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Mit Menschenrechten gegen den Hunger
Aktualisiert: vor 4 Stunden 4 Minuten

Pressemitteilung zu den Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen: Protestaktion von FIAN gegen Menschenrechtsverletzungen

22. Juni 2018 - 8:00
FIAN-Protestaktion am Montag, den 25. Juni von 8.00 – 10.00 Uhr am Congress-Centrum NORD, Koelnmesse, Deutz-Mülheimer Straße 111, Köln-Deutz

Im vergangenen September haben 30 Menschenrechts-ExpertInnen die sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Konsequenzen der massiven Ausweitung des Soja- und Zuckerrohr-Anbaus im Nordosten Brasiliens recherchiert. Dabei wurden Landgrabbing, weit verbreitete Fälschungen von Landtiteln sowie schwere ökologische Schäden dokumentiert. Mitverantwortung hierfür tragen Investitionen internationaler Pensionskassen, unter anderem aus Deutschland, Schweden und den Niederlanden. Pensionsfonds, die weltweit über 40 Billionen US Dollar halten, investieren seit rund zehn Jahren vermehrt in Agrarland.

Die Anbauflächen für Sojamonokulturen in Brasilien haben sich seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht, was der anderthalbfachen Agrarfläche Deutschlands entspricht. Die Expansion führt zu Vertreibungen (besonders betroffen sind hiervon Indigene), dem Verlust der Artenvielfalt, Pestizidverunreinigungen, schwindenden Wasservorräten und Gesundheitsschäden. Dies fügt sich in den weltweiten Trend, wonach Land mehr und mehr ein Renditeobjekt für internationales Finanzkapital darstellt und immer weniger für Ernährung und ein Auskommen lokaler Gemeinden zu Verfügung steht.

FIAN Deutschland fordert eine staatliche Regulierung von Auslandsinvestitionen, speziell von Pensionsfonds: „Deutsche Aufsichtsbehörden dürfen nicht nur - wie bisher - den Werterhalt solcher Anlagen prüfen, sondern müssen sie auch auf die Einhaltung von Menschenrechten abklopfen und notfalls haftbar machen“, so Roman Herre, Agrarreferent von FIAN.

Allein im vergangenen Jahr wurden in Brasilien 70 Menschenrechts-VerteidigerInnen ermordet, häufig im Zusammenhang mit Landkonflikten. Das häufig vorgebrachte Argument, die Agrarindustrie sei zentral für die Entwicklung Brasiliens, ist fadenscheinig. „Der größte Teil der landwirtschaftlichen Produktion Brasiliens dient dem Export von Agrarrohstoffen wie Soja, Mais und Zuckerrohr. Die Ausbreitung dieser Monokulturen dient lokalen Eliten sowie transnationalen Unternehmen wie BASF, Bayer oder Cargill, die die Märkte für Saatgut, Pflanzenschutzmittel, Dünger und Maschinen dominieren, nicht jedoch der örtlichen Bevölkerung“, so Almudena Abascal, Lateinamerika-Referentin von FIAN. Allein im Bundesstaat Mato Grosso do Sul kämpfen etwa 30.000 Indigene vom Volk der Guarani-Kaiowá um Zugang zu ihren traditionellen Gebieten. Sie wurden in der Vergangenheit von ihrem Land vertrieben, um Platz für eine großflächige Landwirtschaft zu schaffen.

Eröffnet werden die 36. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage von Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln und Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Zu den Sponsoren gehören Volkswagen, Bayer, die Commerzbank sowie die KfW-Bank Töchter DEG und IPEX.

Kontakt:
Almudena Abascal: a.abascal@fian.de, 0221-47449113;
Roman Herre: R.Herre@Fian.de, 01520 7067302

Weitere Informationen:
• Investitionen europäischer Pensionskassen in Brasilien
• Ermordung von MenschenrechtsverteidigerInnen

Vereinte Nationen stärken Rechte von Frauen in ländlichen Regionen

21. Juni 2018 - 16:23
Die Kommission zur Stellung der Frau der Vereinten Nationen setzt sich für die Gleichstellung sowie gesellschaftspolitischer Stärkung von Frauen in ländlichen Regionen ein. In der Abschlusserklärung ihrer Sitzung im März 2018 drückt die Kommission ihre Besorgnis darüber aus, dass 80 Prozent der extrem Armen auf dem Land lebt und Frauen und Mädchen wiederum besonders stark betroffen sind. Gleichzeitig weist sie auf die große Bedeutung von Frauen für die lokale Wirtschaft und Lebensmittelproduktion hin. Die Kommission fordert daher alle Regierungen, regionale und internationale Organisationen dazu auf, rechtliche und politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Frauen und Mädchen im ländlichen Raum stärken. Die vollständige Abschlusserklärung ist hier veröffentlicht (Englisch).
Einen ins Deutsche übersetzten Auszug finden Sie hier.

Die Kommission zur Stellung der Frau der Vereinten Nationen (englisch kurz: UN Women) ist ein zwischenstaatliches Gremium des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen. Eine wesentliche Aufgabe der Kommission ist die Überwachung der Umsetzung der Erklärung der Weltfrauenkonferenz von Peking aus dem Jahr 1995. Darin erkennt die Staatengemeinschaft Menschenrechte von Frauen und Mädchen an und fordern alle Regierungen auf, sich aktiv für ihre Verwirklichung einzusetzen.

Des Menschen Recht auf Land

21. Juni 2018 - 10:17
Genauso wie die Luft zum Atmen braucht der Mensch das Land zum Leben.
Ohne Land kein Wohnen, kein Ausüben kultureller Praktiken, keine
Versammlungsfreiheit oder auch keine Nahrung. 2,7 Milliarden Menschen
sind in der Landwirtschaft aktiv und ernähren sich teilweise direkt über
ihren Zugang zu Land. Selbst wenn wir unsere Nahrung im Supermarkt
kaufen, benötigen wir diesen Zugang zu Land, um uns zu ernähren – wenn
auch indirekt. Aktuelle Entwicklungen, die oft unter dem Schlagwort
Landgrabbing zusammengefasst werden, begreifen Land hingegen als
eine reine Ware und etablieren mittelalterlich-feudale Strukturen, in denen
ganze Landstriche von einzelnen AkteurInnen kontrolliert werden. Da
wundert es sehr, dass die Politik den Blick vom Thema Landkonzentration
abwendet und es tabuisiert. Dem entgegen wächst das Verständnis für
die Notwendigkeit eines Menschenrechts auf Land. Lesen Sie hier den gesamten Artikel von FIAN Agrarreferent Roman Herre als PDF. Er ist im Rahmen des Rundbriefs 2/2018 vom Forum Umwelt und Entwicklung erschienen.

FIAN-Portrait im Magazin Galore erschienen

18. Juni 2018 - 16:16
Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland, und Geschäftsführer Philipp Mimkes erhielten kürzlich Besuch vom Magazin Galore. Das ausführliche Interview über das Menschenrecht auf Nahrung und die Arbeit von FIAN erschien nun in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift. In dem Gespräch werden unter anderem die Geschichte der Menschenrechte, der Zusammenhang von Diskriminierungen und Hunger, die Hintergründe von Landkonflikten, Forderungen an die Bundesregierung sowie Fallbeispiele aus der FIAN-Arbeit diskutiert.

Galore ist ein Interviewmagazin, das sich seit rund zwei Jahren ausführlichen Portraits und Reportagen widmet. FIAN befindet sich in der aktuellen Ausgabe mit Margot Käßmann, Alice Schwarzer und Sarah Wiener in guter Gesellschaft.

Den vollständigen Text finden Sie hier online.

