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Aktualisiert: vor 5 Stunden 39 Minuten

„Ich bin kein Niemand!“

18. Februar 2019 - 14:32
Im Dezember haben die Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei und Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana eine Rundreise quer durch Deutschland unternommen. Im Gespräch mit Kakao-Referentin Evelyn Bahn berichten die beiden über ihre Eindrücke von Deutschland, den Kontakt mit Verbraucherinnen und Verbrauchern und über ihren Kampf für höhere Kakaopreise. —  Evelyn: Ihr wart im Dezember auf Rundreise durch Deutschland und habt Menschen in Berlin, Oldenburg, Speyer und Tübingen getroffen. Was werdet Ihr von diesen Begegnungen in Erinnerung behalten? Sandra: Ich habe damit gerechnet, dass sich die Leute hauptsächlich für das Endprodukt interessieren – also die Schokolade. Aber sie waren wirklich am Wohlergehen der Kakaobauernfamilien und an der Situation in Ghana interessiert. Viele wollten wissen, was VerbraucherInnen tun können, damit sich die Situation der Menschen in Ghana verbessert. Besonders über ihre eigene Rolle und Verantwortung wollten sie viel erfahren. Dieses große Interesse macht mir Mut. Elizabeth: Für mich war es eine wichtige Erfahrung, über mein Leben in Ghana vor großem Publikum zu berichten. In Tübingen waren wir zum Beispiel bei einem Schokoladenfestival. Die Größe der Veranstaltung hat mich sehr beeindruckt. Es waren unglaublich viele Menschen aus der ganzen Welt dort. Und trotzdem fiel es mir am Ende der Tour viel leichter, von mir zu erzählen. Ich hatte einfach genug Übung bekommen. Und nebenbei: Ich habe dort zum ersten Mal eine heiße Schokolade getrunken – hat gut geschmeckt! — 

Ghana ist der zweitgrößte Kakaoproduzent weltweit. 20 Prozent des Kakaos stammen aus dem westafrikanischen Land. Die Existenz von einer Million Kakaobauern und -bäuerinnen und ihren Familien hängt an der braunen Bohne. Elizabeth Osei Agyei (links) und Sandra Kwabea Sarkwah fordern deshalb, den Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern endlich zu stärken. Jetzt spenden! —  Warum habt ihr diese Aufklärungstour überhaupt gemacht? Sandra: Die Mehrheit der Kakaobauernfamilien lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wir wollten VerbraucherInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen der Schokoladenindustrie in Deutschland über die Lebenssituation von Kakaobauernfamilien informieren – und so ein Bewusstsein dafür schaffen, dass mit dem jetzigen Kakaopreis ein Leben in Würde nicht möglich ist. Eure Forderung ist also ein höherer Preis für die Kakaobohnen. Wenn Kakao teurer wird, müssen wir in Deutschland aber auch mehr für Schokolade bezahlen, oder? Elizabeth: Jedes Jahr werden die Preise für Lebensmittel und andere Waren in Ghana teurer. Aber wir bekommen nicht mehr Geld für unsere Kakaobohnen. Wenn die VerbraucherInnen mehr für die Schokolade bezahlen würden, würden uns die Unternehmen hoffentlich einen besseren Preis geben. Sandra: Das hoffe ich auch. Aber wenn die VerbraucherInnen mehr zahlen, dann muss auch sichergestellt werden, dass das Geld bei den Bauern und Bäuerinnen ankommt. Was sollten VerbraucherInnen eurer Meinung nach tun? Sandra: VerbraucherInnen müssen ihre Stimme gegenüber der deutschen Regierung erheben und verbindliche Regeln für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte einfordern. Bisherige freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht aus. Damit der Kakaosektor gerechter wird und sich die Lebensbedingungen der Bauern und Bäuerinnen verbessern, brauchen wir Verbindlichkeit. Hier sind die VerbraucherInnen in Deutschland auch als BürgerInnen gefragt. In Ghana wird der Kakaosektor durch eine staatliche Behörde reguliert, das Ghana Cocoa Board (Cocobod). Es gibt den Vorwurf, dass innerhalb des Cocobod das Geld in privaten Taschen verschwindet. Stimmt das? Sandra: Das große Problem des Cocobod ist die fehlende Transparenz: Wir wissen nicht, wie viel Geld es wofür ausgibt. Interessanter als die Frage der Veruntreuung ist also die Frage, wie das Geld tatsächlich verteilt wird. Kakaobauern und -bäuerinnen in Ghana erhalten ungefähr 70 Prozent des Verkaufspreises. Was passiert aber mit den verbleibenden 30 Prozent? Das Cocobod bezahlt davon den Transport und andere logistische Aufgaben, die Verteilung von Pestiziden und Düngemitteln und die Gehälter seines Personals. Aber was genau wo hingeht, das wissen die Kakaobäuerinnen und -bauern nicht. Sie haben aber ein Recht darauf, zu erfahren, was damit passiert – denn eigentlich ist es ihr Geld, dass da verwendet wird. Wir werden immer wieder gefragt, ob es für die Menschen in Ghana nicht besser wäre, wenn nicht nur der Kakao, sondern die gesamte Schokolade dort hergestellt würde. Weil dann mehr GhanaerInnen etwas vom Schokoladengeschäft hätten und wohl auch der Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern in der Lieferkette größer wäre. Was denkt Ihr darüber? Sandra: Ich kann diese Argumentation gut nachvollziehen, glaube aber nicht, dass das machbar ist. Zum einen wären die Produktionskosten sehr hoch. Wir produzieren nur den Kakao in Ghana. Die anderen Zutaten, wie Zucker und Milchpulver, müssten wir importieren. Zum anderen fehlt es an einer stabilen und leistungsstarken Energieversorgung. Dazu kommt noch unser Klima. Die hohen Temperaturen sind ungünstig, um Schokolade herzustellen. Wir müssten wahnsinnig viel Energie aufbringen, um die Schokolade zu kühlen, damit sie nicht schmilzt. Das ist wirtschaftlich kaum rentabel.  Dann müssen die Kakaobäuerinnen und -bauern also anders gestärkt werden. SEND-Ghana führt deshalb zum Beispiel Argumentations- und Verhandlungstrainings für sie durch. Was lernen die Teilnehmenden dort genau? Elizabeth: Erstmal hat mir die Schulung gezeigt, dass ich eine Kakaobäuerin bin und kein Niemand. Wir Kakaobäuerinnen haben bislang keinen Zugang zu Versammlungen oder politischen Entscheidungsträgern. Deshalb bin ich sehr froh, dass sich SEND-Ghana dafür einsetzt, dass unsere Stimme gehört wird. Sandra: Es geht darum, den Bauern und Bäuerinnen zu vermitteln, warum das Thema Interessensvertretung so wichtig ist, um sich für faire Preise für Kakaobohnen einzusetzen. Durch Argumentations- und Verhandlungstrainings erhalten sie die Möglichkeit, sich gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu äußern. Nur wenn die Bäuerinnen und Bauern ihre Stimme laut erheben und für sich einstehen, wird die Politik auf ihre Forderungen reagieren. — — Und bislang hat niemand die Kakaobäuerinnen und -bauern gefördert? Sandra: Es gab über die Jahre schon viele Unterstützungsangebote. In diesen Maßnahmen ging es aber fast immer nur darum, die Kakaoerträge zu steigern. Sie erhöhen den Arbeitsaufwand auf der Plantage enorm, führen aber kaum zu höheren Einkommen. Uns ist es wichtig, dass Bauern und Bäuerinnen diese Ungerechtigkeiten erkennen und sie formulieren können. Elizabeth, Du bist eine Fairtrade-zertifizierte Kakaobäuerin. Es gibt noch weitere Siegel des Fairen Handels, die wir in Deutschland zum Beispiel von den Schokoladentafeln kennen. Ändern die Siegel etwas an der Lebenssituation von Kakaobauern und  bäuerinnen? Elizabeth: Für mich erstmal ja, weil ich über Kuapa Kooko – meine Kakaokooperative – eine Fairtrade-Prämie erhalte. Für jeden 64 Kilo-Sack Kakao erhalte ich 5 Cedis extra (etwa 0,90 Euro, Anm. d. Red.). Zudem nutzt unsere Kooperative die Prämie, um zum Beispiel in Brunnen oder Schulen zu investieren. Außerdem schätze ich die Krankenversicherung, die in Ghana sehr teuer ist. In unsere Gemeinde kommt ein Arzt, der uns untersucht. Wenn ich krank bin, kann ich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Kuapa Kokoo übernimmt sogar die Transportkosten. Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde im Jahr 2030 das Leben einer Kakaobauernfamilie aussehen? Elizabeth: Ich wünsche mir, dass mich die Menschen respektieren – und andere Kakaobäuerinnen und -bauern auch. Dass sie sagen, schaut her, diese Person ist eine Kakaobäuerin. Wir fordern Respekt für uns, unsere Arbeit und unsere Familien. Sandra: Kakaobauern und -bäuerinnen sollten in angemessenen Unterkünften wohnen und einen Zugang zu guter Gesundheitsversorgung erhalten. Ihre Kinder haben das Recht auf eine anständige Bildung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Altersvorsorge. Die Arbeit auf Plantagen ist ein Knochenjob, der mit zunehmendem Alter kaum noch durchführbar ist. Sie haben auch fast keine Möglichkeit, zu sparen. Ein existenzsicherndes Einkommen, während des Arbeitslebens und im Alter, das ist mein allergrößter Wunsch für die Kakaobauern-Familien – bei uns und überall auf der Welt. Vielen Dank, dass ihr hier wart. Es war eine tolle Zeit mit euch! Jetzt spenden! Kakaobäuerinnen und -bauern in Ghana stärken: Erfahren Sie hier mehr!
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Solidaritätswoche mit ArbeiterInnen in Bangladesch

4. Februar 2019 - 17:58
Tausende ArbeiterInnen der Textilbranche protestierten in Bangladesch für höhere Löhne. Entgegengesetzt wurde ihnen von der Regierung Gewalt und Repressionen. INKOTA und die Kampagne für Saubere Kleidung zeigen sich solidarisch und rufen zu einer Solidaritätswoche auf. Nach der jüngsten Revision der Mindestlöhne im Textilsektor sind in Bangladesch tausende ArbeiterInnen aus Protest auf die Straße gegangen. Die Antwort auf ihre Proteste waren Gewalt und Repressionen von Seiten der Regierung. In der Hauptstadt Dhaka feuerte die Polizei Gummigeschosse und Tränengas in die Menge, worauf ein Arbeiter starb und viele andere verletzt wurden. Die immer noch ausstehende Entscheidung des höchsten Gerichtshofs über die Zukunft der Aktivitäten im Rahmen des Bangladesch Accord für Brandschutz und Gebäudesicherheit verdeutlicht zudem, wie sehr Fortschritte der letzten Jahre gefährdet sind. Deshalb rufen INKOTA und die Clean Clothes Campaign - Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) zu einer Solidaritätswoche vom 28. Januar bis 3. Februar auf. ArbeiterInnen haben ein Recht auf höhere Löhne und sichere Arbeitsplätze
Die Regierung von Bangladesch hat die Grundfreiheiten ihrer BürgerInnen zu schützen. Die CCC und INKOTA-netzwerk erklären sich solidarisch mit den Protestierenden und unterstützen ihre Forderungen nach einem Lohn zum Leben, sichere Fabriken und das Ende der Repressionen gegen die ArbeiterInnen in Bangladesch.

