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Der Preis für Entwicklung

E+Z - 17. August 2020 - 12:40
Wenn Menschen für große Entwicklungsprojekte vertrieben werden, sind Trauma und Verarmung langanhaltend

Groß angelegte Entwicklungsprojekte wie Staudämme, Kraftwerke, Bergwerke und Transportkorridore sollen ganzen Volkswirtschaften zugutekommen. Es gibt jedoch zahlreiche Belege dafür, dass schutzbedürftige Gemeinden dafür einen hohen Preis zahlen.

Vertreibung bedeutet unsägliches Leid, Verarmung und die Zerstörung ganzer Gemeinschaften. Obwohl die Bank seit Jahrzehnten verspricht, die Auswirkungen auf Vertriebene zu minimieren, setzt sich die Enteignung fort.

Große Infrastrukturprojekte erfordern viel Land. Selbst für harmlos klingende Projekte wie die Modernisierung städtischer Armenviertel, die Anpflanzung von Wäldern zur Aufnahme von Kohlenstoff und die Schaffung von Schutzgebieten für Biodiversität werden große Landflächen gebraucht. Meist leben dort bereits Menschen, deren Lebensunterhalt vom Land abhängt. Unter Vertreibung leiden Frauen, Kinder und indigene Völker unverhältnismäßig stark. Ihre Armut wird verschlimmert, nicht gemindert.

Die Gesamtzahl der von Entwicklungsprojekten vertriebenen Menschen – ob von der Weltbank unterstützt oder nicht – ist nicht bekannt. Verlässliche Statistiken zu diesem Thema werden nicht erstellt. Meist wird eine Schätzung von 15 Millionen Menschen pro Jahr zitiert. Michael Cernea, Entwicklungssoziologe und führender Forscher zum Thema Zwangsumsiedlung, lieferte diese Zahl 2007 in seiner Analyse „Can compensation prevent impoverishment?“.

Cernea verfasste den ersten Maßnahmenkatalog der Bank zur Entschädigung von Opfern unfreiwilliger Umsiedlungen, der 1980 verabschiedet wurde. Er fordert, Umsiedlungen möglichst zu vermeiden, und verlangt, dass Menschen danach nicht schlechter gestellt werden (siehe meinen Beitrag im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2017/07).

Zwangsumsiedlungen und Räumungen, die kaum kompensiert werden, sowie die Androhung solcher Räumungen geschehen jedoch trotz massiver Proteste weiter. Entlang des indischen Narmada-Flusses beispielsweise gibt es seit über 30 Jahren Proteste gegen Staudämme, die ganze Dörfer überfluten würden.

Angesichts der Proteste setzte die Weltbank eine Kommission ein, die ihre Beteiligung an den Narmada-Staudämmen untersuchte. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Bank gegen ihre eigene Politik zu Zwangsumsiedlungen verstieß. 1993 wurde der Inspektionsausschuss der Bank eingesetzt, der Beschwerden im Zusammenhang mit Weltbankprojekten untersuchen soll. Laut einem Bericht des Ausschusses von 2016 betrafen mehr als zwei Drittel der Beschwerden unfreiwillige Umsiedlungen.

Diese Beschwerden sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Auswirkungen von Vertreibungen sind nach wie vor schlecht dokumentiert. Massive Machtungleichgewichte sowie Unterdrückung, große Entfernungen und Erschöpfung, die durch den täglichen Kampf ums Überleben verursacht werden, machen Protest schwierig und gefährlich.

2015 schätzte das International Consortium of Investigative Journalists, dass von 2004 bis 2013 in den von der Weltbank unterstützten Projekten 3,4 Millionen Menschen physisch oder wirtschaftlich vertrieben wurden. Die Bank versäumte nicht nur, Vertriebene angemessen zu entschädigen, sie wusste auch nicht über ihren Verbleib Bescheid.

Seither hat die Weltbank die Verantwortung für die Einhaltung der Sozial- und Umweltstandards ihrer Projekte verstärkt auf die Kreditnehmer verlagert. Erfahrungsgemäß verbessert sich die Situation dadurch kaum. Regierungen von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind tendenziell bereit, das Wohlergehen marginalisierter Gemeinschaften zugunsten von „Entwicklung“ zu opfern.

Als die UN ihre Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung auf den Weg brachten, versprachen sie, dass „niemand zurückgelassen wird“. Null Toleranz für Projekte, die Menschen ohne angemessene Entschädigung umsiedeln, wäre ein guter Anfang.

Link
International Consortium of Investigative Journalists:
https://www.icij.org/investigations/world-bank/how-world-bank-broke-its-promise-protect-poor/

Korinna Horta ist eine unabhängige Wissenschaftlerin und Forscherin an der Universität von Lissabon.
korinna.horta@gmail.com

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Untragbarer westlicher Exzeptionalismus

E+Z - 17. August 2020 - 11:20
Westeuropa und Nordamerika können aus Umweltgründen keine Entwicklungsmodelle sein

Der Begriff „Entwicklung“ hat eine lange und problembeladene Geschichte. Vor dem Ersten Weltkrieg behaupteten die Kolonialmächte, Zivilisation in die von ihnen kontrollierten Regionen zu bringen und sie „zu entwickeln“. Als Modell für eine erfolgreiche Entwicklung diente der Westen. Ziel war es, wirtschaftliches Wachstum und – nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – repräsentative Demokratie zu fördern. Das Versprechen lautete, dass die westliche Lebensweise nicht nur wünschenswert, sondern auch erreichbar sei. Das ist ein Mythos, wie der brasilianische Ökonom Celso Furtado schon vor langer Zeit betonte. Dennoch klammern sich sowohl bilaterale als auch multilaterale Hilfsorganisationen immer noch daran.

In Wahrheit werden „Entwicklungsländer“ nie denselben Lebensstandard wie „entwickelte Länder“ erreichen. Das liegt nicht an ethnischen, kulturellen oder institutionellen Unterschieden. Ein Aufholen ist unmöglich, weil die wirtschaftliche Entwicklung Westeuropas und Nordamerikas schon immer auf „ökologischem Exzeptionalismus“ beruhte. Das ist weiterhin so und kann nicht einfach überall reproduziert werden.

