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Publikationen des German Institute of Development and Sustainability (IDOS)
Aktualisiert: vor 4 Stunden 20 Minuten

Eine langfristige Perspektive für die aktuelle Energiekrise

17. Oktober 2022 - 12:58

Bonn, 17. Oktober 2022. Inmitten der sich zuspitzenden Krisen, wie dem Ukraine-Krieg, COVID-19 und dem Klimawandel, wird deutlich, wie schwierig es für Regierungen ist, kurzfristige mit langfristigen Prioritäten in Einklang zu bringen. Einerseits machen diese Krisen deutlich, dass ein Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft und sozialer Gerechtigkeit notwendig ist. Das Konzept der „gerechten Übergänge“ hat an Zugkraft gewonnen, einschließlich der Debatten auf G7-Gipfeln und Klimakonferenzen über Partnerschaften für gerechte Energieübergänge und Klimaclubs. Andererseits scheinen die Prioritäten zur Energiesicherheit einer ehrgeizigen Klimapolitik entgegenzustehen, und die befürworteten Preissubventionen und -obergrenzen können die Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und der Energienachfrage insgesamt einschränken.

Reformen der Kohlenstoffbepreisung könnten die Kohärenz zwischen den derzeitigen Maßnahmen zur Bewältigung der Energiekrise und längerfristigen Ansätzen verbessern, also kurzfristige Maßnahmen mit dem gerechten Übergangsprozess verbinden. Eine Reform der Kohlenstoffbepreisung kombiniert zwei Komponenten: die Bepreisung von Kohlenstoffemissionen, einschließlich der Abschaffung von Subventionen für fossile Energieträger, die umweltschädlichem Verhalten entgegenwirken, sowie die Verwendung der erzielten Einnahmen. Eine vielversprechende Möglichkeit, die Einnahmen zu verwenden, sind Sozialprogramme, die die Menschen während des Übergangsprozesses vor höheren Preisen schützen. Derzeitige Maßnahmen zur Bewältigung der Energiekrise nutzen auch Transfers an Haushalte, um Preissteigerungen abzufedern. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass selbst bei den derzeitigen Energiepreiserhöhungen die Einführung von Kohlenstoffpreisen und die Umverteilung der Einnahmen an die Haushalte den Wohlstand im Vergleich zu einer Situation mit stabilisierten Preisen erhöhen würde. Gezielte Transfers würden bedürftigen Haushalten helfen und gleichzeitig Anreize zur Emissionsreduzierung bei den Reichsten schaffen, da die reichsten 10 % der Weltbevölkerung 50 % der globalen Emissionen ausstoßen. Transfers an Haushalte sind daher von entscheidender Bedeutung. Erkenntnisse zur Kohlenstoffpreisgestaltung bieten eine Orientierung, wie diese umgesetzt werden können.

Erstens sollten die Regierungen bei ihren Umverteilungsstrategien auf bestehende Armut und Ungleichheiten sowie auf politökonomische Hindernisse eingehen. Während der Energiekrise haben die Regierungen sowohl universelle Preismaßnahmen wie Obergrenzen und Subventionen für Gaspreise als auch Transfers an alle Bürger*innen oder gezieltere Unterstützung für die schwächsten Bevölkerungsschichten eingesetzt. Die Denkfabrik Bruegel stellt fest, dass alle europäischen Länder mit Ausnahme von Ungarn gezielte Unterstützung für gefährdete Gruppen bereitstellten. Wie Studien über die öffentliche Akzeptanz von Klimapolitik und Kohlenstoffpreisen verdeutlichen, beeinflusst die Wahrnehmung von Fairness den Erfolg und die Auswirkungen von Maßnahmen. Die Energiekrise zeigt jedoch, dass es für Regierungen schwierig ist, gefährdete Gruppen während großer Schocks zu identifizieren. Darüber hinaus müssen politisch-ökonomische Hindernisse überwunden werden, insbesondere, wenn auch wichtige Interessengruppen wie Energieversorger, der Privatsektor und Haushalte mit höherem Einkommen angesprochen werden sollen. Gezielte Transfers an ärmere Haushalte könnten steuerlichen Spielraum freisetzen, um diese anderen wichtigen Akteure zu unterstützen.

Zentral ist auch eine klare Kommunikation darüber, welche Ziele und beabsichtigten Wirkungen Sozialtransfers haben sollen. Die Bürger*innen müssen verstehen, welche Leistungen sie von der Regierung erhalten können und wie die Transfers die Verteilungsgerechtigkeit verbessern und sozial schwachen Haushalten zugutekommen. In der Vergangenheit stießen die Vorteile der Kohlendioxidsteuerreform auf mangelnde öffentliche Wahrnehmung. Auch in Ländern, die die Einnahmen aus der Kohlendioxidsteuer umverteilt haben, waren Bürger*innen nicht ausreichend informiert worden, etwa  in der Schweiz, wo Bürger*innen Rabatte auf ihre Krankenversicherungsprämien erhalten haben.

Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind in ihren Umverteilungsoptionen aufgrund von Budgetbeschränkungen in Verbindung mit geringeren technischen und informatorischen Kapazitäten stärker eingeschränkt. So unterstützen z.B. Informationssysteme wie umfassende Melderegister die sozialen Sicherungssysteme. Ihre entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Schocks durch gezielte Maßnahmen wurde während der COVID-19-Pandemie deutlich. So verwenden Länder mit niedrigem Einkommen aufgrund ihrer geringeren Kapazität zur Umsetzung gezielter Maßnahmen häufig universelle Subventionen anstelle von gezielteren Geldtransfers. Dies kann negative steuerliche und ökologische Folgen haben. Daher ist die Verbesserung der Informationssysteme für kurz- und langfristige Reformen wichtig. Insbesondere Länder mit niedrigem Einkommen benötigen Unterstützung, um ihre technischen Kapazitäten für den gerechten Übergang zu stärken, etwa, wenn sich der Preisanstieg, auch bei Kraftstoffen und Lebensmitteln, verschärft.

Politikgestaltung in der Energiekrise muss den gerechten Übergang im Blick haben. Andernfalls könnten die Länder die Gelegenheit verpassen, wie in vielen COVID-19-Konjunkturpaketen geschehen, die Klimaziele auf sozial gerechte Weise anzustreben. Angesichts ihres Potenzials, sind in vielen Ländern Reformen der Kohlenstoffbepreisung geplant, die für die Erreichung der Klimaziele und den Schutz und die Förderung gefährdeter Haushalte in den kommenden Jahren entscheidend sein werden.

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Navigating the ‘Zeitenwende’: fostering resilience amidst global crises

16. Oktober 2022 - 13:22

Our world is in crisis. The covid-19 pandemic, disrupted supply chains, and geopolitical polarisation have coalesced to threaten the wellbeing of people across the globe. Furthermore, climate change is set to compound these crises through myriad threats including extreme weather events and the spread of zoonotic disease.

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Does economic growth reduce multidimensional poverty? Evidence from low- and middle-income countries

15. Oktober 2022 - 10:18

The long-standing tradition of empirical studies investigating the nexus between economic growth and poverty concentrates mainly on monetary poverty. In contrast, little is known about the relationship between economic growth and multidimensional poverty. Consequently, this study seeks to assess the elasticity of multidimensional poverty to growth, especially in low- and middle-income countries. The study employs two novel, individual-based multidimensional poverty indices: the G-CSPI and the G-M0. It relies on an unbalanced panel dataset of 91 low- and middle-income countries observed between 1990 and 2018: this is thus far the largest sample and the longest time span used in the literature to address this research question. Within a regression framework, we estimate the growth elasticity of multidimensional poverty using the first difference estimator. Our study finds that the growth elasticity of multidimensional poverty is −0.46 while using the G-CSPI and −0.35 while using the G-M0: this means that a 10% increase in GDP decreases the multidimensional poverty by approximately 4–5%. There is, however, heterogeneity in the results; in particular, the elasticity is higher in the second sub-period (2001–2018) and for countries with lower initial levels of poverty. Furthermore, a comparative analysis reveals that the elasticity of income-poverty to growth is five to eight times higher than that of multidimensional poverty. In conclusion, our results indicate that economic growth is an important instrument to alleviate multidimensional poverty, but its effect is substantially lower than that on monetary poverty. Therefore, future research should identify other factors and policies, such as social policies, to substantially reduce multidimensional poverty.

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Donors, implementing agencies and DFI/PDB cooperation – The case of Germany: BMZ, GIZ, KfW and DEG

10. Oktober 2022 - 10:56

In Germany, the Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ) leads in coordinating the government’s bilateral development policy priorities and positions. These are then operationalised and carried out in the form of distinct interventions by implementing agencies. The article engages with the different dimensions of cooperation and coordination of the German development finance landscape.

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Desert rose or Fata Morgana? The G5 Sahel and its partnership with the European Union

10. Oktober 2022 - 10:48

In 2014, Burkina Faso, Chad, Mali, Mauretania and Niger established a new regional organisation—the G5 Sahel (“le groupe de cinq pays du Sahel”). This chapter examines and explains the creation of the G5 Sahel. It also analyses the role the European Union and its member states played in promoting the establishment and evolution of the regional organisation. The analysis finds that a regional power vacuum, demands from the G5 Sahel member states, and vital support by the EU and its member states are key explanatory factors for the creation of the G5 Sahel.

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Sitting, waiting, wishing: why the EU-Mercosur agreement remains on hold

9. Oktober 2022 - 11:20

The EU and the Mercosur trade bloc announced a free trade agreement in 2019, however the deal has yet to be ratified. Frederik Stender writes that with Russia’s invasion of Ukraine bringing the EU’s geostrategic partnerships back into focus, there is movement towards reviving the Mercosur agreement. Yet key obstacles remain, and it is unlikely there will be any breakthrough in the near future.

