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Aktualisiert: vor 1 Stunde 30 Minuten

Spaß (und Ernst) mit Karten

30. Juli 2020 - 13:41

Einer meiner Professoren sagte mal: „Wenn du dein Publikum wirklich begeistern willst, brauchst du eigentlich nur eines: Eine gute Karte. Ernsthaft, jeder liebt Karten!“

Und ganz Unrecht hat er nicht. Ich stelle immer wieder fest, wie wichtig es ist, zu einem Thema nicht nur Fakten zu lesen, sondern diese auch zu verbildlichen. Und wie ginge das besser als mit Karten?!

Karten erklären uns die Welt, durch Karten beschäftigen wir uns mit globalen Themen und sie lassen uns manchmal schmunzeln. Heute stellen wir euch sechs Quellen vor, deren Karten zu Eine-Welt-Themen uns besonders gefallen, beeindrucken oder zum Lachen bringen. 

Mit offenen Karten

Einige Redakteur*innen des Fernsehsenders Arte hatten wahrscheinlich ähnliche Gedanken wie wir, als sie „Mit offenen Karten“ ins Leben riefen. Dieses geopolitische Magazin widmet sich wichtigen Fragen und Konfliktlagen der Welt, indem es dazugehörige Karten analysiert. So werden große Themen spannend und ansprechend aufgearbeitet. Mehr Videos der Reihe findet ihr auf Youtube. Besonders empfehlenswert: Ein Beitrag zur weltweiten Sandknappheit, auf dem unser Artikel vom Juni basiert.

Der Atlas der Migration

Leider nicht interaktiv, dafür informativ: Der Atlas der Migration der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Darin wird nicht nur ersichtlich, wohin Menschen aus aller Welt migrieren, sondern vor allem auch WARUM. Auch Chancen und Herausforderungen, die sich in den Zielländern ergeben, werden ausführlich thematisiert (z.B. Abschiebungen, Rechtspopulismus, aber auch der Bedarf an Zuwander*innen, Integration und die Anzahl ehrenamtlicher Helfer*innen für Geflüchtete).

Wer es gerne etwas interaktiver hat, kann hier die weltweiten Migrationsströme per Mausklick nachvollziehen (auf Englisch). Allerdings werden keine Erklärungen zu den einzelnenn  Strömen geboten.  

Die Sustainable-Development-Goals-Karte

Die meisten von uns kennen die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (die Sustainable Development Goals – SDGs) recht gut. Für diejenigen, denen dieser Begriff nichts sagt: 2015 wurde im Rahmen der Agenda 2030 ein „Fahrplan“ festgelegt, wie man weltweit menschenwürdige Bedingungen erfüllen kann, während gleichzeitig natürliche Ressourcen erhalten werden. Somit wurden die 17 Nachhaltigkeitsziele geboren. Die damit zusammenhängenden Überlegungen umfassen ökonomische, ökologische und soziale Aspekte.

Aber welche Fort- und Rückschritte sind weltweit in deren Umsetzung zu beobachten? Ausführliche Antworten darauf finden sich im Sustainable Development Report 2020 (auf Englisch verfasst). Zu jedem Land wird die Entwicklung der 17 Nachhaltigkeitsziele beleuchtet und erläutert.

Dazu kann man auch die dazugehörige  interaktive Weltkarte nutzen und sich durch die Welt klicken.

Und nun zum (teilweise) Lustigen: Das Katapult-Magazin

Das Katapult-Magazin hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, den Artikel zu verfassen, den ihr gerade (hoffentlich) eifrig lest. Ihr findet in diesem Magazin allerlei Karten zu globalen und lokalen Themen.

Wo in Deutschland gibt es Straßen, die nach Kolonialist*innen benannt sind? Wie wirkt sich Corona auf die weltweiten CO2-Emissionen aus? In welchen Ländern werden am meisten Journalist*innen verhaftet? Inwiefern reflektieren digitale Sprachassistent*innen Sexismus? Und wieviel Zeit wenden Männer und Frauen deutschlandweit für Hausarbeit auf? All diese und noch viel mehr Fragen beantwortet Katapult mit aussagekräftigen Grafiken und Karten.

Mit dabei sind auch einige witzige Karten, die beispielsweise wahre Vorurteile über die einzelnen Bundesländer aufzeigen oder — besonders beliebt — die witzigsten deutschen Ortsnamen in einer Karte vereinen. Zu den Karten gibt es immer auch ausführliche Hintergrunderklärungen der jeweiligen Themen.

Noch mehr Spaßiges (und Erstaunendes!): The true size

War euch klar, dass Australien 22x so groß ist wie Deutschland und größer als der gesamte westliche Teil Europas? Oder, dass Äthiopien fast halb so groß ist wie Grönland? Nein? Mir auch nicht. Deshalb ist The True Size so interessant. Man kann spielerisch verschiedene Länderschablonen über die ganze Welt schieben und… staunen. Hauptsächlich darüber, wie sehr unsere herkömmlichen Karten das Größenverhältnis zwischen dem Globalen Süden und Norden verzerren.

Und noch was ganz Lustiges zum Abschluss: Wilbur Sargunaraj

Ehrlich gesagt habe ich vorher noch nie von Wilbur Sargunaraj gehört. Doch er ist einer der bekanntesten Youtuber Indiens. Wofür er bekannt ist: Für ein Lied namens „A Simple Superstar“ und für seine Beiträge zum Konzept der Cultural Intelligence (kurz CQ). Cultural Intelligence definiert er als „die Fähigkeit mit Personen anderer Kulturen zusammenzuarbeiten“. Seine Beiträge sind allesamt auf Englisch verfasst.

Auf seiner Website findet ihr eine interaktive Karte, auf der ihr lustige Musik- und Videobeiträge von Wilbur zu den jeweiligen Ländern mit deren Bewohner*innen seht, aber auch Vorträge, die er dort zum Thema CQ gehalten hat. Der Gedanke dabei ist, über diese Videos die jeweilige Kultur etwas besser kennenzulernen und zu wissen, was Menschen dort beschäftigt – ohne eine gesamte Kultur zu stereotypisieren und das Bewusstsein zu behalten, dass es immer Subkulturen und Ausnahmen zu der Norm gibt.

Wir hoffen, dass euch diese kleine Auswahl an großen Karten interessiert und vielleicht sogar inspiriert hat. Kennt ihr noch mehr außergewöhnliche oder spannende Karten? Dann verratet es uns gerne in den Kommentaren und teilt sie mit der darauf abgebildeten Welt!

Das Bild stammt von Ruthie auf unsplash.com.

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Auf in die Welt: Messe für Auslandsaufenthalte und internationale Bildung

28. Juli 2020 - 14:55

Auslandsaufenthalte (können) bilden. Daher möchten wir euch auf die  Messe „Auf in die Welt“ aufmerksam machen. Sie ist für Schüleraustausch, High School, Internate, Privatschulen, Gap Year, Sprachreisen, Au Pair, Demi Pair, Freiwilligendienste, Praktika, Work & Travel, Colleges und Universitäten. Ihr seht: Es gibt viele unterschiedliche Angebote und auf der Messe könnt ihr euch gleich zu allen informieren, um zu sehen welcher Auslandsaufenthalt für euch am besten passt.

Leider weiß niemand wie es mit Corona weitergeht, das bleibt natürlich offen… Informieren kann man sich dennoch – und der Eintritt ist frei.

Beratung, Erfahrungsberichte und Vorträge

Je nachdem wann ein Auslandsaufenthalt in Frage kommt, gibt es Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten. Zum Beispiel während der Schulzeit kann man an einem Schüleraustausch teilnehmen oder ein Feriencamp besuchen. Nach der Schulzeit bieten sich Work an Travel oder Au Pair an. Eine Sprachreise kann man eigentlich immer mal machen, um vor Ort seine Kenntnisse zu vertiefen.

Dafür reicht das Geld nicht? Dann informiert euch auf der Messe auch zu Stipendien und Fördermöglichkeiten!

Ab Ende August geht es weiter

Dieses Jahr konnten schon ein paar Messen stattfinden, nach einer Pause wegen Corona geht es seit Juni weiter. Die nächste Messe findet am 22. August in Mainz statt und auch im weiteren Verlauf des Jahres gibt es welche deutschlandweit. Hier sind alle aktuellen Termine.
Berichtet uns danach gerne wie es euch gefallen hat!

Die Messe wird von der Deutschen Stiftung Völkerverständigung organisiert.

Zum Thema Reisen empfehlen wir euch auch unseren Beitrag Fernweh zu Pandemiezeiten.

Das Beitragsbild ist von Ben White auf Unsplash.

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Der Klimawandel in Bildern — Warum Foto nicht gleich Foto ist

24. Juli 2020 - 14:15

Klimawandel. Ein Wort, das bedrohlich über unserer Welt zu schweben scheint und gegen das gefühlt tausend kleine Lösungen existieren, aber keine davon auszureichen scheint. Ein Wort, zu dem uns traurige Bilder von Eisbären auf Eisschollen allein im Meer und verdorrte Felder in den Kopf kommen. Oder? Steckt nicht eigentlich noch viel mehr dahinter?

Bilder der Klimakrise

Climate Visuals, ein Projekt der europäischen NGO Climate Outreach, hat sich zum Ziel gesetzt, den Klimawandel mit realen Bildern zu zeigen. Diese sind größtenteils frei verfügbar unter Creative Commons-Recht. Dabei geht es den Fotograf*innen darum, das Thema so in den Medien darzustellen, dass sich Menschen davon angesprochen fühlen und weiter damit beschäftigen wollen.

Die Fotograf*innen und Forscher*innen von Climate Visuals warnen beispielsweise davor, zu dramatische Bilder zu verwenden. Auf dieser Webseite gibt es deshalb zu jedem Bild eine genaue Beschreibung, wer und was zu sehen ist und unter welchen Umständen das Bild aufgenommen wurde. Bilder aus verschiedenen Kategorien werden gezeigt, so zum Beispiel emotionale Bilder von Binnengeflüchteten, die aufgrund der Klimakrise ihren Heimatort verlassen mussten. Aber auch Fotos konkreter Lösungen zu Klimaproblemen, wie beispielsweise Bilder von neu gepflanzten Bäumen, Solaranlagen oder Plastikrecycling und viele mehr sind auf der Seite zu finden.

Sieben Grundprinzipien der Klimakrisen-Fotografie

Die Bilder stammen aus verschiedenen Quellen, haben aber eines gemeinsam: Sie entsprechen den sieben Grundprinzipien der Klimakrisen-Fotografie, die aus einem bisher einmaligen Forschungsprojekt in den USA, Deutschland und dem Vereinigten Königreich zur Wirkung von Klimawandelbildern abgeleitet wurden. Hier werden diese kurz erläutert, übersetzt aus diesem Dokument:

1. Zeige reale Personen, keine gestellten Szenen
Die Studie zeigte deutlich, dass Teilnehmer*innen reale Situationen den gestellten Bildern vorziehen. Letztere wurden häufig als übertrieben oder gar manipulativ wahrgenommen.

2. Erzähle neue Geschichten
Kommen wir nochmal zu dem bereits erwähnten Eisbärfoto. Natürlich reagiert der/die Ansehende darauf, jedoch hat sich gezeigt, dass „klassische“ Bilder weniger den Diskurs über das Thema fördern und leichter zu Genervtsein führen. Bilder, durch die nicht direkt ersichtlich ist, inwiefern sie konkret mit Klimawandel zu tun haben, erregen Interesse und fördern den Diskurs.

3. Zeige die Ursachen des Klimawandels in ihrem ganzen Ausmaß
Oftmals wird die Verbindung zwischen dem eigenen Verhalten und dem Klimawandel nur bedingt verstanden. Dieses Forschungsprojekt hat gezeigt, dass Menschen den Zusammenhang tendenziell besser nachvollziehen können, wenn das Gesamtausmaß klar wird, also beispielsweise eine volle Autobahn statt eines einzelnen Fahrers gezeigt wird. 

4. Klimawandelauswirkungen sind stark emotional
Bilder der Auswirkungen des Klimawandels riefen deutlich stärkere Reaktionen hervor als solche von Lösungen oder Ursachen. Sie können jedoch auch leicht emotional überfordern, weshalb eine Kombination mit den Lösungen oder Ursachen vielleicht ein guter Ansatz sein könnte.  

5. Zeige lokale (aber ernste) Klimawandelauswirkungen
Der Bezug zu einzelnen, persönlichen Situationen, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, sollte durch das Bild klar werden. Doch das Ausmaß sollte dadurch nicht vernachlässigt werden. Es ist also ähnlich wie bei Punkt 3 ein Mittelweg zwischen Einzelschicksalen und den großen Auswirkungen zu suchen.

6. Vorsicht mit Protestbildern
Dieser Punkt ist besonders interessant: Unter den Teilnehmenden wurden Protestbilder als besonders negativ wahrgenommen. Bilder „typischer, westlicher Umweltaktivist*innen“ riefen nur bei solchen Personen Interesse und Stoff für Diskussionen, die sich selbst als Umweltaktivist*innen bezeichnen. Sind jedoch protestierende Personen zu sehen, die direkt vom Klimawandel betroffen sind und meist im Globalen Süden leben, so war die Reaktion positiver.

7. Verstehe deine Zielgruppe
Natürlich hängen die Reaktionen auf die Bilder von der vorherigen Einstellung zum Klimawandel ab. Dabei wird grundsätzlich festgestellt, dass Personen aus dem politisch rechten Spektrum  skeptischer auf Themen der Klimakrise reagieren. So werden Bilder von indirekten Klimawandelauswirkungen beispielsweise von politisch rechteren Personen deutlich weniger emotional bewertet, während konkrete praktische Lösungen zum Klimawandel (z.B. Bilder von isolierten Häusern) in dieser Gruppe fast durchgehend positive Bewertungen zeigten. 

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie findet ihr hier.

Klimawandel verbildlichen, aber bitte ohne Stereotype

Spannend also, wie einzelne Bilder schon verschiedene Botschaften vermitteln! All das heißt natürlich nicht, dass man nur noch Bilder nach diesen sieben Standards auswählen sollte. Insbesondere die Tatsache, dass besonders Bilder betroffener Menschen des Globalen Südens positive Wirkung zeigen, sollte nicht heißen, dass nur noch Menschen aus diesen Herkunftsstaaten gezeigt werden, da dies das Thema ebenfalls abstrahieren würde.

Doch die Studie gibt Aufschluss darüber, wie das Thema Klimawandel generell in den Köpfen der Menschen visualisiert ist, welche Stereotype dazu existieren — und wie weiterhin ein Diskurs zum Thema aufrechterhalten werden kann. Außerdem liefern die Bilder allerhand Gesprächsstoff, neue Erkenntnisse und sind teilweise schlichtweg faszinierend.

Einen ähnlichen Ansatz gibt es auch zum Thema weltweite Einkommensungleichheit: Wenn ihr diese in Fotos sehen möchtet, dann schaut doch mal in diesem Beitrag zum Projekt „Dollar Street“ nach. Auch diese Bilder regen ein Auseinandersetzen mit dem Thema an und zeigen es aus einer persönlichen, spannenden Perspektive.  

Photo Credit: ©2016CIAT/GeorginaSmith

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Rassismus in Deutschland geht alle an: Afrozensus, #NenntihreNamen und…Kartoffelpuffer

22. Juli 2020 - 11:36

Als Weiße Person in Deutschland lebend, könnte man meinen, Rassismus sei für diese Person kein großes Thema. Rassismus nicht gut finden, klar. Rassismus im Großen erkennen, joa. Die wirklichen Auswirkungen und Strukturen im Kleinen und Alltäglichen bei Betroffenen und sich selber erkennen – verdammt erschreckend und auch neu.

In den letzten Wochen wurde vor allem unter dem #blacklivesmatter viel darüber aufgeklärt warum es sehr wohl ein großes Thema für jede*n sein sollte. Wer, wenn nicht Weiße, können etwas gegen das von Weißen geschaffene und aufrechterhaltene System tun?

Eine Möglichkeit, um das System zu verändern, ist, zuzuhören, wie sich Menschen aktuell darin fühlen. Genau damit startet jetzt der Afrozensus und es gibt weiteres (eher) Neues wie Nennt ihre Namen und die Videoreihe Kartoffelpuffer.

Hört von Rassismus betroffenen Menschen zu: Afrozensus

Afrozensus ist die erste große Befragung, um die Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland zu erfassen. Dass dies nicht nur eine Befragung ist, sondern aus den Ergebnissen auch Maßnahmen folgen sollen, gibt die Möglichkeit, die erlebte Diskriminierung und Rassismus zu erkennen und dem entgegenzusteuern. Die Befragung läuft noch bis August – verbreitet sie damit möglichst viele teilnehmen!

Rassismus tötet – auch in Deutschland

Seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch Polizisten in Minneapolis hat die lebensbedrohliche Seite von Rassismus mehr Aufmerksamkeit erlangt. Es mag seltsam klingen, aber irgendwie scheint dadurch sogar mehr Aufmerksamkeit für Rassismus in Deutschland aufgekommen zu sein als durch die Anschläge des NSU, in Halle oder in Hanau. Und das sind leider auch bei weitem nicht die einzigen rassistischen Morde.

Auf Instagram ruft der Account Nennt ihre Namen dazu auf, Opfer von Rassismus, die getötet oder schwer verletzt wurden, zu zeichnen und unter dem Hashtag #nenntihrenamen sichtbar zu machen. Im Juni gab es bereits eine Ausstellung von Bildern, auf Instagram geht es weiter.

