wird sie irgendwann selbstverständlich.

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z/D+C.
euz.editor@dandc.eu

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Reformorientierte Côte d’Ivoire befindet sich im Stillstand

9. Februar 2021 - 11:56
Mahnende Worte sind nicht genug, um demokratische Werte durchzusetzen

Ouattara ist im Dezember erneut als Präsident von Côte d’Ivoire vereidigt worden. Seine dritte Kandidatur für dieses Amt war höchst umstritten und die Wahl begleitet von Unruhen mit 85 Toten und hunderten Verletzten (siehe Anderson Diédri in E+Z/D+C e-Paper 2021/01, Tribüne).

Doch Deutschland und die EU sehen Ouattaras Wiederwahl nicht als Problem an, sie verurteilen lediglich die Gewaltausschreitungen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erklärt, unter Ouattara seien vielfältige Reformvorhaben vorangebracht worden, und machte Côte d’Ivoire 2017 zum „Reformpartner“ – einem Land, das als besonders reformorientiert gilt und auch besonders unterstützt wird (siehe Hans Dembowski in E+Z/D+C e-Paper 2020/07, Monitor). Die Bundesregierung verfolge die Fortsetzung des Reformkurses unter einer neuen Regierung kontinuierlich.

Das BMZ betont, dass Ouattaras erneute Kandidatur für das Amt des Staatschefs vom Verfassungsrat zugelassen wurde. Allerdings bestimmt der Staatspräsident dessen Vorsitzenden sowie drei weitere Mitglieder – und damit die Mehrheit. Die übrigen drei Mitglieder bestellt der Parlamentspräsident.

Die Opposition in Côte d’Ivoire fühlt sich in ihren demokratischen Grundrechten verletzt. Dabei geht es um mehr als die Entscheidung des Verfassungsrats: Es geht um die Glaubwürdigkeit der Staatsmänner, im Namen des Volkes zu handeln, und um das Gefühl, dass Wahlen kein Instrument mehr sind, um Veränderung herbeizuführen.

Als Reaktion rief die Opposition dazu auf, die Abstimmung zu boykottieren. Die Regierung verbat bereits seit Mitte August 2020 öffentliche Demonstrationen, Sicherheitskräfte hatten mehrmals Proteste der Opposition mit Gewalt aufgelöst und Demonstranten festgenommen. Wird einem Volk die Möglichkeit genommen, politische Entscheidungen in der Wahlkabine zu treffen, so entlädt sich der Frust auf den Straßen.

Côte d’Ivoire ist ein souveränes Land und der Westen nicht in der Position, die ivorische Verfassung dahin gehend zu interpretieren, ob Ouattara eine dritte Amtszeit zusteht oder nicht. Der Westen und damit auch Deutschland müssen jedoch eine klare Haltung zu unumstößlichen Werten wie demokratische Partizipation, Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit und das Recht auf Leben und Freiheit zeigen. Die Einhaltung dieser Werte muss die Voraussetzung für die Zusammenarbeit sein sowie die Bedingung für die Klassifizierung als Reformstaat.

Deutschland hätte aktiver als Mediator in den Konflikt eingreifen, die Opposition aus der Isolation holen und Wahlbeobachter entsenden müssen, um zu gewährleisten, dass das Wahlergebnis den Willen des Volkes widerspiegelt.

Mahnende Worte, keine Taten

Deutschland begründet sein Schweigen mit der Entscheidung des Verfassungsrats. Aber auch die EU belässt es bei mahnenden Worten. Dabei liegt auf der Hand, dass die EU mehr Verhandlungsdruck erzeugen kann als ein einzelner Staat. Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit und damit die Durchsetzung bestimmter Kernkriterien ist auch eine europäische Verantwortung.

Was Deutschland auf nationaler Ebene bereits anstrebt, nämlich die bilaterale staatliche Zusammenarbeit auf besonders reformwillige Länder zu konzentrieren, sollte auf EU-Ebene ausgeweitet werden. Es wäre denkbar, die sogenannten Kopenhagener Kriterien, die alle Staaten erfüllen müssen, um der EU beizutreten, auch auf die Entwicklungspolitik auszudehnen. Kriterien wie institutionelle Stabilität, demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, Wahrung der Menschenrechte sowie Achtung und Schutz von Minderheiten eignen sich nicht nur als Kompass für die Entwicklungszusammenarbeit. Werden sie missachtet, sollten auch diplomatische Bemühungen folgen – und nicht nur mahnende Worte.

Christoph Hoffmann ist der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag.
christoph.hoffmann@bundestag.de

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E+Z/D+C 2021/03 – sw – Olga Speranskaya – Alltagsprodukte

9. Februar 2021 - 11:17
Common consumer goods contain dangerous substances that are known to harm human health

Let us talk about clothes first. It is important to understand what clothes you should buy and what clothes you should stay away from. Synthetic fabrics are popular, but they cause a lot of problems. People appreciate polyester, nylon and acrylic in garments because those garments do not wrinkle. They are also cheap, light and have many other characteristics that consumers love. Around the world, these fabrics form about 60 % of the material that makes up our clothes.

Synthetic fabrics are nothing more than different forms of plastic however. For instance, polyester is made from polyethylene terephthalate (PET), the most common type of plastic in the world. It is also used to make water bottles, food containers and many other products. This material has a 10 % global market share of all plastics and is the third most popular after polyethylene (33.5 %) and polypropylene (19.5 %).

