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PRESSEMITTEILUNG - Massive Einflussnahme von Wirtschaftslobby auf Menschenrechts-Test der Bundesregierung - Unternehmen offenbar dennoch durchgefallen

Global Policy Forum - 13. Juli 2020 - 12:18

Berlin, 13 Juli 2020

Wirtschaftsverbände haben eine Befragung zu menschenrechtlicher Verantwortung bei ihren Auslandsgeschäften mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums und des Kanzleramts im Vorfeld stark verwässert. Das belegt eine heute veröffentlichte Studie der Initiative Lieferkettengesetz.

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PRESSEMITTEILUNG - Massive Einflussnahme von Wirtschaftslobby auf Menschenrechts-Test der Bundesregierung - Unternehmen offenbar dennoch durchgefallen

Global Policy Forum - 13. Juli 2020 - 12:18

Berlin, 13 Juli 2020

Wirtschaftsverbände haben eine Befragung zu menschenrechtlicher Verantwortung bei ihren Auslandsgeschäften mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums und des Kanzleramts im Vorfeld stark verwässert. Das belegt eine heute veröffentlichte Studie der Initiative Lieferkettengesetz.

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20.633 Kilometer für eine Welt ohne Hunger

Welthungerhilfe - 13. Juli 2020 - 10:00
3.446 Laufbegeisterte aus ganz Deutschland nahmen vom 09. – 12. Juli 2020 am virtuellen Benefizlauf "#ZeroHungerRun – Challenge 2020" der Welthungerhilfe teil. Frei nach dem Motto #WirGegenHunger kamen Spenden in Höhe von 69.541 Euro für Menschen in Not zusammen.
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Drohnen und KI erkennen Plastikmüll in Flüssen und Meeren

reset - 13. Juli 2020 - 6:51
Drohnen im Einsatz gegen Plastikmüll: Eine Forschungsgruppe des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) lässt Drohnen Kambodschas Flüssen abfliegen, damit diese Plastikmüll identifizieren und lokalisieren und so Gegenmaßnahmen effektiver machen.
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Mit Drohnen und KI Plastikmüll in Flüssen und Meeren erkennen

reset - 13. Juli 2020 - 6:51
Unsere Meere sind voll mit Plastik. Eine Forschungsgruppe des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) will mit Hilfe von Drohnen und KI  Plastikmüll in Kambodschas Flüssen identifizieren und lokalisieren und so Gegenmaßnahmen effektiver machen.
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13.07.2020 Minister Müller: Dürfen dramatische Verschärfung der Hunger-Krise nicht hinnehmen

BMZ - 13. Juli 2020 - 0:00
Zum diesjährigen Welternährungsbericht der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO erklärt Bundesentwicklungsminister Müller: "Der FAO-Bericht zeigt, wie sehr sich die Lage der hungernden Menschen in der Welt verschärft. 60 Millionen Menschen mehr als vor fünf Jahren hatten 2019 nicht genug zu essen. Alleine in Afrika leidet jede fünfte Person an Hunger. Die Corona-Krise und die Heuschreckenplage im Osten Afrikas sorgen für dramatische zusätzliche ...
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Visegrád und die Pandemie: Zwischen­bilanz und europapolitische Folgen

SWP - 13. Juli 2020 - 0:00

Wie alle anderen europäischen Länder wurden auch die Visegrád-Staaten von der Covid-19-Pandemie erfasst. Anders als in Süd- und Teilen Westeuropas ließ sich hier aber eine explosionsartige Verbreitung des Virus verhindern. Mit diesem Erfolg im Rücken und den sozialökonomischen Konsequenzen der Pandemie vor Augen haben sich Polen, Tschechische Republik, Slowakei und Ungarn nun in der EU positioniert. Obwohl sie Differenzen hinsichtlich der Brüsseler Finanzpakete haben, werden sie durch die Kri­senbewältigung nicht strategisch auseinanderdividiert. Für Deutschland wird es weiter von Bedeutung sein, die vier Länder europapolitisch einzubinden und überdies gemein­sam Wege zu finden, um das wirtschaftliche Fundament der Beziehungen zu sichern.

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Modernisation of the EU–Turkey Customs Union

SWP - 13. Juli 2020 - 0:00
The German Debate on Modernisation of the Customs Union Considering Economic Interests, Prospects of Cooperation and Political Obstacles
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Weltbevölkerungstag 2020: Ein milliardenschweres Potenzial 

ONE - 10. Juli 2020 - 16:06

Der Weltbevölkerungstag wurde am 11. Juli 1987 anlässlich des  “Five Billion Day” ins Leben gerufen. An diesem Tag wuchs die Weltbevölkerung auf fünf Milliarden Menschen an. Seitdem soll er jährlich darauf aufmerksam machen, dass nachhaltige Entwicklung nur dann möglich ist, wenn demografische Trends nicht außer Acht gelassen werden. Denn: Unsere Bevölkerung wächst jedes Jahr um weitere 100 Millionen Menschen. Alle von ihnen verdienen ein Leben voller Chancen, frei von extremer Armut und Hunger. 

1994: Ein Plan für nachhaltiges Bevölkerungswachstum  

Kairo 1994: Die erste Weltbevölkerungskonferenz (International Conference on Population and Development, kurz: ICPD) findet statt. Dort arbeiteten die Regierungen von 179 Ländern ein Aktionsprogramm aus, das seitdem als Leitfaden für internationale politische Maßnahmen für nachhaltiges Bevölkerungswachstum dient. Das Bemerkenswerte an diesem Programm: Es betont die Wichtigkeit von gesundheitlicher Aufklärung und aktiver Teilhabe und Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen. Das ist zentral, denn diese Punkte wirken auch effektiv gegen extreme Armut – eine der größten Herausforderungen in bevölkerungsstarken, weniger entwickelten Ländern.  

2014 wurde dieser Plan erneut überarbeitet. Im Mittelpunkt stehen weiterhin Punkte, die unerlässlich für ein Ende extremer Armut sind: Gezielte Förderung von Frauen und Mädchen, Bildung und eine vorausschauende Einbeziehung künftiger Migrationsströme durch Konflikte, Nöte und die Auswirkungen der Klimakrise. An dieser Stelle möchten wir noch zwei weitere Aspekte hervorheben, die dringend unsere Aufmerksamkeit benötigen: Ernährungssicherheit und die Möglichkeiten der demografischen Dividende.  

11 Milliarden bis 2100? – Herausforderungen und Chancen 

 

Keur Simbara, Senegal (February 17, 2017)

  1. Die Macht der Bildung
    Wenn Kinder, insbesondere Mädchen, Zugang zu qualitativer Bildung erhalten, nehmen sie die eigene Lebens- und Familienplanung häufig selbst in die Hand. Bildung, insbesondere zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, zeigt Frauen und Mädchen auf, wie vielfältig sie ihre Zukunft gestalten können. Diese Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht, das weiterhin Millionen Kindern weltweit verwehrt bleibt. Dabei sprechen die Zahlen für sich: Bildung senkt die Geburtenrate und verlangsamt das Bevölkerungswachstum. Gute Schulbildung verringert auch andere Risiken, denen Frauen und Mädchen ausgesetzt sind. In Ländern des globalen Südens laufen Millionen Mädchen und Frauen jährlich Gefahr, Opfer gewaltsamer Eingriffe in ihr Leben zu werden. Zwangsverheiratung ist weiterhin tägliche Realität für Tausende Mädchen weltweit. Dabei werden nicht nur Kinderrechte missachtet, sondern viele Türen für immer verschlossen. Mädchen, die solche Eingriffe erfahren, bekommen im Vergleich wesentlich früher Kinder und müssen ihre Schulbildung abbrechen. Menschenrechtswidrige Praktiken in jungem Alter, wie weibliche Genitalverstümmelung, nehmen häufig zerstörerischen Einfluss auf das Selbstbewusstsein sowie die mentale und physische Gesundheit von Mädchen, oft lebenslang. Gegen solche gewaltsamen Eingriffe in das Leben von Mädchen und Frauen wirkt Bildung effektiv, denn durch sie entwickeln sich oft Widerstand und der Wille zur Selbstbestimmung. Bildung ist somit gleichermaßen Schlüssel für Gleichberechtigung, nachhaltiges Bevölkerungswachstum und ein Ende extremer Armut.

