Sie sind hier

Ticker

Fachgespräch: Vor der Halbzeit von Agenda 2030 und SDGs – Ausblick auf das UN-Nachhaltigkeitsforum und den SDG-Gipfel 2023

Forum Umwelt & Entwicklung - 19. Januar 2023 - 9:53
Wann: 13. Februar 2023, 15.00-17.30 Uhr Wo: Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, 53113 Bonn

 

Das Jahr 2023 markiert die Halbzeit bei der Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Angesichts verschärfter geopolitischer Konflikte und unbewältigter Krisen werden Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Wissenschaftler*innen Zwischenbilanz ziehen. Was wurde bei der Verwirklichung der SDGs bislang erreicht, wo gab es Rückschläge, welche politische Relevanz hat die Agenda 2030 überhaupt noch in Zeiten der „Zeitenwende“?

Die Vereinten Nationen werden sich mit solchen Fragen beim Hochrangigen Politischen Forum (HLPF) im Juli und dem SDG-Gipfel im September 2023 befassen. Zur Vorbereitung wird bereits im Frühjahr 2023 die Vorabfassung des nächsten Global Sustainable Development Reports (GSDR) erscheinen.

Bei dem Fachgespräch wollen wir einen Ausblick auf das Jahr 2023 unternehmen und ausloten, was von den Ereignissen auf UN-Ebene politisch zu erwarten ist. Welche Pläne gibt es zur Halbzeit der Agenda 2030 in der Bundesregierung, welche Erwartungen haben zivilgesellschaftliche Organisationen? Können die Aktivitäten eine neue Dynamik bei den weltweiten Bemühungen um eine sozial-ökologische Transformation entfachen?

Für die Teilnahme an dem Fachgespräch bitten wir um Anmeldung bis zum 8. Februar 2023, online hier.

 

 

PROGRAMM

 

15.00 Beginn mit Begrüßungskaffee und Registrierung 15.15 Einführung und Moderation

Jens Martens, Geschäftsführer des Global Policy Forum Europe 15.30  

Werkstattbericht“ über den Global Sustainable Development Report 2023

Dr. Imme Scholz, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung und Ko-Vorsitzende der Independent Group of Scientists, die im Auftrag der Vereinten Nationen den Global Sustainable Development Report erstellt
(Impuls und Diskussion) 16.15 Pause   16.30  

Erwartungen an die Halbzeitbilanz und den SDG-Gipfel 2023

Dr. Ingolf Dietrich, Beauftragter für nachhaltige Entwicklungsziele, BMZ*

Eileen Roth, Referentin nationale Nachhaltigkeitspolitik, Forum Umwelt und Entwicklung

NN, VENRO*

(Kurzimpulse und Diskussion) 17.30 Ende der Veranstaltung

* angefragt

Kategorien: Ticker

The State of Carbon Dioxide Removal - 1st Edition

SWP - 19. Januar 2023 - 9:02
Kategorien: Ticker

The State of Carbon Dioxide Removal - 1st Edition

SWP - 19. Januar 2023 - 9:02
Kategorien: Ticker

23-01-19_Marian Burchardt_Florian Stoll - Ghana - tech industry - Box

E+Z - 19. Januar 2023 - 2:00
23-01-19_Marian Burchardt_Florian Stoll - Ghana - tech industry - Box dagmar.wolf Do., 19.01.2023 - 02:00 Mit der Initiative „Invest for Jobs“ unterstützt das BMZ Ghana im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit Ghana Beschäftigung in Ghana fördern Die hohe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen sowie Universitätsabsolventinnen und -absolventen zählt zu den drängendsten sozialen und politischen Problemen Ghanas. Die fehlenden Chancen für junge Menschen führen zu hoher Unzufriedenheit, destabilisieren tendenziell das demokratische Gemeinwesen und erhöhen die Emigrationsbereitschaft – und damit mögliche Braindrain-Effekte. 19.01.2023Subsahara-Afrika Hintergrund SDG4 SDG8 SDG9 Arbeit Armutsbekämpfung Bildung Ausbildung Informeller Sektor Sozialpolitik Sozialentwicklung

Offizielle Daten werden allerdings nur unregelmäßig erhoben, und sie erfassen nur offiziell als arbeitslos gemeldete Personen. Außen vor bleiben etwa Unterbeschäftigte, informell Tätige und Personen in nicht qualifikationsadäquaten Jobs. Die angewandte, aus Europa und Nordamerika stammende Methodik ist insbesondere angesichts des hohen Anteils informell Beschäftigter fraglich. Dieses Problem trifft neben Ghana auch andere afrikanische Länder, wie der ghanaische Ökonom William Baah-Boateng (2016) kritisiert. Laut einem Bericht der Weltbank (Dadzie et al. 2020), sind mehr als die Hälfte derjenigen, die nicht offiziell als arbeitslos gelten, unterbeschäftigt.

Irit Ittner 16.06.2022 Informelle Märkte in Afrika unter Druck

BMZ fördert sieben afrikanische Länder

Um dem entgegenzuwirken, fördert das BMZ seit 2019 über die Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung eine Reihe von Vorhaben im Bereich der Beschäftigungsförderung in insgesamt sieben afrikanischen Ländern. In Ghana hat das Projekt ein Gesamtvolumen von 38,3 Millionen Euro für den Zeitraum von 2019 bis 2025. Die Initiative firmiert auch unter dem Namen „Invest for Jobs“. Sie ist eingebunden in das umfassendere Vorhaben „Compact with Africa“ der G20-Staaten. In Ghana ziehen sich die von der GIZ koordinierten Projekte quer durch alle Sektoren der Wirtschaft. Sie reichen von der Ausbildung von Busfahrerinnen über die Unterstützung von Kleinbauern bis hin zu Telekommunikation und IT. (Zur IT-Branche in Ghana siehe Haupttext.)

Die Initiative verfolgt unterschiedliche Ziele. Einerseits werden vor allem solche afrikanischen Länder gefördert, die sich durch besondere Erfolge im Bemühen um gute Regierungsführung hervorgetan haben. Andererseits stehen schnelle und zählbare Erfolge in der Beschäftigungsförderung im Vordergrund. Diese Unterstützung von Entwicklung vor Ort verfolgt zugleich das Ziel, den Migrationsdruck nach Europa zu verringern.

Literatur

Baah-Boateng, W., 2016: The youth unemployment challenge in Africa: What are
the drivers? In: The Economic and Labour Relations Review, Vol. 27 (4).

