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AK Rohstoffe: Ausbau erneuerbarer Energien und Rohstoffwende sind kein Widerspruch

Forum Umwelt & Entwicklung - 25. Januar 2023 - 12:29

Seit vielen Jahren setzen wir uns als AK Rohstoffe für eine Rohstoffwende ein. Die zwei zentralen rohstoffpolitischen Anforderungen an die Bundesregierung sind, dass Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards bei der Rohstoffgewinnung verpflichtet werden und der absolute Verbrauch von Primärmetallen in Deutschland reduziert wird. Letzteres Ziel steht nur vermeintlich im Widerspruch zum Rohstoffbedarf, der für den Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig ist.1 Dieser Ausbau ist zwingend erforderlich, um den notwendigen Ausstieg aus der Nutzung von fossilen Rohstoffen und der Bekämpfung der Klimakrise zu gewährleisten.

 

Im folgenden Kurzpapier zeigen wir auf, warum sowohl der Ausbau der erneuerbaren Energien als auch die Reduktion des Primärverbrauchs von Metallen nicht im Widerspruch zueinanderstehen. Beides ist möglich und zwingend notwendig für die Einhaltung der Klimaziele.

 

Download des Papiers: 2023-Energiewende_Rohstoffwende

 

Dieses Kurzpapier ist eine gemeinsame Arbeit von Personen aus dem Netzwerk AK Rohstoffe. Stand (und letzte Überprüfung der Links): 24. Januar 2023

Verantwortlich: Michael Reckordt (PowerShift).
AK Rohstoffe c/o PowerShift e.V. Greifswalder Str. 4 10405 Berlin

 

Unterstützt von folgenden Organisationen aus dem AK Rohstoffe:

 

Brot für die Welt

CIR Christliche Initiative Romero

Forum Umwelt und Entwicklung

Germanwatch

Inkota Netzwerk

Misereor

Powershift

WEED

WWF

 

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Abwärmenutzung aus Rechenzentren: Heizen wir unsere Gebäude bald mit Suchanfragen?

reset - 25. Januar 2023 - 9:04

Schon mal ein Smartphone „heißtelefoniert“? Oder vor einem Laptop gesessen, dessen Lüftung so hochfährt, als würde er gleich abheben? Was hier passiert verdeutlicht, dass dort, wo große Datenmengen verarbeitet werden, Wärme entsteht. Und damit Geräte dadurch nicht überhitzen und Schaden nehmen, müssen sie gekühlt werden. Das gilt nicht nur für Smartphone, Laptop und Co., sondern auch für Rechenzentren. Auf riesigen Flächen steht hier Server an Server und alle sind damit beschäftigt, unermüdlich unsere Daten zu verarbeiten. Jede Suchmaschinenanfrage, jede E-Mail, jede noch so kleine Aktion, die online ausgeführt wird, wandert als Datenpaket durch Rechenzentren und deren Server – und die dabei entstehende Wärme muss permanent runtergekühlt werden. Das führt vor allem zu einem hohen Stromverbrauch.

Der Energiehunger der Datenzentren

Wie hoch aktuell der Energiebedarf aller Rechenzentren weltweit ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Verschiedene Berechnungen reichen von 200 bis 500 Milliarden Kilowattstunden. Klingt etwas abstrakt, aber die Dimensionen veranschaulicht diese Tatsache: Wäre das Internet ein Land, dann stünde es im Energieranking irgendwo zwischen Platz drei und fünf. Das mechanische Kühlen ist dabei für rund 25 Prozent des gesamten Stromverbrauchs eines Rechenzentrums verantwortlich. Und die Abwärme? Verpufft meistens ungenutzt.

Um die hohen CO2-Emissionen von Rechenzentren herunterzufahren geht es also nicht nur darum, diese mit 100 Prozent erneuerbaren Energien zu betreiben, sondern auch eine effiziente Kühlung und die intelligente Nutzung der Abwärme sind wesentliche Stellschrauben. Gleichzeitig steckt darin auch ein großes Potenzial für die nachhaltige Wärmeversorgung, denn Rechenzentren produzieren das ganze Jahr über Wärme.

Stockholm wird mit Rechenleistung beheizt

Tatsächlich wird an einigen Orten die Abwärme unserer digitalen Welt schon genutzt. Vorreiter ist hier Schweden. Die drei Rechenzentren Pionen, Thule und St: Erics zum Beispiel versorgen bereits tausende von Haushalten in Stockholm mit Wärme. Das skandinavische Land ist mit seinem kühlen Klima ein idealer Standort für Rechenzenten, da dadurch weniger Strom für die Kühlung anfällt. Gleichzeitig setzt Schweden hauptsächlich auf Fernwärme, um Gebäude zu beheizen, und verfügt daher über ein gut ausgebautes Wärmenetz. Das macht es leicht, die Abwärme der Rechenzentren zu nutzen, da diese schon heute problemlos in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann.

Cloud&Heat Rechenzentren können sowohl innerhalb von Gebäuden platziert sein, wie die Server des Startups Cloud&Heat, oder die Wärme wird von einem nahegelegenen Standort transportiert.

In Deutschland gibt es zwei Beispiele, in denen ein Neubaugebiet mit Wärme aus dem Rechenzentrum versorgt wird. Das neue Rechenzentrum von VW Financial Service in Braunschweig leitet rund zwei Prozent der Abwärme in das anliegende Wohngebiet und im neuen Wohnquartier „Westville“ in Frankfurt sollen demnächst ca. 70 Prozent des Wärmebedarfs aus der Abwärme des benachbarten Rechenzentrums abgedeckt werden.

Natürlich ist es auch denkbar, die überschüssige Wärme nicht nur in Nah- und Fernwärmenetze einzuspeisen, sondern auch Gebäude wie Schwimmbäder, Wäschereien oder Gewächshäuser, die permanent Wärme benötigen, damit zu versorgen. Erste Beispiele gibt es bereits. Das nordfriesische Unternehmen Windcloud zum Beispiel nutzt die Abwärme seines Rechenzentrums, um eine Algenfarm auf dem Dach zu beheizen.