    Olivia Gimbo, who is a beneficiary of PRP (Protacted Relief Programme), holds up her families supply of food for the week in Epworth, Harare on the 22nd April, 2009. The PRP programme via the NGO’s Practical Action, Christian Aid and the World Food Programme, is supported by AusAid, provides cash transfers to vulnerable people throughout Zimbabwe as the economic situation deteriorates.

  2. Nachhaltige Ernährung für Milliarden
    Eine wachsende Bevölkerung stellt eine wachsende Herausforderung für Ernährungssicherung und Wasserressourcen dar. Es bedarf landwirtschaftlicher Methoden, die zukunftsfähig sind. Besonders in trockenen oder tiefen Regionen müssen Prozesse wie Wüstenbildung und Dürren, aber auch Überschwemmungen und der ansteigende Meeresspiegel als Resultate des Klimawandels mitgedacht werden. Diese kosten Regierungen weniger entwickelter Länder weltweit jährlich Milliarden. Ernährungssicherung muss sich nachhaltig gestalten, nicht nur um Unterernährung und Hunger entgegenzuwirken, sondern auch, um die Landwirtschaft als Arbeitssektor zu sichern. In zahlreichen Ländern Sub-Sahara-Afrikas arbeitet die Mehrheit der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor. In Uganda sind es beispielsweise beinahe 70, im Süd-Sudan sogar 90 Prozent. Damit sind diese Länder besonders vulnerabel für klimatische Katastrophen. Zusätzlich werden Länder des globalen Südens und besonders Sub-Sahara-Afrikas in den nächsten Jahrzehnten das stärkste Bevölkerungswachstum verzeichnen. In vielen von ihnen wird sich die Bevölkerung bis 2050 verdoppeln

    Credit: United Nations, DESA, 2019

  3. Die Chance der jungen Bevölkerung
    Länder Sub-Sahara-Afrikas könnten mehr als die Hälfte des gesamtem Bevölkerungswachstums in den kommenden Jahrzehnten ausmachen. Im Gegensatz zu den anderen Kontinenten wird vermutet, dass Afrikas Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts wachsen wird. Dabei bestimmt das Verhältnis der Altersgruppen maßgeblich die Chancen für die Wirtschaft in einem Land. Ideal ist: Arbeitsfähige Menschen zwischen 25 und 64 machen den größten Anteil aus. Denn dann sorgt ebendiese Altersgruppe für wirtschaftliches Wachstum und Staaten erzielen höhere Einnahmen. Bedeutet: Die Zahl der Menschen, die aktiv zur Wirtschaft beitragen, überwiegt die jener, die von ihr abhängig sind. Die Bevölkerungsentwicklung in Ländern des globalen Südens, wie Sub-Sahara-Afrika, vollzieht sich auf ebendiese Weise. Dieses Entwicklungspotenzial wird oft die demografische Dividende genannt. Diese ist und bleibt jedoch zunächst genau das: Ein Potenzial. Zahlreiche Faktoren werden in der Zukunft bestimmen, ob diese Chance genutzt werden kann. Zunächst ist sicherzustellen, dass für die rapide wachsende junge Bevölkerung vor Ort ausreichend menschenwürdige Arbeit geschaffen wird. Damit einhergehend sind zielgerichtete Investitionen in Bildung und Gesundheit unerlässlich. Nicht zuletzt spielt die Förderung von Gleichberechtigung für Frauen und Mädchen eine elementare Rolle. 

    Die demografische Dividende stellt sich allerdings nicht automatisch ein, wenn es genug Menschen im entsprechenden Alter gibt. Dazu müssen die sozioökonomischen Bedingungen stimmen und junge Menschen müssen in der Lage sein, Arbeit zu finden. Dies können und müssen wir durch unseren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung unterstützen. So könnte sich aus der wachsenden jungen Bevölkerung, besonders in Afrika, eine wahre Chance ergeben.  

Der Blick nach vorn 

Viele Staatenzusammenschlüsse wie die Afrikanische Union haben Pläne, das Potenzial der demografischen Dividende auszuschöpfen. Jedoch benötigt es die entschlossene Unterstützung einer internationalen Staatengemeinschaft, um nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Auch hier wird das Erreichen der Agenda 2030 und der Agenda 2063 der AU maßgeblich bestimmen, ob sich Bevölkerungswachstum in Zukunft als Bürde oder Chance herausstellt.  

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10. Juli 2020

ONE - 10. Juli 2020 - 14:39

1. Afrikanischen Union: Handlungsfähig oder nicht?
In einem Kommentar in der Deutschen Welle beleuchtet Isaac Mugabi die Afrikanische Union kritisch. 2002 wurde die AU gegründet als Nachfolgerin der Organisation für Afrikanische Einheit, der mangelnde Handlungsbereitschaft vorgeworfen worden sei. Die AU solle größere Eingriffsrechte haben und mit Streitkräften für humanitäre Interventionen ausgerüstet sein. Jedoch sei das nach Auffassung Mugabis nicht erfolgt. Die AU sei lediglich ein „noch aufwändigerer Gesprächskreis“. Die meisten Beschlüsse der AU werden nicht umgesetzt, da sie zu teuer seien und von europäischen Geldgebern abhängig. Zudem seien Friedensbemühungen in einzelnen Mitgliedsstaaten bisher erfolglos. Mugabi bezeichnet es als großes Versäumnis der AU, nicht auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu drängen. Das Handelsblatt berichtet, wie die Afrikanische Union (AU) im Staudamm-Streit zwischen Äthiopien, Sudan und Ägypten vermittelt. Nach einem virtuellen Spitzentreffen seien 90 Prozent der Fragen gelöst worden, wie das Gremium erklärt habe. Zu den noch offenen Punkten gehöre die Frage nach der Füllung des Damms. Äthiopien wolle demnächst damit beginnen, während die Nachbarn Sudan und vor allem Ägypten dem Vorhaben kritisch gegenüberstehen. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi warnte Äthiopien vor einem Alleingang und fordert ein Abkommen zwischen allen betroffenen Staaten.

2. Studie: Agrar-Allianz in der Kritik
Wie die Frankfurter Rundschau und die Tageszeitung (taz) berichten, steht die Agrarinitiative Agra (Allianz für eine grüne Revolution in Afrika) durch eine neue Studie in der Kritik. Die Initiative, die 2006 unter anderem von der Bill und Melinda Gates Stiftung gegründet wurde, vergebe Zuwendungen von mehreren hundert Millionen US-Dollar für die afrikanische Landwirtschaft. In einer neuen Studie verschiedener entwicklungspolitischer Organisationen, darunter Brot für die Welt und die Rosa-Luxemburg-Stiftung, werde der Ansatz sowie der mangelnde Erfolg von Agra kritisiert. Die selbstgesteckten Ziele von der Verdopplung der Einkommen und Erträge von Kleinbäuer*innen seien nicht erreicht worden. Besonders in der Kritik stehe zudem die Förderung von lizenziertem Saatgut, synthetischen Düngern und Pestiziden und die Integration in globale Lieferketten. Stig Tanzmann, Agrarexperte vom Hilfswerk Brot für die Welt, sehe etwa mehr Potential in bäuerlichen Saatgut und lokal gut angepassten Anbau. Den Menschen vor Ort soll stärker auf Augenhöhe begegnet und die lokalen Kontexte mehr berücksichtigt werden, um einen Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken.

