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Ergebnisse des Monitorings zum Nationalen Aktionsplan (NAP) - Stellungnahme der Initiative

agl - 16. Juli 2020 - 12:19

Die Ergebnisse des Monitorings zum Nationalen Aktionsplan zeigen: Die Strategie der Bundesregierung, über Selbstverpflichtungen Menschenrechte in internationalen Lieferketten zu verankern, ist offensichtlich gescheitert. Zu lang ist zu wenig passiert.

 

Wir begrüßen deshalb, dass Teile der Bundregierung jetzt voranschreiten. Für eine wirksame Lösung wird das Voranschreiten von zwei Ministerien jedoch nicht reichen. Die Regulierung von Sorgfaltspflichten im Sinne einer gerechteren, d.h. sozial und ökologisch nachhaltigen Politik ist eine politische Querschnittsaufgabe. Besonders müssen auch ökologischen Aspekte berücksichtigt werden. Diese werden in dem momentan diskutierten Eckpunkten jedoch vernachlässigt.

 

Die Stellungnahme der Initiative Lieferkettengesetz zur am 14.7. veröffentlichten Menschenrechts-Befragung deutscher Unternehmen finden Sie unter diesem Link

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Von Afrika bis Europa: Seite an Seite im Kampf für Klimagerechtigkeit

VENRO - 16. Juli 2020 - 12:05

Die heutigen Kommunikationswege bieten die Chance, am Leben von Menschen in anderen Teilen der Welt teilzunehmen. Leonie Bremer, Pressesprecherin von Fridays for Future Deutschland, berichtet über die Lebensrealität in Uganda und den gemeinsamen digitalen Kampf gegen den Klimawandel.

Halb stolpernd laufe ich morgens in die Küche meiner gemütlichen WG. Meist beginnt der Tag mit Kaffeekochen. Ich möchte frühstücken, öffne nicht selten die Vorratsschränke und stelle halb ärgerlich, halb betroffen fest, dass ich kein Essen im Haus habe.

Kein Essen, davon handelt auch die Nachricht von Hilda Flavia Nakabuye, die auf meinem Handy erscheint: “Good morning Leonie, the situation is bad. People are dying. They do not have food.” Hilda ist eine Fridays for Future-Aktivistin aus Uganda.

Ich könnte loslaufen und in einem der unzähligen, sich ewig gleichenden Läden Nachschub für meinen Vorratsschrank kaufen. Läden, in denen immer alles verfügbar ist. Läden, in denen nicht verkaufte Ware am Ende des Tages weggeschmissen werden. Aber mir vergeht der Appetit.

Die Missstände in Uganda liegen direkt neben meinem Kaffee auf dem Frühstückstisch

Manchmal scheint es mir, als trennten Hilda und mich Welten. Als ob unsere Geburtsorte unsere Lebensinhalte so willkürlich wie unumgänglich vorgezeichnet hätten. Manchmal verfehlen meine Ratschläge eine Problematik, die ich nicht richtig erfassen konnte. Und dennoch stehen Hilda und ich Seite an Seite im Kampf für eine gemeinsame Sache: Klimagerechtigkeit. Wir fordern “Unite behind the science”, die Einhaltung völkerrechtlicher Verträge und allen voran, dass die 1,5-Grad-Grenze nicht überschritten wird. Die Grenze, die es uns ermöglicht, die Anzahl der an Hunger sterbenden Menschen in Ländern wie Uganda beherrschbar zu machen.

Fridays for Future und unsere Generation hat für mich eine Stärke, die ich bei vielen Politiker_innen und etablierten Strukturen vermisse. Wir nutzen die heutigen Kommunikationswege, um am Leben von Menschen in anderen Teilen der Welt teilzunehmen. Wir hören uns gegenseitig zu, fragen nach und versuchen zu verstehen. Unabhängig davon, ob Länder handeln wollen oder Politiker_innen meinen, einen Kompromiss gefunden zu haben. Die Missstände in Uganda liegen direkt neben meinem Kaffee auf dem Frühstückstisch.

Menschen im Globalen Süden flüchten vor den Auswirkungen unseres Handeln

Ich glaube nicht, dass “wir”, die in Europa leben, wissen, was Menschen in Ländern wie Uganda brauchen. Ich glaube nicht, dass “wir” festlegen sollten, was “arme” Länder benötigen, um “besser” zu werden. Besser – so wie “wir”? Die viertgrößten Emittenten der Erde, die dafür sorgen, dass Menschen im Globalen Süden schon heute vor den Auswirkungen unseres Handelns flüchten müssen?

Mag sein, dass wir wissen, wie man die Ressourcen eines Landes bestens verbrauchen und Lebensqualität an einem steigenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) ablesen kann. Für mich bedeutet bessere Lebensqualität aber nicht ein höheres BIP. Ich glaube vielmehr, wir, ich und viele Politiker_innen wissen viel zu wenig. Und wir sollten viel öfter zuhören.

Insbesondere bei Politiker_innen – auf ihren Bühnen in ihren teuren Anzügen und Kleidern – habe ich nicht den Eindruck, dass sie bei allem Reden über Multilateralismus, bei all der “Entwicklungshilfe-Industrie“ und der wiederholten Beteuerung “Ja, das Thema ist mir auch wirklich wichtig” wissen, dass sie über Lebensrealitäten reden. Und über Menschen wie Hilda.

Zuhören und Nachfragen haben den Vorteil, Entscheidungen teilen zu können, da wirkliche menschliche Schicksale bestimmte Kompromisse schlichtweg nicht zulassen. Neben dem Privileg, meinen Vorratsschrank wieder aufzufüllen, habe ich das Privileg meine Stimme nutzen zu können. Sie für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Und das empfehle ich jedem.

Leonie Bremer ist bundesweite Pressesprecherin von Fridays for Future Deutschland und zuständig für die Zusammenarbeit mit Fridays for Future Uganda.

Referent*in der Geschäftsführung

DSW - 16. Juli 2020 - 9:59

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ziel unserer Arbeit ist es, zur Umsetzung des Menschenrechts auf Familienplanung und zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Jugendliche sind daher die wichtigste Zielgruppe unserer Projekte. Auf nationaler und internationaler Ebene bringen wir uns in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Globale Gesundheit, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte und Gleichstellung der Geschlechter ein.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine*n

Referent*in der Geschäftsführung

mit Dienstort Hannover.

Der*die Referent*in der Geschäftsführung ist an der Schnittstelle zwischen Geschäftsführung, den inhaltlichen Funktionsbereichen der DSW in Berlin und Hannover, sowie den Länderbüros tätig. Der*die Referent*in unterstützt die Geschäftsführung im allgemeinen Tagesgeschäft, bei der fachlichen Recherche von Inhalten und wird bei der Gestaltung von Pilotprojekten – die bei der Geschäftsführung angegliedert sind –  mitwirken.

