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Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Aktualisiert: vor 10 Stunden 52 Minuten

UN-Resolution zu „Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung“: DSW an Verhandlungen in New York beteiligt

9. Mai 2022 - 12:04

Alisa Kaps (2. v.r.) bei der CPD in New York. Bild: privat.

Jedes Jahr treffen sich Länderdelegierte und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aus der ganzen Welt zur sogenannten Kommission für Bevölkerung und Entwicklung (Commission on Population and Development, CPD) bei den Vereinten Nationen. Die Kommission überwacht, welche Fortschritte die Staatengemeinschaft bei der Umsetzung des Aktionsprogramms der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo (International Conference on Population and Development, ICPD) macht. Als Teil der deutschen Delegation konnte in diesem Jahr Alisa Kaps, entwicklungspolitische Referentin bei der DSW, bei den Verhandlungen dabei sein. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Covid-19 Pandemie fanden diese wieder überwiegend in Person im UN-Hauptquartier in New York statt.

Die diesjährige 55. Tagung der CPD befasste sich mit dem Schwerpunktthema „Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung, insbesondere nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum.“ Dabei gelang es zum zweiten Mal in Folge am Ende der Verhandlungen eine Resolution zu verabschieden, die Analysen und Empfehlungen zu nachhaltiger Entwicklung, gerechtem Wirtschaftswachstum und der Erreichung der im Aktionsprogramm von Kairo gesetzten Ziele umfasst. Was im ersten Moment nach keiner großen Sache klingt, ist dabei ein großer Erfolg. Denn wann immer die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zusammenkommen, um über Themen wie sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) und Geschlechtergleichstellung zu diskutieren, sind Meinungsverschiedenheiten programmiert.

Kein gerechtes Wirtschaftswachstum ohne sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist, besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen inklusivem – oder auch gerechtem – Wirtschaftswachstum und der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und den damit verbundenen Rechten (SRGR) sowie der Gleichstellung der Geschlechter: Die körperliche Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen ist die Grundlage, damit sich Frauen für die Wirtschaft eines Landes einbringen und diese mitgestalten können. Wenn die UN-Mitgliedsstaaten also nach Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung und gerechtes Wirtschaftswachstum suchen, müssen die Bedürfnisse von Mädchen, Frauen und jungen Menschen mitgedacht werden. Dazu gehört ein guter Zugang zu Gesundheitsdiensten, umfassende Sexualaufklärung (CSE) und die Bekämpfung von Diskriminierung und geschlechtsbasierter Gewalt.

Erfolg mit Abstrichen

Gerade die Themen SRGR, CSE und der Schutz vor (mehrfacher) Diskriminierung führten dabei zu heftigen Diskussionen, was die Verhandlungen auch einmal bis in die Nacht hineinziehen konnte. Die Arbeit hat sich jedoch bezahlt gemacht: Mit der angenommenen Resolution bekräftigen die UN-Mitgliedstaaten ihre Unterstützung für das Aktionsprogramms von Kairo und die politische Bedeutung der jährlich stattfindenden CPD. Gleichzeitig ist es gelungen wichtige Verweise auf die Menschenrechte und die Bedeutung von Bildung einzubringen. Zentrale Bekenntnisse zu SRGR konnten ebenfalls erhalten und gestärkt werden. Die Bedeutung von umfassender Sexualaufklärung, eine stärkere Sprache zur Geschlechtergleichstellung sowie Verweise auf mehrfache und intersektionale Formen von Diskriminierung schafften es dagegen leider nicht in die Resolution.

Auch im nächsten Jahr wird die CPD Fortschritte und Hindernisse bei der Verwirklichung des Aktionsprogramms der Weltbevölkerungskonferenz betrachten. Das Schwerpunktthema steht bereits fest: Bevölkerung, Bildung und nachhaltige Entwicklung.

 

Der Artikel ist eine gekürzte und editierte Fassung eines Blogartikels des Countdown 2030 Europe Netzwerks, an dem die DSW beteiligt ist. Der ursprüngliche Artikel ist hier verlinkt.

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Tabus brechen und die Zukunft gestalten

3. Mai 2022 - 10:07
Naserian und Marian berichten aus den Jugendklubs in Tansania

Als Naserian zum ersten Mal in den Jugendclub kam, traute sie ihren Ohren nicht. Wie konnte man so frei über Dinge sprechen, über die in ihrer Kultur doch nie gesprochen wurde, weder von jungen, noch von älteren Menschen: Frühverheiratung im Kindesalter, Teenager- und generell unbeabsichtigte Schwangerschaften und vieles mehr aus dem weiten Feld der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Zuerst, sagt Naserian, sei sie sehr verlegen gewesen, doch dann fing sie an zu begreifen, wie sehr sie das alles betraf, dass auch sie ein Opfer dieses alten patriarchalischen Systems war, das vor allem die Frauen unterdrückt – und dass sie ein Recht hatte, daran etwas zu ändern.

Aufklärung gegen eine lange Tradition

Naserian kommt aus Engarenaibor, einer Hirtengesellschaft im Distrikt Longido in Tansania, ist heute 22 Jahre alt und hat inzwischen nicht nur gelernt, selbst über die vermeidlichen Tabuthemen offen zu sprechen, sondern gezielte Aufklärungsarbeit zu leisten und damit auch andere zum Sprechen zu bringen. In einem Jugendklub der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) wurde sie zur Beraterin ausgebildet und ist sehr stolz darauf, schon viele Jugendliche aufgeklärt zu haben: „In unserer Kultur ist es normal, dass ein junges Mädchen im Alter von 20 Jahren nicht weniger als zwei Kinder hat und in ein paar Monaten ein weiteres erwartet. Ich sage das, weil ich auch eines der Mädchen bin, die früh verheiratet wurden.“ Damit diese Normen endlich gebrochen werden, ist Naserians großes Ziel, ihr Wissen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte und Familienplanung so weit wie möglich zu verbreiten. Und alle, die von ihr gelernt haben, sollen weiterziehen, um so wiederum so viele Jugendliche wie möglich über ihre Rechte aufzuklären.

Champions für die Politik

„Stärkung der Jugend“ nennt auch Mariam ihre wichtigste Aufgabe. Sie ist im Distrikt Meru und Longido Projektverantwortliche von „Supporting Youth Initiative for Youth Empowerment Tanzania“. Das kurz SIYET genannte Programm wendet sich gezielt an Jugendliche wie Naserian, die zu Berater*innen ausgebildet werden, damit sie ohne große Hemmschwellen ihre Altersgenoss*innen über Sexualität, die Gefahr von sexuell übertragbaren Krankheiten, über frühe oder unbeabsichtigte Schwangerschaften und die Möglichkeit einer gesunden und selbstbestimmten Familienplanung aufklären. Einige der Jugendlichen, wie Mariam nicht ohne Stolz berichtet, werden auch zu sogenannten „youth champions“ ausgebildet. Sie überzeugen nicht nur ihre eigene Generation, sondern vor allem auch die Älteren, die in Politik und Gesellschaft etwas zu sagen haben, davon, dass die Normen überholt und Veränderungen dringend geboten sind.