3. Migrationspolitik: Nimmt EU Menschenrechtsverletzungen billigend in Kauf?
Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichtet, kritisieren die Hilfsorganisationen Brot für die Welt und Medico International Rückkehrprogramme der EU für Migrant*innen. Schwere Menschenrechtsverletzungen an den Außengrenzen und in Transitländern würden seitens der EU in Kauf genommen, so das Fazit einer neuen Studie der beiden Organisationen. Damit werden bestehende Vorwürfe an der EU-Migrationspolitik untermauert. Die Teilnahme an solchen Programmen erfolge seitens der Betroffenen meist unfreiwillig und unter hohem psychischen und physischem Druck. Seit Jahren lagere die EU Grenzkontrollen aus und setze innerhalb von Herkunfts- und Transitländern auf die Förderung „freiwilliger“ Rückkehr. Libyen sei zum Beispiel seit 2015 mehr als 280 Millionen Euro für Rückkehrprogramme gezahlt worden. Nur ein Teil der Rückkehrer*innen habe jedoch jemals Zugang zu den Programmen erhalten. Katherina Braun, Referentin für Migration und Entwicklung bei Brot für die Welt fordere daher „einen grundlegenden Kurswechsel und eine Neuausrichtung“ in der EU-Migrationspolitik.

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Corona bedroht Frauengesundheit und Familienplanung in Afrika

DSW - 10. Juli 2020 - 14:26

Das Bevölkerungswachstum Afrikas stellt die Entwicklungsarbeit vor enorme Herausforderungen. In der Pandemie werden nun ausgerechnet die reproduktiven Rechte vernachlässigt, warnt Evelyn Samba zum Weltbevölkerungstag 2020.

Mit rund 320.000 bestätigten COVID-19-Fällen auf dem ganzen Kontinent ist Afrika bisher nicht so hart von der Pandemie getroffen worden wie andere Weltregionen. Viele afrikanische Regierungen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Volkswirtschaften zu stützen und die Bürger vor Verdienstausfällen zu schützen.

Hingegen sind Diskussionen über die Auswirkungen von COVID-19 auf andere Bereiche des Lebens weitgehend vernachlässigt worden. So zum Beispiel die Familienplanung sowie die Gesundheit von Frauen und Mädchen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht sind. Das hat bereits jetzt schlimme Auswirkungen in Form von zunehmenden ungewollten Schwangerschaften, und insgesamt für Mütter, Neugeborene, Kinder und Jugendliche in Afrika.

Mehr HIV und ungewollte Schwangerschaften

Wenn Ärzte, insbesondere Frauenärzte, in Afrika nur noch eingeschränkt aufgesucht werden können, erhöht sich das Risiko für schwangere Frauen und ihre Familien: Mehr unsichere Geburten, weniger Zugang zu Verhütungsmitteln und damit ein größeres Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren. All das hat auch langfristige Auswirkungen auf Frauen, ihre Familien und die Gesellschaft.

In Simbabwe ging die Zahl der durchgeführten Kaiserschnitte bereits um 42 Prozent zurück, und im April fanden im Vergleich zum Vorjahr nur noch 15 Prozent der Geburten mit medizinisch fachkundigem Personal statt. Der Zugang zu Verhütungsmitteln ist in vielen Gebieten um 90 Prozent zurückgegangen. In einigen Teilen Kenias konnte nur noch ein Viertel der schwangeren Frauen eine Mütterberatungsstelle aufsuchen.

Die weitaus meisten Afrikanerinnen sind im Bereich der reproduktiven Gesundheit auf die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen angewiesen. Doch der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hat in einem Bericht festgestellt, dass in Krisenzeiten die Bedürfnisse im Bereich der reproduktiven Gesundheit mit als erstes vernachlässigt werden.

Recht auf Familienplanung auch in der Pandemie

Doch selbst während der COVID-19-Pandemie müssen afrikanische Regierungen genau diese Dienstleistungen weiterhin anbieten. Das bedeutet, dass der öffentliche Gesundheitssektor in der Lage sein muss, Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV und andere Probleme bei Sexualität und Kinderwunsch zu behandeln sowie den Zugang zu Verhütungsmitteln sicher zu gewährleisten. Hebammen müssen in der Lage sein, Frauen zu besuchen, Informationskampagnen müssen fortgesetzt werden – auch wenn alle eine Gesichtsmaske tragen – und Kondome müssen auch an entlegenen Orten verteilt werden. Und selbst während der Pandemie haben afrikanische Frauen (und ihre Partner) das Recht auf ein befriedigendes und sicheres Sexualleben – und sie müssen entscheiden können, ob und wann sie Kinder haben wollen.

Wenn dies nicht gesichert ist, ist in den Ländern Afrikas mit einem Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen einschließlich HIV, mit einer Zunahme unbeabsichtigter Schwangerschaften und damit unsicherer Abtreibungen sowie mit einem Anstieg der Todesfälle bei Müttern und Neugeborenen zu rechnen.

Kein Geld für das Gesundheitswesen

Schon vor der Pandemie hatten viele afrikanische Regierungen mit Problemen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit zu kämpfen. Vielerorts ist es nicht gelungen, das Gesundheitswesen ausreichend zu finanzieren – einschließlich der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung. Trotz mancher Fortschritte im Laufe der Jahre kommen viele afrikanische Frauen und Mädchen bis heute immer noch nicht in den Genuss ihrer reproduktiven Rechte.

Die Hebamme Margie Harriet Egessa berät Schwangere in der Mukujju clinic in Uganda. Foto: Jonathan Torgovnik/Reportage by Getty Images.

Viel zu viele Frauen haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, zu viele Jugendliche und junge Menschen werden ungewollt schwanger oder infizieren sich mit HIV. Die Müttersterblichkeit ist nach wie vor inakzeptabel hoch. Auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara entfielen 66 Prozent der geschätzten weltweiten Müttersterblichkeit im Jahr 2017.  Über Jahrzehnte erzielte Verbesserungen stehen jetzt auf dem Spiel, wenn wir inmitten der Pandemie nicht auf die reproduktive Gesundheitsversorgung achten.

 

 

 

 

Umfassende Verpflichtung der Regierungen Afrikas

Hoffnung besteht darin, dass wir die Selbstverpflichtungen der höchsten politischen Funktionsträger für die Verbesserung reproduktiver Gesundheit haben. Auf dem Gipfeltreffen in Nairobi zum 25. Jahrestag der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD+25) im Jahr 2019 haben sich die afrikanischen Regierungen umfassend verpflichtet: Sie wollen dringend benötigte Informationen und Dienstleistungen zur Familienplanung bereitstellen, die Müttersterblichkeit senken sowie sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und schädliche Praktiken verbieten.

Wenn nun die afrikanischen Regierungen die öffentlichen Gesundheitssysteme reorganisieren, um gegen COVID-19 gewappnet zu sein, müssen die Entscheidungsträger zugleich bedenken: Es ist ebenfalls unerlässlich, endlich angemessene Mittel bereitzustellen, um den Bedarf an reproduktiver Gesundheitsversorgung für afrikanische Frauen und ihre Partner zu decken.

Evelyn Samba – Länderdirektorin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Kenia.

Über die Autorin

Evelyn Samba ist Landesdirektorin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Kenia. Die NGO arbeitet in mehreren afrikanischen Ländern und in Europa zu Fragen der nachhaltigen und rechtebasierten Bevölkerungsentwicklung. Ein Schwerpunkt liegt auf Beratung und Unterstützung des Zugangs von Frauen und Jugendlichen zu Aufklärung und Mitteln der Familienplanung.

Mehr von Evelyn Samba können Sie in einem Interview der Deutschen Welle hören.  

 

 

 

Dieser Beitrag ist auch bei der Deutschen Welle erschienen.

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Für mehr Fairness im Lebensmittelhandel

Forum Umwelt & Entwicklung - 10. Juli 2020 - 10:23

Lebensmittel sind lebensnotwendig. Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht von fundamentaler Bedeutung. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine stabile und krisensichere Versorgung mit vielfältigen und gesunden Lebensmitteln für eine gute Ernährung ist. Die Corona-Krise offenbart Probleme überall dort, wo systemrelevante Produkte nicht dezentral hergestellt werden. Je stärker Lebensmittelproduktion, -verarbeitung und –handel lokal und regional organisiert bzw. diversifiziert sind, desto krisensicherer ist die Lebensmittelversorgung. Handelsbeziehungen müssen nun überdacht werden, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene. Ohne ein Ende von Agrardumping, von unfairen Handelspraktiken im Lebensmittelhandel und von einem ruinösen Preiswettbewerb wird es keine nachhaltige und krisensichere Versorgung mit fair und ökologisch produzierten Lebensmitteln geben können. Die Umsetzung der EU-Richtlinie (2019/633) zu unlauteren Handelspraktiken in Deutschland bietet eine Chance, fairere und langfristig angelegte Lieferbeziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren vom Acker bis zum Teller zu ermöglichen.