Abwärmenutzung als Recyclingprozess

Die Verfahren der Abwärmenutzung sind technisch eigentlich ganz einfach. Entweder wird die Abwärme direkt genutzt oder nach einer Aufwertung. Bei der direkten Nutzung der Wärme wird diese über einen sogenannten Wärmetauscher aus dem Rechenzentrum über Rohre zum Beispiel unmittelbar in ein Gewächshaus transportiert. Um die Wärme in das Heizsystem eines Gebäudes oder Raums zu übertragen kann die Abwärme auch erst über einen Wärmetauscher von einer Kühlflüssigkeit – zum Beispiel Wasser oder Glykol – aufgenommen und anschließend über einen weiteren Wärmetauscher übertragen werden. Soll die Wärme dagegen in ein höher temperiertes Wärmenetz eingespeist werden, dann wird die Temperatur der Abwärme durch eine Wärmepumpe aufgewertet. „Im Großen und Ganzen ist die Abwärmenutzung aus Rechenzentren ein Art Recyclingprozess“, sagt Mira Weber, die sich als Projektmanagerin von Bytes2Heat der Abwärmenutzung aus Rechenzentren widmet.

Windcloud Die schematische Darstellung von Windcloud zeigt die Energieflüsse – Strom aus erneuerbaren Energiequellen fließt in das Rechenzentrum, die aus den Rechenprozessen entstehende Wärme heizt die Algenfarm.

Die Technologien für die Abwärmenutzung sind also bereits vorhanden – und werden, wie die genannten Beispiele zeigen, auch schon erfolgreich eingesetzt. Trotzdem setzen die wenigsten Rechenzentren in Deutschland auf ein Abwärmerecycling.

Wie kommt Fahrtwind in die Abwärmenutzung?

Dass die Wärme aus Rechenzentren in Deutschland bisher weitgehend ungenutzt bleibt, liegt einerseits an den Unternehmen selbst, denn da die Abwärmenutzung nicht zum Kerngeschäft der Rechenzentren gehört, hat diese auch keine hohe Priorität, so Mira Weber.

Auch infrastrukturelle Herausforderungen erschweren das Abwärmerecycling. Im Vergleich zu den skandinavischen Ländern sind die Nah- und Fernwärmenetze in Deutschland schlechter ausgebaut, die Wärme kann also nicht ohne weiteres in bestehende Netze eingespeist werden. „Zudem wissen die Rechenzentren und Wärmeabnehmer oft nicht, dass sie sich in unmittelbarer Nähe befinden und müssten erstmal zusammenfinden“, berichtet Weber.

Doch gerade mit den steigenden Preisen für fossile Energieträger wächst auch das Interesse an nachhaltiger Wärme und spätestens aus Klimaschutzgründen sollte es auch ein politisches Interesse daran geben, die Wärmequellen aus Rechenzentren auszuschöpfen.

In einer Studie kommen Forschende zu dem Ergebnis, dass ca. 20 bis 60 Prozent des gesamten Energieeinsatzes wiederverwendetet werden können – eine wohlgemerkt sehr große Bandbreite. Windcloud gibt an, mit seiner Algenfarm sogar 100 Prozent der Abwärme wiederverwenden zu können und das Startup Cloud&Heat aus Dresden 90 Prozent.

„Das Borderstep-Institut geht von einer Erhöhung des gesamten Strombedarfs der Rechenzentren auf 18 Milliarden Kilowattstunden (2025) aus, was zu einem geschätzten Abwärmenutzungspotenzial von 3,6 bis 10,8 Milliarden Kilowattstunden führt. Auf Europa bezogen wären das für 2030 voraussichtlich 19,7 bis 59 Milliarden Kilowattstunden“, schätzt Benjamin Ott, der sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart auf die Abwärmenutzung in Rechenzentren spezialisiert hat. „Mit der Abwärmenutzung aus Rechenzentren könnte man also theoretisch bis zu 2 Prozent des gesamten deutschen Raumwärmebedarf privater Haushalte decken.“ Das bedeutet, dass eine Großstadt wie Berlin komplett mit Abwärme versorgt werden könnte.

Viele Direktnutzungsmöglichkeiten benötigen keinen Einsatz von Wärmepumpen. Allerdings sind sie für die Einspeisung ins Wärmenetz derzeit meistens noch notwendig, da es nur wenige Niedertemperaturnetze gibt „Es gibt jedoch eine Entwicklung, die uns entgegen kommt. Neue Gebäude werden mit großflächigen Fußbodenheizungen ausgerüstet und alte Gebäude werden nach und nach saniert. Dadurch sinkt zum einen die Temperaturanforderung und der Wärmebedarf, wofür die Abwärme aus Rechenzentren „perfekt“ geeignet ist und in Zukunft mehr Haushalte versorgen könnte“, so Ott.

Eine Abwärmenutzungspflicht bzw. die Bereitstellungspflicht der Abwärme durch die Rechenzentren und ein Einspeisevorrang für klimaneutrale Wärme durch die Wärmenetze wäre daher ein wichtiger politischer Rahmen, um die Abwärme unserer Rechenleistung flächendeckend zu recyclen. „Ergänzt werden muss dies durch eine Transparenzpflicht. Denn Abwärmenutzung ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Dafür müssen Wärmenetzen und Wärmequellen transparent werden und ihre Temperaturen, Einspeisepunkten etc. öffentlich zugänglich machen“, sagt Mira Weber. Dafür gefragt sind vor allem deutschlandweite bzw. EU-weite einheitliche Regelungen.

Mira Weber widmet sich seit April 2021 als Projektmanagerin von Bytes2Heat der Abwärmenutzung aus Rechenzentren. Zuvor hat sie BWL an der Universität Mannheim und Corporate Management & Economics an der Zeppelin Universität studiert. Während ihres Studiums war sie als Vorstandsvorsitzende einer Bildungsinitiative, Leiterin einer Nachhaltigkeitsinstitution und als Nachhaltigkeitsberaterin tätig.

Um die Abwärmenutzung aus Rechenzentren in Deutschland zu beschleunigen und gleichzeitig relevante Stakeholder zusammenzubringen, wurde das Vorhaben „Bytes2Heat“ ins Leben gerufen, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert wird. Zusammen mit den Projektpartnern, die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), die Institute IER und IVR der Universität Stuttgart sowie die Innovative WärmeNetze GmbH (IWN), sollen im Rahmen des Projekts über eine Plattform Lösungstools entwickelt werden, die die Abwärme aus Rechenzentren im Wärmesektor nutzbar machen. „Beispielsweise kann man hier über unser Matching-Tool den passenden Abwärmenutzungspartner finden oder mit unserem Wirtschaftlichkeitsrechner die Rentabilität eines potenziellen Abwärmenutzungsprojekt berechnen“, berichtet Weber.