Pressemitteilung: Keine Transparenz bei der DEG in Sicht

15. Juni 2018 - 10:05
2013 hatte die Menschenrechtsorganisation FIAN zusammen mit 25 weiteren Nichtregierungsorganisationen eine Petition im Bundestag eingereicht, die „Transparenz für Menschenrechte“ bei der deutschen Entwicklungsbank DEG einforderte. FIAN kritisiert, dass entgegen der Versprechen des Entwicklungsministeriums die Begründung im Petitionstext bis heute hoch aktuell ist: Es ist „praktisch unmöglich, sich ein Bild der menschenrechtlichen Praxis der DEG in ihren Projekten zu machen, da keine systematische Information der Öffentlichkeit stattfindet.“

Die Petition wurde unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass in der Zwischenzeit bei der DEG „Maßnahmen der Transparenz in sehr guter Weise realisiert“ seien, so der damalige Staatssekretär im BMZ und Aufsichtsratsvorsitzende der DEG, Hans-Joachim Fuchtel. Er bezog sich dabei auf die seit 2015 eingeführte Veröffentlichung von Basisdaten zu Finanzierungen der DEG. Auch in ihrem aktuellen Jahresabschluss erklärt die staatseigene Entwicklungsbank: „Seit dem 01.01.2015 veröffentlicht die DEG auf ihrer Internetseite Informationen über die von ihr finanzierten Projekte und Unternehmen.“ Unterschlagen wird dabei jedoch, dass dies nur geschieht, wenn der Kredit-Empfänger einer Veröffentlichung zustimmt.

FIAN-Recherchen zeigen nun, dass seit 2015 immer weniger dieser Minimal-Informationen veröffentlicht werden: so wurden 2017 von 111 Zusagen gerade einmal 61 veröffentlicht. Damit fließen von 1,551 Milliarden Euro Zusagen aus 2017 rund 680 Millionen Euro in Unternehmen und Projekte, die der Öffentlichkeit und dem Parlament unbekannt sind, obwohl die Bank ein entwicklungspolitisches Mandat hat und als gemeinnützige Organisation steuerbefreit ist.

Roman Herre, Agrarreferent bei FIAN Deutschland erklärt dazu: „Bei der aktuellen Informationspraxis müssen wir davon ausgehen, dass gerade bei menschenrechtlich problematischen Finanzierungen die Unternehmen eine Veröffentlichung ablehnen. Dabei würde eine einfache Klausel in allen Verträgen die Veröffentlichung aller DEG-Finanzierungen sicherstellen.“ Verschärft wird die Intransparenz dadurch, dass 54% der DEG-Gelder in Banken oder Fonds angelegt sind – nicht selten über hoch intransparente Firmengeflechte in Finanzparadiesen. So fehlen selbst im Falle einer Veröffentlichung von Basisdaten jegliche Informationen über etwaige Empfänger weitergereichter Kredite oder reale Vor-Ort-Effekte.

„Bis heute bleibt die DEG ein schwarzes Loch der deutschen Entwicklungshilfe“, so Herre weiter. Trotz öffentlichem Mandat legt sie gegenüber dem Parlament und der Öffentlichkeit keine angemessene Rechenschaft über ihre Finanzierungen ab. Menschenrechtliche und ökologische Auswirkungen der Projekte bleiben so trotz Ratings und Kennzahlen weitgehend im Dunkeln. Für FIAN bleibt die Forderung der Petition aus 2013 bestehen, dass jene Dokumente veröffentlicht werden müssen, die eine Bewertung des Umgangs mit menschenrechtlichen Problemen in Projekten ermöglichen, darunter die vollständigen Umwelt- und Sozialpläne. FIAN hofft, dass sich auch der neue Aufsichtsrat der DEG diesem Thema annimmt.

Weitere Informationen:
• Tabelle der Veröffentlichungen seit 2015
• Petitionstext aus dem Jahr 2013
• Redebeitrag von Staatssekretär Fuchtel am 16. März 2016

Kontakt: Roman Herre, r.herre@fian.de, 0221/474 491-13

Stoppt die Monopolisierung von Saatgut durch 'Baysanto'!

14. Juni 2018 - 9:57
So hat das EPA jüngst mehrere Patente für die niederländische Firma ENZA Zaden erteilt, in denen Melonen, Trauben, Gurken, Soja, Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln beansprucht werden. Grundlage der Patente sind zufällige Veränderungen im Erbgut der Pflanzen. Diese sind aber nicht gentechnisch verändert. Ähnliche Patente wurden bereits zuvor auch für Bayer und Monsanto erteilt.
„Pflanzen und Tiere dürfen nicht länger als 'Produkte' patentiert werden. Lebewesen sind keine Erfindung der Industrie“, sagt Ruth Tippe, die seit vielen Jahren entsprechende Patentanträge recherchiert und dafür jüngst mit der Bayerischen Staatsmedaille für Umwelt ausgezeichnet wurde. „Letztlich profitieren nur die großen Konzerne von diesen Patenten, sie erlangen eine zunehmende Kontrolle über unsere Lebensgrundlagen.“
Durch die Übernahme des US-Konzerns durch Bayer wird „Baysanto“ zum weltweit größten Saatgutkonzern. Obwohl Teile des Geschäfts an BASF verkauft werden, kann der Konzern rund 25 Prozent des internationalen Saatguthandels kontrollieren. Der zweitgrößte 'Seed Giant', der US-Konzern DowDuPont hat einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Der drittgrößte Konzern in diesem Bereich, Syngenta, der von ChemChina aufgekauft wurde, besitzt rund 10 Prozent. Damit kontrollieren nur drei Konzerne deutlich mehr als 50 Prozent des internationalen Handels mit Saatgut.
„Baysanto & Co beeinflussen maßgeblich, welche Pflanzen gezüchtet, angebaut und geerntet werden, was Saatgut kostet und wie unsere Lebensmittel in Zukunft produziert werden. Diese Marktmacht basiert zu großen Teilen auf einer stark steigenden Anzahl von Patenten, die Saatgut, Nutzpflanzen und die Ernte bis hin zum Lebensmittel umfassen“, sagt Katherine Dolan von Arche Noah, einer der unterzeichnenden Organisationen.
Um der zunehmenden Monopolisierung von Saatgut effektiv entgegen zu steuern, fordern die unterzeichnenden Organisationen konkrete Maßnahmen: Patente auf konventionelle Züchtung sollen ausnahmslos verboten werden. Patente im Bereich Gentechnik und Genome Editing müssen in ihrer Reichweite auf die jeweiligen technischen Verfahren begrenzt werden.
Der Aufruf wird derzeit von rund 40 Institutionen aus Dänemark, Deutschland, Belgien (Brüssel), Portugal, Österreich und der Schweiz unterstützt: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Arche Noah, Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), BUND Naturschutz in Bayern, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Corporate Europe Observatory (CEO), Danish Seed Savers (Frøsamlerne), Die Freien Bäcker, FIAN, GAIA-Environmental Action and Intervention Group, Gäa, Vereinigung ökologischer Landbau, Gen-ethisches Netzwerk (GeN), Gesellschaft für ökologische Forschung (GOEF), Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK), IG Nachbau, IG Saatgut, Katholische Landvolkbewegung Deutschland (KLB), Kein Patent auf Leben!, No Patents on Seeds!, Kultursaat, KLB Freiburg, Praktisk Økologi, ProSpecieRara, Public Eye, Sativa Rheinau AG, Swissaid, Slow Food, Slow Food Deutschland, Slow Food Sjælland (Denmark), Save our Seeds (SOS), Plataforma Transgénicos Fora, Umweltinstitut München, Verband Katholisches Landvolk, Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), WeMove, Zivilcourage Miesbach, Zukunftsstiftung Landwirtschaft (ZSL).

Kontakte:
Ruth Tippe, Kein Patent auf Leben!, +49 173 1543409
Katherine Dolan, ARCHE NOAH, +43 676 557 4408
Christoph Then, Keine Patente auf Saatgut!, + 49 151 54 63 80 40
Johanna Eckhardt, Keine Patente auf Saatgut!, + 43 680 2126 343

Weitere Informationen: www.no-patents-on-seeds.org
Pressemeldung
Baysanto Aufruf

Agrobusiness: Hauptaggressor gegen Land- und UmweltaktivistInnen

7. Juni 2018 - 14:31
Nach einer Recherche des Guardian und der britischen Nichtregierungsorganisation „Global Witness“ wurden 2017 jede Woche vier Menschen im Kampf um ihr Land ermordet. Durch die enorme Nachfrage nach Flächen für Zuckerrohr, Palmöl, Soja und Rindfleisch überholt die Agroindustrie nun erstmals den Bergbausektor als Hauptaggressor. Gemeinsam stehen die beiden Industrien im Zusammenhang mit rund 60 % aller Morde an Umwelt- und LandaktivistInnen.