Plastic fibers are difficult to dispose. Typically, nature does not decompose them, so they are persistent. They can be ground down to micro-plastics which poison living organisms. When plastic is burnt, it is reduced to a hard plastic bead while black smoke and dangerous fumes are emitted. The full truth is that many toxic chemicals are used to make synthetic fibres.

Persistent pollutants

It takes approximately 0.58 kilogrammes of various chemicals to produce a kilogramme of fabric. Dyeing processes alone typically involve over 1,600 different chemicals, including formaldehyde, phthalates, perfluorinated and polyfluorinated compounds (PFCs). Some of these substances are persistent organic pollutants and endocrine disrupting chemicals. Dyes can also contain heavy metals. These substances can cause nerve damage, kidney damage or cancer.

Various chemicals are used to impart certain properties to our clothing. For example, brominated and chlorinated flame retardants make clothing more fire-resistant. They can be found even in children’s clothes, furniture upholstery and children’s car seats. Flame retardants can cause thyroid disorders, memory and learning problems, delayed mental and physical development, reduced IQ, early puberty and reduced fertility.

Another example is formaldehyde, a known respiratory irritant and carcinogen. It is used to keep clothes in shape and less creased. It is even found in some baby diapers.

Perfluorinated chemicals make clothing waterproof and stain-resistant. They can be found in jackets and waterproof overalls, including baby clothes. These chemicals can affect the health of the liver and disrupt the body’s hormonal functions.

Consumers who wish to reduce the risk of negative health effects of clothing should give preference to natural materials such as cotton or linen. They should also forgo bright colours. This is especially important for children, whose health can be seriously affected by exposure to hazardous chemicals.

Non-governmental activism

Consumers must know about these risks. So far, however, manufacturers have been slow to provide related information, denying people the opportunity to protect themselves.

On the upside, more and more buyers are interested in understanding the toxic contents of textiles. Six out of ten consumers worldwide want to know whether the clothes or home textiles they buy contain harmful substances. They also showed interest in whether goods are produced in an environmentally and socially responsible way. That is what a recent study by Oeko-Tex revealed. Oeko-Tex is an international association of 18 independent research institutes and specialises in product certification and labels.

Health and Environment Justice Support (HEJSupport), the international non-governmental organisation which I co-direct, is also involved in these matters. In 2020, we published a report that assessed what well-known brands such as H&M, Zara, Tommy Hilfiger or Adidas are doing to inform consumers. The truth is that important companies are far from fully disclosing vitally important information. Our report includes recommendations on how to improve corporate performance.

Clothes are not the only source of toxic chemicals in our daily lives. Other consumer goods can also be hazardous – and that includes toys.

Dangerous toys

The International Pollutants Elimination Network (IPEN) is an international network of NGOs. Since 2012, it has been conducting research on the toxic-substance content of toys, including toys for the very young. The focus is on toxic substances such as heavy metals, endocrine disruptors and persistent organic pollutants. So far, more than 30 % of the samples analysed contained concerning levels of one or more toxic metals (such as arsenic, cadmium, chromium, lead and mercury). The presence of such dangerous substances in toys is unacceptable.

Phthalates are another cause for concern. They are endocrine-disrupting substances and can be released from an item when heated or even just stored. That can happen throughout a product’s lifecycle, from production through use, recycling and disposal. Many toy samples contained these chemicals which can cause infertility, contribute to childhood obesity, asthma, cardiovascular disease and even cancer.

In some countries, the use of some phthalates has been banned, but they may still be used in others. That shows that national legislation is not always up-to-date. The EU has restricted the use of many phthalates. However, they may still appear in toys. It is most irritating, moreover, that the labels of the toys affected did not include any pertinent consumer information. Companies do not warn buyers of the potential danger to children’s health.

Plastic is, of course, not only contained in clothing and toys. Ever more products include some kind of plastic. More than 140 different chemicals can be used in the production of plastic. These substances have different functions, make plastic flexible, soft, hard, flame-retardant, transparent or matte. Many of them threaten human health.

For example, Bisphenol A (BPA) serves to harden plastic. It is found in food and drink containers, baby bottles and cups made from polycarbonate plastic. Scientists have linked BPA to heart disease, diabetes, and liver abnormalities. It is also a known endocrine disruptor that leads to reproductive problems, early puberty and obesity in children. Consumers who buy plastic water bottles or baby food bottles, are well advised to check the plastic codes on the products. BPA is usually absent in plastic with codes 1, 2, or 5. By contrast, plastic with codes 3 and 7 are more likely to include BPA or phthalates.

Why recycling is problematic

Environmentalists generally appreciate recycling, but plastic recycling can be most problematic. Typically, recycling means melting and reforming for future use. The trouble is that recycled plastics have been shown to contain many banned or restricted hazardous chemicals. Waste plastic is converted into secondary raw materials, which still contain the dangerous substances. The secondary raw material is then used to make new products which are distributed internationally and once more put people’s health at risk.

In an IPEN survey of recycled plastic in children’s products from 26 countries, 90 % of the samples contained three toxic brominated flame retardants. In the context of the multilateral Stockholm Convention on Persistent Organic Pollutants, these chemicals are listed as substances that must be eliminated. Nonetheless, they are common in recycled plastics, and consumers are not even made aware of the risks.

We need full disclosure

Consumers deserve to be told the truth. There is a need for mandatory full disclosure of the presence of toxic substances in products. That applies especially to products for children because children are the most vulnerable to exposure to hazardous chemicals.

Good news is that the European Chemical Agency (ECHA) has started collecting related information. Producers, importers or suppliers of articles based in the EU must now register products in a database. This is a good start to make sure that toxic substances have no place in products sold in the EU.