Wege zur Eigenständigkeit

Mindestens so wichtig, wie die Aufklärung ist die wirtschaftliche Eigenständigkeit, vor allem für die Mädchen. Dafür werden in den DSW Jugendklubs und sogenannten „Youth Empowerment Centres“ Trainings zur beruflichen Fortbildung und innovativer Unternehmensführung angeboten . „Aktuell sind es leider noch zu wenige“, wie Mariam betont. „Wir bräuchten noch sehr viel mehr.“ Es gibt also noch einiges zu tun, damit Naserian ihr großes Ziel erreicht: dass die Mädchen ihrer Gemeinschaft nicht mehr als Kinder verheiratet und unbeabsichtigt schwanger werden.

 

 

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Referent*in Finanzen (m/w/d)

14. April 2022 - 9:11

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Neben ihrem Hauptsitz in Hannover ist die DSW in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda sowie mit Verbindungsbüros in Berlin und Brüssel vertreten. Mehr Informationen unter www.dsw.org.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine*n

Referent*in Finanzen (m/w/d) 

mit Dienstort Hannover oder Berlin.

Der*die Referent*in wird an der erfolgreichen Umsetzung der Zielsetzungen der Stiftung mitwirken und insbesondere die finanzielle Entwicklung, Begleitung und Abrechnung von Projekten und Programmen übernehmen.

Er*Sie wird als Mitglied der Abteilung Finanzen eng mit den Kolleg*innen aus den Teams Institutionelle Geber und Partnerschaften (IGP) und Projekt Management (PM) sowie den Kolleg*innen in den Partnerländern zusammenarbeiten.

Ihre Aufgaben:
  • Unterstützung und fachliche Beratung von Länderbürokolleg*innen und Partnerorganisationen bei der Entwicklung von Projektbudgets unter Berücksichtigung entsprechender Geldgeber-regularien, insbesondere BMZ und EuropeAid
  • Koordination und Abstimmung von Budgetentwicklungen bei Konsortialprojekten in engem Austausch mit den Teams IGP und PM
  • Eigenverantwortliche finanzielle Betreuung von zugewiesenen Projekten in engem Austausch mit dem Kollegium in den Länderbüros und Partnerorganisationen sowie den Projektverantwortlichen mit Sitz in Hannover und Berlin
  • Regelmäßiges finanzielles Monitoring von Projekten und Programmen
  • Erstellung und Abstimmung von Finanzberichten und finanziellen Verwendungsnachweisen
  • Unterstützung der Länderbüros/Partner bei der Definition und Weiterentwicklung von finanziellen Berichtsformaten unter Berücksichtigung der DSW-spezifischen Anforderungen
  • Regelmäßige Abstimmung der Projektberichterstattungen mit der Buchhaltung
Wir erwarten:
  • Abgeschlossenes Hochschulstudium im Finanzbereich oder vergleichbare Qualifikation (kaufmännische Ausbildung und mehrjährige einschlägige Berufserfahrung)
  • Nachgewiesene praktische Erfahrung mit der Anwendung insbesondere von BMZ und EuropeAid Regularien von der Projektentwicklung bis zur Abrechnung
  • Sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift, um intern und extern aktiv Austausch zu fachlichen Themen gestalten zu können
  • Routinierter Umgang mit relevanter Buchungs- und Bürosoftware, insbesondere MS Excel
  • Hohe Kommunikations- und Teamfähigkeit
  • Bereitschaft zu Dienstreisen
Wir bieten:
  • Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf durch Angebote wie mobiles Arbeiten, Jobrad-Leasing, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit auf zwei Wochen unbezahlten Urlaub im Jahr, zusätzlich zu den 30 Tagen Jahresurlaub
  • Einen spannenden Themenbereich in einem internationalen und abwechslungsreichen Arbeitsumfeld
  • Flache Hierarchien, kurze Kommunikationswege und ein sehr gutes Betriebsklima
  • Eine faire Vergütung, sowie Förderung des persönlichen wie beruflichen Wachstums
  • Betriebliche Altersvorsorge
Bewerbungsverfahren:

Sind Sie interessiert? Dann senden Sie uns Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse und Gehaltsvorstellung) bitte mit dem Verweis “DSW2022_07 Referent*in Finanzen” per E-Mail an jobs.deutschland@dsw.org.

Bitte beachten Sie, dass nur Bewerbungen mit der Referenznummer “DSW2022_07 Referent*in Finanzen” in der Betreffzeile der E-Mail berücksichtigt werden können.

Das Arbeitsverhältnis ist zunächst befristet auf zwei Jahre mit Aussicht auf eine unbefristete Übernahme.

Bewerbungsschluss ist der 30. April 2022. Die Auswahlgespräche werden voraussichtlich in der Woche vom 2.-6. Mai 2022 stattfinden. Wir behalten uns aber vor, auch schon vor Ablauf der Bewerbungsfrist Gespräche zu führen.

Für inhaltliche Rückfragen zur Ausschreibung können Sie gern eine E-Mail an jobs.deutschland@dsw.org schreiben. Von Nachfragen zum laufenden Bewerbungsprozess bitten wir Sie abzusehen.

Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!

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Zivilgesellschaft mahnt Entwicklungsministerin Schulze zur Umsetzung der angekündigten feministischen Entwicklungspolitik

13. April 2022 - 11:32

Ein Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen kritisiert in einem heute veröffentlichten offenen Brief an Bundesministerin Svenja Schulze die Entscheidung der Bundesregierung, in diesem Jahr ihre Beiträge zu einem zentralen Instrument für die Gesundheitsversorgung von Frauen, Kindern und Jugendlichen weltweit einzustellen. Der Brief wurde unterzeichnet von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Global Citizen Deutschland, ONE, Save the Children und World Vision Deutschland. 

Konkret geht es um die Beiträge Deutschlands für die “Global Financing Facility for Women, Children and Adolescents (GFF)”. Die GFF wurde 2015 als eine Finanzierungspartnerschaft bei der Weltbank gegründet mit dem Ziel, die gesundheitliche Versorgung von Frauen, Kindern und Jugendlichen in Ländern des globalen Südens zu stärken. 

Deutschland war der GFF im Jahr 2018 beigetreten und hatte die Organisation bisher mit insgesamt 50 Millionen Euro unterstützt. Im aktuellen Entwurf des Bundeshaushalts 2022 sind jedoch keine Gelder zur Unterstützung der GFF vorgesehen.  Im offenen Brief an die Entwicklungsministerin weist das Bündnis darauf hin, dass das Einstellen der Gelder für die GFF der von der Bundesministerin angekündigten feministischen Entwicklungszusammenarbeit zuwiderläuft.  

„Die GFF ist ein Schlüsselinstrument für eine feministische Entwicklungszusammenarbeit“, erklärt Marionka Pohl von Save the Children. „Denn es ist das einzige internationale Finanzierungsinstrument, welches die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen integriert fördert.“   

Die GFF unterstützt global 36 Partnerländer dabei, Angebote für z. B. Schwangerschaftsbegleitung, Familienplanung oder die Impfung von Kindern zu verbessern und auszubauen – immer abhängig von den lokalen Bedürfnissen und in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren.  