 

Ihre Umsetzung sollte im Rahmen einer umfassenden Strategie zur solidarischen Regionalisierung einer sozialverträglichen und ökologischen Landwirtschaft erfolgen. Mit der Agrarökologie inkl. Ökolandbau bestehen Ansätze, die Formen der ökologischen und solidarischen Landwirtschaft bzw. faire Vermarktungsnetzwerke fördern.

 

50 Organisationen haben zusammen ein Papier verfasst für mehr Fairness im Lebensmittelhandel.

 

Für weitere Informationen:
Download des Positionspapieres

 

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BICC | Vernetzung und Transfer in der Flucht- und Flüchtlingsforschung: FFVT geht online

Bonn - 10. Juli 2020 - 10:00
Mit ffvt.net geht ein umfassendes Online-Informationsangebot zur Flucht- und Flüchtlingsforschung in Deutschland an den Start. Das Anfang 2020 begonnene Projekt „Flucht- und Flüchtlingsforschung: Vernetzung und Transfer” (FFVT), gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), präsentiert hier eine interaktive Übersicht über die Forschungslandschaft und bietet ständig aktualisierte Möglichkeiten zur Vernetzung an. Globale Krisen, ausgelöst […]
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Weltbevölkerungstag 2020: 7.798.407.840 Menschen leben auf der Erde

DSW - 10. Juli 2020 - 10:00
DSW: “Durch Corona-Pandemie können sich viele Frauen nicht vor ungewollten Schwangerschaften schützen”

Im weltweiten Durchschnitt bekommen Frauen heute weniger Kinder als in früher. Während eine Frau in den 1960er Jahren im Durchschnitt noch etwa fünf Kinder zur Welt brachte, sind es heute 2,4. Trotzdem wächst die Weltbevölkerung jede Sekunde um 2,6 Menschen (Geburten abzüglich Todesfälle). Zu den derzeit rund 7,79 Milliarden Menschen kommen jedes Jahr 82 Millionen Menschen hinzu, also in etwa die Bevölkerung Deutschlands. Wenn heute alle Menschen frei darüber entscheiden könnten, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen, könnten zahlreiche ungewollte Schwangerschaften vermieden werden. Das jährliche Bevölkerungswachstum würde sich dann um ein Viertel verringern. Das gibt die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli 2020 bekannt.

Ungewollte Schwangerschaften

Auch im Jahr 2020 können immer noch nicht alle Frauen und Mädchen frei über ihren Körper und ihre Sexualität entscheiden. Das hat zur Folge, dass weltweit in Entwicklungsländern zwei von fünf Schwangerschaften ungewollt sind. „Mädchen im Jugendalter zwischen 15 und 19 Jahren in Entwicklungsländern sind besonders stark davon betroffen: Jede zweite Schwangerschaft ist ungewollt. Mehr als die Hälfte dieser ungewollten Schwangerschaften führen zu Schwangerschaftsabbrüchen, von denen viele unsicher sind“, sagt Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW).

Frauen und Mädchen in Afrika südlich der Sahara werden im weltweiten Vergleich überproportional oft ungewollt schwanger. Jede zweite Frau, die dort verhüten möchte, hat nicht die Möglichkeit dazu. Weltweit betrachtet hat jede vierte Frau in Entwicklungsländern keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. „Viele Mädchen und Frauen haben kein Mitspracherecht, wenn es um Sex und die Zahl ihrer Kinder geht. Sie sind häufig sexueller Gewalt ausgesetzt, werden gegen ihren Willen früh verheiratet und zu Schwangerschaften gezwungen. Diese fehlende Selbstbestimmung im Bereich Familienplanung und in vielen weiteren Lebensbereichen führt dazu, dass viele Frauen und Mädchen in der Region mehr Kinder bekommen, als sie sich wünschen.”

Auch wenn die durchschnittliche Kinderzahl in Afrika südlich der Sahara in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, ist sie mit aktuell 4,4 Kindern pro Frau höher als der weltweite Durchschnitt (2,4 Kinder). Das führt dazu, dass die dortige Bevölkerung nach aktuellen Prognosen der Vereinten Nationen von heute rund 1,3 Milliarden Menschen auf voraussichtlich rund 2,5 Milliarden im Jahr 2050 steigen wird.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

„Gerade in Krisenzeiten wird das Recht von Frauen und Mädchen auf Gesundheit und ein selbstbestimmtes Leben frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt verletzt. So auch in der aktuellen Corona-Pandemie”, sagt Kreutzberg. Ausgangsbeschränkungen von sechs Monaten könnten in Entwicklungsländern zu sieben Millionen ungewollten Schwangerschaften führen, so UN-Schätzungen. Der jüngst vom Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlichte Weltbevölkerungsbericht bestätigt, dass auch schädliche Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung, Frühverheiratungen oder die Bevorzugung von Söhnen und damit einhergehende geschlechtsspezifische Abtreibungen zunehmen. „Hier unterstreicht die Pandemie einen Punkt auf dem Aufgabenzettel der Weltgemeinschaft: Der Zugang zu Gesundheitsdiensten und Verhütungsmitteln für Frauen und Mädchen weltweit braucht mehr Engagement – auch von deutscher Seite.”, erläutert der DSW-Geschäftsführer.

Die Welt ein Dorf – heute und 2050

Wenn die Welt heute ein Dorf mit nur 100 Einwohnern wäre, wären davon 59 aus Asien, 17 aus Afrika, zehn aus Europa, acht aus Lateinamerika, fünf aus Nordamerika und einer aus Ozeanien. Die Zahl der Dorfbewohner würde bis zum Jahr 2050 auf 128 steigen: 69 aus Asien, 33 aus Afrika, zehn aus Lateinamerika, neun aus Europa, sechs aus Nordamerika und einer aus Ozeanien.

Weitere Informationen Über die DSW:

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Unser Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Wir engagieren uns für die Umsetzung des Menschenrechts auf Familienplanung. Insbesondere unterstützen wir junge Menschen in Ostafrika dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringen wir uns auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

 

Pressekontakt

Anke Witte
Pressesprecherin | Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Hindenburgstr. 25 | 30175 Hannover
Telefon: 0511 94373-32 | Fax: 0511 94373-73
E-Mail: presse@dsw.org
Internet: www.dsw.org

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Gefühle historischer Demütigung

E+Z - 10. Juli 2020 - 9:33
Die Geschichte anti-islamischer Gewalt in Indien

Was haben Sie am 6. Dezember 1992 erlebt?
Ich war zwölf Jahre alt und habe mit Glück überlebt. Meine Familie ist muslimisch. Wegen steigender Spannungen waren viele unserer muslimischen Nachbarn bereits geflohen, aber mein Vater glaubte an die säkulare Staatsordnung. Erst zu Beginn der Krawalle begriff er, dass wir abhauen mussten. Ich trug ein Baby – meinen kleinen Bruder – und wurde von meiner Familie getrennt. Mit ihr wiedervereint wurden wir erst Stunden später in einem sicheren Flüchtlingslager. Diese Schreckensnacht überschattet mein ganzes Leben.

Es gab indienweit Krawalle. Es müssen viele Muslime ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Ja, ich habe einen Artikel mit Erinnerungen daran veröffentlicht, und bekam dann viele E-Mails, in der andere mir ihre Erlebnisse schilderten. Auch in Pakistan und Bangladesch tobte Gewalt, aber dort wurden Hindus, Sikhs und andere Minderheiten angegriffen. Bis dahin hatten indische Muslime der Verfassung, die religiöse Diskriminierung verbietet, Vertrauen geschenkt. Wir glaubten, Indien sei auf dem Weg zur Entwicklung und Wohlstand. Seither wissen wir, dass Hindu-Chauvinisten eine ganz andere Vision von Indien als Land für Hindus haben und gewaltbereit sind.

