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Das Radio als Energiequelle: Neue Technologie gewinnt Strom aus Funkfrequenzen

reset - 23. Januar 2023 - 2:39

Unsere belebten städtischen Räume sind bereits vollgestopft mit einer Vielzahl von Fahrzeugen, Maschinen, Menschen und Gebäuden – das ist, was wir sehen. Was wir nicht sehen: Auch die Luft selbst ist mit unsichtbarem Informationsverkehr gefüllt. Wifi-Signale, Radiowellen und Telekommunikation durchkreuzen ständig unsere Umgebung.

Eine neue Technologie will Funkfrequenzen nun zur Energiegewinnung nutzen: Forschende der Fakultät für Elektro- und Computertechnik der University of Central Florida (UCF) haben einen neuen Prototyp entwickelt, der das ansonsten ungenutzte elektrische Potenzial von Funkfrequenzen nutzen kann. Dabei haben insbesondere elektromagnetische Hochfrequenzwellen – die in den meisten besiedelten Gebieten am häufigsten vorkommen – das Potenzial, Geräte mit sehr geringem Stromverbrauch zu betreiben, ohne dass Batterien oder andere Energiequellen erforderlich sind.

Um diese Energie zu nutzen, verwendet das UCF-Gerät piezoelektrische Materialien, die durch mechanische Belastung fester Objekte eine elektrische Ladung erzeugen. Diese Spannungen können so subtil sein wie geringfügige Vibrationen in der Luft, und es gibt seit langem Theorien, dass auch Radio- oder Schallwellen dafür ausreichen.

Die UCF-Erfindung macht sich insbesondere den Mechanismus des Energieaustauschs zwischen mikroakustischen Wellen (die Grundlage für den größten Teil der Radiofrequenzsignalverarbeitung) und Elektronen zunutze. Die Radiofrequenzen und ihre mikroakustischen Wellen werden von dem Gerät erfasst und über ein piezoelektrisches Material auf einem Halbleiter geleitet. Durch die Wirkung der Wellen auf das Material wird Strom erzeugt, der dann in Gleichstrom umgewandelt und von dem angeschlossenen Gerät verwendet wird.

University of Central Florida

Ein Problem, das die praktische Nutzung von Funkwellen als Energiequelle einschränkt, ist die Notwendigkeit, Signale zu erfassen und zu übertragen, was ebenfalls Energie benötigen. Um diese Probleme zu lösen, haben die UCF-Forschenden eine Technologie entwickelt, die die Fähigkeit zur Stromspülung und zur Erfassung des Spektrums in ein passives Modul integriert. Dadurch würden stromintensive Messmodule überflüssig. Außerdem könnte diese Energie bei Bedarf in einem Kondensator oder einer Batterie gespeichert werden.

Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit des für die Energieerzeugung benötigten Funkspektrums. Die Umwandlung erfolgt in einem Submillimeter-Funkwellenbereich und in einem speziell definierten Frequenzbereich. Um dieses Problem zu lösen, wurde das Gerät auch entwickelt, um „intelligentere“ Datenübertragungen zwischen Internet-of-Things-Knoten zu verarbeiten und die Belegung von Frequenzen in diesem Bereich zu verstehen. Vereinfacht ausgedrückt würde dies einem Gerät ermöglichen, Energie aus der von nahegelegenen IoT-Knotenpunkten abgestrahlten Funkfrequenzleistung zu gewinnen.

Das Konzept ist insbesondere auf die Versorgung von IoT-Sensoren und -Geräten mit geringer Leistung ausgerichtet – vor allem in einer städtischen Umgebung. Bisher setzt der Bedarf an Energie – der aktuell entweder von einem Solarmodul oder einer eingebauten Batterie gedackt werden muss – diesen Geräten praktische Grenzen. Solarmodule müssen eine bestimmte Größe und ständig Zugang zum Sonnenlicht haben, was in städtischen Gebieten mit hohen Gebäuden nicht immer möglich ist. Und Batterien müssen regelmäßig gewechselt werden, was zusätzliche Kosten verursacht. Ein Gerät, das Strom aus Radiowellen gewinnt, könnte dagegen konstant Strom erzeugen und dabei weniger Kosten beim Aufbau und der Wartung verursachen.

Ein Prototyp des Mini-Radiowellenkraftwerks existiert bereits; nun suchen die Forschenden nach Partner*innen für die Produktion.

Keine Drähte angeschlossen

Die drahtlose Energieübertragung klingt nach einer sehr fortschrittlichen Technologie – aber sie wird schon seit langem erprobt. Bereits Nikolai Tesla hat eine solche Technologie theoretisiert, die in den 1960er Jahren mit der Rectenna – einer Zusammensetzung aus „rectifying“ (gleichrichtend) und „antenna“ (Antenne) – zur Anwendung kam.

Heute werden Rectennas vor allem in Radiofrequenz-Identifikationsetiketten (RFID) verwendet, d.h. bei der Identifizierung von Gegenständen oder Lebewesen mithilfe elektromagnetischer Wellen, zum Beispiel in der Logistik und in Pässen. Ein RFID-System besteht aus einem Transponder (umgangssprachlich auch Funketikett genannt), der sich am oder im Gegenstand bzw. Lebewesen befindet und einen kennzeichnenden Code enthält, sowie einem Lesegerät zum Auslesen dieser Kennung. Diese barcodeähnlichen Anwendungen benötigen keine Sichtverbindung zu einem Scanner, um zu funktionieren, und können vorübergehend mit Strom versorgt werden, wenn bestimmte Funkwellen vorhanden sind. Weitere Anwendungen sind zum Beispiel berührungslose Chipkarten.

Die Energieübertragung über Funkwellen wird jedoch auch als Möglichkeit diskutiert, Sonnenenergie aus dem Weltraum zu übertragen oder Drohnen durchgängig mit Energie zu versorgen.