ArbeiterInnen haben das Menschenrecht auf Vereinigungsfreiheit, um für einen existenzsichernden Lohn zu demonstrieren – ohne Angst vor Repressionen. Die Regierung Bangladeschs muss dieses Recht achten. Daher fordern wir die Freilassung aller festgenommenen GewerkschaftsvertreterInnen und die Anklagen wegen Aufruhr anlässlich der Demonstrationen zurückzuziehen. So kannst du dabei sein... …in einer Minute:
  • Unterschreibe die Petition für Arbeitsplatzsicherheit in Bangladesch.
  • Teile einen der Kampagnen Posts der Solidaritätswoche auf deinen Social Media Kanälen (facebook, twitter, instagram).
  • Teile deinen persönlichen Social Media Post: Ich stehe hinter den ArbeiterInnen in Bangladesch! #FreiheitSicherheitExistenzlohn #WeStandWithGarmentWorkers #Bangladesh #FreedomSafetyLivingWage.
… in 10 Minuten:
  • Finde in deinem Schrank ein Kleidungsstück ‘Made in Bangladesh’.
  • Mache ein Foto von dem Etikett und teile es mit dem Post: Ich stehe hinter den ArbeiterInnen in Bangladesch, die meine Kleidung nähen. #WeStandWithGarmentWorkers #Bangladesh #FreedomSafetyLivingWag
  • Fertige deine eigenes Protestschild in Solidarität mit den TextilarbeiterInnen und teile es auf deinem Social Media Kanälen mit den Hashtags: #WeStandWithGarmentWorkers #Bangladesh #FreedomSafetyLivingWage #FreiheitSicherheitExistenzlohn

Foto: Die CCC-Aktionsgruppe von INKOTA führte am 30. Januar vor der bangladeschischen Botschaft in Berlin eine Protestaktion durch. In mindestens acht Ländern weltweit sind Proteste im Rahmen der Solidaritätswoche geplant:


Weiterlesen: Was du tun kannst für faire Texilien und Schuhe Ausstellung zum Ausleihen: Für faire Bedingungen in der Schuh- und Lederherstellung
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Unterschriften für schärfere Fusionskontrolle übergeben

28. Januar 2019 - 13:55
Gelbe Schilder mit der Aufschrift „6.000 Menschen fordern mit INKOTA: Fusionswelle brechen – kein weiteres Bayer-Monsanto!“ leuchten vor den Toren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Berlin. Hier übergaben INKOTA-AktivistInnen und UnterstützerInnen am 28. Januar 2019 symbolisch Unterschriften an VertreterInnen des Bundeswirtschaftsministeriums, die seit Ende Mai 2018 für eine schärfere Fusionskontrolle gesammelt wurden. Damit haben wir gemeinsam ein klares Zeichen gesetzt: Wir wollen nicht, dass ohnehin riesige Konzerne wie Bayer und Monsanto quasi ungehindert immer weiter wachsen und durch ihre enorme Marktmacht die Ernährungssouveränität von ErzeugerInnen und VerbraucherInnen weltweit gefährden! Deshalb muss die Bundesregierung die Fusionskontrolle verschärfen. „Fusionswelle brechen – kein weiteres Bayer-Monsanto!“ lautete deshalb der Titel unseres Appells. Seit dem Start unserer Kampagne im Mai 2018 konnten wir wichtige Weichen stellen für eine progressive Überarbeitung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) in Deutschland: Wir haben mit den zuständigen Abgeordneten in der CDU, SPD sowie bei den Grünen und der LINKEN gesprochen. Mit mehreren parlamentarischen Anfragen durch Mitglieder des Bundestags, die unsere Sicht auf das Problem der zu schwachen Fusionskontrolle beinhalteten, wurde zudem die Bundesregierung unter Druck gesetzt. Bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages zum Thema Marktkonzentration im Agrarbereich wurden durch einzelne Sachverständige auch Forderungen von INKOTA vorgetragen. Unsere Forderungen sind im Bundestag angekommen. Die Bundesregierung hat mehrfach bestätigt, dass sie 2019 einen ersten Vorschlag für die Überarbeitung des Wettbewerbsrechts vorbereiten werde – und dass wir dazu auch konsultiert werden sollen. Trotzdem wissen wir: Viele Abgeordnete der Regierung sperren sich noch gegen unsere Forderungen. Hier bleiben wir natürlich dran! Wir danken allen Menschen, die uns in den letzten Monaten so tatkräftig unterstützt haben! Wir sind zuversichtlich, mit diesem wichtigen Signal in diesem Jahr weitere kleine Löcher in das dicke Brett der Blockadehaltung gegen eine Verschärfung der Fusionskontrolle zu bohren. Gemeinsam mit Ihnen werden wir der Macht der Agrarkonzerne wirksame Grenzen setzen können.   Großfusionen im Agrar-Sektor Stimmen aus dem globalen Süden über Konzernmacht Digitalisierung in der Landwirtschaft Mehr zu globale Landwirtschaft und Welternährung
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Frag nach: Wie gerecht sind Elektro-Autos von VW, Daimler & Co.?

26. Januar 2019 - 9:56
Der Verkauf von Elektro-Autos steigt rasant. Und was passiert mit Umwelt und Menschenrechten? Schicken Sie eine Mail an die Auto-Hersteller und fordern Sie transparente Rohstoff-Lieferketten. Elektro-Autos haben klangvolle Namen wie Leaf, Zoe und Soul. Sie stehen für das neue Versprechen der Automobil-Industrie: grün und sauber, für ein gutes Gewissen beim Autofahren. Da passen Ausbeutung und Umweltverschmutzung so gar nicht dazu. Und doch sind sie bei der Rohstoffförderung für die neuen Elektro-Autos derzeit bittere Realität. Beim Abbau von Kobalt, Lithium, Kupfer oder Nickel werden Bäume abgeholzt, Flüsse vergiftet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Wir fragen uns: Wie ernst nehmen Automobilhersteller ihre Versprechen mit dem sauberen Auto eigentlich? Machen Sie mit und fühlen Sie mit ein paar Klicks dem Unternehmen, das Ihr Auto hergestellt hat, auf den Zahn: Schicken Sie eine Mail an die Automobilhersteller und fordern Sie, die Rohstoff-Lieferketten transparent zu gestalten! Sie haben gar kein Auto? Die Menschen, die unter riskanten Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen das Kobalt aus der Erde holen, brauchen trotzdem Ihre Unterstützung! Explodierender Rohstoffbedarf für Elektro-Autos in den nächsten Jahren Die Prognosen für den Verkauf von Elektroautos schnellen weltweit rasant in die Höhe. Auch die deutschen Automobilhersteller steigen auf E-Antrieb um. Doch dieser Umstieg allein stoppt noch nicht den Klimawandel. Im Gegenteil: Die Produktion jedes Autos – ob Elektro-Antrieb oder Verbrenner – trägt zu mehr Umweltverschmutzung, zum Klimawandel und zur Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft bei. Und schon der Rohstoffverbrauch allein für die Akku-Produktion der Elektro-Autos ist gigantisch. Beispiel Lithium: Während 2016 noch 10.000 Tonnen Lithium für Elektro-Fahrzeuge benötigt wurden, werden 2050 bis zu 1,1 Millionen Tonnen gebraucht – also die 110-fache Menge! Die Gewinnung aus den Salzseen Lateinamerikas führt zu akutem Wassermangel und bedroht Weidewirtschaft, Ackerbau und den Tourismus, der für viele Menschen in der Region die zentrale  Einkommensquelle ist. Beispiel Kobalt: Die Akku-Produktion ist ohne Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo heute kaum noch denkbar. ArbeiterInnen schürfen den Rohstoff in handgeschaufelten Gruben ohne sichere Schutzkleidung. Die Bezahlung für die gefährliche Arbeit ist unangemessen, oft müssen auch Kinder beim Kobaltabbau helfen, um den notwendigen Familien-Unterhalt zu erwirtschaften. 2016 wurden 20.000 Tonnen Kobalt für Elektro-Mobilität verbaut, 2050 werden für Akkus von elektrischen Fahrzeugen bereits 800.000 Tonnen jährlich genutzt werden. Die Regierung ist auf dem menschenrechtlichen Auge blind: Sorgen wir für Sorgfalt! Während die Bundesregierung in bilateralen Verhandlungen der deutschen Industrie zur Seite steht, um die Versorgung mit den begehrten Rohstoffen sicherzustellen, versäumt sie bei jeder Gelegenheit, dieselben Unternehmen endlich auch zur menschenrechtlichen Sorgfalt zu verpflichten.
Ein Grund mehr für uns, die Unternehmen daran zu erinnern: Wer Rohstoffe nutzt, trägt Verantwortung. Rohstoff-Lieferketten im Automobilsektor müssen transparent und gerecht werden! Jetzt mitmachen! Fragen Sie bei Automobilunternehmen nach:
  • Wo kauft der Autoproduzent sein Kobalt ein?
  • Sind die Lieferketten transparent?
  • Wie setzt sich das Unternehmen konkret für die Wahrung von Menschenrechten in den Abbauregionen ein?
  • Hat der Automobilhersteller funktionierende Beschwerdemechanismen für die Bevölkerung vor Ort eingerichtet?
Nachfragen für Veränderung: Hier geht’s zur Mitmachaktion.
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Nicaragua und die Zukunft linker Politik

