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Projekte für Nachhaltigkeit und Frieden

Engagement Global - 2. September 2022 - 8:41
ASA-Teilnehmende bereiten sich auf ihre Projekte vor. Foto: René Frampe

Im Einsatz für eine global nachhaltige Entwicklung: Im September machen sich zwei junge Menschen auf den Weg nach Gambia und zwei andere reisen in den Kosovo – sie engagieren sich in ASA-basis-Projekten. Die Teilnehmenden mit Lebensmittelpunkt in Deutschland werden im Zuge des Programms die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NRO) in den Projektländern unterstützen. Die NRO setzen sich in verschiedenen Bereichen und in unterschiedlichen Formen für eine global nachhaltige Entwicklung ein.

Das Ziel der jungen Menschen: entwicklungspolitisches Engagement konkret umsetzen, global Lernen und an nachhaltiger Entwicklung mitwirken. Das Projekt im westafrikanischen Land ermöglicht den Teilnehmenden, Jugendorganisationen bei der Aufklärungsarbeit zu Umweltthemen zu unterstützen. Der Fokus des Projektes im Kosovo liegt auf den gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen einer Nachkriegsregion.

Jugend für nachhaltige Entwicklung

Die Organisation Youth in move for change (YMC) mit Sitz in Banjul, der Hauptstadt Gambias, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensbedingungen von Jugendlichen zu verbessern. Die NRO bietet Workshops und Seminare an, in denen sich die Teenager in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Gender und Umwelt weiterentwickeln können. Das dabei erlangte Wissen soll sie befähigen, sich aktiv in die Gemeindearbeit einzubringen und ihnen für ihren Lebensweg Sicherheit und Selbstvertrauen mitgeben.

Die ASA-Teilnehmende können sich im dreimonatigen Projektzeitraum 2022 besonders im Bereich Umwelt engagieren – bei der Durchführung von thematischen Workshops, in Weiterbildungsangeboten zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit der Organisation. Das Bildungsprojekt für junge Menschen bietet den ASA-Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigenen Kenntnisse in die Arbeit einzubringen, diese zu vertiefen und voneinander zu lernen. Am 1. September geht es für die zwei Teilnehmenden los.

Es ist ein Tag, der auch auf die rund 21 Millionen Menschen Aufmerksam machen soll, die noch heute in prekären Arbeitsverhältnissen ähnlich der Sklaverei tätig sind. Auch in anderen aktuellen Debatten und Lebensbereichen zeigt sich, wie notwendig eine starke Erinnerungskultur ist. So braucht es für ein Verständnis der internationalen Wirtschaft auch ein Bewusstsein für die historisch bedingte Abhängigkeit mancher Länder des Globalen Südens. Ein weiteres Beispiel ist der Umgang und die Wahrnehmung von Rassismus im Globalen Norden.

Kriegsvergangenheit aufarbeiten

Zivilgesellschaftliche Bündnisse stärken, sich für ein friedliches Zusammenleben engagieren und zu gewaltfreien Lösungen beitragen wollen die ASA-Teilnehmenden, die am 15. September in den Kosovo reisen werden. Das Projekt, an dem sie mitwirken, setzt sich für die Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit ein und stößt in der Nachkriegsregion Entwicklungsprozesse an. Durchgeführt wird es vom Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD). Das Forum ist in ehemaligen Krisengebieten aktiv, um friedliche Entwicklungen vor Ort zu begleiten und zu fördern.

Das Ziel: Vergangenheit kritisch beleuchten und der lokalen Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich mit dieser auseinanderzusetzen. Zugleich forscht forumZFD zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Die ASA-Teilnehmenden tragen dazu bei, indem sie die Allianzbildungen mit zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren vor Ort begleiten oder bei der Entwicklung von Workshops und Trainings mitwirken.

Am ASA-Programm können junge Menschen zwischen 21 und 30 Jahren teilnehmen, die in Ausbildung oder Studium sind. Bewerbungen sind jedes Jahr von Dezember bis Januar möglich.

Weitere Informationen
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Für Ernährungssicherheit trotz Klimakrise und Krieg - PIK Policy Brief

SID Blog - 2. September 2022 - 1:21
Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)

01.09.2022

Für Ernährungssicherheit trotz Klimakrise und Krieg

Um die Welternährung zu sichern, ist eine Wende hin zu mehr pflanzlichen und weniger tierischen Lebensmitteln nötig. Das erklären Forschende in einem heute veröffentlichten 'Policy Brief'. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine Verknappung mancher Agrarprodukte sowie von mit Gas hergestelltem Mineraldünger ausgelöst. Die Folge ist ein Preisanstieg bei Lebensmitteln. Gleichzeitig bedrohen mit der zunehmenden Klimakrise Dürren und Sturzfluten die Ernten weltweit. Die Forschenden zeigen die Zusammenhänge auf – und machen konkrete Empfehlungen, wie eine Ernährungswende eingeleitet werden könnte.

Während weltweit rund 80% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt wird, tragen diese nur zu 18% der globalen Kalorienversorgung bei, so die Forschenden. Wenn ein größerer Teil der Ackerflächen für die Erzeugung von Essen für Menschen statt von Futter für Tiere genutzt würde, ließe sich das Angebot von Lebensmitteln rasch und nachhaltig ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern. Weniger Flächenverbrauch für die Landwirtschaft könnte zugleich das Artensterben reduzieren. Zudem ist klar: Die Erzeugung tierischer Lebensmittel führt zu einem erheblichen Ausstoß von Treibhausgasen und damit der globalen Erwärmung mit ihren Wetterextremen. Auch hier würde eine Wende hin zu mehr pflanzlicher Ernährung helfen.

Die Forschenden schlagen drei Maßnahmen vor:

1. Einen Transformationsfonds zur Umstellung der Außer-Haus-Verpflegung, etwa in Kantinen, und zur Förderung von Landwirten und Landwirtinnen beim Ausbau der Produktion von Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse.
2. Die Einführung bestimmter wirkungsvoller Entlastungspakete und Lenkungsabgaben für Verbraucherinnen und Verbraucher.
3. Eine Zukunftskommission Ernährung und Landwirtschaft sowie die Kompetenzerweiterung des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz zum Monitoring des Transformationsprozesses.


Veröffentlichung: Lukas Paul Fesenfeld, Lisa M. Pörtner, Benjamin Leon Bodirsky, Marco Springmann, Peter von Philipsborn, Franziska Gaupp, Daniel Müller, Josef Settele, Sabine Gabrysch, Florian Freund, Linus Mattauch, Felix Creutzig, Hermann Lotze-Campen (2022): Für Ernährungssicherheit und eine lebenswerte Zukunft. Pflanzenbasierte Ernährungsweisen fördern, Produktion und Verbrauch tierischer Lebensmittel reduzieren. Policy Brief, Zenodo [DOI:10.5281/zenodo.7038961]

Weblink zur Veröffentlichung: https://zenodo.org/record/7038961#.Yw_YVxxBw2w



Zivilgesellschaft fordert Ernährungswende in öffentlich finanzierten Einrichtungen

SID Blog - 2. September 2022 - 1:18
Petition und Positionspapier zeigen dringenden Handlungsbedarf

Das aktuelle Ernährungs- und Landwirtschaftssystem verursacht Schäden mit hohen gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten. Deswegen wenden sich 41 zivilgesellschaftliche Organisationen an den Hamburger Senat und fordern schnelle politische Maßnahmen für eine Ernährungswende in öffentlich finanzierten Einrichtungen. In ihrem Positionspapier und einer Online-Petition verlangen sie eine zukunftsfähige Ernährung und faire Preise bei der Verpflegung in Kitas, Schulen und anderen öffentlich finanzierten Einrichtungen.