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23-01-23_Progress Mwareya-Zimbabwe-plastic water tanks

E+Z - 23. Januar 2023 - 2:00
23-01-23_Progress Mwareya-Zimbabwe-plastic water tanks dagmar.wolf Mo., 23.01.2023 - 02:00 Large water tanks are a blessing in case of water shortage in Zimbabwe, but also have downsides Infrastructure The pros and cons of plastic water tanks So called “Jojo” tanks have become very popular in Zimbabwe. They are large-capacity vertical water storage tanks that can hold anything from 1,000 to 20,000-liter volumes. They’re handy in a country where piped water is unreliable. 23.01.2023Subsahara-Afrika Heutzutage SDG6 SDG12 Wasser Infrastruktur Umweltproblematik Stadt- und Regionalplanung

Urban residents in the last 10 years have bought Jojo tanks to insure families’, agriculture’s or small businesses’ water safety. “Jojo tank, it’s the new family car in terms of prestige,” says Brian Sako a resident of Mutare, the country’s third largest city.

Imported mainly from China and South Africa and made from plastic, they are often mounted on rooftops of family homes or in yards of factories. The water tanks cost between $ 300 to $ 1,000 depending on size and design. The advantage of the Jojo water tanks is three-fold. You capture precious and clean rainwater; you can order bulk clean water from commercial sellers and even resell some of the excess water.

Water woes in the country are common as water reserves continue to dwindle. Harare’s nearly 4 million residents have endured unreliable water supply for close to two decades. Moreover, close to 30 % of piped water is lost through illegal connections and leakages on suburban distribution pipes. “Climate change-induced droughts, brazen theft of water purification and pumping funds, an exodus of qualified engineers – all have contributed to the dire water shortages,” says Francis Moyo, a water engineer.

The excitement over the plastic water tanks has downsides too. Critics say that the Jojo water tanks in Zimbabwe are often hastily and improperly installed especially in poor city suburbs where untrained technicians do the job. It is a safety hazard to install a 10,000 litre Jojo water tank at heights and windy locations.

In some cases, the accidents of water splashes kill homeowners living next to water tanks. The rampant floods that have rocked Zimbabwe recently have also contributed to hazards. “It’s frightening,” says Gilbert Ndima in Chitungwiza, a town on the edges of the capital Harare. He recalls the deadly scene in October 2021 when a Jojo water tank collapsed and killed two children.

“It’s not the first tragedy and the last,” says Francis Moyo, a water engineer. “I see too much short cuts as installers rush for profit – never install a Jojo tank next to a room where people sleep or playground where kids gather.”

Additionally, used and worn-out plastic Jojo water tanks are clogging landfills thus adding to the urban waste pollution. Tinashe Baya, an environmentalist at the Harare Youth Clean-up Forum says: “It’s the biggest headache. Discarded Jojo water tanks that are supposed to solve urban water shortages end up piling onto landfills that clog the few precious waterways.”

Progress Mwareya is a freelance journalist based in east Zimbabwe.
progressmwareya2@gmail.com

Governance Off Off Progress Mwareya

contributed to D+C/E+Z in autumn of 2022 as a freelance journalist based in east Zimbabwe.
 

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23-01-22_Frank Swiaczny_Sonja Haug_Susanne Schmid_Sabrina Gabel - Africa - dempgraphic dividend - box

E+Z - 22. Januar 2023 - 2:00
23-01-22_Frank Swiaczny_Sonja Haug_Susanne Schmid_Sabrina Gabel - Africa - dempgraphic dividend - box dagmar.wolf So., 22.01.2023 - 02:00 Covid-19 bedroht Bemühungen um nachhaltige Entwicklung Covid-19-Folgen Pandemie fördert Ungleichheit Die weitreichenden Auswirkungen von Covid-19 bedrohen die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent. Nach derzeitigem Stand wird bis auf Ägypten kein afrikanisches Land die SDG-Ziele der UN (Sustainable Development Goals) für Bildung erreichen. 22.01.2023Weltweit Hintergrund SDG1: no poverty SDG8 Bevölkerung Familienplanung Bildung Ausbildung Kinder Arbeit Volkswirtschaftliche Entwicklung Armutsbekämpfung Entwicklungspolitik Entwicklungsstrategien Menschenrechte Nachhaltigkeit

Während der pandemiebedingten Schulschließungen stand weniger Mädchen als Jungen digitale Technik für Lernzwecke zur Verfügung. Auch danach kehrten weniger Mädchen als Jungen in die Schule zurück. Geschlechtsspezifische Gewalt ist in der Pandemie stark gestiegen. Ihre geringeren Möglichkeiten zu Empfängnisverhütung, Familienplanung und Bildung wirft junge Frauen wieder zurück in traditionelle Muster, was frühe Schwangerschaften begünstigt.

In Zukunft wird drei Viertel des weltweiten Anstiegs der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden. Bis 2050 müssen allein in Afrika geschätzt mehr als 800 Millionen zusätzliche Jobs entstehen – doch die Pandemie hat zahllose Arbeitsplätze vernichtet.

Dabei geht es nicht nur um die Zahl der Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern auch um die Qualität und soziale Inklusivität angebotener Stellen. Spannungen und Konflikte, verschärft durch die Covid-19-Folgen, erschweren es, eine nachhaltige „demografische Dividende“ zu realisieren.

Frank Swiaczny Sonja Haug Susanne Schmid Sabrina Gabel 20.01.2023 Von sinkenden Kinderzahlen profitieren

Hinzu kommen eine ganze Reihe ökologischer Probleme, die sich aufgrund des Klimawandels verschärfen, wie zunehmende Dürren und Überschwemmungen. Reiche Industrieregionen wie die EU, die erklärtermaßen in nachhaltiges Wachstum in Afrika investieren möchten, sollten deshalb besonders die Familienplanung und Selbstbestimmung der Frauen, deren Zugang zu Bildung sowie zu nachhaltigen Arbeitsplätzen im Blick haben.

