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Aktualisiert: vor 3 Stunden 52 Minuten

5 Fragen – 5 Antworten zu weiblicher Genitalverstümmelung

30. Januar 2023 - 12:30

Der 6. Februar ist der internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 200 Millionen beschnittene Mädchen und Frauen leben. Jedes Jahr kommen drei Millionen hinzu. Was hat es mit der Praxis auf sich? Hat sie etwas mit Religion zu tun? Und was kann man dagegen tun? Hier sind fünf Fragen und fünf Antworten zu weiblicher Genitalverstümmelung.

1. Warum Verstümmelung und nicht Beschneidung?

Bis in die 80er Jahre hinein wurde noch häufig von weiblicher Beschneidung gesprochen. Entwicklungsorganisationen und Aktivist*innen drängten jedoch darauf, den Begriff durch „Genitalverstümmelung“ zu ersetzen. Die Verwendung des Begriffs Genitalverstümmelung soll klar zeigen, dass bei dem Eingriff das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit verletzt wird.

Wenn es nicht um die grausame Praktik selbst, sondern um die Betroffenen geht, sprechen wir aus Respekt von beschnittenen und nicht verstümmelten Frauen.

2. Was passiert bei der Genitalverstümmelung?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, denn es gibt viele Formen der Genitalverstümmelung (siehe Abbildung), die auch unterschiedlich durchgeführt werden. Die mit Abstand gefährlichste Form ist die pharaonische Genitalverstümmelung, die normalerweise von traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt wird.

Meist sind die Mädchen jünger als 15 Jahre, wenn ihnen mit einem unsterilisierten Messer, einer Rasierklinge oder Glasscherbe der Genitalbereich amputiert wird. Eine Betäubung bekommen die meisten nicht. Nachdem die Wunde vernäht wurde, bleibt ihnen nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut. Für etwa einen Monat werden ihnen die Beine verbunden, damit die Wunde heilen kann. Viele Mädchen und Frauen verbluten dabei oder sterben später an den Folgen, wie beispielsweise Wundstarrkrampf oder Tetanus. Doch auch wer den Eingriff überlebt, leidet meist unter schweren körperlichen Folgen wie Fistelbildung, Inkontinenz, Schmerzen beim Wasserlassen, Infektion der Harnwege oder des Reproduktionstrakts und vieles mehr. Nicht zuletzt erhöht sich auch das Risiko einer HIV-Infektion.

In einigen Ländern wird die Genitalverstümmelung unter hygienischen Bedingungen von Gesundheitspersonal durchgeführt. Doch der Eingriff ist und bleibt eine Menschenrechtsverletzung, die von den Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen entschieden abgelehnt wird. Körperliche und psychische Beschwerden begleiten die Frauen oft ein Leben lang.

3. Ist Genitalverstümmelung eine islamische Praxis?

Häufig heißt es, Genitalverstümmelung komme aus dem Islam. Diese Behauptung stimmt jedoch nicht. Im Koran heißt es in Sure 95,4: „Wahrlich, wir haben den Menschen in bester Form erschaffen.“ Im vorwiegend christlichen Äthiopien sind ca. 65 Prozent und in Sierra Leone sogar 86 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Die Religion wird zwar oft als Grund vorgeschoben, auch von den religiösen Meinungsführer*innen selbst, doch es ist vielmehr eine traditionelle Praktik, die vor allem in Ländern Afrikas und Asiens durchgeführt wird und älter ist als Islam oder Christentum. Dies belegen unter anderem mumifizierte Körper pharaonischer Prinzessinnen.

4. Warum wird die Genitalverstümmelung durchgeführt?

Weibliche Genitalverstümmelung ist Teil eines Übergangsrituals vom Mädchen zur Frau. Es passiert jedoch nicht immer im Jugendalter. Denn damit sich die Mäd­chen nicht dazu äußern können oder sogar von den vielerorts bestehenden Gesetzen Gebrauch machen, wer­den sie häu­fig schon in ganz jun­gen Jah­ren beschnitten.

Es ist eine Tradition, die tief in den Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit verwurzelt ist. In der ostafrikanischen Volksgruppe Massai gelten unbeschnittene Frauen beispielsweise als unrein und damit für den Heiratsmarkt als wertlos. Und noch ein Aspekt spielt eine wichtige Rolle: Da der Geschlechtsverkehr für die meisten beschnittenen Frauen große Schmerzen mit sich bringt, soll es sie davor „schützen“ ihren Ehemann zu betrügen.

Wenn die Rolle der Ehefrau für ein Mädchen die einzige Perspektive ist, ist die Heiratsfähigkeit (und damit die Genitalverstümmelung) für Eltern auch eine Form der Absicherung ihrer Tochter. Für die Fortführung dieser Begründung spielen auch die Frauen in den Gemeinden eine wichtige Rolle: Der Eingriff wird unter Ausschluss von Männern durchgeführt und häufig von der eigenen Mutter forciert.