25. Januar 2019 - 12:01
Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe Ausgehend von den Erfahrungen in Nicaragua und Lateinamerika bringt die Konferenz auf fünf Podien und weiteren Workshops linke AkteurInnen aus Nicaragua, Lateinamerika und Deutschland zusammen, um über Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe zu diskutieren.
  • Was: Nicaragua-Konferenz mit:
    • Maria Teresa Blandon, Soziologin und feministische Aktivistin, Nicaragua
    • Edgardo Lander, Soziologe und Aktivist, Venezuela
    • Mónica Lopez Baltodano, Anwältin und Aktivistin der Articulación de los Movimientos Sociales, Nicaragua
    • Francisca Ramírez, Anführerin der bäuerlichen Anti-Kanalbewegung, Nicaragua
    • Raul Zelik, Aktivist und Parteivorstand Die Linke und vielen mehr
  • Wann: Freitag, 05. April, 19 Uhr, bis Sonntag, 07. April, 14 Uhr
  • Wo: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
  • Anmeldung bis zum 22.03.2019 unter krekeler[at]inkota.de
Nicaragua hat sich vom weltweit wahrgenommenen Symbol eines erfolgreichen revolutionären Kampfes gegen die Diktatur 1979 zu einer neuen Diktatur entwickelt. Im Bündnis mit Kirche und Unternehmern kontrollierte die Regierung der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN, Frente Sandinista de Liberación Nacional) unter Daniel Ortega weite Bereiche der Gesellschaft, demokratische Freiheiten existieren nur auf dem Papier, Staat und Partei sind längst verschmolzen. Gegen diese autoritären und parternalistischen Entwicklungen begehrten im April 2018 zunächst Studierende auf, denen sich schnell breite Teile der Bevölkerung anschlossen. Die blutige Antwort des Regimes auf die ersten Demonstrationen brachte Hunderttausende auf die Straße. Seit Ausbruch der Proteste wurden über 320 Menschen getötet, Tausende verletzt, gut 30.000 Menschen sind vor der Verfolgung des Regimes ins Exil geflohen. Zuletzt wurde zahlreichen Organisationen die Rechtsfähigkeit entzogen, was nicht nur ein faktisches Verbot, sondern auch eine Form der Kriminalisierung zivilgesellschaftlicher Arbeit bedeutet. Diese neue Qualität der Gewalt offenbart, worauf regierungskritische Stimmen in Nicaragua schon lange hinweisen: Die einstige Revolutionspartei FSLN hat ihren emanzipatorischen Charakter verloren und Präsident Daniel Ortega hat das Land erneut in eine Diktatur gestürzt. Dabei fordern die Protestierenden nicht nur den Rücktritt Ortegas, sondern entwerfen zugleich neue Gesellschaftskonzepte von unten. Wie können diese Entwürfe zusammengefasst werden und welche Anschlüsse bieten sie für linke Utopien über den Kontext Nicaraguas hinaus? Die Regierung Ortega hat sich selbst den „progressiven Regierungen“ zugeschrieben, die im Lateinamerika der letzten Dekaden hegemonial waren. Auch deshalb wirft die Situation in Nicaragua Fragen auf, die weit über das Land hinausweisen: Fragen nach dem Verhältnis von Partei, Staat und Bewegung, nach dem Stellenwert von Demokratie und Freiheitsrechten, nach Solidarität, alternativen Entwicklungsmodellen und feministischen Perspektiven. Eine Konferenz von:
Informationsbüro Nicaragua e.V., INKOTA-netzwerk, medico international, Rosa-Luxemburg-Stiftung, SOSNicaragua Alemania
Weiterlesen: Hilfe für politisch Verfolgte in Nicaragua INKOTAs Projektarbeit in Nicaragua
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Fragen Sie nach: Wie gerecht sind Elektro-Autos von VW, Daimler & Co.?

25. Januar 2019 - 11:22
Die Prognosen für den Verkauf von Elektroautos schnellen weltweit in die Höhe. Da sollten wir ein Wörtchen mitreden: Schicken Sie eine Mail an die Auto-Hersteller und fordern Sie transparente Rohstoff-Lieferketten. Elektro-Autos haben klangvolle Namen wie Leaf, Zoe und Soul. Sie stehen für das neue Versprechen der Automobil-Industrie: grün und sauber, für ein gutes Gewissen beim Autofahren. Da passen Ausbeutung und Umweltverschmutzung so gar nicht dazu. Und doch sind sie bei der Rohstoffförderung für die neuen Elektro-Autos derzeit bittere Realität. Beim Abbau von Kobalt, Lithium, Kupfer oder Nickel werden Bäume abgeholzt, Flüsse vergiftet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Wir fragen uns: Wie ernst nehmen Automobilhersteller ihre Versprechen mit dem sauberen Auto eigentlich? Machen Sie mit und fühlen Sie mit ein paar Klicks dem Unternehmen, das Ihr Auto hergestellt hat, auf den Zahn: Schicken Sie eine Mail an die Automobilhersteller und fordern Sie, die Rohstoff-Lieferketten transparent zu gestalten! Sie haben gar kein Auto? Aber wie fair fahren Ihre Verwandten, FreundInnen oder Bekannte? Fragen Sie jetzt nach! Explodierender Rohstoffbedarf für Elektro-Autos in den nächsten Jahren Die Prognosen für den Verkauf von Elektroautos schnellen weltweit rasant in die Höhe. Auch die deutschen Automobilhersteller steigen auf E-Antrieb um. Doch dieser Umstieg allein stoppt noch nicht den Klimawandel. Im Gegenteil: Die Produktion jedes Autos – ob Elektro-Antrieb oder Verbrenner – trägt zu mehr Umweltverschmutzung, zum Klimawandel und zur Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft bei. Und schon der Rohstoffverbrauch allein für die Akku-Produktion der Elektro-Autos ist gigantisch. Beispiel Lithium: Während 2016 noch 10.000 Tonnen Lithium für Elektro-Fahrzeuge benötigt wurden, werden 2050 bis zu 1,1 Millionen Tonnen gebraucht – also die 110-fache Menge! Die Gewinnung aus den Salzseen Lateinamerikas führt zu akutem Wassermangel und bedroht Weidewirtschaft, Ackerbau und den Tourismus, der für viele Menschen in der Region die zentrale  Einkommensquelle ist. Beispiel Kobalt: Die Akku-Produktion ist ohne Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo heute kaum noch denkbar. ArbeiterInnen schürfen den Rohstoff in handgeschaufelten Gruben ohne sichere Schutzkleidung. Die Bezahlung für die gefährliche Arbeit ist unangemessen, oft müssen auch Kinder beim Kobaltabbau helfen, um den notwendigen Familien-Unterhalt zu erwirtschaften. 2016 wurden 20.000 Tonnen Kobalt für Elektro-Mobilität verbaut, 2050 werden für Akkus von elektrischen Fahrzeugen bereits 800.000 Tonnen jährlich genutzt werden. Die Regierung ist auf dem menschenrechtlichen Auge blind: Sorgen wir für Sorgfalt! Während die Bundesregierung in bilateralen Verhandlungen der deutschen Industrie zur Seite steht, um die Versorgung mit den begehrten Rohstoffen sicherzustellen, versäumt sie bei jeder Gelegenheit, dieselben Unternehmen endlich auch zur menschenrechtlichen Sorgfalt zu verpflichten.
Ein Grund mehr für uns, die Unternehmen daran zu erinnern: Wer Rohstoffe nutzt, trägt Verantwortung. Rohstoff-Lieferketten im Automobilsektor müssen transparent und gerecht werden! Jetzt mitmachen! Fragen Sie bei Automobilunternehmen nach:
  • Wo kauft der Autoproduzent sein Kobalt ein?
  • Sind die Lieferketten transparent?
  • Wie setzt sich das Unternehmen konkret für die Wahrung von Menschenrechten in den Abbauregionen ein?
  • Hat der Automobilhersteller funktionierende Beschwerdemechanismen für die Bevölkerung vor Ort eingerichtet?
Nachfragen für Veränderung: Hier geht’s zur Mitmachaktion.
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Gerangel um Kobalt: INKOTA-Broschüre klärt auf

25. Januar 2019 - 10:18
Berechnungen belegen: Das Schwermetall Kobalt wird einer der begehrtesten Rohstoffe des 21. Jahrhunderts werden. Und trotzdem sind menschenrechtliche Aspekte des wachsenden Rohstoffbedarfs in den Debatten um Elektro-Mobilität oder Digitalisierung immer wieder unterbelichtet. Zuletzt etwa beim Weltwirtschaftsforum in Davos Mitte Januar. Dabei stand das Treffen unter dem Motto „Globalisierung 4.0“. Wie kann man da die Menschenrechte außer Acht lassen? Wir bringen Licht ins Dunkel – mit der neuen INKOTA-Broschüre „Kobalt. kritisch³“.
Kobalt ist einer der kritischsten Rohstoffe der Gegenwart. Kritisch aus Sicht der Industrie, die abhängig ist von großen Mengen des Rohstoffes für die Technologien der Zukunft, insbesondere Batterien. Kritisch aus Sicht von Menschenrechts- und Umweltorganisationen weltweit, die tägliche Menschenrechts­verletzungen, ökologische Desaster und soziale Missstände rund um den Kobaltabbau nicht länger hinnehmen wollen. Kritisch für ArbeiterInnen im Kleinbergbau in der DR Kongo, die einen wesentlichen Teil des weltweit begehrten Kobalts unter höchst riskanten Bedingungen aus der Erde holen.