Ihre Aufgaben:
  • Unterstützung der Geschäftsführung im operativen Tagesgeschäft: Terminmanagement, Reiseorganisation und Reisekostenabrechnungen, Schriftverkehr, Erstellen von Sitzungsprotokollen, Vorbereitung von Besprechungen, Unterstützung bei der Erstellung von Vorträgen, etc.
  • Unterstützung bei der Koordination von bei der Geschäftsführung liegenden Projekten
  • Prozesskoordination der Schnittstellen zwischen der Geschäftsführung und den Funktionsbereichen in Berlin, Hannover und Brüssel, sowie den Länderbüros der Stiftung
  • Unterstützung der Geschäftsführung beim Erstellen von Präsentationen, Berichten und Datenanalysen
  • Entwicklung von Vorlagen zur Entscheidungsfindung auf Geschäftsführungsebene und Dokumentation von strategischen Entscheidungen
  • Enge Zusammenarbeit mit dem Sekretariatsbereich der Stiftung (gegenseitige Unterstützung und Vertretung)
Wir erwarten:
  • Hochschulabschluss im Bereich Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Public Health oder eine vergleichbare Qualifikation
  • Mindestens 2 Jahre Berufserfahrung in einer vergleichbaren Position
  • Gute Kenntnisse in Bezug auf Kommunikations- und Präsentationstechniken
  • Versierten Umgang mit dem MS Office Paket
  • Gute Kenntnisse in administrativen Prozessen sind von Vorteil
  • Kenntnisse zu den Themenbereichen der DSW sind erwünscht
  • Organisationstalent mit einem selbständigen, zuverlässigen und lösungsorientierten Arbeitsstil
  • Deutsch auf muttersprachlichem Niveau, verhandlungssicheres Englisch (in Wort und Schrift), weitere Sprachkenntnisse (zum Beispiel Französisch) sind von Vorteil
  • Ausgezeichnete soziale und kommunikative Kompetenzen, Durchsetzungsvermögen, diplomatisches Geschick und Teamfähigkeit
  • Bereitschaft zu nationalen und internationalen Dienstreisen
Wir bieten:
  • Ein internationales Arbeitsumfeld
  • Eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einem dynamischen Team
  • Ein spannendes Themenfeld
  • Angemessene Vergütung

 

Bewerbungsverfahren:

Wenn Sie Interesse haben, senden Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf und Anschreiben) bitte mit dem Verweis “DSW2020_06 Referent*in der Geschäftsführung” per E-Mail an: jobs.deutschland@dsw.org.

Bitte beachten Sie, dass nur Bewerbungen mit der Referenznummer “ DSW2020_06 Referent*in der Geschäftsführung ” in der Betreffzeile der E-Mail berücksichtigt werden.

Der Vertrag ist zunächst auf 2 Jahre befristet.

Bewerbungsschluss ist der 15. August 2020.

Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!

Der Beitrag Referent*in der Geschäftsführung erschien zuerst auf DSW.

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"Guck mal Papa, wie ich rennen kann!"

Unicef - 16. Juli 2020 - 9:00
Acht Wochen dauert in der Regel die Behandlung mit Erdnusspaste, mit der UNICEF schwer mangelernährten Kindern hilft. Doch wie geht es danach weiter? Wir haben das Mädchen Adut aus dem Südsudan während der Therapie begleitet – und sie jetzt sechs Monate später noch einmal besucht.
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Threadcounts: Nachhaltige Mode mit Hilfe der Blockchain

reset - 16. Juli 2020 - 5:31
Das Berliner Startup Threadcounts verfolgt die Geschichte von Textilien - von der Farm über die Konsument*innen bis zum Recycling. Mit einer Blockchain wird ein Produktpass erstellt, aus dem hervorgeht, wie nachhaltig ein Kleidungsstück ist.
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Die Transformation Usbekistans

SWP - 16. Juli 2020 - 0:00

Der Regierungswechsel in Usbekistan stellt einen Präzedenzfall im post­sowjetischen Raum dar. Präsident Mirziyoyev, ein Regime-Insider, hat einen Kurswechsel initiiert und gleichzeitig eine Destabilisierung ver­mieden. Das von Mirziyoyev vertretene Reformprogramm zielt auf eine Liberalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, lässt das politische System jedoch weitgehend unangetastet.

Die Reformen, deren Umsetzung wie früher zentral gesteuert und be­aufsichtigt wird, verlangen den Usbekinnen und Usbeken schmerzhafte Anpassungen ab. Sie werden aber akzeptiert, weil sich damit konkrete Hoffnungen auf eine bessere Zukunft verbinden. Zudem schaffen vor allem die wirtschaftlichen Reformmaßnahmen in einem Tempo Fakten, dass kaum Raum für Alternativen bleibt.

Obwohl Usbekistan wichtige Signale auch für eine politische Liberalisierung gesetzt hat, ist es nach wie vor ein autoritärer Staat mit einem Prä­sidialsystem, dessen institutionelle Grundlagen nicht zur Disposition ste­hen. Aus diesem Grund läuft die Transformation perspektivisch weniger auf Demokratisierung zu als vielmehr auf einen »aufgeklärten Autori­tarismus«, der von einer Allianz neuer und alter Eliten getragen wird.

Dennoch gibt es für Deutschland und Europa gute Gründe, den Reformkurs zu unterstützen. Der Schwerpunkt sollte dabei auf jenen Handlungsfeldern liegen, die für die Entwicklung hin zu einer offenen Gesellschaft von besonderer Relevanz sind: Förderung von politischem Wettbewerb, Ermutigung zu offener Debatte und unabhängigem gesellschaftlichem Engagement und Ermöglichung echter Teilhabe.

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E+Z/D+C 2020/08 – mo – now – Javier Cisterna Figueroa – Chile – Distance learning

E+Z - 15. Juli 2020 - 14:41
Chile’s teachers give low grades for the early results of online classes for schoolchildren

The survey (“Teaching during the health crisis: the teachers' perspective”) finds that only 9 % of teachers believe that most of their students have the habits to study autonomously, and only a quarter believe that their students have the necessary skills to use distance work applications.

Teachers also say that on average they are able to have frequent contact with only half of their students. Almost two-thirds (63 %) say their students do not have access to the internet, but only 8 % of teachers compensate for that deficiency by sending physical materials to students’ homes. The nationwide survey, taken in late April, has 3,176 respondents – all of them classroom teachers, mostly in cities and mostly in primary and secondary education.

Magdalena Claro, director of the Catholic University's Observatory of Digital Educational Practices and one of the study's authors, says the results show disparities in the ability to use the internet to access primary and secondary education. “While some will incorporate new digital tools, others will be very disengaged from the educational system,” she says.