Zusätzlich sollen in den nächsten Jahren konkrete Pilotprojekte entstehen, um eine flächendeckende Umsetzung in Deutschland zu fördern. Es scheint also auch in Deutschland Bewegung in die Sache zu kommen.

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23-01-25_Jörg Döbereiner - Our view - Biodiversität - Klima

E+Z - 25. Januar 2023 - 2:00
23-01-25_Jörg Döbereiner - Our view - Biodiversität - Klima dagmar.wolf Mi., 25.01.2023 - 02:00 Zwei wichtige Weltkonferenzen zum Klima und zur Biodiversität haben gezeigt, dass globale Probleme nur gemeinsam zu lösen sind Klima- und Umweltschutz Vielfalt des Lebens gemeinsam schützen Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, wie wir mit der Umwelt umgehen. Die Klimakrise und der Verlust von natürlichen Ökosystemen prägen zunehmend auch die Beziehungen zwischen reicheren und ärmeren Weltregionen. Die Themen sind existenziell. Eine intakte Natur ist die Grundlage unserer Gesundheit, Ernährung, Wirtschaft – kurz: unserer Lebensqualität. 25.01.2023Weltweit Länder mit hohen Einkommen Meinung SDG3 SDG12 SDG13 SDG17 Nachhaltigkeit Klima Global Governance Umweltproblematik Schwellenländer

Seit dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 gibt es globale Abkommen, um die großen ökologischen Krisen zu bremsen. Dennoch bleibt der Fortschritt langsam. Ende des vorigen Jahres fanden die Weltklimakonferenz in Scharm el-Scheich und die Weltnaturkonferenz in Montreal statt. Wie der Klimagipfel stand auch der Naturgipfel kurz vor dem Scheitern.

In Scharm el-Scheich einigten sich die Delegierten am Ende darauf, einen Fonds einzurichten, um arme Länder für Klimaschäden zu entschädigen, aber für Klimaschutz wurde nicht genug erreicht. Montreal wird in Erinnerung bleiben wegen des ambitionierten Ziels, bis 2030 weltweit 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Bisher sind nur etwa 16 Prozent des Landes und acht Prozent der Meere geschützt. Es muss also noch viel geschehen – und das birgt Konfliktpotenzial.

In vielen Gebieten, die geschützt werden sollten, leben indigene Völker oder lokal verwurzelte Gemeinschaften. Ihre Interessen dürfen nicht gegen den Naturschutz ausgespielt werden. In Uganda wurde beispielsweise das Volk der Batwa aus seinem Lebensraum im Regenwald vertrieben, um dort lebende Berggorillas zu schützen.

Es ist deshalb gut, dass in der Abschlusserklärung von Montreal mehrfach steht, dass die Rechte indigener Völker gewahrt und lokale Gemeinschaften am Naturschutz mitwirken sollen. Wo sie als Hüterinnen und Hüter der Natur anerkannt und unterstützt werden, sind sowohl die Natur als auch die darin lebenden Menschen geschützt – eine Win-win-Situation.

Globaler Naturschutz erfordert zudem das aktive Mitwirken von Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie beherbergen viele besonders schützenswerte Gebiete wie den Amazonas in Brasilien oder die Regenwälder im Kongobecken und in Indonesien. Das Wohl der Menschheit hängt davon ab, dass sie auf dem Weg zu mehr Wohlstand ihre Ökosysteme nicht so zerstören, wie es etablierte Industrieländer getan haben. Letztere müssen aus Eigeninteresse an einer stabilen globalen Umwelt die Partnerländer dabei nach Kräften unterstützen.

Zugleich müssen Nationen mit schlechter Klimabilanz ihren Lebensstil so schnell wie möglich CO2-neutral gestalten, um die Erderwärmung einzudämmen. Sie bringt nicht nur großes Leid über Gesellschaften, die selbst historisch eher wenig Klimagase ausgestoßen haben, sondern dezimiert auch maßgeblich die Vielfalt an Arten und Ökosystemen.

Sowohl die Biodiversitäts- als auch die Klimakrise zeigen also deutlich: Um das Leben auf der Erde zu schützen, sind alle aufeinander angewiesen. Allerdings fehlt es an globaler Solidarität. Insbesondere leben reiche Länder weiterhin deutlich über ihren Verhältnissen und halten noch immer Finanzierungsversprechen zum Klimaschutz nicht ein.

Globale Krisen lassen sich nur multilateral lösen. Verantwortungslose Alleingänge einzelner Staaten, wie Russlands Angriff auf die Ukraine, sind nicht akzeptabel. Aber auch innenpolitische Versäumnisse können global verheerende Folgen haben. Unter dem abgewählten Präsidenten Jair Bolsonaro nahm die Abholzung des Regenwalds in Brasilien so zu, dass dieser inzwischen mehr CO2 ausstößt, als er bindet. Als Bolsonaros Anhänger am 8. Januar rebellierten, griffen sie also unmittelbar das internationale Gemeinwohl an.

Die Erklärungen von Montreal und Scharm el-Scheich eröffnen die Chance, jetzt vieles besser zu machen. Es beginnt bei den reichen Staaten, sie müssen ihre Versprechen halten. Für den Naturschutz bedeutet das, die in Montreal neu zugesagten 20 Milliarden Dollar pro Jahr zuverlässig ärmeren Ländern zukommen zu lassen – und zwar über bereits bestehende entwicklungs- und klimapolitische Versprechen hinaus.

Das 2030-Ziel muss erreicht werden. Wir müssen langfristig möglichst viel von dem retten, was von unseren schwindenden Lebensgrundlagen noch übrig ist.

Jörg Döbereiner ist Redakteur bei E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
euz.editor@dandc.eu

Governance Nachhaltigkeit Off Off Jörg Döbereiner

ist Redakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit/D+C Development and Cooperation.
 

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Neue Afrika-Strategie des BMZ: Jobs für die größte Jugendgeneration aller Zeiten

SID Blog - 24. Januar 2023 - 12:58

 


Schwerpunkte sind sozial-ökologische Transformation, gute Arbeit und Geschlechtergerechtigkeit

Entwicklungsministerin Svenja Schulze hat die neue Afrika-Strategie des BMZ vorgelegt. Die Schwerpunkte des deutschen Engagements mit den afrikanischen Partnerländern liegen demnach künftig beim sozial-ökologischen Wandel der Wirtschaft, der Schaffung guter Arbeit für die rasch wachsende junge Bevölkerung und der Geschlechtergerechtigkeit. Um eine größere Wirkung zu erzielen, will das BMZ zudem verstärkt europäische und multilaterale Hebel nutzen. Die Strategie gründet auf einem sechsmonatigen Konsultationsprozess mit europäischen und afrikanischen Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Jugend.