Vor Ayodhya gab es das Trauma der Teilung. 1947 endete die Kolonialherrschaft, und Britisch-Indien wurde in Indien und Pakistan aufgeteilt. Es gab Massenflucht und grausame Massaker auf beiden Seiten. Setzte sich das 1992 fort?
Die Probleme sind noch älter, denn religiöse Differenzen bremsten in den 1920er und 30er Jahren die Unabhängigkeitsbewegung. Nach dem Motto „Teile und herrsche“ hetzten die Briten die großen Religionsgemeinschaften gegeneinander auf. Trotzdem glaubten indische Muslime, die Identitätsfrage sei abschließend geklärt, denn sie hatten sich bewusst für Indien entschieden – auch weil Jawaharlal Nehru, der erste Premierminister, einen säkularen Neustart versprach.

Auch nach 1992 gab es Gewalt – zum Beispiel 2002 in Gujarat, wo damals Narendra Modi Ministerpräsident war. Heute ist er Premierminister. 2002 lancierten Hindu-Chauvinisten das Pogrom, nachdem hinduistische Pilger in einem brennenden Zug umgekommen waren, was die Fanatiker „muslimischen Brandstifter“ vorwarfen.
Trotz dieser Grauen dachten wir, die Dinge würden sich langfristig zum Besseren wenden. Staatsinstitutionen befürworteten grundsätzlich weiterhin Säkularismus. Es gab zwar Misstrauen zwischen Moslems und Hindus, aber auf der lokalen Ebene lebten sie friedlich zusammen. Das ist vielerorts immer noch so, aber seit Modi Premierminister ist, wird es immer schwieriger. Seine Partei, die BJP, gehört zum Netzwerk hindu-chauvinistischer Organisationen um den RSS. Der RSS ist eine autoritäre Kaderorganisation, deren Ideologie zufolge Indien eine Hindu-Nation sein muss. Modi ist RSS-Mitglied. Seine Regierung verfolgt eine harte Linie, und zwar seit der Wiederwahl 2019 noch offener und aggressiver. Die BJP gewann zwar nicht einmal 40 Prozent der Stimmen, aber eine absolute Parlamentsmehrheit, weil ihre Kandidaten in vielen Wahlkreisen vorn lagen.

Modi beansprucht, Indien stark zu machen, aber er bringt dem Land nicht mehr Ansehen. Tatsächlich nimmt der internationale Einfluss von Regierungen ab, wenn sie mit dem Motto „Mein Land zuerst“ arbeiten. Das gilt auch für Donald Trump und die USA.
Die breite Öffentlichkeit in Indien hat kein tiefes Verständnis internationaler Beziehungen. Unser Land ist riesig. Nur wenige Menschen sind gut gebildet. Das jeweils dominante Narrativ trägt das Denken der Leute. Slogans von „nationaler Stärke“ kommen bei erschreckend vielen Menschen an, denen nicht bewusst ist, wie die Chauvinisten die Religion neu definieren. Historisch prägen den Hinduismus Toleranz, Gewaltlosigkeit und Synkretismus, also die Akzeptanz anderer religiöser Praktiken und Glaubenssysteme als spirituell wertvoll. Die Hindu-Chauvinisten machen die Religion aber zu einem Instrument der Ausgrenzung.

Sehnen sie sich wegen der kolonialen Vergangenheit danach, Minderwertigkeitsgefühle durch Machtausübung zu kompensieren?
Ich denke, das spielt eine Rolle, aber faszinierenderweise bezeichnen sie das britische Empire nie als „christlich“. Das Mogul-Reich nennen sie dagegen muslimisch. Das beeinflusst das Denken der Menschen.

Spielt es keine Rolle, dass Indien nie ein einheitlicher Hindu-Staat war? Das Ashoka- Reich war buddhistisch. Später gab es viele verschiedene Königreiche, deren Herrscher verschiedenen Glaubensrichtungen angehörten – darunter diverse Ausprägungen des Hinduismus. Tatsächlich ist „Hinduismus“ ein Begriff, mit dem Außenstehende sämtliche Religionen zusammenfassten, die irgendwie mit den Veden, den heiligen brahmanischen Schriften, zu tun hatten. Viele hinduistische Gebräuche und Traditionen haben aber nur einen lockeren Bezug zur Vedanta, der vedischen Lehre.
Leider interessieren sich Hindu-Chauvinisten sehr viel mehr für Hindutva, die Dominanz des Hinduismus, als für Vedanta. Sie bezeichnen alle, die ihr widersprechen, als „antinational“. Beklemmenderweise kommt das heute selbst bei manchen Angehörigen der untersten Kasten an. Hindutva-Agitation kultiviert Gefühle historischer Demütigungen und Benachteiligung und verspricht, diese Wunden zu heilen. Es mag jeglicher Logik widersprechen, aber heutige Muslime sollen dafür haften, was Mogul-Kaiser vor vielen Jahrhunderten taten oder auch nicht taten.

Rachegelüste helfen bei der Lösung aktueller Probleme wenig. Modi hat mehrfach Wirtschaftsreformen versprochen, kommt aber damit kaum voran.
Das stimmt. Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt, seit er an der Macht ist. Er hat Millionen neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt, aber nicht geliefert. Es gelang ihm trotzdem, wiedergewählt zu werden, wobei ihm die schwache Opposition, die keine glaubwürdige Alternative anbot, half.

Im vergangenen Winter gab es plötzlich ungewöhnlich breiten zivilgesellschaftlichen Protest gegen ihn. Massenhaft sprachen sich die Leute gegen ein neues Staatsbürgerrecht aus, das gegen Moslems diskriminiert. In welchem Maß war das eine muslimische Bewegung?
Die kritische Masse stellten Moslems, aber es machten auch viele andere mit – und zwar auch Hindus, die eine säkulare Demokratie wollen. Tatsächlich liegt es im Interesse aller indischen Minderheiten, die Verfassung zu schützen. Hindutva-Aggressionen richten sich aber besonders gegen Moslems. Sehr enttäuschend war zudem, dass Indiens unabhängiger Supreme Court im Herbst entschied, dass tatsächlich ein Hindu-Tempel am Standort der Babri-Moschee gebaut werden soll. Der Rechtsstreit hing davor jahrzehntelang in der Schwebe. Das schockierende Urteil zeigte, dass mittlerweile auch Richter sich davon beeinflussen lassen, was sie „Kollektivbewusstsein“ nennen. Damit meinen sie vielleicht die Stimmung in der größten Bevölkerungsgruppe.

Die Covid-19-Pandemie setzte der oppositionellen Bewegung ein Ende, denn Demonstrationen und Protestlager wurde wegen der Ausgangssperre unmöglich. Kann die Bewegung wieder auferstehen?
Ich habe da Zweifel. Die Modi-Regierung und ihre Unterstützer haben im Lockdown ihre Machtposition ausgebaut. In den Medien ist ein wirkungsmächtiges Narrativ geschaffen worden, dem zufolge die islamische Gemeinschaft absichtlich das Virus verbreitet hat. Die Zeit wurde auch genutzt, um Führungspersonen des zivilgesellschaftlichen Protests zu verhaften. Bezeichnenderweise gab es aber keine Schritte gegen prominente Hindu-Chauvinisten, die sich kurz vor den tödlichen Krawallen Ende Februar in Delhi mit antimuslimischer Hassrhetorik profiliert hatten.