Seit dem Beginn der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert hat Westeuropa beträchtliche materielle Fortschritte gemacht. Lange war es das Zentrum des Weltsystems, bis es nach dem Zweiten Weltkrieg die Führung an Nordamerika übergab. Für die Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika würde das Erreichen des Lebensstandards, den ein durchschnittlicher Europäer oder Nordamerikaner genießt, ein ähnliches Maß an Konsum bedeuten – oder genauer gesagt: Verschwendung globaler Ressourcen. Das ist schlicht unmöglich. Wenn alle Bewohner der Erde so viel konsumieren würden wie ein durchschnittlicher EU-Einwohner, brauchten wir 2,8 Planeten, stellte der WWF 2019 fest. Wir haben aber nur einen. Nach Angaben der internationalen Umweltschutzorganisation beherbergt die EU nur sieben Prozent der Weltbevölkerung, verbraucht aber fast 20 Prozent der Biokapazität des Planeten.

Bedeutet die Unmöglichkeit des Aufholens, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung zu einem Leben in Armut und unter der Last der Ungleichheit verdammt ist? Nein, ganz und gar nicht. Die angemessene Schlussfolgerung ist, dass der ökologische Exzeptionalismus der westlichen Zivilisation nicht tragfähig ist. Er kann nicht das Modell für den Rest der Welt sein.

Es wird nicht einfach sein, die Idee von Entwicklung vom Materialismus zu befreien. Es muss mehr getan werden, als nur politisch korrekte Adjektive wie „nachhaltig“, „inklusiv“ oder „armutsorientiert“ zum Substantiv „Entwicklung“ hinzuzufügen.

Das heißt nicht, dass wir die Leitprinzipien der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) fallenlassen sollten. Sie beinhalten, „niemanden zurückzulassen“, „den Hunger zu beenden“ und „öffentliche Gesundheit zu sichern“. Sie sind gültig, aber nichts davon kann erreicht werden, wenn man jedes Land in so etwas wie Deutschland, Frankreich oder die USA verwandelt.

Die Idee von Entwicklung muss entwestlicht werden. Wir brauchen eine andere Zivilisation. Sie muss auf dem vernünftigen Management von Umweltressourcen, Solidarität zwischen den Völkern der Welt und – was am wichtigsten ist – auf der Gleichheit aller Menschen beruhen. Trotz der drängenden Herausforderung des Klimawandels sind die Anfänge einer solchen politisch-ethischen Revolution auf der ganzen Welt sichtbar. Es ist ermutigend zu sehen, wie die Statuen, die das Vermächtnis der Sklavenhändler und imperialistischen Unterdrücker feiern, in vielen Ländern, insbesondere in Westeuropa und Nordamerika, fallen.

Ndongo Samba Sylla ist Programm- und Forschungsleiter im Westafrika-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dakar.
Twitter: @nssylla

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Immigration from Fragile Countries and Crime Rates in Italy: An Analysis with Province-Level Data

GIGA Event - 17. August 2020 - 11:01
Lecture by Dr. Michael Henry | Online event Online event GIGA Seminar in Socio-Economics Referent*innen [Dr. Michael Henry](https://www.birmingham.ac.uk/staff/profiles/business/henry-michael.aspx) is senior lecturer at the University of Birmingham Forschungsschwerpunkte Wachstum und Entwicklung Anmeldung erforderlich

UNU-EHS | Policy Brief: COVID-19 and People on the Move

Bonn - 17. August 2020 - 10:00
COVID-19 leaves few lives and places untouched. But its impact is harshest for those groups who were already in vulnerable situations before the crisis. This is particularly true for many people on the move, such as migrants in irregular situations, migrant workers with precarious livelihoods, or working in the informal economy, victims of trafficking in […]
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Wie die internationale Gemeinschaft den Neubeginn im Libanon unterstützen kann

DIE - 17. August 2020 - 10:00

Der Libanon darf nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut nicht scheitern. Soweit sind sich die Menschen im Libanon und auch die Internationale Gemeinschaft einig. Diese Eintracht hat viele Gründe: Die Libanes*innen wollen endlich einen funktionierenden Staat anstatt ein Land, in dem Müllabfuhr und Sicherheit fehlen. Das Land hat über eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Libanon ist zudem Drehscheibe und regionaler Stützpunkt für viele Unterstützungsmaßnahmen und internationale Hilfsorganisationen.

Der Abtritt der Regierung signalisiert allerdings keinen Neustart und eine politische Erneuerung wird nicht automatisch erfolgen. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1943 haben die bisherigen Regierungen den Staat vor allem als Beute betrachtet. Bereits in der Verfassung des Landes wurde das konfessionelle Proporzsystem zementiert, das trotz seiner Bezeichnung als „Nationalpakt“ verhindert hat, dass eine am nationalen Ganzen orientierte politische Klasse entsteht. Das konfessionelle System, das mit der Machtteilung nach dem Bürgerkrieg zwischen Sunnit*innen, Schiit*innen und Christ*innen den Frieden sicherte, hat sich immer weiter ausdifferenziert – zugunsten einer Klientelpolitik und erheblicher wirtschaftlicher und politischer Korruption.

Es ist ein Dilemma: Einerseits benötigt internationale Wiederaufbauhilfe legitime, staatliche Partner. Das gilt gerade, wenn es darum geht, nachhaltige Strukturen aufzubauen, wie die libanesischen Demonstrant*innen ja nicht erst seit der Katastrophe in Beirut fordern. Schon, um einen Kreditvertrag mit den internationalen Finanzinstitutionen für Wiederaufbauhilfe zu unterzeichnen, bedarf es einer nationalen Regierung, die pro forma hierfür die Verantwortung übernimmt.

Andererseits: Je größer die Unterstützungszusagen der Internationalen Gemeinschaft für den Libanon werden, desto größer wird, zusammen mit der nicht zu vernachlässigenden Wirtschaftsleistung des Landes, der zu verteilende Kuchen für die politische Führung. Wie schon in den Jahren zuvor ist zu befürchten, dass die konfessionellen Führungen sich nur zusammenraufen, um Neuwahlen zu erreichen und eine weitere Technokraten-Regierung einzusetzen. Außenminister Maaß hat richtigerweise bei seinem Besuch zum Kriterium für die staatliche Wiederaufbauhilfe erhoben, dass die politische Führung die Anliegen der Bevölkerung endlich ernstnimmt.

Die Katastrophe bietet gleichwohl auch eine Reformgelegenheit für das Land. Dabei ist vorsichtiges Handeln geboten. Zum Beispiel könnte die Verantwortung für die soziale Grundsicherung im Land von den Konfessionsgruppen – und voraussichtlich gegen ihren Widerstand – weg in eine gesamtstaatliche Aufgabe überführt werden. Das von internationalen Gebern finanzierte und gemeinsam von Welternährungsprogramm (WEP) mit der lokalen Verwaltung umgesetzte System der direkten finanziellen Grundsicherung von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden könnte auf die libanesische Gesellschaft ausgedehnt und sukzessive stärker vom libanesischen Staat selbst finanziert werden. Das wäre gerechter und auch effizienter als die weitgehend ungezielten Subventionen von Nahrungsmitteln oder Kraftstoffen, wie sie aktuell die meisten Regierungen in der nahöstlichen Region verteilen.