Das Beitragsbild zum Beispiel zeigt Laye Condé. Er starb 2004 durch Ertrinken, ausgelöst durch die brutale Zwangsvergabe von Brechmittel. Er war in Polizeigewahrsam in Bremen.

Was ist Rassismus?

Nicht nur wer sich diese Frage stellt, sondern jede*r sollte sich mit dem Thema beschäftigen. Dafür eignet sich zum Beispiel Kartoffelpuffer – Gifty und Steffie vs. Rassismus auf Youtube. Es geht um Begriffserläuterungen und das Phänomen Rassismus auf unterschiedlichen Ebenen – gut verständlich und sogar mit kleinem Inhaltsverzeichnis zu den Themen einer Folge.

Das sind ein paar aktuelle Vorschläge, wie ihr euch mit Rassismus auseinandersetzen und etwas dagegen tun könnt. In unserem Artikel Rassismus und was wir dagegen tun können findet ihr weitere Ideen.

Fällt euch noch mehr ein? Dann kommentiert gerne den Beitrag!

Das Beitragsbild ist von Jenny Adam auf Instagram.

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Diversität in der Spielewelt

16. Juli 2020 - 14:16

Spiele können ein Abtauchen in eine andere, gespielte Welt ermöglichen und jede Menge Kindheitserinnerungen wachrufen. Doch diese gespielte Welt sollte sich dabei meist auch an der realen Welt orientieren. Oder die in den Spielen geschaffenen Rollen tun zumindest so als würden sie sich daran anlehnen.

Letztlich schaffen das leider nur die wenigstens Spiele, denn mit kritischem Blick merkt man: Wo ist hier überhaupt die Diversität, die eigentlich in unserer Realität vorhanden ist und auch mich abbildet? Wo sind die vielfältigen Körper, Gender, Rollen? Zum Glück reagieren einige Spielehersteller auf diese Fragen. Wir stellen euch ein paar vor.

I’m a Barbie girl – aber was heißt das eigentlich?

Wenn ihr an eure Kindheit denkt, welches Spielzeug habt ihr wohl am meisten genutzt? Für viele Mädchen (und auch Jungen!) waren das bestimmt Barbies. Doch fällt euch etwas auf? Die meisten Barbies waren dünn, weiß, weiblich und geschminkt. Mattel, die Herstellerfirma der Barbies, versucht schon seit einer Weile, dieses Image zu verändern.

So wurden beispielsweise Barbies von weiblichen Vorbildern wie Frida Kahlo oder Emilia Erhart hergestellt. Kritisiert wurde hier jedoch, dass diese noch immer nah an der klassischen Barbie-Form seien und nicht die wahre Rolle der inspirierenden Frauen abbilden (Utopia).

Auch eine inklusive Reihe ist entstanden. Dabei sind unter anderem Barbies mit Rollstuhl oder Beinprothese, um auf Menschen mit Beeinträchtigungen hinzuweisen oder auch haarlose Barbies, um Krankheiten abzubilden.

Körperliche Diversität ist mittlerweile ebenso bei Mattel sichtbar: Es gibt 35 verschiedene Hautfarben, 9 Körperformen und 94 Frisuren für Barbies. Dabei sind unter anderem Barbies mit Vitiligo (Pigmentveränderungen). Mehr dazu könnt ihr hier lesen.   

Diversitätsspiel am Arbeitsplatz und in der Hochschule

Wie kann das Thema Diversität am Arbeitsplatz oder an Hochschulen thematisiert werden? Eine Möglichkeit bieten die Spiele „Diversity – Gemeinsam Vielfalt gestalten“ und „Diversity – Gemeinsam Vielfalt an Hochschulen gestalten“. Bei beiden kann man mit Wissenskarten sein Wissen zu verschiedenen Dimensionen von Diversität testen und erweitern. Zu diesen Dimensionen gehören Alter, Behinderung, ethnische Herkunft und Nationalität, Religion & Weltanschauung, Geschlecht & geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung & Identität.

Zusätzlich gibt es noch Meinungs- und Aktionskarten, bei denen der Austausch über die jeweilige Situation oder das Thema im Vordergrund steht. Dabei können und sollen auch eigene Erfahrungen eingebracht werden. Eine kostenlose Online-Version des Spiels für die Arbeitswelt gibt es hier.

Blacktastic

Hand auf’s Herz: Wie viele Schwarze Erfinder*innen oder Wissenschaftler*innen fallen euch ein? Oder Politiker*innen (Barack Obama zählt nicht!)? Oder Aktivist*innen? Eine Berliner Lehrerin will mit dem Spiel Blacktastic gegen diesen Mangel an Wissen und den Mangel an Schwarzen Vorbildern in der Spielewelt gleichzeitig vorgehen. Das Spiel ist geeignet für Personen ab 12 Jahren. Kinder und Jugendliche lernen dabei beispielsweise, welche schwarzen Frauen bei der NASA am Mondprogramm mitgearbeitet haben, wer der erste Schwarze Student und Universitätsprofessor zugleich war. Na, wisst ihr es?

Die ganze Welt in einem Spiel

Weltgesichter ist ein Spiel, bei dem – wie der Name schon sagt – Gesichter von Menschen aus aller Welt auf Karten gezeigt werden. Diese sind entweder bei der Arbeit, in der Freizeit oder mit ihrer Familie abgebildet. Zu jeder Karte gibt es eine kleine Erklärung wer darauf abgebildet ist, was er oder sie macht oder wo er oder sie lebt. So lernen Kinder kulturelle Vielfalt spielerisch kennen. In drei verschiedenen Spielmodi geht es dann entweder darum, sich an die Positionen der Karten zu erinnern, eine beschriebene Karte als Erster zu finden oder so schnell wie möglich viele Karten zu sammeln, die zu einem bestimmten Merkmal passen. Kinder ab 6 Jahren können dabei mitspielen.

Die Zuordnungen scheinen sich leider sehr auf binäre Geschlechtsidentitäten zu beziehen, vielleicht gibt es ja mal eine Weiterentwicklung.

Die Spielköpfe stellen sich vor

Jana von den Spielköpfen beschreibt euch abschließend selber was es mit diesem Spiel auf sich hat:
Wir sind die Spielköpfe und wir stellen die Spielewelt auf den Kopf. Wir gestalten die Bildsprache des veralteten Kartendecks neu und machen sie gendergerecht, vielfältig und nachhaltig. Neben dem König gibt es eine Königin auf der K-Karte und Menschen mit verschiedenen Hautfarben werden abgebildet. Für Stereotype ist dabei kein Platz, die Dame kann auch kurze Haare und der Bube eine Blume in der Hand haben. Das Kartendeck ist nach dem Cradle-to-Cradle-Standard produziert und pro verkauftem Deck über die Webseite werden 50 Cent an die Zivile Seenotrettung gespendet. Durch das Kartendeck wird eine gesellschaftliche Herausforderung auf eine kreative und spielerische Art und Weise gelöst. Themen wie Gleichberechtigung, Stereotypisierung und Diskriminierung werden einfach zugänglich an den Spieletisch gebracht, das Deck sorgt für einen Austausch und macht vor allem Spaß.

Das Bild ist von Mohammed Idris Djoudi auf Unsplash.

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Fernweh zu Pandemiezeiten: Eine Chance das eigene Reiseverhalten zu reflektieren

14. Juli 2020 - 14:55

Einige Menschen auf der Welt waren noch nie so lange am Stück am selben Ort wie seit Beginn der Corona-Pandemie. Nicht nur Dienstreisen fallen aus, sondern für viele der langersehnte Urlaub und eine damit verbundene Reise. Oft heißt Urlaub, dass eine Reise ins Ausland ansteht. Es ist eine schöne Möglichkeit nahe und ferne Länder zu bereisen und andere Lebenswelten zu erkunden. Auch wenn das spannend ist und das eigene Weltbild erweitert, bedeutet es leider auch: Mein ökologischer Fußabdruck wird größer und größer. Daher kann man die Absage der Reise vielleicht einfach nutzen, um über das eigene Reiseverhalten und nicht nur deren ökologische, sondern auch soziale Auswirkungen nachzudenken.

Wo liegt mein Urlaubsziel?

Zunächst stellt sich die Frage, an welchem Ort man seinen Urlaub verbringen möchte. Je weiter weg, desto unbekannter, neuer und spannender – scheint es zunächst. Aber lerne ich dann nicht womöglich ein fernes Land von mehr Seiten kennen als meine nähere Umgebung? Gezwungenermaßen mussten aktuell viele Leute ihr Urlaubsziel auf das Land, in dem sie leben, verlegen. Zum einen aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Ausland, zum anderen schlicht, weil der Reiseverkehr eingeschränkt wurde oder nicht klar ist, ob er erlaubt sein wird. Damit kann zum Beispiel die Nord- und Ostsee, die Mecklenburgische Seenplatte, der Taunus oder das Allgäu plötzlich nicht mehr langweilig erscheinen, sondern den Zugang zu schöner Natur und Entspannung bieten.

Mit welchem Verkehrsmittel verreise ich?

Je weiter weg ein Urlaubsziel liegt, desto wahrscheinlicher ist die Reise per Flugzeug. Dass das hohe CO2-Emissionen bedeutet, ist spätestens seit der Fridays For Future-Bewegung keine Überraschung mehr. Es kann helfen, sich für die Reise eine angemessene Zeit zu nehmen und zu prüfen, ob es eine Verbindung mit der Bahn gibt. Ist eine Stunde Flug, um eine Strecke von hunderten Kilometern zurückzulegen, nicht eh merkwürdig?

Auch die Fortbewegung im Urlaub kann ich versuchen mit Nahverkehr statt einem Mietauto zu organisieren.

Wo werde ich schlafen?

Einfach hin, in irgendein Hotel einchecken, dann die Top Tipps des Reiseführers abklappern und am nächsten Tag schnell weiter in den nächsten Ort und das Spiel von vorne. Kann man machen, gibt einem aber auch keinen wirklichen Einblick in den Ort oder das Land.

Als erstes stellt sich die Frage welche Unterkunft sich anbietet. Utopia hat dafür Öko-Reiseportale zusammengestellt, die nachhaltige Unterkünfte aufführen. Gleichzeitig lohnt es sich, nach Unterkünften von kleineren, unbekannteren Anbietern zu suchen. Auf der Buchungsplattform Vaolo gibt es zum Beispiel Angebote von abgelegeneren Gemeinschaften, die Vaolo miteinander vernetzt.

Wie bereite ich mich auf die Reise vor und wie verhalte ich mich dort?

Der Urlaub beginnt vom Gefühl her meist mit dem Rucksack- oder Kofferpacken. Davor kann die Vorfreude noch mehr gesteigert werden und dabei gleichzeitig das Reisen fair und verantwortungsvoll geplant werden. Informationen zum Reiseziel sind interessant, erleichtern das Eingewöhnen und können ein Grundverständnis für eine noch fremde Region aufbauen.

Viele nützliche Tipps stellen fair unterwegs und tourism watch für alle Bereiche der Reiseplanung zur Verfügung. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk darauf, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sich fair und sozial verantwortlich zu verhalten.

Die Reiseentscheidung liegt letztlich bei jedem selbst, eine gut geplante Reise kann den Urlaub zu einem intensiveren Erlebnis machen – und dabei alle Beteiligten einbeziehen.

Das Beitragsfoto ist von Clay Banks auf Unsplash.

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Nachhaltigkeit und Digitalisierung: Bewusster Konsum von Online-Anwendungen

9. Juli 2020 - 12:05

Im heutigen Gastbeitrag hinterfragt Karoline ihr digitales Verhalten und die Auswirkungen auf die CO2-Emissionen – und ist davon ganz schön überrascht. Karoline studiert in Erfurt und ist aktuell Praktikantin im Projekt Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung.

Ob die fünf ungelesenen Mails in meinem E-Mail-Ordner wohl Zusagen auf Bewerbungen oder Nachrichten von Freunden sind? Nicht, dass ich in den letzten Jahren besonders viele private E-Mails bekommen hätte – schließlich gibt es ja genügend andere, „bessere“ Kommunikationsmöglichkeiten – doch die Neugier auf meine ungelesenen Nachrichten wird immer wieder aufs Neue geweckt. Die Enttäuschung lässt in der Regel nicht lange auf sich warten: Wer außer meinem E-Mail-Anbieter schreibt mir wohl sonst jeden Tag mehrere Werbebenachrichtigungen? In meinem täglichen Ritual lösche ich Werbebenachrichtigungen und Spams. Ab und zu sind auch wichtige E-Mails darunter (Newsletter, Rundbriefe, etc.), die sich in meinem Account über die Jahre angesammelt haben – daher auch mein ausgelasteter Speicherplatz. Glücklicherweise konnte ich mir eine weitere kostenlose E-Mail-Adresse einrichten, die ich von nun an für sämtliche Logins, Accounts und Newsletter benutze. Letztere sammle ich gerne in meinem extra dafür angelegten Ordner „interessante Hinweise“. Ich habe übrigens keine einzige der darin gespeicherten Nachrichten ein zweites Mal geöffnet, aber darüber denke ich nicht nach. Sicher ist sicher, vielleicht brauche ich eine dieser Mails doch irgendwann noch einmal?

CO2-Emissionen der Digitalisierung

Die Tatsache, dass jede meiner Mails, die auf sämtlichen vergessenen oder bewussten E-Mail-Konten herum liegen, ständig Energie verbraucht, war mir nicht bewusst. In einem Bericht von Arte wird die beim Senden einer E-Mail entstehende Ökobilanz mit der einer Plastiktüte verglichen. In etwa 1.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid entstehen pro Tag in Deutschland allein durch das Schreiben von E-Mails. Sämtliche Daten im Rahmen von Online-Aktivitäten werden in Rechenzentren gelagert. Diese Rechner wiederum brauchen Strom und Wasser für die Kühlung der Server. Durch die ständig ansteigende Nutzung von Online-Angeboten in unserem beruflichen aber auch privaten Leben steigt zwangsläufig auch der damit einhergehende Energieverbrauch. Der Anteil der weltweiten CO2-Emissionen, die durch digitale Technologien entstehen, hat sich von 2,3 % im Jahr 2013 auf 3,7 % im Jahr 2018 erhöht (Tendenz steigend) und hatte damit einen höheren Anteil als die Luftfahrtindustrie mit 2,5 Prozent.

Sich den Folgen seines digitalen Konsums bewusst sein

Auch im Rahmen der aktuellen (zwangsläufigen) Umstellung vieler Menschen auf die Arbeit im „Homeoffice“, kommunizieren Schüler*innen, Angestellte und Studierende fast ausschließlich über E-Mails und Videokonferenzen. Der Weg zu Arbeit, Universität oder Schule fällt zwar weg, aber im Zuge der steigenden Nutzung digitaler Plattformen entstehen im Gegenzug Kosten für die Umwelt, die ein hohes Gefahrenpotential für die Umwelt darstellen. Denn wir sehen sie nicht, wenn wir Filme im Internet streamen, E-Mails schreiben, Dokumente in einer Cloud speichern und Videokonferenzen halten. Umso wichtiger ist es, sich dieser Kosten bewusst zu werden und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen!

Jede*r kann etwas tun

Für eine bessere Klimabilanz müssten vor allem von Seiten der Unternehmen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um Rechenzentren energieeffizienter und nachhaltiger zu gestalten. Und was kann jede*r selbst tun? Eigentlich ist es ganz einfach: ausmisten, ordnen, extern speichern. Das spart nicht nur Energie und Ressourcen, sondern sorgt zudem für eine bessere Übersicht! Außerdem gibt es für viele Anwendungen (Browser, E-Mail Anbieter, etc.) bereits „umweltfreundlichere“ Alternativen. Daher gilt: Bewusstsein schaffen für die Kosten und Alternativen von Online-Anwendungen!

Für mehr Informationen und die Quellen dieses Beitrages:

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/klickscham-wie-viel-co2-e-mails-und-streaming-verusachen-100.html

https://www.deutschlandfunk.de/co2-fussabdruck-energiebedarf-fuer-elektronische-post-enorm.684.de.html?dram:article_id=306123

https://www.heise.de/tp/features/Bitte-denken-Sie-an-die-Umwelt-bevor-Sie-eine-E-Mail-verschicken-4647453.html

https://www.arte.tv/de/articles/die-e-mail-erzeugerin-von-treibhausgasen

https://reset.org/knowledge/der-digitale-fussabdruck#:~:text=Energieverbrauch%20der%20Digitalisierung&text=Der%20Blick%20auf%20einige%20Zahlen,internetf%C3%A4higer%20Ger%C3%A4te%20(Stand%202018).

Das Beitragsbild ist von Ian Battaglia auf Unsplash.

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Was passiert eigentlich mit unserem Müll? Betroffene Gegenstände berichten aus ihrem Leben

6. Juli 2020 - 13:48
Wieviel Müll fällt in Deutschland an?

Recycling ist in aller Munde. Dass es besser ist, Plastik zu vermeiden und stattdessen wiederverwendbare Behälter zu verwenden, hat mittlerweile von Kiel bis München wahrscheinlich schon so gut wie jeder mitbekommen. Und dennoch fielen deutschlandweit 5.722 Tonnen Plastikmüll im Jahr 2017 an. Dazu kommen die anderen Abfallarten, Restmüll, Papiermüll, Sondermüll und Biomüll, sodass insgesamt für die sogenannten „haushaltstypische Siedlungsabfälle“ eine Müllmenge von 46.151 Tonnen im Jahr 2017 zusammenkam.