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Agroecology and rural development: acting in the Global North - for and with the Global South

7. Oktober 2022 - 14:13

Three interlinked crises of global dimension—climate change, biodiversity loss, and unsustainable food systems—put increasingly high pressures on land and people. Identified as the land use trilemma because they occur simultaneously and require integrated solutions, these major challenges must be addressed in rural areas. Approaches that focus on one of these crises in isolation insufficiently address the complexity of these challenges which have important social, ecologi-cal, and economic implications. Integrated solutions or multidimensional, multiple win–win strategies must be developed. The Global North increasingly recognises the need to take responsibility for the global ecological emergency that is emerging predominately as the result of its past and present actions (Hickel, 2020). Inhabitants of the Global North have begun to understand the consequences of their high living standards as an out-come linked to the economic growth paradigm now pursued in many parts of the world. While most countries in the Global South remain within their boundary fair shares, they have started to follow the Global North’s path, amplifying their con-tribution to the ecological crisis. Hence, transformation strategies in rural areas need to be elaborated and applied in all parts of the world. In this study, we explore agroecology as a holistic approach for agri-food sys-tem transformation and sustainable rural development. Our aim is to contribute to a better understanding of how the Global North can translate recognition of its responsibility as a key contributor to the climate crisis, biodiversity loss, and un-sustainable food systems globally into action locally. These local actions must be informed by greater awareness about positive and negative distance effects (tele-coupling) in the Global South and, more precisely, local requirements and oppor-tunities for the global co-creation of knowledge to foster the Global North’s ability to take action with and for the Global South. We anticipate a growing need for joint North–South learning and co-creation of knowledge to “think globally and act locally” in an interconnected world. While agroecology’s potential is increasingly recognised, its actual contribu-tions in the Global North and implication for rural development are not yet well understood. Firstly, important knowledge gaps and misunderstandings exist con-cerning the concept and its approach. This is particularly evident in the fact that a standard definition and certification system, as used in organic farming does not exist for products grown according to agroecological principles. Methodologies for assessing agroecological practices and measuring the reduction of negative local and distant effects in the Global South have not yet been put into practise.

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Mexico’s “catch-22”: the implications of being a trade and climate partner of the United States and the European Union

6. Oktober 2022 - 13:19

Under the current global environmental governance and trade regimes, several initiatives, such as the new United States–Mexico–Canada Agreement, the European Union’s European Green Deal, and regional free trade agreements the European Union has implemented with strategic partners like Mexico, are prompting a vibrant discussion on how trade agreements can be used as a potential mechanism to create enforceable cross-border commitments to tackle climate change. However, to cut greenhouse gas emissions within a few decades, a decisive departure from current trends in emission and trade policies is required by all countries, both developed and developing. As a result, politicians, scholars and experts around the world have looked to trade agreements as a possible tool for reaching global climate commitments, either related to or independent from the Paris Agreement. But how well do these agreements suit this purpose? Carbon-intensive products worldwide increased when tariff reductions were implemented, resulting in destructive practices for many countries, particularly those in the Global South. For countries such as Mexico, the nexus between trade and climate change is not easy to address: the country is trapped between its ambitions to play a role in global trade platforms as an industrial manufacturer and agricultural exporter and its desire to be recognized as a global actor in climate change policy and actions within the global community. Despite recent changes in climate and environmental politics under the administration of President Andrés Manuel López Obrador (2018–2024), Mexico is a middle-income country with a long-standing tradition as climate champion and environmental leader in the Global South and needs to make clear where it stands under the new global environmental and ecological transition scenario imposed by the climate crisis and trade-related issues. The “entanglement” of global trade treaties and commitments under the current climate crisis, represents a major shift for Mexico. Caught between the new US–Mexico-Canada Agreement, the EU–Mexico Trade Agreement and the possible impacts of the European Green Deal, Mexico needs to define its role in trade and environmental terms alongside giant partners such as the United States and the European Union, while defending its role as a regional power. If the European Green Deal takes off as an international driver for deepening climate and sustainable development goals with European Union strategic partners, it remains to be seen how Mexico will respond to the challenge. In this paper we address the possible implications for Mexico under each of these instruments. We look at the interplay between them, explore the linkages and possible conflictual pathways, and “disentangle” the schemes in which trade and climate change are interconnected. Mexico may be trapped in a “catch-22” situation. Environmental provisions embedded in trade treaties provide critical benefits to the country, but this often comes at the expense of “unacceptable” environmental enforcement measures that can put at risk national development plans, especially at a time when the environment and climate change issues are not at the top of the current administration’s political agenda.

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New standard indicators for German development cooperation: How useful are numbers “at the touch of a button”?