Für Libanons internationale Partner ist Umsicht angesagt. Für die jetzt zu leistende Not- und Übergangshilfe sind staatliche Strukturen zunächst nur bedingt notwendig. Aufgrund der Syrienkrise sind neben dem WEP viele andere Internationale Organisationen, wie etwa das Kinderhilfswerk UNICEF, im Land. Ihre Aktivitäten im Bildungsbereich sind zwar bislang eng mit der libanesischen Regierung abgestimmt. Doch bestehen auf Verwaltungsebene hinreichend Kontakte, die zum Beispiel die Bedarfsermittlung, Projektplanung und Finanzierung für die Rehabilitierung von Schulen in Beirut stemmen könnten.

Bewährt hat sich auch die Unterstützung über private Träger: Organisationen wie etwa die Deutsche Welthungerhilfe reichen Spenden und Zuwendungen an vertraute, lokale Partner im Land weiter und stehen ihnen bei der Projektentwicklung und -umsetzung zur Seite. Hilfreich ist hierbei, dass der Libanon über eine relativ freie Zivilgesellschaft und einen im regionalen Vergleich hohen Grad an Meinungsfreiheit verfügt, die auch eine gewisse Kontrolle über die Mittelverwendung sichert.

Die katastrophale Explosion in Beiruts Hafen hat deutlich gezeigt, wie lebensgefährlich der marode, konfessionell segmentierte ‘Nationalpakt‘ geworden ist. Ein neuer Gesellschaftsvertrag muss von der libanesischen Gesellschaft selbst kommen, und Deutschland und andere internationale Partner müssen bereit sein, die lokalen, zivilgesellschaftlichen Akteure zu unterstützen: Sie sind die Träger der politischen Erneuerung und Wächter darüber, dass der Wiederaufbau zu einem echten Neubeginn führt.

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Syrische Flüchtlings­camps: Es fehlt an allem

Welthungerhilfe - 17. August 2020 - 9:44
Rund 70 Prozent der Menschen im Nordwesten Syriens können nur mit humanitärer Hilfe überleben. Nach erneuten Kampfhandlungen Anfang des Jahres bedeutet die Coronavirus-Pandemie nun die Krise in der Krise.
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Geschäftsführung erweitert

Engagement Global Presse - 17. August 2020 - 9:07
Ingrid Arenz hat zum 15. August 2020 die Administrative Geschäftsführung von Engagement Global übernommen. Foto: Engagement Global

Ingrid Arenz hat zum 15. August 2020 die Administrative Geschäftsführung von Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen übernommen. Sie begleitet die Organisation seit deren Gründung 2012 in leitender Position.

Prokuristin von Engagement Global ist sie seit 2012, Stellvertreterin des Geschäftsführers war sie seit 2015. Seit 2015 leitete sie auch den Zentralbereich mit den Abteilungen Finanzen, Personal, Innere Dienste, Informationstechnik, Zentraler Programmservice sowie Organisation und Personalentwicklung.

Ingrid Arenz kann auf ein breites Fachwissen und eine mehr als dreißigjährige Berufserfahrung in der öffentlichen Verwaltung, in Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit zurückgreifen: Sie arbeitete für die Carl Duisberg Gesellschaft e. V, InWEnt gGmbH und deren Rechtsnachfolgerin, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Engagement Global stärkt seit 2012 entwicklungspolitische Bildungsarbeit und die Förderung entwicklungspolitischen Engagements in Zivilgesellschaft und Kommunen. Die Organisation arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement an Brandenburger Hochschulen – Online-Veranstaltung am 20. August

#HOCHN - 17. August 2020 - 1:00

Nachhaltiger Betrieb von Hochschulen – wie funktioniert das? Dieser Frage widmet sich die Online-Veranstaltung am Donnerstag, den 20. August 2020 von 10:00 bis 11:30 Uhr zum Thema „Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement an Brandenburger Hochschulen“.

Ziel
Ziel der Veranstaltung ist es den Zugang zum betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagement von Hochschulen zu eröffnen und zu erleichtern. Im einführenden Vortrag zu Kernelementen des nachhaltigen Betriebes stellen Prof. Dr. Jakob Hildebrandt und Ulrike Bobek von der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) Erfahrung aus dem Projekt HOCHN und der HZSG vor. Gemeinsam mit Viktoria Witte (BTU Cottbus-Senftenberg), Henning Golüke und Maik Schwarz (HNE Eberswalde) werden wir Erfahrungen von Brandenburger Hochschulen und landesspezifische Aspekte vorstellen sowie mögliche nächste Schritte diskutieren.

Zielgruppe
Die Veranstaltung richtet sich an Abteilungsleiter*innen Liegenschaftsmanagement, Kanzler*innen, Umweltbeauftragte, Beschaffer*innen, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Abfallbeauftragte, Vertreter*innen der AG Nachhaltigkeit an Brandenburger Hochschulen und alle Zuständigen für bzw. Interessierten am nachhaltigen Betrieb ihrer Hochschule.

Anmeldung
Um eine kurze Anmeldung per E-Mail an Frau Dr. Jennifer Maria Krah wird gebeten.

Ablauf und Zugangsdaten
Das Programm mit Zugangsdaten zum Online-Raum finden Sie hier (PDF).

Foto: Pixabay/StockSnap

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Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als Weg aus der Krise

#HOCHN - 17. August 2020 - 0:00

„Wir fordern, dass aus der Krise ernsthafte Konsequenzen gezogen werden und wir Antworten auf überfällige Fragen finden. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als Bildungskonzept ist dabei kein beiläufiges Stilmittel, sondern leitet uns an, gemeinsam Lösungen zu entwickeln." So heißt es in der Resolution der Nationalen Plattform BNE anlässlich der Corona-Pandemie, in der die Stärkung der Bildung für nachhaltige Entwicklung, mehr Bildungsgerechtigkeit und ein zukunftsfähiges Bildungssystem für alle gefordert werden.

Die Nationale Plattform wurde vom BMBF zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung eingerichtet. An die Nationale Plattform schließt sich das Jugend-Panel zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) youpaN als ein zentrales Gremium, das den Resolutionsentwurf koordinierte, der dann via Umlaufverfahren von der Nationalen Plattform BNE mit großer Mehrheit der Wahlbeteiligten angenommen wurde.