Frank Swiaczny ist Wissenschaftler am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.
frank.swiaczny@bib.bund.de

Sonja Haug ist Professorin für Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).
sonja.haug@oth-regensburg.de

Susanne Schmid ist Leiterin des Referats „Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration“ an der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).
schmids@hss.de

Sabrina Gabel arbeitet in einem Projekt für Bevölkerungsdynamik, Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Der Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder.
sabrina.gabel@giz.de

Armutsbekämpfung Nachhaltigkeit Gendergerechtigkeit Off Off Frank Swiaczny

hat im Winter 2022/2023 als Wissenschaftler am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

Sonja Haug

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie ist Professorin für Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).

 

 

Susanne Schmid

hat im Winter 2022/2023 als Leiterin des Referats „Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration“ an der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD) zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

Sabrina Gabel

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie arbeitet in einem Projekt für Bevölkerungsdynamik, Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

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23-01-21_André de Mello e Souza-Brazil-8-January

E+Z - 21. Januar 2023 - 2:00
23-01-21_André de Mello e Souza-Brazil-8-January dagmar.wolf Sa., 21.01.2023 - 02:00 In protest against legitimate election results, right-wing extremists vandalised government buildings Democracy under attack 8 January 2023 in Brasília looked like 6 January 2021 in Washington In protest against legitimate election results, right-wing extremists vandalised government buildings. Brazil’s institutions responded fast, but key questions remain unanswered. 21.01.2023Lateinamerika und Karibik Meinung SDG16 SDG15 Demokratisierung Menschenrechte Recht Verwaltung Regierungsführung Informationstechnologien Institutionen

Collective violence from extreme right-wing supporters of Brazil’s former President Jair Bolsonaro was feared and even expected after the October 30th 2022 runoff of Presidential elections. While there were indeed many demonstrations, road blocks and protest camps across the country, the inauguration of President Luiz Inácio Lula da Silva took place without disturbance on 1 January. The expectation was that the new government would thus no longer face anti-democratic activities.

It was wrong. On 8 January, an angry crowd of Bolsonaro supporters invaded the Presidential Palace, the Congress and the Supreme Court. Some 10,000 extremists, dressed in the colours of Brazil’s flag, vandalised the buildings of the executive, legislative and judicial branches of government. Glass windows and doors were broken. Furniture and art works – many of high historical, cultural and financial value – were destroyed.

Controlling the vandals

After hours of rioting, reinforced security forces managed to control the vandals. By Monday evening, 1500 persons had been arrested. Some were caught in the act, but the investigative police also used photos and video to identify perpetrators of what was widely called acts of terrorism. Some culprits had posted incriminating images online.

Nonetheless, authorities’ failure to prevent the attack is deeply worrisome. The intelligence agency had issued several warnings about the risk of radical action. Nonetheless, the military police of the Federal District of Brasília escorted the mob through the capital. Some pictures show them appreciating the extremists. Bolsonaro always did his best to woo the security forces. Ibaneis Rocha, the governor of Federal District of Brasília, is a Bolsonaro ally and now considered an accomplice of the attacks.

The invasion of Brasília was orchestrated. Radicals were brought in by bus from all over Brazil. Transportation and food were paid for by businesses, mostly from the agricultural sector, where some big investors benefited from Bolsonaro’s disregard for the environment. Coordination was done on social networks, especially Twitter and Telegram.

International networking of the extreme right

The incidents in Brasília obviously resembled the riot in the US Capitol on 6 January 2020. There is evidence of the extreme right’s transnational networking. Supporters of former US President Donald Trump strategised with people who belong to Bolsonaro’s inner circle. Bolsonaro himself took refuge in Florida in late December, where he was hospitalised at the time of the invasion. That looked like a carefully planned alibi.

Brazil’s institutions did react forcefully. Lula announced a federal intervention in Brasília’s security forces, and Congress approved it fast. He also dismissed dozens of military leaders. A Supreme Court justice suspended Rocha from the regional government for 90 days. He also blocked Telegram and ordered that the content of messages from before 8 January must be sent to the federal police. Anderson Torres, who was in charge of public safety in the Federal District and is Bolsonaro’s former attorney general, was arrested – and so was the chief of Brasília’s military police.

Open questions  

Many analysts now see Brazil’s institutions, democracy and current government strengthened. The extremists who wanted to trigger a military coup failed. Key questions remain unanswered however.

  • Why was the military not called in? Some argue that, had the new government done so, it would have risked facing the refusal of several generals to intervene against the mob. Brasília’s military police chief claims the army had not let him remove a protest camp near the barracks. Lula says he did not want to let the miliary decide over a power grab.
  • What went wrong in the regional government? Perhaps Rocha knew what was going on, but he may have been misled by underlings.
  • What businesses were involved in funding the protests?
  • What role did foreign individuals and organisations play? Particularly interesting is how social media were used and manipulated internationally.

In this context, it is encouraging that many foreign leaders expressed solidarity with Lula fast.

André de Mello e Souza is an economist at Ipea (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada), a federal think tank in Brazil.
Twitter: @A_MelloeSouza

Governance Off Off André de Mello e Souza

hat zuletzt im Herbst 2022 als Wirtschaftswissenschaftler bei Ipea (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada), einer staatlichen Denkfabrik in Brasilien, zu E+Z/D+C beigetragen.
Twitter: @A_MelloeSouza

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Wie den Frieden in Karisia sichern?

Engagement Global - 20. Januar 2023 - 13:08
Einen Plan für Frieden entwickeln. Foto: Engagement Global

Wie kann Frieden gesichert werden, wenn ein Konflikt zwischen ethnischen Gruppen schwelt und eine notleidende Bevölkerung dringend Hilfe benötigt? Wer kann Unterstützung bieten, wenn im Land Anschläge verübt werden und die Handlungsmöglichkeiten aller Akteure einschränkt sind? Mit diesen Fragen haben sich Studierende der Universität Potsdam in einem Seminar zum Thema internationale Entwicklungspolitik auseinandergesetzt. Zum Einsatz kam dabei das Spiel „Friedenssicherung in Karisia“.