„Die Politik steht in der Verantwortung, in Einrichtungen, die mit Steuergeldern finanziert sind, eine Ernährungswende voranzubringen. Wir brauchen mehr Klima- und Umweltschutz beim Essen. Gleichzeitig muss die Politik für faire Löhne in den Lieferketten und für bezahlbare Preise für die Kinder und ihre Eltern sorgen. Dafür sind mehr öffentliche Zuschüsse für das Essen in Kitas und Schulen genauso notwendig wie verbindliche Nachhaltigkeitsstandards", erläutert Julia Sievers von der Agrar Koordination.

Das breite Bündnis aus den Bereichen Umweltschutz, Tierschutz, Kirche und Entwicklungspolitik fordert, dass der Einsatz von ökologisch produzierten und fair gehandelten Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung schrittweise erhöht wird. Bis 2030 sollten in öffentlich finanzierten Einrichtungen alle Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft kommen.

Die Nichtregierungsorganisationen schlagen in ihrem Positionspapier vor, dass die Politik parallel zur Etablierung von Mindeststandards ein Förderprogramm finanziert, damit durch Bildungs- und Beratungsangebote die Umstellung auf eine nachhaltige Ernährung unterstützt wird.

„Europäische Städte wie Kopenhagen setzen bereits seit Jahren 90 Prozent Bio in allen öffentlichen Kantinen um – und dies haben sie dank intensiver Beratungsangebote erreicht, ohne dass sich die Kosten für die Mahlzeiten erhöht haben. Auch in Deutschland gibt es bereits mehrere Vorreiterstädte. Berlin hat zum Beispiel mit der Kantine Zukunft eine Beratungsinitiative nach dem Kopenhagener Vorbild ins Leben gerufen. Auch Hamburg sollte ambitioniertere Zielvorgaben in öffentlichen Kantinen beschließen und mittels Beratungsförderung umsetzen", findet Alexandra Wandel, Stiftung World Future Council.

„Für die nicht-regionalen Lebensmittel ist es wichtig, eine global verantwortliche Lieferkette sicherzustellen. Der Faire Handel ist mit seinen direkten, nachhaltigen und transparenten Produktionswegen ein Pionier seit 50 Jahren. Da Kakao, Bananen oder Kaffee vorerst nicht in der Hamburger Region wachsen werden, muss hier der Faire Handel eine Vorbildrolle einnehmen", betont Christine Prießner, Koordinatorin der Fair Trade Stadt Hamburg.

Das Bündnis ruft die Menschen in Hamburg dazu auf, sich den Forderungen anzuschließen und die Online-Petition zu unterzeichnen. Weitere Organisationen sind als Unterzeichner des Positionspapiers ebenfalls willkommen.

Der Start der Petition und die Veröffentlichung des Positionspapiers erfolgen im Rahmen einer bundesweiten Initiative für eine Ernährungswende unter dem Motto „Zukunft pflanzen. Nahrung sichern" #Ährensache.

Positionspapier: https://bit.ly/3KrDHPJ

Petition: https://www.agrarkoordination.de/index.php?id=829

Pressemitteilung: PM_Ernaehrungswende.pdf (agrarkoordination.de)


Frank Schwabe zu den Verbrechen an Uiguren in Xinjiang

SID Blog - 2. September 2022 - 1:16

SPD-Bundestagsfraktion 01.09.2022 - Nr. 190/2022
Arbeitsgruppe: Menschenrechte und humanitäre Hilfe


Verbrechen an Uiguren in Xinjiang

Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher:

Der gestern veröffentlichte Bericht der Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet zur Lage der Uiguren in der Region Xinjiang in China bestätigt schlimmste Befürchtungen. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert China auf, sich zu erklären und umgehend Transparenz herzustellen.

„Dem Bericht nach sind in Xinjiang womöglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden. Hunderttausende Uiguren und Mitglieder anderer Minderheiten wurden in Umerziehungslager gesteckt, haben dort Folterung und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung erfahren.

Was vielen Kennern der Szene klar war, hat dadurch jetzt auch den Stempel der Vereinten Nationen. Dass die chinesische Regierung sich einer Debatte darüber verweigert, macht umso deutlicher, dass die Berichte leider stimmen.

Chinas Regierung muss sich umgehend erklären und vollständige Transparenz in Xinjiang herstellen. Der Menschenrechtsausschuss des Bundestags wäre jederzeit bereit nach Xinjiang zu reisen und in den Dialog mit der chinesischen Regierung zu treten. China verhindert eine solche Reise aber seit Jahren."


  Die komplette Pressemitteilung finden Sie hier:
https://www.spdfraktion.de/presse/pressemitteilungen/verbrechen-uiguren-xinjiang
Die komplette Pressemitteilung als PDF:
https://www.spdfraktion.de/node/5848696/pdf
 

Ukraine-Krieg und die Folgen für die Bioökonomie

Forum Umwelt & Entwicklung - 1. September 2022 - 17:31
Veröffentlicht am 1. September 2022

 

Ukraine-Krieg und die Folgen für die Welternährung:
Bundesregierung muss Bioökonomie überdenken

Positionspapier als PDF hier herunterladen

Der Krieg in der Ukraine verursacht unermessliches Leid: Die dortige Zivilbevölkerung wird vertrieben oder gar getötet. Auch die kämpfenden Soldatinnen und Soldaten erleiden unter der Grausamkeit des Krieges Traumata, Folter und Tod. Jenseits dieses Horrors legt der Krieg erneut die Fehlstellungen des Welternährungssystems gnadenlos offen und verschärft weltweit die chronische Hungerkrise weiter. Besonders betroffen sind die Staaten und Menschen im Globalen Süden, die ihre Ernährungssouveränität verloren haben. Für die nun 828 Millionen Hungernden auf der Welt zeigt sich erneut, dass globale Lieferketten nicht auf ihre Versorgung ausgerichtet sind.

Es wird deutlich, wie sich der Hunger weiter verschärft, wenn nervöse Märkte Agrarrohstoffe knapp und teuer werden lassen. Einen ähnlich negativen Effekt hätte ein Umstieg der Industriestaaten von einer fossilen Wirtschaft hin zur Bioökonomie, sofern das industrielle Agrarsystem unverändert fortbesteht und unser Ressourcenverbrauch hoch bleibt. Wohlhabende Länder sowie transnationale Konzerne würden die Weltmärkte leerkaufen, um ihre “grüne” Wirtschaft am Laufen zu halten.

Im Fokus der Öffentlichkeit bemüht sich die Bundesregierung momentan vor allem darum, Deutschlands Energieversorgung abzusichern und den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie zu beschleunigen. Parallel müsste aber auch unser Ressourcenverbrauch insgesamt, sowie die Art der landwirtschaftlichen Produktion und der verschwenderische Umgang mit biogenen Rohstoffen ähnlich konsequent auf den Prüfstand gestellt werden. Nur so werden die tieferen Gründe der chronischen Welternährungskrise angegangen.

In diesem Zusammenhang nützt es nichts, in Sonntagsreden das Recht auf Nahrung und das Prinzip von „Food First“ zu betonen und ansonsten mit “business as usual” weiterzumachen. Die zur Verfügung stehenden Flächen und Ressourcen sind begrenzt und ihre Nutzung bedarf dringend einer klaren Priorisierung zugunsten der Nahrungsmittelproduktion jenseits der Marktlogik. Die bisherige Praxis ist voll von wenig zukunftsfähigen Bioökonomie-Anwendungen wie brasilianischem Zuckerrohr für Bioplastik in Getränkekartons oder mit Gülle überdüngtem Mais für Biogas.