Die ausführlichen Empfehlungen der Nationalen Plattform BNE finden Sie hier in ihrer Resolution (PDF).

Foto: Pixabay/Megan Rexazin

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Verbieten oder verbessern? Wildtiermärkte in der Pandemie

Welthungerhilfe - 16. August 2020 - 11:29
Experten tendieren zum Erhalt der Märkte, weil sie Menschen ernähren und Einkommen sichern.
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Fostering sustainable development goals through an integrated approach: phasing in green energy technologies in India and China

DIE - 14. August 2020 - 18:25

In this chapter, we analyze the potential role of science, technology and innovation (STI) in achieving sustainable development goals (SDGs), and what governments in developing countries can do to phase-in STI-based solutions, especially green energy technologies, for achieving SDGs. For this purpose, we examined three successful phase-in experiences in solar energy and energy efficiency in two emerging economies (China, India). 

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Fairer Kaffee aus Nordperu

Misereor - 14. August 2020 - 14:43
Wie sieht Fairer Handel im Globalen Süden aus und was bewirkt er vor Ort? Heike Teufel berichtet von einer Kaffeekooperative in Nordperu.

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Der Beitrag Fairer Kaffee aus Nordperu erschien zuerst auf MISEREOR-BLOG.

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Minimalismus und Nachhaltigkeit

EINEWELTblabla - 14. August 2020 - 14:03

Wie geht ihr mit Neuanschaffungen um und wie sieht es bei euch mit materiellem Besitz aus? Carlos regt dazu an, nicht nur nachhaltig einzukaufen, sondern auch minimalistischer an Konsum und Besitz heranzugehen.

Minimalismus ist ein Lifestyle, der nach und nach an Bedeutung gewinnt. Die moderne Gesellschaft ist aktuell sehr stark von den Werten Konsum, Besitz und Leistung getrieben. Wer sich nicht daran orientiert, gehört zu den Außenseitern. Das führt jedoch in vielen Fällen zu einem Überhang an Besitz, einer besorgniserregenden Ressourcenverschwendung und am Ende des Tages zu Stress.

Ein minimalistischer Lebensstil stellt sich gegen die Priorisierung von Konsum. Im Vordergrund steht die Reduzierung auf das Wesentliche. Das heißt nicht, dass man von heute an im Campervan leben muss. Es geht im Prinzip darum sich Schritt-für-Schritt Freiräume zu schaffen, die einem helfen sich weniger auf das „Haben“ und mehr auf das „Sein“ zu fokussieren. Wir müssen aufhören uns ständig zu vergleichen und mehr im Einklang mit uns selbst sein. Machen wir den Job, den wir lieben? Sind wir zufrieden mit unserem Freundeskreis? Brauche ich alle Gegenstände, die ich zu Hause habe?

Ein toller Film, der das Thema behandelt, ist „100 Dinge“ mit Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer. Schaut ihn euch definitiv mal an und lasst euch ein wenig inspirieren.

Glück zu empfinden ist in der dynamischen, wettbewerbsorientierten Welt, in der wir leben, bei vielen abhängig davon, wie sie in Relation zu anderen dastehen. Das eigene Haus ist am Ende des Tages weniger wert, wenn der Kollege ein deutlich moderneres Haus gekauft hat. Diese Denkweise spiegelt sich in zahlreichen Lebensbereichen wieder. Die Auswirkungen auf unsere Umwelt werden dabei konsequent unterschätzt bzw. ignoriert.

Warum nachhaltiges Leben so wichtig ist

Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr. Die globale Erderwärmung, der CO2-Austoß sowie die steigende Plastikverschwendung sind alarmierende Entwicklungen, die wir am Ende des Tages mit unserem Verhalten steuern. Unser Fleischkonsum führt nicht nur zu einer unglaublichen Wasserverschwendung, sondern gehört zu den größten Einflussfaktoren auf die steigende Erderwärmung. Der anhaltende Konsumwahn, „Fast Fashion“ und Plastiknutzung tragen ebenfalls dazu bei und sorgen für einen großen Teil der weltweiten Umweltverschmutzung. Die Ozeane werden mit dem Plastik überflutet, was nicht nur einzelne Tiere gefährdet, wie es Politiker gerne darstellen – sondern ganze Ökosysteme.

Dokumentationen wie „Taste the Waste“ (Lebensmittelverschwendung) oder „A Plastic Ocean“ (Plastikverschwendung) haben schon zu einem kleinen Umdenken geführt und auch die Bewegung rund um Greta Thunberg hat Millionen Menschen weltweit inspiriert. Es tut sich etwas, wir können alle unseren Beitrag dazu leisten.

Wie wir mit einem minimalistischen Konsum die Umwelt schützen können

Die Zusammenhänge werden leider noch von zu wenigen Menschen verstanden und ernst genommen. Wir alle wollen im Supermarkt Geld sparen, verzichten auf Bio-Produkte, regionale Lebensmittel und laufen an Secondhand-Läden vorbei – dabei sind die Kosten für die Umwelt deutlich höher als die paar Euro mehr im Monat für „bewussten“ Konsum.

Ein weiterer Faktor ist das Thema Autobesitz. Viele Menschen wollen ein Auto ihr Eigentum nennen. Während das für eine kleine Mehrheit Sinn macht (man hat Kinder, eine lange Anfahrtsstrecke oder schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr), ist es für andere eine reine „Statusentscheidung“. Dabei brauchen sie die Autos nicht wirklich. Der öffentliche Nahverkehr ist gerade in Großstädten so gut ausgebaut, dass der private PKW-Besitz obsolet wird. Wer mal Lust auf eine Autofahrt hat, kann sich über Sharing-Plattformen (oder Carsharing-Apps) einfach ein Auto mieten und muss sich kein neues anschaffen.

Durch das Teilen bestehender Ressourcen (Autos, Klamotten etc.) bleibt alles in einem Kreislauf. Das führt dazu, dass die Umweltbelastung aus der Neuproduktion sinkt. Im Bereich Ernährung ist es logischerweise nicht möglich, benutzte Lebensmittel zu essen, aber man kann durch eine bewusste Reduzierung des eigenen Fleischkonsums und auf den Wechsel hin zu unverpackten Lebensmitteln einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Einbußen in Sachen Lebensqualität muss niemand befürchten – ganz im Gegenteil. Ein minimalistischer Lebensstil hat sogar sehr positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse freut sich

Wer minimalistisch lebt, wird auch weniger Geld ausgeben. Oft bekommt man das Gegenteil erzählt, da höherwertige Produkte grundsätzlich teurer sind. Das stimmt nur beschränkt, denn Minimalist*innen konsumieren dafür deutlich seltener.