Dadzie, C. E., Fumey, M., Namara, S., 2020: Youth Employment Programs in Ghana: Options for Effective Policy Making and Implementation. International Development in Focus. Washington, DC: World Bank.

Marian Burchardt ist Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig und Leiter des vorgestellten Forschungs­projekts.
marian.burchardt@uni-leipzig.de

Florian Stoll arbeitet als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig und forscht in dem beschriebenen Projekt zu Gründen für Jobwechsel in Ghana.
florian.stoll@uni-leipzig.de

Armutsbekämpfung Off Off Marian Burchardt

hat im Winter 2022/2023 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

 

Florian Stoll

hat im Winter 2022/2023 als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig zu E+Z/D+C beigetragen.

Überall anzeigen
Kategorien: Ticker

Deutschlands schwache Führungsrolle bei der europäischen Luftverteidigung

SWP - 19. Januar 2023 - 1:00

Mit der European Sky Shield Initiative hat Deutschland seinen Führungsanspruch bei der europäischen Luftverteidigung angemeldet. Verteidigung gemeinsam zu denken ist begrüßenswert, aber schwierig umzusetzen. Wichtige europäische Partner, allen voran Frankreich und Italien, sind derzeit nicht gewillt, Deutschland zu folgen. Die fehlende politische Einigkeit zeigt, dass der deutsche Vorstoß die europäischen Sicher­heitsinteressen nicht genug berücksichtigt, Partner nicht überzeugt und viele Fragen zur strategischen, militärischen, industriellen und ökonomischen Ebene offen lässt. Soll die ESSI Europas Schutz im Bereich Luftverteidigung spürbar ver­bes­sern, muss Berlin Antworten zum strategischen Gleichgewicht, zur Entwicklung der europäischen Rüstungsindustrie und zu militärisch sinnvollen Lösungen geben. Der Aufwuchs ein­zelner militärischer Fähigkeiten wird keinen europäischen Sky Shield ermöglichen.

Kategorien: Ticker

Zur Nationalen Biomassestrategie – Verbände für verantwortungsvollen Umgang mit Biomasse

Forum Umwelt & Entwicklung - 18. Januar 2023 - 17:25

Die bereits heute hohe Nachfrage nach biogenen Rohstoffen für die Wirtschaft der Zukunft wird noch weiter steigen. Denn nicht nur das Ende der fossilen Rohstoffe ist absehbar, auch mineralische Ressourcen sind nur begrenzt verfügbar. Gleichzeitig schränken Klimawandel und der Verlust der Biodiversität die ohnehin knappe nachhaltig nutzbare Biomasse in einem erheblichen Umfang weiter ein. Daraus ergeben sich Zielkonflikte bei der Verteilung, denn auch weltweit werden die Ökosysteme nicht genug Biomasse für jegliche Nachfrage bereitstellen können. Nicht die Natur sollte dem auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaften dienen, sondern die Wirtschaft an die natürlichen Gegebenheiten und planetaren Grenzen angepasst sein.

 

Die unterzeichnenden Verbände und Organisationen begrüßen daher die Initiative der Bundesregierung, mit der Nationalen Biomassestrategie einen Rahmen für den Schutz, die Nutzung und Produktion von biogenen Rohstoffen bereitzustellen. Angesichts der ökologischen Krise und Millionen hungernder Menschen sollten darauf aufbauend rechtsverbindliche konkrete Schritte zügig umgesetzt werden, die eine weltweite Wirksamkeit entfalten.

Dabei sollten weltweite politische Fehlsteuerungen wie ökologisch und sozial zerstörerische Biomasseproduktion, das Fehlen von Nutzungshierarchien sowie falsch lenkende Anreize Anlass und Ausgangspunkt für eine fundamentale Umsteuerung der zukünftigen Biomassenutzung sein.
Hierfür ist ein robuster Rahmen aus ordnungsrechtlichen und ökonomischen Instrumenten unabdingbar, da weder das Marktgeschehen allein noch freiwillige Selbstverpflichtungen die notwendigen Änderungen wirksam herbeiführen können. Angesichts begrenzter nachhaltiger Biomassepotenziale ist zudem eine Reduktion des Ressourcenverbrauches in allen Bereichen der Wirtschaft unabdingbar.

Das von der Bundesregierung vorgelegte Eckpunktepapier hat noch einen zu skizzenhaften Charakter, um in diesem frühen Stadium eine detaillierte Diskussion zu führen. Folgende Gesichtspunkte sind allerdings von grundsätzlicher Bedeutung für eine verantwortungsvolle Biomassenutzung:

 

