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Aktualisiert: vor 1 Stunde 38 Sekunden

Diese Folgen hat der Brexit für Entwicklungsländer

15. Januar 2019 - 7:00
Bonn, 15.01.2019. Am 15. Januar soll das britische Parlament final über das von der Europäischen Union (EU) und Großbritannien ausgehandelte Austrittsabkommen abstimmen. Das Ergebnis der Abstimmung ist momentan nicht vorherzusehen. Durch die geringe Erfolgswahrscheinlichkeit hatte Premierministerin Teresa May die für Ende 2018 geplante Abstimmung ins neue Jahr verlegt. Das von der eigenen Partei initiierte Misstrauensvotum im vergangenen Dezember sowie dessen knappes Ergebnis verdeutlichen, wie stark das Parlament bei der Brexit-Frage gespalten ist.

Ob ein geordneter Austritt mit oder ein „harter Brexit“ ohne Austrittsabkommen – derzeit werden immer wieder die ökonomischen und politischen Folgen unterschiedlicher Szenarien für Großbritannien und Europa diskutiert. Doch wir müssen auch die globalen Effekte des Brexit in den Blick nehmen.

Zu selten wird diskutiert, dass auch Länder jenseits Großbritanniens und der EU vom Brexit und den sich dadurch wandelnden Handelsbeziehungen betroffen sein werden. Oft wird von Befürworten eines harten Brexits betont, dass Großbritannien im Fall eines Brexits ohne Austrittsabkommen einfach auf die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückgreifen könne. Dies stimmt jedoch nicht vollständig mit der Realität überein. Die neuen Marktzugangsregeln zwischen Großbritannien und den WTO-Mitgliedern jenseits der EU müssen im Moment noch verhandelt werden, und zwar derzeit ohne Aussichten auf baldigen Erfolg. Somit müssten die Briten im Falle eines „No deal“ nach März 2019 mit dem Rest der Welt höchstwahrscheinlich nach den in der WTO vereinbarten EU-Bedingungen handeln. Und das, obwohl diese dann eigentlich nicht mehr für Großbritannien gelten.

Vor allem für ärmere Länder kann der Brexit drastische Folgen haben. Unabhängig von dem endgültigen Brexit-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien, werden Entwicklungsländer vom EU-Austritt Großbritanniens negativ betroffen sein. Ein wichtiger Grund ist, dass sie ihren bevorzugten Zugang zum britischen Markt verlieren, den sie im Moment noch auf Grundlage unterschiedlicher EU-Abkommen genießen. Zum Beispiel durch das allgemeine Präferenzsystem (Generalised Scheme of Preferences), die "Alles außer Waffen" (EBA) Initiative, sowie die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreements).

Wenn Entwicklungsländer nach dem Brexit auf dem britischen Markt keine bevorzugten Zölle mehr erhalten, sinkt ihre Wettbewerbsfähigkeit in Großbritannien. Vor allem bei einem harten Brexit ohne Austrittsabkommen würden die am wenigsten entwickelten Länder unter höheren Zöllen und anderen nichttarifären Handelsbarrieren leiden. In diesem Fall würden die Exporte nach Großbritannien laut aktueller Simulationen beispielsweise in Äthiopien um 20 Prozent und in Malawi sogar um 60 Prozent einbrechen.

Insbesondere arme Länder wie Kambodscha und Malawi, die stark vom britischen Markt abhängig sind, weil sie viel in das Vereinigte Königreich exportieren, werden laut neuester Berechnungen Einbußen ihres Bruttoinlandprodukts hinnehmen müssen. In den am wenigsten entwickelten Ländern, die von den Handelspräferenzen der EU profitieren, ist darüber hinaus ein Anstieg der Armut zu befürchten. Neue Simulationen zeigen, dass die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, infolge des Brexits in diesen Ländern um bis zu 1,7 Millionen steigen könnte. Diese Zahlen sind konservative Schätzungen, die ausschließlich die Änderungen der Handelsregeln einbeziehen. Andere negative Faktoren wie die Abwertung des Britischen Pfunds, verringerte britische Direktinvestitionen und weniger Entwicklungshilfe sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Da sich neue Handelsverträge zwischen Großbritannien und den Entwicklungsländern hinziehen werden, ist eine Übergangsregelung seitens der Briten notwendig, um die negativen Auswirkungen für arme Staaten zu verhindern. Handelsbezogene Entwicklungshilfe kann zusätzlich dazu beitragen, die Herausforderungen für arme Länder abzufedern. Zugleich birgt die zukünftige Neuaufstellung der britischen Handelspolitik die Chance, die Handelsbeziehungen mit armen Ländern entwicklungsfreundlicher zu gestalten. Das wäre beispielsweise durch großzügigere Präferenzen möglich, die mehr Wertschöpfung über mehrere Länder zulassen und so regionale Wertschöpfungsketten fördern.

Der Brexit stellt eine außerordentliche Herausforderung sowohl für Großbritannien, als auch für die EU dar. Selbst wenn das britische Parlament dem Austrittsabkommen zustimmt, ist das Risiko eines harten „No deal“ Brexits nicht ausgeschlossen. Denn es wird nicht einfach sein, sich bis zum Ende der vereinbarten Übergangszeit auf ein neues Handels- und Investitionsabkommen zwischen Großbritannien und der EU zu einigen. So oder so: Die langanhaltende Unsicherheit mit vielen offenen Fragen führt zu stetig wachsenden Kosten, die nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Verbrauchern einen erheblichen Schaden zufügen. Beide Seiten sollten sich um eine bestmögliche Lösung bemühen und dabei auch die Verluste der ärmsten Entwicklungsländer berücksichtigen.
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Ukraine's unconsidered losses from the annexation of Crimea: what should we account for in the DCFTA forecasts?

14. Januar 2019 - 13:34
In March 2014 Crimea unilaterally declared its independence from Ukraine and joined the Russian Federation. The separation of a part of a state's territory and economy is an interesting matter to examine. The economy of Ukraine has not only shrunk, but also changed its structure as Crimea had a quite distinct production pattern compared to the rest of Ukraine. Moreover, policy measures initialized before the separation may have different effects once applied only to a part of the former economy. This paper proposes a strategy to model the separation of part of an economy and its inclusion into another country and applies this strategy to the case of Crimea, Ukraine, and Russia. Having constructed a model for the new geographical and economic situation, we reinvestigate the possible effects of a Deep and Comprehensive Free Trade Agreement between Ukraine and the EU and compare the results for the situation with Crimea as part of Ukraine. We find that the annexation of Crimea leads to severe economic losses for Ukraine which are partly overproportional compared to Crimea's economic size. These negative effects can be compensated by implementing the DCFTA with the EU as we also show in our model results.
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Pathways for policy coherence in implementation of NDC and SDGs in Viet Nam and the role of civil society