Die meisten Opfer waren Moslems. Moscheen wurden in Brand gesetzt, aber keine Tempel. Dennoch behaupten Hindu-Chauvinisten, Moslems hätten die Krawalle gestartet, die im Rückblick einem antiislamischen Pogrom gleichen. Der prominente Indienkenner und Politikwissenschaftler Paul R. Brass argumentiert seit Jahrzehnten, dass derartige Gewalt nicht spontan entsteht. War es ein organisiertes Pogrom?
Ich selbst kann das nicht beweisen. Die Delhi Minorities Commission urteilte aber, die Gewalt sei „einseitig und gut geplant“ gewesen. Diese Kommission untersteht der Landesregierung von Delhi, welche nicht von der BJP kontrolliert ist. Bemerkenswert finde ich auch, dass die Randalierer mit Gaszylindern Gebäude in Brand steckten. Das ist nicht leicht und zeigt, dass die Täter gut ausgerüstet und technisch versiert waren. Erschreckenderweise erwies sich aber der Covid-19-Lockdown als noch wirkungsvolleres Repressionsinstrument. Die schreckliche Wahrheit ist, dass manche indischen Hindus in gewissem Maß die Botschaft akzeptiert haben, dass sie Moslems leiden sehen müssen, um sich selbst stark zu fühlen.

Arfa Khanum Sherwani ist leitende Redakteurin der unabhängigen Website TheWire.
Twitter: @khanumarfa
TheWire: https://thewire.in/

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Kollektives Trauma

E+Z - 10. Juli 2020 - 9:08
Jede Krise hinterlässt tiefe Spuren im Gedächtnis der betroffenen Gesellschaft

Krisen sind nicht nur ein aktuelles Problem, sondern sie erinnern auch an vergangene Krisen. Während der Corona-Pandemie werden die Erinnerungen an die Pest oder die Spanische Grippe wach. In der Wirtschaftskrise denken die Menschen daran, wie sie frühere ökonomische Engpässe gemeistert haben. Und wenn bewaffnetes Militär auf den Straßen patrouilliert – und sei es auch nur, um zu kontrollieren, ob die Corona-Ausgangssperren eingehalten werden –, dann wird denjenigen mulmig, die schon einmal eine Diktatur durchlebt haben.

Seuchen, Wirtschaftskrisen oder Diktaturen sind keine individuellen Erlebnisse, sondern eine gemeinsame Erfahrung aller Menschen einer Gesellschaft, wenn auch mit Unterschieden: Nicht jeder erkrankt bei einer Epidemie, manche haben viel Geld gespart, und andere sind bei Arbeitslosigkeit sofort am Rande des Hungers. Und in einer Diktatur gibt es Täter, Mitläufer, Widerstandskämpfer und Opfer – daraus folgen sehr unterschiedliche Wahrnehmungen der gleichen Situation.

9/11 als kollektives Trauma

In der Sozialpsychologie wird untersucht, wie sich ein traumatisches Ereignis, das viele Menschen gleichzeitig betrifft, im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft manifestiert. Ein bekanntes Beispiel sind die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001, kurz 9/11. In allen Weltregionen ist das Bild der explodierenden Flugzeuge in den Hochhäusern des World Trade Center in New York präsent, auch wenn die politischen Konsequenzen dieser Attacken etwa in der arabischen Welt ganz anders als im Westen spürbar waren.

In ihrer Forschung zu kollektiven Traumata bezeichnet die Psychologin Angela Kühner 9/11 als ein „kollektiv relevantes traumatisches Referenzereignis“. Sie und andere Wissenschaftler sprechen allerdings weniger von einem kollektiven Trauma, sondern von einer „kollektiven Verletzung des sozialen Gewebes“, das heißt, ein schlimmes Ereignis verändert eine Gesellschaft nachhaltig. Davon sind alle Menschen betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Maß.

Eine typische Reaktion auf ein solches Ereignis ist die Solidarisierung: Das Kollektiv versucht, gemeinsam mit der Erschütterung fertig zu werden. Gemeinsame Trauerprozesse sind ein probates Mittel dafür. Dies wird jedoch erschwert, wenn Tote nicht begraben werden können, so etwa nach dem 11. September.

Noch schwieriger ist es nach Diktaturen, wie etwa nach der letzten Militärdiktatur in Argentinien: 30 000 Menschen sind zwischen 1976 und 1983 verschleppt und ermordet worden, die „desaparecidos“, die „Verschwundenen“. Doch die Angehörigen konnten die Opfer des sogenannten „schmutzigen Krieges“ nicht begraben; die meisten blieben verschwunden.

Wie viele lateinamerikanische Länder hat Argentinien mehrere Zyklen von traumatischen Ereignissen, Verdrängen und Erinnern hinter sich. Die übergreifendste lateinamerikanische Erfahrung ist die Kolonisation und die Massenausrottung der indigenen Völker – in vielen Ländern, auch in Argentinien, bis heute verschwiegen und verdrängt.

Eine Konstante des 20.Jahrhunderts waren sowohl die Militärputsche als auch die Wirtschaftskrisen. Nach jeder wirtschaftlichen und politischen Krise könne man in der argentinischen Gesellschaft eine Art „Vermeidungs-Verhalten erkennen, also typische Reaktionen auf ein Trauma“, sagt der Neurologe Enrique de Rosa von der argentinischen Ärztevereinigung „Asociación Médica Argentina“. Viele Leute seien nicht mehr an Politik interessiert. „Tagtägliche Mikrotraumata erodieren die psychische Widerstandskraft der Menschen und werden zu einer erlernten Hoffnungslosigkeit. Man hat das Gefühl, egal was man macht, es gibt ja doch keinen Ausweg – das sehen wir oft bei Arbeitslosen“, erklärt de Rosa.

Nach einer Wirtschaftskrise sehnen sich alle Menschen nach Stabilität, nach einer gewaltvollen Periode nach Frieden. Der Wunsch der Opfer nach Gerechtigkeit, nach der Bestrafung der Täter, wird dann oft als Störung dieses neuerlangten Friedens empfunden – sie werden aufgefordert, ihren Ruf nach Strafe einzustellen, nach dem Motto: „Es muss auch mal gut sein.“ Doch das Ende eines Krieges oder einer Diktatur ist noch kein Frieden. Wirklicher Friede ohne Gerechtigkeit ist unmöglich. Alte Konflikte lauern unter der scheinbar ruhigen Oberfläche und können jederzeit wieder aufbrechen.

In dieser Situation gibt es einen Widerstreit von Auseinandersetzung und Abwehr, also zwischen Aussprechen und Verleugnung des Geschehenen. Dabei kommt den Opfern eine besondere Rolle zu. Weil sie sozusagen die personifizierte Erinnerung sind, will man sie ignorieren – die gewaltvolle Vergangenheit soll vergessen werden.

Eine ähnliche Phase durchlief auch Argentinien nach Ende der Militärdiktatur 1983. Anders als in anderen lateinamerikanischen Ländern, die ebenfalls Diktaturen hatten, kam es in Argentinien zu einem Prozess, in dem die Schuldigen benannt und verurteilt wurden.

Unter dem Druck des Militärs wurden die Schuldigen jedoch in den folgenden Jahren nach und nach amnestiert, erst die unteren Ränge, zuletzt selbst die Junta. Daraufhin begannen lokale Menschenrechtsgruppen, auf anderen Wegen die Erinnerung wachzuhalten – gegen große Widerstände. Die Kinder der Verschwundenen gründeten die Organisation H.I.J.O.S („Hijos por la Identidad y la Justicia contra el Olvido y el Silencio“ – „Kinder für die Identität und die Gerechtigkeit, gegen das Vergessen und Schweigen“).

Die Mitglieder von H.I.J.O.S. marschierten vor den Wohnungen verurteilter Folterer auf, um die Nachbarn darauf aufmerksam zu machen, neben wem sie wohnten, verlasen per Megaphon die gerichtlich verhängte Strafe und verteilten Flugblätter, auf denen die Verbrechen des betreffenden Militärs oder Polizisten aufgezählt waren.

In der Wissenschaft wird eine gemeinsame soziale Erinnerungspraxis als „absichtsvolles Erinnern“ bezeichnet, dazu gehören beispielsweise Gedenktage. Die Erinnerungspraxis der „Kinder der Verschwundenen“ war unkonventionell, zeigte aber Wirkung: Die Amnestiegesetze wurden nach und nach zurückgenommen. Die Mörder und Folterer mussten zurück ins Gefängnis.