Die unterzeichnenden Umwelt- und Entwicklungsverbände fordern eine Bioökonomie, die sozial gerecht und ökologisch nachhaltig ist. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg müssen folgende Punkte zwingend in den zu erarbeitenden Umsetzungsplänen der Bundesregierung zur Bioökonomie und Biomassenutzung sowie in der aktuellen Debatte um die Leitlinien der landwirtschaftlichen Produktion berücksichtigt werden:

  • Ackerflächen dürfen nicht für die Energie- und Treibstoffproduktion verwendet werden. Eine Aussetzung der Beimischungsquote für Biokraftstoffe würde in Deutschland kurzfristig 800.000 ha für andere Nutzungen bzw. die Renaturierung von Mooren freimachen.
  • Primärholz aus dem Wald darf nicht als Ersatz für fossile Energieträger verbrannt werden, sondern muss für eine höherwertige stoffliche Nutzung zur Verfügung stehen. Artenreiche Lebensräume und Kohlenstoffsenken des Waldes müssen erhalten und ausgebaut werden. Dies lässt sich nur über ein gesetzlich verankertes Kreislauf- und Kaskadenprinzip und die Abschaffung von Subventionen für die klimaschädliche Holzverbrennung ermöglichen.
  • Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Bioökonomie braucht es einen klaren, gesellschaftlich abgestimmten Fahrplan für die Priorisierung von Bioökonomie-Nutzungen. Das Versprechen des Koalitionsvertrags von 2021, den Ressourcenverbrauch zu begrenzen, muss eingelöst und klare absolute Reduktionsziele erarbeitet werden. Ein Ressourcenschutzgesetz sollte nationale Ressourcenschutzziele sowie die Reduktion der biotischen und abiotischen Ressourcenverbräuche verbindlich vorschreiben. So könnte sichergestellt werden, dass ausreichend Flächen für die Nahrungsmittelproduktion vorgehalten werden.
  • Der Tierbesatz in Deutschland und Europa muss drastisch reduziert werden. Um den viel zu hohen Fleischkonsum in den Industriestaaten aufrecht zu erhalten, werden große Mengen importierte Eiweißfuttermittel und Getreide für die industrielle Tiermast eingesetzt. Für die Sojaimporte Deutschlands werden über 2 Mio. ha Agrarland im Ausland in Anspruch genommen, fast 60 Prozent der deutschen Getreideernte als Tierfutter genutzt. Darüber hinaus müssen Import wie Export von Tieren und tierischen Produkten stark begrenzt werden. Statt Lebensmittel für Viehfutter zu verwenden, sollte die Bundesregierung die Voraussetzung dafür schaffen, dass Getreide zuvorderst der menschlichen Ernährung zugutekommen kann.
  • Die Landwirtschaft muss dringend ökologisiert werden. Eine industrialisierte Landwirtschaft, die nur unter massivem Einsatz fossiler Energien funktioniert, kann nicht resilient sein und ist zwangsläufig ein Auslaufmodell. Ein bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden für die Herstellung von mineralischem Stickstoffdünger eingesetzt. Die konventionelle Landwirtschaft ist damit einer der größten Energieverbraucher.
  • Nicht zuletzt gefährdet die industrielle Landnutzung durch den Einsatz von Pestiziden und GVO die biologische Vielfalt. Bei der künftigen Gestaltung von Regeln für die Land- und Forstwirtschaft wie der gemeinsamen Agrarpolitik in der EU oder dem Bundeswaldgesetz ist sicherzustellen, dass der Biodiversitätsschutz konsequent berücksichtigt wird.

Angesichts der aktuellen Preis- und Verteilungskrise von Nahrungsmitteln auf den Weltmärkten werden nun wieder Stimmen laut, die ein Aufweichen von Natur- und Umweltschutz zugunsten einer gesteigerten Agrarproduktion fordern. Bestehende politische Zielvereinbarungen wie die Düngeverordnung, die farm-to-fork-Strategie mit dem Ziel der 50 Prozent Pestizidreduktion und das geltende Gentechnikrecht werden deshalb angegriffen, unter dem Vorwand angeblich notwendiger Ertragssteigerungen. Dabei sind Hungerbekämpfung und Naturschutz keine Gegensätze und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Denn ohne intakte Ökosysteme brechen die Lebensgrundlagen weg. Die Bioökonomie kann langfristig nur innerhalb der planetaren Grenzen funktionieren.

Erstunterzeichnende Organisationen:

  • ARA
  • Bergwaldprojekt
  • Brot für die Welt
  • BUND
  • denkhausbremen
  • DNR
  • DUH
  • FDCL
  • FIAN
  • Forum Ökologie & Papier
  • Forum Umwelt und Entwicklung
  • Gesellschaft für ökologische Forschung
  • Robin Wood
  • WWF
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Civil 20: It’s Time for Being Concrete, No More Principled Policy Recommendations

#C20 18 - 1. September 2022 - 15:30

One month right after delivering recommendations to the G20—so-called Policy Dialogue—Civil 20 conducted a Round-table Expert Discussion on August 30 and 31, 2022, in Jakarta to strengthen policy recommendations—C20 Policy Pack & Communique—to be handed over to G20 leaders at C20 Summit 2022.

“The policy pack and communique are not solely made from this round-table meeting, but they are also as result from the process of policy dialogue to the G20, working groups’ finalization, and the one-on-one interaction process between C20 Steering Committee-International Advisory Committee and C20 seven working groups transparently and dialogically, which is conducted today, on the first day of the meeting,” said Olisias Gultom, one of the policy pack team.

The meeting aims to check on how cohesive, attractive, sharp, and concrete C20 Policy Pack & Communique to be read by the G20 leaders. “Broadly speaking, the C20 Indonesia Presidency is trying to formulate a concrete policy recommendation that goes beyond principles. We hope that the C20 can deliver more operational policy options,” said C20 Sherpa Ah Maftuchan on the second day of the meeting.

Due to these days’ situation, Maftuchan said that C20 indeed focuses on pandemics, health, and just energy transition as we are currently in a climate crisis. Besides, fair, equitable, and affordable access to digital technology is critical to encourage the fulfillment of education for all and to support the economic development of citizens such as MSMEs.

C20 also encourages a more equitable financial system with recommendations as the followings:

  1. Tax reform, which taxes the super-rich to pay more taxes.
  2. Allowing multinational companies to pay taxes to be more compliant with a minimum rate of 25% for corporate taxes.
  3. Scheduling debt for developing countries and allocating debt to overcome the health and climate crises.
  4. A responsible financial business by banking and insurance institutions following the principles of protecting the environment and social conditions of society.

Finally, Ah Maftuchan hopes that the G20 leaders can accept the policy pack and communique at the C20 Summit on October 5-7, 2022 and recognize it as one of the adopted policy options.

Writer: Sita Mellia
Contact: sitamellia01@gmail.com

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Increasing Impact Through Behavioural Know-How: The Example of Our weiter_wirken Programme

SCP-Centre - 1. September 2022 - 13:20

After a four-month journey during which 20 representatives of civil society organisations (CSOs) learned, gained experience and exchanged ideas on the topic of behaviour change, they successfully completed our capacity building programme weiter_wirken.

During the course of the programme the group learned to facilitate and enable behaviour change in their projects and by involving relevant stakeholders. In the last workshop the focus was on collaboration and impact assessment as key elements of successful sustainability projects.

The participants, who are representatives of sustainability and One World projects in North Rhine-Westphalia (NRW), brought their own projects into the training programme and had the chance to work on specific behaviours in order to better understand their target groups.

Projects varied from ones focusing on fair trade, healthier and more sustainable food choices or getting citizens actively involved in the sharing economy. Key to the programme was to support the participants in defining which ideas, partnerships, and content they could use to best reach their target groups. In exchanges with each other the participants shared lessons learned on keeping target groups involved, motivated and active.

weiter_wirken is a cooperation project between the Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP), ecosign / Akademie für Gestaltung and the Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

For further questions, please contact Jennifer Wiegard.

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Join us at the Circular Futures Festival on 14 and 15 of September to Co-Create Solutions!

SCP-Centre - 1. September 2022 - 12:27

Circular economy approaches are becoming ever more important in responding to environmental challenges such as the climate change. Multiple actors, including policymakers, businesses, cities, civil society and other stakeholders have recognised that an orientation towards circular strategies is necessary to achieve a future-oriented and environmentally-friendly economy and society. The question is, however, what can circular strategies look like in practice and how to make them work for all?