The sad truth is that regulations for protecting people and the environment tend to be weakest in least-developed countries. Obviously, consumers there are increasingly exposed to plastic-related health hazards too.

Link

HEJSupport, 2020: Sustainable fashion? How companies provide sustainability information to consumers.
https://hej-support.org/wp-content/uploads/2020/03/hejSupport_SustainableFashion_March2020_Web_with-active-links.pdf

Olga Speranskaya is one of two co-directors of the international non-governmental organisation Health and Environment Justice Support (HEJSupport). Its offices are in Dachau, Moscow and Ottawa.
olga.speranskaya@hej-support.org

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Wege aus extremer Armut und Hunger

5. Februar 2021 - 10:14
Soziale Sicherung, Landbesitz- und -nutzungsrechte sowie Förderung im Agrarbereich können Ultra-Armut lindern

Das Forschungsprojekt vom Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) untersuchte viereinhalb Jahre „Wege aus extremer Armut, Vulnerabilität und Ernährungsunsicherheit“. Dafür identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Ländern Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Kambodscha und Kenia sogenannte Good-Practice-Vorhaben in den Schwerpunktthemen soziale Sicherung, Landrechte und Wertschöpfungsketten und untersuchten ihre Wirksamkeit. Daraus leiteten sie Empfehlungen für die deutsche Entwicklungspolitik ab.

Eine Erkenntnis des Forscherteams ist, dass Ultra-Armen ohne soziale Sicherungssysteme nicht aus der Armut geholfen werden kann. Bislang sehen sich Geber und selbst auf Armutsminderung fokussierte Nichtregierungsorganisationen (non governmental organisations – NGOs) meist nicht in der Lage, extrem Arme und Ultra-Arme zu erreichen.

Dies muss sich nach Ansicht der Forscher ändern. Optimal wäre ihnen zufolge, in den ärmeren oder extrem armen Ländern soziale Sicherungssysteme aufzubauen. Dabei gäbe es zwei verschiedene Modelle, zum einen direkte, unkonditionierte Geldzahlungen für Individuen oder Familien, in denen niemand erwerbsfähig ist. Zum anderen könnte es versicherungsbasierte Lösungen für die Menschen geben, die zwar erwerbsfähig sind, aber keine Chance auf eine Arbeit haben (siehe Beitrag von Hans Dembowski im Monitor des E+Z/D+C e-Papers 2019/11).

Ärmere Länder benötigen für den Aufbau beider Systeme zumindest zeitweise finanzielle Unterstützung, wozu auch Deutschland seinen Beitrag leisten sollte. Ein wichtiger Punkt ist hier auch, die Vulnerabilität von Menschen zu sehen, die knapp oberhalb der Armutsgrenze leben. Es ist ebenso wichtig, die extrem armen Bevölkerungsgruppen dabei zu unterstützen, sich aus der Armut zu befreien („Graduierung“), wie auch vulnerable Haushalte vor dem (erneuten) Abrutschen in die Armut zu bewahren.

Nach Auffassung der International Labour Organization (ILO, 2014) sollte überall auf der Welt ein System nachhaltiger sozialer Sicherung etabliert werden, das Menschen vor dem Fall unter die Armutsgrenze bewahren kann (zunächst in Form von Kranken- und Rentenversicherungen).

Förderung im Agrarbereich

Die Untersuchungen belegen, dass eine Förderung im Bereich der Agrarproduktion nicht allein für Betriebe mittlerer Größe, sondern auch für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen sinnvoll ist. Bislang greifen entsprechende Maßnahmen gerade für arme Bevölkerungsgruppen und in weniger begünstigten Klimazonen oft zu kurz. Im Mittelpunkt steht bislang zumeist die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion selbst. Daneben wird die Sicherheit von Landrechten und -nutzung sowie die Notwendigkeit, die natürlichen Ressourcen zu erhalten, nicht immer hinreichend berücksichtigt (siehe unseren Beitrag im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Papers 2017/07).

Idealerweise sollten entwicklungspolitische Maßnahmen im Agrarbereich Folgendes leisten:

  • Maßnahmen für langfristige Nutzungsrechte fördern – gerade auch für Frauen. Dabei dürfen zum Beispiel bei der Eintragung von Landtiteln auch traditionelle Nutzungsrechte nicht wegfallen. Individuelle Landtitel sind nicht überall die beste Lösung. Auch sekundäre (sich überlagernde, unklare oder umstrittene) Nutzungsrechte sind zu berücksichtigen. Ein Beispiel ist der Konflikt zwischen Ackerbauern und Wanderviehhirten in den Sahelländern Burkina Faso, Mali, Niger oder Tschad (siehe Beitrag von Djeralar Miankeol im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Papers 2017/07).
  • Boden- und wasserschützende Maßnahmen sollten überall umgesetzt werden, wo dies notwendig und sinnvoll ist. Auch die Wiederherstellung und vor allem Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und damit der Produktivität sind wichtige Maßnahmen, auf die andere Förderschritte aufbauen. Eine Änderung der Landnutzung kann dabei sinnvoll sein wie zum Beispiel die Einführung von Bewässerung, die Diversifizierung der Anbauprodukte oder die Anlage von (Obst-)Baumkulturen.
  • Begleitend zur Förderung der Landwirtschaft ist der Aufbau der Infrastruktur wichtig, um etwa durch Zugangsstraßen den Zugang zu Märkten zu ermöglichen oder die Verarbeitung von Produkten durch die Anbindung an ein Stromnetz und eine gute Wasserversorgung zu fördern. Die Strategie sollte insgesamt in Richtung integrierte ländliche Entwicklung gehen.