Der niederländische Anthropologe Antonius C. G. M. Robben, Professor an der Universität Utrecht, hat zur Erinnerungspraxis traumatisierter Gesellschaften geforscht, unter anderem in Argentinien. Seiner Ansicht nach wurde durch den Staatsterror während der Diktatur „das Vertrauen der Bürger in den Staat vollkommen zerstört“. Dieses Misstrauen auf allen Seiten, zwischen Staatsorganen, Ex-Militärs und Angehörigen von Verschwundenen, hält weiter an und hindert die argentinische Gesellschaft, mit „ihrer traumatischen Vergangenheit abzuschließen“, meint Robben.

Traumata überwinden

Für den Friedensforscher Johan Galtung ist „Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg“. Dies gilt auch für die Aufarbeitung alter Konflikte. Wenn sie nicht erwähnt werden, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Es klingt wie ein Widerspruch: Erst die kollektive und kontinuierliche Erinnerungspraxis sorgt dafür, dass Traumata überwunden und gewaltvolle Zeiten ad acta gelegt werden können.

Das Beispiel argentinischer Menschenrechtsgruppen liefert anderen Post-Konflikt-Gesellschaften ein gutes Vorbild, Kriegsverbrechen nicht ruhen zu lassen, sondern aufzuklären: So etwa halfen argentinische Forensikerinnen in Bosnien, die Toten des Massakers von Srebrenica (1995) zu identifizieren. Die Angehörigen konnten die Ermordeten endlich begraben – auch das befriedet eine Gesellschaft.

Nicht jedes Trauma muss unendlich andauern, sondern kann durch gemeinsames Trauern überwunden werden, erklärt Psychologin Kühner. Der gemeinsame Trauerprozess in Argentinien, der durch Aktivistinnen wie etwa die „Madres de Plaza de Mayo“ (Mütter des Plaza de Mayo) oder die „Abuelas de Plaza de Mayo“ (Großmütter des Plaza de Mayo) an die Gesellschaft herangetragen worden war, hat die Menschen gegenüber ähnlichen Herausforderungen wachsam gemacht: In der Wirtschaftskrise im Dezember 2001 ließ die Regierung auf Protestierende schießen. Daraufhin versammelten sich umso mehr Menschen vor dem Regierungssitz, um für die Demokratie einzustehen.

Die Kontrolle der Ausgangssperre während der Corona-Krise im Frühjahr von schwerbewaffneter Polizei und Militär, die bei Zuwiderhandlungen sehr brutal vorgingen, ließ bei den Argentiniern die Alarmglocken läuten.

Auch in anderen Situationen kann die Erinnerung an eine schmerzvolle Vergangenheit dabei helfen, die aktuelle Krise besser zu meistern. Als im Februar 2020 klar wurde, dass sich das Coronavirus von Asien aus weiter ausbreiten würde, wurden in Europa noch keinerlei Vorkehrungen getroffen. In Ostafrika hingegen waren die Erinnerungen an die Ebola-Epidemie 2018 in der Demokratischen Republik Kongo noch sehr frisch.

Deswegen begannen Staaten wie Tansania sofort, bei allen Reisenden die Temperatur zu messen und Verdachtsfälle zu isolieren. Das war in Europa bei den ersten Corona-Infektionen anders; hier waren im kollektiven Gedächtnis nur sehr ferne und vage Erinnerungen an lebensbedrohliche Seuchen gespeichert. Entsprechend langsamer war die Reaktion der Politik. Mit anderen Worten: Eine lebendige Erinnerung an vergangene Krisen kann überlebenswichtig sein.

Sheila Mysorekar ist freie Journalistin und Projektmanagerin bei der Deutschen Welle Akademie. Sie lebte und arbeitete elf Jahre in Argentinien.
sheila.mysorekar@dw.com

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E+Z/D+C 2020/08 – covid – Lawrence Kilimwiko – Tanzania

E+Z - 10. Juli 2020 - 8:29
Covid-19 has badly affected informal livelihoods in Tanzania, but the impacts on the entire economy are harsh

In Tanzania’s banana farming Rungwe district, Donald Mwasyoge felt despair as he watched his fruit ripen. Because of Covid-19, there were no buyers. Julius Mwendipembe is a lorry driver who delivers agricultural produce from rural areas to urban wholesale markets. In fear of the novel corona virus, many trips were cancelled.

Pain was felt along the entire supply chain. Nurudin Makinya is a young coolie who makes money by unloading banana trucks at a commercial market, in Dar es Salaam, the country’s biggest city with about 6 million inhabitants. There was very little work for him. That applied to Amina Rashid too. She is a hawker who buys bananas at the wholesale market and then sells them on to consumers.

Many people’s livelihoods have been badly affected by the pandemic in Tanzania. Many, though not all have lost their usual incomes. When the government ordered the closure of schools, teachers at public schools were assured of the monthly salaries. For those at private schools, however, it was a different story. As parents became unable to pay tuition, the schools became unable to pay salaries.  

The Covid-19 slump thus not only hurts workers in the informal sector. It is safe to say, however, that almost everyone in the informal sector feels the impacts – and this sector accounts for about 75 % of all jobs in Dar es Salaam.

School closures caused additional problems for parents moreover. With their offspring stuck at home, many agonised over whether to go to work or take care of the kids. “It’s not easy,” said Janeth Mitondo a single mother of twins aged five. The economic downturn made it harder to earn money with informal work – which also meant that such work took more time.

Poverty is getting worse, and this trend worries government officials. They are aware of serious problems in the formal economy too. Tourism is an important industry that helps the country to rake in foreign exchange. It is in tatters. The government reckons that this year perhaps only about 440,000 foreigners will come to Tanzania for holidays. That would not be even a quarter of last year’s number.

In early July, only a bit more than 500 infections were reported by officialdom, and the death toll was only 21. For the vast majority of people, the economic pain thus outweighs the health problems. The government decided to reopen schools at the end of June, but imposed strict hygiene rules, including hand washing. Health experts, however, worry that the decision may yet prove premature. After all, the disease may yet start to suddenly spread as has been the case elsewhere.

Lawrence Kilimwiko is a freelancer based in Dar es Salaam.
lkilimwiko@yahoo.com

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Gemeinsame Pressemitteilung: Hunger in Afrika – Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) scheitert an selbstgesteckten Zielen

Forum Umwelt & Entwicklung - 10. Juli 2020 - 7:55

(Berlin / Johannesburg / Köln / Lusaka, 10. Juli 2020) – Die heute veröffentlichte Studie eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses belegt: Der AGRA-Ansatz ist an den eigenen Zielen gescheitert. Vierzehn Jahre nachdem die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung die Agrarallianz gegründet hat, hungern 30 Prozent mehr Menschen in den 13 AGRA-Schwerpunktländern und das Verschuldungsrisiko für Kleinbauern und -bäuerinnen hat sich erhöht. Zudem werden traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel verdrängt. Die Herausgeber der Studie fordern die Bundesregierung auf, die politische und finanzielle Unterstützung von AGRA einzustellen und stattdessen Agrarökologie stärker zu fördern.

 

Am kommenden Montag (13. Juli 2020) legt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ihre jährlichen Hungerzahlen vor. Demnach steigt die Zahl der Hungernden seit fünf Jahren kontinuierlich an, in Folge von Covid-19 sind weitere negative Auswirkungen wahrscheinlich. Ein Umsteuern in der weltweiten Agrar- und Ernährungspolitik ist daher dringend erforderlich, wie das Scheitern der finanzkräftigen Agrarallianz belegt. AGRA wurde 2006 gegründet, um der Hungerbekämpfung in Afrika mit ihrem konzerngetriebenen Ansatz der Grünen Revolution neue Impulse zu geben. Um dieses Ziel zu erreichen, erhielt AGRA über eine Milliarde US Dollar – vor allem von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, aber auch von der Bundesregierung.