5. Was kann man dagegen tun?

Aufklärung! Und außerdem: Frauen stärken, Frauen stärken und nochmals Frauen stärken. Denn wenn Frauen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen, ihr eigenes Einkommen verdienen und damit auch finanziell unabhängig sind, wird dieser Tradition eine wichtige Grundlage genommen. Wenn ihr Recht auf Unversehrtheit sowie körperliche und sexuelle Selbstbestimmung gewahrt wird, können sie sich entfalten und zu Fürsprecherinnen ihrer eigenen Bedürfnisse werden.

Auch Jungen und Männer müssen ausführlich über die Konsequenzen weiblicher Genitalverstümmelung aufgeklärt werden, denn als Freunde, Söhne, Ehemänner, Väter wird auch ihr Leben beeinflusst, wenn Mädchen und Frauen Infektionen, Schmerzen, Albträume und Angstzustände durchleben. Sex tut den Frauen oft weh oder ist gar nicht möglich. Auch das Kinderkriegen wird durch eine Genitalverstümmelung beeinträchtig oder unmöglich gemacht. Darüber hinaus fällt es Betroffenen häufig schwer, anderen Personen zu vertrauen. Kurzum: Wenngleich viele Männer den Eingriff befürworten und für eine Heirat voraussetzen – am Ende profitieren auch sie nicht davon. Da ihnen das möglicherweise gar nicht bewusst ist, müssen sie dringend in Aufklärungskampagnen mitgedacht und einbezogen werden. Und die Erfolgsquote ist hoch: In Äthiopien, Kenia und Tansania lehnen neun von zehn Jungen und Männern, die über weibliche Genitalverstümmelung informiert wurden, die Praktik ab.

Um eine Beendigung der Praktik zu erreichen, müssen sich außerdem die lokalen Autoritäten wie Dorfvorsteher, religiöse Meinungsführer*innen und Gesundheitspersonal stark machen. Informationen, Diskussionen und kritische Reflexion gehören also genauso dazu, wie der Erlass von Gesetzen. Das kann sich auch in alternativen Zeremonien für Mädchen ausdrücken, die zwar den Übergang zum Erwachsenwerden markieren, aber die Mädchen nicht verletzen.

Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist auch die Beschneiderin: Zum einen kann sie mit diesen Zeremonien ihren Lebensunterhalt sichern. Zum anderen ist sie hierdurch ein angesehenes Mitglied ihrer Gemeinschaft. Wenn sie Zugang zu anderer Arbeit sowie zu Informationen über Genitalverstümmelung bekommt, kann sie zu einer wirkungsvollen Advokatin gegen die Praktik werden.

Dieser Beitrag ist  erstmals am 04.02.2019 erschienen und wurde aktualisiert.

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Referatsleiter*in Entwicklungspolitik, Deutschland (m/w/d)

21. Dezember 2022 - 14:53

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ziel unserer Arbeit ist es, zur Umsetzung des Menschenrechts auf Familienplanung und zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Jugendliche sind daher die wichtigste Zielgruppe unserer Projekte in Ostafrika. In den Jugendklubs vor Ort klären wir Jugendliche über ihre sexuelle Gesundheit auf und bieten Beratung und Verhütungsmittel an.

Auf nationaler und internationaler Ebene bringen wir uns in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen globale Gesundheit, sexuelle und reproduktive Gesundheit, Rechte, Gleichstellung der Geschlechter und Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten ein.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine*n

Referatsleiter*in Entwicklungspolitik, Deutschland (m/w/d)

mit Dienstort Berlin.

Du leitest ein engagiertes Team, mit dem du dich persönlich und direkt bei politischen Vertreter*innen für globale Gesundheit, Gesundheitsforschung und -entwicklung für armutsbedingte und vernachlässigte tropische Krankheiten und sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) einsetzt.

Du wirst die entwicklungspolitische Arbeit des DSW-Teams in Berlin planen und koordinieren und bringst Deine starken Kenntnisse und Netzwerke im Bereich Globale Gesundheit in Deine Arbeit ein. Dabei vertrittst Du die DSW in zivilgesellschaftlichen Netzwerken und bei Veranstaltungen und Treffen im politischen Berlin.