Das Planspiel zur internationalen Entwicklungszusammenarbeit wurde im Programm Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) entwickelt. Spielerinnen und Spieler nehmen dabei die Rolle lokaler Autoritäten, von Nothilfe- und Entwicklungsorganisationen und der Bundeswehr ein. Gemeinsam werden dann Strategien entwickelt und durchgespielt, die eine nachhaltige Entwicklung in der Region unterstützen könnten.

Entwicklungspolitische Perspektiven kennenlernen

Die Außenstelle Berlin von Engagement Global hatte Studierende der Universität Potsdam am 18. Januar 2023 dazu eingeladen, ihre Erkenntnisse aus dem Seminar „Internationale Entwicklungspolitik“ von Dr. Elena Sondermann zu vertiefen. Dabei lernten sie verschiedenen Positionen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit kennen und die Komplexität des Handlungsfeldes besser verstehen.

Als Spielerinnen und Spieler machten sie die Erfahrung, dass es intensive Absprache unter den Gruppen und ein hohes Maß an Koordinationsgeschick braucht, um erfolgreich agieren zu können. Besonders die Personen, die als Hilfsorganisationen agierten, stießen im Verlauf des Spiels auf Herausforderungen. Sie nannten unter anderem die Konkurrenz um Spendengelder und fehlende Handlungsoptionen unter bestimmten Bedingungen als Schwierigkeiten, denen sie begegnet sind.

Ziel des EBD-Programms ist es, Menschen durch Informations- und Bildungsmaßnahmen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit globalen Entwicklungen zu motivieren und zu eigenem entwicklungspolitischem Engagement zu ermutigen.

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GIZ akzente Newsletter, Ausgabe 1/23

SID Blog - 20. Januar 2023 - 11:19

            Ausgabe 1/23     akzente Newsletter     Einblicke in die Arbeit der GIZ weltweit
Ein Service der Unternehmenskommunikation         Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

wir freuen uns sehr, dass Sie unseren GIZ akzente-Newsletter abonniert haben! Multimediale Geschichten nehmen Sie mit in die mehr als 120 Einsatzländer der GIZ und liefern spannende Hintergründe zu den drängenden Themen der internationalen Zusammenarbeit.

Seit letztem Jahr steht Ihnen GIZ akzente komplett digital zur Verfügung – jederzeit und überall erreichbar. Auch außerhalb des redaktionellen Kosmos lässt sich die Digitalisierung nicht mehr wegdenken: Sie ist eines der zentralen Themen, mit denen wir uns als GIZ weltweit befassen. Wie kann Digitalisierung als Entwicklungstreiber genutzt werden? Wie können alle Menschen Zugang zum Internet erhalten? Lesen Sie dazu mehr in diesem Newsletter.

Zunächst blicken wir aber auf Themen, die uns auch 2023 stark fordern werden: das Klima und die Biodiversität. Die 15. Biodiversitätskonferenz im vergangenen Dezember hat Artenvielfalt in den Fokus gerückt, bisher fehlt aber die globale Aufmerksamkeit. Warum ist das so? Unsere Beiträge liefern einige Antworten.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihre Ute Schaeffer
GIZ-Pressesprecherin

PS. Kennen Sie Menschen, für die GIZ akzente ebenfalls spannend sein könnte? Leiten Sie diesen Newsletter gerne weiter!         Inhalt Biodiversität » Klimaschutz und der Erhalt von Biodiversität gehören zusammen » Hintergründe zur Biodiversität » Nutzpflanzen 2.0 » Was schätzen Sie? akzente des Monats » Klimapolitik im Kleinen und Großen » Status Quo Digitalisierung Making-of     Biodiversität     Klimaschutz und der Erhalt von Biodiversität gehören zusammen Die Biodiversitätskrise ist nicht weniger gefährlich als der Klimawandel. Nur eine intakte Natur kann im Ökosystem Erde unser Überleben sichern. GIZ-Vorstandsmitglied Ingrid-Gabriela Hoven wünscht sich ein klares Zeichen, mehr für Biodiversität zu tun. Bislang hat der Schutz des Artenreichtums aber keine große Lobby. Warum eigentlich?
Erklärungsansätze und wie Entwicklungszusammenarbeit helfen kann, lesen Sie im Interview mit Frau Hoven.   © IISD/ENB Angeles Estrada Vigil »  Zum Interview Hintergründe zur Biodiversität © 3st kommunikation Die biologische Vielfalt schrumpft seit Jahren drastisch. Etwa eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht, der natürliche Verlust wird damit um das 100-Fache übertroffen. Die 15. UN-Biodiversitätskonferenz im vergangenen Dezember hat dem Thema zu verstärkter Aufmerksamkeit verholfen. Das ist entscheidend, damit der Erhalt der Artenvielfalt gelingt und wirkungsvolle Schutzmechanismen in Gang kommen. Auf GIZ akzente finden Sie Hintergründe, Interviews und kompakte Fakten zum hochaktuellen Thema. »  Zum Themen-Spezial Nutzpflanzen 2.0 Der Klimawandel wirkt sich auf Ernteerträge aus: Klassische Nutzpflanzen wie Weizen oder Reis halten Dürre, Überschwemmungen und Starkregen immer weniger stand.
Um die Ernährungssicherheit zu erhalten und zu verbessern, müssen Nutzpflanzen an die neuen Verhältnisse angepasst werden.
Neue Züchtungen besinnen sich auf teilweise uralte Sorten – oder hochmoderne Neuauflagen bekannter Klassiker.
Wir stellen fünf Nutzpflanzen 2.0 vor. »  Zum Artikel   © 3st kommunikation   Was schätzen Sie?       Niemand weiß genau, wie viele Arten es auf der Erde gibt. Wissenschaftler*innen gehen aktuell von etwa 15 Millionen aus – viele davon hat noch kein Mensch je zu Gesicht bekommen. Wie viele Arten sind tatsächlich bekannt und beschrieben?