14. Januar 2019 - 12:29
The Paris Climate Agreement was reached in December 2015 with the aim to keep global warming well below 2oC of temperature increase. Around the same time, in September 2015, countries worldwide agreed on the adoption of Agenda 2030 and its Sustainable Development Goals. In this context, Vietnam ratified the Paris Agreement in 2016 and submitted its Nationally Determined Contribution (NDC) towards the implementation of the Agreement. Moreover, following the adoption of Agenda 2030, a National Action Plan for the Implementation of the 2030 Sustainable Development Agenda was endorsed by the Prime Minister’s Office in 2017. 
This policy brief explores interlinkages between Vietnam’s NDC and the National Action Plan for the Implementation of the 2030 Sustainable Development Agenda to identify potential opportunities and challenges for jointly meeting the commitments under the two agendas domestically. In that regard, it identifies overlaps in implementation approaches to help avoid duplication and highlights interlinkages that could help foster synergies. Finally, the role of civil society in implementing the two agendas and their perception of the interlinkages between climate action in Vietnam and the Sustainable Development Goals are analysed.
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How Brexit affects Least Developed Countries

14. Januar 2019 - 9:45
Following the decision of the British referendum on 23 June 2016, the United Kingdom (UK) plans to exit the European Union (EU). Article 50 of the Lisbon Treaty was invoked at the end of March 2017 and the UK will officially leave the single market and customs union in March 2019. Brexit negotiations have proven difficult due to diverging positions of the two partners on many issues, such as freedom of movement, financial contributions and the potential re-emergence of a tough border between the Republic of Ireland and Northern Ireland. Despite the successfully negotiated Withdrawal Agreement and Political Declaration, there is still con¬siderable political uncertainty about the final EU-UK deal.
Regardless of the final outcome of the negotiations, Brexit implies fundamental changes in the British trade regime concerning third countries. This starts with a negotiation of national terms of access for World Trade Organization (WTO) membership and extends to renegotiation of the numerous EU free trade agreements. Moreover, the UK will no longer be part of the European Generalised Scheme of Preferences (GSP) or the Everything But Arms (EBA) treaty, which allow vulnerable developing countries to pay fewer or no duties on their exports to the EU. The Economic Partnership Agree-ments (EPAs) between the EU and African, Caribbean and Pacific countries will not apply to the UK either.
While the negative effects of Brexit on the UK and EU are in the limelight, the implications for third countries receive less attention. This paper puts the spotlight on these often-overlooked issues by presenting new findings on Brexit implications for Least Developed Countries (LDCs) and discussing policy recommendations.
Developing countries with close ties to the UK will suffer from Brexit as import duties are once again imposed.
In particular, 49 of the world’s poorest countries presently benefit from preferential treatment that covers 99% of all products under the EBA agreement. Although these countries account for only 1.15% of the UK’s imports, the share of their exports to the UK exceeds 35% in apparel, 21% in textiles and 9% in sugar (calculations based on the UN Comtrade data for 2013-2015). Our findings show that losing these preferences together with the UK’s withdrawal from the EU may cause EBA countries’ GDPs to fall by -0.01% to -1.08%. Our simulations also indicate that the highest losses will occur in Cambodia and Malawi, where dependence on the UK market is strong. Moreover, Brexit may cause the number of those living in extreme poverty (PPP $1.90 a day) to rise by nearly 1.7 million in all EBA countries. These are conservative estimates of Brexit’s negative impacts; they do not take into account the addi¬tional implications of uncertainty, depreciation of the pound sterling, reduced aid spending, remittances and investments.
The UK must act to mitigate the adverse effects on economically vulnerable countries. Such action may include replicating existing EU treaties that grant preferential access to goods from LDCs, creating a more development-friendly UK trade policy with preferential access to services imports and cumulative rules of origin, as well as offering better-targeted aid for trade initiatives. The EU could also support LDCs by implementing liberal cumulative rules of origin and applying its preferential treatment partly to goods with a low value-added content from considered countries.
In addition, developing countries should diversify their export destinations and industries as well as engage in economic transformation that makes them less dependent on UK trade, aid and foreign direct investment (FDI).



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Was 2019 in der internationalen Politik auf dem Spiel steht