Deine Aufgaben:
  • Fachliche Leitung bei der Planung, Kostenkalkulation und Überwachung von Advocacy-Projekten und der Arbeit des deutschen Advocacy-Teams
  • Fachliche Beratung und strategische Unterstützung des deutschen Kommunikationsteams bei Kommunikationsaktivitäten im Bereich Entwicklungspolitik
  • Koordinierung der DSW-Strategie für Advocacy in Deutschland und gegenüber deutschen und anderen strategischen Partner*innen in Zusammenarbeit mit der Abteilungsleitung Entwicklungspolitik
  • Repräsentation der DSW bei Veranstaltungen sowie gegenüber politischen Entscheidungsträger*innen, zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen, multi- und bilateralen Institutionen und anderen Stakeholdern
  • Förderung starker Netzwerke mit deutschen und internationalen Partnern
  • Beratung und Bereitstellung von Informationen und Einschätzungen zu aktuellen Anknüpfungspunkten der DSW-Themen in der deutschen Politik für den Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik, das Führungsteam und die Geschäftsführung
  • Enge Zusammenarbeit mit den DSW-Kolleg*innen in Hannover, Brüssel und den Länderbüros, um die deutschen Advocacy-Ziele der DSW effektiv zu verknüpfen.
Dein Profil:
  • Hochschulabschluss (Bachelor oder Master) in Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen, Development Studies, Public Health oder vergleichbare Qualifikation
  • Umfassende einschlägige Berufserfahrung (min. 7 Jahre) mit entwicklungspolitischer Arbeit in einem internationalen Umfeld
  • Führungserfahrung (min. 1-2 Jahre)
  • Sehr gute Kenntnisse der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und ihrer Akteur*innen mit den Schwerpunkten globale Gesundheit, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Gleichstellung der Geschlechter und Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten
  • Ein selbstständiger, lösungsorientierter Arbeitsstil
  • Deutsch auf muttersprachlichem Niveau, verhandlungssicheres Englisch (in Wort und Schrift)
  • Ausgezeichnete soziale und kommunikative Kompetenzen sowie Freude an der Arbeit im Team
  • Bereitschaft zu Dienstreisen (national und international)
Wir bieten:
  • Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf durch Angebote wie mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit auf zwei Wochen unbezahlten Urlaub im Jahr, zusätzlich zu den 30 Tagen Jahresurlaub
  • Jobrad-Leasing
  • Arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge
  • Einen spannenden Themenbereich in einem internationalen und abwechslungsreichen Arbeitsumfeld
  • Eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einem dynamischen und motivierten Team
  • Eine faire Vergütung und Förderung des persönlichen wie beruflichen Wachstums
  • Flache Hierarchien, kurze Kommunikationswege und ein sehr gutes Betriebsklima
Bewerbungsverfahren:

Bist du interessiert? Dann sende uns deine vollständigen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse und Gehaltsvorstellung) bitte mit dem Verweis “Referatsleiter*in Entwicklungspolitik, Deutschland” per E-Mail an jobs.deutschland@dsw.org.

Es handelt sich um ein unbefristetes Anstellungsverhältnis in Vollzeit.

Für inhaltliche Rückfragen zur Ausschreibung kannst du gern eine E-Mail an jobs.deutschland@dsw.org schreiben. Von Nachfragen zum laufenden Bewerbungsprozess bitten wir abzusehen.

Wir freuen uns auf deine Zusendungen! Für mehr Informationen besuche uns auf www.dsw.org.

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8.007.884.000 Menschen leben auf der Erde

21. Dezember 2022 - 11:30
Rekordmarke bei verlangsamtem Wachstum: der neue Datenreport der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

Am 31. Dezember leben 8.007.884.000 Menschen auf der Erde. Damit markiert 2022 den historischen Moment, an dem nach 11 Jahren eine weitere Milliarden-Marke überschritten wurde. Gleichzeitig ist es aber auch das Jahr, in dem die Wachstumsrate der Weltbevölkerung erstmals unter ein Prozent gesunken ist. Die absolute Zahl der Menschen steigt zwar weiter an, allerdings immer langsamer, das geht aus dem Datenreport 2022 hervor, den die Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) jetzt veröffentlicht. Den Prognosen zu Folge werden 15 Jahre vergehen, bis 9 Milliarden-Menschen auf der Welt leben, der Höhepunkt wird voraussichtlich mit 10,4 Milliarden Menschen in den 2080er Jahren erreicht sein. Auf dem afrikanischen Kontinent wird sich die Bevölkerung bis dahin mehr als verdoppelt haben.

Die Chance einer demografischen Dividende

„In der dort lebenden größten Jugendgeneration aller Zeiten steckt ein enormes Potenzial“, erklärt der Geschäftsführer der DSW, Jan Kreutzberg. „Wenn es gelingt, die Geburtenraten weiter zu senken und gleichzeitig die jungen Menschen in Ausbildung zu bringen, dann öffnet sich ein demografisches Fenster der Möglichkeiten, das zu wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand führen kann.“ Die Chance auf diese sogenannte demografische Dividende, wie sie einst die asiatischen Tigerstaaten erlebt haben, besteht laut Prognosen der Vereinten Nationen allerdings nicht ewig.  Um 2050 wird sich dieses Fenster wieder schließen, denn neben der große jungen Generation wird sich auch in Afrika die Zahl der älteren Erwachsenen verdreifachen.