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass Kleinbauern Zugang zu Krediten erhalten – etwa über einen Gruppen- oder Kooperativansatz mit z.B. Produktlager als Sicherheiten. Kredite werden oft auch bereits für die Produktion benötigt, etwa für die Rekrutierung zusätzlicher Arbeitskräfte während kurzer Pflanzperioden.

Ebenso ist eine zeitliche Streckung der Rückzahlung der Kredite zwei bis vier Monate über die Erntezeit hinaus relevant, damit die Produzenten von Preissteigerungen profitieren können und nicht gleich nach der Ernte zu einem niedrigen Preis verkaufen müssen. Angesichts eines Bedarfs an (einfacher) Mechanisierung in einer Vielzahl von Ländern sollten zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten über zwei bis drei Jahre geschaffen werden. Hierdurch können sich auch ärmere Haushalte zum Beispiel Geräte wie einen Handtraktor anschaffen.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass analog zur gemeinschaftlichen Förderung der Produktion auch verstärkt an kooperative Modelle zum Ressourcenmanagement gedacht werden sollte. Gute Beispiele für erfolgreiche Arbeit liefern hier Äthiopien und Burkina Faso. Notwendig wären zudem Kooperationsstrukturen für ganze Wassereinzugsgebiete, was bisher z. B. in Äthiopien der Staat leistet, allerdings mit einem Top-down-Ansatz.

Die Zusammenarbeit und Organisation von Produzenten bis hin zur regionalen und nationalen Ebene bietet sich auch an, um Marktmacht aufzubauen sowohl für den Verkauf eigener Erzeugnisse als auch für die Beschaffung von Inputs und Gerätschaft. Ein Projektbeispiel aus Kenia hat zudem gezeigt, dass darüber hinaus auch Lobbyfunktionen (etwa von Frauenorganisationen) wahrgenommen werden können, die ebenso stärker gefördert werden sollten.

Literatur

Bliss, F., 2020: Soziale Sicherungssysteme als unverzichtbarer Beitrag zur Bekämpfung von extremer Armut, Vulnerabilität und Ernährungsunsicherheit. Analysen und Empfehlungen. AVE-Studie 24. Duisburg (INEF).

Gaesing, K., 2020: Zugang zu Land und Sicherung von Landrechten in der Entwicklungszusammenarbeit. Analysen und Empfehlungen. AVE-Studie 22. Duisburg (INEF).

Institut für Entwicklung und Frieden, 2016–2020: Good Practice-Berichte sowie umfassende Fallstudien und Strategiepapiere zu dem Forschungsvorhaben unter:
https://www.uni-due.de/inef/inef_projektreihen.php

ILO, 2014: World social protection report. Building economic recovery, inclusive development and social justice. Geneva.

Frank Bliss ist Professor für Ethnologie an der Universität Hamburg und freier entwicklungspolitischer Gutachter.
bliss.gaesing@t-online.de

Karin Gaesing ist Geographin und Raumplanerin an der Universität Duisburg-Essen und freie entwicklungspolitische Gutachterin.
kgaesing@inef.uni-due.de

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Gespaltene Gemeinschaft mit Identitätsproblemen

5. Februar 2021 - 9:40
Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland haben Identitätsprobleme, und dies wird vom türkischen Präsidenten befeuert

Vor fast 60 Jahren kamen die ersten Türken als Arbeitsmigranten nach Deutschland. Sie wurden als Gastarbeiter bezeichnet, weil sie nur zeitlich begrenzt im Land bleiben sollten. Doch viele sind dauerhaft in Deutschland geblieben, haben ihre Kinder und Enkel hier bekommen. Mittlerweile leben rund 3 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in der Bundesrepublik, ungefähr die Hälfte von ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Die türkischen Einwanderer und mit ihnen der Islam sind heute Teil der deutschen Gesellschaft. Doch viele ihrer Kinder und Enkel haben Identitätsprobleme. Sie fühlen sich weder Deutschland noch der Türkei zugehörig, sondern als Wanderer zwischen den Welten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan befeuert die Problematik noch. „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, lautet ein vielzitierter Satz aus einer Rede im Februar 2008 in Köln. Der Politiker war als Ministerpräsident seinerzeit auf dem vorläufigen Zenit seiner Macht.

Im Inland erfreute er sich breiter Zustimmung, noch ohne die Medien weitgehend gleichgeschaltet zu haben. Im Ausland galt er damals als Reformer, der die türkische Wirtschaft nach vorne bringt und sich der EU annähert. Doch die Kölner Rede wurde von vielen Deutschen als Bedrohung wahrgenommen. Dabei sei der größte Teil dieser Rede eigentlich völlig unproblematisch gewesen sei, erklärt der auf Türkei-Forschung spezialisierte Sozialwissenschaftler Yasar Aydin. „Es war neu, dass ein ausländischer Regierungschef Menschen in Deutschland mobilisiert. Das hat es vorher in dieser Form nicht gegeben.“

Erdogan schlug damit einen Pflock für seine künftige Politik gegenüber den Auslandstürken in Deutschland ein. Viele von ihnen waren für diese Art Propaganda zunehmend empfänglich. Rassistische Anschläge in Solingen und Mölln hatten das Vertrauen der türkischen Community in die staatlichen Institutionen in Deutschland massiv erschüttert. Später kam weiterer  Terror durch Neonazis wie den NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) hinzu.