14. Januar 2019 - 9:00
Bonn, 14.01.2019. 2019 wird kein leichtes Jahr für internationale Zusammenarbeit, für den Schutz menschlichen Wohlergehens und nachhaltige Entwicklung. Vielerorts behindern dies die inneren politischen Verhältnisse. Gesellschaften spalten sich in unterschiedliche ideologische Lager und sind immer weniger in der Lage, sich auf gemeinsame Problembeschreibungen und prioritäre Herausforderungen zu einigen, erst recht nicht auf Lösungsansätze. Oft geht dies einher mit Ausgrenzung und Rechtlosigkeit von gesellschaftlichen Gruppen und einzelnen Menschen, mit dem Verlust von Mitgefühl und einer Abwehrhaltung gegenüber internationaler Verantwortung. Gewaltsam ausgetragene innergesellschaftliche Konflikte und anhaltende oder eingefrorene Kriege stehen für die Unfähigkeit, sich zukunftsorientiert auf gemeinsame Interessen und Frieden begründende Kompromisse zu verständigen. Diese Phänomene finden sich auf allen Kontinenten, auch in Europa und Deutschland. Viele sind dadurch zutiefst beunruhigt und verunsichert. Bisherige gesellschaftliche Vereinbarungen scheinen an Gewicht zu verlieren: wie ein friedliches und gedeihliches Miteinander gestaltet und gelebt werden kann, was eine freie und prosperierende Gesellschaft ausmacht und welche Bedeutung konstruktive internationale Beziehungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft haben. Diese Verunsicherung in unserer eigenen Gesellschaft, in der Europäischen Union (EU) und in den internationalen Beziehungen erschwert entschiedenes Handeln. Doch in unserer gegenwärtigen Welt ist die Verbesserung nationalen Wohlergehens ohne eine globale Perspektive nicht mehr vorstellbar. Interdependenzen und Wechselwirkungen prägen das 21. Jahrhundert mehr denn je: zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern; zwischen steigenden Wohlfahrtsniveaus und Umweltbelastungen, die die Stabilität des Erdsystems gefährden; zwischen sozialer, ökonomischer und politischer Teilhabe in nationalen Gesellschaften einerseits und internationaler Stabilität, Sicherheit und Zusammenarbeit andererseits. Politik für nachhaltige Entwicklung muss all dies berücksichtigen und ist auf internationale Kooperation angewiesen. Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und ihren 17 Nachhaltigkeitszielen haben wir dafür seit 2015 einen international vereinbarten Handlungsrahmen. Es geht um mehr als die bloße Summe von nationalen Interessenkonstellationen und Gemeinwohlvorstellungen in Europa oder weltweit. Die Agenda gibt globale Orientierung, um angemessene Antworten auf die gegenwärtigen Herausforderungen zu geben, von der Verringerung von Armut und Ungleichheiten, über den Schutz von Biodiversität und Klima bis hin zur Beendigung von Kriegen, von Flucht und Vertreibung. Die Klimakonferenz in Katowice hat wichtige Fortschritte für die Umsetzung des Pariser Klima-Übereinkommens erreicht. Sie hat gezeigt, dass die internationale Klima-Kooperation lebt, gemeinsam getragen von Regierungen, Städten, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. 2019 werden diese Herausforderungen prominent auf der politischen Agenda der EU und der Vereinten Nationen stehen. Im Vorfeld der Wahlen für das Europäische Parlament werden sich die politischen Parteien und ihre Wählerinnen und Wähler nicht nur darüber verständigen müssen, wie Wohlstand und Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt zusammengedacht werden, sondern auch darüber, wieviel globale Verantwortung zu einem lebenswerten Europa heute gehört und wie diese ausbuchstabiert werden muss. Der Einfluss des Parlaments wurde 2009 mit dem Vertrag von Lissabon gestärkt und ein zukunftsstarkes Europa braucht eine breite Wahlbeteiligung, die seinen lebendigen demokratischen Kern abbildet. Die Vereinten Nationen veranstalten im September 2019 zwei Gipfeltreffen zum Klimaschutz und zur Überprüfung der Umsetzung der Agenda 2030. Hier sind die Staats- und Regierungschefs gefordert. Diese Gipfel und ihre Themen müssen zusammen gedacht und aufeinander bezogen werden, um keine falschen Konkurrenzen aufkommen zu lassen und schnelleres Handeln zu ermöglichen. Der jüngste Sonderbericht des Weltklimarates zeigt, dass eine ambitionierte Umsetzung der 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung die Anpassungs- und Minderungslasten für den Klimaschutz verringern kann. Soziale Gerechtigkeit ist ein Kernanliegen der Agenda 2030 und befördert die Umsetzung klimapolitischer Transformationspfade. Auch in einer Welt mit 1,5°C Klimaerwärmung steigen die Risiken, aber es besteht eine größere Chance, in vielen Bereichen nachhaltiger Entwicklung voran zu kommen. Der letzte New Climate Economy Report unterstreicht daher die positiven Wechselwirkungen zwischen schneller technologischer Innovation, Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen und erhöhter Ressourcenproduktivität liegen. Der Bericht „Better business – better world“ zeigt, dass mit Investitionen in die Nachhaltigkeitsziele 380 Millionen neue Jobs bis 2030 geschaffen werden könnten, ein Großteil davon in Afrika. 2019 wird ein gutes Jahr, wenn wir es nutzen, um der Verunsicherung in und zwischen unseren Gesellschaften zu begegnen. Die Europawahlen im Mai und die Gipfel der Vereinten Nationen im September bieten dafür in besonderer Weise Gelegenheit.
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Was 2019 in der internationalen Politik auf dem Spiel steht

14. Januar 2019 - 9:00
Bonn, 14.01.2019. 2019 wird kein leichtes Jahr für internationale Zusammenarbeit, für den Schutz menschlichen Wohlergehens und nachhaltige Entwicklung. Vielerorts behindern dies die inneren politischen Verhältnisse. Gesellschaften spalten sich in unterschiedliche ideologische Lager und sind immer weniger in der Lage, sich auf gemeinsame Problembeschreibungen und prioritäre Herausforderungen zu einigen, erst recht nicht auf Lösungsansätze. Oft geht dies einher mit Ausgrenzung und Rechtlosigkeit von gesellschaftlichen Gruppen und einzelnen Menschen, mit dem Verlust von Mitgefühl und einer Abwehrhaltung gegenüber internationaler Verantwortung. Gewaltsam ausgetragene innergesellschaftliche Konflikte und anhaltende oder eingefrorene Kriege stehen für die Unfähigkeit, sich zukunftsorientiert auf gemeinsame Interessen und Frieden begründende Kompromisse zu verständigen. Diese Phänomene finden sich auf allen Kontinenten, auch in Europa und Deutschland. Viele sind dadurch zutiefst beunruhigt und verunsichert. Bisherige gesellschaftliche Vereinbarungen scheinen an Gewicht zu verlieren: wie ein friedliches und gedeihliches Miteinander gestaltet und gelebt werden kann, was eine freie und prosperierende Gesellschaft ausmacht und welche Bedeutung konstruktive internationale Beziehungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft haben. Diese Verunsicherung in unserer eigenen Gesellschaft, in der Europäischen Union (EU) und in den internationalen Beziehungen erschwert entschiedenes Handeln. Doch in unserer gegenwärtigen Welt ist die Verbesserung nationalen Wohlergehens ohne eine globale Perspektive nicht mehr vorstellbar. Interdependenzen und Wechselwirkungen prägen das 21. Jahrhundert mehr denn je: zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern; zwischen steigenden Wohlfahrtsniveaus und Umweltbelastungen, die die Stabilität des Erdsystems gefährden; zwischen sozialer, ökonomischer und politischer Teilhabe in nationalen Gesellschaften einerseits und internationaler Stabilität, Sicherheit und Zusammenarbeit andererseits. Politik für nachhaltige Entwicklung muss all dies berücksichtigen und ist auf internationale Kooperation angewiesen. Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und ihren 17 Nachhaltigkeitszielen haben wir dafür seit 2015 einen international vereinbarten Handlungsrahmen. Es geht um mehr als die bloße Summe von nationalen Interessenkonstellationen und Gemeinwohlvorstellungen in Europa oder weltweit. Die Agenda gibt globale Orientierung, um angemessene Antworten auf die gegenwärtigen Herausforderungen zu geben, von der Verringerung von Armut und Ungleichheiten, über den Schutz von Biodiversität und Klima bis hin zur Beendigung von Kriegen, von Flucht und Vertreibung. Die Klimakonferenz in Katowice hat wichtige Fortschritte für die Umsetzung des Pariser Klima-Übereinkommens erreicht. Sie hat gezeigt, dass die internationale Klima-Kooperation lebt, gemeinsam getragen von Regierungen, Städten, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. 2019 werden diese Herausforderungen prominent auf der politischen Agenda der EU und der Vereinten Nationen stehen. Im Vorfeld der Wahlen für das Europäische Parlament werden sich die politischen Parteien und ihre Wählerinnen und Wähler nicht nur darüber verständigen müssen, wie Wohlstand und Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt zusammengedacht werden, sondern auch darüber, wieviel globale Verantwortung zu einem lebenswerten Europa heute gehört und wie diese ausbuchstabiert werden muss. Der Einfluss des Parlaments wurde 2009 mit dem Vertrag von Lissabon gestärkt und ein zukunftsstarkes Europa braucht eine breite Wahlbeteiligung, die seinen lebendigen demokratischen Kern abbildet. Die Vereinten Nationen veranstalten im September 2019 zwei Gipfeltreffen zum Klimaschutz und zur Überprüfung der Umsetzung der Agenda 2030. Hier sind die Staats- und Regierungschefs gefordert. Diese Gipfel und ihre Themen müssen zusammen gedacht und aufeinander bezogen werden, um keine falschen Konkurrenzen aufkommen zu lassen und schnelleres Handeln zu ermöglichen. Der jüngste Sonderbericht des Weltklimarates zeigt, dass eine ambitionierte Umsetzung der 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung die Anpassungs- und Minderungslasten für den Klimaschutz verringern kann. Soziale Gerechtigkeit ist ein Kernanliegen der Agenda 2030 und befördert die Umsetzung klimapolitischer Transformationspfade. Auch in einer Welt mit 1,5°C Klimaerwärmung steigen die Risiken, aber es besteht eine größere Chance, in vielen Bereichen nachhaltiger Entwicklung voran zu kommen. Der letzte New Climate Economy Report unterstreicht daher die positiven Wechselwirkungen zwischen schneller technologischer Innovation, Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen und erhöhter Ressourcenproduktivität liegen. Der Bericht „Better business – better world“ zeigt, dass mit Investitionen in die Nachhaltigkeitsziele 380 Millionen neue Jobs bis 2030 geschaffen werden könnten, ein Großteil davon in Afrika. 2019 wird ein gutes Jahr, wenn wir es nutzen, um der Verunsicherung in und zwischen unseren Gesellschaften zu begegnen. Die Europawahlen im Mai und die Gipfel der Vereinten Nationen im September bieten dafür in besonderer Weise Gelegenheit.
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The relevance of environmental research for development studies