Die Frauen spielen eine Schlüsselrolle

„Damit Kinder nicht länger als Mittel der Altersversicherung gelten, muss der Aufbau staatlicher sozialer Sicherungssysteme in der Entwicklungszusammenarbeit eine zentrale Rolle spielen“, fordert Jan Kreutzberg. Gleichzeitig seien Bildung und sexuelle Aufklärung unverzichtbar, um insbesondere Mädchen und jungen Frauen zu ermöglichen, selbst zu entscheiden, wann und mit wem sie wie viele Kinder bekommen. „Den Frauen fällt bei der Entwicklung Afrikas eine Schlüsselrolle zu“, betont Kreutzberg. „Sie müssen in der Lage sein, ihr Leben und ihre Familienplanung selbst zu bestimmen und die Gesellschaft mit zu gestalten. Denn nur, wenn hier ein Umdenken stattfindet, gibt es die Chance auf eine demografische Dividende.“

 

Weitere Informationen

Datenreport

Länderdatenbank

8 Milliarden Menschen leben auf der Erde

5 Fragen – 5 Antworten zur Weltbevölkerung

 

Grafiken

Die Welt – ein Dorf

Natürliche Wachstumsraten nach Regionen

Anteile verschiedener Altersgruppen nach Regionen

 

 

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Jede zweite HIV-Infektion trifft eine Frau

30. November 2022 - 10:38
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW): Bundesregierung darf im Kampf gegen Aids nicht nachlassen

Jede Minute stirbt ein Mensch in Verbindung mit Aids, jede zweite Minute wird eine junge Frau mit HIV infiziert. „In Afrika südlich der Sahara ist die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, für Mädchen und junge Frauen fast dreimal so hoch wie für Jungen und Männer“, erklärt Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Die Folgen der Covid-19-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine haben die Bekämpfung von HIV und Aids weltweit ins Stocken gebracht. Wichtige Behandlungs- und Präventionsdienste sind unterbrochen. Darüber hinaus sind insbesondere in Subsahara-Afrika die Zahlen der Teenagerschwangerschaften und geschlechtsspezifischer Gewalt erheblich gestiegen, Frauen und Mädchen entsprechend einem besonders hohen Risiko ausgesetzt: sie machen dort 63 Prozent aller HIV-Neuinfektionen aus.

Der Fortschritt hat sich deutlich verlangsamt

Mit 3,6 Prozent verzeichnen die Vereinten Nationen den geringsten Rückgang der HIV-Neuinfektionen seit 2016. In den bevölkerungsreichsten Regionen der Welt, in Asien und dem Pazifikraum, steigt die Zahl der Neuinfektionen, wo sie zuvor rückläufig waren, im östlichen und südlichen Afrika hat sich der Fortschritt der letzten Jahre deutlich verlangsamt. Auch die Zahl der Menschen, die eine HIV-Behandlung erhalten, wuchs 2021 so langsam wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr: Zwar haben drei Viertel aller HIV-Infizierten Zugang zu einer antiretroviralen Therapie, aber etwa 10 Millionen Betroffene haben ihn nicht und nur die Hälfte der 1,7 Millionen Kinder, die mit HIV leben, können mit lebensrettenden Medikamenten behandelt werden.

Deutschland steht in der Verantwortung

Gleichzeitig ist die ausländische Entwicklungsfinanzierung von anderen bilateralen Gebern als den USA in den letzten 10 Jahren um 57 Prozent gesunken. Auch die Bundesrepublik Deutschland hat in ihrem Haushalt für das kommende Jahr die Gelder für UNAIDS um 1,25 Millionen Euro gekürzt und nur noch 3,75 Millionen zugesagt. „Die Bundesregierung sendet hier ein fatales Signal. Für eine Regierung, die eine Stärkung der globalen Gesundheitsarchitektur in den Koalitionsvertrag geschrieben hat, wären 25 Millionen Euro ein im Verhältnis zur deutschen Wirtschaftskraft angemessener Beitrag“, unterstreicht Jan Kreutzberg die Forderung der Zivilgesellschaft. „Wir dürfen im Kampf gegen Aids nicht nachlassen, und zwar auf allen Gebieten: Die medizinische Forschung und Versorgung muss genauso vorangetrieben werden, wie die Aufklärung und Ausbildung insbesondere der jungen Mädchen. Deutschland steht in der internationalen Verantwortung. “

 

 

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5 Fragen – 5 Antworten zu HIV und Aids

Grafik: Menschen die mit HIV leben

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5 Fragen – 5 Antworten zu HIV und Aids

29. November 2022 - 16:00

Aids gehört mit Malaria und Tuberkulose zu den drei großen Armutskrankheiten. Die Krankheit verbreitete sich in den 1980er Jahren rasend schnell und ist heute eine der drängendsten Herausforderungen für die globale Gesundheit. Darauf wird jedes Jahr insbesondere am 1. Dezember – dem Welt-Aids-Tag – aufmerksam gemacht.