„Erdogan hat diese Entwicklung als Grundlage genommen, um der türkischen Diaspora das Signal zu geben: Wir sind euer Beschützer“, sagt der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland (TGD), Atila Karabörklü.

Seit dem Wahlsieg seiner Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) 2002 legte Erdogan einen Fokus auf die im Ausland lebenden Türken gelegt. 2004 wurde die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) gegründet, um Lobby für die AKP zu betreiben.

Neues Wahlrecht

Im Jahr 2008 änderte das türkische Parlament das Wahlgesetz und erlaubte erstmals türkischen Staatsbürgern, die im Ausland leben, bei Wahlen und Referenden abzustimmen, ohne in die Heimat reisen zu müssen. 2010 gründete die AKP-Regierung das Amt für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften (YTB). Das verteilt unter anderem Stipendien an türkischstämmige Studierende oder stellt Geld für die Gründung von türkischsprachigen Oberschulen und Kulturzentren innerhalb Europas bereit.

Bevor die Türken im Ausland wählen konnten, gab es keinen direkten Einfluss auf das Ursprungsland, wohl aber einen indirekten. „Der Einfluss der Diaspora-Türken auf die Türkei und umgekehrt ist multikomplex und vielfältig und hatte je nach Zeitschiene auch unterschiedliche Schwerpunkte“, sagt Karabörklü. Gerade zwischen den 1960er und 80er Jahren haben die im Ausland lebenden Türken viel Geld in die Heimat geschickt und so die türkische Wirtschaft positiv beeinflusst. Auch alle politischen Strömungen der Türkei waren von Beginn an in Deutschland aktiv und unterstützten ihre Mutterorganisationen in der Türkei finanziell.

Grabenkämpfe in der Community

Atila Karabörklü hat mit der fortschreitenden autokratischen Politik Erdogans eine Zunahme der innertürkischen Konflikte wahrgenommen, die auch die Diaspora direkt beeinflussen. Das hat dazu geführt, dass „innerhalb der Community Grabenkämpfe vorhanden sind, aber auch der Graben mit der Mehrheitsgesellschaft vertieft worden ist“, bedauert der TGD-Bundesvorsitzende.

Das sind zum einen die Konflikte der Türkei in Syrien, im Kaukasus oder aktuell in der Ägäis, die die Türkei international isolieren. Dann gibt es Debatten, bei der die in Deutschland lebenden Türken zwischen die Stühle geraten, wie beim Salutieren türkischer Fußball-Nationalspieler beim Einmarsch der türkischen Armee in Nordsyrien. Die deutsche Seite verlangt eine Distanzierung, die türkische verlangt Solidarität. „Es gibt von beiden Seiten Druck“, sagt Karabörklü.

Zum anderen ist da die fortwährende spalterische Politik von Präsident Erdogan, die einen tiefen Keil in die türkische Gesellschaft getrieben hat, der auch in Deutschland zu spüren ist. Zwischen Liberalen, Kemalisten, Alewiten und den Erdogan-Anhängern aus nationalistischen, konservativen und islamistischen Kreisen gibt es keine Gesprächsgrundlage mehr. „Die türkische Gesellschaft ist grundsätzlich in zwei Lager geteilt, die sich gegenseitig politisch bekämpfen: die Unterstützer der Erdogan-Regierung – Cumhur Ittifaki – und die Opposition – Millet Ittifaki. Die unterschiedlichen Lager sind zutiefst verfeindet“, erklärt Karabörklü. Und selbst unter den Erdogan-Gegnern gibt es oft keinen gemeinsamen Nenner.

Das Freund-Feind-Denken wird von der politischen Führung in der Türkei gefördert. Vor allem die „türkisch-sunnitischen Organisationen haben auf das Engagement der Türkei in der Diaspora positiv reagiert“, meint die Politikwissenschaftlerin Ayca Arkilic. Andere Migrantenorganisationen wie alewitische oder nichtislamische Organisationen seien „kein Teil dieses inneren Zirkels“.

Im Fokus der öffentlichen Diskussion stand dabei in den vergangenen Jahren die Rolle des Islamverbands Ditib (übersetzt: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion). Er wurde 1984 als Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet gegründet und koordiniert über seine Kölner Zentrale bundesweit rund 960 der 2600 Moscheen in Deutschland. Der Ditib-Bundesvorsitzende ist in Personalunion türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten und somit direkt an den türkischen Staat gebunden. Die Ditib-Moscheen sind in den vergangenen Jahren auch politischer Arm der türkischen Regierung geworden.

Die Religionsattachés, die aus der Türkei an die Konsulate entsandt werden, haben schon immer die Moscheegemeinden kontrolliert. Seit dem gescheiterten Putschversuch galt das auch verstärkt der politischen Gesinnung. Nach dem Juli 2016 wiesen die Attachés die Imame an, die türkische Beamte sind, in den Gemeinden nach Gülen-Anhängern zu spitzeln. Die Anhänger des Predigers Fethullah Gülen werden für den Putschversuch verantwortlich gemacht (siehe meinen Beitrag im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Papers 2017/12). Das hat ein Klima des Misstrauens geschürt. Des Weiteren hat der Bundesverband zusammen mit den Religionsattachés den Druck auf die Landesverbände verstärkt und Erdogan-Kritiker aus den Reihen entfernt. Diese Strukturen haben den Verband sogar ins Visier des Verfassungsschutzes gebracht.

