Sie sind hier

Ticker

Ein starkes Trio im Kampf gegen Scheidenfisteln

DSW - 27. Mai 2019 - 10:30

Es lebt eine Frau am Dorfrand. Sie ist noch jung, aber ihr Blick ist müde und scheu. Im Dorf meidet man sie. Früher sei sie ein fröhliches Mädchen gewesen, erzählt man sich, doch dann verheirateten ihre Eltern sie an einen älteren Mann. Von da an kümmerte sie sich um seinen Haushalt, sie brach die Schule ab und wurde schwanger. Vor Ort gab es keine ärztliche Versorgung und so kam das Baby nach tagelangen Wehen tot zur Welt. Kurze Zeit später begann die Inkontinenz. Als klar wurde, dass der ständige Fluss von Urin nicht enden würde, ging ihr Ehemann eines Nachts aus dem Haus und kam nicht mehr zurück. Nun lebt sie allein und zurückgezogen in einer kleinen Hütte. Arbeit will ihr niemand geben, vielleicht wegen des Geruchs, vielleicht weil Manche glauben, es läge ein Fluch Gottes auf ihr.

Doch es ist kein Fluch Gottes, sondern eine innere Verletzung mit dramatischen Folgen, unter der weltweit mehr als zwei Millionen Frauen leiden. Und sie hat einen Namen: Scheidenfistel.

Innere Verletzung mit dramatischen Folgen

Eine Scheidenfistel kann entstehen, wenn der Körper der werdenden Mutter noch nicht bereit für eine Geburt ist. Bei sehr jungen Frauen und solchen, die mangelernährt sind, ist das Becken oft zu schmal, sodass das Baby im Geburtskanal steckenbleibt. Ohne professionelle Hilfe kann eine solche Geburt tagelang andauern. Dabei wird Blutzufuhr zu manchen Bereichen des Gewebes unterbrochen und es stirbt ab. Ein Durchbruch zwischen Vagina und Blase, und manchmal sogar Darm, entsteht und die Betroffene kann ihre Ausscheidungen nicht mehr kontrollieren. Ihr Kind überlebt diese Qualen nur selten.

Die Fistel an sich ist relativ leicht zu beheben. Die Operation hat eine über 90 prozentige Aussicht auf Erfolg. Doch das wissen die betroffenen Frauen meist nicht. Während Scheidenfisteln bis ins 19. Jahrhundert auch in Industrienationen häufig vorkamen, treten sie heute eigentlich nur noch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf – und besonders häufig in Afrika.

In Äthiopien zum Beispiel, wo Gesundheits- und Bildungssysteme schwach, und ländliche Regionen schwer erreichbar sind, weil nur wenige asphaltierte Straßen die ausgedehnten Landstriche durchkreuzen, kommen auch heute noch jedes Jahr mehrere tausend Fälle hinzu. Mädchen leiden hier häufig unter Mangelernährung und werden noch als Kinder verheiratet. Ihre Männer „die Ehe vollziehen“ und die zu junge Ehefrau wird schwanger. Bereits jetzt lebt sie in einem Zustand völliger Entmachtung, darf nicht über ihr Leben und ihren Körper bestimmen und selbst die intime Entscheidung der Familiengründung ist schon getroffen – und zwar ohne ihre Mitsprache.

Doch mit der qualvollen Geburt verändert sich ihr Leben ein weiteres Mal. Mädchen und Frauen mit einer Scheidenfistel werden ausgestoßen und isoliert. Hierfür gibt es komplexe und kulturell bedingte Gründe, wie zum Beispiel der Druck, der auf Frauen lastet, ihre Fruchtbarkeit unter Beweis zu stellen, oder die Stigmatisierung des „Scheiterns“ als Frau, wenn sie kein gesundes Kind zur Welt bringen kann. Der Hauptgrund für die Isolation ist jedoch der grausamste und einfachste zugleich: Die Frauen stinken.

Genau diese Isolation ist es, die es so schwer macht, die Betroffenen überhaupt zu finden.

Das neue Leben von Abebech Gashu

Scheidenfisteln sind nicht nur heilbar. Sie sind vor allem vermeidbar. Abebech Gashu, die heute 30 Jahre alt ist, musste erst jahrelanges Leid ertragen, bevor sie erfuhr, dass es nicht ihre Schuld war. Was hätte aus ihr werden können, wenn sie nicht mit elf Jahren zum ersten Mal verheiratet worden wäre? Welche Chance auf Glück wurde ihr verwehrt, weil sie zwei weitere Ehen ertragen musste und wer wären ihre Kinder, hätten sie bei der Geburt überlebt?