Grafik über Anteile an Hausmüll, Quelle: Umweltbundesamt

Das ist also der Müll, den wir deutschen Haushalte produzieren. Der Anteil dieser Siedlungsabfälle an allem Abfall, der in Deutschland insgesamt anfällt, ist aber verschwindend gering. Er macht gerade mal 13% aus. Den mit Abstand größten Anteil macht Bauschutt aus (60%)  (Umweltbundesamt).

Die Reise des Mülls: Dreieinhalb Erfahrungsberichte

Doch was passiert eigentlich genau mit dem Tonneninhalt, nachdem die Müllwagen damit gefüttert wurden? Und was heißt eigentlich Recycling konkret für die einzelnen Müllsorten? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel nach. Und weil sich die Wiederverwendungsquote je nach Mülltyp doch sehr unterscheidet, berichten wir über jeden einzeln. Also, nicht wir, sondern unsere Korrespondent*innen Pepe, Tina, Charlie und der kurzangebundene Bob. Schnallt euch an, wir gehen auf Müllautofahrt! 

Papier: Pepe der Pappkarton

Hallo, ich bin Pepe. Ich bin ein Pappkarton. Also bald war ich einer. Jetzt bin ich nämlich unterwegs zum Müllwerk, mit Zeitungen, anderen Pappkartons und jubelnd entsorgten Matheschulunterlagen. Wo’s hingeht fragt ihr euch? Unser erstes Ziel ist das Recyclingwerk. Hier muss ich Abschied nehmen von einigen meiner Reisebekanntschaften, denn wir werden jetzt nach Papierarten getrennt. Aus meiner dunklen Pappe kann sich nämlich logischerweise kein helles Schreibpapier herstellen lassen.

Wir Kartons werden dann als nächstes meist in speziellen Kartonrecycling-Anlagen weiterverarbeitet. Dazu werden wir in kleine Teile zerteilt (keine Sorge, wir sind das gewohnt!) und mit Wasser zu einem Brei aufgeweicht. Daraufhin werden mit Filtern Verunreinigungen entfernt, dem Brei das Wasser entzogen und schließlich das Resultat auf lange Bahnen zum Trocknen gebreitet (Recycling Vision B.V.). Fertig ist das Rohmaterial für die nächste Generation!

Bei meinen Cousins, den Papieren, läuft das Ganze ähnlich ab. Bei ihnen ist allerdings der Zwischenschritt notwendig, durch chemische Reinigung Tinte von ihnen zu entfernen (bei dem Mischen mit Wasser). Außerdem muss für blütenweißes Papier der Papierbrei zusätzlich durch Wasserstoffperoxid oder Sauerstoff gebleicht werden (Utopia).

Klingt als wären wir unsterblich? Naja, zugegebenermaßen nicht ganz. Nach sieben Durchgängen ca. ist dasselbe Papier dann doch ein bisschen dünn geworden und es müssen neue Holzfasern zugesetzt werden (Utopia). Und dann geht’s von vorne los!

15 Mio. Tonnen Papiermüll wurden 2017 in Deutschland produziert.  Mit Stolz kann ich euch sagen: Wir, die Papierfamilie, besteht zu 76% aus recyceltem Papier. Und kauft man 2,5 KG recyceltes statt neu produziertes Druckerpapier, rettet man 5,5 Kg Bäumen das Leben und spart 7,5 Kilowattstunden Energie, was der Energie für 525 Tassen Kaffee entspricht (Umweltbundesamt).

Plastik: Tina die Plastikflasche

Tina mein Name, ich bin eine Plastikflasche und berichte euch heute von meiner Reise im Müllwagen. Es ist nicht meine erste Reise, vorher war ich schonmal als Plastikflasche hierher unterwegs. Das ist also quasi schon mein zweites Leben. Ich bin recycelt und stolz drauf.

Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich als recycelter Gegenstand anders behandelt werde? Die Antwort lautet: Anders behandelt zwar nicht, aber ich gehöre zu einer Minderheit. Insgesamt fielen 2019 3,1 Mio. Tonnen Plastikmüll an. Davon werden aber nur 16-45% recycelt, je nach Definition. Da ist also noch Luft nach oben, ich kann mich ja fast schon glücklich schätzen, eine zweite Chance bekommen zu haben!

Ihr fragt euch jetzt sicher: Wie haben die das gemacht, aus Tina 1 Tina 2 zu machen? Also, es gilt: Aus je mehr verschiedene Materialien ein Produkt besteht, desto schwieriger ist es zu recyceln. Der Plastikmüll wird ganz zu Anfang maschinell voneinander getrennt. Und dabei ist es für die Maschine besonders schwer, Produkte aus verschiedenen Kunststoffen einer Kategorie einzuordnen. Diese wandern häufig direkt in die Verbrennungsanlage. Hier eine Liste, was aus welchem Plastik recycelt wird:

  • PET (z.B. Plastikflaschen) -> Plastik-Granulat -> Stoffprodukte, aber auch teilweise neue Flaschen
  • Getränkekartons -> recyceltes Papier und Aluminium
  • PP (Polypropylen, z.B. Joghurtbecher) -> Granulat -> Folien
  • PE -> Plastik-Granulat -> Folien, Plastiktaschen

 

Doch traurig, aber wahr: Mehr als die Hälfte von uns wird nicht recycelt, sondern verbrannt, im Idealfall um Energie für andere Produktionsprozesse zu gewinnen. Dabei hätten so viele von uns doch noch gut als anderes Plastikprodukt eingesetzt werden können! Zudem wird meist nicht dasselbe Produkt aus recyceltem Plastik hergestellt, sondern „downgecycelt“. Das bedeutet, dass weniger aufwendige Produkte aus dem Granulat hergestellt werden.

Ein Großteil des restlichen nicht-recycelten und nicht-verbrannten Plastikmülls wurde bis 2019 nach China transportiert. Genauer gesagt 750.000 Tonnen. Doch das bevölkerungsreichste Land der Welt hat einen Importstopp verhängt, denn zu viel Müll verursacht dort Umweltprobleme. Zwar werden weiterhin nicht unerhebliche Mengen nach Osteuropa, Kambodscha und Vietnam exportiert (und dort größtenteils verbrannt), doch es war spätestens nach dem Importstopp klar: Die EU musste sich mehr um Recycling und Müllvermeidung kümmern.

Es tut sich also doch was in unserer Welt: Die Kunststoffstrategie der EU hat bereits bewirkt, dass Einwegplastikprodukte wie Strohhalme, Plastikteller oder -geschirr nicht mehr verkauft werden dürfen. Bis 2030 sollen sogar alle Kunststoffverpackungen recycelbar sein. In Deutschland wird diese Strategie unter anderem mit dem Verpackungsgesetz von 2019 umgesetzt. Dort werden die Quoten festgelegt, bis zu wieviel Prozent der Verpackungen aus verschiedenen Materialien dem Recycling zugeführt werden müssen. Bei uns sollten das 58,5% sein. Zudem setzt sich Deutschland im EU-Parlament für ein Pfandsystem für Flaschen ein, in der Hoffnung, Recycling so ankurbeln zu können.

Außerdem gibt es mehr und mehr Unternehmen und Organisationen, die sich dafür einsetzten, dass aus Plastikprodukten beispielsweise Schmuck, Rucksäcke, Klamotten oder Yogamatten werden. Teilweise werden dafür sogar meine Verwandten aus dem Meer geholt. Ihnen wird also quasi das Leben gerettet!

Diese Informationen habe ich aus meinen eigenen Erfahrungen und bei der Zeit, der Landbell AG für Rückhol-Systeme, Utopia, der Süddeutschen Zeitung und dem NABU recherchiert. 

Elektroschrott: Charlie der Computer

Ich bin Charlie. Charlie der Computer. Wenn mich Jemand fragt, woher ich komme, antworte ich immer: aus aller Welt. Meine Festplatte kommt zum Beispiel aus Thailand, Cobalt für meinen Akku aus dem Kongo und zusammengebaut wurde ich schließlich in China.

Soviel Aufwand, so viele schuftende Hände von euresgleichen, müssen belohnt werden. Blöderweise haben das manche von eurer Spezies noch nicht so ganz kapiert. Ich erkläre euch also mal, wie ihr dafür sorgen könnt, dass so viele meiner Bestandteile wie möglich weiterverwendet werden und die Umwelt geschützt wird. Denn manche von uns enthalten giftige Bestandteile…

Zunächst einmal: Werft uns BITTE nicht in normale Mülltonnen! Sonst kriegen unsere Bestandteile nämlich keine zweite Chance und werden direkt mit eurem Restmüll verbrannt. Wir gehören auf den Wertstoffhof.  Eine Liste von anderen Freunden, die ich dort getroffen habe und die ihr bitte zukünftig auch wieder dorthin fahren solltet, findet ihr hier.

45% von uns wurden 2017 recycelt. Und so läuft das ab:

  1. Giftige Bestandteile werden entfernt und entsorgt.
  2. Unserer wertvollen Metallbestandteile werden von darauf spezialisierten Firmen entfernt (manchmal per Hand, manchmal durch maschinelle Zerkleinerung und Sortierung) und dann weiterverwendet, zum Beispiel jeweils zur Stahl-, Aluminium oder Kupferproduktion. Diese drei Metalle werden mittlerweile mehr durch Recycling als aus Erzen gewonnen. Durch elektrochemische Prozesse werden seltene, wertvolle Metalle wie Gold oder Silber von anderen getrennt und ebenfalls wiederverwertet.
  3. Übrig gebliebener Kunststoff ist meist unrein (siehe Tinas Erklärung), weshalb er als Füllstoff für andere Plastikprodukte verwendet werden kann (stoffliche Verwertung) oder als Brennstoff, z.B. bei der Stahlproduktion (thermische Verwertung)

Diese Infos habe ich bei Stiftung Warentest nachgelesen. Hier in Deutschland liegen wir knapp über dem EU-Durchschnitt mit dem Recycling von unseresgleichen. Oft gelobt wird die Schweiz, in der Verkäufer und Konsumenten eine Abgabe zahlen, mit der unser Recycling gezahlt wird. Deshalb werden dort auch 16 kg von uns recycelt, während es in Deutschland nur 9kg pro Einwohner*in sind (NABU).

Viele von uns haben aber nicht so viel „Glück“ bequem in Deutschland wiederverwertet zu werden. Denn einiges an Elektroschrott Deutschlands wird von darauf spezialisierten Händlern ins Ausland exportiert, als „Second-Hand-Ware“, obwohl dieser Handel illegal ist (seit 2015 dürfen offiziell nur noch wirklich funktionierende Geräte exportiert werden). Im Zielland werden dann noch funktionierende meiner Freunde weiterverkauft.

Doch nicht-funktionierende werden häufig unter schlechten Umweltbedingungen in Müllverbrennungsanlagen verbrannt, besonders bekannt ist Agbogbloshie in Ghana. Auf eben diesen Anlagen sind wiederum viele Menschen unterwegs (Schätzungen zufolge bis zu 10.000 allein in Agbogbloshie), um den weggeschmissenen „Schrott“ nach wertvollen Bestandteilen abzusuchen und so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei setzen sie sich aber giftigen Dämpfen und einer illegalen, konkurrenzgetriebenen Industrie aus. Um zu gewährleisten, dass Bestandteile meiner Freunde unter guten Bedingungen weiterverwendet werden, läuft dort aktuell ein Recyclingprogram der GIZ.  Mehr darüber lesen könnt ihr beim Göttinger Tagblatt oder beim Deutschlandfunk nachlesen.

Bauschutt: Bob der Betonklotz

Ich bin Bob. Ich gehöre zur allgemein bekannten Sippe der Betonklötze. Aber reden ist nicht so meine Stärke. Ich rate euch diesen Artikel zu lesen, um zu erfahren, wie es mir und meinen Freunden ergeht. Nur so viel vorweg: Wir, die Bauschutt-Gruppe, machen allein schon 60% des Gesamtabfalls aus!!

Wir danken unseren Korrespondent*innen für ihre Einblicke in ihre persönlichen Lebensumstände und hoffen, dass sie euch zum Nachdenken angeregt haben und ihr etwas von ihnen lernen konntet.

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Was bedeutet das Wort “Flucht”? – ein Gastbeitrag

2. Juli 2020 - 12:36

Dieser Beitrag wurde von Helena Lüer im Namen des Vereins academic experience Worldwide verfasst. Sie schildert euch dabei, wofür und wie sich der Verein einsetzt und warum es wichtig ist, Geflüchtete als Individuen und nicht als homogene Gruppe wahrzunehmen. Danke, Helena, für diesen wertvollen Einblick!

Über Geflüchtete wird in Deutschland viel gesprochen. Das Bild von geflüchteten Menschen begegnet uns oft, wenn wir die Zeitung aufschlagen, die Nachrichten schauen oder die News-App nutzen. Meistens erhalten wir aber nur einen generalisierten und unreflektierten Eindruck, da geflüchtete Menschen oft als unselbstständige und passive Personen dargestellt werden, die in erster Linie auf unsere Hilfe und Sozialleistungen angewiesen sind. Gleichzeitig herrscht auch ein Misstrauen, ob sie diese Unterstützung wirklich verdient haben und sie müssen sich kontinuierlich beweisen und rechtfertigen. Nur selten kommen sie öffentlich selbst zu Wort und können ihre Sicht auf Fluchterfahrungen und das Leben in Deutschland erzählen. So geht im öffentlichen Diskurs beispielsweise auch verloren, dass viele geflüchtete Menschen in ihren Herkunftsländern schon beeindruckende berufliche, akademische und persönliche Erfolge erzielt haben. Durch ihre Erfahrungen können sie unsere Arbeitswelt, Hochschullandschaft und nicht zuletzt auch unser alltägliches Leben sehr bereichern. Das darf im Umkehrschluss aber auch nicht bedeuten, dass nur Menschen Schutz genießen dürfen, die einer Gesellschaft ökonomischen Mehrwert liefern. Wo beginnt schützenswertes Leben?

Wir leben zwar in einer sehr diversen Gesellschaft, dennoch wissen wir nur erschreckend wenig über unsere Mitmenschen, über die wir zwar oft sprechen, aber ihre Geschichten kaum kennen. 

Der Verein academic experience Worldwide e.V. aus Frankfurt am Main hat es sich zur Aufgabe gemacht Vorurteile abzubauen, Menschen zusammenzubringen und das Bild von geflüchteten Menschen in der deutschen Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Die Mitglieder setzen sich dafür ein, Menschen aller Nationalitäten in unserer Gesellschaft zu vernetzen und geflüchtete Akademiker*innen vielseitig zu unterstützen. Die Arbeit begann 2013 als zwei Studentinnen der Goethe Universität Frankfurt ein Tandemprogramm zwischen geflüchteten Akademiker*innen und Studierenden organisierten. Dies ist bewusst kein klassisches Mentoring-Programm, da es darum geht, dass beide Teilnehmenden von dem geteilten Wissen und den gesammelten Erfahrungen profitieren. Hieraus bildete sich 2015 ein Verein, der seine Arbeit seitdem kontinuierlich erweitert. Neben dem Tandemprogramm bietet aeWorldwide ebenfalls ein regelmäßiges Seminarprogramm und andere kulturelle Events wie Kochabende oder Museumsbesuche an. Zusätzlich können mithilfe von Spendengeldern Deutschkurse und Fahrkarten für die Mitglieder und Teilnehmenden finanziert werden. 

Ein neues Projekt ist die Podcast-Reihe „Refugee Tales Germany – #exitVorurteile“, der von Sayed Shahanshah Hashimi initiiert und produziert wird. Mit dem Podcast wollen die Mitglieder von aeWorldwide es anders machen und häufige Vorurteile bezüglich Flucht und Migration aus der Welt schaffen. “Refugee Tales Germany” #exitVorurteile ist ein bislang einmaliges Projekt im deutschsprachigen Raum. Damit möchte der Verein die Stimmen und die Einzelschicksale hörbar machen. In kurzen etwa 10-minütigen Folgen kommen Geflüchtete zu Wort und erzählen ihre individuelle Geschichte ohne mit der Ankunft in Deutschland zu stoppen. Wie erging es ihnen? Was hat sie überrascht? Welche Wünsche haben sie für ihre Zukunft? Welches Leben haben sie vor der Flucht geführt? Es ist eine Reise in die Lebenswelt der Geflüchteten, die die Vielseitigkeit und Komplexität ihrer Biografien erkundet.

In den bisher veröffentlichten Folgen sprachen Darious und Aryana über ihre Lebenswege und auch über die Ankunft in Deutschland. Darious thematisiert in der ersten Folge das Leben als Jude im Iran und Aryana spricht über ihre Flucht aus Afghanistan und ihren großen Traum, Ärztin zu werden. Neue Folgen werden bald folgen und die Hörer*innen können sich auf neue Eindrücke und Geschichten freuen!  

Da die Vereinsarbeit und auch die Produktion des Podcasts rein ehrenamtlich organisiert wird, freut sich aeWorldwide immer über kleine Spenden. Dies geht ganz einfach über die Plattform Betterplace

Wenn auch ihr eure Geschichte erzählen möchtet, nehmt gerne Kontakt auf unter: info@aeworldwide.de. Darüber hinaus sind auch jederzeit Anregungen, Kritik und sonstige Rückmeldungen willkommen! 

Den Podcast könnt ihr euch auf Spotify  oder ITunes anhören! 

Auf dem Beitragsbild ist das academic experience Worldwide e.V.-Team zu sehen.