Einer der bekanntesten Mordfälle ist der an der honduranischen Aktivistin Berta Cáceres im März 2016. Der aktuelle Bericht der internationalen ExpertInnenkommission GAIPE (hier in deutscher Zusammenfassung von Oxfam) zeigt auf, wie skrupellos Industrie und Politik Profit vor Menschenrechte und Umwelt stellen.

Ecuador: Bauerngemeinden unter Druck

4. Juni 2018 - 14:42
FIAN und die Bauernorganisation Tierra y Vida, die an der Küste von Ecuador arbeitet, unterstützen seit Jahren den Kampf der Gemeinde Las Mercedes um Anerkennung ihres Landes. Die Bauerngemeinschaft bewirtschaftet eine Fläche von 2.100 Hektar. Bis heute besitzt die Gemeinde jedoch keine Landtitel und hat somit keinerlei Rechtssicherheit. Immer wieder sieht sie sich Begehrlichkeiten um ihr Land ausgesetzt - dieses ist jedoch eine Grundvoraussetzung, um das Recht auf Nahrung gewährleisten zu können. FIAN hat immer wieder die fehlende Umsetzung der ecuadorianischen Landgesetzgebung (Plan Tierra) kritisiert, die 2009 von der Regierung Correa verabschiedet wurde. Auch hat FIAN die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Las Mercedes dokumentiert.

Die Familien haben meist zwischen zwei und fünf Hektar Land. Sie widmen sich dem Reisanbau, der Viehzucht oder praktizieren einen diversifizierten Anbau mit Bananen, Yuka, Mais, Gemüse und Kakao. „Unser Land ist gut und fruchtbar“, so die Aussage der Frauen, „es wächst alles, was angepflanzt wird“. Seit 20 Jahren leben sie hier in Las Mercedes, haben aber noch immer keinen Stromanschluss. Auch der Zugang zu Wasser ist weiterhin ein ungelöstes Problem: auf eine seit 10 Jahren vom Landwirtschaftsministerium versprochene Wasserleitung wartet die Gemeinde bis heute. Die Frauen und Männer betonen, dass sich ihre Ernährungssituation durch eine gute Wasserversorgung deutlich verbessern würde.

Zum mangelhaften Zugang zu Wasser kommt das Problem der Verschmutzung durch die umliegenden Farmen des Agrobusiness. Garnelenzucht und Zuckerrohranbau bewirtschaften riesige Flächen, in denen massiv Pestizide eingesetzt werden. Das kontaminierte Wasser gelangt auch auf die Äcker der KleinbäuerInnen. Der Staat, beklagen sich die BewohnerInnen, kontrolliert die Anwendung der Agrarchemikalien kaum oder gar nicht.

Die KleinbäuerInnen, die Reis anbauen, sehen sich selbst zunehmend gezwungen, vermehrt Pestizide einzusetzen: da sie seit rund drei Jahren mit neuen Schädlingen zu kämpfen haben, die ihre Pflanzungen vernichten, müssen sie semi-hybrides Saatgut kaufen, welches auf Chemikalien angewiesen ist. Die BäuerInnen können dadurch nicht mehr ihr eigenes Saatgut verwenden, sondern müssen dieses käuflich erwerben. Laut Aussage der BäuerInnen wird die Zunahme der Schädlinge durch den Klimawandel und den verstärkten Einsatz von Pestiziden in den Monokulturen verursacht. Hiermit werden die Ernährungssouveränität und die Gesundheit der BäuerInnen in Gefahr gebracht.

Durch den Kauf von Saatgut und Pestiziden steigen die Produktionskosten der BäuerInnen. Aufgrund mangelnder staatlicher Kreditvergabe müssen sie sich an private Banken und Geldverleiher mit horrenden Zinsen wenden. Dadurch verschulden sich die BäuerInnen und müssen ihr Land mit Hypotheken belasten. Gibt es eine schlechte Ernte, geraten sie schnell in die Schuldenfalle und laufen sogar Gefahr, ihr Land zu verlieren.

Gleichzeitig nimmt der Druck auf das Land zu. In Las Mercedes - so wie auch in anderen Dörfern, die wir besucht haben - berichten die Menschen, wie der Landhunger der expandierenden Garnelenzüchter sowie der Zuckerrohrfirmen die BäuerInnen unter Druck setzt. Vor allem arme und verschuldete Familien werden bedrängt, ihre Parzellen zu verkaufen. Die Garnelenzucht entwickelt sich momentan zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Agrobusiness an der ecuadorianischen Küste.

Die Bauernorganisation Tierra y Vida beobachtet eine Verschärfung der Probleme: Tausende von BäuerInnen haben bis heute keinen Zugang zu Land, viele Gemeinden haben keine Rechtssicherheit über ihr Land. Andere Dörfer sind gar von Räumungen bedroht. Viele Familien haben enorme Schwierigkeiten, ihre Raten abzuzahlen, da die Preise für landwirtschaftliche Produkte, vor allem Reis, fallen. Hinzu kommt die Gefahr, durch eine schlechte Reisernte ihre Bankkredite nicht abzahlen zu können und ihr Land ganz zu verlieren.

Protest zur Bayer Hauptversammlung

25. Mai 2018 - 12:48
FIAN schloss sich am heutigen Freitag vielen Bündnispartnern – u.a. Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Misereor, INKOTA, Attac und Coordination gegen Bayer – an, um gegen BAYER und die geplante Fusion mit Monsanto Flagge zu zeigen. Über 200 AktivistInnen demonstrierten seit den frühen Morgenstunden auf dem UN-Campus in Bonn anlässlich der Bayer Jahresversammlung.
Über die gravierenden Auswirkungen einer Fusion haben wir auch vor Ort mit dem Dossier „Bayer & Monsanto – Bleibt uns vom Acker“ informiert, das wir zusammen mit Brot für die Welt, Misereor und dem Forum Umwelt & Entwicklung veröffentlicht haben.

Das Dossier kann hier nachgelesen werden.

Essay: Wie kann Entwicklungspolitik zur Überwindung des Welthungers beitragen?

17. Mai 2018 - 9:46
Nie zuvor wurde so viel Nahrung produziert wie heute. Die Zuwachsraten in der landwirtschaftlichen Produktion sind beeindruckend und der Sektor ist mit einem Anteil von zwei Drittel in agrarisch geprägten Ländern einer der größten Wirtschaftszweige (Weltbank 2007). Und obwohl sich davon problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnten, scheint die Erreichung des zweiten Nachhaltigkeitsziels (SDG 2) noch in weiter Ferne. Es zielt darauf ab, sowohl den Hunger zu beenden, Ernährungssicherheit sowie eine qualitativ bessere Ernährung zu erreichen als auch eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Denn trotz des Überflusses müssen noch über 815 Millionen Menschen chronisch hungern und um ihr tägliches Überleben bangen. Während das erste Millenniumsentwicklungsziel im Jahr 2000 Hungerbekämpfung noch, sachlich durchaus begründet, in MDG 1 mit der Überwindung von Armut zusammenfasste, wurden die Ziele im Zuge der SDGs 2015 aufgesplittet, aber weiterhin als prioritär betrachtet. Die Halbierung der Unterernährung im Zeitraum von 1990 bis 2015 wurde beinahe erreicht. Allerdings ging dem eine Anpassung der Berechnungsgrundlage voraus und der Rückgang war deutlich langsamer als bei Armut (Hickel 2015).