Wer beispielweise auf hochwertige Mode setzt, wird im Normallfall deutlich mehr zahlen als die Leute, die ihre Kleidung bei C&A oder H&M kaufen. Wer ein T-Shirt für 4,99 Euro kauft, hat deutlich weniger Probleme damit, dieses nach ein paar Monaten wegzuwerfen, wenn es nicht mehr zum aktuellen Modetrend passt. Wer mehr ausgibt und bewusster einkauft, wird dem psychologischen Effekt nicht (unbedingt) unterliegen. Deutsche geben im Durchschnitt 108 Euro pro Monat für Kleidung aus, im Jahr ca. 1.300 Euro – das sind extrem hohe Zahlen.

Neben hochwertigen Bio-Klamotten, kannst du auch einfach im Secondhand-Laden vorbeischauen. Dort findet sich meistens Kleidung in sehr gutem Zustand, die ansonsten den Weg in den Müll findet. Diese Klamotten im Kreislauf zu behalten ist jedoch unglaublich wichtig, da wir so den Bedarf an neuen Produkten senken. Außerdem sind die Preise in diesen Läden sehr niedrig und du sparst fleißig Geld.

Apropos Geld: Wer einen großen Bogen um sinnlose Dinge macht, hat mehr Geld für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Du hast beispielsweise weniger Kosten, wenn du auf ein schickes Auto verzichtest und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel setzt (Anschaffungskosten, Spritkosten und KfZ-Versicherung entfallen). Außerdem kannst du einfach mal zu Hause ausmisten. Lauf mal durch deine Wohnung, Keller und Dachboden und frag dich bei allen Gegenständen, ob du sie zum Glücklichsein wirklich brauchst. Falls nicht, verkaufe sie einfach auf dem Flohmarkt und spare das Geld für wichtigere Dinge. Du wirst zudem merken, wie sehr dich das „Ausmisten“ psychologisch entlastet.

Minimalismus und Nachhaltigkeit sollte man nicht getrennt betrachten. Minimalisten agieren automatisch nachhaltiger, als diejenigen, die „normal“ konsumieren.

Fazit

Ein minimalistischer Lebensstil bedeutet kein Abstieg. Sondern vielmehr ein Aufstieg in ein Leben, das dir mehr Fokus auf dich selbst und deine Umwelt ermöglicht. Unsere Welt steht vor großen Herausforderungen und nur gemeinsam können wir diese bestehen. Jeder kann mit seinen Handlungen einen Beitrag leisten.

Wen die „sozialen“ Argumente nicht überzeugen, sollte sich der finanziellen Aspekte bewusst werden. Minimalismus senkt deine Kosten und verschafft dir große Freiräume für die Dinge im Leben, die du zum Glücklichsein brauchst.

Danke an Carlos für diese Anregungen!
Carlos ist Co-Founder von Beyond Saving, wo es eine große Auswahl an Wissen und Tools gibt, die euch helfen können, eure Finanzen ganz entspannt in den Griff zu bekommen.

Beachtet zum Thema Minimalismus auch die z. B. hier diskutierten Tweets zu der 2016 auf Twitter gestellten Frage „What’s considered trashy if you’re poor, but classy if you’re rich?“.

Der Beitrag Minimalismus und Nachhaltigkeit erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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Wertvoller Fundus

E+Z - 14. August 2020 - 10:31
„Partizipation und nachhaltige Entwicklung“ hat das Zeug zum Standardwerk

Partizipation ist ein Begriff, der in der Entwicklungspolitik besonders häufig benutzt wird – allerdings auch besonders oft zu Missverständnissen führt. Denn die Verwendung partizipativer Methoden bei der Erhebung von Planungsdaten für ein Entwicklungsprojekt wird oft mit der tatsächlichen Mitwirkung der beteiligten Bevölkerung verwechselt. Ersteres findet oft, Letzteres eher selten statt. Denn die große Mehrzahl aller Entwicklungsvorhaben wird hinsichtlich ihrer Ziele und des Mitteleinsatzes schon vor der partizipativen Datenerhebung vor Ort beschlossen.

Immerhin findet mehr und mehr partizipative Planung statt, partizipative Methoden kommen also zum Einsatz – jenseits der Frage, ob und wie ein Projekt durchgeführt wird. Um diese partizipativen Methoden geht es in dem Buch „Partizipation und nachhaltige Entwicklung“ von Michael Schönhuth und Maja Tabea Jerrentrup: um ihre Herleitung, Ausarbeitung und besonders um ihre Anwendung.

Im ersten der zehn Kapitel beschäftigen sich Autor und Autorin mit Partizipation als Konzept und wie dieses in den vergangenen Dekaden in der Entwicklungshilfe zu einem Querschnittsthema wurde. Es folgt ein Überblick über die sich immer weiter verfeinernden partizipativen Erhebungs- und Planungsansätze vom schnellen (rapid) und ländlichen (rural) zum allgemeinen partizipativen (participatory) Ansatz (appraisal). Ging es zunächst darum, schnellstmöglich und unter Beteiligung aller wichtigen Akteure Informationen zum Beispiel über die sozioökonomischen Bedingungen in einer ländlichen Region zu bekommen, werden heute partizipative Methoden in praktisch allen entwicklungspolitischen Sachgebieten und Gegebenheiten eingesetzt.

Das Buch stellt auch die Verwendung partizipativer Methoden bei der Umsetzung von Maßnahmen sowie der anschließenden Evaluierung dar. Hier muss die Leserschaft im Blick behalten, dass Partizipation fast immer nur kleine Details der zuvor zumeist fremdbestimmt beschlossenen Projektdurchführung betrifft und dass ein Evaluator oder eine Evaluatorin letztendlich fast immer alleine über Wertungen entscheidet.

Der Hauptteil des Buches besteht aus einer Methodenlehre zu participatory appraisals im weitesten Sinne. Er ist stark durch persönliche Erfahrungen geprägt und dadurch besonders anschaulich. Das Autorenteam stellt unter anderem partizipative Forschungs- und Beratungsinstrumente vor und behandelt Anwendungsfelder, etwa bei der Arbeit mit Armen, Kindern und Jugendlichen oder Indigenen. Thematische Beispiele sind Landrechte oder der Weg von einer partizipativen Erhebung im Dorf bis zur elektronischen Verarbeitung.

Zwei kurze Kapitel zur Frage von Partizipation und Repräsentation und zu Partizipation und Ethik behandeln wichtige Fragen wie den Schutz besonders gefährdeter Personen im Rahmen partizipativer Prozesse – vor allem Fragen der Anonymisierung – und den Datenschutz.

