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Die blutige Teilung des Sukontinents

E+Z - 5. Januar 2023 - 15:38
Wie aus dem kolonialen Indien erst zwei, und später drei verschiedene Länder wurden

Indien, das Kronjuwel des britischen Imperiums, erlangte 1947 die Unabhängigkeit. Das führte zur Teilung des Subkontinents – in das mehrheitlich hinduistische Indien und das mehrheitlich muslimische Pakistan. Im Rahmen ihrer Kolonialstrategie hatten die Briten bewusst Hindus und Muslime gegeneinander ausgespielt und Religion zum wichtigsten Identitätsmerkmal gemacht. 1947 führte das zu brutalem Blutvergießen und andauernden seelischen Wunden.

Vor der Unabhängigkeit wurde 1947 eine Grenzkommission eingesetzt. Schwierig war, die Provinzen Bengalen im Osten und Punjab im Westen zu teilen, in denen keine Glaubensgemeinschaft eine klare Bevölkerungsmehrheit stellte, wie das in den meisten Regionen des Subkontinents der Fall war.

Der Vorsitzende der Grenzkommis­sion, der britische Jurist Sir Cyril Radcliffe, hatte fünf Wochen Zeit, um die Grenze zu ziehen. Er war nie in Indien gewesen, konnte aber immerhin einige Gebiete bereisen, bevor er über deren Zukunft entschied. Radcliffe versuchte, religiös homogene Regionen zu schaffen. Teile Punjabs wurden Indien, andere Pakistan. So geschah es auch mit Bengalen, wobei aus dem pakistanischen Gebiet später Bangladesch wurde.

1947 hatte Pakistan zwei Gebiete – ein östliches und ein westliches, die durch die riesige Landmasse Indiens voneinander getrennt waren. Eine Generation später wurde Ostpakistan in einem Befreiungskrieg zu Bangladesch. Die bengalische Bevölkerung hatte außer der Religion tatsächlich kaum Gemeinsamkeiten mit westpakistanischen Menschen. Rückblickend ist klar, dass die Idee eines einheitlichen Pakistans ziemlich absurd war.

Völliges Chaos und Gewalt

Als die Unabhängigkeit Indiens und Pakistans am 17. August bekannt gegeben wurde, brach Chaos aus. Hindus und Muslime, die jahrhundertelang zusammengelebt hatten (wenn auch vermutlich nicht immer harmonisch), wurden auseinandergerissen. Es folgten Plünderung und Brandstiftung. Eigentum wurde zerstört, Frauen wurden vergewaltigt und Kinder ermordet. Es gibt keine zuverlässigen Statistiken, aber Historiker gehen von 15 Millionen Vertriebenen und 2 Millionen Toten aus.

Hindus flohen nach Indien und Muslime nach Pakistan. Manche Männer töteten ihre eigenen Frauen und Kinder, damit sie nicht von Fremden vergewaltigt oder missbraucht werden konnten. Unzählige Menschen begingen Selbstmord, um dem erwartbaren Grauen zu entgehen. Im Punjab fuhren in beiden Richtungen Züge voller Leichen über die neue Grenze.

Überrascht von den neuen Grenzverläufen

Die Krise war besonders tiefgehend, weil es viele Menschen überraschte, auf welcher Seite der Grenze sie sich befanden. In Bengalen dachten die Menschen in den mehrheitlich muslimischen Bezirken Murshidabad und Malda, sie würden zu Pakistan gehören. Stattdessen wurden sie indisch. Manche hatten schon pakistanische Flaggen entrollt. Das überwiegend hinduistische Khulna hingegen war nun Pakistan.

Den britischen Beamten Radcliffe bedrückte die Gewalt nach der Grenzziehung. Die südindische Zeitung „The Hindu“ berichtete 2021, dass er seine Papiere verbrannte, sein Honorar von 40 000 Rupien ablehnte und nie wieder in das Land zurückzukehrte.

Millionen von Menschen wurden schwer traumatisiert. Viele hatten ihre Familien und ihr Zuhause verloren. Sie wurden zu Flüchtlingen, die nicht mehr zurückkehren konnten. Wer blieb, wurde Zeuge von Mord und Vergewaltigung. Sowohl in Indien als auch in den beiden Teilen Pakistans trug das Blutvergießen dazu bei, die neue nationale Identität zu definieren. Dass Hindus und Muslime in Frieden zusammenleben könnten, wie sie es jahrhundertelang getan hatten, erschien vielen Menschen nun undenkbar.

Massenhaft traumatisierte Menschen

Die Opferzahlen mögen unzuverlässig sein. Klar ist aber, dass Massen schweres Leid erlitten, das Außenstehende nur schwer verstehen konnten. Die American Psychological Association definiert Trauma als „eine emotionale Reaktion auf ein schreckliches Ereignis wie einen Unfall, eine Vergewaltigung oder eine Naturkatastrophe. Unmittelbar nach dem Ereignis sind Schock und Verleugnung typisch“. Ein Trauma bleibt bestehen und wirkt sich langfristig auf die Menschen aus, indem es oft ihre Fähigkeit einschränkt, zu arbeiten, andere zu unterstützen und mit der Normalität des täglichen Lebens umzugehen. Psychosoziale Unterstützung kann jedoch etwas bewirken, vor allem wenn die Ursachen des Traumas öffentlich anerkannt werden.

Ein kollektives Trauma wirkt sich nicht nur auf den Einzelnen aus, sondern auf die gesamte Gemeinschaft und Gesellschaft. Oftmals sind die Auswirkungen noch lange Zeit zu spüren. Weder in Indien noch in Pakistan hat es systematische institutionelle Anstrengungen zur Aufarbeitung der Tragödie gegeben.

Die Täter von Massakern blieben weitgehend straffrei. Skrupellose Politiker profitieren noch immer davon, Glaubensgemeinschaften gegeneinander auszuspielen. Über die Geschichte der Teilung wird nicht faktenorientiert diskutiert, also wird das kollektive Gedächtnis von der Sicht der jeweils eigenen Gemeinschaft bestimmt. Gern wird übersehen, dass Angehörige der eigenen Glaubensgemeinschaft ebenso brutal vorgegangen sind wie die anderen. Historisch verbürgt ist zudem, dass sich nicht alle an der Gewalt beteiligt haben – und dass Nachbarn manchmal Nachbarn des anderen Glaubens retteten.

Suparna Banerjee ist Politikwissenschaftlerin und lebt in Frankfurt am Main.
mail.suparnabanerjee@gmail.com

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Kinder stärken, Kinder schützen

Engagement Global - 5. Januar 2023 - 14:31
Sternensinger bei Engagement Global. Foto: Engagement Global/Sarah Josef

Kinder engagieren sich für Kinder: Seit 1959 findet die Aktion „Dreikönigssingen“ in Deutschland statt. Als drei Könige verkleidet ziehen Jugendgruppen durch die Gemeinden, erfreuen Zuhörende mit ihrem Gesang und sammeln für wohltätige Zwecke. Am 5. Januar 2023 machten drei Sternsinger der Pfarrgemeinde Bonn-Süd bei Engagement Global in der Friedrich-Ebert-Allee halt. Vor einem Teil der Belegschaft trugen Fynn, Thomas und Justus gekonnt das Lied „Wir kommen daher aus dem Morgenland“ vor und sammelten Spenden für Kinderschutz-Projekte ein.

Jedes Jahr stehen ein Thema und ein regionales Beispielprojekt im Fokus des Dreikönigssingens. 2023 ist unter dem Motto „Kinder stärken, Kinder schützen – in Indonesien und weltweit“ der Scheinwerfer auf die ALIT-Stiftung gerichtet. Die indonesische Organisation bietet Kindern in Not Unterstützung und macht sich auch politisch und überregional für strukturelle Verbesserungen im Kinderschutz stark. Das Spendengeld, das beim Dreikönigssingen gesammelt wird, kommt Projekten von Organisationen wie dieser und damit Kindern weltweit zugute.

Rund 20 Kinder aus der Pfarrgemeinde Bonn-Süd beteiligten sich neben Fynn, Thomas und Justus in diesem Jahr an der Aktion.

Getragen wird das Dreikönigssingen vom Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

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Klimarisikoversicherungen können wirtschaftliche Verluste begrenzen

SID Blog - 5. Januar 2023 - 12:43
Die globale Erwärmung führt in den USA wahrscheinlich zu einer Häufung besonders schwerer Hurrikane und einem deutlichen Anstieg der damit verbundenen Schäden. Ein umfassenderer Versicherungsschutz könnte dabei helfen, die zunehmenden wirtschaftlichen Folgen zu verringern. Das zeigt eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die die Wirksamkeit von Klimarisikoversicherungen in den USA untersucht.