a) 10,3 Millionen
b) 6,4 Millionen
c) 1,8 Millionen


Die Antwort und mehr Fakten zum Thema „Biologische Vielfalt" finden Sie in unserer
» Infografik       akzente des Monats     Klimapolitik im Kleinen und Großen © picture alliance/photothek | Thomas Imo Das Klima ist politisch. Und wie in allen politischen Prozessen treffen verschiedene Meinungen und Interessen aufeinander. Eines ist unbestreitbar: Der Klimawandel zeigt dramatische Auswirkungen auf allen Kontinenten, er passiert genau jetzt und genau vor unseren Haustüren. Ein globales Vorgehen ist daher wichtiger denn je. Wir beleuchten verschieden Facetten zum Thema Klimapolitik – vom Rückblick auf die COP27 über die Relevanz von 0,5 Grad Celsius bis hin zu Visionär*innen, die ihre unmittelbare Umwelt schützen.
»  Zum Themen-Spezial Status Quo Digitalisierung © 3st kommunikation Digitalisierung und Internetnutzung umspannen den ganzen Globus. Doch erst zwei Drittel der Menschen haben Zugang zum Netz. Insgesamt gibt es noch Luft nach oben, was die gesicherte Teilhabe und einen nachhaltigen Umgang mit Internet und Digitalisierung angeht. Wissen, wo die Potenziale und Schwachstellen liegen, ist der erste Schritt auf dem Weg dorthin.
Unsere Infografik lenkt den Blick auf 9 aufschlussreiche Fakten.
»  Zur Infografik     Making-of     Eine Reportage aus Laos © Peter Livermore In den vergangenen Monaten waren wir für Sie auf der Welt unterwegs und haben interessante Menschen und Projekte kennengelernt. Wie zum Beispiel in Laos. Dort begeisterte unser Video-Team die Kinder eines kleinen Dorfes mit ihrer Drohne. Worum es eigentlich bei der Recherche ging? »  Zur Reportage     Kontakt
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Redaktion:
Franziska Schmuelling
Nicole Annette Müller
Sabrina Pfost
Maren Beck

   
   

Entwicklungsministerium fordert globalen Strukturwandel

SID Blog - 20. Januar 2023 - 11:17

Kampf gegen den Hunger kann nur mit Umbau von Agrar- und Ernährungssystemen erfolgreich sein

Unsere Agrar- und Ernährungssysteme müssen mehr und anderes leisten als heute: Welternährung sichern, Lebensgrundlagen wie Böden und Wasser schützen, Einkommen sichern. Entsprechende Forderungen und entwicklungspolitische Initiativen stellte Entwicklungs-Staatssekretär Jochen Flasbarth heute bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin vor. Langfristige Ernährungssicherheit, dazu Vorrang von Getreide als Lebensmittel vor Tank oder Trog, eine entwaldungsfreie Landwirtschaft, sowie die Honorierung ökologischer Leistungen in der Landwirtschaft sind zentrale Bausteine beim Umbau der Agrar- und Ernährungssysteme.

Flasbarth: „Die heutige globale Ernährungs- und Landwirtschaft schädigt und zerstört vielerorts ihre eigenen Produktions- und damit Lebensgrundlagen und befeuert den Klimawandel. Die unmittelbaren Folgen spüren vor allem arme Menschen im globalen Süden. Dürren und Überschwemmungen vertreiben Menschen aus ihrer Heimat, landwirtschaftliche Erträge gehen zurück, Hunger und Mangelernährung werden verschärft, immer mehr Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Entwicklungsländern können nicht von ihrer Arbeit leben. Daher müssen wir grundlegend an die Strukturen ran. Die Agrar- und Ernährungssysteme müssen weltweit eine gesunde Ernährung für die wachsende Weltbevölkerung innerhalb der planetaren Grenzen und zwar zu fairen Bedingungen sicherstellen. Das wird nur mit strukturellen Veränderungen gelingen. Die müssen wir international ebenso voranbringen wie bei uns in Deutschland. Zu dieser Transformation tragen wir mit unserem entwicklungspolitischen Engagement bei."

Weltweit hungern laut Vereinten Nationen rund 828 Millionen Menschen, mehr als drei Milliarden Menschen können sich keine ausreichende und gesunde Ernährung leisten. Gleichzeitig tragen die gegenwärtigen Agrar- und Ernährungssysteme zu Klimawandel, Biodiversitätsverlust und zur Zerstörung von natürlichen Ressourcen wie Böden, Wäldern und Wasser bei. Die drastischen Folgen spüren insbesondere arme Menschen im globalen Süden.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen Agrar- und Ernährungssysteme mehr und anderes leisten als heute: Sie müssen multifunktional sein. Sie müssen die Welternährung sichern, zu Einkommen und Beschäftigung im ländlichen Raum beitragen, also Armut bekämpfen, und die natürlichen Ressourcen schützen. Voraussetzung dafür ist eine ausgewogene Entwicklung im ländlichen Raum, die Lebensgrundlagen wie Wasser und Böden erhält und nachhaltig nutzt. Das BMZ leistet hierzu mit seinem entwicklungspolitischen Engagement wichtige Beiträge: „Hunger bekämpfen – Agrar- und Ernährungssysteme transformieren!".

Eine entwaldungsfreie Landwirtschaft ist zentral beim Bemühen um nachhaltiges, ressourcenschonendes Wirtschaften. Der Anbau von Agrarrohstoffen darf nicht zur Zerstörung von Naturräumen wie Wäldern führen. Wir dürfen über den Agrarhandel keine Entwaldung importieren. Darum fördert das BMZ gemeinsam mit seinen Partnerländern den Aufbau entwaldungsfreier Lieferketten und unterstützt internationale handelspolitische Initiativen wie die kommende EU-Verordnung zum Import entwaldungsfreier Produkte wie Soja, Palmöl, Rindfleisch und Leder, Kakao, Kaffee, Naturkautschuk und Holz. Weitere Informationen: „Entwaldungsfreie Lieferketten - Nachhaltige Anbauregionen fördern und Wald schützen".