  • Erst wenn die Biomassepotenziale aus Abfall- und Reststoffen sowie aus Land- und Forstwirtschaft ermittelt wurden, die ökologisch nachhaltig und sozial gerecht zur Verfügung stehen, kann sinnvollerweise über deren Verteilung gesprochen werden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Ökosysteme schon heute unter Druck stehen, in vielen Fällen übernutzt oder degeneriert sind und von daher keine zusätzliche Biomasse zur Verfügung stellen können.
  • Biomasseanwendungen müssen priorisiert und nicht-nachhaltige Nutzungen zurückgefahren werden. In den Biogasanlagen sowie bei der energetischen Holznutzung werden aktuell aufgrund fehlgeleiteter Förderanreize große Mengen wertvoller Biomasse verschwendet. Aus dem gleichen Grund ist eine deutliche Reduktion der Tierhaltung verbunden mit einer stärkeren pflanzlichen Ernährung notwendig.
  • Die Erfordernisse der globalen Ernährungssicherheit dürfen nicht nur in der Einleitung postuliert werden. Sie müssen im Zuge der Strategie durch einen geeigneten ordnungspolitischen Rahmen wirksam durchgesetzt werden. Der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie sich – in einer Zeit, in der 828 Millionen Menschen Hunger leiden – die Ernährungslage von Millionen in Armut lebender Menschen auf der Welt weiter verschärft, wenn Agrarrohstoffe umkämpft sind und teuer werden – nicht zuletzt weil globale Lieferketten nicht auf deren Versorgung ausgerichtet sind. Einen ähnlich negativen Effekt hätte ein Umstieg der Industriestaaten von einer fossilen Wirtschaft hin zur Bioökonomie, sofern das industrielle Agrarsystem unverändert fortbesteht und unser Ressourcenverbrauch hoch bleibt.
  • Es dürfen heute keine Maßnahmen ergriffen werden, die nicht-nachhaltige Biomasse-Nutzungspfade über einen längeren Zeitraum festlegen. Die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Holzfeuerung sollte daher sofort gestoppt werden und die Förderung der Verschwendung von biogenen Rohstoffen für Treibstoffe durch die verordneten Beimischungsquoten muss umgehend beendet werden.
  • Das Potenzial der zur Verfügung stehenden biogenen Abfall- und Reststoffe ist ebenfalls stark begrenzt und eine direkte energetische Nutzung unter Umgehung einer Kaskade auch hier völlig unangemessen. Darüber hinaus sollte diese Stoffgruppe im Rahmen der Strategie möglichst eng gefasst und eindeutig definiert werden, um Schlupflöcher zu vermeiden. Schließlich beruht das Geschäftsprinzip von Branchen wie der Holzpellet-Industrie auf der Dehnbarkeit solcher Begrifflichkeiten, die unter dem Deckmantel der “Abfall- und Reststoffe” ganze Wälder zum Verfeuern kahlschlagen.
  • Das Kaskadenprinzip sollte mit einem klaren ordnungsrechtlichen Rahmen umgesetzt und der stofflichen Biomassenutzung eindeutig Vorrang vor der energetischen eingeräumt werden. Im Gegensatz zum Eckpunktepapier sollten Gründe der “wirtschaftlichen Machbarkeit” keine Abweichungen von diesem Prinzip rechtfertigen.
  • Die internationale Nachfrage nach Biomasse überschreitet das bestehende Angebot bereits erheblich und wird sich in Zukunft voraussichtlich noch steigern. Vor diesem Hintergrund ist es dringend erforderlich, Verlagerungseffekten der Biomasseproduktion in den Globalen Süden aktiv vorzubeugen. Es sollte vermieden werden, dass deutsche und europäische Klimaschutzambitionen dazu führen, dass die Biomasseproduktion im Globalen Süden zur Versorgung der Märkte des Nordens oder zur Treibhausgaskompensation ausgeweitet wird.

Die unterzeichnenden Verbände und Organisationen sind gewillt, ihre Expertise in den weiteren Prozess mit einzubringen. Damit verbunden ist die Erwartung, dass dies im Rahmen eines transparenten und für alle Stakeholder möglich machenden Verfahrens stattfindet. Denn nicht alle Stakeholder sind gleich. Während finanzkräftige Wirtschaftslobbyisten über umfangreiche Ressourcen verfügen, müssen auch die Rechte der Menschen, die in Hunger und Armut leben, sowie von Umwelt- und Naturschutz eine gleichberechtigte Stimme haben.

 

Unterzeichnende Organisationen:
ARA
Bergwaldprojekt
Brot für die Welt
BUND
denkhausbremen
DNR
FDCL
FIAN
Forum Umwelt und Entwicklung
Robin Wood

 

Download PDF Stellungnahme Biomassestrategie

 

Diese Stellungnahme wurde erarbeitet im Rahmen des Aktionsforum Bioökonomie.
Stand 21.12.2022

Kategorien: Ticker

#StandWithBach

Forum Umwelt & Entwicklung - 18. Januar 2023 - 15:57

Das Forum Umwelt und Entwicklung unterstützt zusammen mit Earth Rights International, Global Witness, PowerShift, International Rivers, Urgewald, Friends of the Earth United States und der Grassroots Foundation den Zusammenschluss #StandWithBach.

Gemeinsam weisen wir darauf hin, dass wir den Aktivisten Dang Dinh Bach nicht vergessen haben. Mit dem Vorwurf der “Steuerhinterziehung”, sollen Klimaaktivist*innen in Vietnam zum Schweigen gebracht werden. Doch ohne Aktive wie Bach wird die Energiewende Vietnams nicht gelingen.

 

https://www.standwithbach.org/

 

 

 

Kategorien: Ticker

Indien: eine Alternative zu China?

SWP - 18. Januar 2023 - 14:59
Kategorien: Ticker

Sabrina Gabel

E+Z - 18. Januar 2023 - 14:26
Sabrina Gabel dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 14:28 Sabrina Gabel sabrina.gabel@giz.de

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie arbeitet in einem Projekt für Bevölkerungsdynamik, Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Kategorien: Ticker

Susanne Schmid

E+Z - 18. Januar 2023 - 14:24
Susanne Schmid dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 14:25 Susanne Schmid schmids@hss.de

hat im Winter 2022/2023 als Leiterin des Referats „Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration“ an der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD) zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

Kategorien: Ticker

Sonja Haug

E+Z - 18. Januar 2023 - 14:21
Sonja Haug dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 14:23 Sonja Haug sonja.haug@oth-regensburg.de

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie ist Professorin für Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).

 

 

Kategorien: Ticker

Frank Swiaczny

E+Z - 18. Januar 2023 - 14:19
Frank Swiaczny dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 14:20 Frank Swiaczny frank.swiaczny@bib.bund.de

hat im Winter 2022/2023 als Wissenschaftler am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

Kategorien: Ticker

Just in time: Mit dem On-Demand-Shuttle unterwegs auf dem Land

reset - 18. Januar 2023 - 10:16

Allein im Jahr 2019 waren Autos in Deutschland für rund 164 Millionen CO2-Emissionen verantwortlich. Damit ist die Mobilität der einzige Sektor, der seine Emissionen in den letzten Jahrzehnten nicht reduzieren konnte. Und das, obwohl in vielen Städten das eigene Auto zu einem Luxus geworden, der sich leicht durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzen lässt. In ländlichen Gebieten dagegen ist ein Leben ohne Auto oft eine Notwendigkeit. Der Weg zur Arbeit, zum Arzt oder einfach nur zum Einkaufen ist nicht in 10 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen und viele abgelegene Gegenden sind gar nicht oder unzureichend an den ÖPNV angeschlossen. Mit Shuttle-Diensten auf Abruf wird nun vielerorts erprobt, die Lücke zwischen gemeinsam genutzten öffentlichen Verkehrsmitteln und individuellen Fahrten mit dem Auto zu schließen.