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Wie Reden uns und die Welt verändert

24. Juni 2020 - 15:00

Auch, wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind – unsere Stimme ist mächtig (Nein, ich rede nicht vom Wählen gehen, auch wenn der Satz auch in dem Kontext zutrifft).

Aber heute soll es nicht um Politik gehen. Jedenfalls nicht nur. Denn Reden hat mehrere Funktionen. Es kann befreiend sein oder kann andere befreien. Es kann Mut machen, dem Zuhörer und dem Redner. Und Reden kann Erkenntnisse liefern. Aus jedem Gespräch kann man etwas lernen, über die Welt, das Gegenüber und über sich selbst.

Fazit: Wir reden zu wenig übers Reden. Und deshalb stellen wir euch Organisationen und Initiativen vor, die Reden in verschiedensten Formen als weltverändernd erkannt haben.

Reden, um zu helfen

Für manche Menschen ist ein Gespräch etwas Besonderes. Der Verein Silbernetz beschäftigt sich eingehend mit dem Thema Einsamkeit im Alter und hat eine mögliche Lösung parat: Freiwillige sind tagsüber für Gespräche verfügbar. Wenn einem älteren Menschen etwas auf dem Herzen liegt, oder er/sie einfach nur plaudern möchte, dafür ist Silbernetz da. Silbernetz vermittelt auch Freund*innen, die sich dann regelmäßig bei ihrem/r älteren Freund*in melden. Das könnte deine Rolle sein!

Manchmal fühlen sich Menschen auch allein oder brauchen Unterstützung, weil sie die Sprache des Landes, in dem sie leben, noch nicht richtig sprechen können. Auch hier kann man unterstützen und den Alltag der Menschen erleichtern. Triaphon zum Beispiel bietet Menschen mit geringen Deutschkenntnissen die Möglichkeit, Hilfe in Form von telefonischen Übersetzung bei akuten medizinischen Notfällen zu erhalten. Falls du also eine Fremdsprache sprichst, kannst du so vielleicht einem Menschen helfen.

Reden, damit es dir besser geht

Und was ist, wenn dir selbst etwas auf dem Herzen liegt, du aber nicht so recht weißt, an wen du dich damit wenden kannst? Bei InCognito kannst du anonym (wie der Name sagt) mit geschulten Menschen über deine Probleme sprechen. Es gibt auch zahlreiche weitere Hilfe-Hotlines, auf denen du unverbindlich Beratung zu allen Themen bekommen kannst.

Reden, um zu lernen

Auch Sprachtandems könnten etwas für dich sein- so lernst du eine andere Sprache während du deinem/r Partner*in deine Sprache beibringst. Aus Gesprächen können Freunde werden! Dazu kannst du entweder in diversen Gruppen auf Facebook nach einer passenden Person suchen oder dafür designte Apps, wie z.B. Tandem, nutzen. So lernst du neue Menschen und neue Kulturen kennen.

Reden, um gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen 

Momentan erheben viele Menschen ihre Stimmen zu Themen, die sie beschäftigen, wie Rassismus oder die Klimakrise. Reden ist also auf jeden Fall ein mächtiges Instrument, um die Welt zu verändern. Wir erinnern uns zum Beispiel an die weltverändernde Rede von Martin Luther King „I have a dream“, die sogar in populären Liedern ausschnittweise rezitiert wird.

Aber man muss keine weltberühmte Ikone sein, um über seine Überzeugungen mit Menschen in Austausch zu kommen und Themen anzusprechen. Das gilt sowohl digital als auch im realen Leben- sprecht darüber, was euch beschäftigt! Oft kann man vom Gegenüber dabei sogar noch etwas lernen.  Und manchmal ist es auch angebracht, einfach mal zuzuhören, denn zu einem Gespräch gehören immer mindestens zwei.

Reden, um andere Positionen kennenzulernen

Es kann ziemlich spannend und erfrischend sein, sich mit Personen zu unterhalten, die nicht zu all deinen Überzeugungen ja und Amen sagen, also gewissermaßen aus deiner Gesprächsblase auszubrechen. Dazu gibt es Diskutiermitmir. Hier kannst du dich mit Personen austauschen, die nicht dieselbe (politische) Überzeugung haben wie du. Denn ohne Debatten gibt es auch keine Demokratie. Und wenn man ein Gespräch als „gemeinsame Wahrheitssuche“, statt als Wettbewerb sieht, schafft man es vielleicht auch, Gegenargumente nicht direkt persönlich zu nehmen. Diese und weitere Erkenntnisse zur Wichtigkeit von Diskursen könnt ihr in diesem Artikel der Süddeutschen Zeitung nachlesen.

Reden, um Fakten klarzustellen

Doch was ist, wenn das Gegenüber im Gespräch nun Dinge behauptet, die mit Sicherheit schlichtweg nicht stimmen? Die App Konterbunt stellt hierzu eine Reihe von “Stammtischparolen“ vor und liefert konkrete Fakten, die man diesen entgegenstellen kann. Denn nur, wer sich über ein Thema ausreichend informiert hat, kann auch überzeugend darüber sprechen.

In eine ähnliche Situation kann man geraten, wenn das Gegenüber plötzlich behauptet, es gäbe nur wenige Menschen, die die eigentliche Wahrheit kennen, es gäbe „die Guten“ und „die Bösen“ und eine kleine Gruppe von Personen oder gar eine Einzelperson lenke das Weltgeschehen. All das sind Merkmale von Verschwörungstheorien. Der Entschwörungsgenerator der Amadeu-Antonio-Stiftung kann hier Abhilfe leisten. Er stellt eine Menge gängiger Verschwörungstheorien vor und erläutert, warum diese nicht der Wahrheit entsprechen.

Dieser Artikel der Hessenschau beleuchtet die Frage, wieso Menschen überhaupt an Verschwörungstheorien glauben und wann man sie vielleicht mit Fakten überzeugen kann.

Wie rede ich eigentlich?

Zuletzt kann auch die Art, wie wir reden, etwas verändern. In diesem Gastartikel erklärt euch fairlanguage wie eure Sprache zu einem besseren, inklusiveren und gleicherem Miteinander beitragen kann. Nicht nur wann und mit wem wir reden, sondern auch wie kann einen Unterschied machen.

Und das sind nur ein paar der Ideen, mit denen du allein durch ein Gespräch etwas Gutes bewirken kannst. Manchmal kann auch schon die freundliche Frage im Alltag, ob Jemand Hilfe benötigt, der Anfang einer guten Tat sein. Oder ein Anruf, den man seit Monaten vor sich herschiebt. Es gibt viele Arten, mit Reden etwas Gutes zu tun. Fangen wir damit an!

Viele dieser Angebote haben wir bei der Facebookseite der Akademie für Vielfalt gefunden. Schaut dort mal vorbei, es wimmelt nur so von interessanten Projekten und inspirierenden Ideen!

Das Beitragsbild stammt von Volodymyr Hrychschenko auf Unsplash.

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Kinderarbeit und was wir damit zu tun haben

19. Juni 2020 - 13:14

Vor genau einer Woche, am 12. Juni, war der internationale Tag gegen Kinderarbeit. Weltweit können 152 Millionen Kinder nicht oder nur unregelmäßig zur Schule gehen, da sie Geld für ihre Familie mitverdienen müssen (Trans Fair e.V.). Wir möchten euch mithilfe verschiedener Quellen erklären, wie verbreitet Kinderarbeit aktuell auf der Welt ist und wie viel Handlungsbedarf besteht.

Insgesamt gibt es in den letzten Jahren weniger Kinderarbeit. 2000 waren noch 264 Mio. Kinder davon betroffen. Jedoch wurde in den nachhaltigen Entwicklungszielen erstrebt, bis 2025 Kinderarbeit weitgehend eingedämmt zu haben, was aktuell aber nicht wahrscheinlich erscheint. Zwar sinken die Zahlen in Lateinamerika und Asien, in manchen Teilen Afrikas jedoch sind aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage und bewaffneten Konflikten die Zahlen wieder angestiegen (Unicef)

Durch Corona könnte die Zahl der Kinder in Kinderarbeit nun generell wieder steigen, da Schulen geschlossen sind, manche Erntehelfer*innen ausfallen und kurzfristig Ersatz benötigt wird oder weil Kinder für erkrankte Familienmitglieder einspringen (Trans Fair e.V.).  

Was ist eigentlich Kinderarbeit?

Es ist nicht grundsätzlich verboten, dass Kinder arbeiten. Verboten ist jedoch, wenn diese Arbeit sie davon abhält, zur Schule zu gehen, sie unter schlechten und ausbeuterischen Bedingungen stattfindet und ihrer körperlichen und seelische Entwicklung schadet (Make Chocolate Fair).

Rund 1/3 der arbeitenden Kinder gehen gar nicht zur Schule, viele derer, die es doch tun, brechen die Schule vorzeitig ab. Das verringert ihre Chancen auf ein finanziell sorgloseres Leben in der Zukunft (Unicef)

Was haben wir damit zu tun? Das Beispiel Schokolade

Auf den ersten Blick mag man vielleicht denken, dass Kinderarbeit etwas ist, das „weit entfernt“ passiert und nichts direkt mit uns zu tun hat. Doch das stimmt so nicht.

Die Produkte, die es bei uns im Supermarkt zu kaufen gibt, tragen teilweise maßgeblich dazu bei, Kinderarbeit zu befördern. Ein häufig verwendetes Beispiel ist Schokolade. Sie wird aus Kakaobohnen hergestellt, die in Ländern des Globalen Südens geerntet werden. Hauptlieferanten sind die Elfenbeinküste und Ghana (70% des weltweiten Kakaoanbaus), aber auch südamerikanische Länder wie Peru und Ecuador oder asiatische Länder wie Indonesien haben einen Anteil am Kakaomarkt (Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie e.V. ).

In den Ländern Westafrikas, die die größten Kakaoproduzenten darstellen, arbeiten ca. 2 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen (Make Chocolate Fair). Einige Organisationen versuchen, dem entgegenzuwirken und auch für andere Kakaoernter*innen gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne zu gewährleisten. Doch dazu müsste die Nachfrage nach fair gehandeltem Kakao steigen. Dieses Video des Inkota Netzwerks macht auf makabere Weise auf das Thema aufmerksam.  

Eine andere Option, um das Problem anzugehen, die auch in dem Video thematisiert wird, ist ein Europäisches Lieferkettengesetz. Unternehmen, die den Kakao bei uns weiterverarbeiten zum Endprodukt Schokolade müssten laut diesem Gesetz all ihre Lieferanten publik machen und sich aktiv dafür einsetzen, dass diese sich an soziale und ökologische Standards halten. Würde sich dann herausstellen, dass einer der Lieferanten Kinderarbeit unterstützt oder generell Arbeit unter unfairen Bedingungen fördert, so müsste das Unternehmen Konsequenzen daraus ziehen. Bisher sind die Lieferanten der meisten Schokoladenhersteller unbekannt. Mit dem Gesetz würden sich nicht nur einzelne Unternehmen für faire Arbeitsbedingungen einsetzen, sondern alle, denn sie wären dafür mitverantwortlich und verpflichtet. Hier erklären wir euch nochmal ausführlicher, wieso ein Liefergesetz sinnvoll ist.

Andere Beispiele

Doch nicht nur in der Kakaoernte werden Kinder unter schlechten Bedingungen ihrer Kindheit beraubt. Fast die Hälfte der Kinder in Kinderarbeit leiden unter gefährlichen Bedingungen. Dazu gehört z.B. die Arbeit in Goldminen in Burkina Faso, Textilarbeit in Bangladesh oder Farmen in Lateinamerika Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft (70,9 Prozent), in der Industrie (11,9 Prozent) und als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich (17,2 Prozent) (Unicef).

Viele der in Kinderarbeit produzierten Waren landen am Ende in unseren Haushalten. Wir sollten also darauf achten, Produkte zu kaufen, die unter fairen Bedingungen produziert wurden. Außerdem können wir von der Politik fordern, dass Unternehmen mehr in die Verantwortung gezogen werden müssen, beispielsweise durch das Liefergesetz. Auch Organisationen zu unterstützen, die sich gegen Kinderarbeit einsetzen, hilft. Die Welt ist auf einem guten Weg, Kinderarbeit zu bekämpfen. Aber zu Ende gegangen ist dieser noch lange nicht.   

 

Das Beitragsbild stammt von Safal Karki auf Unsplash.

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Online-Veranstaltungen diese und nächste Woche

17. Juni 2020 - 11:09

Heute stellen wir euch ein paar spannende Online-Events und Webinare der nächsten Zeit vor.  Dabei sind Themen wie Rassismus, Klimawandel und weltweite Auswirkungen von Corona, aber auch der Umgang mit rechten Parolen, ein Online-Festival für Schüler*innen, eine Online-Konferenz zum Weltflüchtlingstag und ein Film zum Thema Plastik. Viel Spaß beim Teilnehmen!

(Englisch) Webinar: Fighting Racism: America Vs. Europe

17.06., 19 Uhr, online

In diesem Webinar der European Parliamentary Association (APE) diskutieren Teilnehmer*innen, inwiefern der Tod George Floyds und die Diskussion über Rassismus in Europa aktuell ist und wie die Europäische Union und ihre Organe gegen Rassismus vorgehen sollten. Das Webinar findet auf Englisch statt.

Hier geht’s zur Veranstaltung.  

 

Livestream-Diskussion: S4F – Klimawandel = Wasserwandel?

17.06., 19-20:00 Uhr

Schon wieder hat der Rhein Niedrigwasser, und der April war so trocken wie selten. Klimawandel ist auch „Wasserwandel“. Aber was bedeutet der Klimawandel konkret für die Wasserwirtschaft? Können wir unsere Gewässer und Wasserressourcen weiter so nutzen wie bisher? Was können Städte  tun, um sich den Herausforderungen wie Hochwasser, Starkregen und Dürre zu stellen? Veranstalter ist das ISSO, Institute für Social and Sustainable Oikonomics.

Zur Facebook-Veranstaltung.

 

(Englisch) Virtual Refugee Conference 2020

19.06. 10 Uhr, 20.06., 10:00 -18:30 Uhr, online

Zum Weltflüchtlingstag organisiert Kiron eine ganztägige Online-Konferenz für Personen und Organisationen, die sich für Empowerment für Geflüchtete einsetzen. Themen dabei sind unter anderem:

  • The impact of Covid-19 on refugee education
  • Remapping Success: Empowerment Initiatives for Migrant Women
  • Viz for Social Good: Visualising Data to Tell New Migration Stories

Und viele mehr.

Hier gibt’s mehr Infos

 

Zwischen Konjunkturprogramm & großer Transformation

22.06., 20-21:30 Uhr

In der Wirtschaftskrise gibt es im progressiven Spektrum der deutschen Gesellschaft zwei unterschiedliche, scheinbar widerstreitende Erzählungen: Die einen setzen darauf, durch kräftige staatliche Investitions- und Konjunkturprogramme die Wirtschaft rasch wieder zum Laufen zu bringen. Dafür müssen Schulden aufgenommen werden, und wenn die Programme ökologisch sinnvoll ausgerichtet werden, dann hat auch der Klimaschutz etwas davon.

Andere bestehen darauf, dass gerade jetzt in der Krise die Gelegenheit, ja die unabweisbare Notwendigkeit bestehe, unser Wohlstandsmodell grundsätzlicher zu hinterfragen und Wirtschaft neu zu denken: Wozu brauchen wir Wachstum? Was verstehen wir unter Fortschritt und Innovation? Gibt es zwischen Markt und Staat nicht auch ein Drittes, die Gemeingüter?

Hier geht’s zur Veranstaltung

Webinar: Umgang mit rechten Parolen

22.06.-24.06., je 17:00 bis 18:30 Uhr, online

Vorurteile gegenüber „Fremden“, Diskriminierung und Rassismus begegnen uns fast täglich – im Bekannten- und Familienkreis, bei der Arbeit, in der Straßenbahn, in den Medien… Migrant*innen und andere Minderheiten werden pauschal abgewertet und zu Sündenböcken gemacht für alles, was nicht nach dem eigenen Geschmack ist.

Wie reagieren? In diesem Webinar der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg werden Strategien entwickelt, wie Hass und Rassismus (in der analogen Welt) begegnet werden kann.

Hier geht’s zur Anmeldung.

 

Young Waterkant Online-Festival für Schulklassen

22.06.-26.06., online

Das Programm des Young Waterkant-Festivals ist thematisch an die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der UN angelehnt. Eine Woche lang wird es Angebote für Schülerinnen und Schüler geben. Dabei steht jeder Tag unter einem anderen Thema und wird aus spannenden Keynotes, Ideen entwickeln und Do-It-Yourself Angeboten für zuhause bestehen. Organisationen wie Viva con Agua oder Amnesty International zeigen den Schüler*innen dabei reale Problemstellungen auf und gemeinsam werden Lösungen erarbeitet. Organisator ist Social Entrepreneurship Education (SEEd).

Die Themen:

  • Montag, 22.6. – SDG #6 „Sauberes Wasser und Sanitärversorgung“
  • Dienstag, 23.6. – SDG #5 „Geschlechtergleichstellung“
  • Mittwoch, 24.6. – SGD #12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion”
  • Donnerstag, 25.6. – SGD #4 „Hochwertige Bildung“
  • Freitag, 26.6. – SGD #13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“

Hier könnt ihr euch anmelden. 