Durch die aktuelle Corona-Pandemie, die zu Versorgungsengpässen bei Medikamenten und Gesundheitsservices sowie weniger HIV-Tests führt, erfahren die großen Fortschritte der vergangenen Jahre in der Bekämpfung von Aids und HIV aktuell einen Rückschlag. Es darf jedoch nicht zugelassen werden, dass die Eindämmung von HIV und Aids auf das Abstellgleis gerät.

 

1. Was ist der Unterschied zwischen HIV und Aids?

HIV ist das Virus, das die Krankheit Aids auslösen kann. HIV steht dabei für die Abkürzung Human Immunodeficiency Virus, also das menschliche Immunschwäche-Virus. Wer sich mit dem HI-Virus angesteckt hat, ist nicht sofort krank. Ein gesundes Immunsystem kann das Virus anfangs meist noch erfolgreich bekämpfen und der Infizierte bleibt beschwerdefrei. Doch das Virus verschwindet nicht, sondern vermehrt sich weiter und schwächt das Immunsystem bis zu dem Punkt, an dem es den Körper nicht mehr vor anderen Infektionen schützen kann und die Krankheit ausbricht. Dann kann selbst eine harmlose Erkältung zur tödlichen Bedrohung werden. Ab diesem Moment spricht man von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome), dem erworbenen Immundefektsyndrom.

2. Wo ist das Virus verbreitet und wer ist besonders gefährdet?

HIV ist mittlerweile weltweit verbreitet. Im Jahr 2021 trugen 38,4 Millionen Menschen das HI-Virus in sich, rund 1,5 Millionen Menschen weltweit haben sich neu mit dem Virus angesteckt. Das Vorurteil, dass HIV und Aids vor allem homosexuelle Männer betreffen, ist widerlegt: 49 Prozent der Neuansteckungen betreffen Frauen.

Rund zwei Drittel der mit HIV Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara, vor allem die junge Bevölkerung ist betroffen. Sexualaufklärung ist in Entwicklungsländern oftmals nicht im Lehrplan vorgesehen und außerschulische Aufklärungsangebote sind Mangelware. Es fehlt auch an frühzeitiger und altersgerechter Aufklärung. Zudem ist das Thema in der Gesellschaft ein Tabu. Dadurch entstehen teils gefährliche Mythen zu Sexualität und Verhütung. Außerdem fehlt Jugendlichen oft der Zugang zu entsprechenden Verhütungsmitteln. Das ist für die jungen Menschen lebensgefährlich: Aids ist die häufigste Todesursache bei Jugendlichen in Afrika.

Für Mädchen und Frauen in Afrika südlich der Sahara ist das Risiko, sich mit HIV anzustecken, besonders groß. In der Altersgruppe der 15-19jährigen betreffen sechs von sieben Neuansteckungen Mädchen. In der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre ist die Wahrscheinlichkeit, das HI-Virus in sich zu tragen, bei Frauen doppelt so hoch wie bei ihren männlichen Altersgenossen. Einer der Hauptgründe: Durch geschlechtsbasierte und sexualisierte Gewalt, Frühverheiratungen und die Ungleichheit der Geschlechter ist es für viele Mädchen und Frauen schwieriger Sex zu verweigern oder die Verwendung von Kondomen einzufordern.

3. Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Am häufigsten wird HIV durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Deshalb ist es auch so wichtig, ein Kondom zu benutzen. Außerdem erhielt vor einigen Jahren ein Vaginalring eine positive Stellungnahme der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und steht somit nach 16 Jahren Forschung kurz vor der Markteinführung. Durch den Ring, der ein Mikrobizid auf antiretroviraler Basis mit dem Wirkstoff Dapivirine enthält, lässt sich das HIV-Infektionsrisiko beim Geschlechtsverkehr um 35 Prozent senken. Im nächsten Schritt soll der Ring durch ein Kontrazeptivum ergänzt werden. So können sich Frauen – vor allem in Entwicklungsländern – auch mit dem Vaginalring vor einer ungewollten Schwangerschaft und einer HIV-Infektion schützen.

Bisher gibt es keine Möglichkeit, sich gegen HIV impfen zu lassen. Es wird an verschiedenen Impfstoffen geforscht, die teilweise bereits an Menschen getestet wurden, doch der durchschlagende Erfolg steht noch aus. Umso wichtiger ist es, die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs voranzutreiben. Ganz vorne mit dabei ist die Produktentwicklungspartnerschaft International AIDS Vaccine Initiative (IAVI).

Derzeit gibt es eine sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Das sind Medikamente, mit denen sich gefährdete Personen vor einer Ansteckung schützen können. In einigen Ländern sind die Medikamente bereits verfügbar, allerdings sind sie extrem teuer.