6. Oktober 2022 - 11:20

For years, German development cooperation (GDC) has been striving to become more results-oriented. In 2022, the Federal Ministry for Economic Cooperation and Develop-ment (BMZ) took an important step in this direction by introducing 43 standard indicators. The aim was to aggregate development results across themes and countries in order to present them to the public. The BMZ hopes for more effective communication with Parliament (Bundestag) and the general public, as well as more coherent reporting by Germany’s two main implementing organisations, the GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit – the German agency for international cooperation) and the development bank of the Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). From an international vantage point, Germany needs to catch up in respect to results orientation. Other major actors, especially the United Kingdom, the United States and multilateral development banks, introduced compre-hensive reporting systems back in the 2010s. These organisations report on 20 to 50 standard indicators to demonstrate how their activities contribute to measurable results. On this basis, they communicate more coherently with the public.
BMZ aims to create a similar basis for improved communication. In a participatory process – and jointly with the GIZ and the KfW development bank – the BMZ has formulated indicators that are equally suited to implementing organisations’ political priorities and their needs. The administrative burden of collecting the standard indicators is limited by leveraging existing data. In addition, the BMZ has set methodological standards whose obligatory use is intended to increase the quality of the data collected. However, the introduction of standard indicators also entails risks: They can set perverse incentives that encourage reporting on short-term results. Such reporting can lead to a neglect of long-term effects, which are more difficult to measure. Research also shows that indicators no longer fulfil their original purpose of providing neutral representations of change if they are used to exert political control. In addition, there are methodological challenges, such as double counting across different benchmarks, as well as concerns about unrealisable expectations. Overall, we assess the development and introduction of standard indicators in GDC positively. Yet, some important decisions are still pending. The level of detail at which the data will be shared among stakeholders and the public has yet to be determined. The quality of the data collected and the transparency of reporting will in turn determine what larger effects towards an improved results orientation of GDC can be achieved. In view of the decentralised and fragmented structure of GDC, especially regarding monitoring and evaluation systems, we hope that the new indicators can foster the harmonising of the reporting systems of the GIZ and the KfW development bank. The standard indicators can also help make GDC more transparent. We therefore recommend that all data collected be made publicly available. Finally, the integrative potential of standard indicators should be harnessed to improve the division of labour between the ministry and the two main implementing organisations towards becoming learning-oriented – both in the data collection process and during evaluation.

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Die Covid-19-Pandemie: eine gesellschaftliche Konstruktion?

5. Oktober 2022 - 15:53

Dem kürzlich veröffentlichen besonderen Bericht des Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zufolge stellen Herausforderungen im Gesundheitsbereich eine der zentralen Gefährdungen für die menschliche Sicherheit dar. Die Ausbreitung der Affenpocken in Europa zeigt, dass sich global ausbreitende (Infektions-)Krankheiten mit der Covid-19-Pandemie nicht enden, sondern ein bleibendes und voraussichtlich immer häufiger auftretendes Phänomen darstellen. In Folge des Klimawandels und der Ausbreitung des menschlichen Lebensraumes werden Zoonosen, also die Übertragung von Krankheiten von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier, zunehmen und sich schnell flächendeckend verbreiten. Doch nicht nur Zoonosen, sondern vor allem nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden dem UNDP-Bericht zufolge immer häufiger auftreten. Vor diesem Hintergrund, und aus den Erfahrungen der Covid-19-Pandemie lernend, setzt sich die neue Bundesregierung im  Koalitionsvertrag das Ziel, ein »vorsorgendes, krisenfestes und modernes Gesundheitssystem «aufzubauen. So soll unter anderem ein Gesundheitssicherstellungsgesetz» regelmäßige Ernstfallübungen für das Personal für Gesundheitskrisen«  garantieren. Während es zweifelsohne einer Stärkung des deutschen und des globalen Gesundheitssystems bedarf, stellt sich jedoch die Frage, inwiefern tatsächlich neue Gesundheitskrisen zu erwarten sind und wie die erwähnten Entwicklungen überhaupt zu solchen werden.

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Bitte keinen Nationalismus oder Eurozentrismus: Eine Kooperationsstrategie für das globale Gemeinwohl

5. Oktober 2022 - 13:26

Deutschland muss Abhängigkeiten vom chinesischen Markt abbauen und wirtschaftlich diversifizieren. Dafür sollte der Staat die richtigen Anreize und regulatorischen Vorgaben setzen. Das Risiko für Investitionen muss bei den Unternehmen liegen.

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Rebuilding Ukraine: how the EU should support Ukraine’s reconstruction and recovery