Im Zuge der COVID-19-Pandemie ging die gesundheitliche Versorgung von Frauen, Kindern und Jugendlichen um 25 % zurück. Die Weltbank geht davon aus, dass dies den Tod von zusätzlich zwei Frauen und Kindern auf jeden offiziell gemeldeten COVID-19-Todesfall zur Folge hatte. Um die Auswirkungen der Pandemie aufzufangen, hatte die GFF seine Investoren um eine zusätzliche Finanzierung von 1,2 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2021-2023 gebeten. Gemessen an seiner wirtschaftlichen Stärke läge Deutschlands Anteil bei 100 Millionen Euro.  

Marwin Meier von World Vision Deutschland betont: „Deutschlands Unterstützung für die GFF wäre aktuell wichtiger denn je. Mit einem Ausscheiden aus der GFF würde die Ministerin ihre feministische Agenda selbst infrage stellen.“  

Aktuell ist Deutschland noch Mitglied der GFF Investorengruppe und kann damit ein entscheidendes Instrument für eine feministische Gesundheitspolitik weltweit mitgestalten. Ohne eine weitere Förderung geht Svenja Schulze damit eine wichtige Möglichkeit zur Umsetzung ihrer politischen Ziele verloren.  

Die fünf Organisationen fordern die Ministerin deshalb zu einer Kurskorrektur in den aktuellen Haushaltsverhandlungen auf.   

Weitere Informationen:

Offenen Brief an Entwicklungsministerin Schulze hier herunterladen.

Pressekontakte:

Monika Schröder, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), pressedwsw.org

Claudia Kepp, Save the Children Deutschland, claudia.kepp@savethechildren.de

 

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Weltgesundheitstag: Das wichtigste Instrument zur Bekämpfung von Armutskrankheiten

6. April 2022 - 6:00
Erstmals seit seiner Gründung hat der Globale Fonds Rückschritte zu verzeichnen

Hannover, 6. April 2022. Zwei Drittel der Menschen mit HIV leben in Afrika südlich der Sahara. Dort treten sechs von sieben Neuinfektionen unter Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren bei Mädchen auf. Weltweit infizieren sich pro Woche insgesamt rund 5.000 junge Frauen (15 bis 24 Jahre). Bei jedem dritten mit Aids in Verbindung stehenden Todesfall ist die Ursache Tuberkulose. Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) darauf aufmerksam, dass dies die häufigste Todesursache bei Menschen mit HIV ist.

Eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente für Programme zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist der Globale Fonds, dessen Wiederauffüllungskonferenz im Herbst dieses Jahres ansteht. 44 Millionen Menschenleben konnten bis Ende 2020 durch Programme gerettet werden, die der Globale Fonds unterstützt. In seinen Partnerländern ging die Zahl der durch Aids, Tuberkulose und Malaria verursachten Todesfälle seit 2002 um 46 Prozent zurück. Doch zum ersten Mal in der Geschichte des Globalen Fonds gibt es Rückschritte bei der Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Grund dafür ist nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie, aber auch andere Krisen und Kriege, wie aktuell in der Ukraine, spielen eine erhebliche Rolle.

Um diese Rückschritte wieder aufzuholen benötigt der Globale Fonds mindestens 18 Milliarden US Dollar. „Deutschland ist einer der wichtigsten Geber für den Globalen Fonds und wir erwarten, dass dies auch so bleibt“, fordert Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der DSW, und weist darauf hin, dass der laut Haushalt geplante Beitrag von 630 Millionen Euro weit unter dem liege, was Deutschland bislang beiträgt. „Er liegt auch weit unter dem, was Deutschland gemessen an seinem Bruttonationaleinkommen beisteuern sollte“, betont Kreutzberg. „Ich hoffe auf eine Kurskorrektur: Das deutsche Engagement gegen die Pandemien Aids und Tuberkulose muss gestärkt werden.“ „Der Globale Fonds“, so fügt er abschließend hinzu, „ist eines der wichtigsten Instrumente, um die drei großen armutsassoziierten Krankheiten zu bekämpfen, Corona weiter einzudämmen und weiteren Pandemien vorzubeugen. Er bündelt das Wissen der internationalen Partner und setzt sich zudem für eine geschlechtergerechte Verteilung der gesundheitlichen Versorgung ein.“

Weitere Informationen

Blogartikel „7 Fragen – 7 Antworten zu Armutskrankheiten“

Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Diese Pressemitteilung können Sie hier als PDF herunterladen.

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Weltbevölkerungsbericht 2022: Jede zweite Schwangerschaft ist unbeabsichtigt

30. März 2022 - 14:30

Berlin, 30. März 2022. Weltweit sind 121 Millionen Schwangerschaften jedes Jahr unbeabsichtigt. Das entspricht einem Anteil von 48 Prozent aller Schwangerschaften. 257 Millionen Mädchen und Frauen, die eine Schwangerschaft verhüten möchten, haben außerdem einen ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln. Weil sich die Versorgung mit Verhütung in humanitären Krisen verschlechtert, sind diese immer auch ein Treiber von unbeabsichtigten Schwangerschaften. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltbevölkerungsbericht 2022 des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA). „Verborgenes sehen: Die Krise der unbeabsichtigten Schwangerschaften“ lautet der Titel der deutschen Kurzfassung, welche die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) gemeinsam mit UNFPA und der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) heute in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt hat.

Dr. Natalia Kanem, Exekutivdirektorin von UNFPA: „Dieser Bericht ist ein Weckruf. Die erschütternde Zahl unbeabsichtigter Schwangerschaften ist ein weltweites Versagen bei der Wahrung der grundlegenden Menschenrechte von Frauen und Mädchen.“ Weil jedes Jahr Millionen Mädchen und Frauen wegen einer Schwangerschaft die Schule nicht beenden oder ihrer Arbeit nicht nachgehen können, hemmen unbeabsichtigte Schwangerschaften zudem die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern.

Humanitäre Krisen, Armut und schlechte Bildung sind Treiber von unbeabsichtigten Schwangerschaften

Humanitäre Krisen wie der aktuelle Krieg in der Ukraine sind regelmäßig mit einer Zunahme sexualisierter Gewalt verbunden. Oft werden Massenvergewaltigungen sogar systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Insgesamt treiben prekäre Situationen die Zahl unbeabsichtigter Schwangerschaften in die Höhe: Faktoren wie Armut und schlechte Bildung sind Ursache und Folge zugleich und betreffen Frauen häufiger als Männer.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze: „Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist ein Menschenrecht und muss allen Mädchen und Frauen gewährt werden. Nur wenn Mädchen und Frauen Entscheidungen über ihre Gesundheit und ihre Lebensplanung selbst treffen können, haben sie eine faire Chance auf soziale und wirtschaftliche Teilhabe. Das ist lebenswichtig für Frauen und Mädchen, aber es macht auch die Gesellschaften insgesamt stärker, nachhaltiger und gerechter.“

Sexualaufklärung und Verhütung sind nicht gewährleistet

Dass Sexualaufklärung und Verhütung in Krisen und prekären Situationen oft nicht gewährleistet sind, hat weitreichende Folgen. Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der DSW: „Sexualaufklärung und eine gute Versorgung mit Verhütungsmitteln sind wesentlich, um unbeabsichtigte Schwangerschaften zu vermeiden. Beides ist in vielen Ländern des globalen Südens nicht sichergestellt. Egal wo auf der Welt, egal welche Krise – Sexualaufklärung und Verhütung sind elementare Menschenrechte!“

Den Weltbevölkerungsbericht können Sie hier herunterladen.

