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Aktualisiert: vor 40 Minuten 44 Sekunden

Welthungerhilfe zum UN-Gipfel zu Ernährungssystemen in Rom 26.-28.07.21

19. Juli 2021 - 23:19

19.07.2021 | Policy Brief

Gutes Essen ist ein Menschenrecht:
Welthungerhilfe fordert vor UN Welternährungsgipfel in Rom eine Reform der Ernährungssysteme von Grund auf

Weltweit werden mehr Lebensmittel produziert als je zuvor. Trotzdem ist die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, zuletzt dramatisch gestiegen – auf bis zu 811 Millionen Menschen im Jahr 2020. Das globale Ernährungssystem leistet zu wenig zur Überwindung des Hungers, es verhindert nicht, dass Menschen fehl- oder überernährt sind und es gefährdet unsere Lebensgrundlagen.

Der UN-Gipfel zu Ernährungssystemen (UN Food Systems Summit) im September muss eine Transformation einleiten, die es zukünftig auch zehn Milliarden Menschen ermöglicht, sich gesund zu ernähren, ohne die Natur und das Klima zu zerstören. Auf dem vorbereitenden UN-Gipfel, der vom 26. bis 28. Juli in Rom stattfindet, müssen die Weichen dafür gestellt werden. Nur wenn Lebensmittel vom Acker bis zum Teller gerecht und nachhaltig produziert werden, kann Hungerbekämpfung erfolgreich sein.

Was die Bundesregierung auf dem Gipfel tun muss, lesen Sie in unserem aktuellen Policy Brief.

Weitere Informationen zum Thema Ernährungssysteme finden Sie auf unserer Webseite und in diesem Fact Sheet.

Lisa Maria Klaus, Referentin für Landwirtschafts- und Ernährungspolitik, nimmt als Mitglied der deutschen Delegation am vorbereitenden UN-Gipfel zu Ernährungssystemen teil und steht als Gesprächspartnerin zur Verfügung.

 

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.





Dramatische Entwicklung der Corona-Todeszahlen in Afrika

18. Juli 2021 - 2:53
Minister Müller: „Dramatische Entwicklung der Corona-Todeszahlen in Afrika muss uns aufrütteln"

 

Berlin – In Afrika sind die Todesfälle wegen einer COVID-19-Erkrankung innerhalb einer Woche um 43 Prozent gestiegen. Dazu Bundesentwicklungsminister Gerd Müller:

 

„Die Entwicklung der Corona-Todeszahlen in Afrika ist dramatisch und muss uns aufrütteln. Viele Krankenhäuser sind an ihrer Belastungsgrenze. Das alles zeigt: Die Pandemie ist grausam, und sie ist erst dann vorbei, wenn sie weltweit beendet ist. Deutschland leistet dafür seit Beginn der Krise einen wichtigen Beitrag. Wir beteiligen uns an der medizinischen Reaktion der Weltgemeinschaft auf COVID-19 durch das Programm ACT-A mit 2,2 Milliarden Euro. Damit finanzieren wir Diagnostik, Forschung an Virus-Varianten oder auch Schutzkleidung für medizinisches Personal. Das Impfprogramm COVAX ist Teil dieser Initiative. Dadurch werden bis Anfang 2022 rund 30 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern eine Impfung erhalten. Außerdem beteiligt sich Deutschland am Aufbau einer Impfstoff-Produktion in Entwicklungsländern. Wir werden dafür 50 Millionen Euro für die Zusammenarbeit mit Südafrika und 20 Millionen Euro für die Zusammenarbeit mit Senegal bereitstellen.

 

Das alles reicht aber nicht, wir müssen noch viel mehr tun. Das Programm ACT-A ist immer noch unterfinanziert, die Lücke beträgt mindestens 16 Milliarden US-Dollar. Es fehlt an Tests, Schutzkleidung und an medizinischem Sauerstoff. Wenn wichtige Geberländer nicht endlich ebenfalls ihren Beitrag leisten, wird die Dramatik in Afrika und anderen Region weiter zunehmen."

 

Neben der medizinischen Antwort durch ACT-A leistet das Bundesentwicklungsministerium seit dem Start der Corona-Pandemie wichtige Beiträge zur Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise. Durch das Corona-Sofortprogramm des BMZ werden die Entwicklungsländer mit insgesamt 4,7 Milliarden Euro unterstützt.

 

Hier ausgewählte Beispiele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit:

 

  • 1 Million Menschen in 11 Ländern erhalten Hilfe zur Ernährungssicherung und verbesserten Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung, gemeinsam mit der Welthungerhilfe

 

  • Fast 3 Millionen Menschen im Bürgerkriegsland Jemen erhalten Unterstützung in Form von Schulmahlzeiten, Beschäftigungsförderung und berufsbildende Trainings, zusammen mit dem Welternährungsprogramm

 

  • In Libanon und Jordanien wird für 51.000 Flüchtlingskinder im Kontext der Syrienkrise trotz Schulschließungen die Grundschulbildung aufrechterhalten, gemeinsam mit UNRWA

 

  • Mehr als 2.700 Unternehmen in Afrika mit rund 120.000 Mitarbeitern werden beim Job-Erhalt in der Corona-Krise unterstützt, v.a. kleine und mittlere Unternehmen in Marokko, Tunesien, Ghana, Senegal, Äthiopien und Elfenbeinküste, u.a. wird die Umstellung der Produktion auf Masken, Desinfektionsmittel und andere Schutzartikel für die Pandemie-Bekämpfung gefördert

 

  • In Indien erhalten Millionen von Menschen, die in der Krisen ihren Job verloren haben, Nahrungsmittel und finanzielle Hilfen, v.a. die stark betroffenen

Wanderarbeiter; dies geschieht durch die Unterstützung des nationalen Programms „Soziale Sicherung" mit einem zinsverbilligten Kredit

 

  • Unterstützung überlasteter nationaler Gesundheitssysteme durch die Kooperation mit Unternehmen: Zum Beispiel haben wir in Brasilien zusammen mit Mercedes-Benz do Brasil mobile Gesundheitsstationen eingerichtet, die an verschiedenen Orten des Landes unentgeltlich fast eine Viertelmillion Menschen behandeln sollen

 



UN-Nachhaltigkeitsforum: Deutschland plädiert für nachhaltigen und klimafreundlichen Wiederaufbau nach Corona-Pandemie auf Basis der 2030-Agenda

16. Juli 2021 - 17:47
Im Rahmen des jährlich stattfindenden Hochrangigen Politischen Forums für Nachhaltige Entwicklung (HLPF) hat die Bundesregierung ihren zweiten freiwilligen Staatenbericht zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung virtuell vorgestellt. Der Bericht legt die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) in, mit und in Partnerschaft mit Deutschland dar.

Nach einer Videobotschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel betonten Maria Flachsbarth (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - BMZ) und Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit - BMU), dass sie die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung als Kompass beim Weg aus der COVID-19-Pandemie ansehen.

Maria Flachsbarth (BMZ) appellierte, dass die von den Vereinten Nationen ausgerufene Aktionsdekade für nachhaltige Entwicklung gerade auch angesichts der Corona-Pandemie für einen nachhaltigen Wandel genutzt werden sollte: „Wenn wir jetzt nicht massiv umsteuern, dann droht uns eine verlorene Dekade für nachhaltige Entwicklung. Nach Corona darf nicht vor Corona sein, sonst erreichen wir die SDGs nie! Wir müssen die Globalisierung endlich nachhaltig ausgestalten und jetzt kraftvoll in den sozialen und ökologischen Wandel investieren - bei uns in Deutschland und weltweit."

Rita Schwarzelühr-Sutter (BMU) hob den dringenden Handlungsbedarf bei drei Krisen hervor, welche von der Pandemie noch verstärkt werden, nämlich der Klimakrise, der Biodiversitätskrise und der zunehmenden Vermüllung der Meere: „Die extremen Hitzewellen in vielen Teilen der Welt und die derzeitigen Hochwasser in Westeuropa führen uns gerade dramatisch vor Augen, dass unser bisheriges Handeln bei weitem nicht ausreicht, um einen nachhaltigen Entwicklungspfad einzuschlagen. Die planetaren Belastungsgrenzen sind erreicht und teilweise überschritten. Der Freiraum für gutes Leben und der Erfolg der nächsten Generationen müssen jetzt gesichert werden. Daher haben wir unser deutsches Klimaziel kräftig nachgeschärft: Klimaneutralität wollen wir bereits bis 2045 erreichen."

Beim HLPF erklärte die deutsche Delegation, dass es im Rahmen von Wiederaufbauprogrammen während und nach der Pandemie von strategischer Bedeutung ist, die Weichen hin zu einer nachhaltigeren, klimaneutralen und damit zukunftssicheren Gesellschaft zu stellen. Politische Lösungen und Programme in Reaktion auf die Corona-Krise müssen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene an der Agenda 2030 und den darin festgelegten Nachhaltigkeitszielen (SDG) ausgerichtet werden und dabei den Grundsatz, dass niemand zurückgelassen werden darf, als Handlungsmaxime verstehen. Neben Deutschland legten 41 weitere Staaten dieses Jahr einen Staatenbericht vor. Das HLPF steht dieses Jahr unter dem Motto des nachhaltigen Wiederaufbaus nach der Pandemie. Die nächste umfassende Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist für 2023/2024 geplant. 

Weitere Informationen

Im September 2015 haben sich alle Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (kurz: Agenda 2030) beschlossen.

Das diesjährige Hochrangige Politische Forum für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen fand vom 6. bis zum 15. Juli 2021 als vorwiegend virtuelle Veranstaltung statt. Es hat sich als zentrales Gremium für die Agenda 2030 und deren 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals -SDGs) etabliert.

Mehr als 170 Staaten, d.h. 87% aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, haben bereits einen freiwilligen Staatenbericht vorgelegt, um über ihre Umsetzung der Agenda 2030 Rechenschaft abzulegen. Deutschland gehört bei Berichterstattung zu den Vorreitern und legte nun nach 2016 bereits seinen zweiten Bericht vor.

Agenda 2030: https://www.bmu.de/themen/europa-internationales-nachhaltigkeit-digitalisierung/nachhaltige-entwicklung/2030-agenda/?2030-Agenda=&cHash=b7d7bce550f756ac98ccdab26fdc3559

 

 Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit   

 




Millionen Kinder verpassen wichtige Impfungen | UNICEF und WHO

16. Juli 2021 - 0:25
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WHO und UNICEF: Millionen Kinder verpassen wichtige Impfungen

23 Millionen Kinder haben im vergangenen Jahr Routineimpfungen verpasst / 

Höchststand seit 2009 und 3,7 Millionen mehr als 2019

© UNICEF/UN0399469/Bukhari

Genf/New York/Köln, den 15. Juli 2021 // Laut aktueller Erhebungen von WHO und UNICEF haben im Jahr 2020 23 Millionen Kinder grundlegende Routineimpfungen verpasst – 3,7 Millionen Kinder mehr als 2019. Die aktuellen Zahlen, die die globalen Unterbrechungen von Impfprogrammen im Zuge der Covid-19-Pandemie widerspiegeln, zeigen, dass die Mehrheit der Länder im vergangenen Jahr einen Rückgang der Impfraten bei Kindern verzeichnete.

Besorgniserregend ist, dass ein Großteil der Kinder – bis zu 17 Millionen – im vergangenen Jahr wahrscheinlich gar keine Impfung erhielten und dies die ohnehin schon großen Ungleichheiten beim Zugang zu Impfstoffen noch vergrößert. Die meisten der ungeimpften Kinder leben in Konfliktgebieten, entlegenen Gegenden, informellen oder marginalisierten Umgebungen, wo sie von vielfältigen Benachteiligungen betroffen sind, einschließlich des eingeschränkten Zugangs zu grundlegender Gesundheitsversorgung und wichtigen sozialen Dienstleistungen. 

"Während sich die Länder bemühen, Covid-19-Impfdosen zu erhalten, haben wir bei anderen Impfungen Rückschritte gemacht, so dass Kinder gefährdet sind, an verheerenden, aber vermeidbaren Krankheiten wie Masern, Polio oder Meningitis zu erkranken", sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Der Ausbruch verschiedener Krankheiten zugleich wären für die Gemeinden und Gesundheitssysteme, die bereits mit Covid-19 zu kämpfen haben, katastrophal. Es ist dringender denn je, in die Impfung von Kindern zu investieren und dafür zu sorgen, dass jedes Kind erreicht wird."

In allen Regionen stieg die Zahl der Kinder, die lebenswichtige erste Impfdosen verpassten

Im vergangen Jahr kam es zu zahlreichen Unterbrechungen bei Routineimpfungen - Südostasien und die Region Östliches Mittelmeer waren am stärksten betroffen. Aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu Gesundheitsdiensten und Impfprogrammen stieg die Zahl der Kinder, die gar nicht geimpft wurde, in allen Regionen. Im Vergleich zum Vorjahr erhielten 3,5 Millionen mehr Kinder nicht einmal die erste Dosis des Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP-1) und drei Millionen weitere Kinder nicht ihre erste Impfdosis gegen Masern.

"Diese Zahlen sollte eine klare Warnung sein. Die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Unterbrechungen haben dazu geführt, dass wir an Boden verloren haben – die Konsequenzen werden diejenigen mit ihrem Leben und ihrem Wohlergehen tragen, die am verletzlichsten sind", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. "Schon vor der Pandemie gab es alarmierende Anzeichen dafür, dass wir bei der Immunisierung von Kindern gegen vermeidbare Kinderkrankheiten an Boden verlieren, unter anderem mit den weit verbreiteten Masernausbrüchen vor zwei Jahren. Die Pandemie hat die Situation weiter verschlimmert. Jetzt, wo wir die gerechte Verteilung der Covid-19-Impfstoffen im Hinterkopf haben, müssen wir daran denken, dass die Verteilung von Impfstoffen schon immer ungerecht war, aber nicht sein muss."

Die aktuellen Daten zeigen, dass in Ländern mit mittlerem Einkommen der Anteil der Kinder zunimmt, die zumindest einige Impfungen verpassen. Besonders stark ist der Rückgang in Indien – dort sank die DTP-3-Durchimpfungsrate von 91 Prozent auf 85 Prozent.

Aufgrund von Finanzierungsengpässen, Fehlinformationen über Impfstoffe, Instabilität und anderen Faktoren sinkt die Durchimpfungsrate auch in Lateinamerika und der Karibik. Nur 82 Prozent der Kinder sind vollständig gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten geimpft, 2016 waren es noch 91 Prozent.

Es drohen vermeidbare Krankheitsausbrüche

Die globale Impfrate gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern und Kinderlähmung stagnierte bereits vor der Covid-19-Pandemie bei rund 86 Prozent. Diese Impfrate liegt damit weit unter den von der WHO empfohlenen 95 Prozent zum Schutz vor Masern – häufig die erste Krankheit, die wieder ausbricht, wenn Kinder nicht mit Impfstoffen erreicht werden. Sie ist ebenfalls unzureichend, um andere Krankheiten zu verhindern, die durch Impfungen vermieden werden können.

In vielen Teilen der Welt kam es wegen der Pandemie zu Unterbrechungen von Impfprogrammen, weil das Gesundheitspersonal und viele Ressourcen für den Kampf gegen Covid-19 eingesetzt wurden. In einigen Ländern wurden Gesundheitszentren geschlossen oder standen nur eingeschränkt zur Verfügung, während gleichzeitig Gesundheitsdienste womöglich aufgrund fehlender Transportmöglichkeiten oder Bewegungseinschränkungen sowie Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht wahrgenommen wurden.

"Die Zahlen sind alarmierend und deuten darauf hin, dass die Pandemie jahrelange Fortschritte bei Routineimpfungen zunichtemacht und Millionen Kinder der Gefahr ausgesetzt, sich mit tödlichen, vermeidbaren Krankheiten anzustecken", sagte Dr. Seth Berkley, CEO der Impfallianz Gavi. "Dies ist ein Weckruf – wir dürfen es nicht zulassen, dass in Folge von Covid-19 Masern, Polio und andere tödliche Krankheiten wieder ausbrechen. Wir müssen zusammenarbeiten, um Ländern dabei zu helfen, sowohl Covid-19 zu besiegen, indem wir einen globalen, gerechten Zugang zu Impfdosen sicherstellen, als auch die Routineimpfprogramme wieder auf Kurs zu bringen. Die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen von Kindern und ihren Gemeinschaften auf der ganzen Welt hängen davon ab."  