20 Tipps für die Praxis fassen wichtige technische Hinweise und ethische Erfordernisse partizipativer Methodenanwendung zusammen, während Autor und Autorin in „Anstatt eines Schlusswortes“ generell mehr zivilgesellschaftliche Teilhabe einfordern, auf die Grenzen von Partizipation in der repräsentativen Demokratie aufmerksam machen und – bewusst provokativ – mit Blick auf Teilhabe im digitalen Zeitalter auf die Idee der Vergabe politischer Ämter durch Losverfahren hinweisen.

43 Seiten Literaturangaben am Ende ergänzen die in den einzelnen Kapiteln angeführten und kommentierten wichtigsten Quellen und stellen in ihrer Breite und Relevanz einen wertvollen Fundus für die weitere Beschäftigung mit dem Thema dar. Schönhuth und Jerrentrup haben mit „Partizipation und Entwicklung“ den zumindest in deutscher Sprache derzeit besten und einen sicher auf Jahre hinaus aktuellen Beitrag zum Einsatz partizipativer Methoden sowie zur Rolle von Partizipation in der entwicklungspolitischen Praxis beigesteuert.

Buch
Schönhuth, M., Jerrentrup, M. T., 2019: Partizipation und nachhaltige Entwicklung. Ein Überblick. Wiesbaden, Springer VS.

Frank Bliss ist Professor für Ethnologie an der Universität Hamburg und freier entwicklungspolitischer Gutachter.
bliss.gaesing@t-online.de

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Entwicklung dringend benötigt

E+Z - 14. August 2020 - 10:08
Um nicht noch weiter zurückzufallen, braucht Afrika schnelle Entwicklung

In den vergangenen 60 Jahren fand eine nie dagewesene ökonomische Entwicklung statt. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf ist heute 25 Mal höher als 1960. Zum Vergleich: Das globale Pro-Kopf-Einkommen stieg zwischen dem 11. Jahrhundert und 1950 nur um ein 15-Faches. Diese Zahlen stammen aus einem Buch dreier prominenter Ökonomen (Kanbur, Norman, Stiglitz, 2019). Afrika aber hinkt mit seinem Pro-Kopf-Einkommen, das heute lediglich 12 Mal höher ist als 1960, hinterher. Der Kontinent hat viel nachzuholen.

Nicht nur Umweltschützer warnen, dass einige Errungenschaften in der Welt nicht nachhaltig sein könnten. Die Weltbevölkerung wächst (siehe Schwerpunkt im E+Z/D+C e-Paper 2020/03), die Menschen leben durchschnittlich länger, und der Konsum steigt. Natürliche Ressourcen sind erschöpft, das Ökosystem überstrapaziert. Marktransaktionen spiegeln selten die echten ökologischen Kosten wider, und die Frage ist, ab wann ein konsumorientierter Lifestyle nicht mehr zu verantworten ist.

Die globalen Bedingungen für wirtschaftliche Expansion haben sich auch anderweitig verschlechtert. Von populistischen Regierungen geförderter Protektionismus macht es schwierig, wenn nicht unmöglich, dem Beispiel des exportgetriebenen Wachstums zu folgen, von dem viele ostasiatische und einige afrikanische Länder profitierten. Große Ungleichheit kennzeichnet nicht nur die Weltgemeinschaft, sondern auch Weltregionen und sogar einzelne Länder. Viel zu viele Menschen müssen ohne Zugang zu Gesundheitssystemen, formaler Bildung, menschenwürdiger Arbeit und angemessenen Wohnverhältnissen auskommen. Die Covid-19-Pandemie zeigt, wie wichtig diese Dinge sind. Jene, die keinen Zugang zu diesen Basisleistungen haben, trifft die Krankheit am ehesten.

In den vergangenen Jahrzehnten ist Afrika enorm gewachsen. Sechs der zwischen 2000 und 2020 am schnellsten expandierenden Länder befinden sich in Afrika. Das Wachstum geschah jedoch ungleich – auf dem Kontinent wie innerhalb der Länder. Zudem beruhte es hauptsächlich auf Rohstoffexporten in ein einziges Land: China. Das zeigt, dass afrikanische Staaten wenig Mehrwert schaffen, nicht diversifizieren und es ihnen an Kompetenz fehlt – was sie anfällig für Schocks von außen macht. Sie konnten bislang keinen breit angelegten Wohlstand schaffen; soziale Sicherheitssysteme sind in dieser Weltregion meist schwach. Besonders drastisch ist es da, wo gewaltsame Konflikte und Kriege Entwicklung blockieren.

Generell gilt, dass Afrikas Produktivität eher gering ist und die allermeisten Menschen informell beschäftigt sind. Wirtschaftliches Wachstum als solches reicht offenbar nicht aus, um den Kontinent zum Florieren zu bringen (siehe Hans Dembowski im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Papers 2020/03). Volkswirtschaften müssen diversifizieren, und dafür brauchen sie ein förderliches institutionelles Umfeld. Für das Gedeihen formeller Arbeitsplätze bedarf es etwa besserer Sozialleistungen. Menschen brauchen Zugang zu Gesundheit und Bildung, ansonsten können Unternehmen nicht das Maß an qualifizierten Fachkräften aufbauen, um produktiv zu sein.

Der Human Development Index (HDI), den die UNDP auf Basis von Indikatoren wie Gesundheit, Bildung und Einkommen erstellt (siehe Interview mit Achim Steiner im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2020/09), belegt, dass Afrika ein ziemlich armer Kontinent ist. Von 36 Ländern mit niedrigem HDI liegen 33 in Afrika.

Statistiken der Weltbank zeigen denselben Trend: 27 der 28 ärmsten Länder der Welt liegen im südlichen Afrika. In Asien wurde Armut schnell gesenkt, in Afrika ist sie hingegen gestiegen. Die Weltbank vermutet, dass die Anzahl extrem armer Menschen (mit einer Kaufkraft unter 1,90 Dollar pro Kopf) von 278 Millionen im Jahr 1990 auf 413 Millionen bis 2015 stieg. Sie prognostiziert, dass 90 Prozent der Armen der Welt bis 2030 in Afrika leben.