Der Anteil Hungernder in Südasien und Subsahara-Afrika ist immer noch sehr hoch. Die SDGs sehen vor, bis 2030 den Hunger komplett zu überwinden. Zusätzlich wurde SDG 2 spezifischer und um die Dimensionen Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft ergänzt. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass auch in immer mehr Entwicklungsländern mittlerweile mehr Über- als Unterernährte leben und die Landwirtschaft oftmals durch die Übernutzung der natürlichen Ressourcen auf Kosten der Natur geht. Somit sind die SDGs deutlich integrativer gestaltet und schenken auch den Interdependenzen zwischen Politikfeldern mehr Aufmerksamkeit. Dies kommt auch durch die Universalität zum Ausdruck: Bei den SDGs sind Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen gefordert, denn gerade Themen wie Agrarsubventionspolitik, Beimischungsquoten für Agrartreibstoffe und Finanzmarktregulierung (zur Dezimierung der Preisschwankungen von Nahrungsmitteln) sind hochgradig wichtig für die Überwindung von Unter- und Mangelernährung.

Im Agrar- und Lebensmittelsystem läuft einiges in die falsche Richtung
Die jüngste Ernährungskrise vor gut 10 Jahren brachte Hungerbekämpfung wieder zurück auf die Agenden der internationalen Gebergemeinschaft. In den Blick geriet auch, dass über zwei Milliarden Menschen an „verstecktem“ Hunger leiden, weil sie mangelernährt sind. Dennoch landet jährlich etwa ein Drittel – in Industrieländern sogar noch mehr – der für den menschlichen Verzehr hergestellten Nahrungsmittel auf dem Müll. Die Erkenntnis, dass in unserem Agrar- und Lebensmittelsystem (food system) einiges in die falsche Richtung läuft, drängt sich auch mit Blick auf die soziale sowie ökologische(1) Bilanz der industrialisierten Landwirtschaft auf. Letztere wird vielfach als Zukunftsvision angesehen. Doch eine hochgradige Spezialisierung auf wenige Erzeugnisse (Weizen, Reis und Mais) lässt die Vielfalt auf unseren Tellern und Feldern zugunsten einer Mono(ess)kultur zurückgehen. Lange, globale Wertschöpfungsketten und der Einsatz fossiler Brennstoffe u.a. für Düngemittel heizen das Klima weiter an. Sie zementieren bäuerliche Abhängigkeit von der Agrarindustrie sowie die Ausbeutung von Plantagenarbeiter*innen im globalen Süden.

Entwicklungspolitisch bedeutsam ist, dass in vielen Ländern südlich der Sahara durchschnittlich jede/r Fünfte von Unterernährung betroffen ist. Die Ernährungslage ist zusätzlich angespannt durch die hohen Preise für Nahrungsmittel und Energie, zunehmende Dürren, bewaffnete Konflikte und anhaltendes Bevölkerungswachstum. Paradoxerweise ist Hunger vorwiegend ein ländliches Problem, welches insbesondere Kleinbauern und -bäuerinnen betrifft. Nicht zuletzt lässt sich eine Feminisierung von Armut (Nuscheler 2012) und Hunger sowie der Landwirtschaft beobachten. Zentral für die Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5) ist, die Analyse der Geschlechter¬verhältnisse (Gender Impact Assessments) und haushaltsinterner Dynamiken sowie das Empowerment von Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) verstärkt zu fördern. Dazu gehört auch die Frage, wie Macht, (bezahlte und unbezahlte) Arbeit, Einkommen, Landbesitz, Ressourcenzugang sowie Entscheidungsmöglichkeiten verteilt sind.

EZ kann Änderungen mit anstoßen, wenn sie die Selbstorganisation von Frauen unterstützt. Außerdem kann sie die Partnerländer bei einer geschlechtergerechten Gesetzgebung beraten, um beispielsweise die Diskriminierung von Frauen beim Ressourcenzugang sowie Land- und Erbrecht zu bekämpfen. Hierzu ist die Umsetzung der freiwilligen Leitlinien zu Landnutzungsrechten (VGGT) entscheidend, die der Ausschuss für Welternährungssicherung der Vereinten Nationen (CFS) 2012 entwickelt hat. Einen wichtigen Hebel stellen zudem Frauenrechte bei der Vergabe von Landtiteln bzw. die Kontrolle und der Zugang zu Land dar, wobei verwitwete und geschiedene Frauen besondere Förderung benötigen. Wenn dadurch Nahrungssicherheit, Produktivität und Einkommen steigen, reduziert sich in der Regel auch die Armut.

Ein Umdenken ist nicht zuletzt in der staatlichen EZ angezeigt. Sie sollte sich der Transformation der Agrarsysteme annehmen und die bahnbrechenden Erkenntnisse des Weltagrarberichts (IAASTD 2009) sowie des internationalen Panels für nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme (IPES-Food 2016) ernstnehmen. Demnach reicht es nicht aus, wie in der Vergangenheit, lediglich auf Produktivitätssteigerung abzuzielen. Vielmehr sind neue Erfolgskriterien erforderlich, so etwa zur Bodenqualität oder zur Vielfalt von Sorten und Rassen. Unbestritten ist die Notwendigkeit, mehr zu produzieren, dahingegen jedoch das Ausmaß, da bei FAO (2017)-Schätzungen (bis zu 50%) auch Agrartreibstoffe und andere bioökonomische Bedarfe sowie die Tierfutterproduktion dazu zählen. Das Länderbeispiel Indien zeigt, dass Hunger auch trotz großer Agrarüberschüsse weiterbestehen kann. Denn Nahrung wird ungleich verteilt, und bei (extremer) Armut fehlt die entsprechende Kaufkraft. Der Zugang zu Nahrung ist also entscheidender als deren bloße Verfügbarkeit.

Vermehrt gibt es Multi-Stakeholder-Initiativen, die die Agrar- und Lebensmittelindustrie mit umfassen, wie beispielsweise bei der Neuen Allianz für Ernährungssicherung der G7-Staaten. Hier sollte die EZ auf Kriterien und Standards drängen, die sich am Menschenrecht auf Nahrung ausrichten. Dies bedeutet auch, die Kontrolle über Land, Wasser und Saatgut in allererster Linie in bäuerliche Hände zu legen. Armutsorientierte Entwicklungspolitik hat den ländlichen Raum zu lange vernachlässigt. Besondere Priorität verdienen nun integrierte Vorhaben, die die landwirtschaftliche Produktion nicht isoliert sehen, sondern mit der Bereitstellung von Infrastruktur (vor allem Zugangs¬straßen, aber auch Vorratslager) und Dienstleistungen wie Spar- und Kreditsystemen verknüpfen. Wie in Subsahara-Afrika mit 90% (Spencer 2002) erzeugen Kleinproduzent*innen auch in anderen Ländern die überwältigende Mehrheit von Nahrungsmitteln. Entwicklungsvorhaben sollten sie bereits im Planungsstadium einbeziehen. Wichtige Anknüpfungspunkte sind der Zugang zu Land und Wasser sowie zu lokalen Märkten und fairen Preisen. EZ-Förderung kann Hunger besonders effektiv bekämpfen, wenn sie sich entsprechend auf Nahrungsmittel (Food Crops) statt auf Cash Crops konzentriert.

Zeit für einen Paradigmenwechsel
Agrarökologische Ansätze bieten als Alternative zur industrialisierten Landwirtschaft viel Potenzial, um eine Ernährungssicherung von unten anzustoßen. Sie leisten auch einen Beitrag zu bäuerlicher Autonomie, nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern sowie dem Schutz von Ökosystemen und Erhalt der Biodiversität (SDGs 12 und 15). Agrarökologie ist aber mehr als ein landwirtschaftliches Konzept. Es verkörpert auch eine soziale Bewegung. Im Mittelpunkt stehen ganzheitliche und diversifizierte Systeme (Betriebe sowie Agrarlandschaften), natürliche Synergien zwischen Pflanzen und Spezies sowie die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Statt teuren chemischen Düngemitteln kommen organische Alternativen wie Mist, Kompost oder auch Hülsenfrüchte (Leguminosen) zum Einsatz, die stickstoffbindende Eigenschaften besitzen.

Der Ansatz ist sehr wissensintensiv und erfordert ein Gegenmodell zur gängigen Agrarberatung durch externe Expert*innen. Stattdessen strebt er partizipative Forschung und einen gleichberechtigten Austausch zum Lernen an, wobei marginalisierte Gruppen integraler Bestandteil sind. Da der Ansatz durch eine hohe Arbeitsintensität geprägt ist, können auch Perspektiven für die ländliche Jugend eröffnet und dem wachsenden Urbanisierungsdruck entgegen gewirkt werden.