Das Problem der „letzten Meile“

Während die Bevölkerung in den Städten weltweit zunimmt, leben immer noch 43 Prozent der Weltbevölkerung in ländlichen Gebieten, in Europa sind es 27 Prozent. Dieser nicht unerhebliche Teil der Bevölkerung ist nach wie vor in hohem Maße auf das eigene Auto angewiesen. 90 Prozent der Haushalte in den ländlichen Gebieten Deutschlands besitzt mindestens ein Auto – ein großer Unterschied zu den Städten, in denen fast die Hälfte der Haushalte ohne ein eigenes Auto auskommt. Auch wenn viele Busse und Bahnen bereits kreuz und quer durchs Land kurven, scheitert die Mobilitätswende auf dem Land oft an der sogenannten „letzten Meile“. Es macht keinen Sinn, mit dem Zug zu fahren, danach in den Bus zu steigen, um dann an einer abgelegenen Haltestelle ohne Anschlussverbindung nach Hause festzusitzen. Es ist der letzte Schritt der Reise, der für viele das Auto immer noch unverzichtbar macht.

Leere Fahrten – Die Herausforderung der Auslastung © Marius Matuschzik/ Unsplash-Licence

Auch wenn Deutschland ein dicht besiedeltes Land ist, gibt es einige Gebiete, in denen die Bevölkerungsdichte und der Bedarf einfach nicht ausreichen, um eine regelmäßige Bahn- oder Busverbindung wirtschaftlich oder ökologisch tragfähig zu gestalten. Eine ganze Buslinie, die die täglichen Fahrten von 4 Fahrgästen abdeckt, ist immer noch nicht nachhaltig. Hier müssen andere Lösungen gefunden werden.

In der EU ist das Auto das vorherrschende Verkehrsmittel, wobei im Durchschnitt weniger als 2 Personen pro Auto unterwegs sind. Der Hauptanlass ins Auto zu steigen ist der tägliche Weg zur Arbeit, was dazu führt, dass viele leere Autos jeden Tag die gleichen Strecken fahren. Aber es gibt Hoffnung: Autos mit nur einem Fahrenden schneiden zwar deutlich schlechter ab als öffentliche Verkehrsmittel, aber mit jedem Mitfahrenden steigt die CO2-Effizienz. Die Anzahl der Fahrgäste ist damit ein wichtiger Faktor für eine effiziente Mobilität und macht etwa 70-90 Prozent der Emissionen aus, während nur die restlichen 10-30 Prozent durch Technologie, Bedingungen oder Entfernungen erklärt werden können. Um dies zu illustrieren: Die CO2-Effizienz eines Autos mit vier Fahrgästen ist ähnlich hoch wie die eines E-Scooters in Privatbesitz. Wenn wir ein Auto mit anderen teilen, verbessern wir also die Umweltauswirkungen unserer Reise drastisch – und entlasten zusätzlich die Verkehrsinfrastruktur.

Alle an Bord? Inklusion im ÖPNV

Was ist eigentlich mit allen, denen es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, ein Auto zu fahren? Können sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen? Nun, nicht immer. Immer wieder funktionieren Aufzüge nicht, Busse haben keine Rampe für einen Rollstuhl oder die Fahrpläne sind zu kompliziert oder nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen abgestimmt. Dies kann dazu führen, dass ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen auf Familienmitglieder oder Betreuer*innen angewiesen sind, die sie herumfahren. Neue, nachhaltigere Lösungen sollten auch zur Autonomie und sozialen Integration der Menschen beitragen.

Die Räder drehen sich – intelligente Lösungen durch Digitalisierung

Erfreulicherweise werden an verschiedenen Orten neue Initiativen aktiv, die Lösungen an der Schnittstelle von individueller Mobilität und öffentlichem Verkehr anbieten. Ermöglicht durch die Digitalisierung und oft angetrieben durch bürgerschaftliches Engagement, sind On-Demand-Shuttle-Dienste besonders in ländlichen Gebieten Deutschlands effektiv, wo keine Bahnen und Busse zur Verfügung stehen.

Eines der größten On-Demand-Projekte in Europa ist das Projekt „On-Demand Mobility für die Region Frankfurt/Rhein-Main„. Das Ziel ist es, die CO2-Emissionen im öffentlichen Raum zu reduzieren, indem Lücken im öffentlichen Angebot mit emissionsfreien Fahrzeugen, die rein batterieelektrisch oder mit Wasserstoffantrieb fahren, geschlossen werden. Der linien-und fahrplanunabhängige Verkehr wird dabei über eine digitale Plattform organisiert. Es ist das erste Mal, dass ein Projekt dieser Art in Deutschland über mehrere Regionen hinweg und mit einheitlichen Standards umgesetzt wird und damit ein Leuchtturmprojekt für viele weitere Initiativen.

Wie das On-Demand-Shuttle funktioniert? Nehmen wir an, du möchtest von zu Hause in die Stadt fahren, um einige Besorgungen zu machen. Entweder kannst du dir jetzt telefonisch oder über die RMV-On-Demand-App ein Shuttle bestellen. Über die App gibst du dein Start- und Endziel ein, wählst, ob du sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt fahren möchtest, buchst die Route und schon kann es losgehen! Die Bezahlung erfolgt direkt über die App, und die Preise richten sich nach dem regulären Tarif für öffentliche Verkehrsmittel mit einem kleinen Aufschlag für den Komfort. Um Emissionen zu sparen, übernimmt die Software dahinter das Ridepooling und fügt andere Fahrgäste zu deiner Fahrt hinzu, die eine ähnliche Strecke fahren wollen.

CleverShuttle CleverShuttle integriert On-Demand-Ridepooling in den ÖPNV.

Die Software hinter dem On-Demand-Shuttle in der Region Frankfurt hat „CleverShuttle“ entwickelt. Das Unternehmen bietet die Planung, Einrichtung und Verwaltung von Shuttle-Service-Projekten und die Software zur Koordinierung der Fahrten an und arbeitet bereits mit mehr als 18 Verkehrsbetrieben zusammen. Die Projekte zielen darauf ab, in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden den bestehenden öffentlichen Nahverkehr durch nachhaltige, flexible und bedarfsgerechte Shuttles zu ergänzen. Die Software von CleverShuttle ermöglicht dabei die digitale Steuerung sämtlicher Prozesse, von der Zuordnung von Schichten zu Fahrten über Wartungsaufgaben und der Zustandserfassung der Fahrzeugflotte bis hin zur Algorithmus-gesteuerten Bündelung der Fahrtanfragen und der Navigation der Fahrer*innen zum jeweiligen Start- und Endpunkt der Buchung. Fahrgäste können hier ihre Fahrten buchen und alle wichtigen Auskünfte zu Preisen, Wartezeiten und Ankunft abrufen.