Solche Zahlen sind alarmierend und verdeutlichen, dass Afrika Entwicklung braucht: Die Länder müssen rasch ihre Volkswirtschaften diversifizieren und fähige öffentliche Institutionen einrichten, denn ungeplanter, chaotischer Wandel vollzieht sich rasant. Massen von Menschen ziehen in die Städte. Schätzungen zufolge verdoppelt sich Afrikas Bevölkerung zwischen 2010 und 2030 von 400 auf 800 Millionen Menschen – und bis 2050 um weitere 400 Millionen auf 1,2 Milliarden. Es ist beunruhigend, wie wenig dafür getan wird, Infrastrukturen und soziale Dienstleistungen aufzubauen, die lebenswerte Städte brauchen. Zugleich fehlt auch ländlichen Gegenden die Infrastruktur – nur werden diese von der Politik noch weniger beachtet. Handeln ist gefordert, und wirtschaftliches Wachstum allein reicht nicht.

Nur auf Wachstum ausgerichtete Politik ist aus zwei weiteren Gründen falsch:

  • Das BIP zählt nur monetäre Transaktionen. Nicht-monetarisierte Wertschöpfung – etwa durch Subsistenz-Landwirtschaft oder Pflegetätigkeit innerhalb der Familien – spielt im Leben der Menschen eine große Rolle, bildet sich aber nicht in wirtschaftlichen Statistiken ab.
  • Das Pro-Kopf-Einkommen bildet nicht die enorme Ungleichheit von Einkommen und Wohlstand ab. Oft misst es lediglich den Fortschritt wohlhabender Städter und suggeriert, alle profitierten davon – selbst wenn Arme tatsächlich wenig besser oder gar schlechter leben. Dem UNU-WIDER (World Institute for Development Economics Research) zufolge erwirtschaften die unteren 50 Prozent weniger als zehn Prozent des nationalen Einkommens in Afrika, die oberen zehn Prozent hingegen mehr als 50 Prozent.

Quelle
Kanbur, R., Noman, A. und Stiglitz, J. E., 2019: The quality of growth in Africa. New York, Columbia University Press.

Belay Begashaw ist Generaldirektor des Zentrums für Nachhaltige Entwicklungsziele für Afrika (SDGC/A) in Kigali, Ruanda.
bbegashaw@sdgcafrica.org

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Kommune bewegt Welt 2020

Engagement Global Presse - 13. August 2020 - 16:33
im Wettbewerbsjahr 2020 haben sich 47 Kommunen bei Kommune bewegt Welt beworben. Foto: Christian Lademann

Immer mehr Städte, Gemeinden und Landkreise schaffen gemeinsam mit migrantischen Organisationen Strukturen für entwicklungspolitisches Handeln. Dieses kommunale Engagement wird in diesem Jahr erneut ausgezeichnet.

Seit 2014 kürt der Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ alle zwei Jahre Kommunen, die im Bereich Migration und Entwicklung beispielgebend handeln. Bis Ende Juni hatten 47 Kommunen ihre Bewerbungen eingereicht, die meisten aus Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern. Die Anzahl der Bewerbungen insgesamt ist gestiegen, die Bewerbungen aus den Ost-Bundesländern haben sich verdoppelt.

Die unabhängige Jury bestand 2020 aus:

  • Florian Schilling, Deutscher Städte- und Gemeindebund,
  • Hans Wietert-Wehkamp, Institut für soziale Innovation,
  • Barbara Baumbach, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,
  • Wynnie Kangwana Mbindyo, Gewinner-Kommune 2018 Saarbrücken,
  • Lisa Hensler, Gewinner-Kommune 2018 Engen,
  • Kevin Borchers, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt,
  • Marianne Kreuzig, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt.

Sie ermittelten am 30. Juli 2020 die Preisträgerinnen und Preisträger.

Auf die Frage, was die Bewerbungen im Jahrgang 2020 besonders auszeichnet, antwortete Jury-Mitglied Florian Schilling, Referatsleiter Kommunalfinanzen und Internationales beim Deutschen Städte- und Gemeindebund: „Der diesjährige Wettbewerb stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie, die viele Veranstaltungsabsagen, gerade auch im Bereich Migration und Entwicklungspolitik, zur Folge hatte. Umso erfreulicher sind die hohe Bewerberzahl und die nochmals gesteigerte Qualität der Bewerbungen. Preiswürdig waren nahezu alle Kommunen, jedes Engagement war dabei besonders. Es stachen letztlich aber die hervor, die bei Migration und Entwicklungspolitik einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, die gesamte Verwaltung miteinbeziehen, migrantischen Organisationen auf Augenhöhe begegnen oder auch andere Kommunen aktiv miteinbeziehen.“

Welche Kommunen als Gewinnerinnen im Wettbewerb ausgezeichnet werden und sich das Preisgeld von insgesamt 135.000 Euro teilen, wird erst bei der interaktiven virtuellen Preisverleihung am 23. September 2020 öffentlich bekannt gegeben. Doch alle Wettbewerbsteilnehmenden bekommen die Möglichkeit, im kommenden Jahr an Beratungs-, Austausch- und Vernetzungsangeboten teilzunehmen, um ihre engagierte Arbeit zukünftig noch sichtbarer zu machen.

„Kommune bewegt Welt“ ist ein Wettbewerb von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), durchgeführt von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW). Schirmherr ist Bundesminister Dr. Gerd Müller.

Kontakt

Marianne Kreuzig
Telefon: +49 228-20717-894
marianne.kreuzig@engagement-global.de

Weitere Informationen
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INKOTA-Jahresbericht 2019

INKOTA - 13. August 2020 - 13:24
Der Start der Initiative Lieferkettengesetz, eine Spendenaktion für Mosambik, nach den verheerenden Zerstörungen durch den Zyklon Idai, eine innovative Crowdfunding-Kampagne zur Produktion nachhaltiger T-Shirts, das Veranstalten einer Konferenz zur Situation in Nicaragua mit zahlreichen oppositionellen Nicaraguaner*innen als Gästen oder die Ausweitung unserer Projektarbeit auf die Côte d’Ivoire. Dies waren nur einige der Highlights der Arbeit von INKOTA im Jahr 2019.

In unserem Jahresbericht 2019 berichten wir über die Kampagnen- und Bildungsarbeit im globalen Norden und die Unterstützung der Projekte unserer Partnerorganisationen in mittlerweile acht Ländern des globalen Südens. Da Transparenz ein zentrales Kriterium unserer Arbeit ist, legen wir die Entwicklung unserer Erträge und Aufwendungen im Haushalt 2019 offen. Auch über Geschichte, Prinzipien und Struktur unseres Vereins berichten wir im Jahresbericht.