4. Oktober 2022 - 16:32

Russia’s brutal war against Ukraine has disastrous consequences for the country. Although an end to the war is currently not in sight, it is already clear that a huge international effort will be required to support Ukraine’s reconstruction. At the Ukraine Recovery Conference in July, the Ukrainian government presented a National Recovery Plan that envisions a deep modernisation of the country.
The Ukrainian government’s reconstruction priorities are well in sync with the European Union’s (EU) ambition to promote Ukraine’s transformation towards an EU member state and to foster the country’s green and digital trans¬ition. The National Recovery Plan fully embraces the “build back better” principle and closely aligns the reconstruction plans with the EU’s norms and standards.
The EU, on its part, is willing to bear a major share of the international effort required for Ukraine’s recovery. However, the same degree of unity and resolve that the EU showed when forging its initial response to the war will be needed to realise a strong EU leadership role in supporting Ukraine’s long-term reconstruction.
To provide a sustainable basis for Ukraine’s recovery, the EU and member states need to combine ad hoc humanitarian assistance with predictable, long-term support for reconstruction. In doing so, they should consider the follow¬ing key recommendations:
• Adopt a two-phase approach to reconstruction. The modernisation and transformation of Ukraine towards an EU member state will take several years. At the same time, the vast infrastructure losses that Ukraine is currently facing need to be addressed urgently, ideally before the winter sets in. Hence, international donors should prioritise the reconstruction of infrastructure related to basic needs, including
schools, hospitals, housing, electricity grids and roads. In a second phase, deeper modernisation efforts and institutional reforms that are of relevance for eventual accession to the EU should follow.
• Set up adequate governance mechanisms for the joint management and oversight of reconstruction efforts. The Ukrainian government and the EU should set up a coordination platform that also involves other international partners and Ukrainian civil society actors. This platform should then develop institutional governance mechanisms for the management and oversight of projects, and ensure close coordination between the Ukrainian government and international partners.
• Negotiate a comprehensive agreement on the EU’s contribution to the reconstruction of Ukraine. A timely agreement on the governance and funding of the EU’s long-term assistance to Ukraine is needed. A mixed strategy that includes borrowing capital on behalf of the EU on the markets and funnelling additional contributions by member states to the EU’s budget might be a potential way forward. In addition, the EU should swiftly examine legal possibilities to channel sanctioned Russian assets towards Ukraine’s recovery.
• Continue and expand military assistance to Ukraine. Substantive investments in Ukraine’s reconstruction should not come at the expense of necessary military aid. One priority should be to strengthen Ukraine’s ability to protect its skies against Russian missile attacks. Moreover, the EU should realise its plans for an EU military training mission, provided that it creates real added value to existing efforts and matches Ukrainian needs.

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Trust in institutions and perceptions of the tax system among informally employed people

4. Oktober 2022 - 15:32

The challenge to develop more comprehensive health and social protection systems is not just technical in nature. Agreeing and implementing the necessary reforms to make this widely shared goal a reality requires acknowledging and potentially reshaping citizens’ vertical relations with the state and also the horizontal relationships between citizens. As a result, any strategy to expand the health and social protection systems requires thinking carefully about how the relationship between the informally employed and state institutions is perceived and defined. In addition, the fiscal dimension of the reform is undoubtedly crucial. Finding the scope for a reform that is politically, socially and fiscally sound requires changes in the predominant fiscal contracts, understood as an implicit agreement in a society defining how much members can expect to benefit from state action and how much they are expected to contribute in exchange. In this chapter. the results of surveys among the informally employed in six African countries are presented. The responses offers crucial indications to approach the challenges sketched above. Health is defined as the top priority that informally employed people would like governments to focus on. Generally speaking, informally employed are open to contribute more via taxes and fees if they themselves or even poorer people obtain better services in exchange. The vast majority also expresses support for a vision of the state that targets services at the poor, regardless of whether they are able to contribute to the fiscal effort. One major obstacle to coordinating and implementing more ambitious reforms seems to be lack of trust among informally employed in various social and political institutions, especially so-called intermediary institutions, such as political parties and trade unions. Overall, there seems to be scope for reform but much work is needed to create the socio-political conditions required for the vision to be feasible.

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Feministische Entwicklungspolitik – warum wir einen feministischen Ansatz zur Umsetzung der 17 Ziele brauchen

4. Oktober 2022 - 13:19

Im Frühjahr 2022 kündigte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze einen Paradigmenwechsel in der deutschen Entwicklungspolitik an: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) werde zukünftig eine feministische Entwicklungspolitik verfolgen. Was verstehen wir darunter?

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A majority working in the shadows: a six-country opinion survey on informal labour in sub-Saharan Africa

4. Oktober 2022 - 12:10

Informal labour plays a vital role in African economies and societies. In most African countries, between 80 and 95 per cent of the working population make a living working in the informal economy. Informality thus shapes how people live and how they interact with the state. People working and living in informality have less access to public services than people earning their income in the formal economy. They seldom benefit from state social protection and are not protected by labour and social legislation. Furthermore, the Covid-19 pandemic has worsened the conditions of many Africans living in informality. Despite the crucial role of informal labour for African economies and societies only few empirical data exist on the subject. In 2017 representatives of the International Labour Organization (ILO), the German Institute of Development and Sustainability (IDOS) together with the Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) decided to join forces to help closing this gap and launched the multiannual comprehensive research project Informal Employment, Social Security and Political Trust in sub-Saharan Africa.

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Soziale Sicherung: Ein wirksamer Schutzschild gegen globale Krisen

4. Oktober 2022 - 11:45

Die Welt befindet sich in einer Mehrfachkrise: Covid19, steigende Lebensmittel- und Energiepreise aufgrund des Krieges in der Ukraine. Die Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen leiden darunter besonders. Ihre Regierungen sollten die Höhe und Reichweite der Leistungen von Sozialprogrammen ausweiten, um extreme Armut zu bekämpfen, den Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Grundversorgung für alle Bürger sicherzustellen und einen Schutzschild gegen den nächsten externen Schock zu errichten.