„Ich wusste für eine lange Zeit, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmte. Ich litt, weil ich meine Blase nicht kontrollieren konnte und weil ich meine Kinder verlor, noch bevor sie geboren waren. Heute weiß ich, dass ich gesunde Kinder bekommen kann. Doch damals war ich zu jung“, sagt Abebech und schaut zu ihrer zweijährigen Tochter hinüber. „Ohne diese Gruppe von Mädchen, die unser Dorf besuchten, hätte ich das vielleicht nie erfahren.“

Abebech war eine der Patientinnen, die von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in ein Krankenhaus gebracht wurde, das auf die Behandlung von Scheidenfisteln spezialisiert ist: Das Hamlin Krankenhaus in Bahir Dar, der Bezirkshauptstadt der nördlich gelegenen Amhara-Region. Dort stellte die DSW sicher, dass Abebech operiert und versorgt wurde. Nach den Rehabilitationsmaßnahmen ermöglichte die DSW ihr eine kleine Weiterbildung, bei der sie lernte, wie sie sich mit einem Geschäft selbstständig machen konnte. Außerdem bekam sie einen Mikrokredit der DSW, der ihr bei der Gründung half. So startete Abebech in ihr neues Leben.

Doch wer waren die Mädchen, die Abebech ausfindig gemacht hatten?

In der abgelegenen Amhara-Region im Norden von Äthiopien liegt der Ort Gish Abay, wo der blaue Nil entspringt. Hier leben die jungen Frauen Tigist, Birtukan und Eden. Sie leiten den örtlichen Mädchenklub der DSW.

Einige dutzend dieser Jugendklubs, zu denen sich in Äthiopien vor allem oft Mädchen zusammenschließen, hat die DSW über die Jahre in der Amhara-Region gegründet. Sie sind Anlaufstellen für junge Menschen, die Fragen zu Aufklärung und sexueller Gesundheit haben, die einer Frühverheiratung entgehen wollen oder sich gemeinsam mit anderen für Mädchenrechte engagieren möchten. Diese Klubs organisieren auch Fahrten in benachbarte Dörfer, wo sie über Scheidenfisteln aufklären, Informationsmaterial bereitstellen und bei der traditionellen Kaffeezeremonie mit den Menschen über schädliche traditionelle Praktiken wie Frühverheiratungen diskutieren. Dabei hören sie sich um und stellen Fragen, um herauszufinden, ob es im Dorf eine Frau mit einer Scheidenfistel geben könnte. Wenn sie eine Vermutung haben, übernimmt das Personal der DSW und ermöglicht die Operation, finanziert auch die Nachsorge und hilft bei der Rückkehr in die Gesellschaft.

Ein starkes Trio im Kampf gegen Scheidenfisteln

Eine der Hauptursachen für Scheidenfisteln ist eine zu frühe und zumeist auch ungewollte Schwangerschaft. Diese kann das Resultat von Gewalt sein, aber auch von einvernehmlichem, aber ungeschütztem Sex. „Junge Menschen wissen oft gar nichts über Verhütung und niemand erklärt es ihnen – wie sollen sie sich da schützen oder gute Entscheidungen treffen?“, sagt Tigist. „Wir wollen aber auch, dass Mädchen Nein sagen, wenn sie den Sex nicht wollen“, ergänzt ihre Freundin Eden. „Wir ermutigen sie dazu, denn es ist ihr gutes Recht, ‚Nein‘ zu sagen. Genauso wichtig ist es aber, dass ihr Umfeld sie dabei unterstützt. Die Erwachsenen, also die Eltern, ihre Lehrer und letztendlich auch die Gemeindeführer müssen die jungen Mädchen dabei unterstützen, ihre Rechte wahrzunehmen.” Genau aus diesem Grund sprechen die Jugendlichen aus den Klubs nicht nur mit Gleichaltrigen, sondern werben in ihren Gemeinden für ein Umdenken.

Frühverheiratungen zu beenden und diese verheerenden Geburtsverletzungen zu verhindern, das ist der große Traum der drei Mädchen, die sich neben der Schule ehrenamtlich für den Klub engagieren. Birtukan zögert keine Sekunde bei der Frage, wieso sie so viel Zeit und Energie darauf verwendet, anderen zu helfen: „Das schönste an unserer Arbeit ist eigentlich, dass wir Frauen ein neues Leben ermöglichen können. Denn wenn wir eine Frau mit einer Scheidenfistel ausfindig gemacht haben, können wir uns ganz sicher sein, dass sie nach der medizinischen Behandlung auch wirklich geheilt ist. Auch wenn der Moment wunderschön ist, die Frau zurück im Leben zu sehen, macht es mich auch traurig: Wie viel Leid hätte ihr erspart bleiben können?“

 

Der Beitrag Ein starkes Trio im Kampf gegen Scheidenfisteln erschien zuerst auf DSW.