Die Pressemappe können Sie hier herunterladen.

Das Coverbild des Weltbevölkerungsberichts können Sie hier herunterladen. Bitte nur mit folgendem Zusatz verwenden: © UNFPA, Fidel Évora.

Über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist innerhalb der Bundesregierung für die deutsche Entwicklungspolitik zuständig. Den Rahmen für unser Handeln bilden die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen sowie das Pariser Klimaabkommen. Im Mittelpunkt steht dabei das Engagement gegen Armut und Hunger und für gesunde Menschen in einer gesunden Umwelt. Das BMZ versteht sich als Transformationsministerium, das weltweit den Umbau hin zu einer nachhaltigen, klima- und naturverträglichen Wirtschaftsweise voranbringt und zugleich Frieden, Freiheit und Menschenrechte stärkt. Dazu stimmen wir die bilaterale Zusammenarbeit mit unseren Partnerländern weltweit ab und fördern einen starken, an den SDGs orientierten Multilateralismus. Wir wollen im respektvollen Miteinander Strukturen in den Partnerländern und global so verändern, dass ein besseres Leben für alle Menschen möglich ist.

Über die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Über UNFPA

Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) fördert eine Welt, in der jede Schwangerschaft gewollt, jede Geburt sicher und das Potenzial jedes jungen Menschen verwirklicht wird.

 

Pressekontakte:

Nikolai Fichtner: presse@bmz.bund.de; +49 30 18 535-28 70

Monika Schröder: presse@dsw.org; +49 511 94 373 38

Eddie Wright: ewright@unfpa.org, +1 917 831 2074

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5 Fragen – 5 Antworten zu Tuberkulose

24. März 2022 - 8:30

 

1. Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose (TB) wird durch Bakterien verursacht, die in der Regel die Lungen angreifen. Tuberkulose verbreitet sich durch die Luft von Mensch zu Mensch. Wenn Erkrankte mit akuter Lungen-TB husten, niesen oder ausspucken, gelangen TB-Keime in die Luft. Eine andere Person braucht nur ein paar dieser Keime zu inhalieren, um sich anzustecken. Häufige Symptome der akuten TB sind Husten mit Auswurf und teilweise auch Blut, Schmerzen in der Brust, Schwäche, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß. Diese Symptome können zunächst über Monate hinweg nur in milder Form auftreten. Das kann dazu führen, dass der Erkrankte zunächst keine medizinische Versorgung in Anspruch nimmt und die Bakterien somit weiter verbreitet. Ohne die richtige Behandlung sterben im Durchschnitt 45 Prozent aller HIV-negativen Menschen an TB, bei HIV-positiven Menschen sind es fast 100 Prozent. Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung hat latente TB. Das heißt, dass diese Menschen zwar TB-Bakterien im Körper tragen, aber (noch) nicht an TB erkrankt sind und die Krankheit auch nicht übertragen können. Tuberkulose ist grundsätzlich heilbar und vermeidbar – wenn wirksame Impfstoffe sowie effektive Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sind. 2020 erkrankten nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10 Millionen Menschen an TB. 1,5 Millionen Menschen erlagen 2020 der Krankheit, das sind etwa drei Menschen pro Minute. 214.000 von ihnen waren gleichzeitig HIV positiv. Damit ist Tuberkulose die zweittödlichste Infektionskrankheit der Welt (nach Covid-19) (Stand 2021).

2. Wer ist besonders gefährdet?

Tuberkulose betrifft vor allem Erwachsene in ihren produktivsten Jahren. Allerdings sind alle Altersgruppen gefährdet. Auch Kinder sind betroffen: Im Jahr 2020 gab es schätzungsweise 1,1 Millionen Tuberkulosefälle bei Kindern unter 15 Jahren. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – zum Beispiel aufgrund von HIV oder Unterernährung – haben ein deutlich höheres Risiko, an TB zu erkranken, als andere Menschen. Bei Menschen mit HIV ist das Risiko 18-mal so hoch.

3. Wo ist Tuberkulose besonders verbreitet?

TB ist weltweit verbreitet. Im Jahr 2020 entfielen zwei Drittel aller neuen TB-Fälle auf acht Länder: Indien, China, Indonesien, die Philippinen, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Südafrika. Von den geschätzt 10 Millionen TB-Neuerkrankungen in 2020 entfielen 43 Prozent auf Südostasien, 25 Prozent auf Afrika.

4. Wie lässt sich Tuberkulose bekämpfen?

Um die Epidemie zu beenden, braucht es wirksame Impfstoffe sowie effektive Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Weltweit konnten durch Maßnahmen zur Tuberkulosebekämpfung zwischen 2000 und 2020 insgesamt 66 Millionen Menschenleben gerettet werden. Allerdings: Auch wenn die Behandlung von TB unter anderem aufgrund der zunehmenden, schwer behandelbaren Resistenzen gegen Antibiotika lebenswichtig ist und daher dringend mehr in diesen Bereich investiert werden muss – die Epidemie wird durch bessere Behandlungsmöglichkeiten letztlich nicht beendet. Daher sind vor allem mehr Investitionen in die Impfstoffforschung dringend nötig. Der einzige derzeit verfügbare Impfstoff ist bereits 100 Jahre alt – entwickelt im Jahr 1921 – und bietet nur ungenügenden Schutz vor einer Infektion. Außerdem wird die Impfung mit diesem Impfstoff seit 1998 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut nicht mehr empfohlen.

5. Was kostet die Bekämpfung von Tuberkulose?

Der WHO zufolge stehen gerade einmal 50 Prozent der finanziellen Mittel zur Verfügung, die für eine erfolgreiche Bekämpfung von Tuberkulose nötig wären. Jährlich erhält die Forschung 0,9 Mrd. USD (2 Mrd. USD nötig) und 6,5 Mrd. USD (13 Mrd. USD nötig) fließen in die Prävention, Diagnose und Behandlung. Bei den Investitionen in die Bekämpfung der großen drei Infektionskrankheiten, Aids, Tuberkulose und Malaria, erhält Tuberkulose die wenigsten finanziellen Zuwendungen.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen am 23.04.2016

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Deutsche NGOs warnen vor Mittelkürzung bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe

16. März 2022 - 14:01
Appell an Olaf Scholz: “Rüstungsinvestitionen dürfen nicht zulasten der Armutsbekämpfung gehen”

Sieben deutsche Entwicklungsorganisationen fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen Appell dazu auf, mindestens 0,7 Prozent der deutschen Wirtschaftskraft in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Darauf hatten sich SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag verständigt. Dieses Ziel soll sich nicht nur in der diesjährigen Haushaltsplanung wiederfinden, sondern auch in der Mittelfristigen Finanzplanung bis 2026. Die NGOs fordern außerdem, dass die geplanten Mehrinvestitionen für Verteidigung nicht zulasten des Kampfes gegen extreme Armut, Hunger und vermeidbare Krankheiten gehen dürfen. Am 16. März veröffentlicht die Bundesregierung ihren Haushaltsentwurf für 2022 sowie ihre Finanzplanung bis 2026.