In den USA verursachten Hurrikane im Zeitraum 1980-2014 direkte wirtschaftliche Schäden von über 400 Milliarden US-Dollar. Das bisherige Maximum an Schäden wurde 2005 erreicht, dem Jahr von Hurrikan Katrina mit einem Schaden von über 150 Milliarden US-Dollar. „Nach schweren Stürmen, die hohe direkte Schäden verursachen, kann die Wirtschaft mehrere Jahre brauchen, um sich zu erholen. Manchmal reicht die Zeit zwischen zwei Ereignissen dazu nicht aus. Unser Modellrechnungen berücksichtigen diese Langzeiteffekte auf die ökonomische Entwicklung, die deutlich größer sein können als die direkten Schäden", erklärt Christian Otto, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und einer der Leitautoren der Studie, die im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht wird.

Verluste des Wirtschaftswachstums durch Hurrikane könnten sich mehr als verdoppeln

„Es gilt als gesichert, dass unter fortschreitendem Klimawandel der Anteil besonders schwerer Hurrikane zunimmt. Selbst wenn die Erderwärmung auf unter 2° Celsius begrenzt wird, zeigen unsere Computersimulationen, dass sich in den USA die Verluste des Wirtschaftswachstums durch Hurrikane im Vergleich zu dem historischen Zeitraum mehr als verdoppeln könnten. Ohne wirksamen Klimaschutz könnte dieses Erwärmungslevel bereits Mitte dieses Jahrhunderts erreicht werden", verdeutlicht PIK-Wissenschaftler Kilian Kuhla, ebenfalls Leitautor der Studie.

In ihrer Studie untersuchen die Forschenden auch die Wirksamkeit von Klimarisikoversicherungen als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine umfassende, steuerfinanzierte Klimarisikoversicherung die wirtschaftliche Erholung beschleunigt und so ein effektives Instrument darstellt, um klimabedingte wirtschaftliche Verluste zu begrenzen. In den USA könnte solch eine Versicherung die erwartete Zunahme der Wachstumsverluste durch Hurrikane kompensieren, zumindest wenn die globale Erwärmung auf 2°C begrenzt werden kann", erläutert Mitautor Tobias Geiger, Wissenschaftler beim Deutschen Wetterdienst und am PIK.

Die Ergebnisse der Studie könnten auch für die gerade in Deutschland geführte Diskussion wichtig sein, ob eine verpflichtende Elementarschadenversicherung gegenüber Naturgefahren als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel eingeführt werden sollte.

Nationale Versicherungslösungen für Entwicklungsländer unzureichend

Für stark betroffene Entwicklungsländer sind nationale Versicherungslösungen jedoch schon heute unzureichend, um die wirtschaftlichen Folgen von Extremwettereignissen ausreichend abzufedern. So konnten die Forschenden für Haiti als Beispiel eines kleinen und stark von Hurrikanen betroffenen Entwicklungslandes zeigen, dass selbst wenn die Versicherungsabdeckung so gut wäre wie in den USA die Wachstumsverluste trotzdem sechsmal größer wären. „Unsere Ergebnisse belegen die Wichtigkeit internationaler Hilfszahlungen, um stark betroffene Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Schäden durch den Klimawandel zu unterstützen. Ebenso sollten sie durch ein breites Portfolio weiterer Anpassungsmaßnahmen ergänzt werden, wie zum Beispiel Investitionen in bessere Bebauungsstandards und resilientere Infrastruktur", so Christian Otto.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass neben diesen Anpassungsmaßnahmen auch eine schnelle und massive Reduzierung von Treibhausgasemission essentiell ist, um Klimaschäden langfristig zu verringern: „Die gegenwärtigen Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus, um die Erderwärmung wie im Pariser Abkommen beschlossen auf deutlich unter 2° Celsius zu begrenzen. Sie lassen uns eher auf eine Erwärmung von 2,7°C zusteuern. In den USA könnten sich dadurch die Wachstumsverluste durch Hurrikane gegenüber Emissionspfaden im Einklang mit dem Pariser Abkommen mehr als verdoppeln und gegenüber heute mehr als versechsfachen", sagt Katja Frieler, Leiterin der Forschungsabteilung Transformationspfade des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Mitautorin der Studie.

Studie: Christian Otto, Kilian Kuhla, Tobias Geiger, Jacob Schewe, Katja Frieler (2023): Better insurance could effectively mitigate the increase in economic growth losses from US hurricanes under global warming. Science Advances. [DOI: 10.1126/sciadv.add6616]

Weblink zur Studie: http://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.add6616



Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de


UNO-Flüchtlingshilfe: 2023 wird ein herausforderndes Jahr

SID Blog - 5. Januar 2023 - 12:42
Die UNO-Flüchtlingshilfe erwartet ein herausforderndes Jahr 2023: Bei vielen bestehenden Konflikten sind wirkliche Lösungen noch nicht gefunden, sodass sie fortdauerndes Leid für die Schwächsten der Welt bringen, darunter Flüchtlinge, Vertriebene und Staatenlose, die inzwischen mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Neben gewaltsamen Konflikten sind die ungleichen wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19, der weltweite Inflationsdruck, die zunehmende Armut und der Klimawandel Auslöser für Flucht und Vertreibung in 2023. In Afrika, Süd- und Mittelamerika oder im Nahen und Mittleren Osten ist deshalb neben politischen Lösungen ein verstärktes humanitäres Engagement dringend nötig. Zum Jahresauftakt blickt die UNO-Flüchtlingshilfe auf einige Schlaglichter. 

 

„Verfolgung, Konflikte, Menschenrechtsverletzungen, Umweltkatastrophen – überall auf der Welt werden Menschen nach wie vor gewaltsam vertrieben. Wir alle müssen gemeinsam gerade wegen dieser Herausforderungen weiter alles unternehmen, um die mehr als 100 Millionen entwurzelten Menschen zu unterstützen", so Peter Ruhenstroth-Bauer, Nationaler Direktor der UNO-Flüchtlingshilfe.

 

Afrika

Für Millionen von Menschen, die aufgrund von Konflikten, klimabedingten Ereignissen und politischer Gewalt aus ihrer Heimat am Horn von Afrika – in Somalia, Äthiopien und Kenia –  und in der Region der Großen Seen geflohen sind, werden sich die Aussichten im Jahr 2023 verschlechtern. Der weltweite wirtschaftliche Abschwung, die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der Pandemie sowie die durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen und Dürren werden die bestehenden Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Existenzgrundlage, der Ernährung der Familien und der Ausbildung der Kinder noch verschärfen.

 

Süd- und Mittelamerika

Für das Jahr 2023 wird in Mittel- und Südamerika ebenfalls mit einem Anstieg der Vertreibungen gerechnet, da die Ursachen – Gewalt, Unsicherheit, Ungleichheit und Menschenrechtsverletzungen – fortbestehen. In Honduras ist der Klimawandel zudem ein weiterer Auslöser für Vertreibung. Angesichts der immer stärkeren und häufigeren Wirbelstürme und anderer extremer Wetterereignisse müssen immer mehr Menschen im von Banden heimgesuchten Honduras aus ihren Häusern fliehen.

 

Europa

Im Jahr 2022 hat Europa in Folge des Ukraine-Krieges gezeigt, dass ein fairer und schneller Schutz von Flüchtlingen möglich ist, wenn alle Akteure zusammenarbeiten, Inklusion und Solidarität von Anfang an gefördert werden. Innerhalb der Ukraine wird der Bedarf wahrscheinlich steigen, denn es ist völlig unvorhersehbar, wie der Krieg weitergehen wird. Angesichts des außergewöhnlich hohen Anteils von Frauen und Kindern unter den Flüchtlingen werden Maßnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt, sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch sowie Menschenhandel weiterhin Priorität haben, ebenso wie Maßnahmen zum Schutz von Kindern. Die UNO-Flüchtlingshilfe will gemeinsam mit seinen Unterstützer*innen dazu beitragen, die breite deutsche Solidarität mit den Flüchtlingen aus der Ukraine aufrechtzuerhalten. Die große Empathie gilt allen Flüchtlingen, weltweit.

 

Afghanistan

Das Land geht in ein fünftes Jahrzehnt der Instabilität. Die Taliban höhlen in Afghanistan sukzessive die Menschenrechte aus und verschließen Frauen und Mädchen die Teilhabe am öffentlichen Leben. Mehr als die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ist auf lebensrettende humanitäre Hilfe und Schutz angewiesen. Und der Bedarf wächst: Steigende Temperaturen und Dürreperioden haben die Auswirkungen jahrzehntelanger Konflikte noch verschärft und die Nahrungsmittelknappheit in einem Land mit über 3,5 Millionen Binnenvertriebenen verschlimmert.