On paper, Chile is a good candidate for a nationwide experiment in online schooling. Some 87 % of Chilean households have internet access, according to the government’s 2017 Internet Access and Usage Survey, the most recent one available. But internet coverage is only part of the picture when it comes to delivering education effectively. For one thing, the coverage total includes internet plans for smartphones, but smartphones generally have insufficient bandwidth for online classes.  

Moreover, while 56 % of Chilean households have internet plans that are suitable for distance learning, the broadband service often fails when two or more people are online simultaneously. A further issue arises when a household has only one computer for multiple users. These factors have combined to give online primary education in Chile a bumpy start.

Paola Estrada, a teacher and mother in the Valparaiso region, knows these problems first-hand. Since the schools shut down, she has conducted classes from her dining room. Her 10-year-old son seems to be drifting, dealing with an unreliable signal and often losing interest in coursework. “I can only keep an eye on him for 30 minutes," Estrada says.

Similar scenes play out in the Muñoz household, some 700 km south in the Biobío región. The family has an above-average internet plan. But the signal often fails when both pre-teenage children and their father, who works from home and is often in video conferences, are online. “The other problem is that we have one computer for both children and have had to prioritise the classes of one over the other,” says Paula Muñoz. “When we can, we also use cell phones."

Such problems are not unique to Chile in the Coronavirus era, and may well be temporary. But to children in important learning years, the interruption to classroom routines may prove to be a significant disturbance to their education.

Javier A. Cisterna Figueroa is a journalist in Concepción, Chile.
cisternafigueroa@gmail.com

Links

Teachers survey concerning distance learning, May 2020:
www.miradadocentes.cl/Resumen-Ejecutivo_Docencia_Crisis_Sanitaria.pdf

Chilean Internet Access Study:
www.subtel.gob.cl/wp-content/uploads/2018/07/Informe_Final_IX_Encuesta_Acceso_y_Usos_Internet_2017.pdf

 

 

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Im Aufschwung verbessern

E+Z - 15. Juli 2020 - 14:26
Aus Sicht der IEA sollten Konjunkturprogramme für Klimaschutz genutzt werden

Wegen des Konjunktureinbruchs sind in diesem Jahr sowohl die Energienachfrage als auch die CO2-Emissionen deutlich zurückgegangen. Die Erholung bietet Chancen, Strukturen zu verbessern. International lautet das inoffizielle Motto: "Build back better.” Der IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol fordert Mitgliedsländer zum Beispiel auf, 2019 auf Dauer zum Jahr mit den höchsten Klimaemissionen zu machen, indem sie Konjunkturprogramme zur Förderung sauberer Energie nutzen. UN-Generalsekretär António Guterres unterstützt das, denn saubere Energie verschaffe Ländern eine „sicherere und gesündere“ Entwicklungsbasis.

Wie die USA in den 1930er Jahren zeigten, können auf hohen Schulden beruhende Staatsausgaben eine Volkswirtschaft aus der Depression führen. Besonders sinnvoll ist dabei der Bau von Infrastruktur, weil das nicht nur kurzfristig Arbeit schafft – sondern auch die Grundlage für langfristigen Wohlstand. Heute sind Investitionen in Klimaschutz und -anpassung nötig. Dabei geht es etwa darum, bestehende Gebäude auf erneuerbare Energie umzurüsten, Radweg­netze auszubauen oder natürliche Methoden des Hochwasserschutzes zu reaktivieren. Subventionen für intelligente Stromversorgungsnetze oder die Umstellung von Industrieanlagen auf saubere Energie können die Wirtschaft stimulieren.

Die Fehler von 2008 sollten nicht wiederholt werden. Nach der damaligen Welt­finanzkrise profitierten auch Unternehmen, die intensive fossile Energie nutzen, von Staatsgeld, was langfristige Klimaprobleme verschärft hat. Besser wäre es gewesen, die Politik hätte sich auf die Förderung von zukunftsträchtigen Branchen und Arbeitsplätzen konzentriert.

Leider sind manche Staaten offenbar schon dabei, solche Fehler zu wiederholen. Die US-Regierung hatte laut The Guardian Anfang Juli bereits Darlehen im Wert von mindestens 3 Milliarden Dollar an 5 600 fossile Firmen – wie Betreiber von Kohlekraftwerken und Ölförderer – vergeben. Präsident Donald Trump bedient Interessen ökologisch schädlicher Unternehmen und bestreitet die Erkenntnisse der Klimaforschung. Er tut so, als schade Umweltschutz dem Wirtschaftswachstum, hat aber kein Verständnis von Nachhaltigkeit. Seine Wissenschaftsfeindlichkeit und sein Besessensein von kurzfristigen Wirtschaftsdaten haben in seinem Land vielfach die vorzeitige Öffnung nach halbherzigen Covid-19-Lockdowns beflügelt, sodass die Infektionszahlen im Juli rasant gestiegen sind. Die verschärfte Pandemie dürfte wohl ökonomische Vorteile der Lockerung schnell zunichtemachen.

Die destruktive Haltung der US-Regierung wurde bei einer digitalisierten Weltkonferenz der IEA Anfang Juli abermals deutlich. Gut war indessen, dass 40 Minister von Ländern mit hohem Energieverbrauch teilnahmen und ihr Interesse am Doppelthema Klimaschutz und Konjunkturpolitik zeigten.

Die EU beispielsweise hat kürzlich ein Aufschwungpaket im Wert von 1 850 Milliarden Euro angekündigt, das grüne Branchen stärken soll. China und Indien haben ebenfalls wegweisende Versprechen gemacht. Multilaterale Institutionen wie die IEA sollten nun Druck machen, dass solche Ankündigungen auch wahrgemacht werden. Anstatt den nötigen Wandel zügig umzusetzen, hinken EU, China und Indien bislang ihren eigenen Plänen leider tendenziell hinterher (das Beispiel Indien erläuterte Aditi Roy Ghatak im Schwerpunkt von E+Z/D+C e-Paper 2020/04).

Länder mit niedrigen Einkommen haben in der Regel nicht den Fiskalspielraum, selbst Konjunkturprogramme zu finanzieren. Die internationale Gemeinschaft sollte dort die dringend nötigen Klimamaßnahmen unterstützen.

Jedenfalls verdient die IEA Lob für ihre Agenda der sauberen Energie. Vor zehn Jahren hatte sie noch den Ruf, fossile Energie zu unterstützen und das Potenzial erneuerbarer Optionen geringzuschätzen. Der Sinneswandel ist willkommen. Druck großer institutioneller Anleger hat dazu beigetragen, denn Verantwortliche bei Pen­sions­fonds und Versicherungen wissen, dass auch die Wirtschaft Nachhaltigkeit braucht. Auch die US-Regierung sollte auf sie hören.