Auch die ohnehin schon niedrigen Raten bei Impfungen gegen humane Papillomviren (HPV) – die Mädchen vor Gebärmutterhalskrebs im späteren Leben schützen – wurden durch Schulschließungen stark beeinträchtigt. In den Ländern, die den HPV-Impfstoff bisher eingeführt haben, erhielten im vergangenen Jahr etwa 1,6 Millionen Mädchen keine HPV-Impfung. Weltweit wurden nur 13 Prozent der Mädchen gegen HPV geimpft, verglichen mit 15 Prozent im Jahr 2019.

Routineimpfungen muss Priorität eingeräumt werden

UNICEF, WHO und Partner wie die Impfallianz Gavi unterstützen Länder dabei, Kindern lebensrettende Impfungen zu ermöglichen. Dazu gehört es: 

  • Gesundheitsdienste und Impfkampagnen wiederaufzunehmen, um Routineimpfungen auch während der Covid-19-Pandemie sicher durchzuführen;
  • das Gesundheitspersonal dabei zu unterstützen, Eltern über die Wichtigkeit von Impfungen aufzuklären; 
  • Impf- und Immunitätslücken zu schließen;
  • sicherzustellen, dass die Bereitstellung von Covid-19-Impfdosen unabhängig geplant und finanziert wird und nicht auf Kosten von Kinderimpfungen geht;
  • nationale Pläne zur Vorbeugung und Bekämpfung von Ausbrüchen von vermeidbaren Krankheiten umzusetzen und Impfprogramme zu stärken. 

UNICEF und WHO arbeiten mit Ländern und Partnern zusammen, um die ehrgeizigen Ziele der globalen Impfagenda 2030 zu erreichen. Zu den Zielen gehört es, 90 Prozent der Kinder mit lebensrettenden Impfungen zu erreichen und die Zahl der ungeimpften Kinder zu halbieren.

Service

» Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung

» Die Datensätze stehen hier zur Verfügung, ein Dashboard hier. 

Weitere Informationen

Die offiziellen WHO- und UNICEF-Schätzungen der nationalen Durchimpfungsraten basieren auf Länderdaten und stellen den weltweit größten Datensatz zu Trends bezüglich der Immunisierung durch Impfungen gegen 13 Krankheiten dar, die im Rahmen des regulären Gesundheitssystems verabreicht werden – üblicherweise in Kliniken oder Gesundheitszentren oder bei Besuchen von Gesundheitspersonal. Für 2020 wurden Daten aus 160 Ländern ausgewertet.

Weltweit sank die globale Impfrate mit drei Impfdosen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP-3) von 86 Prozent im Jahr 2019 auf 83 Prozent im Jahr 2020 – 22,7 Millionen Kinder erhielten nicht den vollen Impfschutz.

Die Impfrate mit der ersten Impfdose gegen Masern sank von 86 auf 84 Prozent – 22,3 Millionen Kinder erhielten nicht ihre erste Impfdosis gegen Masern. Die Impfrate für die zweite Dosis lag 2020 bei 71 Prozent, verglichen mit 70 Prozent im Vorjahr. Um Masern zu bekämpfen und Ausbrüche zu verhindern, ist ein Impfrate von 95 Prozent bei der erforderlichen ersten und zweiten Impfdosis erforderlich. Länder, die diese Rate nicht erreichen können, sind auf periodische landesweite Impfkampagnen angewiesen, um die Lücken zu schließen.

Zusätzlich zu den Unterbrechungen der Routineimpfungen gibt es momentan in 66 Ländern 57 verschobene Impfkampagnen gegen Masern, Polio, Gelbfieber und andere Krankheiten.


Covid-19 als Chance für eine neue Partnerschaft zwischen EU und Afrika

16. Juli 2021 - 0:24


Pressemitteilung:

Covid-19 als Chance für eine neue Partnerschaft zwischen Europäischer Union und Afrika

Bonn, 15.07.2021 - Positive Meldungen über sinkende Corona-Inzidenzen prägen zurzeit die Nachrichten in den reichen Ländern des Globalen Nordens. Trotz neuer Virus-Varianten steigt die Hoffnung, dass das Schlimmste überwunden ist. Doch in den meisten Ländern des Globalen Südens sind die großen Wellen noch nicht abgeebbt.  Berichten der World Health Organization (WHO) zufolge steigen die Infektionszahlen in diesen Ländern zum Teil rasant an. Besonders gravierend ist die Lage in Afrika. SÜDWIND zeigt in einer neuen Studie auf, warum die EU eine starke wirtschaftliche Entwicklung in Afrika zum Ziel der Zusammenarbeit nach Covid-19 machen muss.

Inzidenzzahlen gehen zurück, Impfquoten steigen und die Einschränkungen werden vielerorts aufgehoben. Die Menschen in Deutschland freuen sich auf den lang ersehnten Urlaub in einem risikoarmen Land. Doch von dem neuen Tourismusboom werden die Länder Afrikas nicht profitieren. Im Gegenteil: Die Pandemie hat bereits bestehende Krisen wie den Klimawandel, die Gesundheitskrise und die Schuldenkrise vieler Staaten weiter verschärft. Für die meisten afrikanischen Länder könnte die Pandemie die mäßigen Wachstumserfolge der letzten zehn Jahren zunichtemachen. Das ist der Hintergrund, vor dem sich die neue Partnerschaft zwischen der Europäischen und der Afrikanischen Union wird bewähren müssen. Ihre Schwerpunkte sind in der „Umfassenden Strategie mit Afrika" bereits 2020 definiert worden.

„In Subsahara-Afrika stellt die Corona-Pandemie noch immer eine enorme regionale Herausforderung dar – nicht nur für die Gesundheitssysteme vor Ort, sondern auch für die öffentlichen Finanzen und für die Wirtschaft im Allgemeinen", sagt Dr. Pedro Morazán wissenschaftlicher Mitarbeiter am SÜDWIND-Institut und Autor der Studie. Afrika ist besonders anfällig, weil 56 Prozent der städtischen Bevölkerung in überfüllten und schlecht versorgten Slumwohnungen leben und 86 Prozent der Arbeitskräfte informell beschäftigt sind, die meisten von ihnen ohne Chance auf Homeoffice.

Hinzu kommt, dass Impfprogramme in vielen Ländern des Kontinents fast zum Stillstand gekommen sind; in anderen sind sie noch nicht gestartet. Die Quote der Erstimpfungen in Afrika liegt gegenwärtig bei unter drei Prozent. Rund die Hälfte der 80 ärmsten Länder der Welt verfügt über keinerlei Impfstoff, warnt die WHO; die meisten davon liegen in Afrika. „Deswegen fordert das SÜDWIND-Institut neben einer Aufstockung der EU-Hilfen zur Deckung des humanitären Bedarfs auch eine Anpassung der umfassenden Strategie an diese neuen Herausforderungen".

SÜDWIND-Publikation
Chancen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe? Die EU-Afrika Strategie nach der Corona-Pandemie



SÜDWIND setzt sich für wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit ein – weltweit. Wir recherchieren, decken ungerechte Strukturen auf, machen sie öffentlich und bieten Handlungsalternativen. Wir verbinden entwicklungspolitische Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit und tragen Forderungen in Kampagnen, Gesellschaft, Unternehmen und Politik. Seit 30 Jahren.




Highlights von den Eine Welt-Promotor*innen: Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

14. Juli 2021 - 18:58
Die aktuelle Ausgabe der Highlights widmet sich der Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen Akteur*innen
Highlights aus dem Eine Welt-Promotor*innen-Programm 2021 THEMA: Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Liebe Eine Welt-Engagierte und Interessierte,

am 11.06.2021 hat der Bundestag das Lieferkettengesetz beschlossen – ein großer Schritt für Menschenrechte und Umwelt in den globalen Lieferketten! Ob es auch langfristig einen Grund zur Freude gibt, erzählt uns Markus Schwarz in dieser Ausgabe.

Wirtschaftliche Akteur*innen zu adressieren, gehört verstärkt zu den Aufgaben der Eine Welt-Promotor*innen. Für ihre gute Zusammenarbeit gibt es viele Beispiele, von denen wir in dieser Ausgabe exemplarisch einige vorstellen.

Sommerliche Grüße,
Michaela Zischek, Fachstelle Social Media und Digitalisierung in der Eine Welt-Arbeit
     
PS: Die Printversion der Highlights steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung:
https://einewelt-promotorinnen.de/highlights „Markus, wird mit dem neuen Lieferkettengesetz globale Unternehmensverantwortung künfitg zum neuen Standard?

„Das Lieferkettengesetz ist ein großer Erfolg für alle, die sich seit langem für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang der Lieferkette einsetzen.

Darauf haben wir als zivilgesellschaftliche Eine Welt-Akteur*innen beharrlich hingewirkt. Auch viele Unternehmen forderten ein Gesetz, um Wettbewerbsgleichheit bei sozial verantwortlichen Handelspraktiken herzustellen.

Leider wird das aktuelle Lieferkettengesetz nur wenige deutsche Unternehmen verpflichten, ihre Sorgfaltspflichten einzuhalten. Weil es schwächer ausgestattet ist als erhofft, müssen wir weiter Konsument*innen und Produzent*innen für die globalen Auswirkungen ihres Handelns sensibilisieren. Neben dem Privaten bleibt zentral, dass der öffentliche Einkauf seine Marktmacht einsetzt.

Dennoch: das Gesetz ist ein wichtiger Schritt."

Markus Schwarz Bundeskoordinator für öko-sozialen Konsum, Produktion und Lieferketten arbeitet bei Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI) NORDRHEIN-WESTFALEN:
www.eine-welt-netz-nrw.de Modebranche: Mit Nachhaltigkeit aus der Krise?

„Fast Fashion" ist in der Krise. Nachhaltige Modelabels und öko-faire Concept Stores berichteten der Wirtschaftsförderung verschiedener Kommunen von ihren mutmachenden Erfahrungen. Promotor*innen organisierten den Austausch. zum Praxisbeispiel BERLIN
www.eineweltstadt.berlin

Die Fanshops im Fußball: Fair produziertes Merchandise

Zu den Milliardenumsätzen der Fußballvereine trägt auch der Verkauf von Merchandise-Artikeln bei. Eine Welt-Promotor Michael Jopp diskutierte mit Unternehmen und Fußballclubs welchen Beitrag die Profivereine zum Fairen Handel leisten können.

zum Praxisbeispiel HESSEN
www.epn-hessen.de IHK Darmstadt: Nachhaltiger Einkauf im Betrieb

Viele Unternehmen beschäftigt aktuell die Frage, welche Verantwortung sie in einer globalisierten Gesellschaft haben. Beim digitalen ‚Tag der Nachhaltigkeit' der IHK Darmstadt gab Eine Welt-Promotorin Maria Tech Anregungen für faire Beschaffung im Betrieb. zum Praxisbeispiel SACHSEN:
www.einewelt-sachsen.de Rohstoffabbau in Bolivien: Forschungsprojekte sensibilisieren

Die Nachfrage nach Lithium für Elektroauto-Batterien steigt immer stärker an. Eine Welt-Promotor Oscar Choque sensibilisiert Forschungsprojekte und Unternehmen in Sachsen für die Problematik der Ressourcengerechtigkeit. zum Praxisbeispiel NIEDERSACHSEN
www.ven-nds.de

Leerstehende Gewerbeflächen: Die „Eine Welt-Sch(l)aufenster"

In Kooperation mit lokalen Einzelhändler*innen und Produzent*innen entstanden in Niedersachsen die „Eine Welt-Sch(l)aufenster". In leerstehenden Schaufenstern zeigte eine Ausstellung am Beispiel Ernährung globale Zusammenhänge auf.

zum Praxisbeispiel Das Eine Welt-Promotor*innen-Programm wird getragen von einem Konsortium aus
           
Gefördert von Engagement Global im Auftrag des
    gemeinsam mit allen 16 Bundesländern.

Für den Inhalt sind allein die Herausgeberinnen (agl e.V. und SNSB) verantwortlich. Bildquellen:
Startbild: Anna Rozkosny, Nordrhein Westfalen: Bettina Steinacker/ Faire Metropole Ruhr, Sachsen: HZDR, Berlin: Jennifer Marke, Hessen: Sketchnote Christopher Henke, Niedersachsen: VEN e.V.
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Am Sudhaus 2, 12053 Berlin

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Fairer Handel: Solidarisch durch die Krise - Entschlossen in die Zukunft

14. Juli 2021 - 18:57
Berlin, 14.07.2021 – Nach über einer Dekade im Aufwind ist der Umsatz mit fairen Produkten in Deutschland infolge der Corona-Pandemie erstmalig zurückgegangen. Doch die Fair-Handels-Bewegung ist es gewohnt, gegen den Strom zu schwimmen. „Fair-Handels-Unternehmen wollen mit ihren Handelspartnern durch die Krise kommen, nicht auf deren Kosten", erklärt Matthias Fiedler, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel (FFH). „Dass die deutschen Supermärkte und Discounter in der Corona-Krise Rekordgewinne eingefahren haben, verdeutlicht, woran das System krankt", kritisiert Fiedler anlässlich der Jahrespressekonferenz des FFH. „Viele der Menschen, die uns ernähren, kämpfen täglich um ihr Überleben, weil sie Preise akzeptieren müssen, die nicht einmal die Produktionskosten decken", erklärt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des FFH. Deswegen fordert das FFH anlässlich seiner Jahrespressekonferenz in Berlin ein Verbot von Dumpingpreisen für Lebensmittel. Das wäre ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer sozial-ökologischen, zukunftsfähigen Wirtschaft. Was die wirtschaftliche Entwicklung des Fairen Handels in Deutschland betrifft, gibt die aktuelle Verbraucher*innenbefragung zum Fairen Handel Anlass zu Optimismus: Denn immer mehr Menschen in Deutschland greifen zu fairen Produkten.

 

Umsatzentwicklungen im Corona-Jahr 2020

Im Geschäftsjahr 2020 gaben die Verbraucher*innen in Deutschland 1,8 Milliarden Euro für Produkte aus Fairem Handel aus. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Umsatzrückgang von 2,9 %. Im Durchschnitt gaben die Verbraucher*innen in Deutschland pro Kopf 21,63 Euro für faire Lebensmittel und Handwerksprodukte aus. 78 % des Umsatzes wurden mit fairen Lebensmitteln generiert, alleine 30 % davon mit Kaffee.

Die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen vertrieben im vergangenen Jahr fair gehandelte Waren im Wert von 207 Millionen Euro (- 8,4 %). Dieser Rückgang hängt vor allem mit geringeren Verkäufen in den Weltläden infolge von Lockdowns sowie Umsatzeinbrüchen im Außer-Haus-Bereich zusammen.

In den Weltläden, den Fachgeschäften des Fairen Handels, wurden Waren im Wert von 72 Millionen Euro verkauft (- 13,3 %). Die Einbußen gegenüber dem Vorjahr sind vor allem mit Ladenschließungen und leeren Innenstädten infolge der Pandemie zu erklären. Insgesamt sind die Weltläden als wichtige Pfeiler des 100 % Fairen Handels jedoch gut durch die Krise gekommen – Geschäftsaufgaben ließen sich verhindern.