 

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) ist in allen Regionen vor Ort, um den Menschen zu helfen, sei es eine medizinische Erstversorgung, Rechtsberatung oder um die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt den UNHCR als nationaler Partner. Gleichzeitig fördert die Nichtregierungsorganisation Projekte in Deutschland, um Geflüchteten eine Perspektive für eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/aktuelles/unterfinanzierung-gefaehrdet-fluechtlingshilfe

 

 


PRESSEMELDUNG DER UNO-FLÜCHTLINGSHILFE 01/2023

Bonn, 05.01.2023

Vorsitz im Repräsentantenhaus

SWP - 5. Januar 2023 - 10:57
Machtkampf im US-Kongress geht weiter
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08.02.2023 | Köpfe und Ideen: Claudia Roth zu Gast in der GIZ

GIZ Event - 4. Januar 2023 - 17:57
Veranstaltungsdatum: Mittwoch, 8. Februar 2023
Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe "Köpfe und Ideen" steht jeweils eine Persönlichkeit, die mit ihrem Lebensweg und ihrer Arbeit neue Impulse setzt.
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Richtig über Traumatisierte berichten

E+Z - 4. Januar 2023 - 17:34
Um Menschen gerecht zu werden, die von Konflikten traumatisiert sind, ist konfliktsensibler Journalismus nötig

Um über traumatisierende Ereignisse zu schreiben, Dokumentationen und Reportagen zu drehen oder Podcasts zu fertigen, bedarf es eines konstruktiven, konfliktsensiblen Journalismus. Das bedeutet für Medienschaffende, sich nicht nur über lokale oder globale Kontexte eines Konflikts und seine Geschichte zu informieren, sondern auch die eigene Haltung zu den Ereignissen zu reflektieren und sich bewusst zu machen, in welchen Machtstrukturen sie selbst agieren. Sie sollten Interviews mit Opfern und Überlebenden sensibel führen. Vor laufender Kamera über die Ermordung des eigenen Kindes zu berichten birgt etwa die Gefahr schwerer Retraumatisierung in sich. Die Mühen psychosozialer Arbeit mit Traumata werden so konterkariert. Zudem können journalistische Praktiken – bewusst oder unbewusst – so zur Anwendung kommen, dass einzelnen Überlebenden in me­diatisierten Öffentlichkeiten die Kontrolle über das persönliche Narrativ genommen wird, was retraumatisierend auf Betroffene zurückwirken kann.

Fortbildungen zu Traumata

Um solche Fehler zu vermeiden, sollten Medienschaffende sich fortwährend darüber informieren und dazu weiterbilden, wie Traumata entstehen und welche Konzepte es für den Umgang mit ihnen gibt. Menschen, die Folter, sexuelle Gewalt, Verfolgung oder Flucht hinter sich haben, sollten beispielsweise nicht primär die erlittene Gewalt ständig und wiederholt schildern. Ihnen sollte stattdessen vermittelt werden, dass sie stark sind: Sie haben die traumatisierenden Ereignisse überlebt. Hier gilt es – auch medial und journalistisch – anzusetzen.

Für konfliktsensiblen Journalismus werden im Rahmen mancher Peacebuilding-Prozesse Schulungen und Trainings angeboten. Um die Rolle von Medienschaffenden bei der Bearbeitung kollektiver Traumata zu stärken, sollten daran allerdings nicht nur jene teilnehmen, die die Berichterstattung vor Ort leisten, sondern auch Chefredaktionen und Geschäftsführung. Die Verantwortlichen müssen für die Finanzierung solcher Fortbildungen sorgen, Zeit dafür einräumen und so ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu motivieren, diese Angebote wahrzunehmen.

Damit sind nicht nur jene gemeint, die in großen Redaktionen und internationalen Medienunternehmen (hoffentlich) ständig thematische und methodische Weiterbildungen zur Verfügung gestellt bekommen, sondern vor allem auch Journalistinnen und Journalisten in lokalen Medien, die, oft auf sich allein gestellt, in abgelegenen Regionen arbeiten. Häufig kommen sie am ehesten in Kontakt mit Überlebenden, denn sie sind nahe dran an jenen betroffenen Gemeinden, in denen massive Gewalttaten stattfanden. Dort also, wo im Nachhinein eine Form gefunden werden muss, mit den kollektiven Traumata gesamtgesellschaftlich umzugehen.

Rousbeh Legatis ist Friedens- und Konfliktforscher. Er berät Organisation zu Friedensprozessen, insbesondere in Lateinamerika.
rousbeh@gmail.com

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Wie traumatisierte Gesellschaften heilen können

E+Z - 4. Januar 2023 - 17:10
Bewaffnete Konflikte zerrütten Gesellschaften – Medien kommt bei der Aufarbeitung eine besondere Rolle zu

Knapp drei Millionen Menschen wurden zwischen 1989 und 2021 weltweit in Kriegen und bewaffneten Konflikten getötet, wie das in Schweden ansässige Uppsala Conflict Data Program (UCDP) berichtet. Wie viele darüber hinaus im Kontext solcher Auseinandersetzungen Gewalt erfuhren und weiterhin erfahren, ist schwer zu beziffern. Selbst relativ kurze Konflikte können zu schweren individuellen und kollektiven Traumata führen, deren Aufarbeitung sich über Jahrzehnte und Generationen hinweg erstreckt.

In Deutschland besteht beispielsweise nach wie vor große Dringlichkeit, das psychosoziale, politische und kulturelle Erbe des Holocaust immer wieder mit neuen Ansätzen und Methoden zu bearbeiten, auch 80 Jahre und drei Generationen nach der zwölfjährigen NS-Herrschaft. Und in Ruanda sind die Bemühungen um eine juristische, psychosoziale und politische Aufarbeitung der Folgen des Genozids von 1994 alles andere als abgeschlossen. Damals wurden in 100 Tagen mindestens 800 000 Angehörige des Tutsi-Volkes ermordet.

Individuelle Traumata sind dabei zu unterscheiden von kollektiven Traumata. Erstere sind psychoemotionale Reaktionen auf ein einschneidendes Erlebnis. Sie können sich als lang anhaltende Wunden in der menschlichen Psyche manifestieren, mit schwerwiegenden körperlichen Auswirkungen. Es ist dabei wichtig, zu differenzieren zwischen dem katastrophalen Ereignis selbst – beispielsweise Krieg, eine Naturkatastrophe oder der Tod eines geliebten Menschen – und dem individuellen Umgang damit. Der kanadische Mediziner Gabor Maté beschrieb dies so: „Trauma ist nicht das Schlimme, das dir passiert, sondern das, was in dir passiert als Ergebnis dessen, was dir widerfahren ist.“

Entstehung kollektiver Traumata

Individuelle Traumata werden häufig jahrelang verschwiegen und verdrängt, sie bedürfen persönlicher Aufarbeitung. Ein kollektives Trauma ist hingegen nicht einfach die Summe individueller Erfahrungen ganzer Bevölkerungsgruppen. Vielmehr formt es sich erst durch die Bedeutung, die ihm gesamtgesellschaftlich verliehen wird, etwa durch Gedenktage, Mahnmale und Rituale, aber auch Storytelling jeglichen Genres. Sie helfen, ein gemeinsames Narrativ zu schaffen, das als Grundlage für weiteres gesellschaftliches Handeln dient, wie der Soziologe Jeffrey Alexander und die Soziologin Elisabeth Butler Breese betonen (in Eyermann et al. 2016).

Medien können vielstimmige Erzählungen sichtbar und einer großen Anzahl an Menschen zugänglich machen. Journalistinnen und Journalisten kommt dabei große Verantwortung zu. Sie entscheiden, welche mediale Bedeutung bestimmte Ereignisse erhalten, und beeinflussen mit ihren Beiträgen die Wahrnehmung aller Beteiligten.

Das beginnt bereits bei der Berichterstattung über Konflikte (Legatis 2015). Hier ist entscheidend, bisher unbeachtete Akteurinnen und Akteure einzubeziehen, um zu Unrecht dominierenden Narrativen über Konflikte entgegenzuwirken. Dies geschieht, indem alternative – wahrhaftige und faktengesicherte – Sichtweisen aufgezeigt werden. Insbesondere müssen benachteiligte Gemeinschaften mit hohen Opferzahlen Raum bekommen, ihre Sicht zu schildern.

Notwendig sind solche Interpretationsangebote, weil sich in längeren gewalttätigen Konflikten die Wahrnehmung der beteiligten Akteurinnen und Akteure verzerren und ihre Sichtweise verengen kann. Dies hat gravierende psychosoziale Folgen für die Bevölkerung und ebenso für die Transformierbarkeit eines Konflikts. Selbst- und Fremdwahrnehmung verhärten, Feindbilder verfestigen sich. Solche Dynamiken von Polarisierung und Hass gilt es aufzubrechen. Das dauert allerdings lange, ist mühsam und für Einzelne durchaus schmerzhaft.