Katie Cashman ist bei der chilenischen Umweltorganisation 2811 für Klimapolitik zuständig. Sie äußert hier ihre persönliche Meinung.
katie@2811.cl

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WHO und UNICEF warnen vor Impfrückgang aufgrund der Covid-19-Pandemie

Unicef - 15. Juli 2020 - 14:19
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF warnen vor einem alarmierenden Rückgang in der Zahl der Kinder weltweit, die lebensrettende Impfungen erhalten. Zu den Gründen zählen Unterbrechungen bei der Bereitstellung und der Inanspruchnahme von Impfprogrammen im Zuge der Covid-19-Pandemie. 
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Die globale Bildungskrise darf sich durch Covid-19 nicht verschärfen

ONE - 15. Juli 2020 - 13:10

Die weltweite Bildungskrise gehört zu den größten Bedrohungen unserer Zeit. Bereits vor der Corona-Pandemie waren 90% der Kinder in Ländern mit einem durchschnittlich niedrigem Einkommen nicht in der Lage, einfache Sätze zu lesen und zu verstehen. Das betrifft nicht nur individuelle Schicksale. Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel. Denn die Kinder von heute sind die Ärzt*innen und medizinischen Fachkräfte von morgen.

Seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie hat sich die ohnehin ernüchternde Lage weiter verschlimmert. Während des Höhepunkts der Krise waren 1,6 Milliarden Kinder – das sind 90 % aller Schülerinnen und Schüler weltweit – vom Unterricht an Schulen ausgeschlossen. Vor allem für die Kinder aus den Ländern, die von extremer Armut betroffen sind, werden die Schulschließungen verheerende Folgen haben.

Um die Auswirkungen der Pandemie abzudämpfen haben viele Länder Fernunterricht eingeführt. Es haben jedoch nicht alle denselben Zugang zu diesen digitalen Angeboten. Deshalb bleiben viele Kinder, die von extremer Armut betroffen sind, auf der Strecke. Nicht einmal 30 % der Menschen die in Afrika leben, haben Zugang zum Internet. Nur 56 % der afrikanischen Länder südlich der Sahara verfügen über ein digitales Bildungskonzept, welches von zu Hause durchgeführt werden kann. Es zeigt sich – die Verteilung von Bildungstechnologie ist alles andere als gerecht.

Bildungsfortschritte stehen auf dem Spiel

Durch Covid-19 besteht die Gefahr, dass Jahrzehnte des Fortschritts in der Verbesserung des Bildungszugangs verloren gehen. Durch den Rückgang von Rücküberweisungen aus dem Ausland sinkt das Haushaltseinkommen von Millionen von Familien. Dadurch wird ein Schulbesuch für viele Familien unerschwinglich.

Wenn die Kinder in die Schule zurückkehren, hinken sie im Stoff weit hinterher. Die Wissenslücken summieren sich mit der Zeit. Eine durchgeführte Studie zeigt, dass drei Monate verpasster Unterricht sich sieben Jahre später als Lücke von eineinhalb Schuljahren zeigt.

Nachhaltige Investitionen in Bildung können dazu beitragen diese Auswirkungen zu minimieren. Angesichts der verheerenden wirtschaftlichen Folgen durch Covid-19 sind die dafür vorgesehenen Mittel jedoch in Gefahr. Die Weltbank rechnet mit einem Rückgang des globalen BIP um 5,2 % im Jahr 2020. Zudem könnten die Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit um bis zu 12 Milliarden US-Dollar sinken.

Dadurch wird nicht nur das Gesamtvolumen der Bildungsausgaben zurückgehen. Angesichts drängender Fragen in den Bereichen der Gesundheitspolitik und Ernährungssicherung werden Regierungen den Schwerpunkt voraussichtlich weniger auf die Bildungspolitik legen. Beispielsweise in Nigeria will die Regierung das Budget für Grundbildung drastisch kürzen.

Covid-19-Folgen auf die Bildung minimieren 

Noch ist es nicht zu spät, die richtigen Schritte einzuleiten, um die Folgen von Covid-19 auf die Bildung zu minimieren. Einige Länder haben dafür gute Einfälle. Sierra Leone zieht Lehren aus der Ebolafieber-Epidemie von 2014 bis 2016, um die Bildungsverluste der Schüler*innen zu begrenzen. Dazu gehören die Übertragung von Lernsendungen im Radio für Schüler*innen ohne Internetzugang, die Bereitstellung von gedrucktem Lernmaterial und die Entwicklung von Smartphone-Apps.

Auch in Liberia legte die Regierung nach dem Ende der Ebola-Epidemie 2016 eine Radiokampagne auf, um Schüler*innen aufzurufen, wieder zur Schule zu gehen. Zudem werden Schulbücher, Hygiene-Sets und Lehrmaterialien verteilt. Dadurch hat die Zahl der Schulbesucher*innen bald wieder das Niveau vor Ausbruch der Epidemie erreicht.

Um sicherzustellen, dass Lernen weiterhin stattfindet, muss Bildung ganz oben auf der Agenda für den Wiederaufbau nach Corona stehen.

Führende Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen weltweit müssen zusammenarbeiten, um die Folgen von Corona für die Bildung zu minimieren.

Dazu müssen Regierungen folgende Schritte in die Wege leiten:

  • Die Ausarbeitung einer gemeinsamen Strategie für Bildungsinvestitionen, sowie die Ausarbeitung eines Planes zu Interessenvertretung, um die Lücken in der Bildungsfinanzierung zu schließen; vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen von Bildung
  • Der Schutz von Bildungsbudgets
  • Die Ausarbeitung und Umsetzung eines Plans, um Schüler*innen zurück in die Schulen zu holen und Lernrückstände aufzuholen
  • Der Ausbau und die Stärkung von Programmen zum sozialen Schutz, zur Absicherung von Menschen, die von extremer Armut betroffen sind
  • Die Auflage eines Konjunkturprogramms

In diesem Papier erfährst du mehr über die Folgen von Corona für die globale Bildung und wie wir diese schützen können.

 

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15. Juli 2020

ONE - 15. Juli 2020 - 12:39

1. Kommt nun das Lieferkettengesetz?
Wie unter anderem die Tagesschau, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Tagesspiegel, Zeit Online, Spiegel und die Tageszeitung (taz) berichten, kündigen Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) weitere Anstrengungen für ein Lieferkettengesetz an. Wie aus einer Unternehmensumfrage der Bundesregierung zum Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte hervorgehe, überwachen deutsche Unternehmen ihre ethischen Prinzipien in Lieferketten nicht ausreichend. Nur 455 von etwa 2.250 befragten Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten haben überhaupt umfassend Auskunft über ihre Lieferketten gegeben. Laut Müller sei das Ergebnis „enttäuschend“. „Die Ausbeutung von Mensch und Natur sowie Kinderarbeit“ dürfe nicht zur „Grundlage einer globalen Wirtschaft und unseres Wohlstandes werden“, so der Entwicklungsminister. Das Lieferkettengesetz würde alle deutschen Unternehmen in die Pflicht nehmen und im Zweifel auch Haftungsregeln festschreiben. Diese sollen aber laut Heil auch „machbar und verhältnismäßig“ sein.  Wirtschaftsverbände kritisieren das Vorhaben und plädieren für Freiwilligkeit. Die beiden Minister wollen das Gesetzesvorhaben noch in dieser Wahlperiode abschließen.