In Lübeck setzt die Initiative „In2Lübeck“ vor allem auf die Beteiligung der Bürger*innen, um einen möglichst nutzerzentrierten Service zu entwickeln. Die Shuttlebusse sind seit einigen Jahren im Einsatz und aus der lokalen Mobilität nicht mehr wegzudenken. Durch Workshops, Umfragen und Dialogveranstaltungen will das Projekt nun über den Shuttleservice hinausgehen und zu einer Veränderung der Verkehrslandschaft der Stadt insgesamt beitragen.

Doch wie effektiv sind diese Dienste?

Shuttle-Dienste auf Abruf können das Verkehrsaufkommen wirksam reduzieren, insbesondere im Gegensatz zu Taxidiensten, die das Verkehrsaufkommen durch leere Fahrten erhöhen, wie eine langjährige Studie aus Hamburg belegen konnte. Zusätzlich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln können sie viele Menschen unabhängiger von ihrem Auto machen, was dazu führt, dass weniger Autos pro Haushalt benötigt werden.

Ein großer Schwerpunkt muss dabei jedoch darauf gelegt werden, die sozialen und nachhaltigen Vorteile zu einem integralen Bestandteil von Shuttle-Diensten auf Abruf zu machen. Der Einsatz von E-Autos und das Angebot von Mitfahrgelegenheiten für mehr Menschen könnten wirksame Maßnahmen sein, um zu verhindern, dass sie zu einem Taxi-Ersatz werden, und sie für neue Bevölkerungsgruppen attraktiv zu machen. Insbesondere ältere Menschen könnten von diesen Diensten profitieren; eine Herausforderung besteht jedoch darin, diese Dienste für Menschen zugänglich zu machen, die nicht über die notwendigen digitalen Fähigkeiten verfügen, um Fahrten online zu buchen.

Ein wesentlicher Schlüssel dazu, dass Abrufdienste zu einer attraktiven Alternative zum Privatwagen werden, scheint eine gut umgesetzte Integration in den bestehenden öffentlichen Verkehr zu sein. Dabei ist die Finanzierung flexibler On-Demand-Dienste ist eine Herausforderung, mit der viele kleinere Betreiber*innen noch zu kämpfen haben, insbesondere wenn es um digital verwaltete Dienste geht. Außerdem gilt es, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die experimentelle und projektbasierte Phase zu verlassen und diese Initiativen skalierbar zu machen und ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

Derzeit befinden sich On-Demand-Shuttle-Services noch in einer rechtlichen Grauzone, wenn sie Teil des öffentlichen Verkehrssystems werden und dann auf Antrag und Genehmigung gemäß der Experimentierklausel des Personenbeförderungsgesetzes angewiesen sind. Die Herausforderung besteht darin, eine Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes auf den Weg zu bringen, um für innovative digitale On-Demand-Dienste mehr Rechtssicherheit zu schaffen. Gleichzeitig müssen auf der finanziellen Seite neue Finanzierungsrahmen gefunden werden, um Bundes- und Regionalisierungsmittel für lokale Projekte bereitzustellen. Ein Vorschlag ist zum Beispiel ein „Ein-Prozent-Fonds„, mit dem Regionalisierungsmittel für diese Angebote von den zuständigen Behörden und verantwortlichen Bestellern ausgeschrieben werden können.

Es ist noch ein weiter Weg, bis Shuttle-Dienste zu einem gut integrierten Teil des ländlichen Verkehrs werden. Aber neue, wegweisende Projekte zeigen, wie die digitale Vernetzung zur lokalen Verbesserung einer globalen Nachhaltigkeitsherausforderung werden kann. Werden On-Demand-Shuttle und Ridepooling-Services gut ausgeführt, können sie durchaus eine sehr effektive Lösung sein – und idealerweise zu einem Katalysator werden, dass mehr Menschen ihre Autoabhängigkeit überdenken.

Dieser Artikel gehört zum Dossier „Mobilitätswende – Smart in Richtung Klimaneutralität“. Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers zum Thema „Mission Klimaneutralität – Mit digitalen Lösungen die Transformation vorantreiben“ erstellen.

Mehr Informationen hier.

The post Just in time: Mit dem On-Demand-Shuttle unterwegs auf dem Land appeared first on Digital for Good | RESET.ORG.

Kategorien: Ticker

Join Our Webinar on 7 February 2023: Insights From Our sustainable.circular Programme

SCP-Centre - 18. Januar 2023 - 10:15

Circular Economy efforts are not always on target with the desired sustainability results. Our programme, sustainable.circular was developed with this idea in mind: to ensure that developments toward a Circular Economy are guided by a clear objective to achieve greater sustainability. The first round of sustainable.circular focuses on identifying activities and instruments that bridge existing differences between sustainability and circular efforts in German small and medium-sized enterprises (SMEs).

During the first phase of this round of the programme, a survey was conducted on the strategic approaches as well as needs within companies when it comes to closing the gap between circularity and sustainability. Aspects such as skills, management tools, and pre-conditions for change processes were analysed in detail. The results were discussed in follow up expert-interviews which generated additional insights and a future outlook. Learnings from these activities will be shared and discussed during the webinar.

In particular, the webinar will address the following questions:

  • Are circular approaches, business models, and products always sustainable?
  • Is sustainability in the future no longer conceivable without circularity?
  • What potentials and challenges do entrepreneurs see in implementing circular approaches?
  • What kind of support do SMEs need when it comes to implementing circular solutions?

Speakers:
Dr. Katharina Reuter, Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft – BNW
Michael Kuhndt, CSCP
Sophie Herrmann, SYSTEMIQ
Dr. Florian Hofmann, Circular Society Platform

Date: 7 February 2023
Time: 15:00-17:00 CEST
Language: German
Cost: Free of charge
Registration: Join the webinar by registering here.

The first round of our sustainable.circular programme is supported and funded by the German Federal Environment Foundation (Deutsche Bundesstiftung Umwelt – DBU) and in cooperation with the Federal Association for Sustainable Economy (Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft – BNW e.V.).

For further questions, please contact Mike Tabel.

The post Join Our Webinar on 7 February 2023: Insights From Our sustainable.circular Programme appeared first on CSCP gGmbH.

Kategorien: english, Ticker

UNSER BLICKPUNKT: Wir fragen uns, was ist „fair“?