Neue Perspektiven

Nach Massengewalt und systematischen Menschenrechtsverletzungen müssen die betroffenen Menschen Kraft für neue Perspektiven entwickeln. Damit die Transformation in eine Gesellschaft mit friedensfördernden Strukturen gelingt, ist es entscheidend, dass sie sich zukunftsorientierte Formen des Zusammenlebens vorstellen und diese im öffentlichen Diskurs aushandeln können.

Medien tragen zu solchen Peacebuilding-Prozessen bei, wenn sie mit ihrer Themensetzung sowohl politisch Verantwortlichen, als auch Vertreterinnen und Vertretern der Konfliktparteien und der betroffenen Bevölkerung die Möglichkeit eröffnen, eigene Wahrnehmungen und Erklärungsmuster kritisch zu überprüfen. So unterstützen sie den Versuch, sowohl die eigene verhärtete Konfliktidentität als auch die der anderen Seite verständlicher und eventuell einer Veränderung zugänglich zu machen – geht es bei der Bearbeitung kollektiver Traumata doch darum, unterdrückte Diskurse ans Licht zu bringen, konstruktive Kritik herauszuhören und Dialoge zu schaffen, in denen allen relevanten Seiten Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Damit Medien ihren Beitrag dazu leisten können, sind die Qualität ihrer Produkte und ihre Motivation für die Berichterstattung ausschlaggebend. Es wäre naiv, anzunehmen, Medienschaffende verfolgten keine eigenen Agenden und Interessen. Sie nehmen selbst Rollen als politische Akteurinnen und Akteure ein. Zudem unterliegen Medien eigenen Logiken, das heißt, medial aufbereitete Informationen über Konflikte und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge werden anhand journalistischer Praktiken selektiert und geformt, bevor sie beim Publikum ankommen. Medienarbeit muss also immer wieder hinterfragt und auf ihre Legitimität hin überprüft werden – auch von den Journalistinnen und Journalisten selbst (siehe Kasten).

Quellen

Eyerman, R., Alexander, J. C., Butler Brees, E., 2016: Narrating trauma – On the impact of collective suffering. Abington, New York: Routledge.

Legatis, R., 2015: Media-related peacebuilding in processes of conflict transformation. Berghof Foundation.
https://berghof-foundation.org/library/media-related-peacebuilding-in-processes-of-conflict-transformation

Rousbeh Legatis ist Friedens- und Konfliktforscher. Er berät Organisation zu Friedensprozessen, insbesondere in Lateinamerika.
rousbeh@gmail.com

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Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

DIE - 4. Januar 2023 - 15:52

Am 14. Juni 2021 begann für die Entwicklungszusammenarbeit der EU eine neue Ära, denn an diesem Tag trat die Verordnung über das EU-Instrument für Nachbarschaft, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit in Kraft (NDICI – Global Europe). Damit hat die EU ein mehrjähriges Versprechen für mehr Einheitlichkeit und Kohärenz in Bezug auf die Finanzierung ihres auswärtigen Handelns eingelöst (mit Ausnahme der Humanitären Hilfe, die weiterhin separat finanziert wird). Das vergangene Jahr war daher vor allem davon geprägt, neue Verfahren und Prozesse für NDICI – Global Europe auf den Weg zu bringen und die Mittelverteilung für die geographischen und thematischen Prioritäten von NDICI – Global Europe auszuhandeln. Daneben stand die globale Bewältigung der Covid-19-Pandemie und insbesondere die Debatte zur globalen Impfstoffversorgung und Patentrechten im Fokus des Politikfelds. Der Gipfel der Afrikanischen Union (AU) und der Europäischen Union im Februar 2022 drehte sich auch um die von der EU frisch lancierte Global Gateway-Initiative, mit der vor allem Infrastrukturprojekte gefördert werden sollen. Die nur wenige Tage später begonnene russische Invasion in der Ukraine bedeutet auch für die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe der EU eine Zäsur und stellt die Frage nach der Notwendigkeit neuer Prioritätensetzungen und Mittelallokationen.

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Challenge Accepted! Der Kurs für lokales Handeln und globalen Wandel

EINEWELTblabla - 4. Januar 2023 - 10:00

Globale Gerechtigkeit liegt euch am Herzen? Ihr seid bereit, selbst dafür aktiv zu werden und euch eine persönliche Challenge zu setzen? Dann hätten wir da etwas für euch: In dem kostenlosen Kurs Challenge Accepted unterstützt finep euch dabei, eure alltäglichen Gewohnheiten nachhaltiger zu gestalten oder mit Gleichgesinnten eine Aktion auf die Beine zu stellen. Inspiration findet ihr in Expert*innen-Workshops, z. B. zu Konsumkritik und verantwortungsvoller Ernährung. Viele Tipps und Tools helfen dir, loszulegen und dranzubleiben. finep begleitet dich mit individuellem Coaching und Gruppenaustausch und fördert deine Aktion mit bis zu 500 €.

Die Eckdaten: Kurs für alle ab 18 // Auftakt am 24.2.2023 ab 18 Uhr in Heidelberg // ein Wochenendworkshop // Abschlussfest am 7.7.2023 // Anmeldung (bis 9.2.2023) und weitere Infos unter: www.finep.org/anmeldung

Der Beitrag Challenge Accepted! Der Kurs für lokales Handeln und globalen Wandel erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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Starker Rechtsruck in Israel

SWP - 4. Januar 2023 - 9:09
Der Kurswechsel wird zum Problem für die Bundesregierung
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Wie kann die Mobilitätswende an Fahrt aufnehmen?

reset - 4. Januar 2023 - 8:58

Ob mit dem Pkw, der Bahn, dem Schiff oder Flugzeug – sobald Menschen unterwegs sind oder Dinge transportieren, verursacht das fast immer Emissionen. Der Verkehrssektor, aktuell hauptsächlich von fossilen Energieträgern angetrieben, ist der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland und trägt zu rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen bei. Alleine im Jahr 2019 war der Verkehrssektor für rund 164 Millionen Tonnen Treibhausgase verantwortlich – und ist damit der einzige Sektor, der in den vergangenen Jahrzehnten seine Treibhausgasemissionen nicht mindern konnte.

Der Straßenverkehr macht dabei 95 Prozent der Verkehrsemissionen in Deutschland aus, der Autoverkehr wiederum hat daran einen Anteil von rund 60 Prozent. Die hohen CO2-Emissionen befeuern nicht nur massiv die Klimakatastrophe, sondern die nicht enden wollende Lawine aus Autos überflutet Straßen und öffentliche Räume, macht Menschen durch Lärm und Luftverschmutzung krank, zerstört Ökosysteme und verbraucht Unmengen an energieintensiven Ressourcen wie Aluminium, Stahl und Kunststoff.

Die Klimauhr tickt

Nach dem Klimaschutzgesetz müssen die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 85 Millionen CO2 sinken – das bedeutet fast eine Halbierung der Emissionen in den nächsten sieben Jahren. Das Europäische Parlament fordert dagegen eine Senkung der Treibhausgase um 60 Prozent bis 2030 und das Umweltbundesamt empfiehlt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2030 um mindestens 70 Prozent zu mindern. Und von hier darf die Talfahrt der Emissionen nicht abgebremst werden: Die Emissionen müssen bis zum Jahr 2045 auf Null sinken, damit Deutschland – wie im Klimaschutzgesetz festgeschrieben – treibhausgasneutral wird.

Trotzdem ist der Verkehr weiterhin das Schlusslicht beim ohnehin nicht sehr enthusiastischen Klimaschutz der Bundesregierung. Industrie und Politik ignorieren die Notwendigkeit einer fundamentalen Mobilitätswende und fördern weiterhin die Strukturen, die für den größten Teil der Verkehrsemissionen verantwortlich sind.

In der Wissenschaft herrscht weitgehender Konsens, dass die CO2-Emissionen im Verkehr nur durch eine radikale Verkehrsverlagerung gesenkt werden können – und zwar weg vom motorisierten Individualverkehr hin zum Umweltverbund aus öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), Rad- und Fußverkehr.

Gent, Brüssel, Oslo – diese Städte gehen voraus

Die Innenstadt von Gent ist komplett autofrei. Möglich macht das ein Mix aus weitreichenden Maßnahmen: Der motorisierte Verkehr läuft über Schleifen um die Innenstadt herum, am Innenstadtrand darf für maximal 30 Minuten geparkt werden, die Parkhäuser nahe der Innenstadt kosten für 24 Stunden 30 Euro, Carsharing-Autos zahlen dagegen nichts. Kinder bis 15 haben freie Fahrt im ÖPNV, neue breite Radwege und die Fußgängerzone wurden ausgebaut. Transporte innerhalb der Stadt werden per Lastenrad erledigt. Auch wenn nicht alle von Anfang an begeistert waren, ist die Resonanz positiv: Während der Autoanteil von 55 auf 39 Prozent zurückgegangen ist, hat sich der Radverkehr fast verdoppelt. In der Genter Innenstadt kommt es zu deutlich weniger Unfällen und Staus und Vögel sind wieder zu hören.