11. Januar 2019 - 11:48
A major motive of development studies is to understand the root causes of poverty and its reproduction and how social inequalities emerge and are stabilized. Most research on social inequalities today largely ignores the environmental dimension of changes in human development. Recent environmental research shows that the cumulative environmental impacts of human activity are likely to make the earth uninhabitable for the human species. Future strategies for ensuring human prosperity at global level will thus require considerable investment in research that improves understanding of the social practices, rules and institutions, and power relations that define human use of nature and the dynamics of its transformation. Social environmental research thus offers insights that are crucial for development studies in the 21st century.
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Wie die EU-Migrationspolitik transnationale Entwicklung fördern kann

9. Januar 2019 - 16:16
Innerhalb der Europäischen Union (EU) sowie zwischen der EU und afrikanischen Staaten finden intensive politische Debatten über Migrationspolitik statt. Obwohl diese beiden Prozesse oft getrennt analysiert werden, stehen sie miteinander in Verbindung. Dieses Papier basiert auf Interviews mit Ver¬tretern europäischer und afrikanischer Staaten sowie Regionalorganisationen und auf der Analyse politischer Dokumente. Es kommt zu dem Schluss, dass inneneuropäische Verhandlungen die Zusammenarbeit zwischen der EU und Afrika in zweierlei Hinsicht behindern. Erstens wird die verstärkte Fokussierung auf Grenzkontrollen von der internen auf die externe Dimension der EU-Migrationspolitik übertragen. Zweitens wird Migrationspolitik eng gefasst, was transnationaler Entwicklung im Wege steht.
Inneneuropäische Debatten und Aushandlungsprozesse beeinflussen EU-Afrika-Kooperation. Die zunehmende Fokussierung auf Grenzkontrollen steht der Einführung einer Politik im Wege, welche das Potenzial der Migration für transnationale Resilienz und Entwicklung fördern könnte. Deshalb ist eine Überwindung inneneuropäischer Differenzen eine Voraussetzung für nachhaltige EU-Afrika-Kooperation und für eine Unterstützung afrikanischer Migrant/innen als Akteure, die zu transnationaler Entwicklung beitragen können.
Es gibt zwei wichtige Erkenntnisse, die die Kommission und die Mitgliedstaaten aus ihren Schwierigkeiten ziehen können, eine gemeinsame Migrationspolitik zu definieren. Erstens sollten sie die Herausforderung angehen, nationale und transnationale Kompetenzen neu auszurichten. Zweitens sollten sie die Bedürfnisse von Bürgerinnen und Bürgern sowohl in Europa als auch in Afrika besser berücksichtigen.
Insbesondere sollten die EU und ihre Mitgliedstaaten:
  • Sich auf die interne Dimension der EU-Migrationspolitik konzentrieren und die derzeitige Aufteilung von nationalen und EU-transnationalen Kompetenzen neu ausrichten. Dies ist notwendig, um die Zuständigkeitskonflikte zu beseitigen, welche momentan den Verhandlungen über eine gemeinsame Politik im Wege stehen. Insbesondere sollten sie die Möglichkeit untersuchen, einige derzeit nationale Kompetenzen auf die EU zu übertragen, zum Beispiel durch die Schaffung einer EU-Agentur für Arbeitsmigration im Rahmen eines Pilotprojekts.
  • Effektive Mechanismen für die Teilung der Verantwortung innerhalb der EU einführen, zur Gewähr¬leistung des freien Personenverkehrs innerhalb des Schengen-Raums. Als Teil einer Reform der Dublin-Verordnung sollten sie insbesondere für ein System zur Umsiedlung der Flüchtlinge und Migranten sorgen, das auf Anreizen und Sanktionen beruht.
  • Die Bedürfnisse von jungen und gering qualifizierten europäischen Arbeitern sowie von europäischen Arbeiter/innen mit Migrationshintergrund besser berücksichtigen, indem sie mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds Beschäftigung, Arbeitsplatzsicherung und Arbeitnehmerrechte fördern.
Politische Maßnahmen einführen, die das Potenzial von Migration für transnationale Entwicklung unterstützen. Für die Umsetzung dieser Politik sollte der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) 2021–2027 angemessene Mittel vorsehen. Insbesondere sollten derartige Maßnahmen selbstbestimmte Strategien von afrikanischen Migrant/innen unterstützen, wie zum Beispiel zirkuläre Mobilität und den Transfer von Rücküberweisungen.