2. Chinas militärische Präsenz in Afrika
Unter anderem Spiegel und N-tv thematisieren das militärische Engagement Chinas in Afrika. Seit Jahren investiere Peking massiv in die Beziehungen zu Afrika. Bisher seien Handel und Rohstoffsicherung die Hauptanliegen gewesen. Einer neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Berliner Thinktanks Merics zufolge rüste die Volksrepublik nun auch militärisch in Afrika auf. Die Ergebnisse basieren auf Interviews mit sechzig Sicherheitsexpert*innen in acht westafrikanischen Staaten. Demnach gehen die chinesischen Interessen über Handelsbeziehungen hinaus. Nicht nur bei UN-Einsätzen werde verstärkt Militär beigesteuert, sondern auch afrikanische Staaten selbst werden durch die Regierung in Peking aufgerüstet. Damit sei China nach Russland Afrikas zweitgrößter Waffenlieferant. In der Studie heißt es, China wolle sich als „verantwortliche große Macht“ positionieren.

3. Sudan: Innere Konflikte erschweren Friedensprozess
Ilona Eveleens berichtet in der Tageszeitung (taz) über den Friedensprozess im Sudan. Während in Dafur Friedensgespräche geführt werden, sei in der Provinz Nord-Dafur der Notstand ausgerufen worden. Am Montag haben Anhänger*innen von Milizen in der Stadt Fata Borno 13 Demonstrant*innen getötet. Einen Tag zuvor sei ein Aktivist im nahegelegenen Kutum gestorben, während die Polizei eine Protest-Kundgebung auflöste. Die Demonstrierenden fordern mehr Sicherheit in Dafur und das Ende von gewaltsamen bewaffneten Angriffen, die ihrer Ansicht nach von der Regierung unterstützt werden. Die Polizei habe am Montag beim Übergriff der Milizen nicht eingegriffen. Regierungsvertreter*innen dagegen werfen den Demonstrierenden Gewalt vor. Die sudanesische Gewerkschaft SPA verurteilte den Angriff auf die friedlichen Demonstrationen. Die SPA sei auch die treibende Kraft hinter dem Volksaufstand 2019 gewesen, der letztlich zum Sturz des langjährigen Diktators Omar Hassan al-Bashir geführt habe. Die Lage in der Region bleibe angespannt. Die Übergangsregierung aus Zivilist*innen und Militär soll das Land demokratisieren. Neben den Rebellionen in Dafur wolle sie auch die Konflikte in anderen Regionen des Landes befrieden.

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Neuer Generationenvertrag nötig

E+Z - 15. Juli 2020 - 12:38
Covid-19 zeigt, dass Pflegearbeit weltweit Frauen besonders belastet – das muss sich ändern

Das Care-System in Deutschland ist darauf ausgelegt, dass die Aufgaben überwiegend von den betroffenen Familien übernommen werden, und fördert durch seine Gesetzgebung die traditionelle Rollenverteilung. Immer mehr Frauen können und wollen die Betreuung und Pflege ihrer Kinder und Angehörigen aber nicht mehr übernehmen, weil sie selbst berufstätig sind. Deshalb müssen Familien diese Aufgaben auslagern, entweder institutionell in Kitas, Schulen oder Pflegeheime, aber auch privat an Haushaltshilfen, Au-pairs oder 24-Stunden-Inhouse-Pflegekräfte. Zunehmend übernehmen dabei Frauen mit Migrationshintergrund diese Aufgaben. Grenzschließungen während Corona-Lockdowns haben indessen gezeigt, dass weder die Versorgung durch Zugereiste wirklich sicher gewährleistet werden noch teilweise extreme Härten für diese Menschen selbst verhindert werden können.

Die Betreuungskonstrukte stoßen also an ihre Grenzen. Die Pflegepolitik hat sich bislang nicht am gesellschaftlichen Bedarf ausgerichtet und sich nie konsequent für eine Höherqualifizierung und ein flächendeckendes Netzwerk professioneller Pflegeangebote eingesetzt. Dass diese Strategie langfristig nicht aufgeht, zeigt, dass der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn persönlich den anhaltenden Fachkräftemangel in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu beheben versucht, indem er in Mexiko oder den Philippinen gut ausgebildete Pflegekräfte abwerben möchte.

Die Folge ist, dass wiederum Frauen, meist mit eigener Migrationsgeschichte, oft nur befristet im Land, mit unklarem Aufenthaltsstatus und unter (arbeits-)rechtlich zumindest fragwürdigen Bedingungen, das System hier am Laufen halten sollen und damit die Illusion einer Vereinbarkeit von Familie und Karriere. In beiden Fällen wird ein Wohlstands- und Lohngefälle ausgenutzt, Unternehmen und Staat versuchen, sich günstig freizukaufen von den eigenen Sorgeverpflichtungen, die Verantwortung wird an Subunternehmen und Frauen und Familien in anderen Ländern weitergereicht. Doch die leiden aufgrund des Verlusts ausgebildeter Fachkräfte unter den wirtschaftlichen und humanitären Folgen.

Care-Arbeit wird dort abgezogen wie andernorts Rohstoffe. Am Ende dieser sogenannten globalen Sorgeketten sind es die Kinder, die pflegebedürftigen Angehörigen oder Menschen mit Behinderung überwiegend in den Ländern des globalen Südens, die nicht mehr versorgt werden (siehe Richa Arora in der Debatte des E+Z/D+C e-Paper 2020/06). Deshalb muss sich die Bundesregierung auch in der Entwicklungszusammenarbeit für eine Vereinheitlichung der sozialen Absicherung von privater Care-Arbeit, sei es Kindererziehung, Betreuung oder Pflege, einsetzen. Sie ist gleichermaßen in der Alterssicherung anzuerkennen. Zielführend wäre die Einrichtung eines globalen Fonds für soziale Sicherheit, um (auch) in armen Ländern Renten, Kindergeld und Arbeitslosenunterstützung zu verbessern.