© Febiyan Dort, wo Autos weichen, entsteht Platz für Fahrräder und Fußgänger*innen, wie hier in Kopenhagen.

Auch andere Städte sind aktiv geworden: In Kopenhagen werden zwei Drittel aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt und Wien verfügt nicht nur über ein gut ausgebautes Netz an Radwegen, sondern auch über einen guten Nahverkehr. Die Bewohner*innen der österreichischen Stadt sind mit dem 365-Euro-Ticket das ganze Jahr mobil, und seit Oktober 2021 landesweit mit der 1.095-Euro-Flatrate. In Tallinn und sogar in ganz Luxemburg sind öffentliche Verkehrsmittel kostenlos. Und nachdem Brüssel, Paris, Helsinki und Oslo vorangeprescht sind, haben sich nun auch deutsche Städte wie Köln und Halle aufgemacht, ihre Innenstädte weitgehend von Autos zu befreien. In all diesen Städten sind Emissionen und Lärmbelastung massiv gesunken und die Stadtbewohner*innen entdecken Straßen und Plätze als öffentliche Räume zum Verweilen und Spielen neu.

Rahmenbedingungen und Hebel für klimaneutrale Mobilität

Bisher sind Beispiele wie diese einzelne Lichtblicke, die auf die Initiative sehr ambitionierter Entscheidungsträger*innen und Initiativen zurück gehen. Eine echte, flächendeckende Mobilitätswende hingegen kann nur gelingen, wenn die aktuellen Rahmenbedingungen geändert werden. Insbesondere braucht es eine Reform des Verkehrsrechts und eine integrierte Verkehrsplanung in Deutschland und Europa.

Eine neue Verkehrsplanung

Im Wesentlichen sichert das aktuelle Straßenverkehrsrecht, dass der motorisierte Individualverkehr sicher und leicht fließt. Der ⁠Klimaschutz⁠ wird dabei nicht berücksichtigt. Damit die verkehrsbedingten CO2-Emissionen runtergehen muss jedoch der Klimaschutz fest verankert und Kommunen mehr Entscheidungsraum gegeben werden, wie sie eine Verkehrswende vor Ort umsetzen. Vor allem darf dem Autoverkehr künftig kein höherer Stellenwert mehr zukommen als der Sicherheit von Rad- und Fußverkehr. Gleichzeitig bedarf es auf Bundesebene einer integrierten Planung der Verkehrsinfrastruktur, die vor allem Infrastrukturen für mehr Klimaschutz berücksichtigt. Dazu gehört auch, die Finanzierungsbedingungen für Straßen, Schienen und Wasserstraßen neu auszurichten und externen ⁠Klima⁠- und Umweltkosten den Infrastrukturnutzenden verursachergerecht anzulasten.

Für einen ambitionierten Klimaschutz im Verkehr sind daneben – wie am Beispiel der Stadt Gent gesehen- eine Mischung aus den fossilen Verkehr einschränkenden und alternative Fortbewegungsarten begünstigende Maßnahmen – sogenannte Push-und-Pull-Maßnahmen – gefragt. Dazu gehört die Elektrifizierung des Verkehrs, der Abbau klimaschädlicher Subventionen – indem zum Beispiel das Dienstwagenprivileg und die Steuervorteile des Luftverkehrs aufgehoben werden-, eine verursachergerechte CO2-Bepreisung, Geschwindigkeitsbegrenzungen, der Ausbau des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene, ein attraktiver ÖPNV insbesondere auch auf dem Land, komfortable und flächendeckende Radwege und die Weiterentwicklung postfossiler Kraftstoffe (vgl. Umweltbundesamt). Wichtig dabei ist, dass dort, wo der Pkw-Verkehr eingeschränkt wird, ein zuverlässiger und umweltfreundlicher Ersatz zur Verfügung steht, um Mobilitätschancen gerecht zu verteilen – und das kann nur mit einer aktiven, zukunftsgewandten Politik gelingen.

Bei der Umsetzung vieler dieser Maßnahmen könnte zudem eine der größten Transformationen unserer Zeit großen Einfluss nehmen: die digitale Transformation.

Digitalisierung kann klimaneutrale Mobilität beschleunigen © Marcus Spiske

Schon heute hat die flächendeckende Verbreitung von Smartphones und mobilem Internet die Grundlage für eine Vielzahl neuer Verkehrsarten und Geschäftsmodelle im Mobilitätsbereich gelegt. Car- und Bikesharing, E-Scooter und -Roller, Taxiplattformen, Mitfahr- und Ridepoolingplattformen weiten das Mobilitätsangebot insbesondere in den Städten extrem aus. Und damit sich Verkehrsteilnehmer*innen auf dem zunehmend komplexer werdenden Mobilitätsmarkt zurecht finden, haben sich in den letzten Jahren parallel dazu neue Mobilitätsplattformen entwickelt. Mit der Idee von «Mobility-as-a-Service» (MaaS) bündeln Unternehmen wie Google Maps, Moovit oder Free Now Sharing-Angebote, Fahrdienste und den ÖPNV, indem die Nutzer*innen über Apps verschiedene Fortbewegungsoptionen angezeigt bekommen und anfallende Kosten direkt begleichen können. Auch viele kommunale Verkehrsunternehmen haben den Bedarf erkannt und bieten mit eigenen Plattformen wie Jelbi in Berlin, Mobil in Dresden oder Switchh in Hamburg MaaS-Plattformen in öffentlicher Trägerschaft an.

Big Data Analytics, prädiktive Algorithmen und Künstliche Intelligenz könnten es zudem in Zukunft erleichtern, mit der Verknüpfung von verschiedensten Daten – Geodaten, Verkehrsdaten, Wetterdaten – den ÖPNV oder Fuß- und Radwege besser an der tatsächlichen Nutzung auszurichten, Verkehrsflüsse zu steuern und flexibel auf Probleme zu reagieren. Doch nicht nur im Personennahverkehr bieten digitale Technologien neue Lösungen; auch die gesamte Logistik kann in Zukunft effizienter – und im besten Fall ressourcenärmer – gestaltet werden, zum Beispiel, indem Kapazitäten durch eine intelligente Planung und Vernetzung ausgeschöpft und Routen optimiert werden.

In einer intelligenten Verkehrsplanung und Vernetzung steckt die Chance, das Auto durch eine komfortable, multimodale Fortbewegung abzulösen. Damit könnte auch aus ökologischer Perspektive die Verknüpfung von Verkehr und Kommunikation immer wichtiger werden. Gleichzeitig bringen neue Lösungen auch neue Herausforderungen mit sich: E-Scooter verwandeln so manchen Gehweg in ein Hindernisparkour, Mobilitätsplattformen in privater Hand schaffen als „Amazon der Mobilität“ weitere Monopole und die Elektromobilität hat mit ihren tonnenschweren Batterien ein Umweltproblem.

In den nächsten Wochen wollen wir mit dem RESET Greenbook „Mobilitätswende – Mit digitalen Lösungen eine klimafreundliche Mobilität gestalten“ einerseits nachhaltig-digitale Lösungen vorstellen, die das Potenzial haben, Fortbewegung und Logistik klimaneutral zu gestalten. Gleichzeitig beleuchten wir neue Herausforderungen einer Mobilität, die sich auf die Digitalisierung stützt und fragen danach, wie die Bereitschaft erhöht werden kann, neue Mobilitätslösungen anzunehmen.

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Weltweit sind die Haushaltszwänge der Regierungen zu eng

E+Z - 3. Januar 2023 - 16:15
Um die Herausforderungen der aktuellen Polykrise zu bewältigen, brauchen Staaten mehr finanziellen Spielraum

Im November trafen sich die Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsnationen auf Bali zum G20-Gipfel. Sie hatten eine gewaltige Agenda, wobei die Verhandlungen dadurch erschwert wurden, dass Russland Mitglied der G20 ist und sein Einmarsch in die Ukraine viele globale Herausforderungen verschärft hat. Der Wirtschaftsprofessor Iwan J. Azis aus Indonesien sagte mir in einem Interview, dass der Gipfel doch eine stärkere Erklärung herausgab, als er erwartet hatte.

Die Inflation ist derzeit ein besonders hartnäckiges Problem. Die Zentralbanken konzentrieren sich auf die Länder, für die sie zuständig sind, achten aber kaum darauf, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen jenseits ihrer Grenzen haben. Wie André de Mello e Souza, ein brasilianischer Wirtschaftswissenschaftler, auf unserer Website ausführt, verschärft der starke Dollar die Schwierigkeiten, mit denen die Regierungen international konfrontiert sind.