Das weltweit gewonnene Kobalt – unentbehrlich bspw. für Lithium-Ionen-Batterien – stammt zu 64 Prozent aus der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), einem der fragilsten Staaten der Welt, der sich gerade im Schwebezustand zwischen Hoffnung auf einen neuen Staatschef und Angst vor einer Explosion der sozialen und politischen Spannungen befindet. Die derzeit abgebauten Mengen an Kobalt reichen nicht aus, um die stetig steigende Nachfrage nach Batteriesystemen, die weltweit gebaut werden sollen, zu decken. Die Industrie befürchtet Engpässe. Es wird geschachert und verhandelt und immer geht es zuallererst um die sichere Rohstoffversorgung. Denn vom Kobalt sind alle abhängig. Über Menschenrechte und Umweltstandards beim Kobaltabbau oder über die Potentiale, die die DR Kongo mit dem Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten mobilisieren könnte, redet bei diesem Wettlauf dann kaum noch jemand.

Warum Sie die Kobalt-Broschüre unbedingt lesen sollten

Die neue INKOTA-Kobalt-Broschüre macht klar: Wer Kobalt nutzt, muss auch Verantwortung übernehmen für die Wahrung von Menschenrechten und ökologischen Standards entlang der gesamten Lieferkette. Aktuell ist dies nicht der Fall. Trotz punktueller Versuche, Risiken in der Lieferkette zu identifizieren oder unabhängige Überprüfungen der Arbeitsbedingungen durchzuführen, kann kaum ein Unternehmen heute zu 100 Prozent ausschließen, dass entlang seiner Kobalt-Lieferkette Menschenrechtsverletzungen stattfinden.

Das und viele weitere Zusammenhänge werden in der Kobalt-Broschüre detailliert aufbereitet. In zwei Teilen stellt es die wichtigsten Fakten rund um den begehrten Rohstoff dar. Teil 1 beleuchtet den Status Quo des weltweiten Kobaltabbaus und setzt einen Fokus auf die DR Kongo. Teil 2 bietet konkrete und konstruktive Handlungsansätze, um die Kobaltlieferkette fair zu gestalten.

Wir sollten wissen, wovon wir reden!


Jetzt Kobalt-Broschüre herunterladen oder Print-Ausgabe bestellen
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„Ich bin kein Niemand!“

24. Januar 2019 - 15:18
Im Dezember haben die Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei und Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana eine Rundreise quer durch Deutschland unternommen. Im Gespräch mit Kakao-Referentin Evelyn Bahn berichten die beiden über ihre Eindrücke von Deutschland, den Kontakt mit VerbraucherInnen und ihren Kampf für höhere Kakaopreise. Jetzt spenden! Mehr über Kakaobauern und -bäuerinnen in Ghana erfahren!

Ghana ist der zweitgrößte Kakaoproduzent weltweit. 20 Prozent des Kakaos stammen aus dem westafrikanischen Land. Die Existenz von einer Million Kakaobauern und -bäuerinnen und ihren Familien hängt an der braunen Bohne. Elizabeth Osei Agyei (links) und Sandra Kwabea Sarkwah fordern deshalb, den Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern endlich zu stärken. „Ich wünsche mir, dass mich die Menschen respektieren!“ Evelyn: Ihr wart im Dezember auf Rundreise durch Deutschland und habt Menschen in Berlin, Oldenburg, Speyer und Tübingen getroffen. Was werdet Ihr von diesen Begegnungen in Erinnerung behalten? Sandra: Ich habe damit gerechnet, dass sich die Leute hauptsächlich für das Endprodukt interessieren – also die Schokolade. Aber sie waren wirklich am Wohlergehen der Kakaobauernfamilien und an der Situation in Ghana interessiert. Viele wollten wissen, was VerbraucherInnen tun können, damit sich die Situation der Menschen in Ghana verbessert. Besonders über ihre eigene Rolle und Verantwortung wollten sie viel erfahren. Dieses große Interesse macht mir Mut. Elizabeth: Für mich war es eine wichtige Erfahrung, über mein Leben in Ghana vor großem Publikum zu berichten. In Tübingen waren wir zum Beispiel bei einem Schokoladenfestival. Die Größe der Veranstaltung hat mich sehr beeindruckt. Es waren unglaublich viele Menschen aus der ganzen Welt dort. Und trotzdem fiel es mir am Ende der Tour viel leichter, von mir zu erzählen. Ich hatte einfach genug Übung bekommen. Und nebenbei: Ich habe dort zum ersten Mal eine heiße Schokolade getrunken – hat gut geschmeckt! Warum habt ihr diese Aufklärungstour überhaupt gemacht? Sandra: Die Mehrheit der Kakaobauernfamilien lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wir wollten VerbraucherInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen der Schokoladenindustrie in Deutschland über die Lebenssituation von Kakaobauernfamilien informieren – und so ein Bewusstsein dafür schaffen, dass mit dem jetzigen Kakaopreis ein Leben in Würde nicht möglich ist. Eure Forderung ist also ein höherer Preis für die Kakaobohnen. Wenn Kakao teurer wird, müssen wir in Deutschland aber auch mehr für Schokolade bezahlen, oder? Elizabeth: Jedes Jahr werden die Preise für Lebensmittel und andere Waren in Ghana teurer. Aber wir bekommen nicht mehr Geld für unsere Kakaobohnen. Wenn die VerbraucherInnen mehr für die Schokolade bezahlen würden, würden uns die Unternehmen hoffentlich einen besseren Preis geben. Sandra: Das hoffe ich auch. Aber wenn die VerbraucherInnen mehr zahlen, dann muss auch sichergestellt werden, dass das Geld bei den Bauern und Bäuerinnen ankommt. Was sollten VerbraucherInnen eurer Meinung nach tun? Sandra: VerbraucherInnen müssen ihre Stimme gegenüber der deutschen Regierung erheben und verbindliche Regeln für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte einfordern. Bisherige freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht aus. Damit der Kakaosektor gerechter wird und sich die Lebensbedingungen der Bauern und Bäuerinnen verbessern, brauchen wir Verbindlichkeit. Hier sind die VerbraucherInnen in Deutschland auch als BürgerInnen gefragt. In Ghana wird der Kakaosektor durch eine staatliche Behörde reguliert, das Ghana Cocoa Board (Cocobod). Es gibt den Vorwurf, dass innerhalb des Cocobod das Geld in privaten Taschen verschwindet. Stimmt das? Sandra: Das große Problem des Cocobod ist die fehlende Transparenz: Wir wissen nicht, wie viel Geld es wofür ausgibt. Interessanter als die Frage der Veruntreuung ist also die Frage, wie das Geld tatsächlich verteilt wird. Kakaobauern und -bäuerinnen in Ghana erhalten ungefähr 70 Prozent des Verkaufspreises. Was passiert aber mit den verbleibenden 30 Prozent? Das Cocobod bezahlt davon den Transport und andere logistische Aufgaben, die Verteilung von Pestiziden und Düngemitteln und die Gehälter seines Personals. Aber was genau wo hingeht, das wissen die Kakaobäuerinnen und -bauern nicht. Sie haben aber ein Recht darauf, zu erfahren, was damit passiert – denn eigentlich ist es ihr Geld, dass da verwendet wird. Wir werden immer wieder gefragt, ob es für die Menschen in Ghana nicht besser wäre, wenn nicht nur der Kakao, sondern die gesamte Schokolade dort hergestellt würde. Weil dann mehr GhanaerInnen etwas vom Schokoladengeschäft hätten und wohl auch der Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern in der Lieferkette größer wäre. Was denkt Ihr darüber? Sandra: Ich kann diese Argumentation gut nachvollziehen, glaube aber nicht, dass das machbar ist. Zum einen wären die Produktionskosten sehr hoch. Wir produzieren nur den Kakao in Ghana. Die anderen Zutaten, wie Zucker und Milchpulver, müssten wir importieren. Zum anderen fehlt es an einer stabilen und leistungsstarken Energieversorgung. Dazu kommt noch unser Klima. Die hohen Temperaturen sind ungünstig, um Schokolade herzustellen. Wir müssten wahnsinnig viel Energie aufbringen, um die Schokolade zu kühlen, damit sie nicht schmilzt. Das ist wirtschaftlich kaum rentabel.  Dann müssen die Kakaobäuerinnen und -bauern also anders gestärkt werden. SEND-Ghana führt deshalb zum Beispiel Argumentations- und Verhandlungstrainings für sie durch. Was lernen die Teilnehmenden dort genau? Elizabeth: Erstmal hat mir die Schulung gezeigt, dass ich eine Kakaobäuerin bin und kein Niemand. Wir Kakaobäuerinnen haben bislang keinen Zugang zu Versammlungen oder politischen Entscheidungsträgern. Deshalb bin ich sehr froh, dass sich SEND-Ghana dafür einsetzt, dass unsere Stimme gehört wird. Sandra: Es geht darum, den Bauern und Bäuerinnen zu vermitteln, warum das Thema Interessensvertretung so wichtig ist, um sich für faire Preise für Kakaobohnen einzusetzen. Durch Argumentations- und Verhandlungstrainings erhalten sie die Möglichkeit, sich gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu äußern. Nur wenn die Bäuerinnen und Bauern ihre Stimme laut erheben und für sich einstehen, wird die Politik auf ihre Forderungen reagieren. Und bislang hat niemand die Kakaobäuerinnen und -bauern gefördert? Sandra: Es gab über die Jahre schon viele Unterstützungsangebote. In diesen Maßnahmen ging es aber fast immer nur darum, die Kakaoerträge zu steigern. Sie erhöhen den Arbeitsaufwand auf der Plantage enorm, führen aber kaum zu höheren Einkommen. Uns ist es wichtig, dass Bauern und Bäuerinnen diese Ungerechtigkeiten erkennen und sie formulieren können. Elizabeth, Du bist eine Fairtrade-zertifizierte Kakaobäuerin. Es gibt noch weitere Siegel des Fairen Handels, die wir in Deutschland zum Beispiel von den Schokoladentafeln kennen. Ändern die Siegel etwas an der Lebenssituation von Kakaobauern und  bäuerinnen? Elizabeth: Für mich erstmal ja, weil ich über Kuapa Kooko – meine Kakaokooperative – eine Fairtrade-Prämie erhalte. Für jeden 64 Kilo-Sack Kakao erhalte ich 5 Cedis extra (etwa 1,44 Euro, Anm. d. Red.). Zudem nutzt unsere Kooperative die Prämie, um zum Beispiel in Brunnen oder Schulen zu investieren. Außerdem schätze ich die Krankenversicherung, die in Ghana sehr teuer ist. In unsere Gemeinde kommt ein Arzt, der uns untersucht. Wenn ich krank bin, kann ich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Kuapa Kokoo übernimmt sogar die Transportkosten. Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde im Jahr 2030 das Leben einer Kakaobauernfamilie aussehen? Elizabeth: Ich wünsche mir, dass mich die Menschen respektieren – und andere Kakaobäuerinnen und -bauern auch. Dass sie sagen, schaut her, diese Person ist eine Kakaobäuerin. Wir fordern Respekt für uns, unsere Arbeit und unsere Familien. Sandra: Kakaobauern und -bäuerinnen sollten in angemessenen Unterkünften wohnen und einen Zugang zu guter Gesundheitsversorgung erhalten. Ihre Kinder haben das Recht auf eine anständige Bildung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Altersvorsorge. Die Arbeit auf Plantagen ist ein Knochenjob, der mit zunehmendem Alter kaum noch durchführbar ist. Sie haben auch fast keine Möglichkeit, zu sparen. Ein existenzsicherndes Einkommen, während des Arbeitslebens und im Alter, das ist mein allergrößter Wunsch für die Kakaobauern-Familien – bei uns und überall auf der Welt. Vielen Dank, dass ihr hier wart. Es war eine tolle Zeit mit euch! Kakaobäuerinnen und -bauern in Ghana stärken: Erfahren Sie hier mehr! Jetzt spenden!
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Ohren spitzen: Osteraktion mit Make Chocolate Fair!