Kurz vor Veröffentlichung des Haushaltsentwurfs durch die Bundesregierung richten die Entwicklungsorganisationen Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, Global Citizen, ONE, Oxfam, Save the Children und die Welthungerhilfe einen Appell an Bundeskanzler Olaf Scholz: “Wir beobachten mit Schrecken, was derzeit in der Ukraine vor sich geht und unterstützen alle Versuche, so schnell wie möglich Frieden zu schaffen. Gleichzeitig dürfen wir gerade jetzt den Globalen Süden nicht vergessen. Die Corona-Pandemie hat viele ärmere Länder um Jahre zurückgeworfen. Wir beobachten Rückschläge bei Ernährungssicherung, Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. Zusätzlich führt der gewaltsame Konflikt in der Ukraine beispielsweise zu steigenden Nahrungsmittelpreisen, was den Kampf gegen den Hunger weiter erschwert. Mehr denn je ist daher eine starke Entwicklungspolitik gefragt. Die Bundesregierung hat versprochen, jährlich mindestens 0,7 Prozent der deutschen Wirtschaftskraft in die Bekämpfung extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten zu investieren. Herr Bundeskanzler, Sie haben kürzlich versichert, dass der Etat für Entwicklungszusammenarbeit weiter wachsen wird. Wir nehmen Sie beim Wort. Rüstungsinvestitionen dürfen nicht zulasten der Armutsbekämpfung gehen.”

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Global Citizen ist eine globale Bewegung engagierter Menschen, die gemeinsam ihre Stimmen nutzen, um extreme Armut zu beenden – jetzt und überall. Global Citizen bietet hierzu Informationen rund um Kernthemen wie Ernährungssicherheit, Gleichberechtigung, Bildung, Umweltschutz und globale Gesundheit – und die Möglichkeit, sich gemeinsam für die Themen einzusetzen, die einem am Herzen liegen. Auf diesen Wegen mobilisiert Global Citizen eine große Community von Global Citizens, die zusammen Entscheidungsträger*innen aus Politik und Wirtschaft zum Handeln auffordert und finanzielle und politische Zusagen für die Global Goals der Vereinten Nationen einfordert. Darüber hinaus unterstützt Global Citizen die Global Goals mit einzigartigen Event- und Aktionsformaten, wie den Global Citizen Festivals, für die Tickets nicht erwerblich sind, sondern durch politisches und soziales Engagement verdient werden. Seit Global Citizen im Jahr 2009 mit der Kampagnenarbeit begann, sind Global Citizens mehr als 28 Millionen Mal aktiv geworden. Mehr Informationen auf www.globalcitizen.org.

ONE ist eine internationale Bewegung, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis 2030 einsetzt. Damit jeder Mensch ein Leben in Würde und voller Chancen führen kann. Wir sind überparteilich und machen Druck auf Regierungen, damit sie mehr tun im Kampf gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten, insbesondere in Afrika. Zudem unterstützt ONE Bürger*innen dabei, von ihren Regierungen Rechenschaft einzufordern. Mehr Informationen auf www.one.org.

DSW: Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein. Mehr Informationen auf www.dsw.org

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 21 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.500 lokalen Partnern in mehr als 67 Ländern. Mehr unter www.oxfam.de

Save the Children: Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können – seit über 100 Jahren. www.savethechildren.de

Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen: Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts. Bei der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen vermitteln wir die Bedeutung des Klimawandels für unsere Gesundheit. Wir stärken die gesellschaftliche Basis für Klimaschutz, Mensch und Tier und die Bewahrung einer gesunden Erde. Wir machen den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit, Klimaschutz und Gesundheitsschutz möglichst vielen Menschen bewusst – mit der nötigen Dringlichkeit, aber vor allem zukunftsorientiert und positiv. Wir kommunizieren und wir helfen beim Kommunizieren, wir bringen Menschen zusammen, die etwas bewegen können.

Welthungerhilfe: Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen. Mehr Informationen auf www.welthungerhilfe.de

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Standpunkt: Europäische Pandemievorsorge – CEPI ist das richtige Instrument

7. März 2022 - 13:23

Ein Gastbeitrag von Tiemo Wölken (SPD), MEP.

Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations , kurz CEPI, spielte eine Schlüsselrolle bei der Beschleunigung der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen. Jetzt braucht sie für die nächsten fünf Jahre Unterstützung, um die Pandemie zu beenden und auf künftige Ausbrüche von Infektionskrankheiten vorbereitet zu sein

Auf dem Global Pandemic Preparedness Summit, der vom 7. bis 9. März stattfindet, treffen sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, um ihre Unterstützung für den zweiten Fünfjahresplan der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) zuzusagen.

Dieser Plan zielt darauf ab, die Bemühungen zur Beendigung der Covid-19-Pandemie anzuführen, die globalen Bereitschafts- und Reaktionskapazitäten zu verbessern und ein stärkeres und nachhaltigeres Ökosystem für Forschung und Entwicklung (F&E) aufzubauen. Es steht viel auf dem Spiel: Eine große Gefahr ist die Selbstzufriedenheit, die durch das trügerische Gefühl entsteht, dass Covid-19 vorbei und dies die letzte Pandemie sei.

Im Jahr 2017 als Reaktion auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika gegründet, hat CEPI seitdem erhebliche Fortschritte bei der Schließung der drohenden Investitionslücke in der Impfstoffentwicklung gemacht.

Das erste CEPI-Programm (2017-2022) wurde insgesamt mit 1 Milliarde US-Dollar ausgestattet. Es zielte darauf ab, Impfstoffe gegen neu auftretende Infektionskrankheiten wie das Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-Cov) sowie Lassa- und Nipah-Fieber zu entwickeln und sie bis zum Ende der klinischen Phase II voranzutreiben, damit sie im Falle eines Ausbruchs für Phase-III-Studien zur Verfügung stehen können.

Durch die Unterstützung der frühen Forschungsphasen ermöglicht CEPI eine wesentlich schnellere Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen gegen neu auftretende Infektionskrankheiten. Darüber hinaus setzt sie sich dafür ein, dass die von ihr finanzierten Gegenmaßnahmen und Instrumente weltweit gleichberechtigt zur Verfügung stehen, und unterstützt die Länder bei der Stärkung ihrer Kapazitäten zur Vorbereitung auf Epidemien.

Die Forschung darf nicht mit der Pandemie enden

Mit seinem Ansatz, die Entwicklung von Technologieplattformen zu unterstützen, die die Grundlage für Impfstoffe gegen verschiedene Krankheiten bilden könnten, war CEPI bei Ausbruch der Pandemie schnell zur Stelle. Von den fünf Covid-19-Impfstoffen, die von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen wurden, unterstützte CEPI drei. So war sie beispielsweise ein früher Geldgeber für die Forschung an der Universität Oxford, die zur Entwicklung des Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca führte. Auch weiterhin unterstützt CEPI die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen potenzielle Epidemien.