Paradigmenwechsel

Eine offensichtliche Möglichkeit, den fiskalischen Spielraum zu vergrößern, besteht darin, mehr Steuern zu erheben. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Selbst Länder mit hohem Einkommen, die einen Großteil des Bruttoinlandsprodukts als Staatseinnahmen verbuchen können, brauchen mehr Geld. In weniger wohlhabenden Ländern ist die Situation noch schwieriger. In den Augen von Professor Praveen Jha von der Jawaharlal Nehru University in Neu-Delhi würde ein internationaler Paradigmenwechsel helfen. Er fordert eine Besteuerung von Einkommen und Vermögen und erläutert auf unser Plattform, warum die Nationalstaatsideologie gescheitert ist.

Der Paradigmenwechsel ist vielleicht sogar schon im Gange. Die einkommensstarken Länder haben in den vergangenen Jahren im Rahmen der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development), eines Clubs reicher Länder, ihre Bemühungen zur Verhinderung von Steuervermeidung und Steuerhinterziehung koordiniert. Außerdem fordern sie seit vielen Jahren, dass die Entwicklungsländer mehr inländische Ressourcen erwirtschaften sollen, was im Wesentlichen eine Erhöhung der Staatseinnahmen bedeutet. Laut dem in Nairobi lebenden Journalisten Alphonce Shiundu hat Kenias neuer Präsident William Ruto die Botschaft gehört. Er hat tatsächlich Maßnahmen ergriffen, um Effizienz und Reichweite des Steuersystems zu erweitern.

Wachsende Schuldenprobleme

Wenn ein Land seine Staatsschulden nicht mehr bedienen kann, reicht eine bessere Steuerpolitik allein nicht aus. Dann ist eine Entlastung nötig, und multilaterales Handeln wird unabdingbar. Die deutsche Bundesregierung befürwortet die Einrichtung eines internationalen Mechanismus für den Umgang mit Staatsinsolvenzen. Im März schrieb Kathrin Berensmann vom German Institute of Development and Sustainability (IDOS) einen Kommentar für uns, in dem sie erörterte, warum ein solcher Mechanismus sinnvoll wäre.

Es darf nie vergessen werden, dass eine übermäßige Staatsverschuldung eine Wirtschaftskrise auslösen oder verschlimmern kann. Die schwächsten Bevölkerungsgruppen sind am stärksten betroffen, darunter vor allem Frauen und Mädchen. Sundus Saleemi, Postdoktorandin am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn, untersuchte die Situation in Pakistan, einem Land mit einer instabilen Regierung, das im vergangenen Sommer ein neues Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigte und von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht wurde.

Bislang gibt es jedoch keinen internationalen Mechanismus für den Umgang mit jedem zahlungsunfähigen Staat. In Situationen, in denen die Schulden eine Volkswirtschaft überfordern, kann die politische Stabilität leiden und die Krise verschärfen. Ein aktuelles Beispiel ist Sri Lanka, wie der Journalist Arjuna Ranawana berichtet.

Ein Problem Sri Lankas besteht darin, dass ein Großteil seiner Schulden von chinesischen Institutionen gehalten wird. Bisher waren sie großzügig, was den Zahlungsaufschub angeht, aber sehr strikt, was Umschuldung und Schuldenerlass betrifft. Sambia ist ein weiteres Land, das eine Umschuldung benötigt, und es wurden diesbezüglich Verhandlungen aufgenommen, an denen auch China beteiligt ist. Daher konnte der IWF der Regierung ein neues Darlehen gewähren. Ohne einen sich abzeichnenden Schuldenerlass wäre das unmöglich gewesen, denn der IWF darf nur dann Geld verleihen, wenn das Schuldnerland realistischerweise mit der Rückzahlung rechnen kann. Peter Mulenga, Chibvalo Zombe und Chrales Chinanda von der Copperbelt University bewerteten das Szenario in Sambia auf www.dandc.eu.

Die Verhandlungen über die Umschuldung wurden in Sambia nur dank des Common Framework for Debt Treatment (CF) der G20 in Gang gesetzt. Der CF wurde Anfang 2020 als Reaktion auf die Corona-Pandemie verabschiedet. Er gilt jedoch nur für Länder mit niedrigem Einkommen, hilft also Ländern mit mittlerem oder hohem Einkommen in Krisensituationen nicht. Der argentinische Wirtschaftswissenschaftler José Siaba Serrate hat Vorschläge zur Verbesserung des Common Framework gemacht.

Die Sicht internationaler Finanzinstitutionen

Aus pragmatischen Gründen hat sich unser kleines Team weitgehend auf Sri Lanka konzentriert, aber auch viele andere Länder sind in Schwierigkeiten. Der World Development Report 2022 der Weltbank beschäftigte sich damit, wie sich die Situation im Zuge der Covid-19-Pandemie verschlechtert hat. Unsere indische Kollegin Roli Mahajan las den Bericht und fasste seine Botschaften im April zusammen.

Auch der IWF hat sich in ähnlicher Weise geäußert und er spielt immer eine wichtige Rolle, ob Niedrigeinkommensland oder nicht. Kristina Rehbein und Malina Stutz bemängeln den Ansatz des IWF. Sie arbeiten für erlassjahr.de, eine deutsche zivilgesellschaftliche Organisation, die sich mit dem Thema Schulden beschäftigt. Sie wiesen auf unserer Plattform darauf hin, dass die Rhetorik des IWF tendenziell progressiver ist als seine tatsächliche Haltung gegenüber einzelnen Ländern.

Wenn der fiskalische Spielraum einer Regierungen nicht ausreicht, können Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden dazu beitragen, dass unverzichtbare Investitionen etwa in den Klimaschutz oder die Anpassung an den Klimawandel dennoch möglich sind. Tatsächlich haben Institutionen aus Asien und Lateinamerika eine Vorreiterrolle übernommen, wenn es darum geht, den Finanzsektor so auszurichten, dass er einen größeren Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Ulrich Volz von der University of London hat in E+Z/D+C dargelegt, was Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden tun können – und sollten.

Die Herausforderungen sind gewaltig. Wir leben in einer Polykrise, und die Regierungen brauchen dringend mehr finanziellen Spielraum. Eine kurze Zusammenfassung dieser Probleme habe ich in meinem Leitartikel für die Dezemberausgabe 2022 unserer digitalen Monatsausgabe geschrieben.

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z/D+C.
euz.editor@dandc.eu

 

 

 

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The impact of urbanisation on political regimes in Africa: A literature review

DIE - 3. Januar 2023 - 11:11

The discussion paper finds that urbanisation does not automatically lead to democratisation, but structures the way citizens relate to the state through settlement patterns, growing pressure on public goods and services, and improved access to education and communication technology. Urban heterogeneity is not a valid predictor for reducing the salience of ethnicity and clientelism. Ethnic identities matter for distributive politics as well as settlement patterns. While urban density facilitates collective accountability demands that often transcend ethnic and clientelist ties, the link between urbanisation and individual accountability relationships with the state is less straightforward. Political subjectivities are shaped by the experience of the limitations of the clientelist system paired with state neglect and unresponsiveness. The reviewed evidence suggests that the force to reckon with is not the middle class, but rather the poor masses. It is not enough for African governments to cater to the elites anymore, as the share of the urban poor becomes too large to ignore.

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Neue Zusammensetzung des US-Kongresses

SWP - 3. Januar 2023 - 9:17
Nach Zwischenwahlen kommt der US-Kongress erstmals zusammen
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Neustart für den Amazonienfonds: Entwicklungsministerium gibt 35 Millionen Euro für Regenwaldschutz in Brasilien frei

SID Blog - 2. Januar 2023 - 13:12
Parlamentarischer Staatssekretär Annen sichert neuer brasilianischer Regierung Unterstützung im Wald-und Klimaschutz zu

Das Entwicklungsministerium hat 35 Millionen Euro für den Amazonienfonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes freigegeben. Das gab Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Entwicklungsministerium (BMZ) Niels Annen in Brasilien bekannt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat der gestern vereidigte Staatspräsident Lula da Silva per Dekret die Steuerungsgremien des Fonds wiedereingesetzt und den Entwaldungsbekämpfungsplan reaktiviert. Damit sind die notwendigen Grundlagen für das deutsche Engagement über den Amazonien-Fonds gelegt. Die Unterstützung des Amazonienfonds und der Schutz des Tropenwalds waren auch Thema in den politischen Gesprächen vor Ort. Annen sicherte der neuen brasilianischen Regierung Unterstützung im Wald- und Klimaschutz zu.