Wie auch in den Vorjahren wurde der größte Teil des Umsatzes mit Fairtrade-gesiegelten Produkten generiert (1,45 Milliarden, - 3,2 %). Diese Produkte sind häufiger in Supermärkten und auch Discountern verfügbar, was die geringeren Umsatzrückgänge erklärt. Hingegen setzte der „Faire Handel im Norden" 2020 seinen Erfolgskurs fort. Der Umsatz mit fair gehandelten Produkte aus Europa belief sich auf 136 Millionen Euro, was einem Plus von 13 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Im Fairen Handel stehen immer Menschen und Umwelt vor dem Profit. Das hat sich natürlich auch in Krisenzeiten nicht geändert", erklärt Matthias Fiedler. „Und so sind Fair-Handels-Akteure 2020 an die wirtschaftliche Schmerzgrenze gegangen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Dass unser derzeitiges Wirtschaftssystem dies nicht honoriert, sondern menschenrechtliche Sorgfalt und nachhaltiges Wirtschaften zum strukturellen Nachteil werden lässt, ist ein Skandal, der durch die Corona-Krise nochmal deutlicher hervortritt", kritisiert Fiedler.

 

Licht und Schatten – fair und konventionell: Blick auf einzelne Produkte

In Folge von Lockdowns und Homeoffice wurde in Deutschland 2020 mehr Fair Trade Kaffee zuhause getrunken. Im Geschäftsjahr 2020 ist der Absatz von fair gehandeltem Kaffee im Vergleich zum Vorjahr auf 27.394 Tonnen gestiegen (+ 4,6 %). Der Marktanteil von Kaffee aus Fairem Handel liegt weiterhin bei über 6 %.

Erstmalig seit 1999 verzeichen Fairtrade-gesiegelte Bananen in 2020 einen Absatzverlust

(- 14 %). Dieser ist vornehmlich auf den extremen Preiskampf der großen Discounter zurückzuführen. Die soziale, ökologische und ökonomische Rechnung für diesen Unterbietungswettlauf bezahlen die Bananen-Produzent*innen im Globalen Süden.

Positiv hat sich der Absatz fairer Schokolade in Deutschland entwickelt: 4.598 Tonnen wurden 2020 verkauft, was einem Absatzplus von über 32 % entspricht. Diese Entwicklung ist umso erfreulicher, da die Bedingungen im konventionellen Kakaosektor – den langjährigen Lippenkenntnissen der Industrie zum Trotz – bitter sind. Insbesondere auf westafrikanischen Kakaofarmen ist ausbeuterische Kinderarbeit nach wie vor weit verbreitet. Um die Kinderarbeit im konventionellen Kakaosektor abzuschaffen, braucht es flächendeckende Strategien zur Erzielung von existenzsichernden Einkommen für Kakaohaushalte. Im Fairen Handel wird dies sehr ernst genommen. So hat Fairtrade International Ende 2019 seinen Kakaopreis angehoben und einen Fairtrade Living Income Reference Price für Kakao berechnet. Fair-Handels-Unternehmen gehen häufig noch einen Schritt darüber hinaus.

 

Dumpingpreise zügig verbieten

Obwohl auf dem konventionellen Kaffee-, Bananen- und Kakaomarkt Milliardenerträge erwirtschaftet werden, sind die Einkommen der Erzeuger*innen nicht existenzsichernd. Daraus folgen in vielen Fällen Hungerlöhne und schlechte Arbeitsbedingungen von angestellten Arbeiter*innen auf den Feldern sowie ausbeuterische Kinderarbeit. Um existenzsichernde Einkommen und Löhne am Anfang von Agrarlieferketten zu ermöglichen, muss dringend die Preisfrage adressiert werden. Hierbei darf die unterschiedliche Machtverteilung in globalen Lieferketten nicht übersehen werden. Denn durch ihre Vormachtstellung können Unternehmen am Ende vieler Lieferketten Liefer- und Markteintrittskonditionen sowie Preise diktieren. Mit dem "Gesetz zur Stärkung der Organisationen und Lieferketten im Agrarbereich", welches im Mai 2021 verabschiedet wurde, wurden einige der gravierendsten unlauteren Handelspraktiken entlang globaler Lieferketten im Agrar- und Lebensmittelhandel verboten. Das ist ein Fortschritt, doch was fehlt, ist u. a. ein Verbot von Dumpingpreisen. „Immerhin hat der Bundestag beschlossen, ein gesetzliches Verbot des Einkaufs von Lebensmitteln unterhalb der Produktionskosten zu prüfen. Die neue Bundesregierung sollte diese Prüfung nun zügig durchführen und ein Verbot schnellstmöglich umsetzen, um den regelmäßigen Preiskämpfen der großen Lebensmitteleinzelhändler entgegenzuwirken", fordert Andrea Fütterer im Namen des FFH. Laut der aktuellen Verbraucher*innenbefragung zum Fairen Handel befürworten 77,5 % der Menschen in Deutschland ein Verbot von Preisen, die nicht die Produktionskosten decken.

 

Entschlossen in die Zukunft

„Das jüngst verabschiedete Lieferkettengesetz und das Verbot von unlauteren Handelspraktiken sind erste Schritte auf dem Weg zu einem Handel, der Arbeits- und Menschenrechte schützt", betont Andrea Fütterer. „Auch wenn beide Gesetze dringend nachgebessert werden müssen, bestätigen und bestärken sie das politische Engagement der Fair-Handels-Bewegung", so Fütterer weiter. „Der Faire Handel hat in Folge der Pandemie einen wirtschaftlichen Dämpfer erhalten, er geht jedoch politisch stärker und entschiedener daraus hervor", betont Fütterer. Die aktuelle Verbraucher*innenbefragung zum Fairen Handel zeigt, dass die politischen Forderungen des FFH für eine faire sozial-ökologische Transformation insgesamt große Zustimmung genießen. So spricht sich eine Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen dafür aus, mächtige Unternehmen zu regulieren, wenn diese Lieferanten zunehmend unter Druck setzen und Preise drücken (85,4 %). Doch auch, was die wirtschaftliche Zukunft des Fairen Handels in Deutschland betrifft, gibt die Verbraucher*innenbefragung Grund zur Zuversicht: Inzwischen kaufen 71 % der Befragten fair gehandelte Produkte (2018 waren es 69 %). Seit der ersten Erhebung in 2009 hat sich der Anteil der Menschen, die zu fairen Produkte greifen, stetig erhöht. 

 

Service

Die Broschüre „Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2021", das Factsheet „Auf einen Blick: Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel" sowie Infografiken zur honorarfreien Verwendung stehen Ihnen am 14.07. ab ca. 10:30 Uhr unter www.forum-fairer-handel.de/presse als Download zur Verfügung.

 


Generalsekretär Mathias Mogge zum aktuellen Welternährungsbericht

13. Juli 2021 - 21:10

13.07.2021 | Statement

Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, erklärt anlässlich der Vorstellung der neuen Hunger-Zahlen für 2020 durch die Vereinten Nationen in New York:

„Der Hunger ist weltweit weiter auf dem Vormarsch. Die Zahl der Unterernährten ist laut UN-Bericht innerhalb eines Jahres um bis zu 161 Millionen Menschen gestiegen. Das ist mehr als in den fünf Vorjahren zusammen. Für die Weltgemeinschaft muss der Anstieg auf insgesamt bis zu 811 Millionen unterernährte Menschen ein Weckruf sein, denn für die betroffenen Menschen ist es eine lebensbedrohende Katastrophe. Schon vor der Corona-Pandemie haben bestehende Krisen, insbesondere der Klimawandel und bewaffnete Konflikte den Hunger in vielen Weltregionen verschärft. Die Corona-Krise hat diese Tendenzen massiv verschärft, Corona ist zum Hungervirus mutiert.

Um den Trend des zunehmenden Hungers umzukehren, muss die Staatengemeinschaft jetzt schnell und entschlossen handeln: gegen COVID-19, Konflikte und Klimakrise und für ein gerechtes und nachhaltiges Ernährungssystem. Die Corona-Pandemie besiegen wir nur gemeinsam oder gar nicht, deshalb brauchen wir globale Impfgerechtigkeit und müssen diejenigen unterstützen, die in der Folge der Pandemie ihre Existenzgrundlage verloren haben. Kriege und Konflikte wiederum, wie bspw. in Syrien oder in Äthiopien, müssen politisch gelöst werden, sonst bleiben sie Hungertreiber. Außerdem haben Menschen nur dort eine Existenzgrundlage, wo die Klimakrise nicht die Früchte der Landwirtschaft zerstört.

Auch wo die Ernährung nicht von den Folgen von Krieg und Klimawandel bedroht ist, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, mit denen sich alle Menschen gesund ernähren können, ohne die Natur und das Klima zu zerstören. Denn nur, wenn Lebensmittel vom Acker bis zum Teller gerecht und nachhaltig produziert werden, kann Hungerbekämpfung erfolgreich sein.“

 

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.





UN-Bericht: Pandemiejahr verschärft Hunger weltweit

13. Juli 2021 - 21:08
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UN-Bericht: Pandemiejahr verschärft Hunger weltweit

Afrika verzeichnet größten Anstieg / Die Welt ist an einem kritischen Wendepunkt und muss jetzt handeln, um den Hunger bis 2030 zu beenden

Gemeinsamer Bericht von FAO, IFAD, UNICEF, WFP und WHO

© UNICEF/UN0343155/Pazos

Rom/New York/Köln, den 12. Juli 2021 // Wie die Vereinten Nationen heute mitteilten, hat sich der Hunger weltweit im Jahr 2020 dramatisch verschlimmert – ein Großteil davon hängt wahrscheinlich mit den Folgen von Covid-19 zusammen. Laut dem UN-Bericht war im vergangenen Jahr schätzungsweise ein Zehntel der Weltbevölkerung – bis zu 811 Millionen Menschen – unterernährt. Diese Zahl lässt ahnen, dass enorme Anstrengungen nötig sein werden, um den weltweiten Hunger bis 2030 zu beenden.

Die diesjährige Ausgabe des UN-Berichts „Die Situation der Nahrungsunsicherheit und Ernährung in der Welt" ist die erste globale Studie dieser Art in der Zeit der Pandemie. Der Bericht wird gemeinsam von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht.

Die UN-Organisationen hatten bereits in vorherigen Berichten davor gewarnt, dass die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen – darunter viele Kinder – auf dem Spiel steht. „Leider legt die Pandemie immer wieder Schwachstellen in unseren Ernährungssystemen offen, die das Leben und die Lebensgrundlagen von Menschen auf der ganzen Welt bedrohen", schreiben die Leiter*innen der fünf UN-Organisationen in ihrem Vorwort.

Sie warnen vor einem „kritischen Wendepunkt", setzen jedoch Hoffnung auf verstärkte diplomatische Anstrengungen. „Dieses Jahr bietet mit dem bevorstehenden UN Food Systems Summit, dem Nutrition for Growth Summit und der UN-Klimakonferenz COP26 eine einmalige Gelegenheit, die Ernährungssicherheit und den Ernährungszustand durch die Umgestaltung der Ernährungssysteme zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Veranstaltungen werden die zweite Hälfte der UN-Dekade für Ernährung prägen", so die Leiter*innen der fünf UN-Organisationen.

Die Zahlen im Detail

Seit Mitte der 2010er-Jahre ist die Zahl der an Hunger leidenden Menschen kontinuierlich angestiegen und hat die Hoffnung auf einen bleibenden Rückgang zunichtegemacht. Besonders besorgniserregend ist, dass die Zahl der an Hunger leidenden Menschen im vergangenen Jahr sowohl absolut als auch proportional angestiegen ist – und das schneller als die Bevölkerung zunahm: Schätzungsweise 9,9 Prozent aller Menschen waren im vergangenen Jahr unterernährt, verglichen mit 8,4 Prozent im Jahr 2019.

Mehr als die Hälfte der unterernährten Menschen (418 Millionen) leben in Asien, mehr als ein Drittel (282 Millionen) in Afrika und ein kleinerer Anteil (60 Millionen) in Lateinamerika und der Karibik. Prozentual gesehen verzeichnet Afrika den stärksten Anstieg von Hunger – mit schätzungsweise 21 Prozent ist der Anteil der unterernährten Menschen dort mehr als doppelt so hoch wie in jeder anderen Region.

Auch andere Indikatoren für 2020 zeichnen ein düsteres Bild: Insgesamt hatten mehr als 2,3 Milliarden Menschen (oder 30 Prozent der Weltbevölkerung) nicht das ganze Jahr über Zugang zu angemessener Nahrung. 2020 ist die Prävalenz von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit so stark angestiegen wie in den vergangenen fünf Jahren zusammen. Zudem nahmen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu: Auf 10 Männer, die unter Nahrungsunsicherheit litten, kamen 11 Frauen (verglichen mit 10,6 im Jahr 2019). 

Mangelernährung in all ihren Formen bleibt weiterhin verbreitet – Kinder zahlen dafür einen hohen Preis: Im Jahr 2020 waren schätzungsweise 149 Millionen Kinder unter fünf Jahren wachstumsverzögert (engl. „stunted"), das heißt zu klein für ihr Alter; mehr als 45 Millionen waren ausgezehrt (engl. "wasted") und hatten ein zu geringes Gewicht für ihre Körpergröße. Weitere 39 Millionen Kinder waren übergewichtig.

Drei Milliarden Menschen konnten sich im Jahr 2020 nicht gesund ernähren, größtenteils, weil Nahrungsmittel zu teuer und damit nicht erschwinglich waren. Fast ein Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter litt an Blutarmut. Trotz einiger Fortschritte ist die Welt nicht auf dem Weg, die nachhaltigen Entwicklungsziele zur Beendigung von Hunger zu erreichen.

Weitere Ursachen für Hunger und Mangelernährung

In vielen Teilen der Welt hat die Pandemie schwere Rezessionen ausgelöst und den Zugang zu Nahrung erschwert. Doch schon zuvor litten immer mehr Menschen an Hunger und die Fortschritte bei der Bekämpfung der Mangelernährung kamen nur langsam voran. Dies gilt umso mehr für Länder, die von Konflikten, Klimaextremen oder weiteren wirtschaftlichen Herausforderungen betroffen sind oder gegen große Ungleichheiten ankämpfen.

Laut dem UN-Bericht wird die internationale Gemeinschaft bei aktuellen Trends Ziel 2 der nachhaltigen Entwicklungsagenda um rund 660 Millionen Menschen verfehlen. 30 Millionen davon könnten auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sein.

Aufruf zum Handeln

Wie bereits im UN-Bericht des Vorjahres dargelegt müssen Ernährungssysteme umgestaltet werden, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten und allen Menschen eine gesunde Ernährung zu ermöglichen. Der diesjährige Bericht skizziert sechs „Transformationspfade". Diese, so die Autoren, beruhen auf einer „kohärenten Reihe von politischen Maßnahmen und Investitionen", um den Ursachen von Hunger und Mangelernährung entgegenzuwirken.

Abhängig von den Ursachen von Hunger in dem jeweiligen Land fordert der Bericht die Regierungen dazu auf:

  • Humanitäre, entwicklungspolitische und friedensfördernde Maßnahmen in Konfliktgebieten zu integrieren: Soziale Sicherungsprogramme etwa sollen verhindern, dass Familien ihren geringen Besitz für Nahrungsmittel verkaufen müssen;
  • Die Klimaresilienz im gesamten Nahrungssystem zu erhöhen: So sollte zum Beispiel Kleinbauern ein breiter Zugang zu Klima-Risikoversicherungen und prognosebasierter Finanzierung ermöglicht werden;
  • Die Widerstandsfähigkeit der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen in wirtschaftlichen Notlagen zu stärken: So können Bargeldhilfen die Auswirkungen von Schocks oder Preisschwankungen verringern;
  • Interventionen entlang der Versorgungsketten zu fördern, um die Kosten für nahrhafte Lebensmittel zu senken: Zum Beispiel sollen der Anbau von biofortifizierten Nutzpflanzen gefördert oder der Marktzugang für Obst- und Gemüsebauern erleichtert werden;
  • Armut und strukturelle Ungleichheiten zu bekämpfen: So sollten beispielsweise Lebensmittel-Wertschöpfungsketten in armen Gemeinden durch Technologietransfer und Zertifizierungsprogramme gefördert werden;
  • Das Ernährungsumfeld zu stärken und das Verbraucherverhalten zu ändern: So sollten Salz- oder Zuckergehalt in Lebensmitteln reduziert und Kinder vor negativen Auswirkungen des Lebensmittelmarketings geschützt werden.