Launched in 2021, the Circular Futures Festival will take place for the second time on 14 and 15 September 2022 to find answers to such questions and show what circular transformation can look like in practice. The event will serve as a networking platform for interested stakeholders who are professionally involved in the circular transformation to share experiences, visions, business models as well as inspire each-other to work together toward a more sustainable economy.

The Circular Futures Festival will take place as a hybrid event, in which CSCP’s Marianne Magnus-Melgar will host an online session on 14 September, 15:30-16:30 on the topic of digitalisation as an enabler for circular business models. Emphasis will be placed on how digital technologies can contribute to driving circular strategies into action in companies. To register for the event, please go here.

In addition to the online programme, an in-person local one will run in local hubs in Berlin, Munich, Hamburg, Stuttgart, Kassel and other cities with exciting events and opportunities to exchange and start new collaborations.

The festival welcomes everyone who wants to learn and exchange ideas on the topic of the circular economy: whether small and medium-sized enterprises (SMEs), academic researchers or civil society representatives – everyone is invited to join and become an active part of the Circular Futures Festival!

Date: 14 – 15 September 2022
Place: Online & Local Hubs
Cost: Free of charge
Language: Mainly German

The CSCP is a Circular Futures Festival partner, working with other organisations and stakeholders to accelerate the transition to a Circular Economy in seamless and inclusive way.

For further questions, please contact Marianne Magnus-Melgar.

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What do the global supply chain disruptions tell us about the world economy?

EADI Debating Development Research - 1. September 2022 - 9:49
By Intan Suwandi Lockdowns and shutdowns due to the COVID-19 pandemic led to what is being referred to as the “first global supply chain crisis.” The supply chain disruption has made havoc since the beginning of the pandemic, with more than 90 percent of the 1000 Fortune multinational corporations having a tier-one or tier-two supplier …
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Neue Standardindikatoren für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit: Was bringen "Zahlen auf Knopfdruck"?

DIE - 1. September 2022 - 9:03

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) strebt seit Jahren eine höhere Ergebnisorientierung an. Mit der Einführung von 43 Standardindikatoren ist 2022 ein wichtiger Schritt in diese Richtung gegangen worden. Es ist das Ziel, Entwicklungsergebnisse themen- und länderübergreifend zu aggregieren, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erhofft sich davon einerseits eine wirksamere Kommunikation gegenüber dem Bundestag und der Bevölkerung. Andererseits soll auch eine kohärentere Berichterstattung der Durchführungsorganisationen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Entwicklungsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erreicht werden. Deutschland hat hinsichtlich der Ergebnisorientierung Aufholbedarf. Andere internationale Geber, insbesondere Großbritannien, die USA und multilaterale Entwicklungsbanken haben Anfang der 2010er Jahre umfangreiche Berichtssysteme eingeführt. Diese Organisationen nutzen zwischen 20 und 50 Standardindikatoren, um darzustellen, wie die von ihnen geförderten Aktivitäten kurzfristige Wirkungen erzielen. Sie kommunizieren auf dieser Basis fundierter mit der Öffentlichkeit. Das BMZ will eine ähnliche Kommunikationsbasis schaffen. In einem partizipativen Prozess hat das BMZ deshalb gemeinsam mit GIZ und KfW Entwicklungsbank Indikatoren formuliert, die den politischen Aktionsfeldern sowie den Bedürfnissen der Durchführungsorganisationen gleichermaßen gerecht werden. Der administrative Aufwand, um die Standardindikatoren zu erheben, wird dadurch begrenzt, dass bereits bestehende Daten verwendet werden. Zudem hat das BMZ methodische Standards definiert, deren verpflichtende Nutzung die Qualität der erhobenen Daten erhöhen soll. Generell birgt es auch Risiken, Standardindikatoren einzuführen: Sie können unbeabsichtigte Anreize setzen, wenn verstärkt zu kurzfristigen Ergebnissen berichtet wird. Das kann dazu führen, dass langfristige und deshalb schwerer messbare Wirkungen vernachlässigt werden. Wie zudem die Wissenschaft zeigt, können Indikatoren ihren ursprünglichen Zweck einer neutralen Darstellung von Veränderungen nicht mehr erfüllen, wenn sie dazu verwendet werden, politische Kontrolle auszuüben. Hinzu kommen Herausforderungen wie beispielsweise die Vermeidung von Doppelzählungen und die Verwendung unterschiedlicher Bezugsgrößen sowie die Sorge vor nicht einlösbaren Erwartungen. Insgesamt bewerten wir die Entwicklung und Einführung der Standardindikatoren in die deutsche EZ positiv. Einige Weichenstellungen stehen allerdings noch aus. Die Entscheidung, in welcher Detailtiefe die Daten innerhalb der deutschen EZ und gegenüber der Öffentlichkeit berichtet werden, ist noch nicht gefallen. Damit ist die Frage verbunden, welche Effekte sich durch eine Berichterstattung auf Basis der Indikatoren erzielen lassen. Angesichts der dezentralen Organisationsstruktur der Durchführungsorganisationen und aufgrund der Fragmentierung der deutschen EZ erhoffen wir uns eine Harmonisierung der Berichtssystme von GIZ und KfW Entwicklungsbank. Standardindikatoren können zudem für eine höhere Transparenz in der deutschen EZ sorgen. Wir empfehlen daher, alle erhobenen Daten einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sollte das integrative Potenzial der Standardindikatoren für die deutsche EZ genutzt werden. Und zwar, indem die Arbeitsteilung zwischen Ministerium und Durchführungsorganisationen lernorientiert gestaltet wird – sowohl im Erhebungsprozess der Daten als auch bei ihrer Auswertung.

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Der Kampf um die Schwellenländer

SWP - 31. August 2022 - 15:14
Afrika und der Ukraine-Krieg
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How to Become a Sustainable Company Through Co-Creation: The Story of Storch-Ciret

SCP-Centre - 31. August 2022 - 13:50

Aspects such as integrating sustainability, practising responsive working methods, cross-functional collaboration or strengthening psychological safety, are becoming central to the strategic planning of businesses that want to become future-proof. So why not try to tackle multiple agenda items at the same time with a process driven by employees themselves?

In early 2021, we embarked on such a journey with Storch-Ciret Group (GSC), a Wuppertal-based painting-tools supplier with over 1,600 employees in 17 countries and more than 18,000 products in its portfolio. Its CEOs, Jörg Heinemann and Daniel Rogusch, approached the CSCP with the following questions: “As market leaders in the European painting tools industry, we bear responsibility for our generation and for future generations. We have anchored sustainability in our corporate values and want to find a healthy long-term balance between economic, ecological, and social requirements. But where should we start to increase the anchoring of sustainability in our company? And how can we involve our employees so that sustainability becomes an inherent part of all our activities?”

These questions led to a series of workshops with GSC’s Executive Committee facilitated by the CSCP, discussing the company’s sustainability purpose and identifying priority areas of action. This process paved the way for the start of GSC’s project “forgenerations” in January 2022. The project team was set up in a rather unconventional way: GSC opted for an open application process and invited all its employees to invest a core share of their working time as sustainability ambassadors to work together on its sustainability roadmap and implement it step by step.

Cemile Özügul, project lead and head of marketing at GSC, explains: “The desire to think and act in a meaningful and sustainable way is constantly increasing in our professional and private lives. We want to turn words into actions and generate real change from within our organisation. For this, we need both the brains and the time of our colleagues and to provide space for experimentation.”

Today, a cross-functional project team of 25 sustainability ambassadors from sales, product development, human resources (HR), logistics, marketing and other business areas drives the definition and implementation of GSC’s sustainability measures. The “forgenerations” team works in a self-organised and responsive way with regular feedback loops, thereby fostering co-creation and ensuring results are tested before being rolled out. The CSCP’s role is to facilitate the process of introducing responsive ways of working and to provide content on identified topics such as measuring sustainability, sustainable products and business models or sustainable organisational development.