 

Webinar: Corona und die Folgen für den Globalen Süden

23.06., 20-21:30 Uhr, online

Welchen Beitrag können Erfahrungen aus dem Globalen Süden leisten, um gemeinsam die weltweite Corona-Krise zu bewältigen? Welche Lehren können wir aus den Ebola-Ausbrüchen 2014 und 2018 ziehen? Welche Initiativen müssen Deutschland, die EU und alle weiteren Industrienationen ergreifen, damit die Corona-Krise die globalen Ungleichheiten nicht noch weiter vergrößert?

Diese und weitere Fragen diskutiert Uwe Kekeritz mit Anne Jung von Medico International und Katrin Seidel, Leiterin des Regionalbüros der Heinrich-Böll-Stiftung Südliches Afrika, Kapstadt.

Hier geht’s zum Facebook-Event.

 

Webinar: Böll Global 2: Türkei, Libanon und Marokko im Fokus

23.06., 18-19:30 Uhr

Mit der neuen Webinar-Reihe der Heinrich-Böll-Stiftung „Böll Global“ wird berichtet und analysiert, wie die Welt die Pandemie erlebt, darauf reagiert und sich durch ihre Auswirkungen verändert: Wie Regierungen, Gesellschaften und zivilgesellschaftliche Akteur/innen auf der ganzen Welt damit umgehen. Welche Herausforderungen sich stellen, welche lokalen und globalen Krisen aufeinandertreffen – alte und neue.

Dieses Mal geht es um die Situationen in der Türkei, im Libanon und in Marokko.

Hier gibt es mehr Informationen.

 

Online-Buchvorstellung: Koloniale Vergangenheit und Rassismus heute

24.06., 19:00 Uhr

Über Deutschlands koloniale Geschichte wird in jüngster Zeit heftig debattiert. Es geht um kolonial belastete Straßennamen, um die Bestände von Museen und die Frage nach dem kulturellen Erbe insgesamt. Im Mittelpunkt stehen ehemalige Kolonien in Afrika wie das heutige Tansania und Namibia. Doch muss die Perspektive sowohl zeitlich als auch räumlich erweitert werden.

Darum geht es in dieser Online-Veranstaltung, zu der die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen in Kooperation mit dem Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt alle Interessierten herzlich einlädt.

Hier gibt es mehr Infos.

 

Online-Filmvorführung: The Story of Plastic

25.06., 18-21 Uhr

Der Film „THE STORY OF PLASTIC“ nimmt die menschengemachte Plastikkrise und ihre weltweiten Auswirkungen unter die Lupe und veranschaulicht die Katastrophe in eindrücklichen Bildern aus drei Kontinenten. Er lässt Expert*innen und Aktivist*innen zu Wort kommen, die von ihrem Kampf gegen die Plastikflut und die mächtige Industrie, die dahintersteckt, erzählen.  Zudem wird auch die wachsende globale Bewegung gegen Plastik vorgestellt und Lösungsansätze präsentiert. Gezeigt wird er von der Heinrich-Böll-Stiftung.

Der Film ist in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Hier geht’s zur Veranstaltung.

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Rassismus und was wir dagegen tun können

12. Juni 2020 - 13:44

Der 25.05.2020 wird wohl in die Geschichte eingehen. Es war der Tag, an dem der Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis von einem Polizisten umgebracht wurde. Dieser kniete minutenlang auf George Floyds Hals, bis er schließlich starb.

Seitdem scheint nichts mehr wie es war. Man sieht, wie tausende und abertausende Menschen auf die Straße gehen, um gegen Rassismus zu protestieren.

Es tut sich nun einiges in den Polizeistrukturen: Polizisten dürfen nun in Los Angeles keine Würgegriffe mehr anwenden, in Minneapolis wird höchstwahrscheinlich eine demokratisch legitimierte Bürgersicherung die Rolle der Polizei übernehmen und in Washington D.C. wird die Straße vor dem Weißen Haus in „Black lives Matter Plaza“ umbenannt. Doch struktureller Rassismus ist nicht nur im Polizeiwesen sichtbar, nur dort leider besonders brutal.

Struktureller Rassismus

Rassismus ist auch in anderen Bereichen zu finden, zum Beispiel in Bewerbungsverfahren. Studien, wie beispielsweise des  beweisen klar, dass häufig Personen mit erkennbarem Migrationshintergrund seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden (zeit.de).

Wie stark Rassismus in eigentlich allen Lebensbereichen verankert ist, zeigt der Brennpunkt von Carolin Kebekus in der ARD deutlich: Rassismus ist allgegenwärtig. Von Bemerkungen wie „Du siehst exotisch aus“ über die stereotype Vergabe von Fernsehrollen an POCs bis hin zu rassistischen Übergriffen schildern Betroffene ihre Erfahrungen. Dieser Beitrag und viele mehr zeigen, wie wichtig es ist, als Nicht-Betroffene*r jetzt zuzuhören und zu respektieren, was betroffene Menschen erzählen.

Was können wir alle jetzt tun?

Doch da darf die Aktion nicht aufhören. Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind, müssen bei sich selbst ansetzen. Ein Kernbegriff hierbei ist „kritisches Weißsein“. Der Hauptgedanke dahinter ist, sich als weiße Person den Privilegien bewusst zu werden, von denen man allein durch seine Hautfarbe tagtäglich profitiert. Mehr zum Thema kritisches Weißsein gibt es in diesem Artikel des Deutschlandfunk.

Wir können alle noch etwas dazulernen beim Thema Rassismus und sollten dies auch tun.

Informieren wir uns!

Jede*r hat diese Momente am Tag, an denen er/sie die Zeit totschlägt. Wie wäre es stattdessen, sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen? Wir haben nur ein paar von vielen Quellen aufgelistet, um genau das zu tun:

Thisisjanewayne: Ein sehr ausführlicher Blogbeitrag dazu, was weiße Menschen jetzt tun können. Er enthält Buchtipps, weitere Artikel und einiges an Videomaterial zum Thema Rassismus. Man kann Stunden allein mit diesen Tipps verbringen!

Das Portal Globales Lernen stellt Bildungsmaterialien zu Eine-Welt-Themen vor. Unter der Fokusrubrik Rassismus finden sich Unterrichtsmaterialien, aber auch spannende Hintergrundinformationen oder Filme, die sich mit Rassismus auseinandersetzen.

Global Citizen bietet mehrere Artikel zum Thema. Auch hier werden Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und erläutert, warum man sich auch als nicht-betroffene Person gegen Rassismus aussprechen sollte.

Auch wir von der Eineweltblabla-Redaktion beschäftigen uns nicht zum ersten Mal mit dem Thema Rassismus. Findet hier unsere älteren, aber deshalb nicht weniger aktuellen Beiträge zum Thema. Besonders diesen Beitrag über den TedTalk „Die Gefahr einer Geschichte“ legen wir euch ans Herz.

Podcasts sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, zuzuhören und dazuzulernen. Kinboytalks (hier auf Spotify verlinkt) beispielsweise ist ein afrodeutscher Podcast, der aktuelle Themen aus der Sicht der Schwarzen diasporischen communities diskutiert. Weitere Podcast-Tipps zum Thema gibt es hier.

Außerdem bietet die Vielfalt-Mediathek einige Texte zu Themen rund um Rassismus. Einige sind besonders interessant für Menschen in der politischen Bildungsarbeit, aber die Mehrzahl ist für alle Interessierte*n spannend.    

Erfahrungen teilen

#wasihrnichtseht ist ein Projekt von Dominik Lucha, bei dem es Menschen, die Rassismus erfahren haben, ermöglicht wird, anonym ihre Erfahrungen zu teilen. Es ist traurig und macht wütend zugleich, diese zu lesen. Mehr dazu hier.  

Mit dem Afrozensus gibt es auch einen offiziellen Ansatz, um Erfahrungen mit Rassismus publik zu machen. Zum ersten Mal werden dieses Jahr Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Personen offiziell aufgerufen, „ihre Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven zu teilen“. Ins Leben gerufen wurde diese Initiative von Each One Teach One. Der Verein stellt afrodiasporische Literatur zur Verfügung und weist auf Veranstaltungen der Black Comunities in Deutschland hin. 

#KritischesWeißsein, gestartet von Malcolm Ohanwe, beleuchtet das Thema von der anderen Seite. Dabei posten weiße Menschen über Momente in ihrem Leben, in denen ihnen klar wurde, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe privilegiert sind. Ebenfalls lesenswert!

Es gibt noch so viel mehr interessante Quellen, Webseiten und Medien zum Thema! Was ihr hier seht, ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt der vielfältigen Möglichkeiten, sich zu informieren und aktiv zu werden.

Zu guter Letzt: Wenn ihr etwas Neues zum Thema Rassismus gelernt habt: Redet darüber! Mit Familien, Freunden und Bekannten. Oder teilt die Inhalte in den Sozialen Medien. Die Aussage „Wer schweigt, solidarisiert sich mit den Gegnern“ (Desmond Tutu) gibt zu denken.

Kennt ihr noch andere gute Quellen, die Rassismus thematisieren? Habt ihr noch weitere Handlungsideen? Dann kommentiert gerne diesen Beitrag!

Das Beitragsbild stammt von Obi Onyeador auf unsplash.com.

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Die Sand-Uhr tickt – warum wir Sand schützen müssen. Ein Beitrag zum Tag der Umwelt. Teil 2.

8. Juni 2020 - 11:36

Letzte Woche haben wir euch anlässlich des Tages der Umwelt hier berichtet, wozu Sand überhaupt gebraucht wird und was sein weltweiter Abbau für Konsequenzen hat. Sowohl für die Umwelt, als auch direkt für den Menschen.

Heute wollen wir euch deutlich machen, dass es einige Lösungsmöglichkeiten für die erläuterten Probleme des Sandabbaus gibt. Die Sand-Uhr kann also sehr wohl verlangsamt werden!

Lösungen für Probleme des Sandabbaus     

 

Recycling

Eine sinnvolle Möglichkeit, um den Sandverbrauch zu senken, ist Recycling von altem Bauschutt. Laut der Deutschen Handwerkszeitung ist Bauabfall für 60% des bundesweit anfallenden Abfalls verantwortlich. Würde man Recycling, auch in anderen Ländern, weiter ausbauen, so könnte eine gewaltige Menge an Sand für Neubauten eingespart und überfüllte Mülldeponien vermieden werden. Derzeit werden laut derselben Quelle in Deutschland 90% des Bauschutts recycelt.

Jedoch sind dies laut Fraunhofer Institut nur 5% des gesamten Abfalls, der bei einem Hausabriss anfällt. Zudem werde oft so recycelt, dass das Material maximal für Straßenbau verwendet werden könne, also quasi downgecycelt werde. Die Forscher*innen des Instituts entwickeln deshalb gerade Methoden, um hochwertigere Materialien aus Bauschutt zu gewinnen. Dazu gehören Technologien, die das Sortieren der verschiedenen Bestandteile des Bauschutts vereinfachen sollen.

Doch nicht nur recycelter Beton könnte Beton nachhaltiger machen. Auch recycelte Glasflaschen, die dazu in winzige Kügelchen aufgespalten würden, könnten den Sand im Beton ersetzen, wie Dirk Hebel von der Universität Karlsruhe in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung meint.

Alternativen zu Sand als Baumaterial

Zurecht eines der Unworte 2010 war das Wort „alternativlos“. Auch Beton als Baustoff ist keineswegs ohne Alternative.

Ein Artikel des Deutschlandfunks nennt drei innovative Projekte: So können beispielsweise bestimmte Pilzarten zu „Steinen“ geformt werden durch Verhärtung nach kontrolliertem Wachstum. Oder Bakterien, die Wüstensand oder Steinbruchstaub in Steine verwandeln.  Auch Kunstharz kann als Festiger für beispielsweise Wüstensand eingesetzt werden.

Doch Kritiker der auf Wüstensand basierenden Ansätze bemängeln, dass so lediglich andere Ökosysteme, nämlich die der Wüsten, angegriffen würden. Andere Wissenschaftler wiederum verteidigen den Ansatz, so würden Oasen vor der Austrocknung durch Wanderdünen geschützt (Artikel der Süddeutschen Zeitung).

Wie man als Kind mit Begeisterung Architekt eigener Legohäuser war, könnte es in Zukunft möglich sein, das eigene Haus selbst zu erschaffen. Dazu werden Steckteile entwickelt, die zu Häusern in beliebigen Formen und Größen kombiniert werden und nach dem Nutzungsende eines Hauses einfach für ein anderes verwendet werden können. Als Material kommt zum Beispiel Holz infrage (Deutschlandfunk).

Und was spricht eigentlich gegen Häuser aus recycelten Flaschen, Bierdosen, Autoreifen und anderen wiederverwendbaren Materialien? Michael Reynolds kreiert mittlerweile weltweit sogenannte „Earthships“, kunstvolle Häuser aus Recyclingmaterial (Die Welt). Wer würde nicht darin leben wollen?

Langlebigere Bauwerke

Um die Lebensdauer von Bauwerken zu verlängern, wird an Bakterien geforscht, die Kalk absondern und so Risse im Beton verschließen können. Also selbstheilender Beton quasi (Deutschlandfunk).

Sandabbau-Verbote

Kambodscha, Vietnam, Indonesien und Malaysia haben offiziell ihren Sandabbau für den Export eingestellt. Jedoch zeigen Statistiken Singapurs, dass die Realität anders aussieht – illegaler Sandabbau und fehlende Sanktionen dafür sind der Grund (Vaillant). Grundsätzlich ist ein Sandabbau-Verbot natürlich eine gute Sache. Nur müssten dazu eben die Konsequenzen von Verstößen stärker sein.

Lieferketten besser kennen

Oftmals bestellen Bauunternehmen bereits fertig gemischten Beton für ihre Projekte. Wäre hier das Interesse der Unternehmen an den Einzelbestandteilen des Betons und deren Produzenten größer, so würde gegebenenfalls weniger illegal abgebauter Sand verwendet…

Gesetze zum Einsparen von Sand

…Doch das Interesse der meisten Unternehmen wird wahrscheinlich von allein recht gering bleiben. Da können Gesetze und Vorschriften allerdings nachhelfen:

In der Schweiz ist es Vorschrift, 25% des benötigten Baustoffs aus recyceltem Material herzustellen. Dies muss nachweisbar sein (nachhaltig-natürlich.ch). Außerdem ist die LKW-Maut dort so hoch, dass es sich nicht lohnt, den Bauschutt über lange Distanzen abzutransportieren.

In Dänemark werden Steuern auf den Verbrauch von Meeressand erhoben. Der Verbrauch ging daraufhin um 80% zurück (Süddeutsche Zeitung).

In den Niederlanden ist „Downcycling“ von Bauschutt nicht erlaubt, weshalb gleichwertiger Beton daraus gewonnen wird.

Auch die EU bezieht dazu Stellung: Die EU-Abfallrahmenrichtlinie schreibt vor, dass in allen EU-Ländern Pflicht sei, bis 2020 mindestens 70 % der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle wiederzuverwenden (Recyclingmagazin). Zudem könnte das geplante Lieferkettengesetz der EU dazu beitragen, dass Unternehmen stärker hinterfragen, woher sie den Sand für ihre Produkte beziehen.

Es gibt also durchaus sinnvolle und zukunftsfähige Ansätze, wie gebaut werden kann, ohne dass dafür wertvolle Lebensräume zerstört werden.

Selbst aktiv werden

Auch bei uns in Europa wird Sand abgebaut! Zwar gibt es hier deutlich strengere Regulierungen, dennoch verkleinern sich einige Strände dramatisch. Setzt euch dafür ein, dass das nicht weiter in zu großem Ausmaß passiert. Redet mit Freunden und Familie über das Thema und informiert euch weiter. Oder unterschreibt Petitionen wie diese. Auch durch euren Konsum könnt ihr beeinflussen. Entscheidet euch, welche Produkte ihr kaufen möchtet und achtet darauf, ob sie aus recyceltem Material bestehen. 

Habt ihr weitere Informationen zu dem Thema? Kennt ihr noch mehr Möglichkeiten, den Lauf der Sand-Uhr zu verlangsamen? Dann kommentiert gerne unter diesem Beitrag!

Das Bild stammt von Paula Guerreiro auf Unsplash.

Der Beitrag Die Sand-Uhr tickt – warum wir Sand schützen müssen. Ein Beitrag zum Tag der Umwelt. Teil 2. erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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Die Sand-Uhr tickt – warum wir Sand schützen müssen. Ein Beitrag zum Tag der Umwelt. Teil 1.

5. Juni 2020 - 13:54

Heute, am 5. Juni, ist der internationale Tag der Umwelt. Vor genau 48 Jahren fand in Stockholm die erste Konferenz der Vereinten Nationen zum Umweltschutz statt. In Erinnerung daran wurde der „Tag der Umwelt“ geschaffen. Hier findet ihr spannende Online-Veranstaltungen des diesjährigen Aktionstages.

Auch wir möchten einen kleinen Beitrag zu diesem großen Tag leisten und stellen euch hier ein Thema vor, das essentiell für den Umweltschutz ist, auch wenn es einem in dem Zusammenhang nicht als erstes einfällt: Sand.

In diesem ersten Teil erklären wir euch, was für komplexe Folgen Sandabbau weltweit hat. Nächste Woche stellen wir euch dann Lösungsmöglichkeiten vor.