23. Januar 2019 - 22:07
Noch immer gehören Armut und Kinderarbeit zur bitteren Realität auf Kakaoplantagen – obwohl die Schokoladenindustrie schon seit Jahren Abhilfe verspricht. Unser Team von Make Chocolate Fair! plant deshalb auch in diesem Jahr eine Osteraktion, um für faire Schokolade zu kämpfen – und dabei brauchen wir Ihre Unterstützung!

Zu Ostern werden in Deutschland die meisten süßen Leckereien verspeist. Der Zeitpunkt ist deshalb ideal, um viele Menschen auf die bittere Wahrheit hinter der Schokolade hinzuweisen – und die Verantwortlichen zum Handeln aufzufordern. Der Fokus unserer Aktion in diesem Jahr: Wir fordern von der Politik verbindliche Regeln für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte. Denn bisher können Unternehmen, die an Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind, kaum zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn zum Beispiel Kinder in Westafrika unter ausbeuterischen Bedingungen den Kakao für unsere Schokolade ernten, haben die Betroffenen keine Chance, hierzulande vor Gericht ihre Rechte einzuklagen – obwohl deutsche Schokoladenunternehmen eine Mitverantwortung für die Situation auf den Kakaoplantagen tragen. Die deutsche Bundesregierung setzt bisher darauf, dass Unternehmen freiwillig die Menschenrechte achten. Viele gebrochene Versprechen der Schokoladenindustrie zeigen jedoch: Freiwilligkeit ist gescheitert. Wir brauchen verbindliche Regeln! Hier kommt unser Aktions-Vorschlag:

Gehen Sie mit Ihrer Aktions-Gruppe in die Fußgängerzone oder auf einen öffentlichen Platz in Ihrer Stadt. Mindestens zwei Personen sollten idealerweise als Osterhasen verkleidet sein. Am Ort der Aktion stellen sich die Osterhasen mit Protest-Schildern („Keine unfaire Schoki mehr“, „Unternehmen zur Verantwortung ziehen“) auf. Sie erklären den PassantInnen, dass sie keine Schokolade in die Osternester legen wollen, wenn dafür Menschenrechte verletzt werden. Sie fordern die PassantInnen auf, die Petition der Kampagne „Menschenrechte schützen – Konzernklagen stoppen!“ zu unterschreiben, mit der INKOTA und viele andere Organisationen ein verbindliches globales System fordern, um Konzerne für Menschenrechtsverstöße zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem kommen Sie mit den Leuten ins Gespräch, klären sie über die ungerechten Zustände in der Kakaoproduktion auf und verteilen unser Infomaterial. Dank der Kostüme werden Sie mit Sicherheit viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen! Die Eine-Welt-Jugendgruppe Wesel bei unserer Osteraktion im vergangenen Jahr. Die Challenge: Wer sammelt die meisten Unterschriften? Wir präsentieren Ihre Aktion und Ihren Unterschriftenerfolg auf unseren Webseiten und Social Media-Kanälen – und geben am Ende natürlich bekannt, welche Gruppe die meisten Unterschriften gesammelt hat. Challenge accepted?

Wir haben da was vorbereitet…
Sie haben Lust, sich mit Ihrer Weltladengruppe, Kirchengemeinde, Jugendgruppe, Studi-Initiative oder auch als Privatperson zu beteiligen? Gerne unterstützen wir Sie bei der Vorbereitung und Bekanntmachung Ihrer Aktion:
  • Wir stellen Ihnen Aktionsmaterialien zur Verfügung (Osterhasen-Kostüme, Protest-Schilder, Unterschriften-Listen, Infoblätter und Flyer, Gesprächs-Leitfaden).
  • Wenn Sie noch praktische Tipps bei der Aktionsplanung oder weitere kreative Ideen benötigen, beraten wir Sie gerne.
  • Wir helfen Ihnen auch gerne bei Ihrer Öffentlichkeits- und Pressearbeit.

Machen Sie mit!
Sie wollen mitmachen, haben Fragen oder brauchen bei der Vorbereitung Unterstützung? Melden Sie sich einfach bei uns. Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite: Tel.: 030 – 420 820 255, E-Mail: makechocolatefair@inkota.de Wir freuen uns über viele Osterhasen!
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Nicaragua und die Zukunft linker Politik

23. Januar 2019 - 12:01
Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe Ausgehend von den Erfahrungen in Nicaragua und Lateinamerika bringt die Konferenz auf fünf Podien und weiteren Workshops linke AkteurInnen aus Nicaragua, Lateinamerika und Deutschland zusammen, um über Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe zu diskutieren.
  • Was: Nicaragua-Konferenz mit:
    • Maria Teresa Blandon, Soziologin und feministische Aktivistin, Nicaragua
    • Edgardo Lander, Soziologe und Aktivist, Venezuela
    • Mónica Lopez Baltodano, Anwältin und Aktivistin der Articulación de los Movimientos Sociales, Nicaragua
    • Francisca Ramírez, Anführerin der bäuerlichen Anti-Kanalbewegung, Nicaragua
    • Raul Zelik, Aktivist und Parteivorstand Die Linke und vielen mehr
  • Wann: Freitag, 05. April, 19 Uhr, bis Sonntag, 07. April, 14 Uhr
  • Wo: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
  • Anmeldung bis zum 22.03.2019 unter krekeler[at]inkota.de
Nicaragua hat sich vom weltweit wahrgenommenen Symbol eines erfolgreichen revolutionären Kampfes gegen die Diktatur 1979 zu einer neuen Diktatur entwickelt. Im Bündnis mit Kirche und Unternehmern kontrollierte die Regierung der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN, Frente Sandinista de Liberación Nacional) unter Daniel Ortega weite Bereiche der Gesellschaft, demokratische Freiheiten existieren nur auf dem Papier, Staat und Partei sind längst verschmolzen. Gegen diese autoritären und parternalistischen Entwicklungen begehrten im April 2018 zunächst Studierende auf, denen sich schnell breite Teile der Bevölkerung anschlossen. Die blutige Antwort des Regimes auf die ersten Demonstrationen brachte Hunderttausende auf die Straße. Seit Ausbruch der Proteste wurden über 320 Menschen getötet, Tausende verletzt, gut 30.000 Menschen sind vor der Verfolgung des Regimes ins Exil geflohen. Zuletzt wurde zahlreichen Organisationen die Rechtsfähigkeit entzogen, was nicht nur ein faktisches Verbot, sondern auch eine Form der Kriminalisierung zivilgesellschaftlicher Arbeit bedeutet. Diese neue Qualität der Gewalt offenbart, worauf regierungskritische Stimmen in Nicaragua schon lange hinweisen: Die einstige Revolutionspartei FSLN hat ihren emanzipatorischen Charakter verloren und Präsident Daniel Ortega hat das Land erneut in eine Diktatur gestürzt. Dabei fordern die Protestierenden nicht nur den Rücktritt Ortegas, sondern entwerfen zugleich neue Gesellschaftskonzepte von unten. Wie können diese Entwürfe zusammengefasst werden und welche Anschlüsse bieten sie für linke Utopien über den Kontext Nicaraguas hinaus? Die Regierung Ortega hat sich selbst den „progressiven Regierungen“ zugeschrieben, die im Lateinamerika der letzten Dekaden hegemonial waren. Auch deshalb wirft die Situation in Nicaragua Fragen auf, die weit über das Land hinausweisen: Fragen nach dem Verhältnis von Partei, Staat und Bewegung, nach dem Stellenwert von Demokratie und Freiheitsrechten, nach Solidarität, alternativen Entwicklungsmodellen und feministischen Perspektiven.
  • Anmeldung verbindlich bis zum 22.03.2019 unter krekeler[at]inkota.de
  • Teilnahmebeitrag: 30€, ermäßigt 15€
  • Bankverbindung: INKOTA-netzwerk e.V., KD-Bank, IBAN: DE06 3506 0190 1555 0000 10, Verwendungszweck: Teilnahmebeitrag Nicaragua-Konferenz
Eine Konferenz von:
Informationsbüro Nicaragua e.V., INKOTA-netzwerk, medico international, Rosa-Luxemburg-Stiftung, SOSNicaragua Alemania
Weiterlesen: Hilfe für politisch Verfolgte in Nicaragua INKOTAs Projektarbeit in Nicaragua
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KiK gewinnt: Das Recht ist schwach