In den letzten zwanzig Jahren wurde die Welt mit einer Reihe von Schocks konfrontiert, von denen alle Länder betroffen waren. Dazu gehören die Weltwirtschaftskrise 2008, die Covid19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine, aber auch der rasche Klimawandel begünstigte beispiellose Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen führte. Diese Schocks haben gemein, dass sie die Lebensgrundlagen armer und armutsgefährdeter Menschen bedrohen und bestehende Ungleichheiten hinsichtlich Einkommen, Ernährung, Gesundheit, Bildung und anderer Aspekte des Wohlbefindens verschärfen.

Vor allem die Regierungen von Ländern mit niedrigem und niedrigem mittleren Einkommen können für sich alleine wenig tun, um die Schocks als solche zu verhindern, aber sie können versuchen, deren Auswirkungen abzufedern, indem sie die Reichweite der vorhandenen Programme der sozialen Sicherung ausweiten, neue Programme aufbauen und die Leistungen insbesondere für Menschen mit niedrigem Einkommen erhöhen. Cash-for-work-Programme wie das Rural Employment Guarantee Scheme in Indien sind in dieser Hinsicht besonders wirksam; sie bieten Menschen ein Einkommen, die bereit sind, beim Aufbau von dringend benötigter Infrastruktur wie Straßen, Dämmen, Frischwasserleitungen und Kanalisation zu arbeiten. Die Programme schützen die Lebensgrundlagen von Menschen mit geringem Einkommen, stellen sicher, dass nur die wirklich Bedürftigen profitieren, und verhindern, dass weitere Menschen in Armut abrutschen. Auch universelle Kindergeld- und Sozialrentenprogramme können sehr hilfreich sein, wie das Beispiel von Lesotho zeigt. Viele Länder wie Brasilien, Nicaragua, Iran und Indonesien haben ebenfalls gute Erfahrungen mit Sozialhilfeprogrammen gemacht – ob deren Leistungen an Bedingungen geknüpft sind oder nicht.

Frauen sind seltener erwerbstätig als Männer und zudem häufiger im informellen Sektor beschäftigt, so dass sie vielfach nicht von Sozialversicherungen profitieren. Für sie können steuerfinanzierte Sozialhilfe- und cash-for-work-Programme daher besonders wichtig sein. Dennoch sollten bei der Ausgestaltung genderspezifische Bedarfe berücksichtigt werden, damit die Programme Frauen tatsächlich stärken, anstatt traditionelle Geschlechterrollen oder eine Doppelbelastung von Frauen durch zusätzliche Arbeit zu befördern.

Wenn diese Programme angemessen konzipiert sind, unterstützen sie sie nicht nur die unmittelbar Begünstigten, sondern verhindern auch, dass ein etwaiger Rückgang der Nachfrage im Ausland zu einem allgemeinen Konsumeinbruch führt. Wo es bereits Programme der sozialen Sicherung gibt, können die Regierungen deren Etats relativ schnell aufstocken, um Kompensation für Einkommenseinbrüche an anderer Stelle zu schaffen; die Kosten sind in der Regel nicht prohibitiv, insbesondere wenn die Regierungen schon im Voraus durch antizyklische Ausgabenpolitik vorgesorgt haben. Programme der sozialen Sicherung sind also nicht nur mikroökonomische, sondern auch makroökonomische Stabilisatoren, die den Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften verhindern. Darüber hinaus können sie auch die lokale Wirtschaft ankurbeln, wenn die unmittelbar Begünstigten lokal einkaufen und so auch die Einkommen ihrer Nachbarn steigen lassen. Die Weltbank schätzt diesen Effekt auf die lokale Ökonomie auf das bis zu Fünffache der eigentlichen Auszahlungen der Sozialprogramme.

Vor Covid19 gaben die Länder mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen im Mittel nur 1,0 bzw. 2,5 % des BIP für soziale Sicherung (ohne Gesundheit) aus, während es bei den Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen 16 % waren. Einige Länder wie Lesotho, die Mongolei und Timor-Leste gaben jedoch schon vor Covid19 weit mehr als 5 % des BIP aus. Viele andere wie Äthiopien, Mosambik, Marokko und Pakistan haben ihre Ausgaben für soziale Sicherung als Reaktion auf die Krise deutlich erhöht, zum Teil mit Unterstützung von externen Gebern. Allerdings haben sie oft nur kurzfristige Maßnahmen mit begrenzten Leistungen umgesetzt, so dass die Empfänger vulnerabel für vielfältige Risiken blieben.