Darüber hinaus sind im ländlichen Raum Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft wichtig. Bildungsmaßnahmen ermöglichen die Entwicklung lokaler Wertschöpfungsketten. Das gesamte Food Regime (McMichael 2009) bedarf einer politischen, sozialen und ökologischen Umgestaltung. Denn die SDGs 6, 7 und 13 zu Wasser, Energie und Klimawandel sind untrennbar mit der Art der Landwirtschaft verbunden. Nur ein Sektor übergreifendes Denken kann Zielkonflikte vermeiden und den Interdependenzen des „Water-Energy-Food Nexus“ gerecht werden. Dem entspricht auf politischer Ebene die Idee der Ernährungssouveränität, die für Länder, Gemeinschaften und Gruppen das demokratische Selbst¬bestimmungs¬recht über die eigene Ernährungs- und Landwirtschafts-politik einfordert. Die Idee spiegelt sich in Europa in dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft wider, in Südamerika etwa in der Landlosenbewegung in Brasilien.

Wenn sich die EZ stärker dem beschriebenen Paradigmenwechsel anschließt, kann sie einen wertvollen Beitrag für das zweite SDG leisten. Gerade in der Ernährungssicherung zeigt sich jedoch, wie notwendig eine Kohärenz mit anderen Bereichen staatlichen Handelns ist, so bei der Handels-, Wirtschafts-, Agrar-, (Bio-)Energie-, Gesundheits-, Klima- und Umweltpolitik. Damit Hunger in allen seinen Formen noch dieses Jahrhundert beseitigt werden kann, ist folglich Sektor übergreifendes Denken dringend erforderlich. (1) Aufgrund von Treibhausgasemissionen, Entwaldung, (Massen)Tierhaltung, Einsatz von chemischen Düngemitteln sowie langen Wertschöpfungsketten und entsprechenden Transportwegen ist das auf der Agrarindustrie basierende Food System ein Treiber für die Klimakrise (La Via Campesina/GRAIN 2014). Literatur Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) 2017: The future of food and agriculture. Trends and challenges. Rome. Hickel, Jason 2015: The true extent of global poverty and hunger: Questioning the good news narrative of the Millennium Development Goals, in: The World Quartely, 37 (5): 749-767. International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) 2009: Agriculture at a Crossroads. Synthesis of the Global and Sub-Global IAASTD Reports. Island Press. International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES-Food) 2016: From Uniformity to Diversity: A paradigm shift from industrial agriculture to diversified agroecological systems. http://www.ipes-food.org. La Via Campesina/GRAIN (2014): Food sovereignty: five steps to cool the planet and feed its people. https://www.grain.org/article/entries/5102-food-sovereignty-five-steps-to-cool-the-planet-and-feed-its-people. McMichael, Philip 2009: A food regime genealogy, in: The Journal of Peasant Studies, 36 (1): 139-169. Nuscheler, Franz 2012: Lern- und Arbeitsbuch. Entwicklungspolitik, 7. überarb. u. aktual. Aufl., Dietz Verlag: Bonn. Spencer, Dunstan 2002. The future of africulture in Sub-Saharan Africa and South Asia, in: Sustainable Food Security for All by 2020. Proceedings of an International Conference, September 4-6, 2001, Bonn, Germany. International Food Policy Research Institute, Washington, D.C. Weltbank 2007. World Development Report 2008. Agriculture for Development, Washington, D. C.

Anika Mahla ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), Universität Duisburg-Essen. Sie arbeitet im Forschungsprojekt „Wege aus extremer Armut, Vulnerabilität und Ernährungsunsicherheit“. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied von FIAN Deutschland. Dieser Text ist bereits im Sammelband „Entwicklungspolitik in Zeiten der SDGs. Essays zum 80. Geburtstag von Franz Nuscheler“ hrsg. von Tobias Debiel erschienen.
https://inef.uni-due.de/index.php?article_id=17&clang=1&pub_id=1812





Rezension: „Die Grüne Lüge – Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“ von Kathrin Hartmann

16. Mai 2018 - 14:38
Greenwashing wird von Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen genutzt. Dabei gilt: „Wenn man etwas nur oft genug wiederholt, wird es schließlich als Wahrheit akzeptiert.“ So titelt Kathrin Hartmann „Autofahren für den Klimaschutz“ und beschreibt damit, wie die westliche Welt die Augen vor der Realität verschließt. Denn hinter dem vermehrt „nachhaltigen“ Auftreten großer Firmen versteckt sich meist nicht etwa eine ökologische oder soziale Komponente, sondern schlichtweg Propaganda. Dies führt dazu, dass viele Menschen, die sich selbst als umweltbewusst bezeichnen und es aufgrund ihres Bildungsniveaus eigentlich besser wissen sollten, einen besonders hohen Ressourcenverbrauch aufweisen. Das alles auf Kosten des globalen Südens. Denn während wir in Deutschland so haushalten, als hätten wir 3,1 Erden zu Verfügung, fehlt es anderen Teilen der Welt an den grundlegendsten Ressourcen.

In „Die Grüne Lüge – Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“ deckt Kathrin Hartmann schonungslos Schwächen, Fehler und Lügen von angeblichen Umweltschutz-Maßnahmen auf. Dabei wartet Sie mit zahlreichen beängstigenden Fakten und selbst erlebten Beispielen auf. Zwar lassen einige Aussagen der Autorin einen klaren roten Faden vermissen, und nicht immer werden die Leser*innen genügend in die jeweilige Problematik eingeführt. Möglicherweise lohnenswerte Ansätze werden lediglich auf Schwächen abgeklopft - darunter beispielsweise das Modelabel G-Star mit der Linie „Raw for the Ocean“ von Pharrell Williams, das aus Meeresplastik Kleidung herstellen will. Hartmann weist in erster Linie auf die schlechten Arbeitsbedingungen und Löhne der Näherinnen hin. Ob eine aus Meerplastik hergestellte Jeans jedoch geeignet ist, zumindest die Weltmeere zu entlasten wird letztlich nicht beantwortet.

Nichtsdestotrotz beweist Kathrin Hartmann eindrücklich, dass die vermehrt aufbrandenden schönen Ideen zur Weltrettung an den zugrunde liegenden Problemen vorbeizielen und damit sogar eine Legitimierung für das zerstörerische Konsumverhalten der westlichen Welt bieten. Und auch politische Aktivitäten wie die Entwicklung von Gütesiegeln oder die Förderung von Elektroautos haben häufig kontraproduktive Wirkungen. Eine ökologische Nachhaltigkeit hierzulande durch Elektroautos ignoriert beispielsweise die sozialen und ökologischen Bedingungen in den Kobalt-Minen der Produktionsländer. Diese sind für die Produktion von Akkus jedoch unabdingbar.

Konsequenterweise kommt Kathrin Hartmann zu dem einzig möglichen Schluss: ein nachhaltiges Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand ist nicht möglich, schon gar nicht durch „grünen Konsum". Vielmehr bedarf es eines Umdenkens von Konsumverhalten und Ansprüchen an den Lebensstandard - und letztlich einer Bekämpfung des gegenwärtigen Kapitalismus. Der grünen Lüge müsse laut Kathrin Hartmann im Kollektiv entgegengetreten werden. Dabei ist jeder Einzelne gefragt und kann durch kleine Beiträge ein Bewusstsein schaffen und damit einen Unterschied machen. Leider gelingt es der Autorin nicht immer, die Thematik noch weiter praktisch runter zu brechen und die einfachen Bürger*innen mitzunehmen. Denn warum würde jemand der, wie sie selbst zuvor angeprangert hat, nicht einmal den eigenen Konsum überdenkt, beim gemeinsamen Widerstand, Bürgerinitiativen, Kämpfen um autofreie Städte oder gar der Besetzung eines Kohletagebaus mitwirken? Zur Analyse der Greenwashing-Mechanismen von Industrie und Politik bietet das Buch dennoch einen gelungenen Einblick.