Die von CEPI unterstützte frühe Forschungsphase war entscheidend dafür, dass die Welt so schnell auf die Pandemie reagieren konnte. Aber die Forschung kann nicht mit einer Pandemie beginnen und vergessen werden, wenn diese für beendet erklärt wird.

Gleichzeitig vernachlässigen wir die „stillen Epidemien“ HIV, Tuberkulose, Malaria und antimikrobiellen Resistenzen (AMR).

Wir haben es auch versäumt, wichtige Forschungsbereiche zwischen den Ebola-Ausbrüchen fortzuführen, was zur Folge hatte, dass sich die Entwicklung wichtiger Instrumente verzögerte und diese nicht zur Verfügung standen, als der nächste Ausbruch 2019 in der Demokratischen Republik Kongo stattfand. Wir haben es damals versäumt, Lehren zu ziehen – wir können es uns heute nicht leisten, noch einmal zu versagen.

Nur globales Handeln führt zum Ziel

Während die EU bei der globalen Reaktion auf Covid-19 Führungsstärke, Solidarität und Engagement gezeigt hat, kam die globale Zusammenarbeit im Bereich von Gesundheitsforschung und -entwicklung aufgrund von Alleingängen und einer Zersplitterung der Ansätze zu kurz. Die Einrichtung der Europäischen Behörde für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen(HERA) ist ein Schritt in die richtige Richtung, wird aber nichts bringen, wenn sie nicht von globalen Maßnahmen begleitet wird, die die Länder dabei unterstützen, ihre eigenen Vorsorgekapazitäten zu erneuern und zu stärken. Dies gilt insbesondere für Länder mit fragilen Gesundheitssystemen.

Die Zusage, die EU-Kommissarin Stella Kyriakides vor einigen Wochen gemacht hat, Komplementaritäten und Synergien zwischen HERA und CEPI zu schaffen, ist wichtig. Aber der Teufel steckt im Detail.

CEPI und HERA müssen zusammenarbeiten, um eine kritische Masse für die Entwicklung von Impfstoffen zu erreichen, einen günstigeren Rahmen für F&E im Einsatz gegen Pandemien zu schaffen und weltweit einen gleichberechtigten Zugang zu lebensrettenden Technologien zu gewährleisten.

Eine solche Zusammenarbeit ist von entscheidender Bedeutung, denn wie Covid-19 eindrucksvoll gezeigt hat, kann kein Land und keine Organisation hoffen, eine Pandemie allein zu besiegen.

Die Kohärenz zwischen HERA und anderen F&E-Initiativen der EU im Gesundheitsbereich, wie der Initiative für innovative Gesundheit und der EU-Afrika-Gesundheitspartnerschaft EDCTP3, muss ebenfalls vertieft werden, um die Pandemievorsorge zu stärken.

Das Parlament wird dafür sorgen, dass die EU-Ressourcen wirksam eingesetzt werden und dass CEPI, HERA und andere Initiativen dieser Art zusammenarbeiten, um die Wirkung der EU-Investitionen zu maximieren.

Den Kreislauf von Vernachlässigung und Panik durchbrechen

Die Stärkung der Zusammenarbeit bei der F&E von Impfstoffen und den Herstellungskapazitäten in Afrika hat weiterhin höchste Priorität. Dennoch sind wir noch weit davon entfernt, eine nachhaltige Lösung für den Zugang zu Impfstoffen in Afrika zu finden, sei es für Covid-19 oder andere Krankheiten.

Bei unseren Bemühungen, uns vor der nächsten Pandemie zu schützen, müssen wir auch dazu beitragen, die weit verbreiteten Epidemien von Malaria, Tuberkulose und HIV zu beenden, vernachlässigte Tropenkrankheiten zu bekämpfen, die Afrika besonders stark belasten, und der wachsenden Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen zu begegnen.

Wir müssen aus der Covid-19-Krise lernen und den gegenwärtigen Kreislauf von Vernachlässigung und anschließender Panik durchbrechen, indem wir ein robustes System für die Pandemievorsorge und -reaktion aufbauen.

Ich fordere die EU auf, ein ehrgeiziges Versprechen für CEPI abzugeben: eine wirklich globale, gemeinsame Anstrengung, um gerechte Instrumente und Technologien gegen Epidemien zu entwickeln und die Investitionen in armutsassoziierte  Krankheitsforschung und -entwicklung zu erhöhen.

Wir müssen uns den Herausforderungen von heute stellen und uns auf die von morgen vorbereiten, denn es ist nicht die Frage, ob, sondern wann die nächste Pandemie ausbricht. 

Tiemo Wölken ist ein deutscher Europaabgeordneter, der S&D-Koordinator im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und Mitglied des Rechtsausschusses ist.

Der Originalbeitrag erschien im Englischen auf Science Business

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Klimaschutz und Geschlechtergleichstellung – zwei Seiten der gleichen Medaille

7. März 2022 - 6:00
Zum Weltfrauentag: Die DSW fordert mehr Schutz und Mitbestimmung für Frauen

Hannover, 7. März 2022. Im aktuellen Bericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC) steht es explizit: „Der Klimawandel hat direkte negative Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse von Frauen und Mädchen, weil sie weniger Zugang zu und Kontrolle über Ressourcen haben und oft am wenigsten geschützt sind.“ Auf dem von der Klimakrise besonders hart betroffenen afrikanischen Kontinent bedeutet dies für Mädchen und Frauen erschwerte Arbeitsbedingungen, schlechte Versorgung und nicht zuletzt eine deutlich erhöhte Gefahr von sexualisierter Gewalt. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Weltfrauentages am 8. März aufmerksam.

Frauen und Mädchen in mehrfacher Hinsicht betroffen

Laut UN-Bericht stellen Frauen 43 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte –  auf dem afrikanischen Kontinent sind es sogar 80 Prozent   –  verfügen aber gerade einmal über 15 Prozent der Ländereien. Wenn hier die Einkünfte in Folge von Dürre oder anderen Katastrophen wegbrechen, sind die Frauen in mehrfacher Hinsicht betroffen:  Sie müssen noch längere Strecken zurücklegen, um Wasser oder Brennholz zu besorgen. Diese Mehrarbeit geht häufig einher mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und erhöhtem Risiko für sexualisierte und körperliche Gewalt. Die stellvertretende Geschäftsführerin der DSW, Angela Bähr, weißt noch auf einen weiteren gravierenden Aspekt hin: „Die Erfahrung aus unseren Projektländern hat gezeigt, dass aus der wirtschaftlichen Not der Familien heraus auch die Frühverheiratungen erheblich zunehmen.“  Spätestens dann dürfen die Mädchen oft nicht mehr in die Schule gehen. Stattdessen werden sie früh Mütter und bekommen häufig auch mehr Nachwuchs als sie sich selbst wünschen. Damit, betont Bähr, „werden den Mädchen jegliche Chancen auf ein selbstbestimmtes und gesundes Leben genommen.“