Es ist an der Zeit, dass die nationalen Regierungen solche Nothilfemaßnahmen in universellere, dauerhafte und rechtsbasierte Programme umwandeln, um möglichst allen Bürgern Schutz vor dem nächsten größeren Schock zu bieten. Länder mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen sollten mit dem Aufbau einer sozialen Grundsicherung beginnen, die eine universelle und kostenlose Gesundheitsversorgung, universelle Grundrenten- und Kindergeldprogramme sowie cash-for-work-Angebote für vulnerable Menschen im arbeitsfähigen Alter umfasst. Externe Geber können die Partnerländer im Rahmen von technischer und finanzieller Zusammenarbeit beim Aufbau und der Reform von Programme der sozialen Sicherung unterstützen. Zum Beispiel können sie helfen bei der Erstellung eines zentralen Registers der Empfänger von Sozialleistungen oder eines systemischen Politikansatzes, der die verschiedenen bestehenden Programme besser miteinander harmonisiert. In einigen Fällen sollten die Geber auch laufende Transfers finanzieren, z. B. in Ländern, in denen Krieg herrscht und es keine funktionsfähige Zentralregierung gibt. Und sie sollten einen globalen Schutzschild finanzieren, der Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen beim Umgang mit Klimarisiken unterstützt.      

Parallel müssen viele Länder aber auch verstärkt in die Gesundheits- und Beschäftigungspolitik investieren, insbesondere in die Ausstattung von Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung und in die Berufsbildung. Die jüngsten Krisen haben das Leben vieler Menschen nicht nur in finanzieller Hinsicht beeinträchtigt. Covid19 beispielsweise hat das Einkommen vieler Haushalte - vor allem in der informellen Wirtschaft - geschmälert, aber auch die Defizite der Gesundheitssysteme in vielen Ländern offenbart.

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Re-discovering assessed contributions in the UN system: Underexploited, yet full of potential

29. September 2022 - 13:41

In May 2022, the World Health Organization Member States took the historic decision to increase the share of assessed contributions in the organisation’s regular budget. There are good reasons to assume the increase during the COVID-19 pandemic is a singular measure. On the road to the United Nations (UN) Summit of the Future, however, assessed contributions – which remain an underexploited instrument for collectively funding global tasks – should not be discarded prematurely. Given current global instability and crises, expanding and reforming their usage could help make UN organisations and multilateral action more effective. Equally important in times of geopolitical upheaval, assessed contributions symbolise a commitment to collectively shared responsibility and a belief in multilateral priority setting, as cumbersome as this may be. This contribution discusses the up- and downsides of assessed contributions and formulates recommendations regarding their future usage and operationalisation.

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Firm dynamics in times of COVID: evidence from Egyptian firms

28. September 2022 - 8:57

 The COVID-19 outbreak has had severe economic consequences across the globe. The crisis emanating from the pandemic has caused demand and supply side shocks, which are more far reaching than any crisis in living memory. We use a new data set from the 2020/21 Egyptian Industrial Firm Behavior Survey (EIFBS) to examine determinants of firms’ resilience during the COVID-19 pandemic. Crisis present the opportunity for what Schumpeter (1934) called creative destruction. Have manufacturing firms been all hit by the crisis equally, or were less efficient firms more likely to exit or downsize their activities thereby ‘cleansing’ the market? Two sets of factors affect firm dynamics and survival: 1) firms’ innate characteristics, such as formality and export status, sector, ownership, age, size and location and; 2) firm behavior which captures the extent to which good managerial practices, innovation, the adoption of advanced technologies and worker training have provided an opportunity for firms to adapt their business models and show greater resilience in coping with the crisis. Our main findings illustrate the vulnerability of private, smaller, informal firms and those that are not located in industrial zones. Also, as expected, pre-COVID behavioural characteristics matter for firm dynamics. The food sector and sectors identified as ‘COVID sectors’ show more resilience. More nuanced results show that the effect of some behavioral traits vary by sector and are more influential depending on firm size.

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Mehr Wirksamkeit für bessere Ergebnisse fordern

26. September 2022 - 10:00

Die erste Lesung des geplanten Entwicklungsetats für 2023, die Anfang September im Bundestag stattfand, hat einen besorgniserregenden Zustand parlamentarischer Debatten zur deutschen Entwicklungspolitik offengelegt. Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, plädierte unter Verweis auf die Verantwortung Deutschlands bei der Bewältigung regionaler und globaler Krisen für mehr Mittel. Diese Forderung wiederholte sie einige Tage später in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel („[…] natürlich brauchen wir mehr Geld“). Vertreter*innen der meisten Parteien im Bundestag beklagten fast einstimmig die geplante Kürzung der öffentlichen Mittel und warfen sich dabei gegenseitig vor, falsche Prioritäten zu setzen. Aber ob sie nun für Schulzes avisierte „feministische“ Agenda einstanden, globale Ernährungssicherheit oder den Schutz der biologischen Vielfalt forderten – bis auf eine Ausnahme schwiegen die Vortragenden zur Frage der Wirksamkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ).