Pressemitteilung: Beirat gegründet- MenschenrechtsexpertInnen beraten FIAN

15. Mai 2018 - 8:50
Tim Engel, Vorstandsvorsitzender von FIAN Deutschland: „Wir freuen uns sehr, solch erfahrene Menschenrechts-Expertinnen und -Experten für unseren Beirat gewonnen zu haben. Ihr Wissen wird unsere tägliche Arbeit bereichern und unseren Kampf zur Verteidigung der Menschenrechte insgesamt stärken!“. FIAN engagiert sich seit 1986 für eine weltweite Durchsetzung des Rechts auf Nahrung und besitzt Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Dem Beirat gehören an:
• Prof. Dr. Remo Klinger, Rechtsanwalt und Hochschullehrer
• Christine von Weizsäcker, Biologin, Vorsitzende Ecoropa
• Wolfgang Kaleck, Menschenrechtsanwalt, Generalsekretär ECCHR
• Prof. Dr. Friederike Diaby-Pentzlin, Wirtschaftsvölkerrechtlerin
• PD Dr. Michael Krennerich, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik (Uni Erlangen-Nürnberg), 1. Vorsitzender Nürnberger Menschenrechtszentrum
• Prof. Dr. Maria Müller-Lindenlauf, Agrarwissenschaftlerin mit Fachgebiet Agrarökologie
• Prof. (em) Dr. Franz Segbers, Sozialethiker
• Prof. Dr. Stefan Selke, Soziologe
• Dr. Brigitte Hamm, Politikwissenschaftlerin, ehem. Institut für Entwicklung und Frieden (Uni Duisburg)
• Dr. Rainer Huhle, Politologe, Mitglied UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen
• Prof. Dr. Hanns Wienold, Soziologe, Ernährungsexperte für Lateinamerika und Südasien
• Prof. Dr. Anne Lenze, Sozialrechtlerin
• Dr. Steffen Kommer, Verwaltungsrichter, Autor „Menschenrechte wider den Hunger“.

Das Gremium wird beratende und repräsentative Funktionen übernehmen und die Vernetzung des Vereins stärken. Wegen der parteipolitischen Unabhängigkeit von FIAN wurden keine Personen eingeladen, die ein aktives politisches Amt ausüben. Die Mitgliedschaft wird jeweils nach fünf Jahren durch den FIAN-Vorstand bestätigt.

Beiratsmitglied PD Dr. Michael Krennerich zur Gründung des Gremiums: „FIAN ist ein unerschrockener Vorreiter nicht nur für das Recht auf Nahrung, sondern auch für die Unteilbarkeit und Universalität der Menschenrechte. Seit 30 Jahren verfolge ich FIANs unermüdliches Engagement. Es ist mir eine Freude und ein echtes Anliegen, FIAN unterstützen zu dürfen!“.

Prof. Dr. Franz Segbers ergänzt: „Unsere Gesellschaft ist stolz auf die Menschenrechte - und das zu Recht. Dass aber Armut, zumal in einem reichen Land wie Deutschland, eine Verletzung von Menschenrechten darstellt, wird verdrängt und geleugnet. Dabei hat sich die Bundesrepublik im UN-Sozialpakt verpflichtet, das „Recht eines jeden auf einen angemessenen Lebensstandard (…) einschließlich ausreichender Ernährung, Bekleidung und Unterbringung, sowie auf eine stetige Verbesserung der Lebensbedingungen“ durchzusetzen. Aus dieser Verpflichtung müssen endlich Taten folgen“.

weitere Informationen zu den Beiratsmitgliedern: www.fian.de/wer-wir-sind/fian-deutschland/beirat

Kambodschanische Pressefreiheit immer weiter eingeschränkt

14. Mai 2018 - 9:19
Im Kambodscha hat die Pressefreiheit mit dem Verkauf der Phnom Penh Post weitere Einschnitte erfahren. Die letzte unabhängige englisch-khmer sprachige Zeitschrift wurde an Sivakumar S. Ganapathy, einen malaysischen Investor verkauft. Im Zuge einer Anordnung, einen Artikel über seine Verflechtung mit der kambodschanischen Regierung von der Veröffentlichung zurück zu nehmen traten viele Mitarbeiter*innen zurück oder wurden entlassen. Besagter Artikel wurde nun von der Website entfernt.

Insbesondere seit den großen Stimmenzuwächsen der Oppositionspartei bei den Kommunalwahlen Mitte 2017 wird die Pressefreiheit Kambodschas schrittweise abgeschafft. Kritische khmer-sprachige Medien werden sukzessive unterdrückt und mit dem Verkauf der Phnom Phen Post ist die Unabhängigkeit der letzten kritischen Zeitung fraglich geworden.
Doch nicht nur Print Medien sind von der Einschränkung der Pressefreiheit betroffen: 32 lokale Radiostationen wurden in den letzten Monaten geschlossen. 2 der Mitarbeiter*innen der Radiostation Radio Free Asia wurden für fast 6 Monate wegen ihrer journalistischen Arbeit inhaftiert. Die Angst vor Verfolgung ist groß und die Anzahl flüchtender Journalisten steigt.

Die freie Presse als Säule der Demokratie ist zwar in der kambodschanischen Verfassung und den internationalen Menschenrechten festgeschrieben, trotzdem droht sie in Kambodscha nun ganz abgeschafft zu werden.

Hier geht es zu dem Pressebericht zum Thema „Landgrabbing in Kambodscha“.

Klimagerechtigkeit: FIAN-Exkursion zum Hambacher Forst

8. Mai 2018 - 13:16
Das rheinische Braunkohle-Revier zwischen Aachen, Köln und Mönchengladbach hat den größten CO2-Ausstoß von Europa. Allein das Kraftwerk Niederaußem stößt jährlich rund 27 Mio. Tonnen Treibhausgase aus. Im Rahmen des Jahresthemas „Klimagerechtigkeit“ machten sich Mitarbeiter*innen und Mitglieder von FIAN Deutschland daher gestern zum Hambacher Forst auf, um eine Führung durch die übrig gebliebenen Teile des Waldes zu erhalten. Der westlich von Köln gelegene Hambacher Forst, einst einer der größten Wälder von NRW, wird seit 1978 Stück für Stück abgeholzt, um Platz für den Braunkohleabbau von RWE zu schaffen. Etwa 90 % des einzigartigen Waldes wurden unwiederbringlich zerstört. Jedes Jahr von Anfang Oktober bis Ende Februar dringen Maschinen weiter ein, um auch die letzten Teile des Waldes zu fällen. Im vergangenen Winter musste erstmals eine Pause stattfinden - mehrere Dutzend Aktivisten vor Ort hoffen, dass es so weitergeht. So trafen die FIANistas in kleinen „Dörfern“ mitten im Wald auf Menschen, die den Wald ihr Zuhause nennen und dort ganzjährig in Baumhäusern auf bis zu 25m Höhe leben. In einem spontanen gemeinsamen Picknick erzählten sie ausführlich von ihrem Ziel, dass unter keinen Umständen auch der letzte Teil des Waldes verloren gehen darf und die Braunkohle-Verstromung gestoppt wird.

Die mittlerweile vierte „Besetzung“ des Waldes läuft bereits seit 2014. Die drei vorausgegangenen wurden aufwändig durch Räumungsaktionen der Polizei beendet. Die „Dörfer“ der Waldbesetzer sind nur wenige hundert Meter von der Rodungskante entfernt. Dort bot sich den Teilnehmer*innen ein erschreckendes Bild: die gerodete Waldfläche des Vorjahres und dahinter das “größte Loch Europas”: auf einer Fläche von 85 Quadratkilometern dringen die Bagger in eine Tiefe von 450 Metern vor. Darin riesige Maschinen, die unermüdlich Abraum und Braunkohle schaufeln. Am Horizont schließlich ein künstlich angelegter Berg, der aus dem Aushub entstand.