4. Ist Aids behandelbar?

Die Behandlungsmöglichkeiten für HIV-positive Menschen haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Dennoch bekamen im Jahr 2021 nur 75 Prozent der HIV-Infizierten eine sogenannte antiretrovirale Therapie (ART). Damit haben Betroffene fast so eine lange Lebenserwartung wie Menschen, die nicht von HIV betroffen sind.

5. Was ist zu tun, damit HIV und Aids bald der Vergangenheit angehören?

Um die Verbreitung des Virus einzudämmen und Aids zu beseitigen, muss dringend in weitere Forschung und Entwicklung investiert werden. Und zwar in allen Bereichen, welche die Diagnose, Vorbeugung und Behandlung einer HIV-Infektion und der Krankheit Aids betreffen: Dazu gehören umfassende Aufklärung, HIV-Schnelltests, Verhütungsmöglichkeiten, Prophylaxen, Medikamente und Impfstoffe.

Besonders Investitionen in die Vorbeugung zahlen sich für die Gesundheitssysteme der Länder aus. Denn wenn Neuinfektionen reduziert werden, entfallen die Kosten für langwierige und teure Therapien.

Alles gemerkt? Dann teste Dein Wissen in unserem Quiz.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen am 18.05.2017

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8 Milliarden Menschen – 8 Milliarden Möglichkeiten

10. November 2022 - 9:55
Neue Ausstellung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) im Erlebniszoo Hannover

Hannover, 10.November 2022. Am 15. November wird die neugestaltete Weltbevölkerungsuhr am Erlebnis-Zoo Hannover 8 Milliarden anzeigen. So viele Menschen leben dann nach Berechnungen der Vereinten Nationen auf der Erde – was eine große Herausforderung, aber auch viele Möglichkeiten bedeutet. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hat aus diesem Anlass nicht nur die Uhr, sondern unter dem Titel „Starke Jugend – starke Zukunft“ gemeinsam mit dem Erlebnis-Zoo Hannover auch eine Ausstellung in der Themenwelt Sambesi des Zoos neugestaltet. DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg und Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff stellten die Installation heute bei einem Rundgang vor.

„Südlich der Sahara lebt die größte Jugendgeneration aller Zeiten“, sagt DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg anlässlich der Wiedereröffnung. „43 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Diese Jugendlichen zu stärken, damit sie mit sich selbst aber natürlich auch ihrer Umwelt verantwortungsbewusst umgehen, darin liegt eine der zentralen Aufgaben der DSW“, erklärt Kreutzberg. „Dieses wichtige Engagement zu dokumentieren, dafür ist die Sambesi-Themenwelt doch geradezu wie geschaffen“, ergänzt Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff.

Als neue Attraktion kann nun jeder Zoo-Gast gleich neben dem Einstieg zur Bootsfahrt herausfinden, als der wievielte Mensch er auf die Welt gekommen ist. Unter dem Motto „What‘s your number?“ zeigt der Bevölkerungszähler nach Eingabe des Geburtsdatums die persönliche Zahl. Infografiken geben Aufschluss darüber, wie sich die eigene Lebenszeit in die Entwicklung der Weltbevölkerung einordnen lässt.

Darüber hinaus dokumentiert die Ausstellung die Arbeit der DSW in Subsahara Afrika, jener Weltregion, in der die Bevölkerung bis zum heutigen Tage mit am schnellsten wächst. Im Zentrum dieser Arbeit steht die sexuelle Aufklärung und Bildung insbesondere für Mädchen, um ihnen eine Chance auf Erwerbstätigkeit und ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen. Der besondere Ansatz der DSW ist dabei, dass den Jugendlichen nicht erwachsene Respektspersonen gegenüberstehen, sondern Gleichaltrige, denen sie sich ohne hohe Hemmschwelle öffnen können. Von der DSW ausgebildete Jugendberaterinnen und -berater vermitteln anderen Jugendlichen im Alter von zehn bis 24 Jahren Grundwissen zum Thema Sexualität und beraten sie in Gesundheits- und Alltagsfragen. Wirtschaftliche und unternehmerische Fähigkeiten werden ebenso geschult, wie die politische Mitsprache. Die kleine Näherei in der Ausstellung geht auf dieses weitere Engagement der Stiftung ein: Die Jugendlichen erhalten Schulungen im Bereich Kleingewerbemanagement und lernen so, ihr eigenes Einkommen zu erwirtschaften und ihr Leben mit Rücksicht auf die Natur selbst in die Hand zu nehmen. 295 Jugendklubs und 40 Jugendförderzentren sind Teil dieses Netzwerks, das sich über Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda erstreckt. Mehr als 100 der Jugendklubs befinden sich in Schulen und arbeiten dort eng mit dem Lehrpersonal zusammen.