Der Bericht fordert darüber hinaus ein unterstützendes Umfeld aus Steuerungsmechanismen und Institutionen, die diesen wichtigen Wandel ermöglichen. Er fordert von Regierungen, sich umfassend zu beraten, Frauen und junge Menschen zu stärken sowie Daten und neue Technologien zugänglich zu machen. Vor allem aber müsse die Welt sofort handeln – oder zusehen, wie die Ursachen von Hunger und Mangelernährung in den kommenden Jahren mit zunehmender Intensität zurückkehren, lange nachdem der Schock der Pandemie vorüber ist.

Service für Redaktionen:

Der vollständige Bericht auf Englisch steht hier zur Verfügung.


Welthungerhilfe zur Entscheidung des UN-Sicherheitsrats über Syrien-Hilfe

13. Juli 2021 - 21:07

09.07.2021 | Statement

Die Entscheidung des UN-Sicherheitsrats über die Offenhaltung des letzten verbleibenden Grenzübergangs für UN-Hilfsgüter von der Türkei nach Syrien kommentiert Konstantin Witschel, Syrien-Koordinator der Welthungerhilfe:

„Wir sind erleichtert, dass der UN-Sicherheitsrat nach zähem Ringen entschieden hat, einen Grenzübergang von der Türkei nach Syrien für Hilfsgüter der Vereinten Nationen offen zu halten. Das eine wichtige Entscheidung, mit der eine humanitäre Katastrophe zunächst abgewendet wurde – zumindest bis die Resolution erneut ausläuft.

Rund 2,7 Millionen Binnenvertriebene sitzen im Nordwesten Syriens an der Grenze zur Türkei unter teilweise katastrophalen Bedingungen fest. Fehlende Einkommensmöglichkeiten und steigende Preise für Brot, Gemüse und Früchte verschärfen den Hunger unter den Bürgerkriegsopfern. Mehr als eine Million Menschen ist von der grenzüberschreitenden Nahrungsmittelhilfe der Vereinten Nationen abhängig, auch die Impf-Kampagne gegen COVID-19 in der Region stand auf dem Spiel. Es ist bedauerlich, dass der Sicherheitsrat sich nicht zur Wiederöffnung weiterer Grenzübergänge für humanitäre Hilfe durchringen konnte, denn im zehnten Jahr des Konflikts kann die humanitäre Hilfe kaum mit dem wachsenden Bedarf von immer mehr notleidenden Menschen in ganz Syrien Schritt halten.

Um künftig zu vermeiden, dass die Menschen in Nordwest-Syrien erneut in den Abgrund blicken müssen, sollten Nichtregierungsorganisationen finanziell gestärkt werden, die unabhängig von der Resolution arbeiten können, denn es ist klar, dass wir im kommenden Jahr erneut in der gleichen Situation sein werden“, sagt Konstantin Witschel, Syrien-Koordinator der Welthungerhilfe.

Die Welthungerhilfe hilft in Syrien sowie in den Nachbarländern Türkei und Libanon Menschen, die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind. Im Jahr 2020 unterstützte die Welthungerhilfe in Syrien über 600.000 Menschen größtenteils durch Nahrungsmittelhilfe, z.B. Nahrungsmittelgutscheine, Mehllieferungen für Bäckereien und Saatgut, Dünger und Werkzeuge für die landwirtschaftliche Produktion.

 

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.

Herausgeber:

Deutsche Welthungerhilfe e.V.
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Niedersachsen: Entwicklungspolitische Landeskonferenz „Vision 2030“

9. Juli 2021 - 14:38

Jetzt anmelden: Entwicklungspolitische Landeskonferenz diskutiert die Zukunft von Wirtschaft und Menschenrechten

 

Am 15. und 16. Juli lädt der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen zu seiner Entwicklungspolitischen Landeskonferenz „Vision 2030" ein. In spannenden Vorträgen, Diskussionen und Workshops stehen die Zukunft von Wirtschaft und Menschenrechten und das aktuelle Lieferkettengesetz auf der Tagesordnung. Anmeldungen für eine Teilnahme in Hannover oder Online sind noch möglich.

 

Hannover, 9. Juli 2021. Wie nachhaltig ist unser aktuelles Wirtschaftssystem? Wie können wir es gestalten, damit Menschenrechte und die Umwelt effektiver und nachhaltig geschützt werden? Wer diese Fragen mitdiskutieren möchte, sollte sich jetzt zur Entwicklungspolitischen Landeskonferenz anmelden. Diese veranstaltet der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen im Rahmen seines 30-jährigen Jubiläums am 15. und 16. Juli 2021.

 

Unter dem Titel „Vision 2030" kommen Expert*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Gewerkschaften und Unternehmen zusammen, um gemeinsam über die aktuelle Lage der Menschenrechte in globalen Lieferketten zu sprechen. Gäste aus dem Globalen Süden vermitteln ein Bild der Menschenrechtsverletzungen vor Ort und steigen dabei mit in die Diskussion um das deutsche Lieferkettengesetz ein.

 

„Dass vor wenigen Wochen das Lieferkettengesetz im Bundestag verabschiedet wurde, ist ein gutes Signal für die Menschenrechte! Doch das reicht noch nicht", sagt Katrin Beckedorf, Geschäftsführerin vom Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen. Deshalb bietet der VEN auf der Landeskonferenz Raum für kritische Betrachtung und für Visionen zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte.

 

Bernd Lange (MdEP, SPD), Amanda Luna (Menschenrechtsaktivistin aus Lateinamerika) und Steffen Vogel (German Watch) diskutieren, was das Lieferkettengesetz leisten kann und was nicht. „Wie nachhaltig ist unser Wirtschaftssystem?" – das fragt eine Paneldiskussion mit Dr. Maria Flachsbarth (MdB CDU), Ottmar von Holtz (MdB Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Matthias Miersch (MdB SPD).

 

Die Entwicklungspolitische Landeskonferenz findet sowohl als klassische Tagung in Hannover (Kulturzentrum Pavillon) statt, als auch digital im Internet. Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.ven-nds.de/vision2030.

 

Die Veranstaltung ist Teil des Projektes „Niedersachsen macht mobil – für Unternehmensverantwortung" vom VEN und wird gefördert von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst, sowie durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

 

Hintergrund:

Sustainable Development Goals (SDGs, Nachhaltigkeitsziele)

Auf der bislang größten Vollversammlung der Vereinten Nationen im September 2015 unterzeichneten alle 193 UN-Mitgliedsstaaten die Agenda 2030. Im Mittelpunkt stehen 17 Ziele mit 169 Unterzielen für eine globale nachhaltige Entwicklung.

                                             

Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V.

Der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. (VEN) ist ein Zusammenschluss von über 140 Eine Welt-Initiativen und das Sprachrohr für Menschen, die sich in Niedersachsen für globale Gerechtigkeit einsetzen. Der VEN bietet eine Plattform zum Austausch und zur Vernetzung, berät seine Mitglieder vor Ort, qualifiziert mit Fortbildungen und Seminaren, koordiniert landesweite Aktionen und stärkt damit zivilgesellschaftliches Engagement. Der VEN bringt globale Themen in die niedersächsische Landespolitik ein, wirbt dort für mehr Politikkohärenz und Verantwortung. Das Ziel des VEN ist ein zukunftsfähiges Niedersachsen in einer globalisierten Welt mit einer starken Zivilgesellschaft.

 

Der Kampf gegen gefährliche Chemikalien braucht mehr als Symbolpolitik

8. Juli 2021 - 12:43

Der Kampf gegen gefährliche Chemikalien braucht mehr als Symbolpolitik

Im Vorfeld des Berlin Forums für Chemikalien und Nachhaltigkeit ziehen Umwelt- und Entwicklungsverbände eine kritische Bilanz der Arbeit der Bundesregierung. Sie hat wichtige Hausaufgaben in der Chemikalienpolitik unerledigt gelassen.

Berlin, 5. Juli 2021: Die Bundesregierung hat die Chemikalienpolitik vernachlässigt. Sie hat damit in Kauf genommen, dass die Gesundheit von Menschen weiterhin gefährdet, die Klimakrise angeheizt und der Verlust der Artenvielfalt beschleunigt wird.

Zu diesem Urteil kommt ein Bündnis aus den fünf Umwelt- und Entwicklungsverbänden BUND, Forum Umwelt und Entwicklung, HejSupport, PAN Germany und WECF. Es fordert die künftige Bundesregierung auf, den Schutz von Mensch, Artenvielfalt und Klima endlich ernst zu nehmen und sich in Deutschland, in der EU und weltweit aktiv für eine giftfreie Zukunft mit weniger Chemikalien und einem nachhaltigen Umbau der Chemieindustrie einzusetzen. Dies ist dringend notwendig: Noch immer sterben weltweit jährlich mehr als 1,6 Mio. Menschen durch Chemikalien. Noch immer wird für Herstellung und Transport von Chemikalien und Produkten knapp ein Drittel der verbrauchten Energie benötigt. Noch immer werden Ökosysteme durch den Rohstoffabbau und die Freisetzung gefährlicher Stoffe zerstört. Schadstoffe und Pestizide sind eine Hauptursache für die Umwelt- und Gesundheitskrise unserer Zeit.

Die jetzige Bundesregierung hat viele Möglichkeiten zu handeln verstreichen lassen. Obwohl Deutschland der Chemiestandort Nr. 1 in Europa ist, wurde Chemikalienpolitik weder im Koalitionsvertrag noch während der EU-Ratspräsidentschaft adressiert. Dabei ist die Bundesregierung als Vorsitzende des so genannten „Strategischen Ansatzes zum internationalen Chemikalienmanagement" (SAICM) in der Pflicht, die Weichen für eine Erneuerung des Abkommens zu stellen.

SAICM sollte dazu beizutragen, die Folgen von Chemikalien und Abfällen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt bis 2020 zu minimieren. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Weltweit mangelt es an Problemwahrnehmung und politischem Handlungswillen. Im Juli 2021 wollte die Staatengemeinschaft in Bonn auf einer internationalen Konferenz zur Chemikaliensicherheit beschließen, wie es mit SAICM nach 2020 weitergeht. Statt der wegen Corona verschobenen Konferenz veranstaltet die Bundesregierung nun am 7. und 8. Juli das virtuelle Berlin Forum für Chemikalien und Nachhaltigkeit. Das u.a. mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, hochrangig besetzte Forum soll über Wege für einen nachhaltigen Umgang mit Chemikalien diskutieren.

Das NGO-Bündnis erwartet von dem Forum nicht nur schöne Worte und Symbolik, sondern konkrete Zusagen, um bis spätestens 2030 die negativen Folgen von Produktion und Verwendung von Chemikalien und Abfällen für Mensch, Artenvielfalt und Klima zu minimieren. Verbände in Deutschland und weltweit haben Forderungen mit konkreten Maßnahmen zum Schutz vor giftigen Chemikalien aufgestellt, die sofort umgesetzt werden könnten.

„Das Ziel, die Belastung des Menschen und der Umwelt durch Produktion und Freisetzung gefährlicher Stoffe bis 2020 nachhaltig zu reduzieren, ist nicht annähernd erreicht worden", erklärt Manuel Fernandez, Chemikalienexperte vom BUND. Ohne ein grundlegendes Umsteuern im Chemiesektor seien auch die Klima- und Artenschutzziele der UN-Agenda 2030 zum Scheitern verurteilt.  „Die Chemieindustrie darf als größter Stromverbraucher und drittgrößter Emittent von Kohlendioxid die Klimakrise nicht weiter verschärfen. Die Folgen tragen die Allgemeinheit und die Natur", so Fernández. „Das muss sich schnell ändern. In der EU bietet die neue EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit hierfür eine Chance. Die Bundesregierung ist aufgefordert, beim nachhaltigen Umbau der Chemieindustrie mit gutem Beispiel voranzugehen."

Auch Pestizide zählen zu den weltweit gehandelten Chemikalien. „Jährlich erleiden rund 385 Millionen Menschen ungewollt Pestizidvergiftungen. Pestizide machen zudem einen erheblichen Anteil an stofflichen Belastungen von Gewässern, Lebensmitteln und am Schwund der Biodiversität aus", erläutert Susan Haffmans vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany). „Insbesondere hochgefährliche Pestizide sind eine weltweite Bedrohung. Deutschland kann und sollte damit beginnen, Doppelstandards im Pestizidhandel abzubauen und den Export von in der EU verbotenen hochgefährlichen Pestizide gesetzlich unterbinden. Zudem sollten endlich die Beschlüsse der vierten Internationalen Chemikalien Konferenz von 2015 umgesetzt werden, HHPs in der Landwirtschaft schrittweise durch nicht-chemische Alternativen wie Agrarökologie zu ersetzen."

Johanna Hausmann von Women Engage for a Common Future führt weiter aus: „Nur ein Bruchteil der bis zu 350.000 Chemikalien auf dem Weltmarkt sind reguliert. Sie vergiften unsere Umwelt und unsere Gesundheit. Die Wissenschaft bestätigt die krankmachende Wirkung vieler Chemikalien und bringt sie u.a. in Zusammenhang mit der Zunahme von Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen und neurologischen Erkrankungen. Schwangere, Frauen, Kinder und sozial schwächere Bevölkerungsgruppen sind dabei besonders betroffen – in Deutschland und weltweit. Frauen reichern Schadstoffe stärker an. In der Schwangerschaft gelangen diese an den Fötus und gefährden künftige Generationen. Der Schutz vor bedenklichen Chemikalien muss eine wichtige Aufgabe der künftigen Bunderegierung werden. Gender- und sozioökonomische Aspekte müssen dabei eine wichtige Rolle spielen."

Tom Kurz vom Forum Umwelt und Entwicklung ergänzt: „Die Untätigkeit der internationalen Staatengemeinschaft und der Bundesregierung machen uns krank und werden auch noch kommende Generationen belasten. Es ist nicht möglich, unbedenklich einkaufen zu gehen und davon auszugehen nicht vergiftet zu werden. Hormonschädliche Substanzen in Kosmetik, Pestizide in der Luft und in unserem Essen, PFAS in Verpackungen und Weichmacher im Spielzeug: überall sind wir gefährlichen Stoffen ausgesetzt."

Alexandra Caterbow von der Gesundheits- und Umweltorganisation HEJSupport fasst zusammen: „Der Stellenwert der Chemiepolitik in der Politik der Bundesregierung spiegelt nicht die Dringlichkeit wider, die wir der Vergiftung unseres Planeten und unserer Körper beimessen sollten. Wir brauchen dringend verbindliche Zusagen aus der Politik, die auch im nächsten Koalitionsvertrag verankert sein müssen. Mehr Maßnahmen auf nationaler, EU und internationaler Ebene müssen von der neuen Regierung angeschoben und unterstützt werden, sonst werden z.B. weiterhin unsere Flüsse kontaminiert sein und Babys mit Schadstoffen im Körper geboren."

Weitere Informationen

Mehr Informationen zum Hintergrund finden Sie hier (PDF, 230 KB).

Informationen der NGOs zum Thema internationales Chemikalienmanagement finden Sie auf der gemeinsamen Webseite unter

https://www.giftfreie-zukunft.org/

Zum Vorbereitungsprozess für die Chemikalienkonferenz in Bonn unter http://saicm.org/

Informationen des Bundesumweltministeriums zum Berlin Forum für Chemikalien und Nachhaltigkeit unter

https://www.bmu.de/berlin-forum-fuer-chemikalien-und-nachhaltigkeit/#c59688

Diese Pressemitteilung finden Sie online und zum Download unter https://www.giftfreie-zukunft.org/aktuell/presse-berlin-forum




SIG Sauer will von der Gewalt in Kolumbien profitieren

8. Juli 2021 - 12:42

Osnabrück (ots)

Vor BGH-Urteil: terre des hommes-Dossier belegt schwere Menschenrechtsverletzungen und Straftaten mit deutschen Pistolen in Kolumbien

Anlässlich der morgigen Urteilsverkündigung des Bundesgerichtshofs im Fall illegaler Pistolenexporte von SIG Sauer nach Kolumbien veröffentlicht das Kinderhilfswerk terre des hommes neue Belege dafür, dass SIG-Sauer-Pistolen in Kolumbien schlimmen Schaden anrichten, von dem auch Kinder und Jugendliche betroffen sind. Das Landgericht Kiel hatte 2019 drei Führungskräfte von SIG Sauer wegen des illegalen Exports von 38.000 Pistolen aus Deutschland über die USA nach Kolumbien zu Bewährungsstrafen und hohen Geldstrafen verurteilt, diese Urteile sind rechtskräftig. Außerdem verurteilte das Landgericht SIG Sauer zur Rückzahlung des Umsatzes im Wert von 11 Millionen Euro, wogegen das Unternehmen Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegte.