Schulze: „Afrika wächst und verändert sich gewaltig. Wie es sich entwickelt, wird das 21. Jahrhundert prägen – und damit auch Deutschlands und Europas Zukunft. Wir sprechen in Afrika über die größte Jugendgeneration aller Zeiten. Etwa die Hälfte der Menschen in Afrika ist unter 20. Welche Perspektiven diese Jugendgeneration bekommt, wird mit darüber bestimmen, wie sie ihre Kraft zum Guten entfalten kann. Es geht also darum, die Chancen, die mit dieser größten Jugendgeneration verbunden sind, für nachhaltige Entwicklung zu nutzen. Damit das gelingt, sind 25 Millionen zusätzliche Jobs in Afrika nötig – pro Jahr. Es sind Jobs, die den Unterschied machen zwischen Perspektivlosigkeit, Frust und Instabilität auf der einen Seite und Entwicklung, Innovation und der Bewältigung von Krisen auf der anderen Seite. Das Entwicklungsministerium kann diese Jobs nicht selbst schaffen. Aber wir können gemeinsam mit Afrika an guten Grundlagen und Rahmenbedingungen arbeiten.“

Kern der Afrika-Strategie ist es, Rahmenbedingungen für neue Jobs zu schaffen, die sozial  und ökologisch wirken und zugleich Frauen stärken. Beispiele dafür sind Energiewende-Partnerschaften, nachhaltige Infrastruktur, der Aufbau einer neuen grünen Wasserstoff-Industrie, lokale Lebensmittelverarbeitung, mehr innerafrikanischer Handel oder ein besserer Zugang zu Krediten für Frauen. Auch die Digitalisierung ist ein wichtiger Transformationshebel, gerade für die junge Generation. Die Afrikapolitik des BMZ wird damit sozialer, ökologischer und feministischer. Dies zieht sich quer durch alle sechs Schwerpunktthemen der Strategie.

Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Beschäftigung und Wohlstand: Ziel ist eine sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft (Just Transition), die den Erhalt der Lebensgrundlagen, wirtschaftlichen Wohlstand, soziale Gerechtigkeit und die Schaffung guter Arbeitsplätze verbindet.

Überwindung von Armut und Hunger und Aufbau sozialer Sicherung: Ziel ist eine Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme, um die Ernährungssicherung langfristig zu stärken. Auch der Ausbau sozialer Sicherungssysteme trägt dazu bei, Armut und Ungleichheit zu reduzieren und ist damit Grundvoraussetzung für gute Arbeit und faire Entwicklung.

Gesundheit und Pandemieprävention: Ziel ist der Aufbau robuster Basis-Gesundheitssysteme und Unterstützung beim Aufbau medizinischer Produktionskapazitäten (besonders für die Impfstoffproduktion).

Feministische Entwicklungspolitik und Geschlechtergerechtigkeit: Ziel ist die Überwindung der Ursachen für Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Frauen und Mädchen sowie die Verbesserung ihrer Rechte, Repräsentanz und des Zugangs zu Ressourcen. Auf Frauen zu setzen, ist ein bedeutender Hebel für gute Entwicklung und neue Jobs. So unterstützt das BMZ zum Beispiel eine Initiative der Afrikanischen Entwicklungsbank, die Frauen den Zugang zu Finanzierung erleichtert und so afrikanische Unternehmerinnen stärkt und neue Jobs schafft.

Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechte und gute Regierungsführung: Ziel ist die Stärkung demokratischer Institutionen, leistungsfähiger Verwaltungen und einer freien Presse als Fundament widerstandsfähiger Gesellschaften und politischer Teilhabe.

Frieden und Sicherheit: Ziel ist der Abbau von Konfliktursachen und Prävention durch integrierte Ansätze von humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung. Menschen auf der Flucht werden ebenso unterstützt wie aufnehmende Gemeinschaften.

Der afrikanische Kontinent hat heute 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner – bis Mitte des Jahrhunderts könnten es zweieinhalb sein, ein Viertel der Weltbevölkerung. Zugleich lassen sich die großen globalen Herausforderungen von der Bekämpfung des Klimawandels, des Artenverlustes bis hin zu neuen Pandemien nur gemeinsam bewältigen. Konzepte von Blockbildung, Abkopplung oder Deglobalisierung sind dafür nicht geeignet. Das Ziel der neuen BMZ-Strategie ist daher, gemeinsam mit Afrika globale Strukturpolitik zu machen.

Schulze: „Wir sind gut beraten, die Nachbarschaft mit Afrika zu pflegen. In der neuen multipolaren Weltordnung müssen Deutschland und Europa rechtzeitig die Kompetenz aufbauen, auch über Kontinente hinweg belastbare Allianzen, Netzwerke und Partnerschaften zu schließen. Wir brauchen dringend Partner über den Westen hinaus. Wie wir heute mit dem afrikanischen Kontinent umgehen, entscheidet mit darüber, wie er morgen mit uns umgeht. Darum ist die Haltung von Respekt und guter Nachbarschaft nicht nur moralisch richtig, sondern auch in unserem Interesse. Wir wissen: Wir sind nicht die einzigen, die sich in Afrika engagieren. Auch andere haben ihren Einsatz verstärkt. Deutschland und Europa sollten sich also darauf konzentrieren, selber attraktive Kooperationsangebote zu machen.“

Die Afrika-Strategie finden Sie hier: https://www.bmz.de/afrika

Die Pressekonferenz zur Vorstellung der Afrika-Strategie finden Sie hier: https://www.bmz.de/afrika-strategie-veranstaltungen

Entwicklungsministerin Schulze wird die Strategie zudem morgen bei der Tagung „Gemeinsame Perspektiven: Zusammenarbeit mit Afrika in Zeiten des Wandels“ im BMZ Berlin diskutieren. Das Programm finden Sie hier:https://www.bmz.de/afrika-strategie-veranstaltungen . Livestream ab 15 Uhr unter https://us02web.zoom.us/j/84580006949

 


24. Januar: Internationaler Tag der Bildung

EINEWELTblabla - 24. Januar 2023 - 9:15

Heute ist Internationaler Tag der Bildung!

Bildung bietet Kindern einen Weg aus der Armut in eine vielversprechende Zukunft. Integrative und gerechte Bildung von hoher Qualität und lebenslange Chancen für alle ist notwendig, um die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen und den Kreislauf der Armut zu durchbrechen, der Millionen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zurücklässt.