Die Care-Krise lässt sich weder lösen, indem man sie exportiert, noch, indem man sie als privates Problem ins Unsichtbare schiebt. Stattdessen braucht es einen neuen Generationenvertrag, der eine wirkliche Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit ermöglicht, und zwar für alle Geschlechter gleichermaßen, für Arm und Reich, zugezogen und alteingesessen. Und wir brauchen ein System der finanziellen und ideellen Anerkennung von Care-Arbeit, das Menschen für ihre Sorgearbeit wertschätzt und nicht abstraft.

Ein erster Schritt wäre es, sie überhaupt einmal in die Berechnungen des Bruttoinlandsprodukts mit aufzunehmen. Denn dies ist der Maßstab für gesellschaftlichen Wohlstand, den wir ohne Care-Arbeit gar nicht hätten. Bisher ist aber an keiner Stelle transparent abgebildet, wer einseitig profitiert und wer die Lasten ohne Ausgleich trägt, welche Tätigkeit „systemrelevant“ ist, gerade auch in einer globalen Perspektive. Denn die ungleiche Verteilung der zeitlichen und mentalen Belastungen durch Care-Arbeit ist eines der größten Hemmnisse nicht nur für die individuelle, berufliche Entwicklung von jungen Frauen weltweit, sondern auch für die Entwicklung von Ländern des globalen Südens insgesamt. Solange der universelle Zugang zu gebührenfreier öffentlicher Bildung, Gesundheitsversorgung, der Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen und häuslichen Energiesystemen nicht weltweit sichergestellt ist, wird jede zukünftige, mit der Covid-19-Pandemie vergleichbare Krise die bestehenden sozialen Ungleichheiten immer noch weiter verschärfen.

Sascha Verlan und Almut Schnerring haben gemeinsam das Buch „Equal Care. Über Fürsorge und Gesellschaft“ geschrieben (Berlin, 2020, Verbrecher Verlag) und den Aktiontag „Equal Care Day“ ins Leben gerufen.
kontakt@wu2k.de

Link
Equal Care Manifest:
https://equalcareday.de/manifest/

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Abstieg in die Hölle

E+Z - 15. Juli 2020 - 11:55
Tragische Geschichte um den Abstieg eines jungen Nigerianers wegen einer unglücklichen Liebe

Die Handlung hat ein bisschen märchenhafte Züge: Einfacher Geflügelzüchter bewahrt Tochter aus reichem Hause vor dem Sprung von der Brücke, und die beiden verlieben sich. Aber schnell wird klar, dass dieser Roman eben kein Märchen ist. Der Leser schaut dem Niedergang des Bauern Chinonso zu, der sein Leben für die Geliebte aufgibt. Das Weiterlesen ist stellenweise schmerzhaft, und doch kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen.

Aber von vorn. Schnell ist klar, dass die Familie der Geliebten namens Ndali die Liebe zwischen ihr und dem ungebildeten Chinonso nicht akzeptiert. Letzterer lebt von der Hühnerzucht und etwas Landwirtschaft. Dies ist auch im Jahr 2007, in dem das Buch spielt, für die nigerianische Oberschicht inakzeptabel. Chinonso wird nicht nur verhöhnt und verlacht, sondern ernsthaft bedroht. Als Ausweg will Chinonso in der Türkischen Republik Nordzypern studieren. Ein alter Schulfreund unterstützt ihn – scheinbar selbstlos – bei den Vorbereitungen dazu. Chinonso verkauft alles, den Familienbesitz mitsamt Haus und Hühnern, bevor er seine Geliebte auch nur in die Pläne einweiht. Er will als gebildeter Mann mit besten Jobaussichten nach Nigeria zurückkommen.

Bereits im Flugzeug wird Chinonso klar, dass irgendetwas faul ist, als er auf Landsleute trifft, die wenig rosig von Nordzypern erzählen, das sein Schulfreund ihm als gelobtes Land verkauft hat. Bereits bei der Zwischenlandung in Istanbul ist sein Freund nicht mehr zu erreichen, und mit ihm ist ein Großteil von Chinonsos Geld weg.

Bei „Das Weinen der Vögel“ handelt es sich um Obiomas zweites Buch, das, wie schon sein Debütroman, für den Booker Prize, den wichtigsten britischen Literaturpreis, nominiert wurde (siehe Sabine Balk im Sommer-Special des E+Z/D+C e-Paper 2019/08). Es ist inspiriert von wahren Begebenheiten, denn Obioma selbst studierte in Nordzypern und lernte viele Landsleute kennen, die einen Teil ihres Geldes an Mittelsmänner verloren hatten.

Das verheißungsvolle Europa wird für Chinonso zum Alptraum. Der junge Mann, ohne große Ambitionen, der nur mit der Frau seines Lebens zusammen sein wollte, wird zum gebrochenen Mann, gestrandet in einem ihm feindlich gesinnten Land.

Chinonso geht es ein bisschen wie seinen Vögeln, den hilflosen Haushühnern, für die er sich bereits als kleiner Junge begeistert hat. Zusammen mit vielen anderen Gestrandeten gehört er zu den „Minderheiten dieser Welt, deren einzige Zuflucht darin bestand, sich diesem universellen Orchester anzuschließen, in dem es nur noch zu weinen und zu klagen gab“.

Das Buch zeigt den Protagonisten an vielen Stellen sprachlos und in sein Schicksal ergeben, was den Leser stellenweise wütend macht. Als Chinonso merkt, dass er betrogen worden ist, weiht er seine Geliebte nicht ein, bittet nicht um Hilfe. Er schämt sich und versucht seine Probleme allein zu bewältigen. Ein Fehler wie sich herausstellt, denn bald sind alle Kontaktwege zu Ndali verstellt.

Das kann auch sein „Chi“, eine Art Schutzgeist, nicht verhindern, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. In der Igbo-Kultur, der der Protagonist angehört, hat jeder Mensch ein Chi. Über den Chi die Geschichte zu erfahren ist manchmal vergnüglich, manchmal jedoch sind die Ausflüge für den Leser in die jenseitige Welt anstrengend, vor allem mit wenig Kenntnis von Igbo-Sprache und Kultur.

Die Erzählperspektive macht bereits zu Beginn klar, dass die Dinge sich kaum zum Besseren wenden werden. Neigt man tendenziell zu Weltschmerz und wenig Optimismus, ist dieses Buch gutes Futter für die eigene Weltsicht.

Buch
Obioma, C., 2019: Das Weinen der Vögel. München, Piper.