Based on our collaboration with GSC so far, here are our top ingredients for success to drive sustainability from within the organisation:

  • Start with the “Why” and strengthen the purpose
  • Set up a cross-functional team to bring in a range of perspectives
  • Introduce responsive ways of working
  • Do not treat sustainability as an “add-on”
  • Invest sufficient time for a proper kick-off phase
  • Have a clear mandate and commitment from Top Management
  • Encourage freedom to experiment

To exchange with us on how to incorporate sustainability in all hallmarks of your company through building responsive teams that drive the agenda, please contact Hanna Perrin.

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Für die EINE WELT auf dem Fest des Bundespräsidenten

Engagement Global - 31. August 2022 - 13:05
Auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten. Foto: Engagement Global / Dikla Laufer-Tamir.

Fast 10.000 Menschen besuchten das Bürgerfest am „Tag des offenen Schlosses“, zu dem der Bundespräsident am Samstag, 27. August 2022, eingeladen hatte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender begrüßten die interessierten Bürgerinnen und Bürger im Park von Schloss Bellevue in Berlin – gemeinsam mit rund 30 Organisationen, Initiativen und Unternehmen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Engagement: Ehrensache!“.

Engagement Global war im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit einem Stand auf dem Fest vertreten. An diesem konnten sich die Gäste über Möglichkeiten für Engagement für die EINE WELT informieren, spielerisch ihr Wissen über Themen der nachhaltigen globalen Entwicklung erweitern und spannende Praxisbeispiele aus dem Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik kennenlernen. Der Schulwettbewerb, der von Engagement Global durchgeführt wird, steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Am Stand kamen ein Glücksrad mit Quizfragen rund um die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, ein Afrika-Puzzle und eine Ausstellung mit ausgewählten Beiträgen aus den vergangenen Runden des Schulwettbewerbs zum Einsatz. Letztere zeigten anschaulich, wie globale Themen kreativ und altersgerecht im Schulunterricht behandelt werden können. Sie boten zugleich Anknüpfungspunkte und Inspiration für außerschulisches Engagement.

Zusätzlich zu den Informationsständen und einem abwechslungsreichen Programm auf der Hauptbühne gab es einen „Ort der Talente“, welcher sich dem Engagement und den Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen widmete. Der 16-jährige Tobias Burger, ein Gewinner des Song Contests „Dein Song für EINE WELT!“, der ebenfalls von Engagement Global durchgeführt wird, hatte dabei die Gelegenheit, seinen Song „Mensch denk nach“ zu performen.

„Es ist großartig zu sehen, wie viele Menschen gekommen sind und dass sich viele auch wirklich mit dem Thema Ehrenamt beschäftigen wollen – damit, was sie selbst zu einem fairen Miteinander und zu einer lebenswerten Zukunft beitragen können, hier in Deutschland, aber auch weltweit“, so das Fazit von Wiebke Schwinger, Projektleiterin bei Engagement Global.

Weitere Informationen zum ehrenamtlichen Engagement im Themenfeld Entwicklungspolitik bietet der Engagement-Kompass.

Der Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beauftragt und finanziert und seit 2012 von Engagement Global durchgeführt. Der Bundespräsident ist Schirmherr des Wettbewerbs.

Weitere Informationen
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Kohärenz statt Konkurrenz

DIE - 31. August 2022 - 12:32

Wer Friedenspolitik aus einem Guss will, muss nicht nur an der ressortübergreifenden Zusammenarbeit zu Hause arbeiten, sondern auch die internationalen Partner besser einbeziehen.

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Innovative farming in a refugee camp

E+Z - 31. August 2022 - 11:14
A soilless cultivation technique allows refugees in a camp to grow fruit and vegetables on a small space

Refugees often have no access to land to engage in farming and yet it could be a source of food and extra income. It is for this reason that the UN World Food Programme (WFP) in 2021 launched a hydroponics farming project in the Tongora camp. Hydroponics is a soilless cultivation technique ideal for smaller spaces. It is often used in dry areas and by urban farmers. It uses up to 90 percent less water and 75 percent less space than traditional farming.

Hydroponics is climate smart too. Greenhouses in Tongora camp are powered by solar energy. Two types of hydroponics systems are used: the deep-water culture (DWC) and the drip system (Dutch bucket system) which uses a reservoir filled with water and nutrient solution. The plants are submerged in a net pot for the roots to have a constant supply of water and nutrients. Additionally, there is a pump that supplies oxygen bubbles into the reservoir.

The drip system uses buckets filled with sawdust from pine trees where the roots of plants are submerged. A pump continuously moves the water throughout the channel to improve oxygenation and nutrient uptake and the leftover solution flows back into the reservoir for reuse.

Using the hydroponics, up to 70 refugees in the Tongora camp are farming fruits and vegetables such as tomatoes, cucumber and lettuce in an area the size of a football field. These plants grow twice faster than those grown using traditional farming methods.

“We come daily in the morning to monitor but we rarely do anything as this farming method requires less labour and it uses less water,” says 39-year-old Silvie Musau, one of the farmers in the camp. She arrived in 2019 from the Democratic Republic of the Congo (DRC) where she was receiving death threats. TRC is in Chipinge, a town 475 kilometres from the capital Harare. It is home to about 15,000 refugees fleeing conflict and war in countries such as Mozambique, the DRC, Rwanda, Burundi, Somalia, Ethiopia and Eritrea.

For their livelihood, the United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) and its partners such as the WFP offer food stamps and monthly cash transfers to the refugees and their families. However, this is not enough to cater for all their needs. Moreover, more and more refugees keep coming each day.

Musau and other farmers in the camp can now earn an extra income after selling their vegetables to top retailers in Chipinge town and flea markets in the camp. Musau uses her extra income to buy essentials such as clothes for her eight children. Additionally, the refugees consume some of their produce. “Once every week we are also allowed to get some vegetables for our families,” says Musau.

Paul Zakariya of Zimbabwe Farmers Union thinks hydroponics is important in climate change mitigation. “In response to climate and climate variability changes, it is important to explore possible options for adoption and mitigation,” he says. Lands Ministry permanent secretary John Bhasera says hydroponics is one of those technologies that should be adopted by the government on a national scale.

Farai Shawn Matiashe is a journalist in Mutare, Zimbabwe.
matiashefarai@gmail.com

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Unwilling and incapable of working

E+Z - 31. August 2022 - 10:49
Alcohol abuse of men is a major challenge in central Kenya

Whereas several substances are abused in Kenya, data from the National Authority for the Campaign Against Alcohol and Drug Abuse (NACADA), a semi-autonomous state corporation, shows that alcohol is one of the most abused. The corporation further indicates that alcohol use among Kenyans begins as early as 10 years of age, peaking at the most productive ages of between 15 and 35 years.

Alcoholism has hurt families in central Kenya and threatened the livelihood of many. Men are the leading users of alcohol. In the village of Kabuku, located in Kenya’s Kiambu County, a significant number of worried married women are crying out to government to intervene and save their husbands from alcoholism. The women claim that alcohol abuse is affecting the men’s productivity and they cannot engage in economic activity, let alone perform conjugal duties.

Mary, a mother of two, whose husband is an alcoholic says that the last time her husband worked was five years ago. “When he started drinking after the birth of our twins, I thought he was celebrating. But he did not stop, then he lost his job. Now, he sleeps most of the day because of hangovers. When he wakes up, he goes to the shopping centre to beg for money to drink some more. He does not even shower and hardly eats. It is embarrassing,” she says.

To cover up the void left by their men, women like Mary must step up and become breadwinners for their families. Mary says that she works six days a week and reports to work as early as 6 a.m. Since their twin daughters made three months, she has been dropping them at a local day-care centre as early as 5 a.m. “Sometimes the day-care staff are late, and we have to leave them at the gate to rush to work,” she adds.