Mit all den Bildern im Kopf ging der Weg zurück entlang des übrig gebliebenen kleinen Waldes mit den zuvor immer wieder gehörten Worten des Reiseführers im Ohr: „Es wird nicht passieren“, „es darf nicht passieren“. Ebenso wie die Waldbesetzer*innen hat auch er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass dem klimapolitischen Wahnsinn ein Ende gesetzt wird.

Informationen zum FIAN-Jahresthema: https://bit.ly/2IjFp8d Und den link zu den Waldbesetzern: https://hambacherforst.org/

Radio Interview mit FIAN Geschäftsführer Philipp Mimkes

28. April 2018 - 16:38
Hier anhören. „Hunger ist kein Schicksal“. Unter dieser Überschrift stand ein von Greenpeace produziertes Radio-Interview mit dem Geschäftsführer von FIAN Deutschland, Philipp Mimkes, das heute von Radio Köln ausgestrahlt wurde. Hierin werden Umweltschutzmaßnahmen diskutiert, die ihrerseits zu Menschenrechtsverletzungen führen: „Klimawandel und Menschenrechte sind eng verknüpft. Zum einen gefährdet die Erderwärmung viele Menschenrechte: das Recht auf Wasser, das Recht auf Nahrung, sogar das Recht auf Leben.“ Zugleich ist jedoch auch bei der Bekämpfung des Klimawandels darauf zu achten, dass dieser menschenrechtskonform verläuft. Denn die Industriestaaten haben die Möglichkeit, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern durchzuführen. „Wenn zum Beispiel in Panama ein Staudamm gebaut wird, mit dem dann Strom produziert wird - angeblich ohne CO2 Emissionen - auf dem Gelände das überflutet wird jedoch Indigene leben, die hierdurch vertrieben werden, dann ist das natürlich eine Menschenrechtsverletzung. Ähnliches passiert in Kenia wo Geothermiekraftwerke auf Weideräumen der Massai gebaut wurden, die dort vertrieben wurden und keine Kompensation erhielten und deren Existenz dadurch gefährdet wird“, so Mimkes im Interview. Solche Menschenrechtsverletzungen werden jedoch bei der Vergabe von Klima-Zertifikaten nicht beachtet.
FIAN setzt sich dafür ein, dass der dringend notwendige Klimaschutz nicht seinerseits zu neuen Menschenrechtsverletzungen führt. FIAN engagiert sich daher für einen Folgemechanismus ab 2020, der nicht nur den Klima-Aspekt, sondern auch die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen beachtet. Das vollständige Interview behandelt noch weitere spannende Themen, darunter die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln, und kann hier nachgehört werden.

Radio Interviev mit FIAN Geschäftsführer Philipp Mimkes

28. April 2018 - 16:38
Hier anhören. „Hunger ist kein Schicksal“. Unter dieser Überschrift stand ein von Greenpeace produziertes Radio-Interview mit dem Geschäftsführer von FIAN Deutschland, Philipp Mimkes, das heute von Radio Köln ausgestrahlt wurde. Hierin werden Umweltschutzmaßnahmen diskutiert, die ihrerseits zu Menschenrechtsverletzungen führen: „Klimawandel und Menschenrechte sind eng verknüpft. Zum einen gefährdet die Erderwärmung viele Menschenrechte: das Recht auf Wasser, das Recht auf Nahrung, sogar das Recht auf Leben.“ Zugleich ist jedoch auch bei der Bekämpfung des Klimawandels darauf zu achten, dass dieser menschenrechtskonform verläuft. Denn die Industriestaaten haben die Möglichkeit, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern durchzuführen. „Wenn zum Beispiel in Panama ein Staudamm gebaut wird, mit dem dann Strom produziert wird - angeblich ohne CO2 Emissionen - auf dem Gelände das überflutet wird jedoch Indigene leben, die hierdurch vertrieben werden, dann ist das natürlich eine Menschenrechtsverletzung. Ähnliches passiert in Kenia wo Geothermiekraftwerke auf Weideräumen der Massai gebaut wurden, die dort vertrieben wurden und keine Kompensation erhielten und deren Existenz dadurch gefährdet wird“, so Mimkes im Interview. Solche Menschenrechtsverletzungen werden jedoch bei der Vergabe von Klima-Zertifikaten nicht beachtet.
FIAN setzt sich dafür ein, dass der dringend notwendige Klimaschutz nicht seinerseits zu neuen Menschenrechtsverletzungen führt. FIAN engagiert sich daher für einen Folgemechanismus ab 2020, der nicht nur den Klima-Aspekt, sondern auch die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen beachtet. Das vollständige Interview behandelt noch weitere spannende Themen, darunter die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln, und kann hier nachgehört werden.

Interview mit FIAN-Geschäftsführer Philipp Mimkes

28. April 2018 - 15:57
Hier nachhören „Hunger ist kein Schicksal“. Unter dieser Überschrift stand ein von Greenpeace produziertes Radio-Interview mit dem Geschäftsführer von FIAN Deutschland, Philipp Mimkes, das heute von Radio Köln ausgestrahlt wurde. Hierin werden Umweltschutzmaßnahmen diskutiert, die ihrerseits zu Menschenrechtsverletzungen führen: „Klimawandel und Menschenrechte sind eng verknüpft. Zum einen gefährdet die Erderwärmung viele Menschenrechte: das Recht auf Wasser, das Recht auf Nahrung, sogar das Recht auf Leben.“ Zugleich ist jedoch auch bei der Bekämpfung des Klimawandels darauf zu achten, dass dieser menschenrechtskonform verläuft. Denn die Industriestaaten haben die Möglichkeit, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern durchzuführen. „Wenn zum Beispiel in Panama ein Staudamm gebaut wird, mit dem dann Strom produziert wird - angeblich ohne CO2 Emissionen - auf dem Gelände das überflutet wird jedoch Indigene leben, die hierdurch vertrieben werden, dann ist das natürlich eine Menschenrechtsverletzung. Ähnliches passiert in Kenia wo Geothermiekraftwerke auf Weideräumen der Massai gebaut wurden, die dort vertrieben wurden und keine Kompensation erhielten und deren Existenz dadurch gefährdet wird“, so Mimkes im Interview. Solche Menschenrechtsverletzungen werden jedoch bei der Vergabe von Klima-Zertifikaten nicht beachtet.
FIAN setzt sich dafür ein, dass der dringend notwendige Klimaschutz nicht seinerseits zu neuen Menschenrechtsverletzungen führt. FIAN engagiert sich daher für einen Folgemechanismus ab 2020, der nicht nur den Klima-Aspekt, sondern auch die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen beachtet. Das vollständige Interview behandelt noch weitere spannende Themen, darunter die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln, und kann hier nachgehört werden.

Flyer zum Soja-Anbau in Südamerika erschienen

19. April 2018 - 13:44
18. April 2018: „Lego... was?“ Die Aktion Agrar hat einen Flyer zum Einsatz von Soja in der Tierfütterung sowie zu umweltfreundlichen Alternativen durch den Anbau von Leguminosen veröffentlicht. FIAN Deutschland und FIAN Paraguay haben an der Erstellung mitgewirkt.
Der Flyer dokumentiert die Auswirkungen des Soja-Anbaus für Mensch und die Umwelt. So kommt es in Brasilien, Argentinien und Paraguay zur Vertreibung von KleinbäuerInnen und der Abholzung riesiger Wälder. Der massenhafte Einsatz von Pestiziden führt zu Erkrankungen, zur Belastung der Böden und dem Rückgang der Biodiversität. Aber nicht nur Mensch und Natur leiden sondern auch die Tiere: erst die großflächige Produktion von Futterpflanzen ermöglicht die niedrigen Futterpreise, durch die die Zahl der Tiere ständig anwächst. Die Folge: Massentierhaltung.
Neue Lösungswege bieten beispielsweise der Anbau von Futterpflanzen bei uns in Europa und das Prinzip der flächengebundenen Landwirtschaft. Hier werden nur so viele Tiere gehalten, wie durch selbsterzeugtes Futter gesättigt werden können.