Niels Annen: „Das ist ein guter, kraftvoller Neustart für unsere gemeinsame Arbeit beim Schutz von Klima und Natur. Die neue brasilianische Regierung hat ambitionierte Pläne, den Wald- und Klimaschutz voranzubringen und zugleich benachteiligte Gruppen wie die Indigenen zu stärken. Wir stehen bereit zu unterstützen und zahlen dafür in einem ersten Schritt 35 Millionen Euro in den Amazonienfonds ein. Aber das wird nur der Auftakt sein. Die deutsche Entwicklungspolitik ist aufgrund ihrer jahrzehntelangen Kooperation mit Brasilien gut aufgestellt. Wir können zügig zu den Prioritäten der neuen Regierung liefern: Waldschutz und nachhaltige Waldnutzung gemeinsam mit den lokalen und indigenen Gemeinschaften, erneuerbare Energien oder auch nachhaltige Stadtentwicklung. Wir werden mit der neuen brasilianischen Regierung über Möglichkeiten sprechen, wie wir eine sozial-ökologische Transformation der Volkswirtschaft unterstützen können. Dabei geht es um ambitionierten Klimaschutz und zugleich mehr Wohlstand für die gesamte Bevölkerung Brasiliens."

Ein intakter Amazonas ist für die Eindämmung des Klimawandels und den Erhalt der biologischen Vielfalt auf der Welt unverzichtbar. Zugleich bildet der Wald auch die Lebensgrundlage für viele Menschen. Schnelle Maßnahmen sind nötig, um die drastisch gestiegenen Entwaldungsraten aufzuhalten und den Wald zu schützen. Wichtig ist es, dabei den Schutz des Waldes mit wirtschaftlichen Perspektiven für die lokale Bevölkerung zu verbinden.

Der Amazonienfonds wurde 2008 von der brasilianischen Regierung und der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES ins Leben gerufen, um zusätzliche Mittel für den Schutz des Amazonas zu mobilisieren. Neben dem Hauptgeber Norwegen hat sich Deutschland bereits mit rund 55 Millionen Euro am Fonds beteiligt. Seit der Auflösung der Steuerungsgremien durch die brasilianische Regierung im Jahr 2019 war der Fonds inaktiv. In den Steuerungsgremien waren bis dahin Repräsentanten der Zivilgesellschaft, der Regierung, sowie der Amazonasbundesstaaten vertreten. Bereits gestern, am Tag seiner Amtseinführung, hat Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva die Gremien wieder eingesetzt. Damit ist der Fonds wieder handlungsfähig und kann konkrete Projektvorschläge zum Schutz des Amazonas anstoßen. 

Deutschland und Norwegen haben bereits nach dem Wahlsieg Lulas und den vielversprechenden Ankündigungen zum Waldschutz bekanntgegeben, eine Reaktivierung des Fonds nach Kräften zu unterstützen. Im ersten Schritt gibt nun Deutschland weitere 35 Millionen Euro für den Fonds frei und erhöht somit die deutsche Gesamtbeteiligung am Fond auf rund 90 Millionen Euro.

Der parlamentarische Staatssekretär Annen begleitete Bundespräsident Steinmeier zu den Feierlichkeiten anlässlich der Amtseinführung von Staatspräsident Lula in Brasília. Darüber hinaus wurden erste Gespräche mit der neuen Regierung zu Prioritäten und möglichen Ansatzpunkten für die künftige entwicklungspolitische Zusammenarbeit geführt. Im Anschluss reiste die Delegation nach Manaus. Dort besichtigt sie den Klimamessturm Amazon Tall Tower Observatory, ein deutsch-brasilianisches Forschungsprojekt. Danach besucht die Delegation das Monitoringzentrum des Bundesstaats Amazonas zur Überwachung der Entwaldung.

 

 

 

Emotional and economic hardships

E+Z - 2. Januar 2023 - 11:28
Children born with severe heart conditions do not have a big chance of getting adequate medical treatment in Zimbabwe

Statistics from the Zimbabwean government show that one in every 100 births is a child being born with a congenital heart disease. This means an estimated 4,550 children are born annually with a heart condition.

Zimbabwean heart specialist Reginald Musengi says that these children “may not live up to half a decade if nothing is done to save their lives”. Families of sick children face several challenges ranging from emotional to economic hardships. One example is Bernard Mutambu. From birth, the nine-year-old has battled a severe heart ailment which has forced him to be out of school. The boy suffers with abnormal heart rhythms, shortness of breath and swollen body tissue organs – which are precisely signs of a heart condition.

Bernard’s mother, 30-year-old Linet Mutambu who is a single parent, previously worked as a till operator at a local Harare supermarket but stopped working to care for her son. “I had no choice because I realised he needed my whole attention and I had to quit my job and give him the care,” Linet Mutambu says. The Mutambus now depend on handouts from well-wishers for their survival.

In fact, many more underage Zimbabwean children are battling a similar challenge with several of them being born overweight. These children are contracting illnesses such as diabetes and hypertension. Some children die at birth. Children who survive and live with heart conditions are finding it hard to lead normal active lives. This also bears down on their parents and caretakers who put their lives at a standstill to care for them. They suffer emotional distress, and no safety nets exist to help them cope.

“What pains me is looking after my child whose condition may claim his life. From time to time, Bernard must be admitted in hospital for monitoring by specialist doctors, which is not affordable,” Mutambu laments.

Zimbabwe’s public health-care system has not made things easier for such families. Most children with such conditions must rely on private health-care facilities for attention. These are an expensive option that impoverishes many families. Moreover, many families cannot afford health insurance and therefore beg for money from well-wishers to cover medical bills.

For Mutambu’s son’s heart condition, treatments have had to include medication to lower blood pressure and control heart rate, heart devices, catheter procedures and surgery. But with no access to the critical resources, Mutambu cannot provide the treatment, risking her son’s life.

In 2021, the Zimbabwean government established a paediatric cardiac centre at Mpilo central hospital in Bulawayo, the country’s second largest city, but to date no surgeries have been con­ducted due to shortages of equipment. Non-governmental organisations like Brave Little Hearts try to change the situation for children like Bernard. They petitioned parliament to address challenges faced by young patients of heart ailments.

Jeffrey Moyo is a journalist based in Harare.
moyojeffrey@gmail.com

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Interview: Eine nachhaltige Digitalisierung braucht kooperatives Lobbying von Bits und Bäumen

reset - 2. Januar 2023 - 5:45

Ende letzten Jahres fand die zweite Bits-und-Bäume-Konferenz in Berlin vom 30. September bis 2. Oktober statt. Nach einer sehr erfolgreichen ersten Konferenz 2018 drehte sich auch dieses Mal wieder alles um die Frage, wie eine gerechte und nachhaltige Gestaltung der digitalen Welt aussieht. Ausgerichtet wurde die Konferenz von einem breiten Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und wissenschaftlichen Institutionen.

Friederike Rohde ist für das IÖW Teil des Trägerkreises und hat mit ihrem Kollegen Frieder Schmelzle u.a. das Programm begleitet und die politischen Forderungen, die im Rahmen der Konferenz veröffentlicht wurden, mitentwickelt. Wir haben uns mit ihr auf ein Interview getroffen und uns über die Erfolge der Konferenz und darüber, wie die Zusammenarbeit des daraus entstandenen Netzwerks aufrecht erhalten und mehr Einfluss auf die Politik genommen werden kann, unterhalten.

Friederike Rohde ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Sie promoviert zu den Zukunftsvorstellungen der Digitalisierung im Energiesystem und welche Rolle Nachhaltigkeit dabei spielt und beschäftigt sich u.a. mit dem Themenfeld Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit.

RESET: Die erste Konferenz fand ja 2018 statt, also vor vier Jahren. Was sagst du: Wie hat sich das Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung in den letzten vier Jahren weiterentwickelt?

Friederike: Bei der ersten Konferenz war es im Prinzip eher eine Art Problemanalyse. Also die Frage, was eigentlich die Problematik hinter der Schnittstelle Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist. Denn wir haben ja einerseits einen gesellschaftlichen Prozess der Digitalisierung, der sich durch alle Bereiche zieht. Und wir haben das Ziel, dass unsere Gesellschaft nachhaltiger gestaltet sein soll. Und wie kriegt man diese beiden Dinge in irgendeiner Form in Einklang?

Bei der zweiten Konferenz hat sich gezeigt, dass es mittlerweile viel mehr Erkenntnisse und Aktivitäten zu dem Thema gibt: Wo liegen strukturelle Probleme? Was sind eigentlich die positiven Wirkungen? Was sind die Aspekte, die eher mit Risiko behaftet sind und wo gibt es Überschneidungen zwischen sozialen und ökologischen Aspekten? Das Thema Cookies und Tracking ist ein gutes Beispiel dafür; das erzeugt eben nicht nur Daten und Ressourcenströme, die unnötig sind, sondern ist auch für den Datenschutz problematisch.

Da hat sich wahnsinnig viel weiterentwickelt, zum Beispiel auch, dass man nicht mehr gefragt wird, was Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander zu tun haben, sondern es ist völlig klar, dass sie verknüpft sind. Mittlerweile wird mehr darüber diskutiert, wie man das eigentlich so gestalten kann, dass es tatsächlich in die richtige Richtung geht.