 

„Die Ergebnisse der Studie sind für AGRA und die Propheten der Grünen Revolution vernichtend“, sagt Jan Urhahn, Agrarexperte bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. „Die Ertragssteigerungen für wichtige Grundnahrungsmittel in den Jahren vor AGRA liegen auf einem fast identischen Niveau wie während der Implementierung der AGRA-Programme. Statt den Hunger zu halbieren, hat sich seit dem Start von AGRA die Lage in den 13 Schwerpunktländern sogar verschlechtert, die Zahl der Hungernden ist in den AGRA-Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Das ist ein Armutszeugnis für eine Initiative, die mit ihrem Narrativ der Grünen Revolution erheblichen Einfluss auf die Agrarpolitiken in vielen Ländern hat. Höchste Zeit AGRA nicht weiter auf den Leim zu gehen“, so Urhahn.

 

„AGRA wollte, durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Düngemitteln und industriell gezüchteten Saatgut Erträge und Einkommen für Kleinbauern und -bäuerinnen verdoppeln und ist damit gescheitert “, kritisiert Lena Bassermann, Agrarexpertin von der Entwicklungsorganisation INKOTA. „Angesichts der Ergebnisse der Studie muss die Bundesregierung konsequent umsteuern und jede politische und finanzielle Unterstützung für AGRA unterlassen. Stattdessen sollte sie Agrarökologie und das Menschenrecht auf Nahrung als Kompass für ihre Politik nehmen.“

Die Studie, deren Analyse zu einem Großteil auf der Arbeit des Wissenschaftlers Timothy A. Wise aus den USA beruht, zeigt auch: Kleinbäuerliche Erzeuger*innen sind einem hohen Verschuldungsrisiko ausgesetzt. In Sambia und Tansania konnten sie schon nach der ersten Ernte die Kredite für Dünger und Saatgut nicht zurückzahlen. „AGRA ist ein Teufelskreis, der kleinbäuerliche Erzeuger*innen immer weiter in die Armut treibt und dabei ihre natürlichen Lebensgrundlagen zerstört“, sagt die Landwirtschaftsspezialistin Mutinta Nketani von der Organisation PELUM Sambia und Mitautorin der Studie. „Die Bäuerinnen und Bauern werden gedrängt, das teure Hybridsaatgut der Konzerne zu kaufen, das nur in Kombination mit Düngemitteln funktioniert, die sich die Menschen eigentlich gar nicht leisten können.“

 

AGRA-Projekte schränken zudem die Wahlfreiheit für kleinbäuerliche Erzeuger*innen ein, selbst zu entscheiden, was sie anbauen wollen. Das hat dramatische Auswirkungen auf die Vielfalt von Nahrungsmitteln. Der AGRA-Fokus liegt einseitig auf Mais. Traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel werden dadurch verdrängt. So ging die Hirseproduktion laut Studie im AGRA-Zeitraum von 2006 bis 2018 in den 13 AGRA-Schwerpunktländern um 24 Prozent zurück.

 

Auch international hat AGRA zuletzt viel Aufmerksamkeit erhalten, wie zum Beispiel in Verbindung mit dem für 2021 geplanten UN-Gipfel für Ernährungssysteme. „AGRA erreicht mit seinem fragwürdigen Ansatz die eigenen Ziele nicht und kann daher auch nicht die notwendigen Impulse für den Gipfel zu Ernährungssystemen der Vereinten Nationen setzen. Die führende Rolle beim Gipfel muss durch das UN-Welternährungskomitee wahrgenommen werden basierend auf den dort erarbeiteten Grundlagen“, sagt Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte bei Brot für die Welt. „Die bisherige Ausrichtung des Gipfels muss daher grundlegend verändert werden. Hierfür muss sich die Bundesregierung einsetzen“, so Tanzmann.

 

Die Studie Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) senden wir Ihnen gerne zu.

 

Sie wird herausgegeben von: Biba (Kenia), Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA, IRPAD (Mali), PELUM Sambia, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Tabio (Tansania) und TOAM (Tansania).

Die deutschsprachigen Autor*innen der Studie stehen gerne für Interviews zur Verfügung.

 

 

Kontakte:

Lena Bassermann, Referentin für globale Landwirtschaft und Welternährung, INKOTA, Mobil: 0177 46 29 62 2, E-Mail: bassermann@inkota.de

Jan Urhahn, Programmleiter Ernährungssouveränität, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Whatsapp: +27 (0) 79 63 89 97 6, E-Mail: jan.urhahn@rosalux.org

Stig Tanzmann, Referent für Landwirtschaft, Brot für die Welt, Mobil: 0174 16 30 39 3, E-Mail: stig.tanzmann@brot-fuer-die-welt.de

Roman Herre, Agrarreferent, FIAN Deutschland, Mobil: 01520 70 67 30 2, E-Mail: r.herre@fian.de

Josephine Koch, zuständig für Landwirtschaftspolitik beim Forum Umwelt und Entwicklung, Mobil: 0151 22 77 78 68, E-Mail: koch@forumue.de

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Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA)

Forum Umwelt & Entwicklung - 10. Juli 2020 - 7:00

In einer internationalen Studie dokumentieren die Rosa-Luxemburg-Stiftung, Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA-netzwerk sowie fünf Partnerorganisationen aus Mali, Kenia, Sambia und Tansania die dramatischen Folgen der Allianz für eine Grüne Revolution (AGRA) für kleinbäuerliche Erzeuger*innen in den 13 afrikanischen Schwerpunktländern der Initiative.

AGRA wurde 2006 gegründet, um der Hungerbekämpfung in Afrika mit ihrem konzerngetriebenen Ansatz der Grünen Revolution neue Impulse zu geben. Sie hat versprochen, bis zum Jahr 2020 die landwirtschaftlichen Erträge und die Einkommen von 30 Millionen kleinbäuerlichen Haushalten zu verdoppeln und damit sowohl Hunger als auch Armut in ihren afrikanischen Schwerpunkt-Ländern zu halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, erhielt AGRA über eine Milliarde US Dollar – vor allem von der Bill- und-Melinda-Gates-Stiftung, aber auch von der Bundesregierung. Die Ergebnisse der Studie stellen AGRA ein schlechtes Zeugnis aus: Die Ertragssteigerungen für wichtige Grundnahrungsmittel waren in den Jahren vor AGRA waren genauso niedrig wie während AGRA. Statt den Hunger zu halbieren, hat sich seit dem Start von AGRA die Lage in den 13 Schwerpunktländern sogar verschlechtert. Die Zahl der hungernden Menschen ist in den AGRA-Jahren um 30 Prozent gestiegen.

 

Die Studie zeigt zudem: AGRA schadet sogar kleinbäuerlichen Erzeuger*innen, etwa, weil sie einem hohen Verschuldungsrisiko ausgesetzt sind. In Sambia und Tansania konnten sie schon nach der ersten Ernte die Kredite für Dünger und Saatgut nicht zurückzahlen. AGRA-Projekte schränken zudem die Wahlfreiheit für kleinbäuerliche Erzeuger*innen ein, selbst zu entscheiden, was sie anbauen wollen. Das hat dramatische Auswirkungen auf die Vielfalt von Nahrungsmitteln. Der AGRA-Fokus liegt auf dem einseitigen Anbau von Mais. Traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel werden dadurch verdrängt. So ging die Hirseproduktion laut Studie im AGRA-Zeitraum von 2006 bis 2018 in den 13 AGRA-Schwerpunktländern um 24 Prozent zurück. Außerdem lobbyiert AGRA Regierungen im Interesse von Agrarkonzernen für förderliche Gesetzgebungen für Düngemittelhersteller und Saatgutfirmen statt kleinbäuerliche und alternative Strukturen zu stärken – und wird dafür von Regierungen weltweit hofiert.

 

Die Herausgeber der Studie kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung aus AGRA und allen Programmen der Grünen Revolution aussteigen muss. Stattdessen soll sie und entwicklungspolitische Geber weltweit stärker nachhaltige, ganzheitliche Ansätze wie Agrarökologie unterstützen. Agrarökologie stellt kleinbäuerliche Erzeuger*innen, ihr Menschenrecht auf Nahrung und ihre Ernährungssouveränität in den Mittelpunkt.

 

Die Studie „Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA)“ wird herausgegeben von: Biba (Kenia), Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA, IRPAD (Mali), PELUM Sambia, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Tabio (Tansania) und TOAM (Tansania).

 

Für weitere Information:

Download der Studie
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