Der TGD-Bundesvorsitzende Karabörklü warnt davor, all diese Entwicklungen auf Erdogan zu reduzieren. „Die Türkei ist mehr als der Staatspräsident“, betont er. Der Schwerpunkt der türkischen Diaspora liege auf der Makroebene und dem Wunsch nach gesellschaftspolitischen Veränderungen in der Türkei. Dies habe aber keinen Erfolg. Oppositionelle Stimmen aus dem Ausland finden nach Ansicht des Türkei-Experten Yasar Aydin kein Gehör in der Türkei. „Exil-Türken oder kritische Journalisten wie Can Dündar versuchen so etwas wie eine Opposition aufzubauen, haben aber keinen Einfluss.“ Die Gründe dafür sind laut Aydin, dass die Opposition in der Türkei nicht mit einer Stimme spricht und sich kaum Gehör in der gleichgeschalteten Medienlandschaft verschaffen könne. Stimmen aus dem Ausland gelingt dies erst recht nicht.

Timur Tinç ist Redakteur bei der Tageszeitung Frankfurter Rundschau.
timur.tinc@fr.de

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E+Z/D+C 2021/03 – mo – now – Raphael Mweninguwe – Malawi – water systems

2. Februar 2021 - 15:49
Corruption charges cast shadows over efforts to upgrade Malawi’s water systems

Despite decades of clean water efforts, one-third of Malawians still lack access to clean water, and more than half lack decent toilets, according to WaterAid, a UK-registered charity. Some 60% of the population dig boreholes in search of water and 8% drink from unprotected wells, according to Malawi’s Statistics Office.

The government’s two decades of efforts to bring clean water to all have stalled, partly due to the effects of climate change, which in turn brought flooding and droughts in different parts of the country. But the failure can also be traced to corruption in awarding contracts for upgrading water systems.

Critics of government efforts say that too often, contracts are awarded to politically connected firms that then fail to carry out the work or do work of poor quality. Substandard water networks cause leakages and floods that expose millions of people to fetid water and waterborne diseases. “

More than 3,000 children die every year in Malawi due to dirty drinking water and poor sanitation,” says Robert Kampala, WaterAid’s regional director for southern Africa. The corruption that is often behind failed water systems “must be dealt with”, he adds. “Corruption retards development and impacts social and economic development.”

Corruption was a focus of the country’s most recent elections, in June 2020, which saw the defeat of former president Peter Mutharika. The new president, Lazarus Chakwera, pledged to “clean the rubble and drain the swamps” of corruption. He says official fraud and misconduct cost taxpayers 1.3 trillion Malawian Kwacha (€1.45 billion) during the six years of the Mutharika administration.

Some of the criticism has centred on Sawa Group, an engineering and construction company that moved its headquarters in 2015 from Malawi’s capital Lilongwe to Dubai in the United Arab Emirates. In Rumphi district in the north of the country, for example, the local Water Users Association (WUA) accuses Sawa of substandard work on local water and sanitation systems.

WUA senior member Aaron Mughogho says that soon after the company initially said the work was completed, new water pipes were “either washed away or burst due to water pressure,” leaving the community without water. The company denies the charge and rejects all accusations of corruption. It says the Rumphi project is not finished yet and that any defects will be fixed.

Another company that has come under fire is the Foundation for Irrigation and Sustainable Development (FISD) Ltd, a water and energy systems provider that belongs to a non-profit organisation of the same name. In November 2020, police arrested four company directors on charges of fraud against the government. The charges relate to a 2.4 billion Kwacha (€2.7 million) contract to build water systems in Ntcheu district in central Malawi and Phalombe district in the south.

FISD Ltd, like Sawa Group, denies the corruption allegations. Nonetheless, after taking office President Chakwera cancelled many water contracts, saying they were awarded improperly. It remains to be seen whether the new administration will “clean the rubble and drain the swamps”.

Raphael Mweninguwe is a freelance journalist based in Malawi.
raphael.mweninguwe@hotmail.com

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UNEP sieht Corona-Wiederaufbau als Chance für Klimaschutz

2. Februar 2021 - 11:38
Emissionen sind pandemiebedingt gesunken, eine Trendwende bedeutet das aber nicht

Im Jahr 2020 sind die weltweiten CO2-Emissionen nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms (United Nations Environmental Programme – UNEP) um sieben Prozent gesunken. Grund dafür war die Coronakrise, die die industrielle Produktion, die Energiewirtschaft und besonders den Verkehr in vielen Ländern stark eingeschränkt hat. Auf das Weltklima wirkt sich der temporäre Rückgang allerdings nur minimal aus: UNEP erwartet, dass die Erderhitzung bis Mitte dieses Jahrhunderts dadurch um 0,01 Grad Celsius geringer ausfällt.

Eine echte Chance sehen die Autoren des Emissions Gap Report 2020 hingegen in den milliardenschweren Konjunkturprogrammen zur Bewältigung der Coronakrise: Ein „grüner Wiederaufbau“ könnte die bisher prognostizierten Emissionen bis 2030 demnach um bis zu ein Viertel verringern – was dem Pfad, der nötig ist, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, schon sehr nahe käme. Dazu müssten die Staatshilfen vor allem klimaneutralen Technologien und Infrastrukturen zugutekommen. Subventionen für fossile Energien müssten abgebaut und es dürften keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden.