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Towards a borderless Africa? Regional organisations and free movement of persons in West and North-East Africa

9. Januar 2019 - 13:39
The vision of a united Africa and the rejection of the arbitrary borders created by European colonial powers have for decades been at the heart of pan-African endeavours. Achieving the free movement of persons on the continent was a key aim of the 1991 Abuja Treaty, which established the African Economic Community (AEC). And in the ensuing decades, this goal was under¬scored in agreements on African economic integration and in the African Union (AU)’s Agenda 2063. In January 2018, the member states of the AU finally agreed on the Protocol to the Treaty Establishing the African Economic Community Relating to Free Movement of Persons, Right of Residence and Right of Establishment.
The continental agendas state that the process of implementing free movement must begin with Africa’s sub-regions. This is not least due to historical reasons. The Economic Community of West African States (ECOWAS) was a pioneer in this regard, with its Free Movement Protocol dating back to 1979. The years that followed saw the free movement of persons integrated into other African regionalisation processes as well. The East African Community (EAC), for instance, has agreed, at least in part, on far-reaching steps; other sub-regions (such as the North African Intergovernmental Authority on Develop¬ment (IGAD)) are currently working towards relevant accords.
The present analysis of ECOWAS (West Africa) and IGAD (North-East Africa) shows that both regional organisa¬tions face difficulties with their free movement policies, though the respective challenges emerge in different phases of the political process. In the IGAD region, member states have so far been unable to agree on any free movement treaty, while the ECOWAS region is experiencing delays in the national and subnational implementation of established legislation. These differences can primarily be explained by historic path dependencies, divergent degrees of legalisa¬tion, and differing interests on the part of subregional powers. Finally, regional free movement is being hampered in both regions by internal capacity issues and growing external influences on intra-African migration management and border control.
From the perspective of development policy, it is expedient to support free movement at subregional level in Africa. The following recommendations arose from the analysis:
  • Promote regional capacities: Personnel and financial support should be provided to regional organisations to assist them with formulating free movement standards and implementing them at national and subnational level.
  • Harmonise security and free-movement policies: European initiatives on border control and migration management must provide greater support for free movement rather than inhibit intraregional migration and free movement policies.
  • Offer cross-sectoral incentives: The German Government and the European Union should encourage progress with the regionalisation of free movement regimes in related areas of cooperation.
In order to effectively implement the recommendations, it is also important to recognise and flesh out the role of regional organisations at global level as well.

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Wiley interdisciplinary reviews: climate change

4. Januar 2019 - 1:48
Sustainable Development Goals and the Paris Agreement stand as milestone diplomatic achievements. However, immense discrepancies between political commitments and governmental action remain. Combined national climate commitments fall far short of the Paris Agreement's 1.5/2°C targets. Similar political ambition gaps persist across various areas of sustainable development. Many therefore argue that actions by nonstate actors, such as businesses and investors, cities and regions, and nongovernmental organizations (NGOs), are crucial. These voices have resonated across the United Nations (UN) system, leading to growing recognition, promotion, and mobilization of such actions in ever greater numbers. This article investigates optimistic arguments about nonstate engagement, namely: (a) “the more the better”; (b) “everybody wins”; (c) “everyone does their part”; and (d) “more brings more.” However, these optimistic arguments may not be matched in practice due to governance risks. The current emphasis on quantifiable impacts may lead to the under‐appreciation of variegated social, economic, and environmental impacts. Claims that everybody stands to benefit may easily be contradicted by outcomes that are not in line with priorities and needs in developing countries. Despite the seeming depoliticization of the role of nonstate actors in implementation, actions may still lead to politically contentious outcomes. Finally, nonstate climate and sustainability actions may not be self‐reinforcing but may heavily depend on supporting mechanisms. The article concludes with governance risk‐reduction strategies that can be combined to maximize nonstate potential in sustainable and climate‐resilient transformations.
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A research roadmap for quantifying non-state and subnational climate mitigation action

19. Dezember 2018 - 15:06
Non-state and subnational climate actors have become central to global climate change governance. Quantitatively assessing climate mitigation undertaken by these entities is critical to understand the credibility of this trend. In this Perspective, we make recommendations regarding five main areas of research and methodological development related to evaluating non-state and subnational climate actions: defining clear boundaries and terminology; use of common methodologies to aggregate and assess non-state and subnational contributions; systematically dealing with issues of overlap; estimating the likelihood of implementation; and addressing data gaps.
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Unbundling the impacts of economic empowerment programmes: evidence from Malawi

19. Dezember 2018 - 7:52
Social protection schemes, such as cash transfers are effective in improving the ability of beneficiaries to meet their basic needs: however, the evidence available shows that they are unlikely to move beneficiaries sustainably out of extreme poverty. While alternative anti-poverty programmes, such as the BRAC graduation scheme in Bangladesh, seem to contribute to this outcome, they are costly and it is unclear which component of these multi-sectorial interventions really makes the difference. The present study assesses the impacts of an innovative pilot project called the Tingathe Economic Empowerment Project (EEP) in Malawi, designed by GIZ. The project targets ultra-poor and labour-constrained households. Designed as a cluster-randomised-control-trial, it provides to different village clusters a) a lump-sum transfer; b) financial and business training; or, c) both a lump-sum transfer and training. Furthermore, the project incorporated the feature that beneficiaries were allowed to appoint someone to carry out project-related activities on their behalf (the proxy), which could be of particular relevance to labour-constrained households. The main goal of the project was to position beneficiaries on a “graduation pathway”, that is, to provide them with the necessary resources with which to improve their well-being significantly and to lay the foundation for escaping poverty and their dependence on social assistance. Our study has three main objectives: 1) to investigate the impacts of the overall project and of each of the three project components on several outcomes; 2) to verify whether project impacts differ significantly between households that satisfy all the criteria to be defined as “labour-constrained” and those that do not; 3) to assess the impacts of the proxy, and whether labour-constrained households benefited from this option in particular. In order to reach these objectives, we relied on the cluster-randomised-control-trial design and collected longitudinal information for 786 households (nearly 85 in each project component and 530 in the control group) before and after the implementation of the EEP. Our results show that the project had substantial positive impacts, in particular on financial literacy, savings, loans, livestock wealth, agricultural production, and drought resilience. Impacts on the first three outcomes are entirely driven by the financial and business training. The lump-sum played a fundamental role in increasing livestock wealth and drought resilience, while the training in combination with the lump-sum were responsible for improving agricultural production. A key finding was that the training systematically increased the productive use of the transfer. However, longer-term impact assessments are needed to verify whether these improvements will translate into the beneficiaries’ graduation out of poverty. Regarding the second objective, we find that results do not differ between labour-constrained and non-labour-constrained households. This finding provides initial evidence that poor and labour-constrained households can indeed benefit from an economic empowerment project and casts some doubt on the common view that labour-constrained households will always need to depend on social assistance. Regarding the third objective, our findings point to the crucial role that active proxies play in enabling most of the project impacts. In particular, we find that an active proxy is a powerful enabler for productive activities. The larger benefits accrue to labour-constrained households. This highlights that proxies can be an important part of more inclusive economic empowerment programmes that also can include labour-constrained households.
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First peace, then democracy? Evaluating strategies of international support at critical junctures after civil war

