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Dilemmata der Entwicklungspolitik. Geschichten aus der Praxis

Mitglieder des Netzwerks entwicklungspolitischer Fachleute haben das Buch Dilemmata der Entwicklungspolitik. Geschichten aus der Praxis herausgegeben. Es bricht mit dem Tabu des Scheiterns.

Nicht nur im Berufsfeld der EZ findet der informelle Austausch unter KollegInnen oft nur hinter vorgehaltener Hand statt z. B. eingeleitet mit den Worten „Das ist aber jetzt bitte nicht fürs Protokoll!“. In unserer Positive thinking - Welt ist die Problematisierung von Widersprüchen und Dilemmata vielfach zum Tabu geworden.

Das Netzwerk Entwicklungspolitischer Fachleute möchte Ihnen ein sehr persönliches Buch über Dilemmata in der EZ vorstellen, geschrieben von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen aus dem Netzwerk. Anhand von Geschichten aus der Praxis, wie z. B. beim Ownership-Gerangel, in der Zusammenarbeit mit Co-GutachterInnen oder unter dem Stichwort Wirkungsmessung im Schnelldurchgang werden darin Dilemmata und mögliche Lösungsansätze dargestellt, aber auch Erfahrungen mit dem Leben in (mindestens) zwei Welten pointiert erzählt.

Das Netzwerk entwicklungspolitischer Fachleute ist ein 1995 gegründeter informeller Zusammenschluss von freiberuflichen GutachterInnen und MitarbeiterInnen entwicklungspolitischer Organisationen zum Zweck des Erfahrungsaustausches und der Verbesserung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit.

Dilemmata der Entwicklungspolitik. Geschichten aus der Praxis, 130 Seiten, Paperback. 2015, ISBN 978-3-8382-0768-1, ISSN 2196-372X, ibidem-Verlag, Stuttgart.

Rezension

Sagen, was falsch läuft | Rezension von Hanna Pütz in Welt-Sichten am 09.01.2015, https://www.welt-sichten.org/artikel/26 408/sagen-was-falsch-laeuft

Klappentext:

Von Antidiskriminierung zu Diversity und Inklusion 2

Die entwicklungspolitische Praxis ist ein Berufsfeld voll von Spannungsfeldern und Dilemmata. Wie etwa schaffen wir den Spagat zwischen dem Grundsatz der Partnerorientierung und der Zielsetzung der nachhaltigen Armutsminderung einerseits, wenn wir es andererseits mit Partnern zu tun haben, denen es primär um ihre elitären Eigeninteressen geht? Wie können wir die Zivilgesellschaft über staatliche Zusammenarbeit mit Ländern stärken, in denen eine solche ausdrücklich unerwünscht ist?
In Hochglanzbroschüren, aber auch in offiziellen Arbeitsbesprechungen von Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit werden solche Spannungsfelder weitgehend tabuisiert. Für die Thematisierung von Dilemmata ist dort wenig Platz. Angesagt sind vielmehr positives Denken und Orientierung an den Schlagworten des jeweiligen entwicklungspolitischen Mainstream. Ein lösungsorientierter und ehrlicher Umgang mit Dilemmata wird dadurch tendenziell verhindert.
Dem Netzwerk entwicklungspolitischer Fachleute war es deshalb ein Anliegen, zu mehr Ehrlichkeit und einem offenen, erfahrungsbezogenen Diskurs über die Spannungsfelder und Fallstricke ihrer Berufspraxis anzuregen. Diesem Ziel nähern sich die AutorInnen dieses Buches nicht in Form von objektivierenden Sachanalysen, sondern mit Geschichten über ihren persönlichen Umgang mit solchen Dilemmata. Indem sie gewissermaßen aus dem Nähkästchen plaudern, gewähren sie den LeserInnen ungeschönte, ungewohnte und überaus aufschlussreiche Einblicke in das von Stolpersteinen gepflasterte Berufsfeld der Entwicklungszusammenarbeit. Sie leisten so nicht zuletzt auch einen wichtigen Beitrag zu der inhaltlichen Debatte über die angesprochenen Dilemmata. Vor allem aber soll der Band zu mehr Offenheit in dem Diskurs über Probleme der entwicklungspolitischen Praxis beitragen.

Aus dem Inhalt

Teil i Entwicklungspolitische Dilemmata und Lösungsansätze
1 Wer darf sich hier zuständig fühlen? Als EZ-Profi verstrickt im ownership-Gerangel (Theo Rauch).
2 Die Zusammenarbeit mit Co-GutachterInnen. Rhetorik und Realität (Iris Paulus und Beate Holthusen).
3 Das Dilemma mit dem Auftragsverhältnis bei der Beratung. einheimischer Organisationen
Oder: Passt Organisationsberatung überhaupt in das angebotsorientierte Geschäft der EZ? (Josephine Beck-Engelberg).
4 Auf der ›Achse des Bösen‹ Zusammenarbeit mit sogenannten Unrechtsstaaten: Erfahrungen aus Nordkorea und Afghanistan (Karin Janz).
5 Vom „Chief, der seine Arbeit macht“ Und dem schmalen Grat zwischen Integration und Vereinnahmung (Peter Ay).
6 Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und entwicklungspolitischer Praxis (Berthold M. Kuhn)

Teil ii Dilemmata der Evaluierungspraxis
7 Vom Umgang mit Evaluierungen (Manfred Metz)
8 Wirkungsmessung im Schnelldurchgang ? Oder: Evaluierungen zwischen Alltagstauglichkeit und wissenschaftlichem Anspruch (Annette Englert).

Teil iii Perspektiven auf das Berufsleben
Perspektivenwechsel:
9 Leben in (mindestens) zwei Welten (Heidi Kueckelhaus)
10 Auf der Suche nach dem Glück oder dem wunderbaren Auftrag (Susanne Neymeyer) Perspektive auf das Innenleben einer Organisation:
11 „Welcome on Board“ Über die eigenartige Welt der UN (Bernd Leber)