"Unsere Recherchen belegen, dass SIG-Sauer-Waffen von Drogenbanden, Paramilitärs und Guerillagruppen bei Verbrechen eingesetzt wurden und auch kriminelle Polizist*innen und Militärs sie bei schweren Menschenrechtsverletzungen und Straftaten benutzt haben", sagte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte bei terre des hommes. "Kindersoldat*innen wurden gezwungen, mit diesen Waffen zu kämpfen, viele Kinder und Jugendliche wurden getötet."

"Kinder und Jugendliche aus unseren Projekten sind stark von der eskalierenden Gewalt in Kolumbien betroffen, das macht uns große Sorgen", sagte William León, Projektkoordinator von terre des hommes in Kolumbien. "Vor kurzem wurden im Rahmen des landesweiten Streiks Dutzende von jungen Menschen mit Handfeuerwaffen getötet, sowohl von Bürger*innen als auch von Polizist*innen in Zivil. Die Gewalt und der seit über 60 Jahre andauernde bewaffnete Konflikt in Kolumbien dürfen nicht weiter mit Waffen angeheizt werden. Waffenunternehmen wie SIG Sauer versuchen mit allen Tricks und auch illegalen Geschäften, von der Gewalt in Kolumbien zu profitieren. Diese blutigen Geschäfte dürfen sich nicht lohnen, wir hoffen deswegen auf ein eindeutiges Signal des Bundesgerichtshofs an die Waffenhändler." León betonte: "Auf unserem Weg zum Frieden brauchen wir keine Waffen - weder aus Deutschland, noch aus anderen Ländern. Das gilt insbesondere für Pistolen, die leicht zu verstecken sind und hier von Hand zu Hand wandern. In ein Land wie Kolumbien mit einem bewaffneten Konflikt und schweren Menschenrechtsverletzungen, auch von staatlicher Seite, dürfen keine Waffen geliefert werden - weder illegal noch legal."

terre des hommes Deutschland fördert in Kolumbien seit über 40 Jahren Projekte für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Schwerpunkte der Unterstützung sind Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor Gewalt, die Förderung einer Kultur des Friedens, der Einsatz für das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt sowie Bildung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen.

terre des hommes Deutschland ist Mitglied im Trägerkreis von "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!". Diese Kampagne hatte 2014 Anzeige gegen SIG Sauer erstattet und damit die Ermittlungen und den Prozess gegen SIG Sauer ausgelöst, die 2019 zur Verurteilung durch das Landgericht Kiel führten. Im April 2020 erstattete die Kampagne erneut Anzeige gegen SIG Sauer, diesmal wegen illegaler Waffenexporte nach Mexiko, Nicaragua und erneut Kolumbien. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt.

Wie die terre des hommes-Studie "Kleinwaffen in kleinen Händen - Deutsche Rüstungsexporte verletzen Kinderrechte" aus dem Jahr 2020 zeigt, müssen Kinder und Jugendliche in zahlreichen Ländern mit deutschen Waffen kämpfen oder kommen durch diese zu Schaden, darunter Kolumbien, Brasilien, Irak, Syrien, Jemen, Indien und Philippinen.

Zum Dossier "SIG-Sauer-Pistolen in Kolumbien" und weitere Informationen: www.tdh.de/kleinwaffen

Äthiopien: Situation der Kinder in Tigray verschlechtert sich seit Monaten | UNICEF

8. Juli 2021 - 12:41
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Äthiopien: Situation der Kinder in Tigray verschlechtert sich seit Monaten

140.000 Kinder unter Bedingungen einer Hungersnot / Zugang zu Hilfebedürftigen und Sicherheit für humanitäre Helfer*innen garantieren

© UNICEF/UN0412581/Leul Kinfu

Köln, den 05. Juli 2021 // UNICEF ruft Regierungen und Öffentlichkeit dringend zu mehr Aufmerksamkeit und verstärkter Hilfe für die Kinder in der äthiopischen Region Tigray auf. Die seit acht Monaten anhaltende Gewalt und die weitgehende Abriegelung der Region ist eine Katastrophe für die dort lebende Bevölkerung, insbesondere die Kinder. 

„Dies ist eine von Menschen gemachte Krise. Die Kinder und die leidenden Menschen können nicht warten, bis irgendwann offiziell eine Hungersnot ausgerufen wird", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Die vor einigen Tagen ausgerufene Waffenruhe muss unbedingt für die Versorgung der Zivilbevölkerung für die kommenden Monate genutzt werden."

Der Gesundheits- und Ernährungszustand der Kinder in Tigray verschlechtert sich laut UNICEF seit Beginn des Konflikts vor acht Monaten kontinuierlich. Im Frühjahr hat sich zuletzt die Zahl lebensgefährlich mangelernährter Kinder, die Hilfe in von UNICEF unterstützten Einrichtungen suchten, vervierfacht. Schätzungsweise 140.000 Kinder leben unter Bedingungen einer Hungersnot – auch wenn diese offiziell noch nicht erklärt wurde; mindestens 33.000 Kinder in nicht zugänglichen Gebieten sind laut UNICEF so schwer mangelernährt, dass sie sterben könnten, wenn nicht schnell gehandelt wird. Es müssen dringend rechtzeitig weitere mobile Ernährungs- und Gesundheitsteams Zugang in alle Regionen erhalten.

Weil wichtige Infrastruktur wie Brücken, Straßen, Krankenhäuser und Anlagen zur Wasserversorgung zerstört oder geplündert wurden, ist die elementare Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet. Viele Familien berichten von furchtbarer Gewalt, von Angst und dass sie Angehörige verloren haben. Die Bewegungsfreiheit und Sicherheit der nationalen und internationalen Mitarbeiter*innen humanitärer Organisationen ist stark eingeschränkt.

Im Juni konnten die Menschen durch die Kämpfe die Hauptpflanzzeit nicht nutzen. Der Nachschub von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Gütern muss deshalb in großem Umfang und uneingeschränkt sichergestellt werden. Dazu müssen auch Lagerkapazitäten ausgebaut werden. Immer wieder vorgeschobene bürokratische Hindernisse müssen abgestellt werden.

Der Zugang zum Internet bzw. zu Telefon/Satellitenverbindungen sowie elektrischem Strom müssen für humanitäre Organisationen sofort wiederhergestellt und Straßen sowie der Luftraum für den Transport von Hilfsgüter geöffnet werden.

» Mehr Informationen zur Situation der Kinder in Äthiopien und der UNICEF-Hilfe vor Ort finden Sie auf unserer Projektseite und in unseren Blog.



VENRO informiert! Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

8. Juli 2021 - 12:40


 

Nr. 4 / 2021

THEMENSCHWERPUNKT

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
 

Liebe Leser_innen,

 

die Bundesregierung berichtet am 15. Juli beim Hochrangigen Politischen Forum (HLPF) der Vereinten Nationen über den Umsetzungsstand der Agenda 2030. Dr. Luise Steinwachs, unsere stellvertretende Vorstandsvorsitzende, kritisiert die grundsätzliche Ausrichtung des deutschen Staatenberichts. Im Interview erklärt sie, weshalb ein radikales Umsteuern hin zu echter globaler Nachhaltigkeit notwendig ist.

 

Auch wir haben anlässlich des Staatenberichts Bilanz gezogen und in einer Stellungnahme dargelegt, weshalb die Agenda 2030 zum Leitprinzip deutscher Politik werden muss. „Abwarten und Tee trinken reicht nicht, um Armut zu beenden", betonen Mira Ballmaier und Dr. Jürgen Focke, Sprecher_innen unserer AG Agenda 2030. In ihrem Blogbeitrag erläutern sie die aktuellen Zahlen zur Armutsbekämpfung.

 

Mit unserer neuen Rubrik #weltweitwichtig halten wir Sie ab sofort über unsere Aktivitäten zur Bundestagswahl auf dem Laufenden. In dieser Ausgabe finden sie dort die Aufzeichnung unserer Diskussion mit den Spitzenpolitiker_innen Saskia Esken (SPD), Hermann Gröhe (CDU), Dr. Robert Habeck (Die Grünen), Susanne Hennig-Wellsow (Die Linke) und Alexander Graf Lambsdorff (FDP). Wir befragten sie zu unfairen Handelspraktiken, Rüstungsexporten und den Plänen ihrer Parteien zum Klimaschutz

 

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

 

Herzliche Grüße

 

Anke Kurat
Stellvertretung

der Geschäftsführung

 

„Ein radikales Umsteuern hin zu echter globaler Nachhaltigkeit ist notwendig"

 

Deutschland berichtet zum zweiten Mal bei den Vereinten Nationen über den Stand der Umsetzung der Agenda 2030. Unsere stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Luise Steinwachs erläutert im Interview, welche Aspekte ihr im Freiwilligen Staatenbericht Deutschlands fehlen und weshalb ein radikales Umsteuern hin zu echter globaler Nachhaltigkeit notwendig ist, um Armut und Hunger zu beenden.

  Zum Interview

Die Agenda 2030 muss zum
Leitprinzip deutscher Politik werden

 

Anlässlich der Berichterstattung Deutschlands bei den Vereinten Nationen haben wir unsere Perspektive auf den Umsetzungsstand der Agenda 2030 dargestellt. Die Bilanz fällt verheerend aus und unsere Forderung nach einem sozial gerechten, ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsmodell ist aktueller denn je. Die Stellungnahme wurde in den Anhang des Freiwilligen Staatenberichts Deutschlands aufgenommen.

  Zur Stellungnahme (PDF)
  Zum Staatenbericht (PDF/EN)

Abwarten und Tee trinken reicht nicht, um globale Armut zu beenden

 

Weltweit leben 1,5 Milliarden Menschen in Armut. Es ist offensichtlich, dass die Staatengemeinschaft nicht „on track" ist, ihr Ziel zu erreichen, extreme Armut bis 2030 zu beenden. Mira Ballmaier und Dr. Jürgen Focke, Sprecher_innen unserer AG Agenda 2030, fordern, die Ursachen endlich bei der Wurzel zu packen. Ihr Blogbeitrag zum Thema Armut bildet den Auftakt unserer Themenreihe, mit der wir bis zur Bundestagswahl aufzeigen, was uns #weltweitwichtig ist.

  Zum Blogbeitrag

Jahresbericht 2020: Wir sitzen nicht alle im selben Boot

 

Die Corona-Pandemie hat unsere Arbeit 2020 geprägt, und ihre Folgen sind noch lange nicht absehbar. Klar ist jedoch: die Krise trifft die Menschen im globalen Süden besonders hart. Mit unserem Jahresbericht 2020 geben wir Einblick in unsere Arbeit in diesem außergewöhnlichen Jahr und skizzieren die Herausforderungen, denen wir uns annehmen wollen.

  Zum Jahresbericht (PDF)

Haushaltsentwurf 2022: Mehr Verlässlichkeit für die Entwicklungszusammenarbeit ist notwendig

 

Nach dem aktuellen Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2022 sollen die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit im kommenden Jahr konstant bleiben. Die Gelder für Humanitäre Hilfe sollen hingegen um 200 Millionen Euro gekürzt werden. Deutliche Kürzungen einzelner Positionen innerhalb des BMZ-Etats sorgen zusätzlich für Verunsicherung.

  Zur Pressemitteilung

OECD bescheinigt der deutschen Entwicklungspolitik Verbesserungsbedarf

 

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Effektivität der deutschen Entwicklungspolitik analysiert und sieht erheblichen Verbesserungsbedarf. VENRO begrüßt den internationalen Prüfbericht, mit dem sich der Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in seiner Sitzung am 9. Juni befasst hat.

  Zur Pressemitteilung

Die verpasste Chance des Cotonou-Folgeabkommens

 

Das Cotonou-Folgeabkommen zwischen der Europäischen Union und den 79 Mitgliedern der Organisation Afrikanischer, Karibischer und Pazifischer Staaten soll Ende 2021 ratifiziert werden. Aus unserer Sicht ist das Abkommen eine verpasste Chance, eine solidarische und partnerschaftliche Zusammenarbeit zu etablieren. In unserer Stellungnahme benennen wir Schwachstellen und formulieren konkrete Forderungen zur Erweiterung des Abkommens.

  Zur Stellungnahme

One Health – die Bundesregierung muss diesen Ansatz in allen Politikbereichen umsetzen

 

Damit Gesundheit und Wohlergehen für alle Menschen erreicht werden können, ist es notwendig, die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ganzheitlich in den Blick zu nehmen. Der One-Health-Ansatz beschäftigt sich mit diesen Wechselwirkungen. Wenn er ganzheitlich umgesetzt wird, kann er einen wertvollen Beitrag dazu leisten, insbesondere das Leben benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu verbessern. In unserer Stellungnahme zeigen wir auf, welche Aspekte bei der Umsetzung von One Health zu berücksichtigen sind.

  Zur Stellungnahme

Zivilgesellschaftliche Perspektiven auf das neue UNESCO-Bildungsprogramm „BNE 2030"

 

Unter dem Titel „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2030" will die UNESCO die Weichen für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit der kommenden zehn Jahre stellen. In einem Beitrag auf unserem Blog hat sich unsere Referentin Lara Fedorchenko das neue Programm näher angeschaut.

  Zum Blogbeitrag

Uns ist nicht egal, was in anderen Teilen der Welt passiert! Bis zur Bundestagswahl am 26. September zeigen wir in den sozialen Medien, was uns #weltweitwichtig ist. Machen Sie mit und informieren Sie sich über alle Aktivitäten und Inhalte auf

  www.weltweitwichtig.de
 

Spitzenpolitiker_innen diskutieren, was #weltweitwichtig ist

 

Unter dem Motto „Was ist #weltweitwichtig?" diskutierten wir mit Spitzenpolitiker_innen über (un-)faire Handelspraktiken, Rüstungsexporte und die Pläne ihrer Parteien zum Klimaschutz. Mit dabei waren Saskia Esken (SPD), Hermann Gröhe (CDU), Dr. Robert Habeck (Die Grünen), Susanne Hennig-Wellsow (Die Linke) und Alexander Graf Lambsdorff (FDP). Eine Aufzeichnung der Diskussion mit Gebärdensprache finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

  Zu YouTube

Zivile Seenotrettung: Shrinking Space im Schatten der Pandemie

 

Von David Starke und Jana Ciernioch

 

Seit 2015 füllen zivile Seenotrettungsorganisationen im zentralen Mittelmeer die durch das Fehlen staatlicher Seenotrettung der EU-Staaten entstandene Lücke. Auf unserem Blog kritisieren Jana Ciernioch und David Starke von SOS MEDITERRANNEE Deutschland die im Schatten der Corona-Pandemie zunehmenden Einschränkungen für zivile Rettungsschiffe und lebenswichtige humanitäre Hilfeleistungen.

  Zum Blogbeitrag

Auf ein Menschenrecht sollte niemand warten müssen — WASH ist #weltweitwichtig

 

Von Thilo Panzerbieter

 

WASH ist #weltweitwichtig. Warum? Weil Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) unverzichtbar sind für das menschliche Überleben und die gesunde Entwicklung – für alle Menschen und überall. Entsprechend seiner großen Bedeutung muss WASH von der Bundesregierung politisch gestärkt werden, erklärt Thilo Panzerbieter, Sprecher des WASH-Netzwerks, auf unserem Blog.