40 Milliarden Tonnen Sand werden weltweit pro Jahr abgebaut. Laut einem Artikel des Deutschlandfunks verbraucht die Menschheit derzeit doppelt so viel Sand, wie alle Flüsse dieser Erde an Nachschub liefern. Denn Flüsse transportieren gemächlich Gebirgsgestein Richtung Meer, das sich mit der Zeit abreibt und so zu Sand wird. Doch durch Staudämme und weitere Eingriffe des Menschen werden natürliche Flussläufe verändert, weshalb ein großer Teil des neu entstehenden Sandes gar nicht erst das Meer erreicht (Bayerischer Rundfunk, Zeit).

Wozu wird aber überhaupt so viel Sand gebraucht?

Verwendung von Sand

Auch wenn es dem bloßen Auge verborgen ist – in unzähligen Produkten steckt Sand.

  • Glas beispielsweise besteht zu 70% aus Sand.
  • Auch die Elektroindustrie benötigt Sand zum Fertigen vieler Produkte.
  • Einige Hygieneprodukte, wie beispielsweise Zahnpasta, enthalten ebenfalls den wertvollen Rohstoff.
  • Zudem wird in manchen Teilen der Welt Sand abgebaut, um Mineralien daraus zu filtern, wie Gold, Diamanten oder Zinn
  • Sand ist außerdem Bestandteil eines umstrittenen Verfahrens: Fracking.
  • Vor Allem aber nutzt die Bauindustrie Sand zur Herstellung von Beton. Dieser besteht zu 2/3 aus Sand und Kies.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass Sand nicht gleich Sand ist. Wüstensand eignet sich beispielsweise nicht zur Betonherstellung, da seine Oberfläche zu glatt ist. Der meiste Sand, der in der Baubranche verwendet wird, stammt aus Flussläufen, von Küsten oder vom Meeresboden.

(Arte-Dokumentation, Vaillant)

Die größten Sandverbraucher

China steht an der weltweiten Spitze des Sandverbrauchs. Rund 60% der Sandnachfrage weltweit gehen von dort aus. Das entspricht mehr als der Nachfrage der USA im gesamten letzten Jahrhundert. Einer der größten Importeure: Der flächenmäßig deutlich kleinere Stadtstaat Singapur (Arte-Dokumentation). 1/5 seiner Fläche ist künstlich erschaffen (Vaillant).  Auch Dubai ist bekannt für seine künstlich geschaffenen Flächen. Das Ironische daran: Der größte Teil des Landes besteht aus Wüste. Doch Wüstensand ist nun mal ungeeignet zum Bauen.

Was haben nun diese drei Staaten gemeinsam? Die Antwort lautet: Sie bauen. Und zwar viel. Durch ihren rapiden Bevölkerungsanstieg wird zunächst Sand zum Bau neuer Häuser benötigt. Doch neue Häuser können nur gebaut werden, wenn genug Fläche zur Verfügung steht. Aus diesem Grund schaffen sie diese Fläche, indem sie vor ihren Küsten künstlich Sandbänke aufschütten, auf denen gebaut wird.

Wer exportiert Sand?

Paradoxerweise werden dafür die Küsten anderer Länder verkleinert. Exportweltmeister in gesamten Mengen an Sand sind die USA, gefolgt von den Niederlanden, Belgien und Australien (World Atlas). Aber auch weitere Länder des globalen Südens wie Indonesien, Malaysia, Kambodscha exportierten Sand, insbesondere nach Singapur. Dies hat erhebliche Folgen für die Länder.   

Bedrohung der Natur – und des Menschen

In Sulawesi beispielsweise werden laut der Stiftung Rettet den Regenwald e.V. bis zu 18 Millionen Tonnen Sand abgetragen, um neue Straßen zu schaffen. Dies zerstört die Küsten, an denen zuvor Bäume des Regenwaldes wuchsen und Tiere ihren Lebensraum hatten. Zudem schaffen die Straßen eine bessere Infrastruktur für den Transport von Palmöl, Tropenharz oder Erzen, deren An- und Abbau ebenfalls großen Schaden im Regenwald anrichten.

Auch die Lebensräume unter Wasser werden durch den Sandabbau beschädigt. Korallenriffe werden zerstört und Kleinstlebewesen sterben. Das löst eine Kettenreaktion aus, denn dadurch finden Fische weniger Nahrung, also verringern sich die Bestände. Und kleinere Bestände bedeutet für die Fischer vor Ort weniger Fischfang und damit weniger Einnahmen.

Durch Sandabbau werden Küsten kleiner. Dabei bilden eben diese vielerorts einen überlebenswichtigen Schutz für deren Bewohner menschlicher, tierischer und pflanzlicher Natur. Denn sie schützen das Festland gegen Umweltkatastrophen wie Tsunamis. Außerdem bieten sie einen natürlichen „Puffer“ gegen den durch den Klimawandel ansteigenden Meeresspiegel. Fällt dieser weg, so kann Salzwasser an Land gelangen und somit Landwirtschaft in der direkten Umgebung unmöglich machen. Im schlimmsten Falle kann auch das Grundwasser davon betroffen sein und salzhaltig werden.

Nicht zuletzt bleiben durch verlorene Küsten auch Touristen aus, welche besonders in kleineren Orten oft die einzige Einnahmequelle vieler Menschen sind.

Sogar geopolitische Konsequenzen ergeben sich durch Sandabbau vor den Küsten der Welt: In Indonesien ist beispielsweise die Insel Riau stark betroffen. Durch weiteren Abbau könnten zum einen Menschen ihre Heimat verlieren. Zum anderen aber würde so das Gebiet Indonesiens selbst kleiner, was wiederum die Fischereiquoten, die in einem Abkommen mit dem Nachbarstaat Singapur vereinbart wurden, verringern würde (Arte-Dokumentation). Plötzlich stellt sich also die Frage: Wem gehört denn dann dieses Meeresgebiet eigentlich?

Schon verrückt – manche Länder der Welt werden durch Sandabbau künstlich vergrößert, in anderen dagegen führt genau das zu einer Verkleinerung des Landes.

Illegaler Sandabbau

Die steigende Nachfrage nach Sand hat gleichzeitig weltweit zu einem Anstieg illegaler Sandförderung geführt. Einige Medien sprechen in dem Zusammenhang sogar von „Sandmafias“. So wird beispielsweise in Indien massiv Sand illegal abgebaut. Das ist unter anderem deshalb möglich, weil die Lizenzen dafür von den lokalen Ämtern vergeben werden – und sich dort immer wieder Menschen finden, die an dem Geschäft mitverdienen möchten. Aber auch ohne Förderlizenzen wird an vielen Stellen Sand aus dem Meer oder den Flüssen gewonnen und weiterverkauft. Für die Gewinnung selbst werden schließlich keine aufwändigen Materialien gebraucht. Neben Lastwagen lediglich Arbeitskräfte, die gegen einen Hungerlohn in verschmutzte Gewässer abtauchen, um sich so ihren Lebensunterhalt zu verdienen (Deutschlandfunkkultur).

Und wie geht’s weiter?

Sand ist also eine Ressource, die zwar unfassbar nützlich, aber auch stark gefährdet ist und deren Abbau umweltschädliche sowie soziale und politische Probleme mit sich bringt. Wie kann schon jetzt und auch in der Zukunft sichergestellt werden, dass beim Sandabbau nicht der „point of no return“ erreicht wird?

Nächste Woche stellen wir euch Antworten auf diese Frage vor. Habt ihr bis dahin vielleicht selbst schon Ideen? Dann kommentiert gerne diesen Beitrag. Bis nächste Woche, seid gespannt!

Das Beitragsbild stammt von Jared Rice auf Unsplash. 

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„Es wird einmal…“- Zwei Gewinnerinnentexte des CARE-Schreibwettbewebs 2020

4. Juni 2020 - 12:20

Die Gewinner*innen des CARE-Schreibwettbewerbs 2020 stehen fest! Das diesjährige Thema lautete: „Es wird einmal…“. Wir möchten euch hier zwei Gewinnertexte vorstellen:

„Wald aus Stahl, Solarmeer“ der 14-jährigen Katharina Heinrichs thematisiert nach und nach Geschlechterrollen, erneuerbare Energien, umweltbewusste Ernährung und viele weitere Themen, die uns heute bewegen und noch lange bewegen werden. Besonders das Ende bereitet Gänsehaut.

„Allein. Erziehend. Oder: Das Leberfleck-Orakel“ der 22-jährigen Katharina Kunert bietet Einblicke in die Gedanken eines Mädchens, das seine Zukunft von Tag zu Tag definiert und anhand eines besonderen Orakels vorhersieht. Intensiv und fantasievoll.

Diese und alle anderen Gewinner*innentexte könnt ihr im „Best of CARE-Schreibwettbewerb 2020“-Sammelband nachschlagen. Er ist kostenlos zum Download verfügbar oder bestellbar. Auch die Sammelbände der vorherigen Schreibwettbewerbe sind hier zu finden.

Und jetzt viel Spaß beim Schmökern!

„Wald aus Stahl, Solarmeer“ von Katharina Heinrichs

Grübelnd kaue ich auf meiner Unterlippe herum, tippe Antworten ein und lösche sie wieder. Der Gedanke taucht auf, dass es vielleicht doch ein Fehler gewesen war, all die unzähligen Intensivförderungen am Gymnasium abzulehnen. Aber bevor meine Hausaufgaben es endgültig schaffen, dass ich Lebensentscheidungen in Frage stelle, werde ich von Grandma nach unten gerufen: „Alex, es geht gleich los!“ Seufzend schalte ich das Tablet aus und stecke es in eine willkürlich ausgewählte Schublade des neuen Schreibtischs. Ich habe ihn erst vor Kurzem geschenkt bekommen, komplett aus Recycling-Holz, weil Ma will, dass ihr Kind ein Zimmer hat, welches dem „Trend entspricht“.   „Beeil dich Alex!“ Es ist eigentlich schon eine Tradition, dass wir bei Familienfeiern immer spät dran sind. Manchmal pflegt Grandma dann zu sagen: „Tja, hättet ihr die Zeitverschiebung nicht abgeschafft, müssten wir jetzt nich’ so hetzen…“ In solchen Fällen nicke ich nur, im Wissen, dass es nichts bringen würde mit ihr darüber zu streiten, ob man an der Zeit herum-drehen sollte oder nicht.

Jedenfalls sind wir heute anlässlich Grandmas 100. Geburtstags auf die Grillparty meiner Schwester und ihrer Frau eingeladen. Ich freue mich, weil meine Schwägerin die besten Burger macht, niemand versteht sich so gut darauf die Insekten zu würzen wie sie, außerdem haben sie erst vor kurzem ein unglaublich süßes Baby bekommen. In der Küche packt Ma noch schnell den Obstsalat in die Kühltasche. Seit ein paar Jahren sind Früchte wieder ein wenig günstiger geworden. In meiner Kindheit waren all die Erdbeeren, Äpfel, und wie das sonst noch alles heißt, eine echte Seltenheit gewesen. Anfangs habe ich mich dann gar nicht getraut sie „einfach nur so“ zu essen. Wir gehen eilig aus dem Haus. Pa redet mit Ma wie eigentlich immer über Geld. Diesmal sein Lieblingsthema: Zusatzsteuern. Wiederherstellung der Fauna und der Gletscher, Säuberung des Meers, jetzt noch für den CO2-Verbrauch beim Grillabend…

Draußen begrüßt uns das altbekannte Wuschwuschwuschwusch der Windräder. Die endlos hohen Säulen erheben sich überall in der Stadt. Ein Wald aus Stahl… Ehrlich gesagt fällt mir das nur auf, weil Grandma Jedes. Einzelne. Mal., wenn sie aus dem Haus geht, grummelt: „Kaum ist der Lärm der Autos aus der Welt, kommen diese Dinger zu uns!“ Viele alte Menschen nehmen deswegen anscheinend auch Tabletten. Ich kann es wie gesagt nicht nachvollziehen, also speichere ich, während neben mir die Schimpftirade los-geht, die Metapher, die mir gerade eingefallen ist. Seltene Worte wie „Wald“ sind im Schreibkurs gern gesehen. Wir steigen ins Auto, mein Vater tippt das Ziel ein, startet den Wagen und holt dann den Gutschein aus der Tasche, den wir Grandma schenken wollen. Das ist typisch, er macht so etwas immer auf die letzte Minute. Ma liest irgendein E-Book, und ich schaue aus dem Fenster. Bea wohnt mit ihrer Familie im höheren Teil der Stadt, bei der Hausverteilung hatten sie wirklich Glück gehabt. Man kann auf die Stadt heruntersehen, auf ein Meer aus Solardächern, blau und glitzernd in der Sonne.

Irgendwann merke ich, dass Grandma mich von der Seite anschaut. „Was ist?“ Sie schüttelt lächelnd den Kopf: „Nichts, nichts, mir ist nur aufgefallen, wie schön und groß du bereits geworden bist. Und bald wirst du achtzehn… Weißt du eigentlich schon, welchen Namen du annimmst? Oder bleibt es bei Alex?“ Ich zucke die Schultern: „Keine Ahnung, aber meine Entscheidung wird auf jeden Fall davon beeinflusst, dass meine Eltern bei weiblich AGNES eingetragen haben!“ Letzteres sage ich laut Richtung meiner Eltern, doch die lachen nur. Über ihre Namenswahlen beschwere ich mich schon seit meinem siebten Lebensjahr, aber das ist bei meinen Mitschülern auch so. Bei der Geburt müssen alle Eltern drei Namen eintragen, einen für jedes Geschlecht, in dem ihr Kind ab da weiterleben will. Ich wechsle das Thema: „Was glaubt ihr werden bei der Feier die großen Themen sein?“ Meine Mutter überlegt kurz: „Die Bibel-Umschreibung auf jeden Fall. Da stecken die gerade mitten drin, und erste Ergebnisse gibt es ja auch schon. Und Onkel Jeff ist da, gepaart mit deinem Vater wird das eine heftige… Diskussion.“ Grandma kichert. Die beiden Männer sind definitiv die Sturköpfe der Familie. Pa ignoriert das: „Ich vermute der neue Weltfriedensvertrag. Bea ist ja frisch von den Konferenzen zurück, bestimmt hat sie eine Menge zu erzählen…“ Ich höre den Stolz in seiner Stimme. Meine Schwester war dafür ausgewählt worden, an den Friedensverhandlungen teilzunehmen, sie ist jetzt drei Monate dafür auf Reisen gewesen. Vermutlich wird sie noch ganz schön erschöpft sein. Ich will sie trotzdem unbedingt wegen des Fluges ausfragen. Flugplätze sind wegen des CO2 selten, teuer und begehrt geworden. Sie durfte wegen der Arbeit jetzt das erste Mal fliegen. Damit ist sie bis auf Grandma die Erste in der Familie. Die Vorstellung, über den Wolken und einem strahlend blauen, leeren Horizont zu schweben, fasziniert mich. Deswegen verfolge ich in den Nachrichten besonders den Ingenieur-Teil. Erfinder sind kurz davor die Flugzeuge genauso mit Strom zu betreiben wie die Autos. Wenn sie es wirklich so bald schaffen, wie sie versprechen, wünsche ich mir zum Achtzehnten ein Flugticket. Auf irgend-eine dieser Inseln ohne Windräder, Autos oder WLAN-Wellen. Letzteres kann ich ehrlich gesagt nicht ganz glauben.

Dann sind wir endlich da. Der Autopilot parkt ein und wir steigen aus. Bea und Mariann kommen uns entgegen, und Mariann hält Baby Cy im Arm. Seit der Geburt des Kindes hat sie beschlossen zu Hause zu bleiben und Vollzeitmutter zu sein. Ich kann nicht anders, als sie dafür zu bewundern. In ein Klischee aus alten Zeiten zu schlüpfen, muss viel Mut erfordern. Corey kommt auch schon angerannt, das jüngste Kind von Mas Bruder Jeff. Grandma lacht, als Corey sich in ihre Arme wirft: „Na, was möchtest du diesmal wissen? Habt ihr in Geschichte wieder irgendwelche Hausaufgaben?“ Corey nickt eifrig, doch dann, als die Frage erklingt, sehe ich wie Omas Gesichtsausdruck kurz merkwürdig wird, als wäre eine unangenehme Erinnerung wachgerufen worden. „Oma, was ist ein Schneemann?“

„Allein. Erziehend. Oder: Das Leberfleck-Orakel“ von Katharina Kunert

Mamas Hand ist ein bisschen blass. Die kleinen braunen Flecken darauf, von denen ich auch so viele habe, sehen heute aus, als hätte sie jemand mit Filzstift aufgemalt. Ich tippe einen nach dem anderen mit meinem Zeigefinger an. Tipp. Tipp. Tipp. Dann male ich mit meinem Finger kleine Verbindungen zwischen ihnen. Wie bei Sternzeichen. Mama hat mal gesagt, dass wir an den Verbindungen unsere Zukunft ablesen können. Dass wir deshalb so viele von den kleinen Leberflecken haben, weil wir eine besonders aufregende Zukunft vor uns haben. Das war an meinem neunten Geburtstag. Seitdem ist nicht so viel Tolles passiert. Aber vielleicht kommt das noch. Ganz bestimmt kommt das noch. Aus Mamas Mund kommt ein kleines Schnarchen. Eigentlich finde ich das immer lustig. Manchmal klingt das nämlich wie ein Akku-Bohrer und ich stelle mir dann vor, dass Mama gerade träumt, dass sie einer ist und deshalb solche Geräusche macht. Aber heute kann ich darüber nicht lachen. Schon die ganze Woche war sie ganz schlapp und ist jeden Abend auf dem Sofa eingeschlafen. Heute auch wieder. Obwohl doch der Tatort läuft. Beim Tatort schläft sie sonst nie ein. Aus dem Fernsehlaut-sprecher scheppern Ballergeräusche und ein blöder Polizist schreit irgendwas Bescheuertes. Ich nehme ihre schmale Hand wieder in meine.