Wer einen Überblick über die Arbeit von INKOTA gewinnen möchte, laden wir herzlich dazu ein, einen Blick in den Jahresbericht 2019 zu werfen! Lesen Sie den ganzen INKOTA Jahresbericht 2019 Lesen Sie jetzt folgende Beiträge aus dem Jahresbericht 2019: Initiative Lieferkettengesetz: Keine Gewinne ohne Gewissen Länderbericht Mosambik: Nothilfe nach Zyklon und langfristige Unterstützung
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Keine Gewinne ohne Gewissen

INKOTA - 13. August 2020 - 13:00
10. September 2019: Rund 100 Aktivist*innen haben sich vor dem Bundestag versammelt. Sie gedenken der mehr als 250 Arbeiter*innen, die vor genau sieben Jahren in Pakistan ums Leben kamen, als in Karachi eine Fabrik des Textilherstellers Ali Enterprises niederbrannte. Der damals wichtigste Auftragnehmer der Fabrik: der deutsche Textil-Discounter KiK. Mit großen Grabsteinen erinnern die Anwesenden auch an andere Menschenrechtskatastrophen: Dammbruch von Brumadinho in Brasilien – 246 Tote. Massaker von Marikana in Südafrika – 34 Tote. Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch – 1.134 Tote. Der Protest vor dem Bundestag war die Auftaktaktion der Initiative Lieferkettengesetz, die INKOTA mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen gestartet hat. Denn es ist egal, ob es sich um Tote bei Fabrikbränden, ausbeuterische Kinderarbeit oder zerstörte Regenwälder handelt: Deutsche Unternehmen sind weltweit immer wieder für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung verantwortlich. Bisher werden sie dafür jedoch selten juristisch zur Verantwortung gezogen. Breite Unterstützung für Kampagne Das möchte die Initiative Lieferkettengesetz ändern und fordert deshalb von der Bundesregierung, Unternehmen gesetzlich zur weltweiten Achtung von Menschenrechten und Umweltstandards zu verpflichten. Unternehmen, die für Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten eine Mitverantwortung tragen, sollen dafür haftbar gemacht werden. Wichtig für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen: Sie sollen künftig vor deutschen Gerichten ihre Rechte einklagen können. Seit ihrem Start hat die Initiative eine erfreuliche Dynamik entfaltet. Durch zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen in ganz Deutschland, durch Publikationen und Gespräche mit Politiker*innen konnten wir das Lieferkettengesetz auf die Tagesordnung setzen. Über 110.000 Menschen haben die Kampagnen-Petition an Bundeskanzlerin Merkel bis Ende 2019 unterzeichnet – inzwischen sind es 190.000 (Stand: Juni 2020). Über 90 Organisationen, darunter Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteur*innen, haben sich mittlerweile in der Initiative zusammengeschlossen. Damit ist die Initiative die größte zivilgesellschaftliche Allianz, die von der Bundesregierung einen gesetzlichen Rahmen für den weltweiten Schutz der Menschenrechte fordert. Unser Engagement: lautstark und informiert INKOTA hat die Arbeit für ein Lieferkettengesetz zu einem Schwerpunktthema gemacht und ist deshalb auch im Steuerungskreis der Initiative aktiv. Im September 2019 haben wir eine Studie veröffentlicht, die am Beispiel des Kakaosektors belegt, dass Unternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bisher nur unzureichend nachkommen. Zwei Monate später kam der Rohstoffexperte Jacques Nzumbu Mwanga aus der DR Kongo für eine Rundreise nach Deutschland. In Berlin sprach er über die Mitverantwortung der deutschen Autoindustrie für Menschenrechtsverletzungen beim Kobalt-Abbau in der DR Kongo und erklärte, wie ein Lieferkettengesetz dazu beitragen könnte, die Situation in seinem Land zu verbessern. Mit einer Aktion anlässlich des Deutschen Arbeitgebertags am 12. November in Berlin kritisierten INKOTA und Partner*innen die engen Lobby-Verflechtungen zwischen den Arbeitgeberverbänden und dem Bundeswirtschaftsministerium. Beide hatten sich als die stärksten Blockierer eines Lieferkettengesetzes erwiesen. Zum sogenannten „Black Friday“, dem Beginn des Weihnachtsgeschäfts, gingen am 29. November ein Dutzend Aktionsgruppen der Kampagne für Saubere Kleidung quer durch Deutschland auf die Straße. Mit Flashmob-Aktionen wiesen sie auf die untragbaren Zustände in der Textilindustrie hin und forderten ein Lieferkettengesetz, um Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen. Doch Druck kam nicht nur aus der Zivilgesellschaft: Zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember stellten sich auch 42 Unternehmen öffentlich hinter die Forderung nach einem Lieferkettengesetz. Mit Ritter Sport, Nestlé, Tchibo, KiK und Vaude, befanden sich Unternehmen darunter, auf die INKOTA seit Jahren im kritisch-konstruktiven Dialog einwirkt. Auf europäischer Ebene hatten sich zuvor Schokoladenhersteller wie Mars und Mondelez für eine gesetzliche Regelung zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten von Unternehmen ausgesprochen – ebenfalls ein Ergebnis der langjährigen intensiven Arbeit von INKOTA. Druck erhöhen: gegen Bremser in der Politik Kurz vor Jahresende 2019 kündigten Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an, in den kommenden Monaten ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Zuvor hatte das katastrophale Abschneiden deutscher Unternehmen beim Menschenrechtstest der Bundesregierung für einen Paukenschlag gesorgt: Nicht einmal jedes fünfte deutsche Unternehmen erfüllt die menschenrechtlichen Mindestanforderungen der Bundesregierung – so das Ergebnis einer Befragung im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP). Damit ist aus unserer Sicht der letzte Beweis erbracht: Freiwillig tun Unternehmen nicht genug für den Schutz der Menschenrechte. Deshalb wird es endlich Zeit für einen gesetzlichen Rahmen! Die Entwicklung der Initiative Lieferkettengesetz zeigt: Unsere hartnäckige Arbeit zahlt sich aus! Wenn die Zivilgesellschaft vereint mit einer Stimme spricht, kann sie gesellschaftliche Veränderung bewirken. Nun kommt es darauf an, dass wir nicht lockerlassen. Denn die Gegner einer gesetzlichen Regelung, von den Arbeitgeberverbänden über das Wirtschaftsministerium bis zum CDU-Wirtschaftsrat, versuchen weiterhin, ein Lieferkettengesetz zu blockieren. INKOTA setzt sich deshalb auch im Jahr 2020 weiter dafür ein, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Lieferkettengesetz in Deutschland verabschiedet wird. Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen Lesen Sie den ganzen INKOTA Jahresbericht 2019 Weitere Informationen: Jetzt spenden für die INKOTA Corona-Hilfe! Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten! Erfahren Sie mehr zur Initiative Lieferkettengesetz
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