Etwa 258 Millionen Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt haben nicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen oder abzuschließen; 617 Millionen Kinder und Jugendliche können nicht lesen und die Grundrechenarten beherrschen; Weniger als 40 % der Mädchen in Afrika südlich der Sahara schließen die Sekundarstufe I ab, und etwa vier Millionen Kinder und jugendlichen Flüchtlinge gehen nicht zur Schule.

Ihr Recht auf Bildung wird verletzt, und das ist nicht akzeptabel!

Bildung ist ein Menschenrecht! So haben es die Vereinten Nationen unter Artikel 26 festgehalten und in ihre Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung aufgenommen. Als Verein für Menschenrechte setzt sich auch der WUS dafür ein, dass mehr Menschen Zugang zu Bildung haben. Dank seiner Initiative wurde das Menschenrecht auf Bildung in der Lima Deklaration verabschiedet. Dies umfasst auch die humanitäre Versorgung und Wiederaufbauhilfe nach Kriegen, Katastrophenhilfe nach Erdbeben, Tsunamis und Überschwemmungen und bildungspolitische Entwicklungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Mehr über den WUS und seine Arbeit erfahrt ihr hier.

https://www.un.org/en/observances/education-day

-Lea-

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23-01-24_Moutaz Ali - Libya - Gaddafi nostalgia

E+Z - 24. Januar 2023 - 2:00
23-01-24_Moutaz Ali - Libya - Gaddafi nostalgia dagmar.wolf Di., 24.01.2023 - 02:00 Mehr als zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes ist die Lage in Libyen so verheerend, dass sich manche nach vorrevolutionären Zeiten sehnen Libyen Libyen verfällt in Gaddafi-Nostalgie Als Menschenmassen am 17. Februar 2011 in Libyen auf die Straßen und Plätze strömten, forderten sie eine bessere Zukunft, Freiheit und Wohlstand. Doch mehr als zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes zeigt sich, dass diese Träume nie wahr wurden. 24.01.2023Nordafrika und Nahost (MENA) Meinung SDG1: no poverty SDG8 SDG11 SDG16 Armutsbekämpfung Bürgerkriege, Konfliktmanagement, Peacebuilding Flüchtlinge, Migration Infrastruktur Korruption Regierungsführung Sozialpolitik, Sozialentwicklung Staatszerfall Tourismus Volkswirtschaftliche Entwicklung

In den letzten zehn Jahren haben die Libyer unter Instabilität, Bürgerkrieg, unkontrollierten bewaffneten Milizen und korrupten Politikern gelitten. Seit 2014 wurden keine Wahlen mehr abgehalten. Außerdem hat die Terrormiliz ISIS das Land zu einem ihrer wichtigsten Einsatzgebiete gemacht. Libyen wurde zu einem Haupttor für Menschenschmuggel nach Europa, worauf die europäischen Regierungen mit entsprechender Verärgerung reagierten.

Regionale und internationale Konflikte um Ressourcen in Libyen halten das Land ebenfalls instabil. Die Türkei hat militärische Präsenz im Westen Libyens, Russland im Osten des Landes. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar haben verschiedene von Libyen betriebene Medien finanziert und aufgebaut, die durch Hassreden und andere Inhalte Gewalt und Konflikte schüren. Ägypten und Algerien waren nie besonders hilfreich bei der Stabilisierung ihres Nachbarn, und Tunesien wurde durch den Konflikt in Libyen selbst wirtschaftlich schwer getroffen.

Angesichts dieser verheerenden Situation träumen viele Libyer, die sich vor zehn Jahren für eine bessere Zukunft starkmachten, wieder von der Vergangenheit und erinnern sich trotz aller Entbehrungen mit Nostalgie an die Gaddafi-Ära. Diese Nostalgie hat ihre Wurzeln in den Rückschlägen der letzten zehn Jahre, aber auch in der stetig abnehmenden Lebensqualität in allen Bereichen, etwa der Infrastruktur des Landes. „Wir hatten einen großen Flughafen mit täglichen Flügen zu Dutzenden von Zielen, einschließlich Europa. Jetzt haben wir nur noch einen sehr kleinen und bescheidenen Flughafen mit Flügen zu nur vier oder fünf Zielen“, sagt der libysche Reiseveranstalter Fouad Fazzani.

Umfangreicher und dauerhafter wirtschaftlicher Schaden

Der internationale Flughafen von Tripolis wurde 2014 in einem der historisch schwersten Gefechte zwischen Militär und Zivilisten in Brand gesteckt. Seitdem ist der ehemalige Inlandsflughafen Mitiga in Betrieb. Die Reisebranche ist von der schwierigen Situation in Libyen stark betroffen, doch damit ist sie nur eine von vielen. Sie hat Milliarden von Dollar verloren und Tausende ihren Arbeitsplatz. Fazzani fügt hinzu: „Einige Jahre vor der Revolution haben wir begonnen, viele Touristen zu beherbergen und für sie Reisen durch ganz Libyen zu organisieren. Jetzt ist dieser vielversprechende Wirtschaftszweig aufgrund der verheerenden Situation seit 2011 zerstört worden.“

Außerdem wurden die meisten Investitionen in Immobilienprojekte eingefroren und bereits errichtete Baustellen aufgegeben. Ein Beispiel dafür ist das „Great-Man-Made-River“-Projekt, einst das weltweit größte Trinkwasser-Pipeline-Projekt für eine bessere Wasserversorgung der Bevölkerung und Landwirtschaft. Der Ausbau einer der letzten Phasen des Projekts, die den Dschabal Nafusa, ein arides Bergland im Nordwesten des Landes, versorgen sollte, wurde nach der Revolution eingestellt.

Die finanziellen Ressourcen Libyens befinden sich weitgehend in den Händen korrupter Politiker, die mit bewaffneten Milizenführern verbündet sind und von verschiedenen ausländischen Akteuren wie Russland, der Türkei, Katar und den VAE unterstützt werden. Viele Libyer sehen die Situation so: Alle verfolgen ihre eigenen Interessen, während das Volk darum kämpft, seine Kinder zu ernähren.