Kategorien: Ticker

Benefiz-Auktion II „Kunst gegen Hunger“ bringt Erlös von 236.600 Euro

Welthungerhilfe - 27. Mai 2019 - 9:00
Die Kunstauktion von ARTGATE Consulting und dem Düsseldorfer Freundeskreis der Welthungerhilfe in der Neusser Langen Foundation war ein voller Erfolg. 45 Werke namhafter Künstler und Galerien kamen am 24. Mai unter den Hammer und brachten 236.600 Euro für ein Projekt der Welthungerhilfe im Sudan. Unter den 224 Gästen waren zahlreiche Prominente wie die Schauspielerinnen Gesine Cukrowski und Ann-Kathrin Kramer, Ferdinand und Narcisa Oetker, Elena von Metzler und Vincent Steigenberger, Sabine Langen-Crasemann sowie der Jazz-Musiker Till Brönner und Kontrabassist Christian von Kaphengst, die für ein stimmungsvolles Rahmenprogramm sorgten.
Kategorien: Ticker

KMK: Stellenausschreibung | Sachbearbeitung (m/w/d) zur Bewertung iranischer und afghanischer Hochschulabschlüsse

Bonn - 27. Mai 2019 - 8:17
Beim Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland ist in der Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen (ZAB) am Dienstort Bonn ab sofort die nachstehend aufgeführte Vollzeitstelle zu besetzen: Sachbearbeitung (m/w/d) zur Bewertung iranischer und afghanischer Hochschulabschlüsse mit 100% der Wochenarbeitszeit (39,4 Stunden). Die Stelle ist auf ein Jahr befristet. Die ZAB ist im Auftrag der […]
Kategorien: Ticker

Pole wieder einfrieren, Ozeane begrünen: Radikale Methoden gegen den Klimawandel

reset - 27. Mai 2019 - 7:45
Extreme Methoden für extreme Probleme: Eine neue Forschungsstelle in UK erforscht radikale Lösungen für den Klimawandel.
Kategorien: Ticker

Süd-Süd Kooperation und das UN-Entwicklungssystem

DIE Blog - 27. Mai 2019 - 4:55

Photo: Silke Weinlich

Die Entwicklung der Vereinten Nationen (VN) und vieler Staaten des „globalen Südens“ und ihrer Anliegen ist historisch eng verzahnt. Wie stellt sich das Verhältnis zwischen dem VN-Entwicklungssystem und Süd-Süd-Kooperation dar? Was ändert sich durch die Intensivierung der Zusammenarbeit innerhalb des globalen Südens und seiner stärkeren Wirtschaftsmacht? Am 25. April 2019 fand in New York am Sitz der Vereinten Nationen eine Diskussionsveranstaltung statt, die dieser Frage auch im Lichte der Ergebnisse der jüngsten Konferenz von Buenos Aires zu Süd-Süd-Kooperation nachging. In der von der International Studies Association und UN Academic Impact organisierten Veranstaltung beklagten Silke Weinlich (DIE) und Paulo Esteves (BRICS Policy Center und Mitglied des Managing Global Governance Netzwerkes) die schwache Multilateralisierung von Süd-Süd Kooperation. Sie plädierten für eine stärkere Aktualisierung der Leitlinien von Süd-Süd Kooperation auch hinsichtlich in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verankerten Prinzipien.

Der Beitrag Süd-Süd Kooperation und das UN-Entwicklungssystem erschien zuerst auf International Development Blog.

Neues von SDSN Germany

DIE Blog - 27. Mai 2019 - 4:49

In Kooperation mit adelphi und dem Auswärtigen Amt organisierte SDSN Germany am 30. April eine Paneldiskussion in Berlin. Anlass war die Veröffentlichung der neuen Studie von adelphi unter dem Titel „Driving Transformative Change: Foreign Affairs and the 2030 Agenda“. Die Umsetzung der  Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung kann Konflikten vorbeugen und zur Wahrung globaler Stabilität beitragen. Außenpolitik spielt dabei eine entscheidende Rolle, wie die neue Studie von adelphi zeigt. Bei der Paneldiskussion im Auswärtigen Amt debattierten Susanne Baumann (AA), Oli Brown (Chatham House), Fatima Denton (UNU), Adolf Kloke-Lesch (SDSN Germany), David Steven (New York University) und Verónica Tomei (Rat für Nachhaltige Entwicklung) mit Expertinnen und Experten aus Außen- und Entwicklungspolitik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft.