Bildung und Sexualaufklärung hilft den Frauen und dem Klima

Klimaschutz und Geschlechtergleichstellung sind zwei Seiten der gleichen Medaille: Wenn Frauen die Möglichkeit haben, ihr traditionelles Wissen einzusetzen, dann hilft dies in vielfacher Hinsicht der Umwelt, auch darauf weist der Weltklimarat hin. Anders formuliert:   Frauen müssen das Recht haben, Land zu besitzen, um ihre Kenntnisse in nachhaltiger Bewirtschaftung effektiv zu nutzen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Frauen über ein wertvolles Wissen im Umgang mit Natur und Landwirtschaft verfügen. Doch nicht nur das: „In dem Moment, in dem Frauen selbstbestimmt über ihre Körper, ihre Partnerschaft und Familiengröße entscheiden, bekommen sie auch nur so viele Kinder wie sie möchten – und ernähren können“, sagt Angela Bähr und fordert zum internationalen Weltfrauentag, „das Recht auf ein eigenständiges Leben und gesellschaftliche Mitbestimmung für alle Mädchen und Frauen weltweit.“

Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

 

 

Weitere Informationen:

Grafik:  Frühverheiratungen

Grafik: Teenagerschwangeschaften

Film: Verhütung macht den Unterschied

Sechster IPCC-Sachstandsbericht 2021-2022

Diese Pressemitteilung als PDF

 

 

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Aufklärung hilft: Neun von zehn Männern wenden sich gegen Genitalverstümmelung

3. Februar 2022 - 16:00
Jeden Tag werden 11.000 Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt

Hannover, 3. Februar 2022. Neun von zehn Jungen und Männern lehnen die weibliche Genitalverstümmelung ab, nachdem sie darüber aufgeklärt wurden. Das zeigen Umfragen aus Äthiopien, Kenia und Tansania.  Jeden Tag werden etwa 11.000 Mädchen an den Genitalien verstümmelt, über vier Millionen jedes Jahr. Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) könnte die Zahl auf 4,6 Millionen bis zum Jahr 2030 steigen, zumal Krisen wie die aktuelle Corona-Pandemie die Situation der Frauen und Mädchen noch verschlechtert. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar aufmerksam.

Aufklärung und Bildung junger Menschen ist die Lösung

In betroffenen Gemeinschaften gelten Mädchen und Frauen ohne Genitalverstümmelung als nicht heiratsfähig. Verbote und entsprechende Gesetze, die in den meisten Ländern bereits gelten, werden im Zweifel zugunsten der Tradition gebrochen oder umgangen. Es müssen gesellschaftliche Werte und Normen verändert werden, um die Praktik zu beenden. Die Aufklärung junger Menschen bietet eine große Chance, um die menschenrechtsverletzende Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung zu beenden. Das haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt.

Weibliche Genitalverstümmelung hat schwere Folgen

Bei einer weiblichen Genitalverstümmelung werden die äußeren Geschlechtsorgane ohne medizinischen Grund ganz oder teilweise mit scharfen Gegenständen wie Glasscherben, Rasierklingen oder Messern entfernt – oftmals ohne Betäubung. Viele Frauen und Mädchen, die dieser Praxis unterzogen werden, leiden – wenn sie die oft tödliche Prozedur überhaupt überleben – an Schmerzen, Infektionen, psychische Erkrankungen, Unfruchtbarkeit, Komplikationen bei Geburten und Einschränkung des sexuellen Empfindens. Aktuell leben etwa 200 Millionen Mädchen und Frauen mit den Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung. Dazu Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der DSW: „Das Trauma und die gesundheitlichen Folgen einer Genitalverstümmelung begleiten Mädchen und Frauen meist ihr Leben lang. Wir haben selbst ein Projekt in Tansania, bei dem wir Frauen, Männer und die Lokalpolitik ansprechen, um dieser brutalen Menschenrechtsverletzung ein Ende zu setzen.“

2,1 Milliarden US-Dollar fehlen

Dieses wie auch andere Projekte haben bereits gezeigt, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die über die Genitalverstümmelung aufgeklärt wurden, sich mehrheitlich gegen dieses jahrhundertealte und in ihrer Gesellschaft tief verwurzelte Ritual wenden. Doch, wie Kreutzberg betont, diese Aufklärungsarbeit kostet Geld: „Aktuell fehlen weltweit noch 2,1 Milliarden US-Dollar, um weitere Programme aufzulegen und damit das von den UN vorgegebene nachhaltige Entwicklungsziel zu erreichen, die Praktik bis 2030 zu beenden. Zumal die medizinischen Folgekosten von weiblicher Genitalverstümmelung laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 1,4 Milliarden US-Dollar betragen. Das ist nicht hinnehmbar! Im neuen Koalitionsvertrag sind sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) erstmals explizit erwähnt. Nun müssen den Worten auch Taten folgen.“

Über die DSW

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

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Entwicklungspolitische*r Referent*in (m/w/d)

31. Januar 2022 - 14:07

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ziel unserer Arbeit ist es, zur Umsetzung des Menschenrechts auf Familienplanung und zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Jugendliche sind daher die wichtigste Zielgruppe unserer Projekte. Auf nationaler und internationaler Ebene bringen wir uns in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen globale Gesundheit, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Gleichstellung der Geschlechter und Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten ein.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine*n

Entwicklungspolitische*n Referent*in

mit Dienstort Berlin.

Der*die Entwicklungspolitische Referent*in wird an der erfolgreichen Umsetzung der Zielsetzungen der Stiftung arbeiten. Er*sie wird das Referat Entwicklungspolitik Deutschland bei der Entwicklung und Implementierung politischer Aktivitäten im Bereich globale Gesundheit, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Gleichstellung der Geschlechter und Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten unterstützen. Der*die entwicklungspolitische Referent*in wird mit entwicklungspolitischen Entscheidungsträger*innen, insbesondere mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und Mitgliedern des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung zusammenarbeiten.

Ihre Aufgaben:
  • Sekretariat des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung
  • Planung und Durchführung von entwicklungspolitischen Veranstaltungen wie Treffen des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung, nationale und internationale Netzwerktreffen, Podiumsdiskussionen, Konferenzen, etc.
  • Beobachtung und Analyse entwicklungspolitischer Prozesse im Deutschen Bundestag
  • Verfassen von Positionspapieren, Empfehlungen, Sprechzetteln, etc.
  • Vertretung der DSW gegenüber entwicklungspolitischen Entscheidungsträger*innen
Wir erwarten:
  • Hochschulabschluss in Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen, Development Studies, Public Health oder vergleichbare Qualifikation
  • Mindestens drei Jahre Berufserfahrung mit (entwicklungs-)politischem Bezug
  • Sehr gute Kenntnisse parlamentarischer Instrumente Abläufe und Erfahrungen in der Arbeit mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages
  • Erfahrung mit der Organisation politischer Veranstaltungen
  • Sehr gute Kenntnisse der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und ihrer Akteure mit den Schwerpunkten Gesundheit, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Gleichstellung der Geschlechter und Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten
  • Einen selbstständigen, lösungsorientierten Arbeitsstil
  • Deutsch auf muttersprachlichem Niveau, verhandlungssicheres Englisch (in Wort und Schrift)
  • Ausgezeichnete soziale und kommunikative Kompetenzen sowie Freude an der Arbeit im Team
  • Bereitschaft zu Dienstreisen (national und international)
Wir bieten:
  • Einen spannenden Themenbereich in einem internationalen und abwechslungsreichen Arbeitsumfeld
  • Eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einem dynamischen und motivierten Team
  • Eine faire Vergütung und Förderung des persönlichen wie beruflichen Wachstums
  • Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf durch Angebote wie mobiles Arbeiten und Jobrad-Leasing
  • Betriebliche Altersvorsorge
Bewerbungsverfahren:

Wenn Sie Interesse haben, senden Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben und relevante Zeugnisse) bitte mit dem Verweis “Entwicklungspolitische*r Referent*in” per E-Mail an jobs.deutschland@dsw.org.