„Andere Länder wollen die Situation in Libyen instabil halten, indem sie die Menschen mit den von ihnen gegründeten Milizen verängstigen. Sie nutzen korrupte Politiker als Instrumente, um unsere Ressourcen in ihrem Namen zu stehlen“, sagt Doukali Meghri, ein Politikanalyst aus Libyen. Er fügt hinzu: „Deshalb unterstützen diese Länder auch weiterhin die verschiedenen lokalen Konfliktparteien. Sie wollen, dass sie sich weiterhin gegenseitig bekämpfen. Wahlen wären nicht in ihrem Interesse, denn jeder will seine korrupten Abgeordneten und politischen Verbündeten behalten.“

Doch selbst die Verzweiflung über die aktuelle Lage kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr Gaddafi in den 42 Jahren seiner Herrschaft seinem Land und seinem Volk geschadet hat. Er hat sich nicht nur viele Feinde in der Welt gemacht, die Menschenrechte verletzt und die Meinungsfreiheit massiv unterdrückt, sondern es auch versäumt, wichtige Bereiche wie Bildung und Gesundheit zu entwickeln. Dabei verfügt das Land über enorme Ressourcen. Bis heute leiden die Libyer unter den Folgen dieser Vernachlässigung.

Moutaz Ali ist Journalist und lebt in Tripolis, Libyen.
ali.moutaz77@gmail.com

Armutsbekämpfung Governance Off Off Moutaz Ali

hat zuletzt im Winter 2022/2023 als Journalist aus Tripolis, Libyen, zu E+Z/D+C beigetragen.  

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Deutschland lädt zusammen mit Partnern zu internationaler Bildungskonferenz ein

SID Blog - 23. Januar 2023 - 21:28


Internationaler Tag der Bildung am 24. Januar

Weltweit sind 222 Millionen Kinder im Schulalter von Konflikten und Notsituationen betroffen – drei Mal so viele wie noch 2016. Auf einer Konferenz in Genf soll Mitte Februar unter Vorsitz von Entwicklungsministerin Svenja Schulze und weiteren Amtskolleginnen und - kollegen neues Geld für den UN-Bildungsfonds für Kinder in Notsituationen mobilisiert werden. Der internationale Tag der Bildung findet am 24. Januar statt und erinnert an das Versprechen der Weltgemeinschaft, bis zum Jahr 2030 allen Menschen den Zugang zu hochwertiger Bildung zu ermöglichen.

Das Entwicklungsministerium lädt Partner und Geber aus aller Welt zu einer internationalen Bildungskonferenz Mitte Februar nach Genf ein. Die Konferenz wird von Deutschland gemeinsam mit der Schweiz und Norwegen sowie Kolumbien, Niger und Südsudan ausgerichtet. Ziel ist es, den Bildungsfonds der Vereinten Nationen „Education Cannot Wait" (ECW) mit ausreichenden Finanzmitteln aufzufüllen. Mit den Geldern sollen 20 Millionen Kinder und Jugendliche in Krisenregionen unterstützt werden, damit sie weiterhin die Schule besuchen können. „Education Cannot Wait" wurde 2016 vom UN-Sonderbeauftragten für Bildung, Gordon Brown, ins Leben gerufen und hat seitdem fast sieben Millionen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung gesichert.  

Entwicklungsministerin Svenja Schulze: „Wer Entwicklung will, muss in Bildung investieren. Nur aus Kindern, die eine Schule besucht haben, können später gut ausgebildete junge Menschen werden. Ohne gut ausgebildete junge Menschen funktioniert keine Wirtschaft, keine Gesundheitsversorgung, kein Bildungssystem.  Ohne Bildung gibt es keine Gleichberechtigung, keine Demokratie und kein selbstbestimmtes Leben. Das gilt ganz besonders für Mädchen und junge Frauen. Darum ist es so wichtig, den UN-Bildungsfonds wieder mit Geld zu füllen. Kein Kind darf zurückbleiben!"

Weltweit sind 222 Millionen Kinder und Jugendliche im schulfähigen Alter von Notsituationen und langanhalten Konflikten betroffen. Durch Kriege, Flucht, die Folgen des Klimawandels und die COVID-19 Pandemie hat sich die Zahl seit 2016 verdreifacht. Von den 222 Millionen Kindern und Jugendlichen gehen 78 Millionen nicht in die Schule.

84 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die nicht in die Schule gehen, sind von langanhalten Krisen wie gewalttätigen Konflikten oder  Naturkatastrophen betroffen. Der Großteil von ihnen lebt in zehn Ländern: Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Mali, Nigeria, Pakistan, Somalia, Südsudan, Sudan und Jemen.

In Äthiopien zum Beispiel erreichen nur zwei Drittel  eines Jahrgangs einen Primarschulabschluss. Zum Vergleich: In Deutschland erreichen 99 Prozent einen Primarschulabschluss. Von den geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die in Äthiopien leben, besuchen nur 47 Prozent eine Grund- oder weiterführende Schule.

Aber auch in Europa sind Kinder und Jugendliche betroffen. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat für Millionen von Kindern und Jugendlichen in der Ukraine den Zugang zu Bildung unterbrochen oder massiv erschwert.

Gerade in Zeiten von Krisen sind Schulen häufig die einzige Anlaufstelle für sauberes Trinkwasser, Mahlzeiten und sanitäre Anlagen. Schulen bieten „Normalität" und ermöglichen auch den Zugang zu Gesundheitsinformationen und -diensten sowie zu psychosozialer Unterstützung.

Für Mädchen in Krisenregionen ist der Zugang zu Bildung besonders erschwert. Die aktuelle Situation in Afghanistan, in der Frauen und jungen Mädchen der Zugang zu Sekundarschulen verwehrt ist, ist dafür ein drastisches Beispiel. Ohne Bildung können sie jedoch ihr volles Potenzial nicht entfalten,  den Kreislauf der Armut nicht durchbrechen und sind einem erhöhten Risiko von Zwangsverheiratung, Teenager-Schwangerschaften und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.

Weitere Informationen zur Konferenz: https://www.ecwhlfc2023.org


 

 

 

Klimawandel behindert Migration durch Schwächung des Wirtschaftswachstums in Herkunftsländern

SID Blog - 23. Januar 2023 - 21:25
Zu arm, um zu gehen

Der Klimawandel verstärkt Migration weltweit. In den vergangenen 30 Jahren wurde dieser Effekt aber stark verringert, weil der Klimawandel das Wirtschaftswachstum in den Ländern des globalen Südens schwächt. Das haben Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) herausgefunden, indem sie die beobachteten Migrationsströme mit einem Szenario ohne die Auswirkungen des Klimawandels verglichen haben.