Several other women in Kenya are in a similar situation like Mary. Recently, women from central Kenya organised a demonstration to force government to pay closer attention to the challenge of drug addiction. There have also been reported attacks and destruction of illegal drinking dens by frustrated women.

NACADA says that drug addiction is driven by several risk-factors such as idleness, joblessness, peer pressure and work-related issues. It reports that there are scores of young men sitting or standing idly, watching people and the world go by with glassy expressions in many small shopping centres in central Kenya.

These addicts have turned to begging. They give several excuses to explain their addiction. One such addict claims that “there are no jobs.” However, he lives in a neighbourhood of many vast tea and flower farms. A farm manager says that “there are jobs, but these young men do not want hard labour and they demand for more salary than we give. The women are very hardworking, so are the male workers from some parts of the country, like western Kenya.”

Ciku Kimani-Mwaniki is a Kenyan author based in Nairobi.
thevillager254@gmail.com

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Corona-Missstände im Justizvollzug

E+Z - 31. August 2022 - 10:15
Internationale Menschenrechtsorganisation OMCT berichtet über problematische Covid-19-Maßnahmen in Haftanstalten

In Haftanstalten sind Ansteckungsgefahren groß, weil Menschen eng zusammenleben. Sie sind häufig überfüllt, und die Hygienebedingungen sind schlecht. Quarantänemöglichkeiten bestehen oft nicht. Menschen mit Vorerkrankung oder Schwangere sind besonders gefährdet.

Covid-19 hat sich in Gefängnissen entsprechend schnell ausgebreitet. Gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus machten es Betroffenen vor allem im ersten Pandemiejahr schwer, Schutzmechanismen wie juristische Beratungen und gerichtliche Prüfungen zu nutzen.

Anwältinnen und Anwälte fanden aber juristische Möglichkeiten, um pandemiebedingte Rechtsverstöße zu ahnden und den Corona-Schutz in Haftanstalten zu verbessern. Das OMCT-Dokument beschreibt spezifische länderübergreifende Herausforderungen von Strafanstalten und nennt Praxisbeispiele aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Juristische Kniffe

Weltweit haben Habeas-Corpus-Anträge geholfen, gegen die Überlastung von Gefängnissen vorzugehen. So heißen im angelsächsischen Recht Anträge, die eine gerichtliche Prüfung der Rechtmäßigkeit von Inhaftierung veranlassen. Sie können für Einzelpersonen wie Gruppen verwendet werden. Inhaftierte mit hohen Gesundheitsrisiken wurden folglich zum Beispiel in Hausarrest oder auf Kaution vorzeitig entlassen. In anderen Fällen wurden Haftbedingungen verbessert. Im Staat Espírito Santo in Brasilien führten kollektive Anträge zur Freilassung derer, die ihre Kaution nicht zahlen konnten. Wegen eines individuellen Habeas-Corpus-Antrags in Nepal wurden ausgesetzte Kautionsanhörungen wieder aufgenommen.

Es wurden außerdem Amicus-Curiae-Dokumente eingereicht. Das sind Statements Dritter, die Gerichte auf Sachverhalte hinweisen – wozu auch Missstände im Justizvollzug gehören können. Die Open Society Justice Initiative machte auf diese Weise die Afrikanische Kommission der Menschenrechte und der Rechte der Völker (ActHPR – African Court of Human and Peoples’ Rights) auf problematische Landstreichergesetze (Vagrancy laws) aufmerksam. Menschen ohne festen Wohnsitz sind durch dieses Gesetz gefährdeter, verhaftet zu werden, haben aber auch ein hohes Risiko, an Corona zu erkranken.

Gesetzliche Corona-Maßnahmen erschwerten vielerorts den Kontakt zwischen Häftlingen und juristischen Fachleuten. Rechtskanzleien und zivilgesellschaftliche Organisationen entwickelten aber Strategien, um ohne Vor-Ort-Präsenz Unterstützung bieten zu können. In manchen Ländern setzten sie durch, dass Häftlinge Zugang zu Telefon oder Internet bekamen, und nutzen diese Kommunikationswege. In argentinischen Gefängnissen wurde die zeitweise Benutzung von Handys durchgesetzt. Mit der Befragung aktueller und ehemaliger Häftlinge verbesserten Fachleute zudem ihren Kenntnisstand über die Lage in Gefängnissen.

Aufmerksamkeit generieren

Damit Menschenrechte in Krisen auch in Gefängnissen eingehalten werden, ist öffentliche Aufmerksamkeit nötig. Vielerorts wurden Kampagnen gestartet, um Bewusstsein für die Risiken der Inhaftierten zu schaffen. Nicht nur ihr gesundheitlicher Schutz, auch die psychologischen Folgen wurden dabei in den Fokus gerückt. Da sie keinen Familienbesuch empfangen durften und meist Telefon und Internet nicht nutzen konnten, sind Inhaftierte von Isolation besonders betroffen. Zivilgesellschaftliche Organisationen in Tunesien produzierten ein zehnminütiges Video, um auf die psychologischen Auswirkungen der Inhaftierten und Wärterinnen und Wärter aufmerksam zu machen.

Druck auf Behörden macht indessen vielfach auch Zusammenarbeit mit ihnen möglich. Entsprechend gingen die Menschenrechtsschützerinnen und -schützer auf Justizverwaltungen zu, sammelten Daten und kooperierten mit ihnen in der Bearbeitung von Einzelfällen. Internationaler Austausch zwischen zivilgesellschaftlichen Fachleuten half, von Erfahrungen in anderen Ländern zu profitieren. Beständige Kommunikation trug dazu bei, Strategien zu entwickeln, zu erproben und zu verbessern. Auf dieser Basis entwickelte das Jus­tice Project Pakistan eine Karte von Corona-Fällen in Gefängnissen weltweit sowie ein Instrument zur Gefährdungseinstufung von Gefangenen.

Zivilgesellschaftliche Öffentlichkeitsarbeit machte derweil auch auf eine weitere menschenrechtliche Problematik aufmerksam – nämlich die Verletzung von Menschenrechten bei der Durchsetzung der Corona-Maßnahmen außerhalb von Gefängnissen (siehe Ronald Ssegujja Ssekandi auf www.dandc.eu). Auch darauf geht der OMCT-Bericht ein. Wegen der Kriminalisierung von Aktivistinnen und Aktivisten kam es zum Beispiel zu unrechtmäßigen Verhaftungen, zum Beispiel in Indonesien und Südkorea. Zudem wurden Maßnahmen etwa mit unverhältnismäßiger Gewalt oder zur Durchsetzung anderer Ziele umgesetzt. In El Salvador kam es zu willkürlichen Inhaftierungen wegen angeblicher Verstöße gegen Quarantäne-Maßnahmen. Ihnen wurde mit Habeas-Corpus-Anträgen entgegen gewirkt.

Kampagnen und Bündnisse

Angesichts solcher Herausforderungen erwiesen sich zivilgesellschaftliche Kampagnen und Bündnisse als hilfreich. Zu den Aktionsmöglichkeiten gehören Menschenrechtsbeschwerden sowie die Dokumentation von Missständen. Menschenrechtliche Arbeit stützte sich zudem häufig auf neue Kommunikationsstrategien, die öffentliche Statements, soziale Medien oder Schulungen von Interessierten nutzen. Soziale Medien wurden in Kenia genutzt, um neu entwickelte Tools zur Meldung von Vergehen zu bewerben. In Tunesien haben sich gemeinnützige Organisationen mit staatlichen Institutionen zusammengetan. Gemeinsam forderten sie immer wieder, die Insassen in den Gefängnissen zu reduzieren. Ihre öffentlichkeitswirksamen Statements führten zur Entlassung von 5 000 Gefangenen.