18. Dezember 2018 - 18:01
Existing research suggests that democratization can run counter to building peace in post-conflict contexts. This article analyses the effect of two competing strategies that external actors use to address the conflict of objective between democracy and peace: prioritization and gradualism. The prioritization approach advises sequencing, which means postponing support for democratization and concentrating first on peace in terms of the absence of violent conflict. The gradualist approach promotes peace and democracy simultaneously. This article offers a systematic analysis of these two prominent donor strategies. To this end, it focuses on two critical junctures in two similar post-conflict settings (Burundi and Nepal). Drawing upon extensive field research, the analysis shows that a gradualist approach is not more risk-prone than a prioritization strategy. To the contrary, the analysis suggests that even in most fragile contexts, gradualism can help to foster peace. Prioritization, in turn, may also contribute to the instability it aimed to prevent. Two factors condition the effect of the selected strategy on peace: which dimensions of democracy are affected and to what degree, and whether the institutional context reinforces or counteracts this trend.
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Was das Ergebnis der COP24 bringt

17. Dezember 2018 - 15:25
Bonn, 18.12.2018. Geschafft! Die Klimakonferenz von Katowice (COP24) hat tatsächlich das Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Abkommens von 2015 geliefert. Damit hat sie ihr wichtigstes Ziel erreicht. Hätten sich die 197 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) nicht auf Umsetzungsregeln geeinigt, wäre das Pariser Abkommen auf reine Symbolpolitik reduziert worden. Die Aushandlung und Annahme des Regelwerks war keine triviale Angelegenheit. Entsprechend groß ist die Erleichterung bei allen, die sich für eine effektive globale Klimapolitik einsetzen. Der Multilateralismus wurde in den beiden Konferenzwochen auf eine harte Probe gestellt. Auch wenn diese insgesamt gut endete, ist deshalb nicht alles gut. Einige Streitfragen wurden schlichtweg auf künftige Verhandlungen verschoben. Dazu gehören insbesondere Regeln für die politische Steuerung der Kohlenstoffmärkte und Antworten auf den Umgang mit klimabedingten Verlusten und Schäden, die weitere Fragen zur Klimafinanzierung aufwerfen. Zudem dürften atmosphärische Verwerfungen der Verhandlungsrunde von Katowice über die COP24 hinaus nachwirken. Die Schwierigkeiten bei der Aushandlung des Regelwerks spiegeln ein internationales Klima wider, das für eine ambitionierte Klimapolitik weit weniger günstig ist als noch 2015. Ungeachtet der globalen Bedrohung eines unkontrollierbaren Klimawandels, ist weltweit ein engstirniger Nationalismus auf dem Vormarsch. Die USA haben bereits angekündigt, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen; Brasilien hat nach dem jüngst vollzogenen Machtwechsel sein Angebot zurückgezogen, die nächste COP auszurichten. Unterdessen kämpfen selbsternannte Klima-Pioniere mit ihren Hausaufgaben. Frankreichs Plan zur Besteuerung von Kraftstoffen wurde durch die gewaltsamen Proteste Proteste der „Gelbwesten“ durchkreuzt; in Deutschland verkündete die sogenannte „Kohlekommission“ kurz vor Katowice, ihr Ergebnis nun doch erst 2019 vorzulegen. Und eine illustre Runde ölexportierender Länder – die USA, Saudi-Arabien, Russland und Kuwait – brachte die Verhandlungen fast zum Stillstand, in dem sie sich hartnäckig weigerte, die Ergebnisse des Sonderberichts des Weltklimarats (IPCC) zum 1,5°C-Ziel zu „begrüßen“ und damit ideologische Gräben wieder aufriss, die durch das Pariser Abkommen überwunden schienen. All dies zu einer Zeit, in der nicht nur der IPCC sehr deutlich herausgearbeitet hat, dass jeder Zehntel Grad der globalen Erwärmung bedeutsam ist und sich das Zeitfenster für angemessene Klimaschutzmaßnahmen rasch schließt. Gleichzeitig legte die Global Commission on the Economy and Climate überzeugend dar, dass Kohleausstieg und Investitionen in klimafreundliche Technologies enorme Wachstumschancen und Entwicklungsimpulse bieten. Die sowohl von den Klima- als auch von Wirtschaftsexperten vorgelegten Befunde dürften noch an Bedeutung gewinnen, sofern ihre Kernbotschaften zu einer breiteren Öffentlichkeit und den Wählerschaften durchdringen. Auf jeden Fall hat COP24 das benötigte Regelwerk geliefert und der Multilateralismus damit ein deutliches Lebenszeichen gegeben. Viele haben daran mitgewirkt. Der polnische COP-Präsident Michał Kurtyka und sein Vorgänger Frank Bainimarama von Fidschi mit vereinten Kräften im Rahmen des Talanoa-Dialogs, der mit einem beschwörenden Aufruf zum Handeln endete. UN-Generalsekretär António Guterres demonstrierte außergewöhnliche Führungsstärke, indem er in Katowice wiederholt persönlich intervenierte. Die EU, Kanada, Neuseeland und eine Reihe von Entwicklungsländern haben ihre in Paris bewährte High Ambition Coalition erfolgreich wiederbelebt, um die festgefahrenen Verhandlungen voranzubringen. Hierzu trugen auch die Ankündigungen Deutschlands und Norwegens bei, ihre jeweiligen Zusagen an den Grünen Klimafonds zu verdoppeln – eine wichtige Finanzierungsquelle für den Klimaschutz in Entwicklungsländern. Dies gilt ebenso für nichtstaatliche und subnationale Klimaschutzmaßnahmen. Deren wachsende Bedeutung wird im Jahrbuch „Global Climate Action“, das während der COP24 veröffentlicht wurde, bestätigt. Narrative wie das einer „New Climate Economy“ leben von Beispielen wie den etwa 400 Investoren, die zusammen Vermögenswerte von 32 Billionen US-Dollar verwalten und sich zur Abkehr von fossilen Energien verpflichtet haben. Nicht zuletzt rauften sich am Ende die USA und China zusammen, um gemeinsam an einer allgemein akzeptablen Methodik für die Berichterstattung über Emissionen und Klimaschutzmaßnahmen zu arbeiten. Dies war entscheidend für die Lösung einiger der hartnäckigsten Probleme, die dem Regelwerk bis zum Ende im Weg standen: die Berichtspflichten hinsichtlich der Senkung von Treibhausgasemissionen und die Transparenz entsprechender Finanzströme. Der nächste wichtige Meilenstein nach Katowice ist nun der der VN-Klimagipfel in New York im September 2019. Er wird der Welt einen guten Ausblick geben, welche Länder bereit sind, ihren Worten bis zur nächsten COP in Chile im November 2019 Taten folgen zu lassen. Die Chancen zur Begrenzung des Klimawandels hängen schlussendlich davon ab, was die Länder zu Hause tun oder lassen – und weniger von den Konferenzsälen. Dies gilt insbesondere auch für Deutschland. Die Ankündigung, den Beitrag zum Grünen Klimafonds bis 2020 auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln, wurde zwar zu Recht als Erfolgsfaktor für COP24 gelobt, aber der Preis für Untätigkeit zu Hause würde sehr viel höher ausfallen.
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Making sense of COP24