EINEWELTblabla - 18. Januar 2023 - 9:39

Wir freuen uns, in diesem Jahr einige Texte des EPIZ Entwicklungspolitisches Informationszentrum Göttingen veröffentlichen zu dürfen! Ab jetzt lest ihr jeden Monat einen Beitrag der Reihe „Unser Blickpunkt“.

Wie schön wäre es, wenn „Fairer Handel“ uns endlich globale Gerechtigkeit bringen würde. Wie gerne würden wir tagtäglich in einem der vielen Weltläden oder einem der vielen verwandten Geschäfte einkaufen und uns ansonsten nicht mit Armut, Hunger und Ausbeutung weltweit beschäftigen zu müssen. Laut einer Studie des Forum Fairer Handel gab jede vierte befragte Person an, regelmäßig fair gehandelte Produkte zu kaufen – das sind doch gute Nachrichten, oder?

Viele haben Zweifel, auch der slowenische Philosoph Slavoj Žižek. Er verweist in einem sehr empfehlenswerten Beitrag auf die problematischen Dynamiken. Dazu zählt, dass unreflektierter und unkritischer „ethischer“ Konsum das ausbeuterische System eher stützt: Er kann dazu beitragen einigen Produzentinnen ein besseres Auskommen zu ermöglichten. Dadurch verhindert er aber eventuell die Umstrukturierung globaler Handelsbeziehungen als Ganzes. Drastisch formuliert Žižek: „Die schlimmsten Sklavenhalterinnen sind diejenigen, die nett zu ihren Sklav*innen sind.“

Das Unternehmen „fairafric“ wirbt damit, dass die Produktion der Schokolade nicht wie üblich in Europa, sondern in Ghana stattfindet. Damit bleibt ein größerer Teil der Wertschöpfung als üblich im Ursprungsland – jedoch weiterhin weniger als die Hälfte. Wir und andere fragen uns: Ist dafür die Bezeichnung „superfair“ gerechtfertigt, die das Unternehmen auf die Schokoladen druckt?
Der Begriff „fair“ ist nicht geschützt, worauf die Guerilla Aktion „Agraprofit“ schon 2012 eindrucksvoll hinwies – mit einem Marktstand der Spottpreise anbot, die fair waren – für die Konsument*innen.

Um breitenwirksam zu sein muss der Fairer Handel flankiert werden von Kampagnenarbeit, wie sie neben den Weltläden beispielsweise die Initiative Lieferkettengesetz betreibt: Sie kämpft für eine EU-weite Regelung von Arbeits- und Produktionsbedingungen. Andere, wie die Vereine „Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung“ oder „Germanwatch“ setzen zusätzlich auf transformative Bildungsarbeit.

Davon lassen wir uns gerne inspirieren: Während wir faire Schokolade schlemmen – oder auch andere faire Produkte konsumieren – wollen wir gerne noch mehr Reflexionsgespräche über die Transformation des globalen Handelsregimes führen. Sicherlich auch eine prima Vorbereitung auf die Faire Woche, die im September wieder bundesweit das Thema Fairer Handel sprichwörtlich in alle Munde bringen will.

Einen guten – nein, einen superguten! – Start ins neue Jahr wünschen
Chris Herrwig und das EPIZ-Team!

P. S.: Der Text erschien in leicht veränderter Form zuerst im Sommer 2022 beim EPIZ Göttingen.

Der Beitrag UNSER BLICKPUNKT: Wir fragen uns, was ist „fair“? erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

Kategorien: Ticker

23-01-18_Marian Burchardt_Florian Stoll - Ghana - tech industry

E+Z - 18. Januar 2023 - 2:00
23-01-18_Marian Burchardt_Florian Stoll - Ghana - tech industry dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 02:00 Ghanaische IT-Unternehmen konkurrieren um die besten Köpfe, sowohl auf dem einheimischen als auch auch auf dem globalen Arbeitsmarkt Arbeitsmarkt Braindrain in Ghanas Digitalbranche Die vergleichsweise attraktiven Jobs im ghanaischen IT-Sektor ziehen erfolgsorientierte, wechselbereite junge Leute an. Der Konkurrenzkampf um hoch qualifizierte Talente tobt nicht nur zwischen einheimischen Unternehmen, sondern zunehmend auch auf dem globalen digitalisierten Arbeitsmarkt. 18.01.2023Subsahara-Afrika Hintergrund SDG4 SDG8 SDG9 Arbeit Bildung Ausbildung Globalisierung Informationstechnologie Privatwirtschaft

Die Situation auf dem ghanaischen Arbeitsmarkt ist für junge Menschen schwierig. Die globale Wirtschaftskrise hat auch vor Ghana nicht haltgemacht, die Inflationsrate des Landes lag im Sommer bei mehr als 30 Prozent. Unter den Jugendlichen sowie Universitätsabsolventinnen und -absolventen ist die Arbeitslosigkeit hoch (siehe Kasten).

Innerhalb der relativ kleinen Gruppe formell angestellter junger Menschen sehen sich viele bereits kurz nach Stellenantritt nach neuen Jobs um. Wegen der hohen Zahl von Bewerbungen auf einzelne Jobs nehmen sehr viele Personen auch Stellen an, deren Bezahlung, Tätigkeit und Arbeitsbedingungen nicht ihren Wünschen entsprechen. Die einmal erlangte Stelle wird also mitnichten als Garant für ein erfüllendes Leben und stabile Erwerbsverhältnisse wahrgenommen. Weshalb ist dies so? Mit dieser Frage setzt sich ein Forschungsprojekt auseinander, das seit Mai 2020 am Institut für Soziologie der Universität Leipzig angesiedelt ist und Fördermittel vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erhält.

Die Dynamiken des Jobwechsels lassen sich besonders gut im Sektor der Digitaltechnologien verfolgen. Seit einigen Jahren versuchen ghanaische Firmen, das indische Erfolgsrezept des Aufbaus einer digitalen Service-Industrie zu kopieren. Eine davon, wir nennen sie aus Gründen der Anonymität „Tiger Comp“, wurde 2019 gegründet und hat Stand Herbst 2022 in Ghana und einem anderen afrikanischen Land 200 Arbeitsplätze geschaffen. Tiger Comp bietet jungen Universitätsabsolventinnen und -absolventen eine sechsmonatige Ausbildung in Bereichen wie Software-Entwicklung, Software-Testing und Datenanalyse. Im Anschluss daran sollen sie eine Anstellung erhalten und Aufträge von Firmenkunden weltweit bearbeiten.