Das OMCT ist eine internationale Allianz von nicht staatlichen Organisationen. Die Fallbeispiele wurden im Zuge von Litigation Labs genannten Workshops im November und Dezember 2020 gesammelt, an denen 130 Akteurinnen und Akteure teilnahmen. Der aktuelle Report wurde unter anderem von den Open Society Foundations von George Soros unterstützt.

Link
OMCT – Organisation Mondial Contre la Torture, 2022: Challenging detention and torture in times of Covid-19.
https://www.omct.org/site-resources/legacy/Report_Torture-and-Covid19_EN_240222.pdf

Jane Escher ist Volontärin in der Öffentlichkeitsarbeit von Engagement Global. Sie schrieb diesen Beitrag während einer Stage in der Redaktion von E+Z/D+C.
jane.escher@engagement-global.de

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Der World Cleanup Day am 17. September 2022

EINEWELTblabla - 31. August 2022 - 9:30

Im September gibt es einen weltweiten Aktionstag gegen Plastikmüll und Umweltverschmutzung: Den World Cleanup Day am 17.09.22. Es handelt sich um die größte Müllsammelaktion der Welt! Und das Tolle ist: Alle können mitmachen.

Mach mit beim großen Müllsammeln

Im vergangenen Jahr haben sich allein in Deutschland fast 190.000 Menschen und 836 Kommunen offiziell beteiligt. Wenn du mitmachen möchtest, kannst du entweder an einem schon angemeldeten Cleanup teilnehmen (hier findest du eine Liste und hier eine Deutschlandkarte), deinen eigenen Cleanup anmelden oder deine Schulklasse registrieren.

Natürlich ersetzt eine solche Aktion nicht das alltägliche Müllaufsammeln und den achtsamen Umgang mit unserer Umwelt – aber sie ist eine gute Möglichkeit, auf die Probleme mit Müll und Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen.

-Katharina-

Beitragsbild von Jasmin Sessler on Unsplash

Der Beitrag Der World Cleanup Day am 17. September 2022 erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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DIBIChain: Die komplette Lieferkette von Produkten in einer Blockchain

reset - 31. August 2022 - 7:16

Wie viel Energie verbraucht ein Produkt innerhalb seines gesamten Lebens? Und welche Auswirkungen auf die Umwelt hat es? Hersteller*innen wie Shiftphone oder Nager IT, die sich aufgemacht haben, Produkte mit minimalem ökologischen und sozialen Fußabdruck zu entwickeln, haben darauf eine klare Antwort. Die genaue Rückverfolgung und Analyse sämtlicher Materialien, Prozesse und steht hier am Anfang von jedem neuen Produkt. Allen anderen kann eine sogenannte Lebenszyklusanalyse (auch bekannt als Umweltbilanz, Ökobilanz oder life cycle assessment bzw. LCA) helfen.

Bei einer Lebenszyklusanalyse werden sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung eines Produktes sowie die damit verbundenen vor- und nachgelagerten Prozesse – zum Beispiel die Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe – analysiert. Zu den Umweltwirkungen gehört zum Beispiel die Entnahme von Erzen und Rohöl, aber auch sämtliche Emissionen wie Abfälle und CO2-Emissionen.

Darin, den kompletten Lebensweg eines Produktes nachzuverfolgen, steckt die Chance, bisher unbekannte Produktkreisläufe mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt ausfindig zu machen. Außerdem können die daraus gewonnen Erkenntnisse Hersteller*innen dabei helfen, neue, umwelt- und klimaschonende Designs und Prozesse zu entwickeln als auch gelungene Umsetzungen transparent zu kommunizieren.

Ziemlich verstrickt: Lieferketten © Bruna Fiscuk/ Unsplash-Lizenz In dieser Kupfermine in Chile werden die Rohstoffe für neue Produkte gewonnen. Nach welchen Standards hier gearbeitet wird, wissen die meisten Hersteller nicht.

Doch aktuell stellt das LCA ihrer Produkte die meisten Unternehmen noch vor große Herausforderungen. Ein Hauptgrund dafür sind lange und komplexe Lieferketten, die sich durch Länder und Kontinente ziehen. Während die Rohstoffe eines Produktes aus den Ländern A und B stammen, werden die Einzelteile in Land B, C und D vorgefertigt, dann in Land E zusammengefügt und in Land F finalisiert. Bei der Entsorgung und dem Recycling steht oft eine ähnlich lange Reise an.

Derartig komplexe Lieferketten bestehen nicht nur aus langen Wegen, sondern hinter jedem „Knotenpunkt“ verbergen sich auch jede Menge nicht immer leicht zugänglicher Informationen – und damit jede Menge Daten. Daher haben viele Hersteller*innen keinen Überblick über das, was unterwegs passiert. Menschenrechtsverletzungen und negative Umweltauswirkungen bleiben oft im Dunklen. Doch die Zeiten, in denen sich Unternehmen durch Unwissenheit aus der Verantwortung stehlen können, scheinen sich zu ändern.

Mehr und mehr Staaten halten ihre Unternehmen zu Sorgfalt in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen an und drängen darauf, Licht in die Lieferketten zu bringen. Auch in Deutschland tritt 2023 ein neues Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Kraft, das Unternehmen in die Pflicht nehmen soll, international anerkannte Menschenrechte und bestimmte Umweltstandards in ihren Lieferketten einzuhalten.

Lieferkettengesetz

Berichte über brennende oder eingestürzte Fabriken, Kinderarbeit oder zerstörte Regenwälder zeigen: Freiwillig kommen viele Unternehmen ihrer Verantwortung in globalen Lieferketten nicht ausreichend nach. Das soll sich mit dem 2023 in Kraft tretenden Lieferkettengesetz ändern.

Laut der Initiative Lieferkettengesetz umfasst das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz eine Reihe zivilgesellschaftlich wichtiger Punkte, die potenziell zu einer größeren menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfalt von Unternehmen beitragen. Gleichzeitig greife das Gesetz an vielen Stellen zu kurz, da das Gesetz nicht schon am Beginn der Lieferketten ansetzt, wo ein Großteil der Menschenrechtsverletzungen stattfindet. Außerdem werden Umweltaspekte nur marginal berücksichtigt, massive Umweltzerstörungen durch Biodiversitätsverlust und Klimawirkungen werden nicht erfasst. Und:  Gerade einmal rund 1 Prozent aller Unternehmen in Deutschland fallen darunter.

Es scheint also (endlich) wichtiger zu werden, dass Unternehmen den kompletten Lebensweg ihrer Produkte kennen. Und das kann nicht nur dabei helfen, den ökologischen und sozialen Fußabdruck von Produkten zu ermitteln, sondern auch zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen. Denn wenn alle Rohstoffe und Komponenten bekannt sind, sind diese auch leichter weiterzuverwenden oder zu recyclen. Insbesondere neue Technologien können dabei unterstützen, sämtliche Informationen zu sammeln und zusammenzuführen. An einer solchen Technologie arbeitet auch das Forschungsprojekt DIBIChain.

„Die Aspekte Wiederverwertung und nachhaltigere Produktentwicklung waren Ausgangspunkt für die Initiierung unseres Projektes“, berichtet Andreas Kötter, Advanced Business Manager bei Capgemini Engineering. „Da kaum ein Hersteller weiß, welche Materialien und Prozesse in seinem Produkt stecken, kann dieser bisher auch nur schwer erfassen, wie nachhaltig es ist und welche Recycling-Schritte geeignet sind. Die DiBiChain erlaubt es, 100 Prozent aller Daten aus der Lieferkette zu erfassen, zu sortieren, aufzubereiten und sie so für ein maximal nachhaltiges Produkt zu verwenden.“

DIBIChain – Produktinformationen auf eine digitale Kette „fädeln“ © Remy Gieling/ Unsplash-Lizenz Wo und unter welchen Bedingungen die einzelnen Komponenten montiert werden, wissen viele Hersteller*innen nicht.