Dabei hatten Regierungen aus aller Welt bereits vor über zwanzig Jahren einen politischen Meilenstein erreicht: Sie erkannten an, dass mehr Entwicklungshilfe allein nicht ausreicht, um das Leben von Milliarden Menschen im globalen Süden zu verbessern. Der Konsens von Monterrey aus dem Jahr 2002 wurde zu einer Grundlage für ein neues Verständnis der internationalen EZ im neuen Jahrtausend. Es räumt Wirksamkeit Vorrang vor dem bloßen Volumen der finanziellen Zusagen bilateraler und multilateraler Geber ein. Der Konsens diente als Fundament für eine bahnbrechende internationale Erklärung drei Jahre später in Paris, deren Unterzeichner*innen die wichtigsten Grundsätze für eine erfolgreiche EZ anerkannten: Erfolg sollte letztlich an erzielten Ergebnissen und nicht an den bereitgestellten Mitteln gemessen werden. Dazu dürfen Geber sich jedoch nicht nur an Budgets orientieren, sondern müssen sich verpflichten, qualitativ bessere Arbeit zu leisten. Es ist höchste Zeit, sich diesen Konsens wieder in Erinnerung zu rufen.


Angesichts der geplanten Kürzung des Entwicklungsetats für 2023 um rund zehn Prozent—circa 1,27 Milliarden Euro weniger—sollte sich die Bundesregierung dringend darauf besinnen, dass es auf Ergebnisse ankommt. Nur so kann Deutschland seinem Anspruch als verlässlicher Partner und Vordenker in der internationalen EZ gerecht werden. Das in der Debatte mehrfach vorgebrachte Argument, sinkende Budgets seien ein beunruhigendes Signal in Richtung der anderen G7-Staaten, trifft nur einen Teil der Wahrheit. Es stellt internationale Sichtbarkeit in den Vordergrund, also das Ansinnen, aus höheren Staatsausgaben politisches Kapital auf globalen Bühnen zu schlagen. Dabei wird eine Tatsache verkannt, auf die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) seit Jahren hinweisen: Das deutsche EZ-System produziert keine ausreichenden Wirkungen.


Höhere Wirksamkeit als Chance
Die Bundesregierung kann auch in Zeiten begrenzter Budgets viel bewegen, wenn sie einen Fokus auf die Förderung und Einforderung organisationalen Lernens und dadurch höherer Wirksamkeit ihrer technischen und finanziellen Zusammenarbeit legt. Dieses Vorgehen würde überzeugendere Argumente für eine erneute Aufstockung des Entwicklungsetats in den kommenden Jahren liefern. Es würde zudem dazu beitragen, dass Deutschland international sichtbarer eigene Impulse setzen kann, anstatt multilaterale Prioritäten lediglich mitzufinanzieren.


Mit weniger mehr zu erreichen, ist zweifellos eine anspruchsvolle Aufgabe. Jahrzehntelang haben verschiedene Bundesregierungen versucht, durch die Zuteilung von Milliarden von Steuergeldern an zwei Durchführungsorganisationen—GIZ und KfW—ihre politischen Ideen und Sonderinitiativen umzusetzen. Im Rahmen ihrer Arbeit in über hundert Partnerländern haben diese beiden Hauptakteure der deutschen EZ einen enormen Erfahrungsschatz angesammelt. Dieses Fachwissen müssen sie in Zeiten von Mittelkürzungen nutzen und unter Einbeziehung internationaler Forschung daran arbeiten, wirkungsvollere – und nicht einfach nur größere – Projekte umzusetzen. Natürlich ist es unrealistisch, von der GIZ und KfW zu erwarten, dass sie selbst für Sparmaßnahmen eintreten. Doch Unternehmensinteressen müssen jetzt hintenangestellt werden. Die geplanten Kürzungen im deutschen Entwicklungsetat stellen eine Herausforderung dar, aber sie sind auch eine Chance, um bestehende Ansätze zu überdenken und mehr Wirkung pro ausgegebenem Euro zu erzielen.


Alle, die bereit sind, ihre Kräfte zu bündeln, um die Konzeptions- und Umsetzungsqualität der deutschen EZ zu steigern, können sich auf eine Fülle fundierter Erkenntnisse und Empfehlungen stützen. Neben den Berichten der OECD, des DEval und des Bundesrechnungshofs (BRH)—zuletzt im Jahr 2021—fassen Online-Datenbanken die Ergebnisse Tausender für die deutsche EZ relevanter Studien zusammen. Das deutsche EZ-System kann durch eine systematischere Einbeziehung dieses Wissens in seine Ausgestaltung bilateraler Projekte und multilateraler Partnerschaften zum Vorreiter in evidenzorientierter EZ werden. Die Daten dafür sind vorhanden. Woran es seit Jahren mangelt, ist die Nachfrage nach entwicklungspolitischer Wirksamkeit. Doch genau so könnten Bundestagsabgeordnete Verbesserungen im Leben von Milliarden Menschen bewirken – indem sie Bundesministerin Schulze auffordern, jene Projekte und Partnerschaften zu priorisieren, die nachweislich am wirksamsten sind.

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