Wie ist dein Fazit der diesjährigen Konferenz? Würdest du sie als einen Erfolg bezeichnen?

Ich würde die Konferenz auf jeden Fall als einen Erfolg bewerten, und zwar vor allem im Hinblick darauf, dass wir verstärkt politische Wirkungen erzielt haben. Ich denke vor allem dadurch, dass wir im Vorfeld im Trägerkreis sehr viel an den politischen Forderungen gearbeitet und diese veröffentlicht haben. Auf der Konferenz haben Akteure aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik dann über diese gemeinsamen Forderungen diskutiert. Das hat die Relevanz des Themas Digitalisierung und Nachhaltigkeit bei politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern noch mal verstärkt.

Aber natürlich hat sich das Thema auch weiterentwickelt und es hat sich – auch im Vergleich zur ersten Konferenz – gezeigt, dass es sehr viel mehr Leute gibt, die tatsächlich an der Schnittstelle von Digitalisierung und Nachhaltigkeit arbeiten.

Digitalisierung zukunftsfähig und nachhaltig gestalten. Politische Forderungen der Bits & Bäume 2022

Anlässlich der Konferenz haben die 13 beteiligten Organisationen aus Umwelt- und Naturschutz, Digitalpolitik, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft einen gemeinsamen Appell veröffentlicht, der sich mit konkreten Forderungen an die Bundesregierung, die Europäische Union und politische Akteure weltweit richtet. Zu den Forderungen gehört, die Digitalisierung stärker in den Dienst der Gesellschaft und des sozialen und ökologischen Wandels zu stellen, anstatt durch explodierenden Energiebedarf, Ressourcenverbrauch und mangelnde Teilhabe vor allem des Globalen Südens existierende Krisen noch weiter zu verschärfen. Hier geben wir einen Überblick über die Forderungen: Digitalisierung muss sozial-ökologischem Wandel dienen

Die gemeinsamen politischen Forderungen zu entwickeln war bestimmt kein leichter Prozess, oder?

Ja, das war ein intensiver Aushandlungsprozess zwischen den verschiedenen Trägerkreisorganisationen. Aber ich fand diesen Prozess sehr produktiv und interessant, denn dabei haben sich die Organisationen des Trägerkreises, die alle sehr unterschiedliche Perspektiven und Ziele haben, wirklich auf einen gemeinsamen Forderungskatalog geeinigt, der sehr detailliert und konkret ist.

Auf der Konferenz haben wir dann versucht, neben Perspektiven aus den Bits & Bäume Communities möglichst viele politische Perspektiven einzubinden und politische Akteure mit unterschiedlichen Hintergründen eingeladen. Aber worum es eben auch ging, und ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt, dass die Zivilgesellschaft eine deutliche, starke Stimme in politischen Prozessen braucht. Und dass man versucht, als Bits-und-Bäume-Bewegung wirklich so eine Art kooperatives Lobbying zu organisieren und zu sagen, dass es bestimmte Zielsetzungen gibt, auf die wir uns geeinigt haben und für die wir uns einsetzen.

Was meinst du, zeigen eure Forderungen und die Konferenz bereits Wirkung?

Im Nachgang der Konferenz ist das Thema auf jeden Fall sehr viel präsenter und der Gesprächsbedarf seitens politischer Akteure ist spürbar gewachsen. Ich denke schon, dass das Thema sehr viel mehr auf der politischen Agenda ist und tatsächlich auch die wichtigen Aspekte diskutiert werden.

Wie soll es weitergehen? Aktuell seid ihr gerade in den Vorbereitungen für eine Publikation, richtig?

Ja, das ist jetzt der Prozess, in den wir gerade sehr stark involviert sind, das Bits-und-Bäume-Journal. In dieser Publikation, die aus der Bits-und-Bäume-Konferenz entsteht, werden sehr viele spannende Beiträge zum Thema sein, auch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Dieses Mal wird sie auf Englisch sein. Dabei geht es darum, auch in größere Räume als nur die deutsche Debatte zu wirken, sowohl auf europäischer Ebene als auch international.

Es geht aber auch darum, als Netzwerk längerfristig zu wirken, oder?

Ja, wir beschäftigen uns gerade intensiv mit der Frage, wie dieses Bündnis, das jetzt entstanden ist und das eine sehr gute und sinnvolle Arbeit leistet, so verstetigt werden kann, dass man längerfristig zusammenarbeitet und dieses kooperative Lobbying auch wirklich wirksam betreiben kann.

Wir wollen uns weiterhin sehr stark in diesem Bündnis engagieren, weil wir der Meinung sind, dass man damit viel erreichen kann. Also, dass die Digitalisierung in Zukunft nachhaltiger gestaltet wird und man mit der geballten Power dieses Bündnisses die strukturellen Veränderungen, die dafür notwendig sind, auch wirklich erreichen kann. Und wir wollen mit unseren politischen Forderungen noch mehr arbeiten und noch gezielter bestimmte Forderungen in politische Prozesse einbringen.

Silke Mayer/ Bits&Bäume Eure politischen Forderungen sind ja sehr umfassend. Kannst du trotzdem Aspekte nennen, auf die ihr euch konzentrieren wollt?

Also, es gibt drei Bereiche, die aus unserer Perspektive am wichtigsten sind. Das eine ist das Thema Geräte und Hardware. Wir haben ja zum Beispiel eine Forderung nach dem Recht auch Geräteneutralität – und das ist eine ziemlich weitreichende und auch umfassende Forderung. Sie löst aber ziemlich viele Probleme, die mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu tun haben, weil der größte ökologische Fußabdruck in den Geräten steckt. Es gibt verschiedenste Studien, die genau zeigen, wie der Energie und Ressourcenverbrauch der Geräte sehr stark zu Buche schlägt und über die Hälfte des gesamten ökologischen Fußabdrucks ausmacht. Im Endeffekt ist es also so, dass wenn ich mir ein fair hergestelltes Handy zulege, dass ich viele Jahre nutze, dann fällt auch zum Beispiel das Streaming nicht so ins Gewicht. Diese Verhältnismäßigkeit zwischen dem, was für ein Energie- und Ressourcenverbrauch in Geräten steckt, das muss man adressieren.

Den zweiten Aspekt, den wir als IÖW wichtig finden, ist das ganze Thema neue Formen des Wirtschaftens, also alternatives Wirtschaften und alternative Plattformen. Ob wir auf eine sozial-ökologische Transformation hinsteuern oder nicht hat sehr viel mit unserer Art und Weise des Wirtschaftens zu tun und inwieweit alternative Formen des Wirtschaftens überhaupt möglich sind. Eine unserer Forderung ist daher auch, dass es rechtssicher möglich sein muss, digital eine Genossenschaft zu gründen, also dass man auch wirklich die Potenziale der Digitalisierung nutzen kann, um alternative Organisationsformen und alternative Wirtschaftsformen zu ermöglichen. Nur so kann man dem ökonomischen Ungleichgewicht, das zwischen großen und kleinen Akteuren entstanden ist, etwas entgegensetzen.

Und das dritte Thema ist die Frage, wer sich eigentlich an Entscheidungsprozessen beteiligt, sowohl an politischen Entscheidungsprozessen, aber auch daran, wie wir die gesellschaftlichen Wirkungen von Technologien bewerten. Es sollte zum Beispiel Gremien geben, in denen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in einem ausgewogenen Verhältnis beteiligt werden und eben nicht so was passiert wie bei der Digitalstrategie. Da hat sich herausgestellt, dass sich bei der Vorbereitung 15 Mal mit der Wirtschaft getroffen wurde, aber nicht einmal mit der Zivilgesellschaft.

Friederike, vielen Dank für das Interview!

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The role of demographic factors in determining the political attitude of Syrian students at Mardin Artuklu university towards the Syrian event

DIE - 30. Dezember 2022 - 15:09

Original language: turkish. English abstract: The Syrian event formed a social laboratory that can test various theories of social sciences. Given the intensity of the conflict and the depth of the fluctuations and changes created, there are clear horizontal and vertical divisions and overlapping of the Syrian society's political attitudes towards what is happening. The importance of demographic factors in this regard was remarkable, which is an opportunity to study the factors that determine the political attitude and highlight the demographic factors. Due to the special circumstances of Syria and the difficulty of reaching all segments of society, we chose to study the political attitude of the Syrian students at Mardin Artuklu University. We distributed a questionnaire on a random sample and 212 could be accepted. After carrying out the statistical analysis of the data it was found that the most important demographic factors contributing to determining the age of political attitude, Where the older segments of the youth tended to opposition mood, and the ethnic factor, where it was found that Arabs have an attitude closer to the opposition mood compared to Kurds. While there was no significant effect on the factors such as religion, financial situation and gender

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