17. Dezember 2018 - 15:04
It is done! The Katowice climate change conference (technically referred to as COP24) finally delivered the rulebook that will guide the implementation of the 2015 Paris Agreement. It has thus reached its single-most important objective. Indeed, the Paris Agreement would have been reduced to mere symbolism, had the 197 parties to the UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) failed to agree on how to implement it. Adopting the rulebook was no mean feat. Its warrants a collective sigh of relief by all who care for effective global climate governance. All the same, the past two weeks saw multilateralism put to the test. While the test ended well overall, not all is well however. Some contentious issues have been pushed to future negotiations. These include new rules to govern carbon markets and international responses to loss and damage associated with climate change, which entail yet more questions about climate finance. Atmospheric repercussions of the Katowice proceedings, too, are likely to be felt well beyond COP24. The difficulties to hammer out the rulebook reflect an international climate that is less favourable to ambitious climate governance than in 2015. In spite of the prospect of unmanageable global warming, self-centered nationalism appears on the rise all over the world. The USA have touted to pull out of the Paris Agreement; Brazil withdrew its offer to host the next COP, reflecting recent political changes. Meanwhile, self-declared climate champions struggle with their homework. France saw its plan to introduce fossil fuel taxes brought to a halt by violent protests; in Germany, a “structural change commission” – mandated to broker the end of coal – postponed its conclusion to 2019 in the immediate run up to COP24. And a motley crew of major oil-exporting countries – the USA, Saudi Arabia, Russia and Kuwait – all but brought negotiations to a halt by stubbornly refusing to “welcome” the findings of the Intergovernmental Panel on Climate Change’s Special Report on 1.5°C of global warming as they resorted to ideological trenches that were meant to be overcome by the Paris Agreement. All this at a time when not only the IPCC elaborated very clearly, that every tenth of a degree of global warming matters significantly and that the window of opportunity for commensurate climate action is rapidly closing. The Global Commission on the Economy and Climate at the same time made a compelling case for the enormous growth opportunities and development co-benefits associated with phasing out coal and investing in climate-friendly technologies. The evidence presented by both the IPCC and the economic experts may yet gain traction as their dual messages of risk and opportunity are transpiring to a broader public and, indeed, electorates. In any case, COP24 delivered the required rulebook, thereby sending an unmistakable sign of life from one of the most salient multilateral processes. Many may claim credit for this demonstration of resolve. The Polish COP-President Michal Kurtyka joined forces with his predecessor Frank Bainimarama of Fiji by means of the Talanoa Dialogue, which concluded in an imploring Call for Action. The UN Secretary-General, Antonio Guterres, also exerted high-level leadership through recurrent personal interventions throughout the Katowice conference. The EU, Canada, New Zealand and a number of developing countries revived their High Ambition Coalition, proved and tested in Paris, to overcome negotiation deadlocks. Concomitantly, Germany’s and Norway’s announcements to double their respective pledges to the Green Climate Fund, a major source of climate finance for developing countries, also helped to nudge negotiations forward. Non-state and subnational climate action has also proved conducive. Their increasing significance has been recognised by the Yearbook of Global Climate Action, that was launched during COP24, and it substantiates narratives like that of a “New Climate Economy.” Some 400 investors that between them manage assets of US-$ 32 trillion committing themselves to divest from fossil energy is but one point in case. Not least, the US and China eventually worked together to develop a commonly acceptable methodology for the reporting of emissions and climate policies. Arguably, this was key to solving some of the most tenacious issues that had been standing in the rulebook’s way, the reporting of greenhouse gas reductions and the transparency of financial flows. After Katowice, the next major milestone to look for is the UN Climate Summit in New York in September 2019. It provides the world with a good outlook of which countries are ready to walk the talk before the next COP meets in Chile in November 2019. Indeed, the prospects of limiting dangerous climate change depend on what countries do or do not do at home rather than at conference halls. This also applies to Germany. While its announcement to double its contribution to the Green Climate Fund to EUR 1.5 billion by 2020 has been rightfully praised as a building block of success at COP24, the price tag for domestic inaction would soon prove much higher.
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Industrial policy in Morocco and its potential contribution to a new social contract

17. Dezember 2018 - 12:32
Similar to other countries in North Africa, Morocco’s economic model finds itself at a crossroads. The uprisings and subsequent revolutions in many Arab countries in the wake of the 2011 “Arab Spring” have shown that the social contract prevailing in the Middle East and North Africa (MENA) has ultimately failed. Although to varying degrees, the states of the region find themselves in need of redefining their relationships with society and developing long-term strategies to better meet the demands of their constituents. We argue that industrial policy can provide a valuable contribution to establishing a new and better social contract by addressing economic problems, such as job creation and growth, as well as by paving new ways of collaboration between government, business and non-business actors, and thus higher inclusion. This, we argue, can be achieved if key criteria related to embedded autonomy, specifically extensive cooperation across stakeholders, as well as monitoring and evaluation of outcomes are fulfilled. Our findings suggest that the policy-making process in Morocco is becoming systemic in nature, values dialogue with the private sector, and places a stronger focus on industrialisation through dynamic competitive advantage, which might set it apart from other countries in the region. However, some hurdles still need to be appropriately addressed, most particularly to satisfy the second criteria of monitoring and evaluation, which still exhibits major shortcomings, but also concerning deeper inclusion and a more systematic implementation. Yet, although challenges remain, Morocco has taken a promising direction towards addressing the weaknesses of previous policies. If the identified weaknesses are addressed, industrial policy might well prove itself as valuable contribution to a new social contract within the country.
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Afrika ohne Grenzen? Regionalorganisationen und Personenfreizügigkeit in West- und Nordostafrika