  Zum Blogbeitrag
20.07.2021, Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie, online
  Project Coordination & Skills of a High-Profile Coordinator
 

Every project has its target: a time bound activity undertaken to create a specific product, service or result. It is unique with specific goals and objectives which have to be realised on-time, within the given budget. Planning the result of a project right at the initiation and working towards achieving the same will certainly ensure that resources are put to optimum use and beneficiaries receive the results that are committed to them within the project.

  Zur Veranstaltung
28.07.2021, Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie, online
  Resource Mobilisation During COVID Times
 

Obtaining funding is one of the biggest challenges that most NGOs face worldwide. This workshop will introduce you to the nuances of fundraising. We will explore ways through which small and medium NGOs can raise resources to supplement the grants or take up independent programmes on behalf of the community.

  Zur Veranstaltung
03.09.2021, W. P. Schmitz-Stiftung, Hamburg   Was ist ein gutes Auslandsprojekt?
 

Im Seminar werden Methoden und Instrumente der Projektentwicklung und -begleitung vorgestellt und praktisch eingeübt. Wir gehen auch der Frage nach, wie Erfolge im Projekt über sogenannte Indikatoren nachgewiesen werden können. Darüber hinaus geben wir Hinweise zu Fördermöglichkeiten für Auslandsprojekte aus dem Titel Private Träger des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

  Zur Veranstaltung

Save the Children sucht eine Schichtbetreuung (m/w/d) im Bereich Telemarketing/Telefundraising in Berlin.

 

Oxfam sucht eine_n (Roving) Grants and Compliance Advisor (w/m/d) in Berlin.

 

Medico International sucht eine_n Mitarbeiter_in für den Bereich Nothilfe.

 

MISEREOR sucht eine_n Abteilungsleiter_in Organisation (m/w/d) in Aachen.

 

Die Johanniter suchen eine_n Projektcontroller_in Auslandshilfe (w/m/d).

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sekretariat@venro.org

www.venro.org

Tel.: 030 2639299-10

 

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Stresemannstraße 72

10963 Berlin

 

Redaktion: Janna Völker

Fotos: MintBlanc/Shutterstock; Jörg Farys;  Visual Facilitators/Björn Pertoft; Anthony Jean/SOS MEDITERRANEE

© 2021 VENRO

   

EWIK Newsletter Juli/August: Krieg und Gewalt

8. Juli 2021 - 12:39

Newsletter Eine Welt Internet Konferenz

Der Infodienst des Portals Globales Lernen

Ausgabe Juli/August 2021: Krieg und Gewalt

Liebe Leser*innen,

kurz vor der Bundestagswahl geht es einmal mehr darum, ob Deutschland auch in den kommenden vier Jahren die Militärausgaben weiter steigert oder stattdessen die zivile Konfliktbearbeitung stärkt.

„Vorrang für Zivil" – das sollte bereits in der (friedens-)politischen Bildungsarbeit an Schulen gelten. Doch mit großem finanziellen Aufwand wirbt die Bundeswehr seit einigen Jahren um Nachwuchs für die Truppe. Regelmäßig besuchen Jugendoffiziere der Bundeswehr Schulen und informieren Schüler*innen über ihre Arbeit. Abkommen der Bundeswehr mit einzelnen Landesregierungen räumen der Bundeswehr weitreichende Möglichkeiten im Bereich der politischen Bildung sowie bei der Aus- und Weiterbildung (angehender) Lehrer*innen ein.

Explizite „Werbung" für ihre Tätigkeiten darf die Bundeswehr im schulischen Kontext nicht machen. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Information und Werbung? „Wenn ich Offiziere vor eine Klasse schicke, dann ist da zwar die Intention der Information da, aber wir haben ja auch eine Wirkung, und diese Wirkung ist dann eben doch Werbung", sagt auch der Berliner Sozialdemokrat Timo Schramm, der selbst vier Jahre Zeitsoldat war.

Aus friedenspädagogischer Sicht ist es dringend erforderlich, dem Alternativen entgegenzusetzen und zivile Formen der Konfliktlösung in die Schulen einzubringen. Während die Jugendoffiziere aus einer Sicherheitslogik heraus Konfliktlösungsmöglichkeiten erklären – es geht um Selbstschutz vor „den anderen", Aufrüstung und notfalls Gewalt –, vermittelt die Friedensbildung, dass Frieden nur miteinander möglich ist. Das erfahren die Schüler*innen durch die Beschäftigung mit Friedensprojekten oder Beispiele von Gleichaltrigen, die sich in Konfliktregionen für ein friedliches Miteinander einsetzen. Nicht zuletzt lernen sie so von ihren Altersgenoss*innen aus dem Globalen Süden, wie sie Konflikte und Vorurteile auch in ihrem eigenen (Schul-)Alltag überwinden können.

Indem sie das aktive Engagement der Schüler*innen für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Teilhabe fördert, leistet die Friedensbildung auch einen Beitrag zu globaler Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Denn eine gerechte und ökologisch nachhaltige Welt entsteht nur dann, wenn wir die Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander schaffen.

Umgekehrt sind soziale und ökologische Nachhaltigkeit Voraussetzung für eine dauerhaft friedliche Welt. Was hat der Klimawandel mit Konflikten zu tun? Wie tragen Waffenexporte und unser Konsumverhalten zur Entstehung von Fluchtursachen bei? Über diese Zusammenhänge klärt die Friedensbildung auf und vermittelt – in Anlehnung an das Konzept des positiven Friedens – Handlungsoptionen, wie jede*r Einzelne sich für eine zukunftsfähige Welt einsetzen kann. Dabei betrachten die Schüler*innen aktuelle gesellschaftliche Themen – z.B. Flucht und Migration – aus der Friedensperspektive und nehmen auch die eigene Rolle kritisch in den Blick. Zugleich kommen im Sinne der Friedenslogik auch Menschen aus dem Globalen Süden zu Wort, über die sonst häufig nur geredet wird. So erleben die Schüler*innen hautnah, dass echter Frieden nur gemeinsam und unter Berücksichtigung aller Interessen erreicht wird.

Dieser Newsletter stellt Friedensbildungsmaterialien für den Unterricht vor, informiert über Veranstaltungen und bietet anlässlich des Weltfriedenstages am 21. September Hintergründe zum Thema Frieden.

Wir wünschen eine spannende und informative Lektüre!

Christine Lieser und Claudia Osthues
Referent*innen für Friedensläufe und friedenspolitische Bildung beim forumZFD

EWIK-Kooperationspartner
Aktuelles
Educ'ARTE - digitale Schulmediathek des Senders ARTE

Als zeitsparendes, qualitativ hochwertiges und zuverlässiges Tool unterstützt Educ'ARTE, die digitale Schulmediathek des Senders ARTE, Lehrkräfte bei der Umsetzung des Präsenz- und Fernunterrichts! Educ'ARTE bietet einen Katalog von über 1400 mehrsprachigen Videos für alle Fächer und Klassenstufen. Die vielfältigen Inhalte ermöglichen Schülerinnen und Schülern eine fundierte, kritische und perspektivreiche Auseinandersetzung mit aktuellen Themen wie Nachhaltige Entwicklung. Doch Educ'ARTE bietet noch mehr: Mithilfe der pädagogischen Begleitmaterialien und der interaktiven Funktionen (Videoausschnitte und Mind-Maps erstellen, Bild-, Audio- und Textkommentare hinzufügen, Untertitel und Texttranskriptionen einblenden) kann der Unterricht interaktiv und fächerübergreifend gestaltet werden. Abonnierte Schulen haben außerdem die Möglichkeit, an pädagogischen Projekten teilzunehmen. Mit einem Klick auf der Website können Interessierte die Schulmediathek einen Monat lang kostenlos testen. F.A.Z.-Schulprojekt zur Bundestagswahl 2021

Der Schulwettbewerb zum politischen Wettbewerb: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ruft gemeinsam mit dem Partner Google News Initiative Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen 1 und 2 dazu auf, sich am Beispiel der Bundestagswahl mit dem Thema „Politik" auseinanderzusetzen.

Praxisbuch „Zukunftsesser: Klimafreundliche Ernährung im Unterricht und Schulalltag"

Anregungen, Hintergrundinformationen und passende Materialien zur Vermittlung des Themas „Klimafreundliche Ernährung" bietet das neue Praxisbuch „Zukunftsesser" der Verbraucherzentrale NRW. Es wendet sich an Lehrkräfte von weiterführenden Schulen sowie an Multiplikator*innen aus dem Ernährungsbereich. Neben ausführlichen Planungshilfen und Anleitungen beinhaltet das Praxisbuch alle nötigen Materialien zur Umsetzung einer Unterrichtseinheit für die 7. bis 10. Klassen sowie von Aktionen in der Schule für alle Jahrgänge von der 5. Klasse bis zur Oberstufe („Zukunftsesser in Aktion").

Handreichung „Globital? Globales Lernen Digital"

ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V. hat einen Leitfaden für die Umsetzung von Themen des Globalen Lernens in digitale Formate entwickelt. Seminare, Schulungen, Workshops, Fort- und Weiterbildung, Kurse und vieles mehr werden seit mehr als einem Jahr ausgesetzt oder zunächst provisorisch in Online-Angeboten weitergeführt. Dieser umfangreiche und praxisbezogene Leitfaden stellt sowohl allgemeine Tools der Zusammenarbeit und der Visualisierung für die Bildungsarbeit vor und bezieht auch Social Media-Anwendungen und Möglichkeiten der digitalen Begegnung in seine Betrachtungen ein.

BNE für morgen: Junge Ideen für die entwicklungs- und umweltpolitische Vereinsarbeit 

In Kooperation mit lokalen Vereinen im Großraum Esslingen/Stuttgart erarbeiteten Studierende der Sozialen Arbeit seit Sommer 2020 Projekte zu entwicklungs- und umweltpolitischen Themen und lieferten damit neue Impulse für die Vereinsarbeit. Begleitet und unterstützt wurden die beiden Akteursgruppen durch das von finep koordinierte (Drittmittel-)Projekt „BNE für morgen", das in ein Studienprojekt der Hochschule Esslingen eingebettet war. Dabei sind Projekte wie eine Schnitzeljagd zu nachhaltigem Konsum, Unterrichtsmaterial, eine Ausstellung sowie eine Kleidergirlande zu Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie entstanden.

11. KMK/BMZ-Fachtagung zum Orientierungsrahmen

An der 11. Orientierungsrahmen-Fachtagung im November 2020 nahmen rund 200 Fachleute aus Ministerien, Wissenschaft, Lehrkräftebildung, Schulen und Zivilgesellschaft sowie Schülerinnen und Schüler teil. In Fachvorträgen, Diskussionen, Workshops und „Open Spaces", in denen die Teilnehmenden selbst die Themen setzten und moderierten, wurde der Umsetzungsprozess des Orientierungsrahmens facettenreich vorgestellt und diskutiert. Die beiden Tagungsschwerpunkte lagen auf dem Umgang mit Komplexität und Unsicherheit sowie auf der Erweiterung des Orientierungsrahmens auf die gymnasiale Oberstufe. Die Dokumentation sowie Videomitschnitte ausgewählter Vorträge sind nun verfügbar.

Gerechtigkeit für alle? Weltweit? Unterrichtszugänge für die Fächergruppe Religion, Ethik und Philosophie (Klasse 9/10)

Diese Unterrichtseinheit für die Klassen 9/10 will in den Fächern Philosophie, Ethik und Religion das Stichwort „Gerechtigkeit" aufgreifen und zum Ausgangspunkt ganz unterschiedlicher Lernbemühungen und Denkwege machen - besonders auch Im Kontext einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung". Die Unterrichtseinheit will ermöglichen, mit diesem zentralen Begriff ein Stück differenzierter und „durchdachter" umzugehen: Zunächst nicht ganz bewusste Voreinstellungen durchdenken, Akzentsetzungen und Perspektiven anderer zur Kenntnis nehmen, neue Möglichkeiten erschließen.

Buch „Der strebende Geist: Der Arzt und Dichter Noah K. Ndosi aus Tanzania"

Noah Ndosi ist ein Arzt und Dichter aus Tanzania. Er schildert seine Kindheit, Jugend und Schulzeit, berichtet von den Erzählungen seiner Großmutter und leistet damit seinen Beitrag zum Erhalt dieser Erinnerungen, die sonst im Dunkeln versinken würden. Das Buch enthält auch eine ganze Anzahl von Kommentierungen politischer Ereignisse weltweit. Ein Schwerpunkt sind die vielfältigen Sorgen, die sich Ndosi macht, wenn es um die Umwelt und den menschlichen Zusammenhalt geht. Die zweite Hälfte des Buches bildet in drei verschiedenen Sprachen eine große Zahl von Gedichten ab, die sich allesamt mit seinem Hauptthema befassen, nämlich den Schilderungen des frühen Dorflebens, der Deformation der Umwelt und des menschlichen Miteinanders. Zum Schwerpunkt: Bildungsmaterialien
peace brigades international – 40 Jahre im Einsatz für die Menschenrechte mit internationalen Partnerinnen und Partnern

Seit nunmehr 40 Jahren ist peace brigades international (pbi) weltweit im Einsatz für die Menschenrechte. Als von der UN anerkannte Friedens- und Menschenrechtsorganisation engagiert sich pbi seit 1981 erfolgreich für den Schutz von Aktivistinnen und Aktivisten und ihren Gemeinschaften. Mit besonderem Fokus auf die gewaltfreie Konfliktbearbeitung ist pbi derzeit in Mexiko, Guatemala, Honduras, Costa Rica (Nicaragua), Kolumbien, Kenia, Indonesien und Nepal aktiv. Mit einem breiten Bildungsangebot für Schulen zu den Themen Menschenrechte, Frieden, Zivile Konfliktbearbeitung und Nachhaltige Entwicklung tritt pbi auch hierzulande für den Schutz der Menschenrechte und für eine Kultur des friedlichen Miteinanders ein.
„Es lebe der Frieden!" – KITA-Bildungsmaterial

Das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger' bündelt in dieser Ausgabe von „Kita – in Deutschland und weltweit" pädagogische Gedanken zu dem Thema Frieden und Geborgenheit. Denn auch in der heutigen Kita-Landschaft begegnen sich viele verschiedene Kulturen und Religionen, für die ein friedlicher Umgang miteinander entscheidend ist. Mit Tipps und Anregungen für den Morgenkreis, Spiel- und Basteltipps, Liedern, Rollenspielen sowie einer Phantasiereise zur Arche Noah lernen die Kinder Erkennen, Bewerten und Handeln rund um das Thema Frieden. Dieses Bildungsmaterial richtet sich vor allem an Kita-Leitungen, Erzieherinnen und Erzieher. „Damit es nicht gleich kracht!" – Unterrichtsmaterialien und Wettbewerb zum Thema Frieden und Gerechtigkeit

In diesem von MISEREOR und dem Auer-Schulbuchverlag realisierten Unterrichtsmaterial werden unterschiedliche Aspekte von Frieden und Gerechtigkeit anhand von elf Länderbeispielen aus Afrika, Asien und Lateinamerika näher beleuchtet. Abwechslungsreiche Texte und Arbeitsblätter bieten spannende Einblicke: ob Rohstoffe im Kongo oder der lange Weg zum Frieden in Kolumbien. Das Material eignet sich für den gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht in den Klassen 8-13. Kunst gegen Gewalt. Didaktisches Material zum Thema Friedenserziehung in Kolumbien

Jahrzehntelang gab es Krieg in Kolumbien. Das merkt man besonders in der Hauptstadt Medellín. Viele der drei Millionen Menschen wurden mit Gewalt aus ihren Dörfern vertrieben. Die Stadt selbst war stark umkämpft. Sie galt als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Obwohl es mittlerweile ruhiger ist, gehören Gewalt und Drogenkriminalität besonders in den armen Vierteln immer noch zum Alltag. In dem Bildungsmaterial von Brot für die Welt geht es um Gewalt und die Folgen für Kinder sowie ein Projekt, das mit Kunst-Workshops und Betreuung den Kindern die Chance gibt, ein neues Selbstwertgefühl aufzubauen und herauszufinden, was sie richtig gut können und was sie wollen.
Frieden durch Freundschaft

Anhand altersgerechter und didaktisch aufbereiteter Inhalte und Methoden lernen Schüler*innen im Unterricht, Ursachen und Hintergründe von Gewalt in Konfliktregionen zu verstehen und einzuordnen. Sie verstehen besser, wie Konflikte entstehen, warum sie zu Gewalt führen und welche Schritte notwendig sind, um Frieden zu erreichen. Die Arbeitsblätter gibt es als Klassensatz in drei Varianten für die Klassen 1-4, 5-7 oder 8-10 (Format DIN A 4, 45 min. Arbeitszeit). Die Lehrkraft erhält zusätzlich ein Impulsblatt (1 DIN A4 Seite) mit didaktisch-methodischen Hinweisen, Erläuterungen und Vertiefungsfragen.