„Die Sexualaufklärung und Bildung sind essentiell, damit die Mädchen und Jungen verantwortungsvoll mit ihrem eigenen Körper umgehen und selbst über ihre Zukunft entscheiden können: ob, wann und mit wem sie wie viele Kinder bekommen wollen“, sagt Jan Kreutzberg.  „Sie müssen in die Lage versetzt werden, ihr Leben und ihre Familienplanung selbst zu bestimmen und die Gesellschaft mit zu gestalten. Denn nur, wenn hier ein Umdenken stattfindet, gibt es eine Chance für eine nachhaltig gestaltete Zukunft.“ Vor acht Jahren wurde die jetzt aktualisierte Ausstellung über die Arbeit der DSW im Zoo eröffnet und ist seitdem ein fester Bestandteil der Sambesi-Landschaft geworden: „Denn es braucht genau diese Nachhaltigkeit, um den Lebensraum für Mensch und Tier zu erhalten“, unterstreicht Andreas Casdorff die Bedeutung des gemeinsamen Engagements.

Mehr zu unseren Aktivitäten zum „Tag der acht Milliarden“ finden Sie hier.

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Panel: 8 Milliarden Menschen – 8 Milliarden Chancen

3. November 2022 - 9:00
„Eine feministische Entwicklungspolitik ist der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft der Weltbevölkerung“, sagt Dr. Bärbel Kofler, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Laut Berechnungen der Vereinten Nationen hat die Weltbevölkerung die Schwelle von acht Milliarden erreicht. Damit leben so viele Menschen auf der Erde wie nie zuvor. Doch die Dynamik hat sich verändert. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen liegt das Bevölkerungswachstum unter einem Prozent pro Jahr und wird in Zukunft weiter zurückgehen. Wie sich die Weltbevölkerung nach der achten Milliarde weiter entwickeln wird, hängt vor allem von der Entwicklung in Ländern mit einem hohen Bevölkerungswachstum ab. „Subsahara Afrika wird nach aktuellen Prognosen noch deutlich weiterwachsen. Ein Großteil des künftigen Wachstums der Weltbevölkerung wird in dieser Region und in einigen Ländern in Asien stattfinden“, so Dr. Frank Swiaczny vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Der Höhepunkt der Weltbevölkerung wird mit rund 10,4 Milliarden Menschen in den 2080er Jahren prognostiziert. Mit einer weiter steigenden globalen Bevölkerung gehen Chancen, aber auch Herausforderungen einher.

Das Wachstum der Weltbevölkerung mit nachhaltiger Entwicklung in Einklang zu bringen, ist eine der wichtigsten Zukunftsfragen für Mensch und Umwelt. „Mehr Menschen bedeuten dabei nicht zwangsläufig auch einen größeren ökologischen Fußabdruck“, betont Swiaczny. Fast die Hälfte der globalen CO2-Emissionen werden von den zehn Prozent der Weltbevölkerung mit dem höchsten Einkommen verursacht, während der Beitrag der ärmsten Hälfte zu vernachlässigen ist. Bei anhaltendem Bevölkerungswachstum die weitere Steigerung des Index menschlicher Entwicklung vom ökologischen Fußabdruck zu entkoppeln, ist eine gemeinsame globale Herausforderung.

Die größte Jugendgeneration aller Zeiten

Besondere Bedeutung kommt dabei der Unterstützung von Ländern in Subsahara Afrika zu, denn dort lebt die größte Jugendgeneration aller Zeiten, 43 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre alt. In diesen jungen Menschen steckt ein großes Potenzial, das, wie einst in den ostasiatischen Tigerstaaten, zu einer demografischen Dividende und damit wirtschaftlichem Aufschwung führen könnte. Voraussetzung dafür wäre aber ein deutlich schnellerer Rückgang der Geburtenraten, als das bislang in den meisten afrikanischen Staaten südlich der Sahara der Fall ist.

„Fehlende sexuelle Aufklärung, Zugang zu Sekundarbildung für Mädchen und der Mangel an Verhütungsmitteln führen dazu, dass die Frauen in vielen Regionen sehr viel mehr Kinder gebären, als sie sich wünschen und vor allem auch versorgen können“, erklärt Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Gerade in den benachteiligten Regionen gelten Kinder immer noch als Altersversicherung. Hinzu kommen traditionell und patriarchalisch geprägte Familienstrukturen, in welchen die Mädchen auf die Rolle der Mutter reduziert werden und oft schon im Teenageralter die ersten Kinder bekommen. Spätestens dann werden sie in der Regel von der Schule ausgeschlossen und die Armutsspirale ist programmiert. Zahlreiche Studien belegen, dass Mädchen mit Sekundarbildung in der Regel nur noch zwei bis drei Kinder zur Welt bringen und nicht vier bis fünf, wie es im afrikanischen Durchschnitt immer noch der Fall ist. „Den Frauen kommt bei der Entwicklung Afrikas eine zentrale Rolle zu“, unterstreicht Kreutzberg. „Sie müssen in die Lage versetzt werden, ihr Leben und ihre Familienplanung selbst zu bestimmen und die Gesellschaft mit zu gestalten. Denn nur, wenn hier ein Umdenken stattfindet, gibt es überhaupt die Chance auf eine demografische Dividende.“