„Der Klimawandel verringert das Wirtschaftswachstum in fast allen Ländern der Welt", erläutert Jacob Schewe, Leiter des PIK FutureLabs Sicherheit, ethnische Konflikte und Migration und einer der Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht wurde. „Dies wirkt sich aber in ärmeren und reicheren Ländern sehr unterschiedlich aus. Insgesamt hat die Migration im Zusammenhang mit dem Klimawandel zugenommen – aber sie hat das in geringerem Maße getan, als man hätte erwarten können. Der Grund ist bitter: In armen Ländern fehlen vielen Menschen in Not die Mittel, um auswandern zu können. Ihnen bleibt keine Wahl als zu bleiben, wo sie sind."

In ihrer Studie konzentrierten sich die PIK-Wissenschaftler auf einen wichtigen Einflussfaktor für Migrationsströme – das Einkommensniveau eines Landes. Sie untersuchten, wie sich der Klimawandel auf die internationale Migration auswirkt, indem sie das Einkommensniveau mehrerer Länder von 1990 bis 2020 analysierten.

„Das Wirtschaftswachstum beeinflusst das nationale Einkommensniveau und dieses wiederum die Migration. Sowohl aus Ländern mit hohem als auch aus Ländern mit sehr niedrigem Einkommensniveau wandern relativ wenige Menschen aus. Bei den armen Ländern liegt das unter anderem daran, dass sich viele Menschen einfach die Ausreise nicht leisten können", erläutert Christian Otto, PIK Wissenschaftler und ebenfalls Ko-Autor der Studie. Sehr arme Menschen bleiben also oft in ihrem Heimatland, auch wenn sie dort in Not geraten oder aus anderen Gründen gern auswandern würden.

„Bei unserer Studie ging es nicht um die durch Naturkatastrophen verursachte Flucht", ergänzt Anders Levermann, Leiter der Komplexitätsforschung am PIK, Professor an der Universität Potsdam und Wissenschaftler an der New Yorker Columbia University, ein Mitautor der Studie. „Vielmehr ging es um die von den Lebensumständen motivierte Migration. Die globale Erwärmung hält viele Menschen im globalen Süden weiter in Armut und erschwert ihnen so das Auswandern. Der Klimawandel nimmt Menschen eine wichtige Möglichkeit, sich an seine Folgen anzupassen, und verstärkt damit die Schere zwischen Arm und Reich."


Artikel: Albano Rikani, Christian Otto, Anders Levermann, Jacob Schewe (2023): More people too poor to move: Divergent e ffects of climate change on global migration patterns. Environmental Research Letters [DOI 10.1088/1748-9326/aca6fe]

Weblink zum Artikel: https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aca6fe


Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)  23.01.2023


Frankreich und Deutschland beschließen engere Zusammenarbeit bei globalen Krisen und der Reform der Weltbank

SID Blog - 23. Januar 2023 - 21:24
Paris, 22.1.2023: Entwicklungsministerin Svenja Schulze traf am 22.1.2023 beim deutsch-französischen Ministerrat in Paris mit ihrer französischen Amtskollegin Chrysoula Zacharopoulou zusammen. Sie bekräftigten, sich gemeinsam als Europäerinnen für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowie für die Bekämpfung globaler Krisen wie dem Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Pandemien einzusetzen.

 

Zacharopoulou: „Als Franzosen, Deutsche und Europäer teilen wir die Entschlossenheit, die Ziele für nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Wir teilen ebenfalls das Engagement für den Multilateralismus und die internationale Solidarität. Meine deutsche Amtskollegin und ich werden eng zusammenarbeiten, um die zahlreichen Aufgaben 2023 zu einem Erfolg zu machen."

 

Schulze: „2015 haben wir uns als Weltgemeinschaft globale Nachhaltigkeitsziele für das Jahr 2030 gegeben. 2023 ist Halbzeit und es sieht nicht gut aus. Pandemie, Konflikte und nicht zuletzt der völkerrechtswidrige, menschenverachtende russische Angriffskrieg haben uns um Jahre zurückgeworfen bei Armut, Hunger, Gesundheit oder Bildung. Meine französische Amtskollegin und ich haben besprochen, enger zusammenzuarbeiten, um Fortschritte im Klimaschutz und bei der Armutsbekämpfung schneller und effektiver zu erreichen. Dafür braucht es auch eine Reform der Weltbank. Die Weltbank muss fit dafür werden, den weltweiten Klimaschutz voranzubringen."

 

Beim deutsch-französischen Ministerrat am 22. Januar beschlossen die französische und die deutsche Entwicklungsministerinnen, Chrysoula Zacharopoulou und Svenja Schulze, in den kommenden Jahren als deutsch-französisches Duo und im Team Europe eng zusammenzuarbeiten. Sie erörterten insbesondere die Umsetzung der folgenden zentralen Vorhaben:

 

1)      Multilaterale Herausforderungen für Entwicklung und für den Schutz der globalen öffentlichen Güter

 

Mit Blick auf den Gipfel über einen „Neuen Finanzpakt" mit dem Globalen Süden, der für den 23. Juni in Paris geplant ist, verständigten sich beide Länder darauf, sich zu konsultieren und abzustimmen, sowie  gemeinsame Standpunkte zur Weiterentwicklung der internationalen Entwicklungs-Architektur und zum Schutz der globalen öffentlichen Güter in die verschiedenen multilateralen Foren einzubringen, insbesondere die G7 und die G20.

 

2)      Just Energy Transition Partnership (JETP) im Senegal

 

Frankreich und Deutschland, die gemeinsam für die Verhandlung einer Partnerschaft für eine gerechte Energiewende (Just Energy Transition Partnership, JETP) mit Senegal federführend sind, werden gemeinsam den Abschluss eines Abkommens in den nächsten Monaten voranbringen. Frankreich und Deutschland haben auf der COP27 als erste bilaterale Geber Finanzierungen im Rahmen der JETP mit Südafrika bereitgestellt (600 Mio. Euro). Des Weiteren beteiligen sich beide Länder aktiv an der Umsetzung der kürzlich unterzeichneten JETP mit Indonesien und Vietnam.

 

3)      Schutz der Wälder des Kongobeckens

 

Im Rahmen der Übergabe des Vorsitzes der Kongobeckenwaldpartnerschaft von Deutschland an Frankreich stehen beide Länder im regelmäßigen Dialog über den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder Zentralafrikas, insbesondere mit Blick auf den One Forest Summit.

 

Die beiden Ministerinnen kamen überein, sich regelmäßig über den Fortschritt dieser Leuchtturmprojekte auszutauschen und die Umsetzung anderer strategischer Vorhaben in ihrem Bereich zu verfolgen.