Kinder und Jugendliche für Frieden und Verständigung: Frieden lernen am Beispiel des Nahostkonflikts

Seit 1999 arbeitet das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in Israel & Palästina für den Frieden. Mit diesem Heft lädt forumZFD Lehrkräfte ein, mehr über Friedensarbeit in dieser Region zu lernen. Ganz besonders richtet sich dieses Heft an alle Schulen, die an einem der Friedensläufe zur Unterstützung des forumZFD teilnehmen. Begleitend zu dem sportlichen Einsatz vermittelt das Unterrichtsheft Kindern und Jugendlichen in vier Unterrichtseinheiten einen Einblick in die Lebenswirklichkeit arabischer und jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Jerusalem und Haifa. Gendergerechtigkeit und sexualisierte Gewalt. Unterrichtsmaterial für Sekundarstufe I und II

 In diesem Arbeitsmaterial von GEMEINSAM FÜR AFRIKA werden die Begriffe Gender und sexualisierte Gewalt näher erläutert.  Die Aufgaben und Fragen geben Anstoß zum Perspektivwechsel und zur Reflexion sozialer Geschlechter in unserer Gesellschaft. Zudem werden potentielle Handlungsperspektiven und der Kampf für mehr Geschlechtergerechtigkeit angesprochen.
Auch das Bild von Mädchen und Frauen in afrikanischen Ländern und afrikanischer Feminismus werden thematisiert.
Zum Schwerpunkt: Multimediales

Online-Spiel: „This war of mine" – Sensibilisierung zu Bürgerkriegsthemen

In dem Spiel „This War of Mine" wird eine Gruppe von Zivilpersonen im Rahmen eines Bürgerkriegsszenarios gesteuert. Durch die permanente Krisensituation erfordert es eine Fülle an moralischen Entscheidungen, um das Überleben der Charaktere zu sichern. Das Spiel wurde von allen Beteiligten als sehr ansprechend und eindringlich empfunden, zudem ermöglicht es mit einer relativ einfachen Steuerung einen schnellen Einstieg. Auch wenn nur eine Person steuert, fesselt das düstere Szenario eine ganze Gruppe und bietet immer wieder Anlass zu Diskussionen und Reflexion.

Jetzt mal ganz friedlich: Zuhören, wie Frieden gemacht wird. Ein Podcast des Zivilen Friedensdienstes

Krieg vom Zaun brechen geht einfach. Aber wie macht man eigentlich Frieden? Jule Koch und Sebastian Niesar sprechen mit Kolleginnen und Kollegen, die das versuchen. Im Podcast „Jetzt mal ganz friedlich" geben sie Einblicke in die Lebensrealitäten in Krisenregionen und erzählen Geschichten aus der internationalen Friedensarbeit.

#StopViolence – Ein Graffiti-Stop-Motion-Film

„Stop Violence" ist ein Kurzfilm, den engagierte Jugendliche entwickelt und umgesetzt haben. Der Film ruft gegen verschiedene Formen von Gewalt auf. Produziert ist er als "Stop Motion Film": hierbei werden Fotos von Wandgemälden, Graffiti und Menschen zu einem Film zusammengeschnitten. Absolut sehenswert und auch im Unterricht einsetzbar.

Online-Hub des ZFD: Frieden verbessert das Klima

Der Online-Hub „Frieden verbessert das Klima" des Zivilen Friedensdiensts (ZFD) wirft Licht auf die Verbindung zwischen Klimakrise und Frieden. Er beleuchtet sukzessive die Rolle ziviler Konfliktbearbeitung bei der Bewältigung der Klimakrise mit Beispielen aus dem ZFD und ermöglicht durch zahlreiche Info-Tipps eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Beiträge aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft runden das Angebot ab.

Film mit Begleitheft: Willi im Libanon

Reporter Willi Weitzel ist für die Sternsinger im Libanon unterwegs. Dort erfährt er von Kindern vor Ort wie sie mit Menschen verschiedener Kulturen aufwachsen und was sich eine Familie, die vor dem syrischen Bürgerkrieg geflüchtet ist, besonders wünscht. Ein Begleitheft mit Erzählungen aus dem Alltag der Kinder, Tipps zum Streitschlichten und ein Würfelspiel ergänzt den Film.

Zum Schwerpunkt: Aktionen, Angebote, Fortbildungen
Friedenstag an der Schule

Ein Tag im Zeichen des Friedens – das ist die Idee der Friedens-Projekttage des Forums Ziviler Friedensdienst e.V. - forumZFD. Die Friedenstage sind ein kostenloses Angebot des forumZFD für Schulen. Sie fördern das friedliche Miteinander in unserer Gesellschaft und im Schulalltag. Ein Friedenstag kombiniert Sport, Workshops und gesellschaftliches Engagement für Friedensprojekte in Konfliktregionen.

Ausstellung „Frieden geht anders!"

Mit der Ausstellung „Frieden geht anders!" des Zentrum Oekumene wird anhand von neun konkreten Konflikten aufgezeigt, wie mit unter­­schied­lichen gewaltfreien Methoden Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen verhindert oder beendet werden konnten. Die Beispiele stammen aus unterschiedlichen Weltregionen, doch die angewendeten Methoden sind grundsätzlich überall einsetzbar.

Aktion Rote Hand

In der Aktion Rote Hand haben Schulklassen die Möglichkeit, gegen den Einsatz von Kindern in Kriegen zu protestieren. Sie beschäftigen sich im Unterricht mit Gewalt, die diese Kinder erleiden und ausüben und können zu einer eigenen Position diesbezüglich kommen. Sie können sich mit Fingerfarbe die Hände rot bemalen, sie auf ein Blatt Papier drücken und ihre Botschaft an die Politik darauf schreiben. Politikerinnen und Politiker werden in die Schule eingeladen und erhalten von den Jugendlichen zusammen mit den roten Händen den Auftrag, sich für die Kindersoldaten einzusetzen.
Zum Schwerpunkt: Hintergrundinformationen
Dossier „Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen in Zentralamerika"

Menschenrechtsverteidiger*innen werden weltweit bedroht und verfolgt, stigmatisiert und diffamiert, zu Unrecht angezeigt, verhaftet, verletzt oder gar ermordet. Einige verschwinden spurlos. Auch in Zentralamerika zeigt sich dieses Phänomen immer häufiger. Das 60-seitige Dossier „Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen in Zentralamerika", herausgegeben vom Runden Tisch Zentralamerika, soll dieses Unrecht sichtbarer machen und dazu beitragen, die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen zu beenden. Dafür werden Handlungsempfehlungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene gegeben. Die Christliche Initiative Romero (CIR) hat als Teil der Redaktionsgruppe das Dossier mitgestaltet und ist als Mitglied des Runden Tisches Zentralamerika Mitherausgeberin.

Gerechtigkeit schafft Frieden - Friedensdossier von Misereor

Frieden ist für Misereor ein Schwerpunktthema, da Frieden und Entwicklung eng miteinander verbunden sind. Dieser Fokus zeigt sich sowohl in der weltweiten Unterstützung von Partnerorganisationen als auch in der Inlandsarbeit. Auf einer Schwerpunktseite zum Thema sind neben einführenden Informationen und weiterführenden Links auch thematische Publikationen zu finden.

Dossier: Frieden fördern

Wie kann friedliches Verhalten von klein auf gefördert werden? Und wie kann man Kindern die Themen Krieg und Frieden vermitteln? Diese und andere Fragen greift das Themendossier „Frieden fördern" des Kindermissionswerks ,Die Sternsinger' auf.
Beiträge von Fachleuten, Projektpartnern, Kindern und Jugendlichen beschreiben, was Frieden gefährdet, und zeigen Wege für ein friedlicheres Miteinander auf.

Europa kann mehr! Friedensgutachten 2021

„Europa kann mehr!" Das fordern die vier führenden deutschen Friedensforschungsinstitute Bonn International Center for Conversion (BICC), Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) in ihrem aktuellen Friedensgutachten. So muss die EU etwa im Verhältnis zum Globalen Süden neue Akzente setzen: Sie kann dazu beitragen, Impfstoffe gerecht zu verteilen, die sozioökonomischen Kosten der Pandemie abzumildern und die Armuts- und Ernährungspolitik neu zu justieren.

Aus unseren Fokusrubriken
Das Portal Globales Lernen setzt mit seiner Rubrik „Im Fokus" thematische Schwerpunkte, um aktuelle Themen des Globalen Lernens und der Bildung für nachhaltige Entwicklung ausführlicher behandeln zu können.

Diese Schwerpunkte sind aktuell:

Fridays for Future
Digitalisierung und Globales Lernen
Weniger ist mehr / Degrowth
Sustainable Development Goals (SDG)
Flucht und Asyl
Abfall und Müllexporte weltweit
Lebensmittelverschwendung

Im Folgenden präsentieren wir Ihnen aktuelle Meldungen aus diesen Rubriken.


Podcast Richtig & Falsch - Folge 4: Generation Klimakrise

In der 4. Folge von Richtig & Falsch, dem Podcast zu Politischer Bildung für alle Lehrkräfte, geht es um ein alles entscheidendes Thema: Die Klimakrise. Was ist in Sachen Klimakrise die Aufgabe der Schule und was nicht? Wie kann die Fridays For Future Bewegung in Politischer Bildung begleitet und sogar für Politische Bildung genutzt werden? Und - wie können Schülerinnen und Schüler auf ein Leben in der Klimakrise vorbereitet, aber nicht entmutigt werden?

Projekt digital bewegt

Digitale Technik durchdringt immer mehr Bereiche unseres Lebens und der Gesellschaft. Ihre Auswirkungen sind komplex: So hat digitale Technik nicht nur einen immensen ökologischen Fußabdruck, sondern verändert auch unsere Kommunikation, unsere Arbeit, verschiebt Machtverhältnisse oder beeinflusst unsere Möglichkeiten demokratischer Teilhabe. Da digitale Technik über mehrere Dimensionen hinweg wirkt, arbeitet der Verein Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. zu verschiedenen Schwerpunkten. In den drei Bereichen Mobilität, Logistik und Kommunikation werden in unterschiedlichen Formaten Expert*innen mit verschiedenen Perspektiven auf den jeweiligen Bereich zusammengebracht.

"Zugriff verweigert - Digitalisierung global gerecht gestalten" - BREBIT 2021

Unter dem Motto "Zugriff verweigert - Digitalisierung global gerecht gestalten" geht die BREBIT 2021 in ihr 18. Jahr. Die Bildungstage finden vom 16. August bis 3. Dezember 2021 in ganz Brandenburg statt und greifen das Vorjahresthema Digitalisierung und globale Gerechtigkeit nochmals unter anderen Blickwinkeln auf. Der BREBIT-Angebotskatalog ist nun erschienen, die passenden Aktionen und Projekttage können ab sofort online gebucht werden.

"Welt gerecht gestalten lernen" - Didaktische Poster zu den SDGs

Auf den didaktischen Postern "Welt gerecht gestalten lernen" in blauer oder weißer Farbe (in DIN A1) befindet sich eine Übersicht der 17 Globalen Nachhaltigkeitsziele und ihrer wichtigsten Inhalte. Darüber hinaus hat EPiZ e.V. zu jedem Ziel Themen ausgewählt, die Impulse für den Transfer der Ziele in die Bildungspraxis geben. Die Poster werden gegen eine geringe Spende kostenfrei abgegeben.

Kitaprojekt „Bis auf den letzten Krümel"

Mit seinem Bildungsprojekt „Bis auf den letzten Krümel" gibt der gemeinnützige Verein RESTLOS GLÜCKLICH Erzieher*innen Werkzeug und Wissen an die Hand, um mit ihrer Vorschulgruppe spielerisch den Wert von Lebensmitteln zu erforschen. Im Fokus des 7-wöchigen Bildungsprojekts steht das eigenständige Erforschen und Erleben. Workshops und Exkursionen liefern einen lebendigen Zugang zu den Themen – die Kinder bauen unter anderem ein Kompostglas, „retten" Lebensmittel oder bereiten gesunde Snacks zu. Zusammen mit vielseitigen, kreativen Bildungsmaterialien erlangen die Kinder somit spielerisch Wissen über Lebensmittelproduktion, -verschwendung und Abfallvermeidung.

KITA – in Deutschland und weltweit: Die Umwelt im Blick

Diese Ausgabe von „KITA – in Deutschland und weltweit" vom Kindermissionswerk Die Sternsinger e.V. möchte dazu einladen, sich spielerisch mit Umweltschutz in Form von Mülltrennung, Nachhaltigkeit und Upcycling auseinanderzusetzen. Die Ausgabe bietet verschiedene Bausteine an, um Vorschulkindern ökologisch sinnvolles Verhalten zu vermitteln und die Verantwortung für die Schöpfung von klein auf zu stärken.

Neues vom Blog EineWeltBlaBla


EineWeltBlaBla im Juni 2021

Sei ein Changemaker oder wie die Frauen Ruandas und beteilige dich in Skateistan am Schulwettbewerb zur Bundestagswahl, um dich für kreative Ideen gegen Müll und für internationale Lieferkettengesetze stark zu machen! 

Dieser Aufruf könnte dabei rauskommen, wenn jemand versuchen würde, aus den Blogbeiträgen im Juni eine Wahlwerbung zu schalten.
Unsere Redaktion hat sich in diesem Monat viel mit den Rechten von Mädchen und Frauen beschäftigt und dabei über Skateistan und Frauen in Ruanda berichtet. Außerdem haben wir uns angeschaut, welche kreativen Ideen Südafrika gegen die Müllverschmutzung hat und – wo wir schon bei Kreativität sind – auf den Schulwettbewerb der F.A.Z. zur Bundestagswahl aufmerksam gemacht. Wir haben uns über einen Gastbeitrag von Masifunde gefreut und über den BUKO39 berichtet. Wie genau die Situation in Bangladeschs Textilproduktion aussieht und warum wir endlich internationale Lieferkettengesetze brauchen, haben wir in einem der letzten Beiträge im Juni berichtet. Das alles lest ihr auf dem Blog!