Am 21. Mai fand in Berlin statt ein von Engagement Global, Germanwatch, adelphi und SDSN Germany ko-veranstaltete Fachworkshop „Populismus und Nachhaltigkeit“ statt. Nach kurzen Inputs von Vertreterinnen und Vertretern aus dem Netzwerk gaben Bernd Sommer (Universität Flensburg), Christine Hackenesch (DIE), Dennis Eversberg (Universität Jena) und Beate Küpper (Hochschule Niederrhein) Impulse aus der Wissenschaft. Die Teilnehmenden diskutierten den Themenkomplex in einem interdisziplinären Setting und identifizierten mögliche Handlungsfelder und Forschungslücken.

Am 23. Mai 2019 fand der „Beirätedialog 2019: Wird Zukunft beraten schwerer?“ in der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften statt. Dieser beriet über die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sowie die Agenda 2030 als Bezugsrahmen für ein weiteres Zusammenwirken. Vertreterinnen und Vertreter der wissenschaftlichen Beiräte der Bundesregierung und unterschiedlichen Bundesministerien diskutierten über die Herausforderungen für politisches Handeln. Die Teilnehmenden sammelten Innovationen und Impulse für eine zukunftsorientierte Politikberatung durch die Wissenschaft unter veränderten Rahmenbedingungen. Anschließend beleuchteten unterschiedliche Stakeholder die transformative Kraft der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aus ihren jeweiligen Perspektiven und identifizierten konkrete Fahrpläne, um diese zu stärken. SDSN Germany ist Co-Chair der Deutschen Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit Agenda 2030, welche den Beirätedialog koordiniert. Die Geschäftsstelle des SDSN Germany ist am DIE angesiedelt.

Der Beitrag Neues von SDSN Germany erschien zuerst auf International Development Blog.

Anna Schwachula erhält Campus Preis

DIE Blog - 27. Mai 2019 - 4:29

Anna Schwachula, wissenschaftliche Mitarbeiterin in Programm Inter- und transnationale Zusammenarbeit mit dem globalen Süden, hat den Campus Preis der Universität Bremen erhalten. Der Campus Preis zeichnet herausragende, auf dem Bremer Campus erstellte Abschlussarbeiten aus, die sich thematisch der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, dem Schutz der Umwelt, des Klimas und der Meere widmen. Die Jury zeichnete Anna Schwachula für ihre Doktorarbeit aus, in der sie deutsche Wissenschaftspolitik im Bereich Nachhaltigkeitsforschung, insbesondere die Kooperation zwischen Deutschland und Entwicklungs- oder Schwellenländern, analysiert. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist Südamerika. Basierend auf qualitativen empirischen Daten fragt die Sozialwissenschaftlerin nach der inhaltlichen Ausrichtung der Förderpolitik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und deren Orientierung an Nachhaltigkeitszielen, nach Entscheidungsgrundlagen, beteiligten Personen sowie Auswirkungen der Politik.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Der Beitrag Anna Schwachula erhält Campus Preis erschien zuerst auf International Development Blog.

Extraterritoriale US-Sanktionen

SWP - 27. Mai 2019 - 0:00

Die unilateralen Sanktionen der Vereinigten Staaten beeinträchtigen natürliche und juristische Personen überall auf der Welt. Bei dem Versuch, in der EU ansässige Unter­nehmen vor den nachteiligen Wirkungen dieser Sanktionen zu schützen, haben sich außenpolitische Entscheidungsträger in Europa hilflos gezeigt. Um diesem Ziel zumin­dest mittelfristig näher zu kommen, sollten sich die Europäer nicht allein auf das Streben nach mehr strategischer Autonomie verlassen, sondern vorhandene Einfluss­kanäle besser nutzen. Eine Möglichkeit bestünde darin, europäische Unter­nehmen diplomatisch und finanziell dabei zu unterstützen, vor US-Gerichten die Administration beim Vollzug nationaler Gesetze außerhalb der eigenen Landes­grenzen einzuschränken.

Kategorien: Ticker

Seiten

SID Hamburg Aggregator – Ticker abonnieren