 

 

 

Bildung unterstützen

Engagement Global - 23. Januar 2023 - 16:21
Mit ENSA-Partnerschaftsprojekten nachhaltige Entwicklung und Bildung stärken. Foto: Sarah Larissa Heuser

Der Zugang zu Bildung kann durch viele Barrieren blockiert sein. Der sozioökonomische Hintergrund, der Zustand der Infrastruktur im Heimatland ebenso wie politische Rahmenbedingungen können den Schulbesuch erschweren. Weiter verschärft werden solche Herausforderungen durch Kriege oder Krisen wie die Corona-Pandemie. Um das Ziel 4 „Hochwertige Bildung“ der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist es wichtig, die Barrieren zu identifizieren und weltweit gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Bildung für alle

Diesem Ziel 4 ist auch das Themendossier „Bildung für alle“ aus dem Unterrichtsmaterial zur zehnten Runde des Schulwettbewerbs gewidmet. Lehrerinnen und Lehrer finden dort Materialien, um Kindern von der ersten bis zur sechsten Klasse viele Aspekte rund um das vierte SDG näher zu bringen. Das Dossier enthält Vorschläge, wie Kinder zu „Barriere-Detektiven“ werden können. Zur Verfügung stehen dafür Rechercheaufgaben zu Bildungsthemen und Gedankenexperimente, um die Erfahrungen während der Corona-Pandemie zu reflektieren. Außerdem werden Möglichkeiten präsentiert, wie gesammeltes Faktenwissen weiter vertieft werden kann. Ein Vorschlag ist, eine Bildungskonferenz zu simulieren, in der die Schülerinnen und Schüler in Führungsrollen schlüpfen, gemeinsam aktuelle Anliegen diskutieren und Lösungen entwickeln.

Auf diese Weise lernen die Kinder Bildungsbarrieren aber auch neue Perspektiven kennen und arbeiten zudem gemeinsam an alltagsnahen Handlungsmöglichkeiten. Im Dossier sind außerdem noch unter anderem Nachhilfeangebote, Demonstrationen oder Informationskampagnen als umsetzbare Projekte für Schülerinnen und Schüler vorgeschlagen. Auch der Tag der Bildung am 24. Januar lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Bildung und die Handlungsmöglichkeiten der Einzelnen, sich für sie einzusetzen.

Lehrkräfte können das Themendossier „Bildung für alle“ zusammen mit weiteren Unterrichtsmaterialien von der Website des Schulwettbewerbs herunterladen oder kostenfrei bestellen. Ein ergänzendes Quiz dient der Lernerfolgskontrolle. Der Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik „alle für EINE WELT für alle“ wird von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten durchgeführt.

Mit dem Klimawandel lernen

Neben dem Abbau vom Bildungsbarrieren ist es auch ein wichtiges Anliegen, das Wissen um nachhaltige Entwicklung zu stärken. Denn Bildung ist nicht nur ein Ziel der Agenda 2030, sondern auch ein Baustein zur Erreichung weiterer Ziele wie „Keine Armut“, „Gesundheit und Wohlergehen“ oder „Weniger Ungleichheit“. Dass Bildung auch in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz von großer Bedeutung ist, wollen auch das Martin-Pollich-Gymnasium in Mellrichstadt und die „Southern Cross Schools“ in Hoedspruit (Südafrika) ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln. In den Mittelpunkt ihrer von ENSA geförderten Begegnungsreise im Juli 2022 haben sie darum Informationsbeschaffung und -verarbeitung von Klimadaten gestellt. Das Thema der Begegnung war: Mit dem Klimawandel lernen – ein Schritt in Richtung Resilienz und Nachhaltigkeit.

Bei der Reise der südafrikanischen Schülerinnen und Schüler nach Mellrichstadt verglichen die Kinder und Jugendlichen unter anderem Klimadiagramme, sammelten Informationen zu Klimaveränderungen und recherchierten damit zusammenhänge landwirtschaftlichen Auswirkungen. Außerdem arbeiteten sie gemeinsam im Biosphärenreservat Rhön mit, wo sie sich auf wissenschaftlicher Basis mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen – und lernten, wie sie sich gemeinsam und in ihren Ländern engagieren können.

Das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm (ENSA) fördert internationale Schulpartnerschaften zwischen Schulen aus Deutschland und Schulen aus Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa. Teilnehmende Schulen werden dabei durch ein pädagogisches Begleitprogramm und finanzielle Mittel unterstützt.

Weitere Informationen
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On the real consequences of anti-profit shifting laws: transfer pricing documentation rules and multinational firm investment

DIE - 23. Januar 2023 - 14:52

Over recent years, a growing number of countries have enacted rules that require multinational enterprises (MNEs) to document their intra-firm trade prices and show that they are set as in third-party trade. The  intention is to limit opportunities for strategic trade mis-pricing and profit shifting to lower-tax affiliates within the multinational group. Using the introduction of the French transfer price (TP) documentation requirements in 2010 as a testing ground, we show that the rules exert real effects and shape MNEs’ investment behavior. Affected businesses significantly lower their investments in France. Moreover, there are  cross-border effects on affected firms’ foreign group locations in low-tax countries, where investments equally decline. Our analyses show that investment responses are largely driven by increases in firms’ effective tax costs; there is no indication that MNEs respond to compliance burdens associated with the laws.

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On the effects of transfer pricing regulations: a developing country perspective

DIE - 23. Januar 2023 - 14:49

Multinational profit shifting by mis-pricing of intra-firm trade is a major concern for less developed countries (LDCs). Many have enacted transfer pricing rules in order to constrain this type of tax avoidance behavior.  Yet, not much is known on the rules' fiscal and economic effects. We offer a first empirical assessment, drawing on data for more than 120 low and middle income countries for a 30-year-period. Our results suggest that the introduction of transfer pricing regulations significantly increased corporate tax revenue collection in LDCs. The effect is fiscally sizable but fades out over time. We do not find indication for negative investment responses to the regulations.

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Informieren über Teams up!

Engagement Global - 23. Januar 2023 - 14:35
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Decentralised Development Cooperation: potential and practices from an international perspective

EADI Debating Development Research - 23. Januar 2023 - 12:34
By Jorge Gutiérrez Goiria What role should municipal and regional governments play in international cooperation? For some time now, the processes and results of traditional development cooperation have been under scrutiny, and its main parameters are being reconsidered with regard to its own objectives, agents and instruments, which prove to be insufficient to face global …
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