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Neues aus den Datenbanken
Datenbank Eine Welt Medien – Filmtipps zum Thema Krieg und Gewalt (SDG 16)

Von Kriegen, Bürgerkriegen und asymmetrischen Konflikten sind Kinder am meisten betroffen. Die Datenbank Eine Welt Medien hat zum Schwerpunkt dieses Newsletters eine Empfehlungsliste mit Filmen zusammengestellt. So beleuchten einige Filme das Schicksal von Kindersoldatinnen und -soldaten, andere zeigen das Leben von Frauen als Kriegsopfer, wieder andere schildern das Leben in Flüchtlingslagern. Alle Filme werden jeweils mit ausführlicher Beschreibung, Altersempfehlung und Verleihstellen aufgeführt.
Datenbank Eine Welt Unterrichtsmaterialien

In der Datenbank Eine Welt Unterrichtsmaterialien können sich Lehrkräfte und Interessierte über das aktuell verfügbare Angebot an didaktischen Printmaterialien zur Einen Welt informieren. Die Datenbank bietet die Möglichkeit, über eine umfassende Suchmaske gezielt nach Publikationen zu suchen. Eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen finden Sie hier.
Veranstaltungen
Seminar für Multiplikator*innen: Machtkritische Bildungsarbeit zur Digitalisierung
10.07.2021 - 11.07.2021 in Münster Nachhaltigkeit in Schulpartnerschaften? – Mehrfach Machbar!
15.07.2021 online Learn@Lunch: 17 Ziele kreativ und sichtbar - Wie gelingt die Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen?
22.07.2021 online Basismodul: Grundlagen der Erd-Charta (Bildungs-)Arbeit - Multiplikator*innenausbildung für den Großen Wandel
23.07.2021 - 25.07.2021 in Warburg-Germete Wege zu einer anderen Ökonomie
30.07.2021 - 31.07.2021 in Bad Boll Seminar für Multiplikator*innen: Machtkritische Bildungsarbeit zur Digitalisierung
14.08.2021 - 15.08.2021 in Köln Bildungsurlaub: Die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDG) – global denken, lokal handeln
16.08.2021 - 20.08.2021 in Leck BNE-Sommerakademie 2021
23.08.2021 - 25.08.2021 in Leibnitz Fortbildung: Bio-Anbau im Unterricht – das Planspiel „50 Percent?!"
02.09.2021 in Berlin
Studientagung Digitale Agenda 2030
02.09.2021 - 03.09.2021 in Münster
Schulungsreihe FairCademy: Mode und Menschenrechte
03.09.2021 - 05.09.2021 in Crimmitschau Workshop: Klimawandel - Ein Blick auf sozial-ökonomische Ungleichheiten, Macht und transformative Lösungsansätze
03.09.2021 online
Fit für Globales Lernen in der Beruflichen Bildung - Lebensmittel global
03.09.2021 online Fit für Globales Lernen in der Beruflichen Bildung - IT, Elektrotechnik, Anlagenmechanik global
04.09.2021 online
Chic aber schmutzig: Globale Wertschöpfung und soziale Kämpfe in der Bekleidungsindustrie
05.09.2021 - 10.09.2021 in Hattingen Werkstatt Globales Lernen für angehende und erfahrene Lehrkräfte der beruflichen Bildung
10.09.2021 - 12.09.2021 in Trebnitz Vorschau Ausgabe September 2021: 
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Demokratische Teilhabe und Pressefreiheit

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Publikationen der Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd
Print-Rundbrief  –  Juni 2021 Ziel 3 der Agenda 2030:
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Dr. Kambiz Ghawami (V. i. S. d. P)

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über den


 


Bundesumweltministerium fördert Projekte im Einsatz gegen Meeresmüll

8. Juli 2021 - 12:38

Meeresmüll ist eine der weltweit größten umweltpolitischen Herausforderungen. Vor allem Plastikmüll verursacht erhebliche Umweltschäden. Zum Schutz der Meere startet das Bundesumweltministerium heute den zweiten Förderaufruf zu seinem Programm gegen Meeresmüll. Ab sofort können sich Projekte bewerben, die aktiv zu nachhaltiger Produktion, Vertrieb und Nutzung und damit zur Vermeidung des Eintrags von Abfällen in Meere beitragen. Des Weiteren können sich Projekte bewerben, die eine geordnete Abfallbewirtschaftung mit umweltgerechten Entsorgungs- und Recyclingstrukturen in Schwellen- und Entwicklungsländern sicherstellen.

Jedes Jahr werden etwa 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere eingetragen. Sie gefährden nicht nur die Meeresbewohner unmittelbar. Auch die weiteren Wirkungen auf Mensch und Umwelt sind deutlich zu spüren: Das Plastik in den Meeren gelangt in die Nahrungskette und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit der marinen Ökosysteme als Ganzes. Diesem Schaden an der Natur und den Grundlagen des menschlichen Lebens und Wirtschaftens will das Programm "Marine Debris Framework – Regional hubs around the globe" (Marine:DeFRAG) entgegenwirken.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Das Problem Meeresmüll drängt mehr denn je. Das große Interesse am ersten Aufruf des Förderprogramms zeigt deutlich den Bedarf nach Unterstützung für konkrete Maßnahmen dagegen. Aufbauend auf dem Erfolg der ersten Förderrunde wollen wir weitere Maßnahmen unterstützen, die vor allem die Vermüllung mit Plastik reduzieren. Mit diesem Förderprogramm nimmt Deutschland seine besondere Verantwortung in der Welt wahr und löst einige der Zusagen zu den G7- und G20-Aktionsplänen gegen Meeresmüll ein."

Die geförderten Projekte sollen die Entstehung von Abfällen an Land möglichst schon direkt an der Quelle vermeiden helfen. Plastikmüll soll gar nicht erst in Flüsse und Meere gelangen. Gefördert werden daher Kooperationen, die mit erprobten Lösungen mittelfristig die Menge an Plastikmüll am Beginn der Wertschöpfungskette reduzieren bzw. Abfall- und Kreislaufmanagementsysteme aufbauen. Zentrale Aspekte der Förderung sind Multiplizierbarkeit, Anschlussfähigkeit und der Fortbestand der gewählten Ansätze. Das Förderprogramm unterstützt Projekte zu Politikberatung, Kapazitätsaufbau, Technologiekooperation und Investitionen sowie zur Implementierung des jeweiligen institutionellen Rahmens. Neben Anrainerstaaten belasteter Flüsse liegt der Fokus auf küstennahen Regionen und Inselstaaten.

Das Programm richtet sich an Durchführungsorganisationen des Bundes, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaftsunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, deutsche Ableger internationaler und multilateraler Organisationen und Einrichtungen, die einen Sitz in Deutschland haben. Deutsche Antragsteller können für die Durchführung mit internationalen Partnern zusammenarbeiten. 

Im ersten Schritt des Auswahlverfahrens werden die eingereichten Projektskizzen begutachtet. Anschließend durchlaufen die ausgewählten Vorhaben ein ausführliches Antragsverfahren. Die Projektskizzen können bis spätestens 8. September 2021 bei der zuständigen Projektträgerin "Zukunft – Umwelt – Gesellschaft" (ZUG) gGmbH eingereicht werden.

Im Rahmen des ersten Förderaufrufs wurden acht Projekte mit einer Gesamtfördersumme von 32,2 Millionen Euro ausgewählt und befinden sich bereits in der Umsetzung oder in der Vorbereitung darauf.

Weitere Informationen



Südsudan - Kein Frieden und die Krise der Flüchtlingskinder

8. Juli 2021 - 12:38
UNO-Flüchtlingshilfe zu zehn Jahre Unabhängigkeit Südsudan

Bereits zwei Jahre nach der Unabhängigkeit (9. Juli 2011) flammte 2013 der Bürgerkrieg in dem jüngsten Staat der Welt, Südsudan, erneut auf. Frieden ist bis heute nicht in Sicht. Hinzu kommen Naturkatastrophen und Nahrungsmittelknappheit. Dies hat verheerende Auswirkungen insbesondere auf Frauen und Kinder, die mehr als 80 Prozent der südsudanesischen Flüchtlinge stellen und dringend Unterstützung benötigen. Fast vier Millionen Menschen - knapp ein Drittel der Bevölkerung des Südsudans - sind derzeit auf der Flucht. Der Hilfsbedarf ist jedoch nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe dramatisch unterfinanziert.

 

„Die Menschen im Südsudan brauchen zwei Dinge: Frieden und Unterstützung. Insbesondere die Kinder brauchen Hilfe, denn es droht eine verlorene Generation. Und Perspektivlosigkeit führt zwangsläufig in eine Spirale neuer Konflikte", sagt Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe.

 

Ein Großteil der südsudanesischen Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. 65 Prozent der Flüchtlinge aus dem Südsudan sind unter 18 Jahren. Darum wird die Krise in dem Land oftmals als Krise der Flüchtlingskinder bezeichnet. Über 66.000 Flüchtlingskinder sind "unbegleitet": Sie haben ihre Eltern oder Verwandten verloren oder wurden von ihnen getrennt und sind besonders auf Unterstützung angewiesen. Unterstützung, die das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) bietet und welche die UNO-Flüchtlingshilfe als nationaler Partner des UNHCR fördert: Durch Hilfsmaßnahmen konnten rund 70 Prozent der Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter die Grundschule besuchen – 2021 sollen 90 Prozent der Kinder diese Möglichkeit haben. Jedoch sind aktuell nur 16 Prozent des benötigten Budgets für die UNHCR-Hilfsmaßnahmen gedeckt. Allein 2021 werden knapp 190 Millionen Euro benötigt.

 

Südsudan als Aufnahmeland

Trotz der Herausforderungen im eigenen Land verfolgt der Südsudan eine Politik der offenen Türen gegenüber Flüchtlingen aus den Nachbarländern. Im Dezember 2020 lebten rund 314.000 Flüchtlinge im Südsudan, die meisten stammen aus dem Sudan.

 

Unterstützungsmöglichkeiten unter:

www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/suedsudan

 


Südsudan: 300.000 Kinder von schwerer Mangelernährung bedroht

8. Juli 2021 - 12:37
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Südsudan: 300.000 Kinder von schwerer Mangelernährung bedroht

UNICEF-Bericht zum zehnten Jahrestag der Staatsgründung am 9.Juli

Südsudan 2021: UNICEF-Kinderreporterin Christine (17) bei einem Außeneinsatz. | © UNICEF/UN0475185/Aldo

Köln, den 6. Juli 2021 // Zehn Jahre nach seiner Gründung erlebt der Südsudan laut UNICEF die schlimmste humanitäre Krise seit seiner Unabhängigkeit. Im jüngsten Staat der Welt benötigen derzeit 8,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe – das sind zwei Drittel der Gesamtbevölkerung. Mehr als die Hälfte davon – 4,5 Millionen – sind Kinder. 

In dem heute veröffentlichten Bericht „Respond to our Cry" („Reagiert auf unsere Hilferufe") rechnet UNICEF in diesem Jahr mit der höchsten Zahl an akut mangelernährten Kinder in dem Land seit der Staatsgründung. Im Laufe des Jahres 2021 werden schätzungsweise 1,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt sein, darunter 300.000 Kinder mit der schwersten Form. Es besteht Lebensgefahr, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Vor dem zehnten Jahrestag am 9. Juli ruft UNICEF dringend zur Hilfe für die Kinder im Südsudan auf.

„Die Welt darf den Kindern im Südsudan nicht den Rücken kehren. Wenn die Regierungen jetzt die Mittel für die humanitäre Hilfe oder die Stärkung der Strukturen im Land kürzen, wären die Folgen für Kinder unmittelbar und tiefgreifend. Sie würden ihr Leid noch einmal verschärfen und die Hoffnungen der Kinder auf eine friedliche Zukunft zerstören", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Der jüngste Staat der Welt wurde nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen am 9. Juli 2011 unabhängig. Doch Konflikte und Gewaltausbrüche gingen danach weiter. Durch das jüngste Friedensabkommen, das bisher nur teilweise umgesetzt wurde, wurden die Herausforderungen für Kinder bisher nicht gelindert. Unzureichende staatliche Strukturen, extreme Armut, soziale und ökonomische Krisen, die Folgen des Klimawandels und nun die Covid-19-Pandemie verstärken sich in ihren Auswirkungen auf die Bevölkerung. UNICEF konstatiert eine „Kinderrechte-Krise" in dem Land, in dem 2,8 Millionen Mädchen und Jungen keine Schule besuchen. Durch die Pandemie hatten in den vergangenen 14 Monaten weitere zwei Millionen Kinder keinen Unterricht. Jedes zehnte Kind im Südsudan erlebt seinen fünften Geburtstag nicht.

„In unserem Land werden Kinder nicht respektiert. Das Recht, eine Schule zu besuchen, etwas zu essen zu bekommen, geschützt zu werden und das Recht darauf, in Sicherheit zu leben – so viele Rechte, die man uns vorenthält!", sagte die 17-Jährige Christine, UNICEF-Jugend-Reporterin im Südsudan.

UNICEF und seine Partner, darunter die deutsche Bundesregierung, haben angesichts der dramatischen Ernährungsunsicherheit seit Ende 2020 die Hilfe ausgeweitet, insbesondere in den am stärksten betroffenen Bezirken. Seit Anfang des Jahres wurden beispielsweise landesweit 70.000 Kinder behandelt, die an schwerer akuter Unterernährung leiden, mit einer Heilungsrate von mehr als 95 Prozent. 

Im Jahr 2021 benötigt UNICEF für seine Hilfe im Südsudan 180 Millionen US-Dollar. Lediglich ein Drittel davon sind derzeit finanziert. Es besteht die Gefahr, dass dringend benötigte Hilfe in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Gesundheit und Kinderschutz nicht geleistet werden kann.

» Der vollständige englischsprachige Bericht steht hier zum Download zur Verfügung.

» Aktuelles Bild- und Videomaterial finden Sie hier.


Welthungerhilfe: Hungersnöte wieder auf dem Vormarsch

30. Juni 2021 - 22:27

Welthungerhilfe stellt Jahresbericht 2020 vor

Hungersnöte wieder auf dem Vormarsch: Kriege, Klimawandel und Corona führen zu herben Rückschlägen bei Hungerbekämpfung  


Bonn/Berlin, 30.06.2021.
Die Welthungerhilfe blickt bei ihrer Jahrespressekonferenz mit großer Sorge auf die Rückkehr von Hungersnöten in Krisengebieten. Nach aktuellen Prognosen der UN leben 41 Millionen Menschen weltweit am Rande einer Hungersnot und drohen zu verhungern, wenn sie keine schnelle Überlebenshilfe erhalten. Bewaffnete Konflikte, wie zum Beispiel im Norden Äthiopiens in der Krisenregion Tigray oder jahrelange Dürren wie im Süden Madagaskars haben insbesondere für die ärmsten Familien verheerende Folgen.  

„In vielen unserer Projektländer hat sich die Lage der Menschen durch die Pandemie dramatisch verschärft. Corona ist zum Hungervirus mutiert und insbesondere Frauen und Kinder leiden am stärksten unter den Folgen. Mädchen werden früher verheiratet, viele Kinder kehren nicht in die Schulen zurück, weil sie Geld verdienen müssen. Der Klimawandel gefährdet in Afrika die Existenzen der Familien. In Madagaskar waren es Dürren und in Ostafrika haben Jahrhundertfluten Ackerland und Viehherden und damit die Lebensgrundlage der Kleinbauern und -Bäuerinnen zerstört. Die Menschen haben keinerlei Reserven mehr“, warnt Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe.

Der Rückblick ins letzte Jahr zeigt aber auch, wie viel trotz aller Schwierigkeiten erreicht werden konnte. Die Hilfsbereitschaft und Solidarität der deutschen Bevölkerung war 2020 außerordentlich hoch. Die Welthungerhilfe verzeichnet eines der höchsten Spendenergebnisse in ihrer Geschichte und konnte mehr als 14 Millionen Menschen unterstützen. „Die privaten Spenden sind für uns ein wichtiger Ansporn, im Kampf gegen Hunger und Armut nicht nachzulassen. Die aktuellen Berichte aus unseren Ländern sind alarmierend. Die Nahrungsmittelpreise steigen enorm an, die wirtschaftliche Entwicklung ist durch die Lockdowns und Unterbrechung der Handelswege um Jahre zurückgeworfen und viele Familien haben sich hoch verschuldet. In vielen Ländern kämpfen die Menschen mit den Auswirkungen von verschiedenen, sich überlagernden Krisen und Hunger wird in Kriegsgebieten zunehmend als Waffe eingesetzt“, betont Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. 

Im Jahr 2020 standen der Welthungerhilfe 285,4 Millionen Euro für den Kampf gegen Hunger und Armut zur Verfügung. Die Spendeneinnahmen lagen bei 69,6 Millionen Euro. Die öffentlichen Geber stellten 213,2 Millionen Euro für die Projektarbeit bereit. Der Anteil der Bundesregierung betrug knapp 50 Prozent, der größte Einzelgeber davon war das BMZ mit 43,8 Millionen Euro. Südsudan, Sudan und Syrien / Türkei erhielten wie im letzten Jahr die höchste Projektförderung.

Zahlen, Fakten, Fotos und Graphiken gibt es in der digitalen Pressemappe unter https://welthungerhilfe.de/jahresbericht2020-presse.

 

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophehilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.

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