Große Autonomie

Im August 2022 interviewten wir gut 20 Angestellte der in einer ghanaischen Mittelstadt angesiedelten Firma. Wir fragten nach ihren familiären Hintergründen, ihren Erfahrungen während Ausbildung und Jobsuche sowie ihren Wünschen und Zielen. Fast alle Befragten waren unverheiratet, Single und verfügten über große Autonomie in ihrer Lebensgestaltung. Die Unabhängigkeit von örtlichen familiären Bindungen erlaubte es ihnen, ohne große Umstände aus verschiedenen Regionen in die Mittelstadt zu wechseln. Auch während der Zeit im Unternehmen blieb diese Ungebundenheit bestehen. Dieses auf Autonomie und persönlichen Erfolg ausgerichtete Selbstverständnis fördert die positive Einstellung gegenüber einer fortgesetzten Suche nach besseren Jobs mit schnelleren Aufstiegspfaden, höheren Grundgehältern und üppigeren Boni als bei Tiger Comp. Es verstärkt auch die Bereitschaft, für den nächsten Job in die nächste Stadt zu wechseln, etwa in die beiden größten Zentren Accra und Kumasi, oder sogar ins Ausland.

Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften im IT-Sektor ist hoch. Tatsächlich werden Ausbildungsfirmen wie Tiger Comp teils Opfer ihres eigenen Erfolgs. Die Ausgebildeten erhalten bisweilen rasch Angebote mit dem doppelten bis dreifachen Gehalt. Die Geschäftsführung von Tiger Comp sieht daher auch das Abfischen der besten Köpfe in der Branche als tiefgreifendes Problem. Die Covid-Pandemie hat diese Tendenzen verstärkt. Unsere Forschung hat gezeigt, dass auch europäische und amerikanische Unternehmen Service-Aufträge vermehrt direkt an IT-Fachleute im globalen Süden vergeben – also nicht nur an Unternehmen wie Tiger Comp, sondern an Selbstständige, die im ghanaischen Homeoffice arbeiten.

Eyram Tawia Sabine Balk 29.09.2022 Coronavirus mit Computerspiel bekämpfen

Konkurrieren auf zwei Arbeitsmärkten

Firmen wie Tiger Comp konkurrieren somit auf zwei Arbeitsmärkten zugleich um die besten Köpfe: einerseits dem ghanaischen, andererseits dem global entgrenzten, digitalisierten. Die niedrigen Lohnkosten ghanaischer Unternehmen – eigentlich ein Standortvorteil – zeigen ihre Schattenseite: Die Firmen können die von der westlichen Konkurrenz aufgerufenen Löhne schlicht nicht zahlen. Andererseits entstehen für im Ausland angestellte ghanaische IT-Fachleute Einnahmequellen, die kollektive Entwicklungsimpulse setzen können.

Wenngleich die Angestellten von Tiger Comp immer wieder bessere Verdienstmöglichkeiten als zentrales Motiv für einen Jobwechsel nannten, spielten auch andere innerbetriebliche Faktoren eine Rolle, etwa das punktuell als negativ empfundene Betriebsklima. Gegen einen Jobwechsel spricht dagegen die Möglichkeit, Weiterbildungen finanziert zu bekommen.

Risikobereitschaft und berufliche Flexibilität sind für die IT-Beschäftigten keineswegs unbedingt Werte an sich. Sie streben eine gewisse Dauerhaftigkeit im Berufsleben an, solange sich damit andere Ziele vereinbaren lassen, etwa finanzielle Stabilität. Dazu gehört auch die Unterstützung von Verwandten, die ihrerseits beispielsweise zuvor die Studiengebühren der Befragten finanziert hatten.

Grundsätzlich sind IT-Fachleute hinsichtlich Anstellungs- und Aufstiegschancen unter Berufstätigen in Ghana privilegiert, das zeigt etwa ein Vergleich mit dem Textilsektor. In einer von uns untersuchten Textilfabrik verdienen die Beschäftigten nur einen Bruchteil der IT-Fachleute. Mit ihren am ghanaischen Mindestlohn ausgerichteten Einkünften können sie kaum die Kosten für Miete, Transport und Essen decken. Dennoch hat 2022 niemand der etwa 90 Mitarbeitenden von sich aus die Firma verlassen. Viele erzählten uns von ihrem Wunsch nach einer besser bezahlten Arbeit, die sie jedoch nicht fänden.

Marian Burchardt ist Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig und Leiter des vorgestellten Forschungs­projekts.
marian.burchardt@uni-leipzig.de

Florian Stoll arbeitet als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig und forscht in dem beschriebenen Projekt zu Gründen für Jobwechsel in Ghana.
florian.stoll@uni-leipzig.de

Armutsbekämpfung Governance Off Off Marian Burchardt

hat im Winter 2022/2023 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

 

Florian Stoll

hat im Winter 2022/2023 als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig zu E+Z/D+C beigetragen.

Überall anzeigen
Kategorien: Ticker

Krisenfeste Landwirtschaft braucht natürliche Lebensgrundlagen

SID Blog - 17. Januar 2023 - 20:32
7. BMUV-Agrarkongress „Lebensgrundlagen sichern – Krisen begegnen" setzt Zeichen für gemeinsame Wege zu nachhaltiger Landwirtschaft

Bundesumweltministerin Steffi Lemke eröffnet heute gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und der Exekutivsekretärin des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), Elisabeth Mrema, den diesjährigen BMUV-Agrarkongress. Klimakrise, Artenaussterben und Umweltbelastungen bedrohen die natürlichen Lebensgrundlagen und gefährden damit auch die Landwirtschaft immer stärker. Die Auswirkungen des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine zeigen noch einmal deutlicher, wie verletzlich unsere Agrar- und Ernährungssysteme sind. Umweltschutz und Landwirtschaft müssen daher zusammen gedacht werden. Ein besonderes Augenmerk gilt in diesem Jahr dem Bodenschutz als Voraussetzung für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung.

Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke: „Auf der Weltnaturkonferenz in Montreal haben wir einen Schutzschirm für unsere Lebensgrundlagen aufgespannt. Das gilt es jetzt umzusetzen, auch in unseren Agrarlandschaften. Die Artenvielfalt erhalten, das Klima schützen, Wasser, Boden und Luft sauber halten – all das kommt auch der Landwirtschaft und unserer Ernährungssicherheit zugute. Gerade krisenhafte Zeiten erfordern den Schulterschluss von Umwelt und Landwirtschaft. Dazu gehört, Nährstoffüberschüsse sowie die Verwendung und das Risiko von Pestizideinsätzen bis 2030 zu halbieren, durch ökologische Ansätze und Produktionsweisen die Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen und den Schutz der Böden als natürliche Lebensgrundlage mit einer großen biologischen Vielfalt voranzutreiben, gerade auch mit gezielten Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes. Damit gehen wir die miteinander verbundenen ökologischen Krisen gemeinsam an und sorgen für eine nachhaltige und krisenfeste Landwirtschaft."  

Bundeslandwirtschafts- und Ernährungsminister Cem Özdemir: „Ernährung sichern, das heißt de facto auch Frieden und Selbstbestimmung sichern. Daraus kann nur eines folgen: Wir müssen unsere Landwirtschaft zukunftsfest machen. Das bedeutet einerseits, gemeinsam Abhängigkeiten runterzufahren – sei es von energieintensiven Düngern oder importiertem Futter. Andererseits muss das Nutzen und Schützen unserer natürlichen Ressourcen Hand in Hand gehen. Wir schaffen die Voraussetzungen, damit sich die Leistungen der Landwirtschaft für mehr Nachhaltigkeit lohnen. So werden wir bei der EU-Agrarpolitik Zahlungen Schritt für Schritt an den Kriterien Klima-, Umwelt-, Arten- und Tierschutz ausrichten. Und mit dem 900 Millionen Euro starken Wald-Klima-Paket unterstützen wir die Waldbesitzenden dabei, unsere Wälder zukunftsfest zu machen. In diesem Sinne gehen wir auch die nächsten Schritte gemeinsam, egal ob auf dem Acker, im Stall, Wald oder Moor."

Eine krisenfeste Landwirtschaft ist auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Umwelt und Landwirtschaft sind gemeinsam gefordert, diese Lebensgrundlagen zu erhalten – als Voraussetzung eines nachhaltigen Ernährungssystems. Ein Schlüssel für sichere Ernten und eine krisenfeste Landwirtschaft sind unsere Böden. Intakte, lebendige und fruchtbare Böden nehmen Wasser besser auf und speichern es. Damit mildern sie die Folgen von Klimakrise und Extremwetterereignissen. Gesunde Böden sind ein Hort der biologischen Vielfalt und ein komplexes Ökosystem. Als bedeutender Kohlenstoff-Speicher sind humusreiche Böden ein wichtiger Faktor für wirksamen Klimaschutz. Das Bundesumweltministerium (BMUV) strebt daher an das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Böden enthält, noch im ersten Quartal ins Kabinett zu bringen. Darüber hinaus arbeitet das BMUV aktiv an der geplanten neuen europäischen Bodenschutzregelung mit und prüft derzeit auch Änderungen am deutschen Bodenschutzrecht. Bereits anlässlich des 6. Agrarkongresses vor einem Jahr haben Bundesumweltministerin Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir eine strategische Allianz zwischen Umwelt und Landwirtschaft begründet. Die Zusammenarbeit kommt Umwelt, Natur und Klima ebenso zugute wie den Landwirt*innen und vor allem auch den Verbraucher*innen.

Die Erkenntnis, dass Landwirtschaft und Umweltschutz nur gemeinsam funktionieren, setzt sich langsam auch weltweit durch. So wurde auf der Weltnaturkonferenz in Montreal im Dezember nicht nur ein Aktionsplan zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt im Boden beschlossen, die Staatengemeinschaft hat sich auch dazu verpflichtet, Nährstoffüberschüsse und das Risiko von Pestizideinsätzen bis 2030 zu halbieren. Auch die Übereinkunft, biodiversitätsschädliche Subventionen bis zum Jahr 2030 in Höhe von weltweit 500 Milliarden Dollar pro Jahr abzubauen und stattdessen positive Anreize zu erhöhen, unterstreicht die Notwendigkeit von Veränderungen. Die Beschlüsse geben dem Ziel der Bundesregierung Rückenwind, mit der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik stärker auf eine Honorierung von Umweltleistungen setzen zu wollen – und sich für die GAP nach 2027 verstärkt für die Verankerung des Prinzips „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen" einzusetzen.

Hintergrund:

Der 7. Agrarkongress des BMUV steht unter der Überschrift „Lebensgrundlagen schützen, Krisen begegnen" und bietet ein hochrangig besetztes Forum, um über Vorschläge für eine krisensichere und nachhaltige Landwirtschaft zu diskutieren. Neben Bundesumweltministerin Lemke nehmen Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir, die Exekutivsekretärin des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), Elizabeth Maruma Mrema, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Sabine Riewenherm, die Politökonomin, Prof. Dr. Maja Göpel und der Meteorologe Sven Plöger am ersten Teil des Agrarkongresses teil. In weiteren Panels beteiligen sich der Staatssekretär im BMUV, Stefan Tidow, die Staatssekretärin im BMEL, Silvia Bender, und der Staatssekretär im BMWK, Dr. Patrick Graichen, an der Diskussion über Wege hin zu einer krisenfesten Landwirtschaft. Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMUV, Dr. Bettina Hoffman, wird das Schlusswort sprechen. Weitere Teilnehmer*innen sind neben dem Landwirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, dem Präsidenten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, dem Vorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Olaf Bandt, weitere Verbändevertreter*innen, Wissenschaftler*innen und sowie Praktiker*innen aus Landwirtschaft und Naturschutz.

Das Programm und die Zugangsdaten zum BMUV-Agrarkongress 2023 finden Sie unter: https://www.bmuv.de/VE2109 


Florian Stoll

E+Z - 17. Januar 2023 - 17:41
Florian Stoll dagmar.wolf Di., 17.01.2023 - 17:43 Florian Stoll florian.stoll@uni-leipzig.de

hat im Winter 2022/2023 als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig zu E+Z/D+C beigetragen.

Kategorien: Ticker

Marian Burchardt

E+Z - 17. Januar 2023 - 17:37
Marian Burchardt dagmar.wolf Di., 17.01.2023 - 17:40 Marian Burchardt marian.burchardt@uni-leipzig.de

hat im Winter 2022/2023 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

 

Kategorien: Ticker

Seiten

SID Hamburg Aggregator – Ticker abonnieren