Investitionen in die Zukunft

„Mit einer gezielten Demografiepolitik und Investitionen in die Gesundheitsversorgung, Mädchenbildung und Familienplanung können afrikanische Staaten den Bevölkerungswandel weiter vorantreiben,“ meint auch Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 2,5 Milliarden Menschen in Afrika leben. „Dies mag dramatisch klingen, doch in den letzten Jahrzehnten hat sich das Bevölkerungswachstum in Afrika bereits verlangsamt. Länder wie Äthiopien, Senegal und Tunesien haben große Fortschritte in Sachen Gesundheit, Bildung und Gleichberechtigung gemacht, was auch dazu geführt hat, die Geburtenrate zu senken.“

Der Aufbau sozialer Grundsicherungssysteme ist eine weitere wichtige bevölkerungspolitische Maßnahme, die verspricht, die Bedürftigsten aus der Armut zu heben, Fortschritte bei der Ernährung, Gesundheit und Bildung zu beschleunigen und den demografischen Wandel voranzutreiben. „Angesichts der großen Jugendgeneration, die jetzt auf den Arbeitsmarkt strömt, sollten afrikanische Regierungen vor allem Sozialversicherungen für junge Erwerbstätige stärker in den Blick nehmen“, fordert Hinz. Ein Großteil der jungen Menschen arbeitet im informellen Sektor – ohne jegliche Absicherung. „Ob sie sich bei Krankheit, Verlust des Jobs oder im Alter absichern können, wird sich nicht nur auf ihre Zukunftschancen, sondern auch auf ihre Familienplanung auswirken.“

Starke Frauen sind der Schlüssel

„Acht Milliarden Menschen sind acht Milliarden Chancen“, sagt Dr. Bärbel Kofler, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Damit alle ihr Potenzial entfalten und sich für ihre Gesellschaften einbringen können, brauchten sie Zugang zu Gesundheitsleistungen, Bildung, Beschäftigung und sozialer Sicherung. Das gelte insbesondere für Frauen und Mädchen, so Kofler: „Starke und selbstbestimmte Frauen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung ganzer Gesellschaften.“ Aus diesem Grund verfolge das BMZ eine feministische Entwicklungspolitik und investiere über die bilaterale Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit“ im Schnitt 100 Millionen Euro jährlich in die sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte von Frauen und Mädchen.

Weitere Informationen und Materialien: Kontaktinformationen für Presseanfragen:

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Lilian Beck, beck@berlin-institut.org, Tel.: 030 – 31 01 73 24

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)
Dr. Frank Swiaczny, frank.swiaczny@bib.bund.de, Tel. 0611 754506

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Nicole Langenbach, nicole.langenbach@dsw.org, Tel. 0511 94 373 20

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Stephanie v. Ehrlich, Stephanie.Ehrlich-Treuenstaett@bmz.bund.de, Tel. 030 185352674

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regionaler
und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten. In seinen Studien, Diskussions- und Hintergrundpapieren bereitet das Berlin-Institut wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess auf.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) untersucht die Ursachen und Folgen des demografischen Wandels und hat die Aufgabe, die Bundesregierung und Bundesministerien auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung zu beraten. Dazu gehört auch die Unterstützung der Bundesregierung bei der internationalen Zusammenarbeit in Bevölkerungsfragen im Rahmen der Vereinten Nationen. Die Information der Öffentlichkeit über den demografischen Wandel und die Forschungsergebnisse ist eine weitere wichtige Aufgabe. Das Institut ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundes und gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern und für Heimat.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist innerhalb der Bundesregierung
für die deutsche Entwicklungspolitik zuständig. Den Rahmen für unser Handeln bilden die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen sowie das Pariser Klimaabkommen. Im Mittelpunkt steht dabei das Engagement gegen Armut und Hunger und für gesunde Menschen in einer gesunden Umwelt. Das BMZ versteht sich als Transformationsministerium, das weltweit den Umbau hin zu einer nachhaltigen, klima- und naturverträglichen Wirtschaftsweise voranbringt und zugleich Frieden, Freiheit und Menschenrechte stärkt. Dazu stimmen wir die bilaterale Zusammenarbeit mit unseren Partnerländern weltweit ab und fördern einen starken, an den SDGs orientierten Multilateralismus. Wir wollen im respektvollen Miteinander Strukturen in den Partnerländern und global so verändern, dass ein besseres Leben für alle Menschen möglich ist.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

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