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UNV’s Pioneer Knowledge Portal on Volunteerism Goes Live

Weblinks - 15. Juli 2020 - 11:40

Comments:

  • Das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV) hat ein Online-Portal zum Thema Freiwilligenarbeit eröffnet. - Karsten Weitzenegger

Tags: knowledge, portal, volunteer, volunteering, volunteers, km4dev

by: Karsten Weitzenegger

Khalil – im Kopf eines Terroristen

E+Z - 15. Juli 2020 - 11:17
Roman von Yasmina Khadra gibt Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt eines Attentäters

Jubelnde und feiernde Menschen füllen die Straßen von Paris, unter den wachsamen Augen von Sicherheitskräften strömen grölende Fußballfans ins Stade de France, die Cafés sind voll. Unterdessen fahren vier „Brüder“ aus dem belgischen Molenbeek zu ihrem Einsatzort. Einer der jungen Attentäter ist Khalil, der Protagonist des Romans. Zwei der „Brüder“, die Khalil nicht kennt, steigen am Stade de France aus dem Auto und mischen sich unter die Menschenmenge. In wenigen Minuten wird die Welt in der französischen Hautpstadt eine andere sein: Offenheit, Lebensfreude und die Leichtigkeit des Seins werden Angst, Misstrauen und Verschlossenheit weichen.

Khalil und Driss, sein Freund aus Kindheitstagen, sind sich dessen bewusst. Sie reden über das, was gleich passieren wird. Sie sind überzeugt, das Richtige zu tun. „Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich wichtig“, sagt Khalil, als er seinen Freund zum Abschied umarmt. Dann taucht er ab zur S-Bahn-Station, quetscht sich in einen zur Feierabendzeit vollbesetzten Vorstadtzug. Umringt von Menschen tastet er nach dem Auslöser an seinem Sprengstoffgürtel und drückt den Knopf – fest entschlossen, sich in die Luft zu sprengen und möglichst viele Menschen mit sich in den Tod zu reißen.

Doch es passiert nichts. Fassungslos, fast schon panisch drückt Khalil immer wieder auf den Knopf, doch der Zündmechanismus wird nicht ausgelöst. Was nun? Gemeinsam mit Driss war er wochenlang auf diese Mission vorbereitet worden, ein Scheitern war nicht vorgesehen.

Hilflos irrt Khalil durch Paris. Verzweiflung und Selbstzweifel plagen ihn. Es gelingt ihm schließlich, nach Molenbeek zurückzukehren, er versucht Kontakt mit den Brüdern aufzunehmen, um ihnen klarzumachen, dass nicht er versagt hat.

Durch die Ich-Erzählung führt Khadra uns in die Gedankenwelt des 23-jährigen Khalil, der als Sohn von Einwanderern in Molenbeek, einem Stadtteil Brüssels, lebt. Khalil verachtet das Leben seiner Eltern, die aus einem marokkanischen „Kaff“ stammen und es in seinen Augen nie zu etwas bringen werden. Er hat ein schlechtes Verhältnis zu seiner Familie, fühlt sich missverstanden, seinen Vater hasst er regelrecht. Nur seiner Zwillingsschwester Zhara ist er sehr verbunden.

Khalil landet schließlich auf der Straße. Er sieht keinen Sinn in seinem Leben, fühlt sich als Fremdkörper in der Gesellschaft, als Parasit – ein idealer Nährboden für die Ideologien extremistischer Organisationen. Khalils mangelndes Selbstwertgefühl wird von den „Brüdern“ aufgefangen, in der Moschee findet er Geborgenheit und das Gefühl, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein: „Ich irrte lange blind umher, auf der Suche nach dem richtigen Weg“, sagt Khalil, „die Brüder zeigten mir, wo es langgeht, und zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich ernst genommen“.

Der Leser erlebt die Radikalisierung Khalils mit. Khadra sympathisiert nicht mit seinem Protagonisten, er verurteilt ihn aber auch nicht, obwohl er als hoher Offizier der algerischen Armee selbst gegen Islamisten gekämpft hat. Khadra sucht vielmehr den Menschen in Khalil.

Der Autor selbst sieht sein Buch als ein „Antiradikalisierungsbuch“. In einem Interview sagte er, er wünsche sich, dass es zur Pflichtlektüre an Schulen werde, damit es von möglichst vielen Jugendlichen gelesen werde. Für Khadra gibt es nichts Wertvolleres als das Leben. Diese Botschaft hofft er seinen jungen Lesern zu vermitteln, damit diese sich nicht von den verführerischen Reden der vermeintlichen Brüder blenden lassen.

Khalil verliert den Kontakt zu seiner Familie, streitet sich mit seiner Zwillingsschwester, die später bei Attentaten in Brüssel ums Leben kommt. Davon erfährt Khalil allerdings erst zufällig nach der Beerdigung. Wütend auf seine Familie und auf die Gesellschaft sitzt er an ihrem Grab und trauert.

Von den Brüdern bekommt Khalil eine zweite Chance: Die Organisation plant Attentate in Marrakesch, bei denen Khalil eine zentrale Rolle spielen soll. Wird er seine Mission diesmal in die Tat umsetzen?

Buch
Khadra, Y., 2018: Khalil. Paris, Julliard. (Auf Deutsch erschienen bei Reclam, Ditzingen).

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Einstiegsseminar für Kommunen

Engagement Global Presse - 15. Juli 2020 - 10:56
Das Einstiegsseminar führt online in die Themen kommunaler Entwicklungspolitik ein. Foto: Martin Magunia

Daseinsvorsorge, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Migration sind Themen, die viele Kommunen beschäftigen. Sie hängen eng mit globalen Entwicklungen zusammen, denn was vor Ort entschieden wird, hat oft Auswirkungen über die Ortsgrenzen hinaus. Knapp 1.000 Städte, Gemeinden und Landkreise engagieren sich entwicklungspolitisch, beraten und unterstützt von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global. Sie fördern beispielsweise den Fairen Handel und faire Beschaffungsprozesse vor Ort, binden migrantische Organisationen in ihre Arbeit ein, setzen lokale Nachhaltigkeitsstrategien um oder gehen Partnerschaften mit Kommunen im Globalen Süden ein.

Das Einstiegsseminar „Entwicklungspolitische Handlungsoptionen in Ihrer Kommune“, das am Dienstag, 22., und Donnerstag, 24. September 2020, online angeboten wird, beginnt mit einer Einführung in die Themen kommunaler Entwicklungspolitik und die Förderinstrumente der SKEW. Der Kleinprojektefonds steht dabei im Mittelpunkt. Ziel des Fonds ist es, interessierten Kommunen Einstiegshilfe in Maßnahmen und Partnerschaften der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit zu geben. Nach dem anschließenden Praxisimpuls werden mögliche Herausforderungen diskutiert und erste Schritte für ein kommunales Engagement aufgezeigt.

Eine Anmeldung zum Einstiegsseminar am 22. September, ist bis Dienstag, 15. September, möglich. Für den Termin am 24. September, endet die Anmeldefrist am Donnerstag, 17. September 2020.

Die SKEW ist Ansprechpartnerin für kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland. Um das entwicklungspolitische Engagement von Kommunen und Zivilgesellschaft zu stärken, unterstützt sie kommunale Akteure inhaltlich, organisatorisch und finanziell.