11. Januar 2019 - 15:01
Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden können: Es war die erste Klage bezogen auf Unternehmenshaftung innerhalb der globalen Lieferkette in Deutschland. Opfer eines Fabrikbrandes einer KiK-Zuliefererfabrik hatte geklagt. Doch das Dortmunder Landgericht hat am 10. Januar 2019 nun doch die Klage von Betroffenen des Fabrikbrandes Ali Enterprise in Pakistan abgelehnt. Das Dortmunder Gericht lehnt die Klage auf Grundlage des pakistanischen Rechts ab und folgt dem Antrag von KiK auf Verjährung, obwohl das Unternehmen zuvor einen Verjährungsverzicht unterzeichnet hatte.  Freiwilligkeit funktioniert nicht Als Teil der internationalen Clean Clothes Campaign sehen wir immer noch eine eklatante gesetzliche Lücke im Rechtssystem und dem Bereich der menschenrechtlichen Haftungspflicht für Unternehmen. Die Frage der Entschädigung von Opfern eines mangelhaften „Geschäftsmodells“ wird weiterhin der Freiwilligkeit von Entschädigungszahlungen überlassen – und damit der Beliebigkeit von Unternehmen. Der Fall Ali Enterprises, aber auch Unglücke von Rana Plaza und Tazreen, verdeutlichen, dass die Haftungs- und Sorgfaltspflicht für Unternehmen innerhalb ihrer Lieferkette aufgrund von fehlenden politischen Willen weiterhin mehr als mangelhaft sind. Trotz eines Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte gibt es derzeit keine dringend notwenigen Regelungen dazu. Dieses Defizit sollte innerhalb des Bewertungsprozess des Nationalen Aktionsplans für Menschenrechte der Bundesregierung erkannt und behoben werden. Es ist untragbar, dass Jahre vergehen, ehe eine konkrete Abhilfe für die Betroffenen geschaffen wurde und dass es keine klaren gesetzlichen Regelungen gibt. Nach vier Jahren Bündnis fü nachhaltige Textilien, der Behinderung der Weiterarbeit des Abkommens für Brandschutz und Gebäudesicherheit, dem Bangladesch ACCORD wird immer offensichtlicher: Politische und juristische Verbesserungen hinsichtlich der Haftungspflicht für Unternehmen sind dringend geboten. Lücken im Gesetz Die aktuelle Entscheidung des Gerichts demonstriert nochmals die gravierenden Lücken u.a. im deutschen Rechtssystem. Nach Auffassung der Kläger (das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) hat die KiK-Klage angestoßen), hatte KiK als Hauptabnehmer der produzierten Kleidung eine juristische Mitverantwortung für sichere Arbeitsbedingungen bei dem Zulieferbetrieb Ali Enterprises. Bei dem Brand im September 2012 waren dort 258 Menschen gestorben. INKOTAs Einsatz für faire Kleidung und Menschenrechte
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Digitalisierung, Agrarökologie, Saatgut-Vielfalt: Der Januar wird politisch heiß

2. Januar 2019 - 12:44
Parallel zur „Grünen Woche“ im Januar 2019 richtet INKOTA drei Veranstaltungen aus und ist an der großen „Wir haben es satt“-Demo beteiligt. Sie sind herzlich dazu eingeladen! Fachpodium beim Global Forum for Food and Agriculture (GFFA): Digitalisierung: Utopie oder Dystopie? Gemeinsam mit Brot für die Welt und dem Forum Umwelt und Entwicklung organisiert INKOTA beim GFFA (Global Forum for Food and Agriculture) ein Fachpodium zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft. Digitalisierung wird oft als fortschrittliche Lösung betitelt. Smart Farming, Drohnen zu Wasser und in der Luft, per Satellit gesteuerte Traktoren, die Nutzung von Wetter- und Bodendaten durch Big Data-Plattformen oder die Anwendung von synthetischer Biologie. Aber ist Digitalisierung tatsächlich das neue Wundermittel, um die Landwirtschaft weltweit zukunftsfähig zu machen? Ist sie der Einstieg in ein Zeitalter, in dem die Wachstumsgrenzen noch einmal deutlich verschoben werden können? Eine kritische Betrachtung der Auswirkungen der Digitalisierung kommt bislang zu kurz: Wie verändert sich die Landwirtschaft durch die Digitalisierung? Wer sind die zentralen Akteure im Digitalisierungs-Geschäft? Was bedeutet die Digitalisierung explizit für bäuerliche Erzeuger*innen weltweit? Ist die Digitalisierung wirklich so ressourcenschonend, wie es versprochen wird? Oder wird bald die Tiefsee umgegraben, damit die Ressourcen gewonnen werden können, die die digitale Landwirtschaft zum Ackern braucht? Welche Grenzen und politischen Rahmensetzungen braucht die Digitalisierung, um für den Umbau hin zu einer sozial und ökologisch gerechten Landwirtschaft genutzt werden zu können? Diese und viele weitere Fragen wollen wir gerne mit Ihnen diskutieren:
  • Neth Daño, ETC Group, Philippinen
  • Dr. Angelika Hilbeck, ETH Zürich, Schweiz
  • Janet Maro, SAT, Tansania
  • Stig Tanzmann, Brot für die Welt, Berlin
  • Moderation: Jan Urhahn, INKOTA-netzwerk, Berlin
Was: Fachpodium beim GFFA: Digitalisierung: Utopie oder Dystopie? Das Ende der Ressourcenkrise oder grenzenlose Konzernmacht über unser Essen?
Wann: Freitag, den 18.1.19 von 10:30 Uhr bis 11:45 Uhr
Wo: CityCube Berlin, Ebene 3, MX, Messedamm 26. Eingang Messedamm, 14055 Berlin Fachpodium in englischer und deutscher Sprache mit Simultanübersetzung. Eintritt frei. Bitte online registrieren unter: www.gffa-berlin.de Veranstaltung: Agrarökologie stärken!
Für eine zukunftsgerichtete Politik und Praxis

Es scheint wie die Quadratur des Kreises: Wie können die Umweltwirkungen der Landwirtschaft verringert werden während gleichzeitig die Produktivität erhöht wird? Die Antwort liegt auf der Hand – indem die landwirtschaftliche Produktion nicht mehr gegen die ökologischen und sozialen Systeme in denen sie verortet ist arbeitet, sondern mit ihnen. Das ist der wichtigste Grundsatz von Agrarökologie. Agrarökologische Systeme sind nicht nur produktiver und ernähren mehr Menschen auf gesunde Art und Weise, sie schützen auch unsere wertvollen natürlichen Ressourcen und machen landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels wie extreme Dürren oder anhaltende Regenfälle. Der Transformationsprozess hin zu Agrarökologie ist vielschichtig, denn Agrarökosysteme sind unterschiedlich und komplex, so dass es nicht die „eine“ Herangehensweise geben kann. Die Fragen, die wir im Rahmen der Veranstaltung diskutieren möchten sind: Wie kann ein Umfeld geschaffen werden, in dem die Agrarökologie aufblüht? Welche grundlegenden und zeitnahen Änderungen benötigen wir beispielsweise in der Agrar-, Entwicklungs-, und Subventionspolitik? Wie bewerten die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die deutsche Bundesregierung Agrarökologie und mit welchen Initiativen fördern sie diese? Welche Herausforderungen gibt es? Wie bewertet die Zivilgesellschaft den Stand der Dinge und was muss aus ihrer Perspektive zur Stärkung von Agrarökologie getan werden? Mit:
  • José Francisco Graziano da Silva, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) (angefragt)
  • H.E. Somnath Poudyal, Minister für Landwirtschaft und Gartenbau, Sikkim, Indien (angefragt)
  • Dr. Stefan Schmitz, Leiter Unterabteilung Ernährung, Ländliche Entwicklung, Natürliche Ressourcen, Beauftragter für die Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Aufsichtsratsvorsitzender, Stiftung World Future Council und Vorstand der Schweisfurth-Stiftung
  • Alexandra Rodriguez, Koordinatorin von AGRUPAR in Quito, Ecuador
  • Sarah Schneider, Referentin für Landwirtschaft und Welternährung, MISEREOR
  • Lena Bassermann, Referentin für Landwirtschaft und Ernährung, Welthungerhilfe
  • Moderation: Tanja Busse, Journalistin
Was: Veranstaltung Agrarökologie stärken! Für eine zukunftsgerichtete Politik und Praxis
Wann: Freitag, den 18. Januar 2019, 15:30-17:30 Uhr
Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin Veranstaltung auf Englisch und Deutsch mit Simultanübersetzung. Eintritt frei. Eine gemeinsame Veranstaltung von: INKOTA-netzwerk, Brot für die Welt, Heinrich-Böll-Stiftung, IFOAM, MISEREOR, Oxfam, Schweisfurth-Stiftung, Welthungerhilfe und World Future Council. „Wir haben es satt“-Demonstration 2019 Unter dem Slogan „Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen! Für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen!“ findet am 19. Januar 2019 die bereits 9. „Wir haben es satt“-Demo statt. Organisiert wird sie von einem breiten Bündnis aus Umweltorganisationen, Bauern und Bäuerinnen, entwicklungspolitischen Gruppen und vielen mehr. INKOTA ist wie immer Mitträger der Demo. Sei dabei, wenn wir dafür mit Zehntausenden im politischen Berlin demonstrieren. Dann, wenn sich bei der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ und dem Agrarministergipfel alles um die Zukunft von Essen und Landwirtschaft dreht, fordern wir gemeinsam den Umbau der Landwirtschaft: Wir haben Agrarindustrie satt – Essen ist politisch! Was: 9. „Wir haben es satt“-Demonstration
Wann: Samstag, den 19. Januar 2019, 12:00 Uhr
Wo: Brandenburger Tor, Berlin Filmvorführung und Publikumsgespräch Unser Saatgut – „Wir ernten, was wir säen“ Gemeinsam mit der Welthungerhilfe zeigt INKOTA den Film „Unser Saatgut – wir ernten, was wir säen“. 94 Prozent der Saatgutsorten weltweit sind bereits verschwunden. Drei Viertel unseres Essens besteht nur noch aus zwölf Pflanzensorten. Ein Drittel der gesamten Menschheit ernährt sich zu 80 Prozent von nur drei Getreidesorten: Mais, Reis und Weizen. Biotech-Konzerne wie Syngenta und Bayer/Monsanto kontrollieren mit genetisch veränderten Monokulturen den globalen Saatgutmarkt. Der Film „Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“ zeigt diese Zusammenhänge eindrucksvoll auf und ist gleichzeitig ein Appell zum Schutz der bäuerlichen Saatgutvielfalt und unser Saatgut zurückzuerobern. Während sich im Januar alljährlich in Berlin die internationale Ernährungs- und Agrarindustrie trifft, wollen wir Gefahren aufzeigen und an Alternativen basteln. Diskutieren Sie vor und nach der Filmvorführung mit:
  • Ursula Hudson, Vorsitzende Slow Food Deutschland
  • Andrew Mushita, Generalsekretär Community Technology Development Trust, Simbabwe
  • Moderation: Lena Bassermann, Welthungerhilfe
Was: Filmvorführung und Publikumsgespräch „Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“
Wann: Montag, den 21.1.19, 20:00 Uhr
Wo: Hackesche Höfe Kino, Rosenthaler Str. 40 -41, 10178 Berlin Film im englischen Original mit deutschen Untertiteln. Eintritt frei. Um Anmeldung wird zur besseren Planung gebeten. Diskussion auf Englisch und Deutsch mit Übersetzung. Bei Rückfragen zu allen Veranstaltungen und der Demo wenden Sie sich gerne an Jan Urhahn: urhahn[at]inkota.de