Das Projekt DIBIChain, das vom BMBF gefördert und unter der Leitung von Capgemini Engineering zusammen mit dem Blockchain Research Lab, Airbus, Chainstep und iPoint umgesetzt wird, entwickelt eine Blockchain-Anwendung, in der sämtliche Daten eines Produktlebenszyklus zusammenfließen sollen. Die sogenannte DIBIChain soll dann dabei helfen, Produktentwicklungsprozesse fair, sicher und ökonomisch zu gestalten.

Capgemini Engineering

„Jeder Teilnehmer aus der Lieferkette gibt seine für das Lifecycle Assessment relevanten Daten verschlüsselt auf die DiBiChain. Damit wird ein Tracking der Materialien, deren Veredelung und Verarbeitung – von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Rückführung in die Stoffkreisläufe – ermöglicht“, erklärt Andreas Kötter. „Generell kann durch den Einsatz der Blockchain mehr Transparenz in den gesamten Lebenszyklus eines Produktes gebracht werden, wodurch nicht nur eine Sammlung sämtlicher nachhaltigkeits-relevanten Informationen möglich ist, sondern auch auf problematische Inhalte hingewiesen werden kann.“ So können die Hersteller*innen nicht nur sicherstellen, dass soziale und ökologische Standards über den gesamten Produktlebenszyklus eingehalten werden, sondern auf diesem Weg auch den Einsatz seltener Erden oder anderer bedenklicher Rohstoffe identifizieren und unmittelbar nach Alternativen suchen. Und da auf diesem Weg die Herstellerinnen von Komponenten direkt kontaktiert werden können, um Informationen über die Materialien oder das Dismantling anzufragen, besteht zudem auch die Chance, die Recyclingquoten zu steigern bzw. Produktkreisläufe im Sinne einer Kreislaufwirtschaft zu schließen.

Damit soll die aktuell noch in der Entwicklung befindliche Software DIBIChain als unabhängige, unveränderbare und vertrauenswürdige Kommunikationslösung für die gesamte Lieferkette dienen, um verlässliche und integre Informationen über Produkte zu erhalten. Und das auf´s Kilo genau: „Auf Basis des Endproduktes kann bewertet werden, wie viele Informationen bereits erfasst sind. Wenn also ein Endprodukt 1.000 Kilo wiegt, kann man anhand der Blockchain bestimmen, wie viele Kilo Material für ein ganzheitliches Lifecycle Assessment (LCA) noch fehlen“, sagt Kötter.

Um der Grundidee der Transparenz über die gesamte Lieferkette gerecht zu werden und gleichzeitig den Datenschutz zu berücksichtigen und das geistige Eigentum der teilnehmenden Unternehmen zu schützen, ist eine modulare Architektur entworfen worden. „Die Blockchain-Technologie lässt sich in unterschiedlichen Formen konfigurieren. Im Projekt DiBiChain haben wir eine Variante gewählt, in welcher Daten dezentral und inklusive Hoheitsrechte gespeichert werden können. Das bedeutet, dass jeder Nutzer (also Hersteller und Zulieferer) sämtliche preisgegebenen Informationen kontrollieren kann“, so Andreas Kötter.

Die abgelegte Information kann mithilfe der entworfenen Architektur zusätzlich mit weiteren Informationen angereichert und diese dementsprechend auch abgefragt und mit anderen Teilnehmer*innen in der Lieferkette geteilt werden. Allerdings geschieht dies nur auf Anfrage und nach Genehmigung der teilenden Partei, da die Datenströme verschlüsselt sind und die Teilnehmer*innen der Lieferkette nicht automatisch bekannt gemacht werden.

© Sahand Babali/ Unsplash-Lizenz Die Entsorgung und das Recycling von Produkten lassen sich mit genauen Kenntnissen über die Bestandteile erleichtern. Blockchain = hoher Energieverbrauch?

Wer sich in den letzten Jahren mit Distributed-Ledger-Technologien beschäftigt hat, wird sich jetzt wahrscheinlich fragen, wie um den Energieverbrauch der Blockchain steht, hat ihr prominentester Vertreter, Bitcoin, doch vor allem wegen des enorm hohen Energiehungers für Schlagzeilen gesorgt. Wie Kötten berichtet, basiert die in DiBiChain genutzte Blockchain auf Ethereum, „eine sehr energieeffiziente Technologie, die nur geringen Speicherplatz benötigt und gleichzeitig eine begrenzte Anzahl an Vervielfältigung der Daten sicherstellt. Der Energieaufwand ist somit sehr gering.“

Der hohe Energieverbrauch entsteht bei der Bitcoin-Blockchain hauptsächlich durch das Mining, bei der speziellen Anwendung der DIBIChain spielt das aber keine große Rolle. Daher ist davon auszugehen, dass bei der Lieferkettenverfolgung ein Blockchain-basierter Ansatz nachhaltiger sein wird als der papierbasierte, arbeitsintensive Prozess, der derzeit existiert.

Die DIBIChain richtet sich grundsätzlich an alle Hersteller*innen – vorausgesetzt natürlich, sie möchten ihre Lieferkette bezüglich Nachhaltigkeit optimieren und gleichzeitig die Datenhoheit ihrer Zulieferer wahren. „Gleichzeitig ist die DiBiChain auch in der Lage, die Inhalte des Lieferkettengesetzes abzubilden und zu validieren. Aufgrund der flexiblen Architektur ist sie unbegrenzt erweiterbar“, so Kötten.

Das 1,5-Grad-Ziel ist ohne eine echte Transformation unseres Energiesystems unerreichbar. Aber wie kann sie gelingen? Was sind die Energiequellen der Zukunft? Welche digitalen Lösungen stehen bereit und wo sind Innovationen gefragt? Und wie kann die Transformation vorangetrieben werden?

Das RESET-Greenbook „Energiewende- Die Zukunft ist vernetzt“ stellt digitale, innovative Lösungen vor und beleuchtet die Hintergründe.

Bis die DiBiChain in Unternehmen eingesetzt werden kann, müssen noch weitere Arbeiten im Bereich User Interface und die Anpassung an die unternehmensspezifischen Prozesse gemacht werden. Das User Interface ist seit den Anfängen der Blockchain ein großes Thema und absolut entscheidend, damit solche Anwendungen von großen, traditionellen Unternehmen angenommen werden, die dazu neigen, risikoscheu zu sein. Damit Unternehmen, die einen Unterschied machen wollen, wirklich auf Anwendungen wie die DiBiChain setzen, müssen diese einfach zu implementieren und zu verwenden sein.

Auf Seite der Unternehmen ist nach Angaben des Forschungsteams durchaus Interesse vorhanden. Doch solange ein LCA keine Verpflichtung ist, werden sich wahrscheinlich nur die wenigsten Unternehmen nach passenden Technologien umsehen, obwohl es neben DIBIChain noch eine reihe weiterer Anwendungen mit einem ähnlichen Ziel gibt. Die Cloud-Plattform Sustainabill zum Beispiel unterstützt Unternehmen bei der Durchführung der dringend benötigten Due-Diligence-Prüfungen und sorgt für Transparenz in den Lieferketten. Textile Trust will zukünftig die Lieferketten in der Textilbranche auf einer offen zugänglichen Plattform übersichtlicher machen und auch MineSpider setzt auf eine Blockchain, um Konfliktmineralien aus Lieferketten zu verbannen. Es bleibt also zu hoffen, dass weitere Umweltstandards und strengere Lieferkettengesetze, die verstärkt ökologische Aspekte in den Blick nehmen, in den nächsten Jahren verpflichtend für alle Unternehmen kommen werden.

Dieser Artikel gehört zum Dossier „Energiewende – Die Zukunft ist vernetzt“. Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers zum Thema „Mission Klimaneutralität – Mit digitalen Lösungen die Transformation vorantreiben“ erstellen.

Mehr Informationen hier.

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