Weitere Informationen
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Wenn Sicherheitskräfte versagen

E+Z - 15. Juli 2020 - 9:21
Weltweit wird das Erbe von Kolonialismus und Sklaverei nach einer Protestwelle, die in Minneapolis begann, neu bewertet

Weltweit wird das Erbe von Kolonialismus und Sklavenhandel neu betrachtet, seit Polizisten in Minneapolis den Afroamerikaner George Floyd töteten. Proteste dort weiteten sich schnell über ganz Nordamerika und dann rund um den Globus aus.

Ich denke, US-Präsident Donald Trumps bornierte Haltung hat der Bewegung Black Lives Matter (BLM – schwarze Leben sind wichtig) zusätzlich Schwung verliehen. Er setzt Demonstranten mit Gewalttätern gleich, bezeichnet Gegner als Terroristen und droht, mit dem Militär für Ruhe zu sorgen. Andererseits interessiert er sich nicht für das Kopfgeld, das Russland für die Tötung amerikanischer Soldaten zahlt, und lehnt jegliche Verantwortung für die Eindämmung von Covid-19 ab. Diese Krankheit trifft benachteiligte Menschen besonders hart – also auch viele Schwarze.

Laut Meinungsumfragen unterstützen fast zwei Drittel der US-Bevölkerung BLM. Trump hat dazu beigetragen. Bemerkenswerterweise richten sich die internationalen Proteste nicht gegen die USA. Viele Menschen ärgern sich über Polizeigewalt und Rassismus im eigenen Land, wo viele Symptome ähnlich oder vielleicht noch schlimmer sind.

Oft heißt es, in den USA habe sich seit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre nichts geändert. Das stimmt nicht. Ich habe als Kind in den USA gelebt und erinnere mich daran, dass es in den 60er Jahren eine bemerkenswerte Ausnahme war, dass der Bürgermeister der kleinen Stadt Gary in Indiana ein – wie es damals hieß – „Negro“ war. Heute ist das nichts Besonderes mehr, denn viele US-Metropolen haben oder hatten schwarze Bürgermeister. Es herrscht kein Mangel an Afroamerikanern in Führungspositionen, obwohl sie weiterhin unterrepräsentiert sind. Es hat sich einiges geändert – aber noch längst nicht genug. Im Schnitt sind Schwarze in den USA immer noch ärmer, haben schlechtere Chancen und erleiden eher Polizeigewalt.

Das Gespür für Rassismus ist indessen dort sehr viel feiner ausgeprägt als beispielsweise in Deutschland, wo viele immer noch nicht wahrhaben wollen, dass Institutionen Migranten systematisch benachteiligen. Wer hinschaut, weiß, dass dem so ist. Die Terroranschläge der NSU-Neonazis wurden erst türkischen Gangs angelastet und konnten dann wegen der Verstrickungen des Verfassungsschutzes in das Umfeld der Täter nicht komplett aufgeklärt werden. Migrantenkinder tun sich laut OECD im deutschen Schulsystem besonders schwer - und die betroffen Jugendlichen berichten, sie fühlten sich von der Polizei diskriminiert.

Leider gibt es unakzeptable soziale Gräben nicht nur in Ländern mit hohen Einkommen. Vorurteile, Gruppendenken und Ausgrenzung prägen auch viele andere Länder. Vor einigen Jahren erzählte mir eine Praktikantin mit kenianischem Vater, dass ein Luo – Barack Obama – in den USA zum Präsidenten gewählt wurde, wohingegen einem anderen Luo – Raila Odinga – in Kenia der Wahlerfolg gestohlen wurde.

Teile-und-herrsche-Strategien, die auf Identitätspolitik aufbauen, gehen oft auf die Kolonialzeit zurück. Zu Recht wirft die indische Autorin Paroma Soni Landsleuten Heuchelei vor, wenn sie sich mit BLM solidarisieren, aber zu Menschenrechtsverletzungen an Angehörigen religiöser Minderheiten und niedriger Kasten durch staatliche Sicherheitskräfte im eigenen Land schweigen.

Die Polizei ist in den USA oft brutaler als in Europa, aber in vielen Entwicklungsländern ist die Lage noch schlimmer. Amtlichen Angaben zufolge töteten kenianische Polizisten bei der Durchsetzung von Covid-19-Einschränkungen bis Anfang Juni 15 Menschen. Dabei hat Stammesdünkel wohl keine Rolle gespielt, aber ein dortiger Kollege sagt mir, die Polizei gehe wie zu Zeiten der Kolonialherrschaft mit großer Härte gegen arme Menschen vor. Mich bedrücken jedenfalls Fotos von Protestierenden in Nairobi. Sie ahmen Demonstranten in den USA nach, indem sie ein Knie auf den Boden setzen und die Faust in die Luft strecken. Auf eine Weise, die Trump sicherlich nicht gefällt, setzt zivilgesellschaftliches Engagement in seinem Land weltweit Maßstäbe.

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
euz.editor@dandc.eu

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Welttag für den Kompetenzerwerb junger Menschen #WYSD

weitzenegger - 15. Juli 2020 - 9:05
Junge Menschen brauchen belastbare Fähigkeiten für die Zeit von COVID-19 und danach Heute am 15. Juli ist #WorldYouthSkillsDay! Eine weltweite
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Aufsatz zum Thema „Nachhaltige Hochschule jenseits von Werten und Haltungen: Organisation und Konflikte”

#HOCHN - 15. Juli 2020 - 2:00

„Die Summe der individuellen Haltungen widerspiegelt noch nicht die Organisation!“

Im Rahmen der Tätigkeit am HIS-Institut für Hochschulentwicklung e. V. (HIS-HE) ist ein Aufsatz von Joachim Müller und Dr. Friedrich Stratmann mit dem Titel „Nachhaltige Hochschule jenseits von Werten und Haltungen: Organisation und Konflikte“ in der Zeitschrift Hochschulmanagement erschienen.

Der Beitrag verfolgt die Zielsetzung, explorativ und vor dem Hintergrund der Beratungserfahrungen von HIS-HE im Themenfeld „nachhaltige Hochschule“ die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte in den Hochschulen aus einer analytischen Betrachtung im Kontext der Hochschule als Organisation zu reflektieren und die damit einhergehenden binnenstrukturellen Konflikte zu beleuchten.

Den Aufsatz selbst sowie Details dazu finden Sie hier.

Das HIS-Institut für Hochschulentwicklung e. V. (HIS-HE) ist Kooperationspartner von HOCHN und dient in Ausrichtung und Selbstverständnis der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Aufgaben des forschungsbasierten unabhängigen Kompetenzzentrums sind Beratung und Know-how-Transfer zu Themen der Hochschulentwicklung und der Organisation von Forschung und Lehre.

Foto: Pixabay/Luis Wilker

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