Bisher sieht es dem Bericht zufolge allerdings nicht danach aus. Nur rund ein Viertel der G20-Staaten, die zusammen für rund 78 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich sind, haben einen Teil ihrer Coronahilfen für CO2-arme Maßnahmen reserviert. Das meiste Geld unterstütze den Status quo einer kohlenstoffintensiven wirtschaftlichen Produktionsweise. Den Autoren zufolge ist es jedoch noch nicht zu spät zum Umsteuern: Regierungen sollten die Chance in der nächsten Phase der Konjunkturmaßnahmen ergreifen.

Im Pariser Klimavertrag von 2015 hat sich die Staatengemeinschaft darauf verpflichtet, den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei, möglichst unter 1,5 Grad zu begrenzen. Der jährliche UNEP-Bericht zeigt die Lücke auf zwischen den prognostizierten Emissionen und dem Niveau, das nötig wäre, um das Paris-Ziel zu erreichen. Die Frage, ob die Entwicklung dahin gehe, dass sich diese Lücke schließt, beantwortet der aktuelle Report mit einem klaren Nein. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre habe 2019 zum dritten Mal in Folge zugenommen, und die Welt steuere weiterhin auf eine Erhitzung von mehr als drei Grad bis Ende des Jahrhunderts zu.

2019 stiegen die Treibhausgasemissionen demnach im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent und erreichten den neuen Höchststand von 59,1 Gigatonnen. Seit 2010 nahm der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen jährlich um durchschnittlich 1,4 Prozent zu. Dass der Anstieg 2019 deutlich größer war, lag laut UNEP vor allem an den vielen großen Waldbränden in dem Jahr.

Den größten Lichtblick sehen die Autoren in den Ankündigungen einer wachsenden Zahl von Ländern, bis Mitte des Jahrhunderts CO2-neutral wirtschaften zu wollen. Bis zur Fertigstellung des Berichts hätten das 126 Länder, aus denen etwas mehr als die Hälfte aller Treibhausgasemissionen stammten, entweder bereits beschlossen oder angekündigt oder in Erwägung gezogen. Dies sei eine „bedeutende und ermutigende Entwicklung“.

Nun müssten dringend konkrete Maßnahmen folgen, und die Verpflichtungen auf Treibhausgasneutralität müssten sich auch in den nationalen Klimabeiträgen (Nationally Determined Contributions – NDCs) im Rahmen des Pariser Abkommens niederschlagen. Die dort formulierten Ambitionen seien aber bei weitem nicht ausreichend, um den Vertrag zu erfüllen. Für einen Zwei-Grad-Pfad sei dreimal so viel nötig, für 1,5 Grad sogar mindestens fünfmal so viel wie aktuell anvisiert. Laut dem Pariser Vertrag hätten die Länder ihre NDCs 2020 aktualisieren müssen. Viele haben das aber noch nicht getan. Formell endet die Frist neun Monate vor der UN-Klimakonferenz des entsprechendes Jahres – und die Ende 2020 in Glasgow geplante COP26 wurde pandemiebedingt um ein Jahr verschoben.

Link
UNEP: Emissions Gap Report 2020.
https://www.unenvironment.org/emissions-gap-report-2020

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Burundis Diaspora und ihre Remittances sind wenig bekannt

2. Februar 2021 - 11:26
Burundi will den Austausch mit seinen Staatsbürgern im Ausland verbessern

Menschen aus Burundi leben auf der ganzen Welt; beliebte Auswanderungsziele sind beispielsweise Kanada, Australien und Belgien. Viele bleiben auch auf dem afrikanischen Kontinent: So lebt etwa eine große Zahl von Burundiern im Nachbarland Tansania. Wie viele es in den einzelnen Ländern genau sind, ist jedoch nicht bekannt.

Viele Burundier, die im Ausland leben, schicken Geld in die Heimat – allerdings deutlich weniger als Migranten aus anderen Ländern der Region: Laut einem Bericht der Weltbank waren es im Jahr 2016 durchschnittlich 140 Dollar, während ein Auslandstansanier im Schnitt 1448 Dollar nach Hause schickte und ein Auslandskenianer sogar 1593 Dollar. Möglicherweise sind aber auch nicht alle Kanäle, durch die Geld fließt, bekannt.

Wer nicht nur seine Familie unterstützen, sondern in Burundi investieren will, erhält Hilfe vom Staat. Dazu gibt es die Agence de Promotion des Investissements (API), die eng mit der Steuerbehörde Office Burundais des Recettes (OBR) zusammenarbeitet.

Devisenmangel

Für Geldtransfers nutzen die meisten Mitglieder der burundischen Diaspora den Dienstleister Western Union. Allerdings bekommen die Empfänger das Geld stets in der Landeswährung Burundi-Franc ausgezahlt. Denn die Zentralbank will die Kontrolle über den Devisenverkehr im Land behalten. Das ist auch ein Grund dafür, dass sie im Februar 2020 angeordnet hat, alle Wechselstuben zu schließen. Geldwechsel ist nunmehr ausschließlich bei Banken möglich.

„Das Land hat einen eklatanten Devisenmangel, und die Zentralbank versucht, mit autoritären Maßnahmen alle Devisen zu kontrollieren, die ins Land kommen, und eine Abwertung des Burundi-Franc gegenüber dem Dollar zu verhindern“, erklärt der unabhängige Wirtschaftsexperte Faustin Ndikumana.

2016 hat Burundis Regierung in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) eine nationale Diaspora-Politik formuliert. Ziel ist ein regelmäßiger Austausch mit Burundiern im Ausland über die von ihnen gegründeten Diaspora-Organisationen. Mit Hilfe der Botschaften will das Außenministerium unter anderem Zollangelegenheiten erleichtern. Rücküberweisungen sollen mittels der Post geschehen.