Mal sehen, was das Leberfleck-Orakel mir heute sagt. Ich fange bei dem kleinen Punkt rechts neben ihrem Daumennagel an. Dann male ich die Gedankenlinie im Zickzack nach unten, mache einen kleinen Schlenker, eine Rechtskurve – und komme dann wieder beim Anfangspunkt an. Ein Schiff, es ist ein Schiff! Und das kann ja wohl nur eins bedeuten: Dieses Jahr fahren wir in den Urlaub! Und zwar nicht mit der S-Bahn an den Wannsee. Diesmal fahren wir mit einem Schiff ganz weit weg, vielleicht sogar auf so eine Insel mit Palmen. Wie die in der Trivago-Werbung. Dann kann ich den Leuten in meiner Klasse richtig echte Fotos aus dem Urlaub zeigen. Letztes Jahr war es ganz schön knapp. Da habe ich erzählt, dass ich mit Mama auf Mallorca war. Lena hat mich plötzlich gefragt, in welchem Ort genau und da wusste ich nicht, was ich sagen soll. Dann haben sich alle so vielsagend angeguckt, Lena hat sogar gegrinst. Ich weiß noch genau, was für ein heißes Gefühl sich da auf einmal in meinem Bauch breit gemacht hat, mir ist richtig schlecht geworden. Und auf ein-mal habe ich „Palma“, gesagt. Den Namen kann ich mir so gut merken, weil der wie „Palme“ klingt, und Palmen mag ich doch so gern. Lena hat dann „cool“ gesagt und war auf einmal wieder nett zu mir. Sie hat mir ganz viele tolle Sachen aus ihrem Urlaub erzählt und mich gefragt, ob ich die mit meiner Mutter auch unternommen habe. Ich habe die ganze Zeit genickt wie so ein scheiß Wackeldackel und als ich aus der Schule kam, habe ich nur geheult. Ich werde immer noch so wütend, wenn ich an diesen Tag denke. Auf mich, auf Lena – und ein bisschen auch auf Mama. Weil sie ja diejenige ist, die mit mir nur an den Wannsee fährt und nicht in ein tolles Hotel irgendwo im Süden.

Auf einmal hasse ich mich. Meine liebe, arme Mama tut alles für mich und ich denke solche gemeinen Sachen. Ich drücke ihre Hand ein bisschen zu doll und wieder entfährt ihr ein leises Schnarchen. In der Schule haben wir seit Montag Projekt-woche. Jeder soll seine Stärken und Schwächen herausfinden und sich am Ende für einen Beruf entscheiden. „Ich werde einmal …“, steht auf den unzähligen Plakaten, die an alle freien Wände der Schule geklatscht wurden. Daneben sind Bilder von Astronauten, Fußballern und sogar der Bundeskanzlerin zu sehen. Die ganze Woche habe ich mich dazu gezwungen, genauso dämlich zu grinsen wie die anderen, wenn ich nach meinem Traumberuf gefragt werde. Genauso fröhlich von meiner Zukunft zu reden wie Lena, die natürlich Hotelbesitzerin werden will. Wahrscheinlich auch noch auf Mallorca – blöde Kuh. Als ich am Freitag der ganzen Klasse meine blühende Zukunft vorstellen sollte, habe ich schnell auf eins dieser doofen Plakate geguckt und gesagt, dass ich Bundeskanzlerin werden will. Meine Lehrerin fand das ganz toll. Dass ich so engagiert und motiviert in die Zukunft schaue.

Als ob ich dafür gerade ernsthaft Nerven hätte – über irgendwas nachzudenken, das weiter als einen Tag entfernt ist. Letzte Woche ist nämlich so ein gelber Zettel in unseren Briefkasten geflattert. Mama hat ihn mir schnell weggenommen, aber ich konnte noch sehen was darauf stand. Irgendetwas von „Wasserrechnung“ und „Mahnung“. Am Montag stand ich dann in der Dusche und es kam kein Tropfen Wasser mehr raus. Ich dachte, sie sei einfach wieder kaputt – aber als ich stattdessen Katzenwäsche am Waschbecken machen wollte, kam da auch nichts raus. Ich bin dann mit Mama zum Hallenbad gelaufen und wir haben da geduscht. Als ich deshalb zu spät zur Schule kam, habe ich richtig Ärger bekommen – statt der peinlichen Wahrheit sagte ich nämlich einfach, ich hätte verschlafen. Was hätte ich auch sagen sollen: „Meine Mutter rackert sich jeden Tag ab, ist aber trotzdem zu arm, um die Wasserrechnung zu zahlen“? Oder lieber: „Mein Vater zahlt keinen Unterhalt, aber meine Mutter ist zu stolz, um beim Amt einen Mini-Geldzuschuss zu beantragen, für den wir im Gegenzug alle Ausgaben offenlegen müssen“? Dann doch lieber lügen. Die ganze Woche hat Mama dann versucht, das Wasserproblem wieder in den Griff zu bekommen. Am Freitag nach der Schule sind wir dann zusammen zu den Stadtwerken. Schon irgendwie ironisch: am Vormittag Bundeskanzlerin, am Nachmittag um Wasser betteln. Bei den Stadtwerken empfing uns ein Mann im Anzug. Mama schilderte ihm das Problem, aber er blieb steinhart und Mama wurde immer kleiner. Am liebsten hätte ich ihm ins Gesicht gebrüllt. Jetzt ist Sonntag, die Dusche ist immer noch staubtrocken. Vielleicht wäre ich als Bundeskanzlerin in der Zukunft doch gar nicht so schlecht – als erstes würde ich verbieten, dass man Mamas so klein macht. Aber Zukunft ist ein großer Begriff. Zu groß für mich. Zukunft heißt für mich: Haben wir morgen wie-der Wasser? Lächelt Mama morgen wieder? Mal sehen – vielleicht weiß das Leberfleck-Orakel ja etwas.

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Der Menstrual Hygiene Day oder warum wir mehr über Menstruation reden sollten

28. Mai 2020 - 11:55

Seine Periode haben, menstruieren, seine Tage haben– das alles sind Begriffe, die dasselbe meinen, nur unterschiedlich direkt thematisieren: Frauen* bluten einmal monatlich für durchschnittlich eine Woche, da die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird, wenn sich keine befruchtete Eizelle darin befindet. So, jetzt ist es raus. War gar nicht so schwer auszuschreiben.

Billige oder gar kostenlose Periodenprodukte, Stars, die in der Öffentlichkeit mit Blutflecken auf der Hose auftreten – es scheint sich etwas zu tun in der Welt der Menstruation. Heute, anlässlich des „Menstrual Hygiene Day“, möchten wir mit euch einen Blick auf das Thema Menstruation in der ganzen Welt werfen. 

In unserem Artikel von letztem September haben wir euch bereits umweltfreundliche Menstruationsprodukte vorgestellt. Doch das Thema Menstruation hat auch über Nachhaltigkeit hinaus eine große Bedeutung. Für uns hier in Deutschland ist es häufig mit Scham verbunden, „seine Tage“ zu haben. Doch wie ist das in anderen Ländern der Welt? Und was hat dieses Thema überhaupt auf einem Eine-Welt-Blog zu suchen?

Ein paar Beispiele aus aller Welt   Stigmatisierung

In vielen Ländern dieser Welt werden Frauen, wenn sie ihre Periode haben, als unrein angesehen. Die Scham, über das Thema zu sprechen, ist weit verbreitet.  In einigen Gebieten Indiens, Nepals oder Venezuelas leben Frauen deshalb währenddessen in sogenannten „Menstruationshütten“, entfernt vom Rest der Gemeinschaft. In manchen Gemeinschaften dürfen Frauen erst nach einem ausgiebigen Bad nach ihrer Menstruation wieder am Gesellschaftsleben teilhaben. Und in manchen Teilen Indiens dürfen Frauen während sie menstruieren keine religiösen Stätten besuchen und kein gesalzenes Essen zu sich nehmen.  

Doch was hat diese gesellschaftliche Stigmatisierung noch für konkrete Auswirkungen auf Frauen, die in diesen Gebieten leben?

Fehlende Aufklärung

Viele Mädchen wissen gar nicht genau, was Menstruation eigentlich ist, bis sie sie zum ersten Mal haben. Bei Plan International berichten Mädchen aus Indonesien, Malawi, Burundi, Nepal und Uganda über dieses Erlebnis. So erzählen sie beispielsweise, dass sie bei ihrer ersten Blutung dachten, sie hätten sich verletzt. Sie hätten sich nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen oder waren überrascht, dass die Blutung mehr als einen Tag andauerte. Diese Verunsicherung zeigt, dass menstruieren häufig ein Tabuthema ist, das Mädchen mit sich selbst ausmachen müssen.

Teure Hygieneprodukte

Der Preis von Periodenprodukten spielt eine zentrale Rolle in der Problematik. Oft haben Familien nicht die finanziellen Mittel, sich diese zu leisten. Eine Abbildung auf der Startseite von der Organisation The Cup zeigt eindrücklich: Das ist ein wirkliches Problem. Zeitungen, alte Socken, Federn, Schwämme oder gar Schulbücher – all das sind Gegenstände, die verwendet werden, wenn das Geld für richtige Hygieneartikel fehlt, um zu verhindern, dass die „durchbluten“. Außerdem steigt durch diese Behelfsprodukte natürlich auch das Infektionsrisiko.

Zwar scheint das Thema im Globalen Norden weniger problematisch zu sein, doch auch hier gibt es „Periodenarmut“, also das Fehlen finanzieller Mittel, um ausreichend Hygieneprodukte zu kaufen. Aus diesem Grund sind mittlerweile bei uns in Deutschland Produkte rund um die Periode durch das Senken der Mehrwertsteuer billiger geworden. Menstruationsartikel wurden zuvor in die Kategorie „Luxusartikel“ eingeordnet, was eine Mehrwertsteuer von 19 % rechtfertigte. Die Mehrwertsteuer  ist nun durch den Druck verschiedener Akteur*innen (mit prominenter Unterstützung von unter anderem Lena Meyer-Landrut, Palina Rojinski und Jan Böhmermann) auf 7 % gesenkt worden, dem Prozentsatz für Artikel des täglichen Bedarfs.

In diesem früheren Artikel von uns könnt ihr euch genauer über die Ideen hinter der Initiative informieren. Und noch ein Positiv-Beispiel: In Schottland werden nun Schülerinnen Binden und Tampons sogar kostenlos zur Verfügung gestellt!

Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt

In manchen Ländern kann die Periode dazu führen, dass Mädchen in dieser Zeit nicht zur Schule gehen dürfen oder wollen. Einige Gründe haben wir euch schon erläutert: Fehlende finanzielle Mittel für Menstruationsartikel und die Angst, sie könnten „durchbluten“. Aber auch Scham und das Gefühl „unrein“ zu sein. Hinzu kommt, dass Schulen häufig nicht über Wasserzugänge verfügen und es keine Toiletten gibt, um Periodenprodukte zu wechseln.

Dadurch verpassen die Mädchen Unterricht und haben häufig Schwierigkeiten, den Schulstoff nachzuholen. Und dies kann unter Umständen in der Zukunft die Chancen, eine Arbeit zu finden, verringern. Ähnliche Probleme haben arbeitende Frauen an ihren Arbeitsplätzen. Es entstehen also auf Dauer systematische Nachteile für die Mädchen und Frauen.

Was tut sich aktuell? Und was können WIR tun?

Doch es gibt zum Glück auch viele gute Nachrichten rund um die weltweite Situation der Menstruation. 2018 engagierten sich laut „Menstrual Hygiene Day“ 310 Organisationen in 134 Ländern, um 27, 2 Millionen Mädchen bei Problemen rund um ihre Periode zur Seite zu stehen.

Menstruationstassen und Aufklärung

The Cup oder Rubycup stellen beispielsweise Menstruationstassen zur Verfügung, verbunden mit einem Aufklärungsprogramm zum Thema Menstruation und Gleichberechtigung. Dadurch soll es Mädchen möglich sein, auch während ihrer Periode zur Schule zu gehen, ohne auf sanitäre Anlagen angewiesen zu sein. Die Personen, die Aufklärungsarbeit leisten, kommen dabei aus einem ähnlichen kulturellen Hintergrund wie die Mädchen. Dadurch wird das Gefühl stärker, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind.

Wenn du The Cup oder Rubycup unterstützen magst, kannst du dies entweder durch den Kauf einer Menstruationstasse der Organisationen tun oder spenden. Auch zahlreiche andere Organisationen wie beispielsweise Plan International, Global Citizen oder die Welthungerhilfe verfügen über Programme zum Thema.  

Auch um Aufklärung mit Bildungsmaterial zu fördern, wird etwas unternommen. Menstrupedia hat einen Erklärcomic für Schulen und NGOs entwickelt, der jungen Mädchen helfen soll, zu verstehen, was in ihrem Körper während der Menstruation vorgeht. Dieser findet bereits in 18 Ländern Verwendung und wurde in 16 Sprachen übersetzt.

Aufklärung – auch für Jungen und Männer!

Das Besondere an dem Programm von The Cup ist, dass sich nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen mit Menstruation und Gleichberechtigung beschäftigen. Denn nur wer die Situation von Frauen versteht, kann sich auch in Zukunft rücksichtsvoll verhalten. Und das wiederum kann das Thema in der Gesellschaft insgesamt präsenter machen und entstigmatisieren.

Kampagnen

THINX, eine Unterwäschemarke aus den USA, fällt häufig durch provokante Werbung für ihre Produkte auf. So simuliert ihr neuer Werbespot der Kampagne MENstruation ein Szenario, in dem nicht nur Frauen, sondern auch Männer ihre Tage haben und vermutet, dass dann das Thema deutlich offener angesprochen würde.    

Ein weiterer Schritt zur Ent-Tabuisierung der Menstruation findet ganz in eurer Nähe statt – auf euren Handys! Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Seit 2019 gibt es den Blutstropfen-Emoji, der es Frauen und Mädchen erleichtern soll, mit anderen über das Thema zu schreiben.

Ihr könnt also mithilfe solcher Kampagnen in eigenen Nachrichten oder Posts, aber natürlich auch im realen Leben das Thema an die Öffentlichkeit bringen und mehr darüber sprechen. Immerhin ist es ein Thema das 50 % der Bevölkerung direkt betrifft und 100 % von uns etwas angeht. 

Menstruation in den Medien

Ein gutes Beispiel dafür ist auch Period. End of Sentence (deutscher Titel: Stigma Monatsblutung). Der Kurzfilm gewann 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm. Wenn ein Thema sogar bei der Oscar-Verleihung präsent ist, will das schon etwas heißen. Der Film ist mittlerweile auf Netflix streambar. Darin begleitet ein Kamerateam Schüler*innen der Oakwood Highschool, Los Angeles, die in Indien mithilfe der Organisation „Girls Learn International“ halfen, ein kleines Unternehmen aufzubauen, um Monatsbinden vor Ort herzustellen.

Info-Veranstaltungen

Ihr wollt noch mehr über das Thema lernen? Hier findet ihr das Programm des heutigen Menstrual Hygiene Day, an dem viele Organisationen und Expert*innen ihr Wissen teilen. Schau vorbei!

Ihr seht also: Es tut sich was. Aber bis jede Frau und jedes Mädchen auf dieser Welt sich traut, offen über ihre Menstruation zu sprechen, liegt noch ein weiter Weg vor uns.

Habt ihr noch mehr spannende Infos zum Thema? Oder kennt ihr noch andere interessante Kampagnen oder Organisationen? Dann kommentiert gerne diesen Beitrag oder schreibt uns eine Mail!

*Es ist zwar die gesellschaftliche Annahme, aber nicht nur Frauen bekommen ihre Tage. Transmänner zum Beispiel identifizieren sich nicht mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt aufgrund körperlicher Geschlechtsmerkmale zugewiesen wurde. Sie identifizieren sich als Mann und bekommen dann vielleicht trotzdem noch ihre Periode. Ob jemand menstruiert oder nicht sagt nichts über das Geschlecht aus.

Weitere Infos und die Quellen dieses Beitrags:

 

https://www.thecup.org/cup-program

https://www.globalcitizen.org/de/content/indian-students-forced-to-show-teachers-underwear/

https://menstrualhygieneday.org/resources-on-mhm/resources-mhm/

https://plan-international.org/sexual-health/menstruation

https://plan-international.org/news/2019-02-08-period-emoji-gets-go-ahead

https://www.worldbank.org/en/news/feature/2018/05/25/menstrual-hygiene-management

https://www.nzz.ch/international/kampf-gegen-perioden-armut-tampons-nun-auch-in-deutschland-billiger-ld.1531584

https://www.refinery29.com/de-de/stigma-monatsblututng-period-end-of-sentence-netflix-doku 

https://de.rubycup.com/ 

https://www.stern.de/politik/weltfrauentag–wo-frauen-wegen-ihrer-menstruation-ausgestossene-sind-9173056.html

https://www.welthungerhilfe.de/menstrual-hygiene-day-2020/

Das Beitragsbild stamt von  Erol Ahmed auf Unsplash. 

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Neuer Blog: Globale Perspektiven auf Corona

25. Mai 2020 - 11:15

Hier stellt euch die Regionale Bildungsstelle Nord von „Bildung trifft Entwicklung“ ihren Blog zu der Corona-Situation in fünf Ländern des Globalen Südens vor. Vielen Dank für euren Gastbeitrag!