Flyer zur Veranstaltung Mehr Informationen zum INKOTA-Arbeitsbereich Landwirtschaft und Welternährung

Gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für die Inhalte ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich. Der Inhalt dieser Veranstaltung spiegelt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Förderer wider.   
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Vier Jahre Textilbündnis: Was sich 2019 ändern muss

1. Januar 2019 - 23:09
Das Textilbündnis hat die großen Ziele 2018 nicht erreicht, die Zustände in der globalen Textilindustrie sind auch vier Jahre nach Gründung des Bündnisses menschenunwürdig: GewerkschafterInnen in Bangladesch sind aufgrund unzureichender Mindestlöhne im Hungerstreik; in Kambodscha, Indonesien oder der Türkei kommt es zu Streiks und Protesten, da Löhne nicht ausgezahlt und GewerkschafterInnen unter Druck gesetzt oder entlassen werden. INKOTA ist überzeugt: Ohne ergänzende gesetzliche Regelungen wird das Textilbündnis weder durchschlagende Wirkung noch eine Zukunft haben. Aber dennoch hat das Textilbüdnis 2018 wichtige Beiträge geleistet: Zum ersten Mal mussten alle Bündnis-Mitglieder – darunter 81 Unternehmen aus der Textil- und Modebranche – in individuellen Maßnahmenplänen ihre konkreten Ziele für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in ihren Lieferketten offenlegen. Auch in den Bereichen existenzsichernde Löhne, Lieferkettentransparenz und Wirkungsmessung wurden die Gespräche fortgesetzt. Inzwischen ist allerdings auch die Bundesregierung zu der Erkenntnis gelangt, dass ausschließlich mit freiwilliger Selbstverpflichtung der Unternehmen kaum bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen sind. Zumindest will Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der Industrie 2019 dafür die letzte Chance geben, wie er kurz vor Weihnachten verkündete. Wir fordern klare Fortschritte im Bündnis im Jahr 2019! Ein Kernthema des Textilbündnisses werden die viel zu niedrigen Löhne in den Zulieferbetrieben der Textil- und Modeindustrie bleiben. Der Steuerungskreis – in dem INKOTA als Mitglied der Zivilgesellschaft vertreten ist – hat im Herbst 2018 eine Bündnisinitiative mit dem Fokus existenzsichernde Löhne verabschiedet. Eine wichtige Rolle spielt dabei 2019 der Länderschwerpunkt Kambodscha. Die beteiligten Mitglieder sollen bei ihren Lieferanten in Kambodscha die Umsetzung eines Rahmentarifvertrags einfordern. Außerdem müssen die eigenen Einkaufspraktiken und deren Auswirkungen auf die Zahlung der Löhne analysiert werden. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem strategischen Partner, der Initiative Action, Collaboration and Transformation (ACT). „Bisher ist die Beteiligung von Unternehmen an der Bündnisinitiative und konkreten Maßnahmen noch sehr gering, um eine kritische Masse innerhalb der Lieferkette zu bilden“, sagt INKOTA-Referent Berndt Hinzmann. Ziel des Textilbündnisses sei es, ein so genanntes Level-Playing-Field zu etablieren, daher muss der selbst gesetzte Schwerpunkt über das bisherige hinausgehen. „Die Bündnisinitiative zu existenzsichernden Löhnen wird 2019 erkennen lassen, wie konsequent Unternehmen das verbindliche Bündnisziel verfolgen“, so Hinzmann. „Existenzsichernde Löhne sind ein Kernthema und hängen mit anderen Problemen – wie Gewerkschaftsfreiheit oder Einkaufspraktiken – zusammen. Bei diesem zentralen Punkt muss das Bündnis klare Fortschritte vorweisen." Aus der jahrzehntelangen Arbeit in der Clean Clothes Campaign weiß INKOTA, dass ArbeiterInnen und Gewerkschaften die konkrete Möglichkeit haben müssen, Beschwerden zu führen, und dass es Mechanismen geben muss, mit deren Hilfe Missstände beendet werden können. Oft geht es dabei entweder um den Lohn oder um Repression und Diskriminierung von Gewerkschaftsmitgliedern. Deshalb ist es wichtig, dass das Textilbündnis das Thema Repressionen und Beschwerdemechanismen 2019 konkret aufgreift und eine Lösung dafür findet. Ein Schritt dabei ist, dass sich jedes Unternehmen für 2019 ein verpflichtendes Ziel setzen muss, wie mit Beschwerden und Abhilfe sowie mit Wiedergutmachung umgegangen wird. Anspruch und geprüfte Wirklichkeit 2019 müssen alle Textilbündnis-Mitglieder öffentlich zu Zielen in verpflichtenden Kernbereichen berichten. Die Berichtsanforderungen sind derzeit jedoch so, dass die Vergleichbarkeit der Maßnahmenpläne und die Bewertung des tatsächlichen Fortschritts schwierig sind. Im Moment kann nicht richtig bewertet werden, ob ein Unternehmen gute Prozesse für seine menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten in der Lieferkette umsetzt. Das Bündnis braucht deshalb neben Berichtspflichten eine gute Nachweisführung und eine Wirkungsmessung vor Ort. Positiv zu bewerten ist hingegen, dass im Textilbündnis zum ersten Mal konkrete Anforderungen an die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für Unternehmen in einem speziellen Sektor erarbeitet werden, basierend auf den Richtlinien der OECD. Positiv ist außerdem, dass zum Thema Korruptionsprävention auf Drängen der Zivilgesellschaft verpflichtende Ziele erarbeitet und verabschiedet wurden. „Nach vier Jahren Bündnis für nachhaltige Textilien wird immer offensichtlicher: Eine juristische Ausgestaltung etwa bei Offenlegungs- und Berichtspflichten für Unternehmen und ein klarer Vorstoß der Bundesregierung in diese Richtung sind dringend geboten“, so Hinzmann. „Dies würde auch einen ambitionierten Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte ausmachen." Der Nationale Aktionsplan für Wirtschaft Menschenrechte Um Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen im Ausland in Zukunft einzudämmen oder zu vermeiden, muss ein wasserdichter gesetzlicher Rahmen geschaffen werden. Der UN-Menschenrechtsrat hat dafür 2011 mit den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte einen guten Grundstein gelegt. Die Bundesregierung will diesen mit dem Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) verbindlich in deutsches Recht umsetzen. Bislang ist aber vor allem die rechtliche Komponente im NAP nicht ausreichend ausgebildet. „Die vor wenigen Tagen abgewiesene Klage gegen das Textilunternehmen KiK ist ein aktuelles Beispiel dafür, dass die Bundesregierung im NAP-Prozess ihre Hausaufgaben erledigen muss“, so Hinzmann. Auch dem Textilbündnis wäre mit einem NAP geholfen, der Unternehmen rechtlich bindet, anstatt Menschenrechtsfragen weiterhin dem Ermessen gewinnorientierter Konzerne zu überlassen. Hintergründe zu den UN-Leitprinzipien und zum NAP
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Nein zum Verbot von CENIDH: Wichtigste Menschenrechtsorganisation in Nicaragua aufgelöst

13. Dezember 2018 - 17:19
Fünfzehn Tage hat die Menschenrechtsorganisation CENIDH Zeit, um sich aufzulösen. Das beschloss das nicaraguanische Parlament am Mittwoch den 12. Dezember 2018. Zusätzlich zu CENIDH, mit dem INKOTA eine jahrelange Zusammenarbeit verbindet, entzog das Parlament weiteren Nichtregierungsorganisationen die juristische Anerkennung. Damit erreicht die Repression in dem krisengeschüttelten Land neue Ausmaße. „Diese Enteignung ist eine weitere Fortsetzung der Bestrafung und Verfolgung von zivilgesellschaftlichen und Menschenrechtsorganisationen durch Daniel Ortega und Rosario Murillo“, sagt CENIDH. „Damit wird das Recht auf Vereinigungsfreiheit und die kollektive Verteidigung der Menschenrechte verletzt.“ CENIDH setzt sich seit 28 Jahren für die Menschenrechte in Nicaragua ein. Seit Beginn der schweren politischen Krise im April 2018 dokumentiert CENIDH die gravierenden Menschenrechtsverletzungen durch Polizei und andere regierungsnahe Gruppierungen. Die CENIDH-Direktorin Vilma Núñez ist eine der bekanntesten MenschenrechtsaktivistInnen Lateinamerikas und eine vehemente Kritikerin von Präsident Daniel Ortega und seiner Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo. Für INKOTA ist klar: Der Entzug der juristischen Anerkennung von CENIDH ist ein politisches Manöver der Regierung von Daniel Ortega, um eine der wichtigsten Stimmen der nicaraguanischen Zivilgesellschaft zum Schweigen zu bringen. Wir solidarisieren uns mit dem Menschenrechtszentrum und verurteilen dessen faktisches Verbot sowie alle Menschenrechtsverletzungen, die die Regierung Daniel Ortegas zu verantworten hat. INKOTA hat am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, gemeinsam mit anderen Organisationen mit einer Mahnwache in Berlin auf die gravierende Menschenrechtslage in Nicaragua aufmerksam gemacht und die sofortige Freilassung der mehr als 600 politischen Gefangenen, die Entwaffnung paramilitärischer Einheiten und eine unabhängige Untersuchung aller Menschenrechtsverletzungen der letzten acht Monate gefordert. INKOTAs nicaraguanischer Projektpartner Popol Na unterstützt von politischer Repression Betroffene und Untergetauchte. Zahlreiche AktivistInnen, die für eine Demokratisierung des Landes auf die Straße gegangen waren, mussten untertauchen, weil sie von Verhaftung bedroht sind. Den in Verstecken lebenden Verfolgten fehlt es an Lebensmitteln, persönlichen Hygieneartikeln, Kleidung und Medikamenten. Popol Na unterstützt sie mit dem Nötigsten und leistet juristische und psychosoziale Begleitung. Weitere Informationen Mehr über die Abeit von INKOTAs Partner Popol Na in Nicaragua Spenden Sie für Hilfe für politisch Verfolgte in Nicaragua
Weitere Informationen und Kontakt: Isabell Nordhausen, nordhausen[at]inkota.de, Tel. 030-4208202-40
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Rundreise: Warum höhere Kakaopreise so wichtig sind