 Staatssekretär Flasbarth wird im Rahmen der Grünen Woche auch Gespräche mit Partnern im Bündnis für globale Ernährungssicherheit führen. Das Bündnis für globale Ernährungssicherheit wurde auf Initiative von Entwicklungsministerin Schulze im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft gemeinsam mit der Weltbank als direkte Reaktion auf die sich ausweitende Ernährungskrise in Folge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Mai 2022 ins Leben gerufen. Seither hat sich das weltweite Bündnis als agile, offene Plattform etabliert und eine Vielzahl an Partnern gewonnen. Am Stand des BMZ spricht Staatssekretär Flasbarth heute mit der Kommissarin der Afrikanischen Union für Landwirtschaft, Ländliche Entwicklung, nachhaltige Wirtschaft und Umwelt, Josefa Leonel Correia Sacko, sowie mit Weltbank-Vizepräsident für Nachhaltige Entwicklung, Jürgen Vögele.

Das BMZ auf der Internationalen Grünen Woche:

Standort: Halle 10.2, Stand 107

Weitere Informationen zum BMZ-Bühnenprogramm: Link zum Bühnenprogramm

 



Exklusives Flüchtlingsschutzregime, koloniale „Andere“ und Geschlechterdichotomien

DIE - 20. Januar 2023 - 9:05

Obwohl das internationale Flüchtlingsrecht und der Flüchtlingsschutz vorgeben, für alle als Flüchtlinge kategorisierten Menschen weltweit zu gelten, ist deren Entstehung und Anwendung auf das Engste mit den geopolitischen Kämpfen der Großmächte verbunden. Infolgedessen sind unterschiedliche Konzeptualisierungen von Flüchtlingen entlang der globalen Nord-Süd-Linie entstanden. Der Beitrag interessiert sich für koloniales Othering im Kontext von Fluchtmigration und verknüpft analytisch drei Bereiche: das internationale Flüchtlingsrecht, die politischen Diskurse über Flüchtlingsschutz und die geschlechtsspezifischen Auswirkungen auf Flüchtlinge, insbesondere im postkolonialen Afrika. Wir zeigen, dass der ursprüngliche Fokus der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 auf Flüchtlinge in Europa zur strukturellen Vernachlässigung und zum Othering von Flüchtlingen beigetragen hat, die ‚anderswo‘ in der Welt situiert waren. Während und nach der Dekolonisierung in Afrika haben politische Diskurse über Schutz diese Dynamiken intensiviert; der Schwerpunkt lag nicht auf rechtlichem Asyl, sondern auf humanitärer Hilfe. Dadurch wurden die ‚anderen‘ Flüchtlinge als hilfsbedürftig, apolitisch und feminin dargestellt, was westliche Geschlechterdichotomien (re)produzierte.

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Transnational migration and reconfiguration of the family in Zimbabwe

DIE - 20. Januar 2023 - 9:02

The unprecedented transnational migration ensuing from the economic crisis in Zimbabwe has sociocultural impacts on both migrant and non-migrant family members. This article, which draws from qualitative research with migrants and non-migrants, discusses how migration upsets cultural configurations of the family in terms of marriage, parenthood, childhood, the gender and age division of labor, and family relations. Transnational migration has destabilized traditional family structures by creating relations and gender roles that challenge cultural and social values relating to both the nuclear and extended families. Transnational migration has also transformed the family’s place in the migrant’s life and vice versa in ways that deviate from the cultural norm.

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23-01-20_Frank Swiaczny_Sonja Haug_Susanne Schmid_Sabrina Gabel - Africa - demographic dividend

E+Z - 20. Januar 2023 - 2:00
23-01-20_Frank Swiaczny_Sonja Haug_Susanne Schmid_Sabrina Gabel - Africa - demograhic dividend dagmar.wolf Fr., 20.01.2023 - 02:00 Sinkende Geburtenzahlen können zu einer sogenannten „demografischen Dividende“ führen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen Demografische Dividende Von sinkenden Kinderzahlen profitieren In einigen Ländern Subsahara-Afrikas gehen die Geburtenzahlen zurück. Unter bestimmten Bedingungen kann das zu wirtschaft­licher Entwicklung beitragen. Um dies im Rahmen der Klima- und Umweltziele zu erreichen, sind allerdings gute Strategien nötig. 20.01.2023Subsahara-Afrika Hintergrund SDG1: no poverty SDG8 Bevölkerung Familienplanung Bildung Ausbildung Kinder Arbeit Volkswirtschaftliche Entwicklung Armutsbekämpfung Entwicklungspolitik Entwicklungsstrategien Menschenrechte Nachhaltigkeit

Das globale Bevölkerungswachstum in Einklang zu bringen mit einer nachhaltigen Entwicklung, ist eine der wichtigsten Zukunftsfragen für Mensch und Umwelt. Allerdings bleibt dafür nicht mehr viel Zeit, das zeigen die jüngsten Erkenntnisse zur Klimakrise, zum Verlust von Artenvielfalt und Ökosystemen sowie der enorme weltweite Ressourcenverbrauch.

Die am wenigsten entwickelten Länder haben aufgrund hoher Geburtenraten eine sehr junge Altersstruktur: 60 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre. In vielen dieser Länder wächst die Bevölkerung zwar weiterhin, jedoch mit abnehmender Tendenz. Das eröffnet wirtschaftliche Chancen: Wenn nach vormals starkem Bevölkerungswachstum die Anzahl der Geburten je Frau sinken, steigt in der Regel der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung. Das bedeutet, es können mehr Menschen wirtschaftlich aktiv sein, während die Gesellschaft zugleich weniger Transferleistungen an Kinder oder Ältere erbringen muss. Dieser demografisch bedingte, potenzielle wirtschaftliche Nutzen heißt „demografische Dividende“.