In dem neuen Blog der Regionalen Bildungsstelle Nord von Bildung trifft Entwicklung teilen BtE-Aktive aus verschiedenen Ländern dieser Welt ihre Eindrücke und Erfahrungen zur Corona-Krise. So findet ihr aktuell Beiträge zur Situation in Chile, Äthiopien, Mosambik, El Salvador und Guatemala, die wichtige Veränderungen des dortigen Alltags schildern und uns damit ein Fenster in die jeweilige Region bieten.

Anne Schorling erzählt uns aus Äthiopien, wie mit kleinen Dingen nachbarschaftliche Hilfe passiert. Ulrike Christiansen lässt Stimmen aus Mosambik zu Wort kommen, die vom Leben im Krisenmodus berichten, aber auch menschliche Fähigkeiten hervorheben, Krisen zu meistern. Jana Rohrbach erzählt über die Entwicklungen in Chile und wie sich ihr eigenes Leben vor Ort verändert hat.

Der Blog soll dazu dienen weiterhin global vernetzt und aktiv zu bleiben und einladen, sich nicht nur mit der eigenen Situation zu beschäftigen. „Because we are altogether in this!“ Nicht nur wir sind mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Daher dürfen wir nicht nur nach Deutschland und Europa blicken, sondern müssen auch über unseren Tellerrand hinaus schauen. Die Krise ist weltweit und die Folgen im Globalen Süden sind und werden massiv sein. Covid-19 zeigt uns einerseits, wie eng wir miteinander verbunden sind und gleichzeitig auch, welche Rolle soziale Ungleichheiten in allen Bereichen unseres Lebens spielen. Nicht alle Menschen erhalten gleichermaßen Zugang zur notwendigen medizinischen Versorgung, Existenzen sind vielfach bedroht und populistische Stimmen versuchen die Krise für sich zu nutzen. Das sind nur einige Beispiele von vielen, die uns motivieren sich gerade auch in der Bildungsarbeit des Globalen Lernens mit der momentanen Situation zu beschäftigen, weltweite Zusammenhänge sichtbar zu machen und sich weiterhin für Solidarität mit Ländern des Globalen Südens zu engagieren.

Link zum Blog: www.ifak-goettingen.de/bte/blog

Ihr habt selbst Lust bekommen etwas zu schreiben oder euch mit Audio- oder Videoformaten zu beteiligen? Dann meldet euch direkt bei Sophie (sophie.staeding@bildung-trifft-entwicklung.de).

Ihr wollt noch mehr Informationen, wie es Menschen in anderen Ländern mit der Corona-Situation geht? In diesem Beitrag haben wir euch zwei weitere Blogs zu dem Thema vorgestellt.

Das Beitragsbild wurde aufgenommen von Jana Rohrbach und zeigt Demonstrierende in Chile, die eine staatliche Quarantäne fordern. Die Bildrechte liegen bei der Fotografin.

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Essen, aber nachhaltig – wie wir die Welt auf unseren Tellern verbessern können

22. Mai 2020 - 10:25

Jede*r von uns tut es – die meisten dreimal am Tag, manche nur zweimal. Manchmal muss es schnell gehen, manchmal lassen wir uns bewusst Zeit. Die Rede ist von … Essen!

Bereits Anfang des Jahres haben wir hier über das damit zusammenhängende Thema Lebensmittelverschwendung berichtet.

Dieser  Beitrag ist eine Ergänzung und zeigt weitere Handlungsmöglichkeiten auf, wie ihr mit eurem Essverhalten zu mehr Nachhaltigkeit beitragen könnt. Dabei ist es wichtig sich klarzumachen, dass man auf keinen Fall all diese Ratschläge gleichzeitig befolgen muss. Wir wollen euch lediglich Anregungen und Ideen geben. Wenn das alles auf einmal zu viel ist, macht euch keine Vorwürfe; auch kleine Veränderungen helfen schon!   

Wie wir nachhaltig handeln können, noch bevor das Essen auf dem Tisch steht

Die meisten von euch wissen wahrscheinlich bereits ein wenig über dieses Thema, spätestens nachdem ihr unseren vorherigen Beitrag gelesen habt. Dass Waren, die von weit entfernten Regionen mit dem Flugzeug oder Schiff hierher transportiert werden, eine oft fragliche Ökobilanz haben, habt ihr beispielsweise wahrscheinlich schon gehört.

Doch wie kann man denn nun konkret beim Einkaufen herausfinden, welche der Produkte im Supermarkt die nachhaltigsten sind? Am Beispiel eines Apfels nennen wir euch ein paar Herangehensweisen:

Im Supermarkt

Eine der Möglichkeiten ist, die Label der Produkte zu überprüfen. Da man im undurchdringlichen Dschungel an Öko- und Bio-Siegeln leicht den Überblick verlieren kann, hat der NABU den Siegel-Check entwickelt. Es wird übersichtlich dargestellt, was das Biosiegel eures Produktes beinhaltet – und was eben nicht.

Dazu kommt natürlich die Frage der Herkunft: Ist der Apfel  aus Chile importiert oder in Deutschland geerntet worden? Und wie wurde dieser in seinem Herkunftsland angebaut, geerntet und gelagert? Auch hier geben Siegel Auskunft.

Zusätzlich spielt die Saison eine Rolle: Zwar gibt es Äpfel das ganze Jahr über im Supermarkt – an den Bäumen hängen sie aber bei uns in Deutschland nur im Herbst. Den Rest des Jahres werden sie in Kühlhäusern frisch gehalten. Und dafür wird natürlich Strom verbraucht.

Auch die Verpackung der Produkte ist wichtig bei der Kaufentscheidung. Grundsätzlich ist es sinnvoll, seine eigene Einkaufstasche zum Einkaufen mitzubringen. Darin können dann auch Obst und Gemüse ohne Verpackung aufbewahrt werden. Dazu eignen sich übrigens auch super Papiertüten vom Bäcker. Hier erklären wir euch ausführlich, wieso es sinnvoll ist, Plastik zu vermeiden. In dem Zusammenhang könnten auch „Unverpackt-Läden“ interessant für euch sein. Dort könnt ihr eure eigenen Behältnisse mitbringen und Lebensmittel direkt dort hinein füllen. Verpackung? Gespart!

Zuletzt ist auch die eigene Anreise zum Supermarkt nicht unerheblich. Wer mit dem Auto nur für den Apfelkauf losfährt, verschlechtert dadurch die Umweltbilanz des Obstes.

Es ist noch umstritten, wie sehr sich insgesamt die Ökobilanz der Äpfel nach Herkunft unterscheidet. Grundsätzlich gilt aber: Wer saisonal UND regional kauft, Verpackungen vermeidet und auf nachhaltigen Anbau achtet, handelt auf jeden Fall am nachhaltigsten.

Zuhause

Außerdem lohnt es sich, vor dem Einkaufen genau zu überlegen, was man braucht und wieviel davon. Häufiges Spontan-Einkaufen führt oft dazu, dass am Ende ältere Produkte, die zuhause auf ihre Verwendung warten, ver- statt gegessen werden.

Deshalb gilt auch im Kühlschrank: Altes nach vorn, Neues nach hinten. Und falls ihr viel zu viel von einer Mahlzeit gekocht habt, friert doch ein paar Portionen ein – dann freut ihr euch später darüber.

Für diejenigen unter euch, die ein bisschen mehr Zeit haben, ist es mit Sicherheit auch eine Idee, Produkte selbst herzustellen, die sonst nur verpackt im Supermarkt zu finden sind. Wusstet ihr beispielsweise, dass man Nussmilch auch ganz leicht selbst herstellen kann? Smarticular und viele andere Internetseiten geben gute Tipps dazu.

Ernährungsweise

Außerdem spielt es natürlich eine Rolle, WAS ihr einkauft.  Eine Studie des WWF zeigt beispielsweise, dass der Verzehr von Rindfleisch rund zehnmal so viel CO2 produziert wie der Verzehr von Gemüse. Das PDF zur Studie findet ihr hier.

Das liegt daran, dass bei der Haltung einer Kuh große Mengen an Futter, Wasser und Energie verbraucht werden. Somit lohnt es sich, bezogen auf die Klimabilanz, ganz auf Fleisch zu verzichten oder den Konsum zumindest zurückzufahren. Dazu kommt, dass es auch tolle Alternativen zu Fleisch gibt: Burger-Patties lassen sich zum Beispiel super aus Linsen, Bohnen oder geriebenem Gemüse herstellen.

Es gibt zahlreiche Internetseiten, auf denen inspirierende vegane und vegetarische Rezepte zur Verfügung gestellt werden. Hier findet ihr von Utopia ein paar hilfreiche Tipps zur Umstellung.  

Lebensmittel vor der Tonne retten

Eine weitere Möglichkeit etwas für Nachhaltigkeit zu tun, noch bevor man sich zum Essen an den Tisch setzt, bieten Plattformen wie Foodsharing. Das Konzept dahinter ist, in Supermärkten, Cafés oder Bäckereien in ganz Deutschland Lebensmittel, die nicht mehr verkäuflich sind, abzuholen und gegebenenfalls weiter zu verteilen. Wir haben in dem bereits erwähnten Artikel ja bereits ausführlich darüber berichtet und viele weitere Initiativen vorgestellt.

Eine weitere Plattform in diesem Zusammenhang ist „To Good 2 go“, worüber fertig zubereitete Gerichte, die am Ende des Tages übrig bleiben, verteilt werden.

In gewisser Weise hilft auch die Seite mundraub Lebensmittelverschwendung vorzubeugen. Denn hier werden öffentliche Stellen genannt, an denen Obstbäume, Kräuter oder andere frei zugängliche, essbare Pflanzen zu finden sind, die womöglich sonst ungenutzt blieben. Und die dort zu findenden Produkte gäbe es vielleicht im Supermarkt auch nur in Plastik verpackt. Einem Ausflug vor dem und für das Mittagessen steht also nichts im Weg.

Wie wir nach dem Essen nachhaltig handeln können

 

Verpackungen recyclen

Angefallene Verpackungen müssen nicht unbedingt im Müll landen. Sogenanntes „Upcycling“ macht’s möglich: Alten Produkten einen neuen Sinn geben. In unserem Artikel von findet ihr Anregungen dazu. Und wenn euch das nicht reicht – im Internet gibt es jede Menge weitere tolle Ideen, zum Beispiel bei Utopia (https://utopia.de/tag/upcycling/ ).

Resteverwertung

Wenn ihr bereits gekochte Lebensmittel übrig habt, aber nicht genau wisst, was ihr damit anfangen sollt, findet ihr hier ein paar Ideen.

Und was ist mit den beim Kochen übrig gebliebenen Radieschenblättern, den abgeschnittenen Karottenstrunken oder gar der Karottenschale? Sogar dafür gibt es Verwendung!

Aus übrig gebliebenen Blättern lassen sich oft Cremige Suppen, Pestos oder Salate herstellen, so zum Beispiel aus Radieschenblättern oder Karottengrün. Aber recherchiert natürlich vorher, denn nicht alle Blätter sind essbar! Auch aus übrig gebliebenen Schalen, z.B. von Spargel, lassen sich prima Brühen kochen. „Leaf to root“ oder smarticular bieten euch dazu weitere kreative Ideen.

Außerdem können die Endstücke eures Gemüses oft mehr als ihr denkt! Lest bei food revolution und bei simplebites.de wie man ihnen mit einem einfachen Glas Wasser oder einem Topf Erde neues Leben einhauchen kann (diese Seiten sind allerdings beide auf Englisch verfasst). Eine deutsche Seite zu dem Thema findet ihr hier.

Zuletzt gibt es für die nicht verwendbaren, organischen Reste natürlich noch den guten alten Kompost, aus dem ihr nach einer Weile frische Erde gewinnen könnt. In der ihr dann wieder neue Pflänzchen ziehen könnt. So schließt sich der Kreis. Das geht übrigens auch in der Stadt, ohne Garten. Im Internet findet ihr Ideen und Anleitungen zum Anlegen eines Auch Wurmkisten könnten euch interessieren. Sie sind wie Balkonkomposte mit dem Zusatz, dass in ihnen Würmchen euren Resten helfen, ihre Nährstoffe in die Erde zurückzugeben und die diese zu lockern.  

Ihr seht also, es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten, wie man beim Essen nachhaltig sein und bleiben kann. Vielleicht ist es etwas zu viel verlangt, all diese Tipps und Ideen umzusetzen – aber wenn Jede*r einen Beitrag leistet, hilft das auch schon, die Welt ein bisschen nachhaltiger zu machen. In diesem Sinne: Lasst es euch schmecken und ganz viel Spaß! 

Das Beitragsbild stammt von Jasmin Sessler auf unsplash.

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Was steht an? Online-Veranstaltungen diese Woche

18. Mai 2020 - 14:45

Langeweile? Lust etwas Neues zu lernen? Lust auf Austausch mit Anderen zu spannenden Themen?

Wenn du auf mindestens eine dieser Fragen mit „Ja“ antworten kannst, haben wir da was für dich. Hier sind  ein paar interessante Online-Veranstaltungen dieser Woche:

-18.05. 18 Uhr: Webinar: Das Lieferkettengesetz aus Unternehmenssicht: Vaude

Ein Lieferkettengesetz würde gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen und die Durchsetzung von Menschenrechten und Umweltstandards in den Lieferketten erleichtern. Mit dieser Überzeugung setzen sich inzwischen auch zahlreiche Unternehmen für einen gesetzlichen Rahmen ein. Der Outdoor-Ausrüster Vaude ist eines dieser Unternehmen, welches durch eigene Erfahrungen in der Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfalt zum Verfechter verbindlicher Standards geworden ist.

Hier geht’s zum Event.

-18.05. 19 Uhr: Livestream „Mit Messer und Gabel das Klima retten? Wie unsere Ernährung die Umwelt beeinflusst“

Die Chance, durch veränderte Essgewohnheiten Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen, sitzt täglich mit am Esstisch. Wir haben nur einen Planeten – fruchtbare Ackerfläche zur Erzeugung von Lebensmitteln ist ein knappes Gut. Wie viel landwirtschaftliche Fläche steht uns zukünftig zur Verfügung und wie sollten wir diese nutzen? In welchem Maße tragen unsere Essegewohnheiten zum Klimawandel, aber auch zur Zerstörung natürlicher Lebensräume bei? Was sind die aktuellen Food-Trends und wie wird sich das Angebot auf dem Lebensmittelmarkt weiterentwickeln? Was kann jede*r Einzelne von uns tun und wie sehen gesunde und nachhaltige Ernährungsempfehlungen aus? Im Rahmen der Veranstaltung gehen die Teilnehmenden diesen Fragen gemeinsam mit Referentinnen vom Ecologic Institut und WWF auf den Grund.

Hier gibt’s mehr Infos

-19.05. – 20.05.: Entwicklungspolitische Diskussionstage  

Das Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE) führt in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung (hbs) jedes Jahr die Entwicklungspolitischen Diskussionstage (EPDT) durch. Im Rahmen von Podiumsdiskussionen zu entwicklungspolitischen aktuellen Themen fördern diese den Austausch zwischen Entwicklungspolitik, entwicklungspolitischer Praxis, Wissenschaft und Privatwirtschaft. Dieses Mal geht es um die Themen „Die Zukunft der Landwirtschaft in Sub-Sahara-Afrika“, „Potentiale und Grenzen eines Lieferkettengesetzes“ und „The potential of indigenous peoples in managing disasters (auf Englisch)“. Die zweitägige Veranstaltung findet kostenfrei online statt und richtet sich an alle Interessierten.

Mehr Informationen gibt es hier.  

-20.05. 18:30 Uhr: Webinar: Wasser im Anthropozän

Im Anthropozän – dem Zeitalter des Menschen – funktioniert das populäre Bild vom natürlichen Wasserkreislauf nicht mehr, denn längst greift der Mensch an vielen Stellen in diesen Kreislauf ein. Die Folgen sind teilweise massiv und lassen sich an veränderten Niederschlagsmustern ebenso ablesen wie an sinkenden Grundwasserspiegeln. Wie kann Wasser in guter Qualität und ausreichender Menge trotzdem verfügbar bleiben? Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung verlegt seine Veranstaltung zu diesem Thema im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität kurzfristig ins Netz und bietet „Wasser im Anthropozän – Der Einfluss des Menschen auf den natürlichen Wasserkreislauf“ als Online-Seminar an. Anmeldefrist ist der 19. Mai.

Hier findest du mehr Infos.

-20.05. 18 Uhr:  Gesprächsgruppe online: Let’s talk about: Freundschaften und Rassismus

Afropolitan Berlin möchte mit euch über Freundschaft und Rassismus sprechen. Wie gehen wir damit um, wenn Menschen, die uns wichtig sind, mit denen wir langjährige Freundschaften hegen sich rassistisch äußern? Welche Wege gibt es Rassismus anzusprechen, ohne sich zu verausgaben? Und wann ist der Punkt gekommen sich aus Freundschaften zurück zu ziehen? Diese Online-Gesprächsrunde von Afropolitan Berlin richtet sich an BPoC.

Hier geht’s zur Veranstaltung

-22.05.-24.05.: Online-Symposium KLIMA– gemeinsam klimagerecht leben

Das Online-Symposium bietet täglich LIVE-Vorträge und eine abschließende LIVE-Podiumsdiskussion. Es wird organisiert von SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil.

Hier gibt’s mehr Infos

Viel Spaß beim Anschauen und Mitmachen!

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