17. Dezember 2018 - 9:09
Die Vision eines vereinten Afrikas und die Ablehnung der durch die europäischen Kolonialmächte willkürlich gezogenen Grenzen bilden seit Jahrzehnten einen festen Bestandteil panafrikanischer Bestrebungen. Bereits im Abuja-Vertrag aus dem Jahr 1991, durch den die Afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (African Economic Community, AEC) gegründet wurde, bildete das Erreichen kontinentaler Personenfreizügigkeit ein zentrales Ziel. In den Jahrzehnten darauf wurde es in Abkommen zur afrikanischen Wirtschaftsintegration oder in der Agenda 2063 der Afrikanischen Union (AU) bekräftigt. Im Januar 2018 einigten sich die Mitgliedstaaten der AU schließlich auf das AU-Protokoll zur Freizügigkeit von Personen und zum Recht auf Aufenthalt und Niederlassung. Den kontinentalen Agenden zufolge soll die Umsetzung von Freizügigkeit bei den afrikanischen Subregionen ansetzen. Dies ist nicht zuletzt in deren Historie begründet. So hat die Economic Commmunity of West African States (ECOWAS) mit ihrem Free Movement Protocol schon 1979 Pionierarbeit geleistet. In den folgenden Jahren wurde Personenfreizügigkeit auch in andere afrikanische Regionalisierungsprozesse integriert. So hat sich die East African Community (EAC) zumindest in Teilen auf weitreichende Schritte geeinigt; andere Subregionen (bspw. die nordostafrikanische Intergovernmental Authority on Development, IGAD) arbeiten aktuell auf entsprechende Abkommen hin. Eine Untersuchung des DIE am Beispiel der westafrikanischen ECOWAS und der nordostafrikanischen IGAD zeigt: beide Regionalorganisation haben Schwierigkeiten mit ihren Freizügigkeitspolitiken. Allerdings zeigen sich diese in unterschiedlichen Phasen des politischen Prozesses. In der IGAD-Region konnten sich die Mitgliedstaaten bislang noch auf kein Freizügigkeitsabkommen einigen, dagegen verzögert sich in der ECOWAS-Region die nationale und subnationale Umsetzung formal etablierter Gesetze. Diese Unterschiede lassen sich insbesondere durch historische Pfadabhängigkeiten, divergierende Legalisierungsgrade sowie abweichende Interessenlagen subregionaler Mächte erklären. Schließlich wirken in beiden Regionen interne Kapazitätsprobleme und die wachsende externe Einflussnahme auf innerafrikanische Migrations- und Grenzkontrolle regionaler Freizügigkeit entgegen. Aus entwicklungspolitischer Sicht ist die Unterstützung afrikanischer (sub-)regionaler Freizügigkeit sinnvoll. Folgende Empfehlungen resultieren aus der Analyse:
  • Regionale Kapazitäten fördern: Regionalorganisationen sollten sowohl bei der Formulierung von Freizügigkeitsnormen als auch ihrer Umsetzung auf nationaler und subnationaler Ebene personell und finanziell unterstützt werden.
  • Sicherheits- und Freizügigkeitspolitiken harmonisieren: Europäische Initiativen im Bereich Grenzschutz oder Migrationsmanagement dürfen intraregionale Migration und Freizügigkeitspolitiken nicht unterbinden, sondern müssen Freizügigkeit stärker unterstützen.
  • Sektorübergreifende Anreize bieten: Die Bundesregierung und die Europäische Union sollten Fortschritte bei der Regionalisierung von Freizügigkeitsregimen auch in anderen Bereichen der Zusammenarbeit anregen.
Um die Empfehlungen umzusetzen, ist es darüber hinaus wichtig, die Rolle von Regionalorganisationen auch auf globaler Ebene anzuerkennen und zu konkretisieren.
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Seeking balanced ownership in changing development cooperation relationships

14. Dezember 2018 - 9:28
According to the Paris Declaration and the 2030 Agenda, ownership is a prerequisite for effective development cooperation. How can the principle of ownership be promoted in today’s complex development cooperation, in which the numbers of actors have increased?  
This is the subject of the Expert Group for Aid Studies report Seeking balanced ownership in changing development cooperation relationships. The report contains two country case studies – on Liberia and Rwanda – as well as interviews with the Swedish International Development Cooperation Agency (Sida) and the Ministry for Foreign Affairs, and studies on documents concerning ownership in a Swedish development cooperation context.  
The authors note that ownership remains relevant as a guiding principle in international development cooperation. The trend from country-to-country cooperation to various forms of support through UN bodies and specialised global funds has created new conditions and competing interests for ownership. An understanding of ownership and how it can be promoted in the complex reality of today needs to be thoroughly re-examined.  The study recommends the following: 1. Starting a discussion within the OECD-DAC on effective development cooperation that has global ownership right up to the end of the process. 2. Establishing an international code of conduct in accordance with agreed ownership principles concerning development cooperation funding to and via UN bodies and global funds. 3. Sweden should formulate an explicit policy and approach for how to promote ownership in development cooperation that includes numerous partners.
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Supporting peace after civil war: what kind of international engagement can make a difference?

13. Dezember 2018 - 14:53
peacekeeping can be an effective instrument in maintaining peace, but little systematic knowledge exists on the roles that other types of peace support can play. International peacebuilding encompasses a broad range of activities beyond peacekeeping. It includes non-military support to increase security through disarmament, demobilisation, the reintegration (DDR) of former combatants, as well as security sector reform (SSR) and demining; support for governance to strengthen political institutions and state capacity; support for socioeconomic development to create a peace dividend through reconstruction, basic services, jobs and macroeconomic stability; and support for societal conflict transformation, including reconciliation, dialogue and transitional justice programmes.
This briefing paper presents the results of a comprehensive analysis of disaggregated external support in post-conflict situations, undertaken recently within the DIE research project “Supporting Sustainable Peace”. Analysing combinations of peace support provided during the first five years of 36 post-civil war episodes since 1990, we find that international peacebuilding can clearly make a difference. More specifically, our findings show that
  • international peacekeeping is one, but not the only, means of support associated with sustained peace;
  • contrary to concerns regarding the destabilising effects of democratisation, the majority of successful cases are in fact characterised by substantial international support in the field of politics and governance in democratising contexts;
  • only combined international efforts across all types of support can help prevent renewed conflict in contexts of a high risk of recurrence; and
  • countries that did not receive any substantial peace support experienced conflict recurrence within five years.
In light of these findings, we recommend the following to the international community when faced with post-civil war situations:
  • Engage substantially in post-conflict countries. Our results show that international peacebuilding can be effective, even where there is a high structural risk of conflict recurrence. While success will never be guaranteed, countries that receive substantial international support often remain peaceful, whereas all countries that were neglected by the international community experienced conflict recurrence.
  • Pay particular attention, and provide substantial support, to the field of politics and governance in post-conflict countries that begin to democratise. While it is well known that democratisation processes are conflict prone, our analyses demonstrate that donor engagement geared towards supporting such processes can help mitigate conflict and contribute to peace. When a post-conflict country has decided to embark on political reforms donors should offer governance support to help overcome potential destabilising effects of democratisation processes.
  • Invest in an international approach that encompasses all areas of peacebuilding early on after the end of a civil war. Especially in contexts with a high structural risk of renewed violent conflict, the chances of sustained peace are increased by simultaneous support for security, institutions, livelihoods and societal conflict transformation.


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