Mabingué Ngom 08.12.2021 Wie die Sahelzone mit Dynamik aus der Krise kommt

Eine demografische Dividende entsteht allerdings keinesfalls zwangsläufig allein aus einer günstigen Altersstruktur. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die dazu beitragen können, dass aus der Bevölkerung ein Kapital entsteht, dessen Dividende die Lebensbedingungen verbessern kann. Welche Faktoren hier eine Rolle spielen, wird seit vielen Jahren diskutiert. Klar ist, dass ein hoher Anteil an Erwerbstätigen die wirtschaftliche Entwicklung befördern kann, wenn zugleich:

  • in menschliche Entwicklung investiert wird – etwa in Gesundheit und Bildung – und
  • neue, gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen oder geschaffen werden.

Das zumindest versprechen Entwicklungskonzepte, die auf klassischem Wirtschaftswachstum beruhen. In der Vergangenheit konnte eine solche demografische Dividende in einer Reihe asiatischer Länder beobachtet werden, darunter die „Tigerstaaten“ Südkorea und Taiwan.

Aktuell sinken in vielen Ländern in Subsahara-Afrika die Geburtenraten. Vorreiter sind dabei Länder wie Äthiopien, wo die Fertilität von mehr als sieben Kindern je Frau 1990 auf heute nur noch vier Kinder zurückgegangen ist. Im Durchschnitt liegt der Wert für diese Region noch bei 4,5 Kindern. Ob dies mittelfristig ebenfalls in eine demografische Dividende mündet, hängt unter anderem vom Verlauf des Fertilitätsrückgangs und von Investitionen in menschliche Entwicklung ab. Die Afrikanische Union (AU) setzt daher auf Investitionen in die Jugend, damit afrikanische Länder vom Bevölkerungswachstum profitieren. Das betonten auch Fachleute auf einer virtuellen Konferenz an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg Ende 2021. Die Konferenz wurde im Rahmen des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie organisiert, in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) und der Universität Koblenz-Landau (UKL).

Emissionen steigen

Diskutiert wurde dort auch ein Dilemma einer solchen wirtschaftlichen Entwicklung: Sie führt oft zu höherem Ressourcenverbrauch und mehr Emissionen. Dies war bei der konventionellen Industrialisierung der Fall. Sie hat zwar in der Vergangenheit vielerorts erfolgreich zu Wohlstand geführt – allerdings auch dazu, dass gegenwärtig etwa die Hälfte der Klimaerwärmung von nur zehn Prozent der Menschheit – nämlich den weltweit Wohlhabendsten – zu verantworten ist. Der Ressourcenverbrauch von Menschen in den am schnellsten wachsenden Bevölkerungen trägt aktuell kaum zur Klimakrise bei.

Der Entwicklungsansatz einer konventionellen Industrialisierung lässt sich in Subsahara-Afrika kaum nachhaltig realisieren. Zum einen wächst die Bevölkerung dort trotz sinkender Fertilitätsraten weiter, zum anderen sind die globalen Nachhaltigkeitsgrenzen durch die historische Entwicklung der Industrie- und Schwellenländer bereits weit überschritten. Ein solcher Ansatz ist deshalb für die Zukunft Subsahara-Afrikas kritisch zu betrachten.

Eine Möglichkeit, wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu realisieren, ohne den ressourcenintensiven Entwicklungspfad der Industrieländer zu kopieren, liegt im sogenannten Leapfrogging. Dabei werden bestimmte Entwicklungsstadien ausgelassen, wie es zum Beispiel bei der Telefoninfrastruktur in Nigeria der Fall war. Das Land „übersprang“ den Festnetzausbau, stattdessen verbreiteten sich Mobilfunkverträge. Damit gingen etwa direkte Möglichkeiten für mobile Bankkonten einher.

Klimagerechtes Wachstum

Viele kleine Sprünge in verschiedenen Entwicklungsbereichen könnten in der Summe zu klimagerechtem Wachstum beitragen. Für viele afrikanische Länder dürfte es allerdings schwierig sein, die Entwicklungssprünge asiatischer Länder zu kopieren. Dies gilt besonders für Staaten, die noch immer unter den Folgen von Bürgerkriegen und anderen Konflikten leiden. In jedem Fall sollte die Wahrung sexueller und reproduktiver Rechte vom Prinzip der Menschenrechte geleitet sein.

In einigen Ländern Afrikas ist derzeit durchaus ein Wandel in der Einstellung zur Familienplanung zu beobachten, wie Fachleute auf der Konferenz betonten. Demnach hat beispielsweise in Äthiopien der Zugang zu Informationen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit letztlich auch die Einschulungs- und Abschlussraten verbessert, insbesondere für Mädchen. Bei jungen Menschen in Afrika sei das Bedürfnis nach Aufklärung durchaus hoch und der Wunsch nach weniger Kindern und späteren Schwangerschaften weit verbreitet. Allerdings habe etwa jede zweite Frau in Subsahara-Afrika, die verhüten möchte, keine Möglichkeit dazu. Es fehle an Angeboten, beispielsweise für Jugendliche in Gesundheitsstationen. Würde dieser Bedarf gedeckt, trüge das zu einer nachhaltigen, an den Menschenrechten und der Gleichstellung der Geschlechter orientierten Bevölkerungsentwicklung bei.

Literatur

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2021: Globale Bevölkerungsentwicklung. Fakten und Trends. BiB.Bevölkerungs.Studien 1/2021.
https://www.bib.bund.de/Publikation/2021/Globale-Bevoelkerungsentwicklung.html?nn=15207364

Klingholz, R., Sütterlin, S., Kaps, A., Hinz, C., 2020: Wie in Afrika große Entwicklungssprünge möglich werden. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.
https://www.berlin-institut.org/studien-analysen/detail/schnell-bezahlbar-nachhaltig

Kaps, A., Schewe, A.-K., Klingholz, R., 2019: Wie sinkende Kinderzahlen Entwicklung beschleunigen. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.
https://www.berlin-institut.org/studien-analysen/detail/afrikas-demografische-vorreiter

Frank Swiaczny ist Wissenschaftler am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.
frank.swiaczny@bib.bund.de

Sonja Haug ist Professorin für Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).
sonja.haug@oth-regensburg.de

Susanne Schmid ist Leiterin des Referats „Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration“ an der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).
schmids@hss.de

Sabrina Gabel arbeitet in einem Projekt für Bevölkerungsdynamik, Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Der Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder.
sabrina.gabel@giz.de

Armutsbekämpfung Nachhaltigkeit Gendergerechtigkeit Off Off Frank Swiaczny

hat im Winter 2022/2023 als Wissenschaftler am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

Sonja Haug

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie ist Professorin für Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).