Der Vertrag ist zunächst bis März 2023 befristet, mit Aussicht auf Verlängerung.

Bewerbungsschluss ist der 16. Februar 2022.

Von Nachfragen zum laufenden Bewerbungsprozess bitten wir Sie abzusehen.

Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!

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Forschungsmittel für armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten sinken in 2020

26. Januar 2022 - 18:46

Der jährliche G-Finder-Bericht, der von Policy Cures Research am 27. Januar veröffentlicht wurde, zeigt, dass die deutschen Mittel für die lebenswichtige Erforschung neuer Impfstoffe, Behandlungen und Diagnostika für Krankheiten wie Aids, Tuberkulose, Malaria und anderer vernachlässigter Krankheiten im Jahr 2020 auf 55 Millionen US-Dollar gesunken sind. Dies entspricht einem Rückgang um 28 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr. Die Mittel kehren – nach einem großen einmaligen Zuschuss im Jahr 2019 – auf ihr früheres Durchschnittsniveau zurück, und Deutschland bleibt unter den fünf größten öffentlichen Gebern.

Die Gesamtfinanzierung weltweit ist auf das Niveau von 2017 gesunken. Im Jahr 2020 wurden 3,9 Milliarden US-Dollar für Grundlagenforschung und Produktentwicklung für vernachlässigte Krankheiten bereitgestellt, verglichen mit rund 4,1 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2019 und 2018. Diese neuesten Zahlen zeigen, dass die benötigten sechs Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung (F&E) zur Bekämpfung von Krankheiten, von denen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen unverhältnismäßig stark betroffen sind, bei weitem nicht erreicht werden. [1]

Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen von armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten betroffen – und jedes Jahr sterben 6,7 Millionen Menschen daran

Armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten sind für etwa 11,7 Prozent[2]  der weltweiten Krankheitslast verantwortlich, dennoch entfielen in der Vergangenheit schätzungsweise nur 1,34 Prozent der weltweiten gesundheitsbezogenen F&E-Ausgaben auf sie[3]. Covid-19 stellt eine doppelte Bedrohung dar. Auf der einen Seite hat die Pandemie massive Auswirkungen auf die Bekämpfung von armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verstärkten die Ungleichheiten, die die Menschen anfälliger für armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten machen, und die Umverteilung in der Lieferkette schränkte den Zugang zu Schutzmitteln ein. Zum ersten Mal in seiner Geschichte meldete der Globale Fonds nach so vielen Jahren hart erkämpfter Erfolge eine Umkehrung der Entwicklungsdynamik: Die Zahl der Menschen, die mit HIV-Präventionsprogrammen erreicht wurden, ging im Vergleich zum Jahr 2019 um 11 Prozent zurück, und die Zahl der Menschen, die sich einer Behandlung gegen multiresistente und Rifampicinresistente Tuberkulose (MDR/RR-TB) unterzogen, sank im gleichen Zeitraum um 15 Prozent[4].

Andererseits wurden zwar zusätzliche Forschungsinvestitionen in noch nie dagewesenem Umfang zur Bekämpfung von Covid-19 mobilisiert, doch die Bemühungen zur schnelleren Reaktion auf die Pandemie haben zweifellos dazu geführt, dass Ressourcen von anderen dringenden globalen Gesundheitsthemen und Forschungsprioritäten abgezogen wurden. Angesichts der weltweiten Pandemie haben sich die Forschung und die Finanzierung globaler Gesundheitsprogramme auf Covid-19 konzentriert. Auch wenn die Pandemie die F&E-Landschaft schnell verändert hat, ist es nicht selbstverständlich, dass dies den Fortschritt in der F&E zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten beschleunigen wird – aber genau darin liegt eine Chance. Weitere Untersuchungen von Policy Cures Research haben gezeigt, dass es nur fünf Monate dauerte, um die Summe zu erreichen, die für Forschung und Entwicklung im Bereich der armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten jährlich zur Verfügung steht – mit vier Milliarden US-Dollar, die für die Covid-19-Forschungsfinanzierung bis Mai 2020 angekündigt wurden. Ähnlicher Ehrgeiz ist gefragt, um die bestehenden Forschungs- und Produktlücken bei armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten zu schließen. Die Gesamtinvestitionen in Forschung und Entwicklung im Bereich der globalen Gesundheit sollten nie wieder auf das unverantwortlich niedrige Ausgangsniveau vor der Pandemie zurückfallen.

Die Finanzierung von F&E für armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten wird mehr denn je benötigt

Seit jeher ist die F&E zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten unterfinanziert, und es gibt keine kommerziellen Anreize für die Entwicklung von Instrumenten, um Krankheiten wie Chagas, Trachom und Bilharziose zu bewältigen. Im jüngsten G-Finder-Bericht wird hervorgehoben, dass die Finanzierung durch den Privatsektor im Jahr 2020 weiter zurückging und nur noch 12 Prozent der Gesamtfinanzierung ausmachte, der niedrigste Stand seit 2013. Angesichts der langjährigen Vernachlässigung der F&E von armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten sowie des sich abzeichnenden Trends einer rückläufigen Finanzierung durch den Privatsektor müssen öffentliche Geber wie Deutschland weiterhin eine Führungsrolle übernehmen. Die bevorstehende dritte PDP-Finanzierungsrunde und die deutsche G7-Präsidentschaft bieten perfekte Gelegenheiten, neue ehrgeizige Finanzmittel anzukündigen und politische Führungsstärke bei der Bekämpfung von armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten zu zeigen.

Es ist entscheidend, dass diese Möglichkeiten genutzt werden, um Finanzmittel für die Entwicklung neuer Instrumente und Technologien zur Prävention und Beseitigung von armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten zu schaffen und weiter auszubauen. Die Staats- und Regierungschefs der Welt haben sich verpflichtet, den Epidemien von HIV und Aids, Tuberkulose, Malaria und vernachlässigten Tropenkrankheiten bis 2030 zu beenden. Um diese Verpflichtung einzuhalten, müssen jetzt tiefgreifende Entscheidungen getroffen werden, damit wir die Vernachlässigung beenden können.

Der Beitrag ist zuerst auf unseren englischen Blog erschienen, wurde übersetzt und redaktionell bearbeitet.

[1] http://www.globalhealth2035.org/sites/default/files/report/global-health-2035.pdf

[2] https://ourworldindata.org/grapher/share-of-total-disease-burden-by-cause

[3] https://www.tandfonline.com/doi/full/10.3402/gha.v8.25818

[4] https://www.theglobalfund.org/media/11304/corporate_2021resultsreport_report_en.pdf

 

Der Beitrag Forschungsmittel für armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten sinken in 2020 erschien zuerst auf DSW.

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