Viel Spaß beim Lesen! http://bit.ly/sojafalzflyer

FIAN-Jahresbericht 2017 erschienen

18. April 2018 - 13:28
18. April 2018: Der Jahresbericht 2017 bietet einen Überblick zur Arbeit von FIAN Deutschland und den Finanzen des Vereins. Unter dem Jahresthema: „Satte Menschen statt satte Gewinne: Für freies Saatgut!“ kämpfte FIAN im vergangenen Jahr besonders für die Rechte der Kleinbauern auf ungehinderten Zugang zu Saatgut. In diesem Zusammenhang engagierte sich FIAN gegen die geplante Fusion von Bayer und Monsanto, organisierte eine Reihe von Protestaktionen und verfasste zusammen mit mehreren Kooperationspartnern das Dossier „Bayer & Monsanto: Bleibt uns vom Acker“. Dieses erschien auch als Beilage der Frankfurter Rundschau.
Einen besonderen Höhepunkt im Jahr 2017 stellte die externe Evaluierung dar. Der FIAN-Arbeit wurde hierin attestiert, äußerst effizient und wirkungsvoll zu sein. Wörtlich heißt es in der Bewertung, FIAN hätte „trotz knapper Ressourcen bemerkenswerte Wirkungen erzielt und hierfür effektive Strategien gefunden“. Hervorgehoben wurden zudem die fachliche Kompetenz der FIAN-Mitarbeiter sowie die Arbeitsweise und Unbestechlichkeit von FIAN. Die Evaluierung wurde von Frauke Seidensticker vorgenommen, ehemals stv. Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte.
Auch zur internationalen Fallarbeit findet sich im Jahresbericht ein Überblick. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf Brasilien und dem dortigen Einsatz deutscher Pensionsgelder sowie auf der Fallarbeit zu Uganda, Ecuador und Burkina Faso.
Auch organisatorisch hielt das Jahr 2017 für FIAN einige Neuerungen bereit: neben der Wahl eines neuen Vorstands für zwei Jahre bei der Mitgliederversammlung in Göttingen formierte sich im Ruhrgebiet eine neue Lokalgruppe. Zudem nahm FIAN Deutschland am International Council aller FIAN-Sektionen in Nepal statt, in dem die gemeinsame Strategie der kommenden fünf Jahre festgelegt wurde.
Den vollständigen Jahresbericht können Sie hier nachlesen: http://bit.ly/FIANJahrebericht2017

Protestaktion vor der brasilianischen Botschaft

18. April 2018 - 11:13
[Berlin, Hamm, Köln 17.04.2018]
Ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus Bauernorganisationen, entwicklungspolitischen und Menschenrechtsorganisationen hat auf einer Kundgebung und Mahnwache zum internationalen Tag des kleinbäuerlichen Widerstands am 17. April 2018 vor der brasilianischen Botschaft in Berlin protestiert. Mit Transparenten, Großpuppen und in Redebeiträgen forderte das Bündnis gemeinsam mit zwei Delegierten der brasilianischen Landlosenbewegung MST die Stärkung kleinbäuerlicher Rechte weltweit und das Ende der Kriminalisierung sozialer Bewegungen in Brasilien.

„Insbesondere im globalen Süden werden den in der Landwirtschaft tätigen Menschen in wachsendem Umfang wichtige Lebensgrundlagen entzogen und ihre Rechte vielmals bedroht. Der aktuelle internationale Rechtsrahmen reicht nicht aus, um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu schützen. Um ihre Rechte zu stärken, setzen wir uns für eine Erklärung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen ein, die bereits existierende Menschenrechte so ergänzt, dass sie angemessen auf die spezifischen Bedürfnisse und Lebenssituationen ländlicher Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sind“, so Angelika Schaffrath Rosario von FIAN.

„Leider hat die EU, von der sich auch Deutschland vertreten ließ, bei der letzten Verhandlungsrunde vom 9. bis 13. April 2018 eine Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen torpediert und Vorschläge eingebracht, die die Wirkkraft der Erklärung schwächen würden. Die EU weigert sich, grundlegende Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen anzuerkennen. Das muss sich ändern“, resümiert Jan Urhahn vom entwicklungspolitischen INKOTA-netzwerk.

Während auf internationaler Ebene um eine Anerkennung von Rechten von Bäuerinnen und Bauern und die Verankerung des Rechts auf Saatgut, Land und anderem gerungen wird, sind in Brasilien die Entwicklungen gegenläufig.

Dazu Wolfgang Hees vom Freundschaftsverein der brasilianischen Landlosenbewegung: „Mit der politischen Neuausrichtung Brasiliens seit dem parlamentarischen Putsch gegen Präsidentin Dilma Rousseff 2016 haben sich die Konfliktlagen in Brasilien verschärft. Unter der amtierenden Regierung von Präsident Temer werden Programme zur Kleinbauernförderung und Agrarreform gekürzt oder ganz eingestampft.“ Nach Angaben von Expert*innen drohe das Land in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wieder auf die Welthungerkarte des World Food Programms zurückzukehren. „Soziale Bewegungen werden diskriminiert, Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern massiv bedroht, oppositionelle Politiker*innen ermordet. Allein 2017 gab es auf Grund von Landkonflikten 65 Morde.“

„Die EU nutzt diesen Rechtsruck in Brasilien wie auch anderen lateinamerikanischen Ländern, um schnellstmöglich das lange Jahre blockierte Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay abzuschließen. Dieses Handelsabkommen bedient einseitig die Interessen der Agrar- und Ernährungsindustrie wie der multinationalen Konzerne. Diese zielen auf eine Intensivierung der Ausbeutung und Privatisierung natürlicher Ressourcen wie Land, Wasser und Saatgut. Mit der Expansion der exportorientierten Agrarindustrie werden nicht nur die Lebensgrundlagen und kleinbäuerlichen Strukturen in den Mercosur-Ländern weiter zerstört, sondern durch den verschärften Konkurrenzdruck durch Billigimporte aus den Mercosur-Ländern auch bäuerliche Existenzen in Deutschland und Europa. Wir fordern deshalb, das EU-Mercosur-Handelsabkommen zu stoppen – damit eine Wende zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft weiter eine Chance hat“, so Jan Dunkhorst vom FDCL.

Wolfgang Hees ergänzt dazu: „Dass es Alternativen zum herrschenden Agrarmodell gibt, hat auch die brasilianische Landlosenbewegung in ihrer über dreißigjährigen Geschichte aufgezeigt. Durch die Methode der Landbesetzung haben 500.000 Familien Zugang zu Land erhalten, die einen erheblichen Beitrag für die Ernährungssouveränität des Landes leisten. In den vergangenen Jahren konnte die MST eine Agrarpolitik befördern, die sich auch an den familiären landwirtschaftlichen Betrieben und agrarökologischem Landbau ausrichtet. All diese Errungenschaften sind aktuell gefährdeter denn je, da mit dem Regierungswechsel in Brasilien wieder ausschließlich das Agrobusiness den Kurs bestimmt.“

Der Gedenktag des kleinbäuerlichen Widerstands wird getragen vom weltweiten Netzwerk La Via Campesina und geht auf ein Massaker am 17.4.1996 im brasilianischen Eldorado dos Carajás zurück, bei dem 19 Landlose der Bewegung der Landlosen MST gefoltert und erschossen wurden.

Die Pressemitteilung wird getragen von:
Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), FIAN Deutschland e.V., Freundschaftsverein der Landlosenbewegung MST in Deutschland, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), Freund*innen des 17. April, INKOTA-netzwerk e.V., treemedia e.V.

Pressekontakte:
Jan Dunkhorst (FDCL): 0157 31 52 12 41
Wolfgang Hees (Freundschaftsverein MST in Deutschland und AbL): 0176 39 87 29 28
Constanze Lemmerich (treemedia e.V.): 0176 54 32 33 92
Jan Urhahn (INKOTA-netzwerk): 0176 70 61 03 81

Weitere Informationen:
> Bäuerliche Rechte stärken – weltweite Diskriminierungen stoppen! Für die UN-Erklärung der Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten: Ein zivilgesellschaftliches Positionspapier von April 2018.
> Hintergrundinfos zur MST-Delegationsreise finden sich hier.

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