Mit Unterstützung der IOM wird auch eine Zählung der Auslandsburundier in zunächst zwei Ländern vorgenommen, wie der Leiter der für die Diaspora zuständigen Behörde im Außenministerium, Philbert Murekambanze, bekanntgab. Welche das sind, sagte er nicht. Seinen Angaben zufolge werden die Menschen, die aus Burundi emigrieren, nicht erfasst, weshalb ihre Zahl auch nicht bekannt sei.

Krankenhaus und Radiosender

Seit 2016 richtet die Regierung regelmäßig Ende Juli eine Diaspora-Woche in Burundi aus. Bei der dritten Veranstaltung dieser Art – im Jahr 2018 –, an der 300 Auslandsburundier aus 26 Ländern teilnahmen, betonte der Vorsitzende der burundischen Diaspora-Organisationen, Japhet Legentil Ndayishimiye, dass die Diaspora zur Entwicklung in vielen Bereichen beitrage, darunter Gesundheit und Bildung. Als Beispiele nannte er einen Komplex im Dorf Kigutu in der südlichen Provinz Bururi, zu dem ein Krankenhaus und eine Internatsschule gehören. Erbaut wurde er von Deogratias Niyonzima, der in den USA lebt. Burundis ehemaliger Präsident Pierre Nkurunziza hat Niyonzima zweimal für seinen Beitrag zur Entwicklung des Landes ausgezeichnet.

Ein weiteres Beispiel ist André Nkeshimana, der in den Niederlanden lebt und die Organisation IZERE-Hollande leitet. Diese bringt unter anderem Medizin für chirurgische Eingriffe, insbesondere zur Korrektur von Lippen- und Gaumenspalten, aus den Niederlanden nach Burundi. Auch einkommensschaffende Maßnahmen gehören zu ihrem Engagement. Andere Auslandsburundier haben dazu beigetragen, eine Universität und ein Community-Radio aufzubauen.

Die politische Krise in Burundi, die 2015 eskalierte, als Nkurunziza zum dritten Mal als Präsident kandidierte (siehe Gesine Ames in E+Z/D+C e-Paper 2015/07, Schwerpunkt), machte auch vor der Diaspora und ihren Vertreter nicht Halt. Der aktuellen Repräsentanz wird Regierungsnähe nachgesagt. Andere Diaspora-Mitglieder sollen mit der Opposition im Ausland sympathisieren. Auch aus ethnischen Gründen ist die burundische Diaspora keine homogene Gruppe und spricht nicht mit einer Stimme – auch wenn die Diaspora-Behörde im Außenministerium der Vorstellung einer gespaltenen Diaspora widerspricht.

Mireille Kanyange ist Journalistin und Reporterin bei Radio Isanganiro in Burundi.
mika.kanyange@gmail.com

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E+Z/D+C 2021/03 – mo – now – Jeffrey Moyo – Zimbabwe – stillbirths

27. Januar 2021 - 17:28
Zimbabwe’s high rate of stillbirth is a symptom of a broken medical system

Stillbirths – the death of a baby before or during delivery – are at worrisome levels in Zimbabwe. The  country was shaken last July when seven infants were stillborn in a single night in Harare Central Hospital. A staff doctor, Peter Magombeyi, tweeted a photo of the babies wrapped in green cloth, with the message: "We have been robbed of our future, including our unborn babies. Please stop the looting."

Comprehensive statistics on stillbirths in Zimbabwe are elusive, but several academic studies show the extent of the problem. For example, a 2018 study by Solwayo Ngwenya at Mpilo Central Hospital in Bulawayo, Zimbabwe’s second largest city,  finds a stillbirth rate there of 30.5 per 1,000 births in 2016.

Shingairai A. Feresu, who had done a study about stillbirths at Harare Maternity Hospital in 2005, estimates a country-wide stillbirth rate of 33 per 1,000 births. According to her, poor prenatal care is to blame for the high rates. “There is a need to improve quality of care and access to emergency care during labour and delivery,” Feresu says.

Zimbabwe is no exception. An October 2020 Unicef study titled “A neglected tragedy: The global burden of stillbirths” reports that worldwide almost 2 million babies are stillborn every year. About 84 % of these cases are in low- and lower-middle-income countries. “A majority of stillbirths could have been prevented with high quality monitoring, proper antenatal care and a skilled birth attendant,” Unicef says.

Yet these services are scarce in Zimbabwe. The country has seen a wave of strikes by doctors and nurses, and its hospitals have persistent shortages of medical materials and equipment. Hospitals and doctors are failing to detect and treat even relatively simple conditions that contribute to stillbirths.

One such condition is maternal high blood pressure. Pregnancy-Induced Hypertension (PIH) is responsible for many stillbirths, says Marylin Chatsi, a midwife at a public hospital in Harare. “PIH is also contributing to mothers dying during those stillbirths.”

The government, meanwhile, is moving to transfer doctors’ and nurses’ employment to the Defense Forces Service Commission, a uniformed forces service agency, to make it more difficult for them to strike again. This will backfire, says Harare-based nurse Millicent Dewure. “We will work, but the attention we give to expecting mothers will be haphazard as long as we know that we won’t be free to show our displeasure through protests or strikes.”

Pregnant women are caught in the administrative crossfire. “I’m in my fourth month of pregnancy and already my fears are growing,” says Nobuhle Dlela, 25, who has had six stillbirths. “It disturbs me a lot.”

Jeffrey Moyo is a journalist in Zimbabwe.
moyojeffrey@gmail.com

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