 

 

Susanne Schmid

hat im Winter 2022/2023 als Leiterin des Referats „Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration“ an der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD) zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

Sabrina Gabel

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie arbeitet in einem Projekt für Bevölkerungsdynamik, Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

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Israels antiliberale Koalition

SWP - 19. Januar 2023 - 15:00

Die neue Regierung in Israel steht politisch so weit rechts wie keine andere vor ihr. Der Erfolg der rechtsradikalen Parteien und ihre Beteiligung an der Regierung sind Ergebnisse einer länger anhaltenden Transformation der politischen Landschaft Israels. Kennzeichnend für diese Entwicklung ist die Genese einer rechten Mehrheit, die mit einer Rechtsverschiebung des Mainstreams und der politischen Legitimierung des radikalsten Segments der israelischen Gesellschaft einhergeht. Der gemeinsame Nenner dieser Regierung ist ein antiliberaler Impetus, der auf eine Neuordnung des Staates hinausläuft. Die Regierung beabsichtigt, demokratische Mechanismen, ins­besondere das System von Checks and Balances, den Status des Obersten Gerichtshofs und den der Grundrechte, zu schwächen. Stattdessen sollen majoritäre Prinzipien gestärkt werden, die den Regierungsmehrheiten kaum mehr Schranken auferlegen. Dieser disruptive Ansatz bezieht sich auch auf den Konflikt mit den Palästinensern: Hier wird ein Sieg angestrebt. Die Integration des Westjordanlands in das Rechts­gebiet des Staates Israel soll unumkehrbar gemacht werden.

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Entwicklungsministerium stärkt Situation der jesidischen Gemeinschaft im Nordirak

SID Blog - 19. Januar 2023 - 14:31
Der parlamentarische Staatsekretär im Entwicklungsministerium Niels Annen trifft Aktivistinnen und Aktivisten der jesidischen Gemeinschaft

Heute will der Bundestag entscheiden, die Gräueltaten gegen die Jesiden durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Irak offiziell als Völkermord anzuerkennen. Vor diesem Hintergrund trifft sich der parlamentarische Staatssekretär im BMZ Niels Annen mit  Vertretern des Zentralrates der Êzîden in Deutschland, Überlebenden sowie Stammesoberhäuptern aus dem Nordirak. Neben dem Austausch zur Situation der Jesiden stellt Niels Annen auch das laufende Engagement des BMZ im Nordirak vor, wo ein großer Teil der Gemeinschaft lebt. Mit Hilfe der deutschen  Entwicklungszusammenarbeit konnten seit 2014 fast fünf Millionen Binnenvertriebene im Irak wieder in ihre Heimat zurückkehren.  Seit 2014 hat das Entwicklungsministerium (BMZ) mehr als zwei Milliarden Euro in den Wiederaufbau des Iraks investiert.

Staatsekretär Niels Annen: „Wir haben viel geschafft, das zeigen die klar messbaren Entwicklungsfortschritte im Nordirak. Aber wir sehen auch, dass die Lage für viele Menschen in der Region nach wie vor schwierig ist. Wir unterstützen daher auch weiterhin ganz besonders die Aufarbeitung der Folgen der IS-Terrorherrschaft, den Wiederaufbau, aber auch die Versorgung und Integration in den Gastgemeinden. Für die Zukunft müssen wir vor allem die strukturellen Entwicklungshemmnisse des irakischen Staates ins Visier nehmen, zuallererst die Korruption und die überbordende Bürokratie. Wir müssen Perspektiven für die Menschen schaffen und sie gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen".  

Mit Hilfe der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wurde viel im krisengebeutelten Nordirak erreicht, von dem auch die Angehörigen der jesidischen Minderheit profitieren: So konnte seit dem Sieg über den IS der Zugang zu medizinischer Grundversorgung für rund vier Millionen Menschen verbessert werden. Die Trinkwasserversorgung wurde für 3,5 Mio. Menschen wiederhergestellt und Bildungsangebote für über 800.000 Schülerinnen und Schüler geschaffen. Die Krisenbewältigung spielt weiterhin eine wichtige Rolle, und dies oftmals auf ganz persönlicher Ebene.

Viele jesidische Mädchen und Frauen sind Opfer von sexualisierter Gewalt durch den IS geworden. Das BMZ unterstützt deshalb mehrere Projekte im Nordirak zur Trauma-Verarbeitung und psychosozialer Betreuung. Wiederaufbauprojekten werden zudem stets Maßnahmen zur Seite gestellt, die den gemeinschaftlichen Zusammenhalt stärken sollen. 

Das BMZ schlägt mit seinem Engagement im Irak somit bewusst einen Bogen von kurzfristiger Flüchtlingshilfe und Krisenbewältigung hin zum Wiederaufbau befreiter Gebiete bis zur Unterstützung langfristiger Entwicklung und notwendiger Strukturreformen. Neben der notwendigen Aufarbeitung der Krise soll insbesondere das Überwinden der strukturellen Ursachen helfen, zukünftigen Konflikten entgegenzuwirken und ein friedliches Zusammenleben im Irak sicherzustellen. 


 

 

 

 

Mit Wissen für ein friedliches Miteinander

Welthungerhilfe - 19. Januar 2023 - 13:00
Die Welthungerhilfe leistet lebensnotwendige Soforthilfe für Menschen im Südsudan und erarbeitet mit ihnen langfristige Perspektiven. Eine sichere Ernährung und der Zugang zu Bildung sind wichtige Grundlagen, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.
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Klimaziele mit technologischen Methoden erreichen

SWP - 19. Januar 2023 - 11:30
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