10. Dezember 2018 - 14:08
Anderthalb Schoko-Weihnachtsmänner ist jede/r Deutsche in der Advents- und Weihnachtszeit im Durchschnitt. Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei aus Ghana hat jetzt zum ersten Mal einen gesehen(!). Auf Einladung von INKOTA ist sie eine Woche lang durch Deutschland getourt, um über die Situation auf den Kakaoplantagen zu berichten. Denn die Kakaobäuerinnen und -bauern haben wenig vom Weihnachtsgeschäft: An einem verkauften Schoko-Weihnachtsmann verdienen sie gerade einmal sechs Cent. Für Elizabeth Osei Agyei und ihre Reisebegleiterin Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana ist deshalb klar: Die Bäuerinnen und Bauern müssen endlich höhere Kakaopreise erhalten. „Seit 2016 wurde der staatliche Kakaopreis in Ghana nicht erhöht“, beklagt Elizabeth Osei Agyei. „Aber in Ghana haben wir eine hohe Inflation. Wenn ich also heute auf den Markt gehe, kann ich mir von dem Geld viel weniger kaufen als vor zwei Jahren.“ Der Kakaosektor wird in Ghana durch eine staatliche Vermarktungsplattform, das COCOBOD, reguliert, welches jeweils zu Beginn der Erntesaison den Kakaopreis festlegt, der an die ghanaischen Bäuerinnen und Bauern gezahlt werden muss (mehr Infos dazu im Infoblatt „Ghana – Ein Land lebt vom Kakao“). Dass es seit Ende 2016 keine Preiserhöhung gegeben hat, liegt auch daran, dass der Weltmarktpreis für Kakao im gleichen Zeitraum um fast 40 Prozent gefallen ist. Es ist Montag, der 3. Dezember, und etwa 50 Personen haben sich zur Auftaktveranstaltung unserer Rundreise in der taz kantine in Berlin versammelt. Anhand von Bildern erklärt Elizabeth, wie ihr Alltag als Kakaobäuerin aussieht: Seit zwanzig Jahren betreibt sie in Asamankese in der Eastern Region in Ghana eine Kakaoplantage. Seit 17 Jahren ist sie zudem Mitglied bei Kuapa Kokoo, der größten Kakaokooperative Ghanas, und genießt dadurch auch eine Fairtrade-Zertifizierung. „Der Kakaoanbau bedeutet für uns jeden Tag harte, körperliche Arbeit“, so Elizabeth. „Aber das Geld, was ich dafür bekomme, reicht für meine Familie gerade mal zum Überleben – dabei geht es uns sogar besser als vielen anderen Kakaobauernfamilien. Meine Kinder haben deshalb keine Lust, später Bauern zu werden und meine Plantage zu übernehmen. Wenn das so weiter geht, könnte es sein, dass euch in Europa irgendwann der Kakao für eure Schokolade ausgeht.“ Jetzt Kakaobauern-Familien in Ghana unterstützen! Anschließend ergreift Sandra Kwabea Sarkwah das Wort. Sie ist Projektreferentin bei der Nichtregierungsorganisation SEND-Ghana und koordiniert dort ein gemeinsames Projekt mit INKOTA, in dem es darum geht, Kakaobäuerinnen und -bauern zu stärken, damit diese ihre Rechte besser gegenüber der ghanaischen Regierung und der Schokoladenindustrie einfordern können. „Die Bauern und Bäuerinnen haben in den letzten Jahren viele Trainings von der Industrie bekommen, wie sie ihren Anbau verbessern und dadurch mehr produzieren können. Uns geht es darum, die Bauern zu ermächtigen, selbst ihre Stimme zu erheben und ihre Interessen zu vertreten“, so Sarkwah. Unsere Gäste erwartet bei der Rundreise ein dichtes Programm: Am darauffolgenden Abend findet schon die nächste Veranstaltung in Oldenburg statt, auf Einladung von Brot für die Welt und dem Oldenburger Weltladen. Unterwegs nutzen wir die Gelegenheit, um die AktivistInnen vom Jungen entwicklungspolitische Forum in Bremen zu besuchen. Diese hatten sich in den vergangenen Jahren mehrmals an der Osteraktion der INKOTA-Kampagne Make Chocolate Fair! beteiligt und die Unternehmen Mondelez und Hachez aufgefordert, Verantwortung für die Situation in den Kakaoanbauregionen zu übernehmen. Für unsere Gäste aus Ghana ist es sehr interessant, zu sehen, dass sich Menschen in Deutschland für sie einsetzen – wie schon bei der Weltkakaokonferenz im April, als Sandra an unserem Protest mit der Initiative „Schoko Fair – Stoppt Kinderarbeit!“ teilnahm. Jetzt Kakaobauern-Familien in Ghana unterstützen! Am nächsten Tag gleich das nächste interessante Erlebnis: Wir besichtigen in Herford die Schokoladenfabrik der Firma Weinrich, die unter anderem die Schokolade für das Fairhandelsunternehmen GEPA produziert – für Sandra und Elizabeth ist es das erste Mal in einer Schokoladenfabrik. Sie staunen insbesondere über die großen Maschinen, mit denen aus den Bohnen Schokoladentafeln werden. Mit Geschäftsführer Cord Budde tauschen sich Elizabeth und Sandra darüber aus, welche Möglichkeiten es gibt, damit Kakaobauernfamilien einen höheren Preis erhalten. Aber auch die KonsumentInnen müssten bereit sein, einen höheren Preis für Schokolade zu zahlen, wenn sie wirklich fair sein soll. Immer wieder geht es bei unserer Reise auch um den Fairen Handel – so zum Beispiel bei unserer Veranstaltung in der Stadtbücherei in Tübingen, wo derzeit auch unsere Ausstellung „Süß&Bitter“ zu sehen ist. Die BesucherInnen wollen es ganz genau wissen: Wie viel bringt der Faire Handel den Bäuerinnen und Bauern? Elizabeth erklärt: Durch die Fairtrade-Zertifizierung erhält sie eine Extra-Prämie von 8 Cedis (umgerechnet 1,40 Euro) für jeden verkauften Kakaosack á 64 kg. 5 Cedis davon erhält sie direkt in bar, der Rest wird für Projekte wie z.B. den Bau von Schulen, Krankenhäusern oder Brunnen verwendet. Im Vergleich zu nicht zertifizierten Kakaobauern hat sie am Ende der Saison gerade mal 13 Euro mehr in der Tasche. Viel Geld ist das nicht. Vor diesem Hintergrund ist die Erhöhung des Kakao-Mindestpreises auf 2.400 US-Dollar pro Tonne zu begrüßen, welche Fairtrade während unserer Reise verkündete. Die nächste Station unserer Reise am folgenden Tag: Speyer. Hier diskutieren wir am Vormittag mit den SchülerInnen der Oberstufe des Edith-Stein-Gymnasiums über die Frage: Was bedeutet eigentlich „Fairness“? Die deutliche Antwort von Sandra: „Fairness ist, wenn die Bäuerinnen und Bauern für ihre harte Arbeit ein existenzsicherndes Einkommen erhalten. Erst dann können wir sagen, dass Schokoladen wirklich fair ist.“ In der Berliner Marienkirche gedachten Elizabeth und Sandra bei einem Gottesdienst anlässlich des 70. Jubiläums der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte all denjenigen, die weltweit noch immer von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Sandra berichtete im Gottesdienst über die Situation von Kakaobauernfamilien und dass ausbeuterische Kinderarbeit immer noch zum Alltag in vielen Kakaodörfern gehört. Landesbischof Dr. Markus Dröge erklärte in seiner Predigt: „Die internationale Staatengemeinschaft hat die Menschenrechte zwar durch viele völkerrechtliche Verträge als verbindlich anerkannt. Sie sind bei uns im Grundgesetz verankert. Und doch steht ihre Verwirklichung immer noch aus; ja schlimmer noch: diese Rechte werden weltweit vielfach mit Füßen getreten.“ Er lobte den Mut, sich für Menschenrechte einzustehen und appellierte an alle nicht nur an das eigene Recht zu denken, sondern auch an das Recht der Mitmenschen. „Das Recht, das mir gewährt wird, berührt auch das Recht, das andern gewährt wird. Leichter ist es, auf andere zu zeigen, die sich ändern müssen. Schwerer ist es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.“ Jetzt Kakaobauern-Familien in Ghana unterstützen!
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Immer im Januar: Raus zur „Wir haben es satt“-Demonstration

6. Dezember 2018 - 10:55
Unter dem Slogan „Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen! Für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen!“ findet am 19. Januar 2019 die bereits 9. „Wir haben es satt“-Demo statt. Organisiert wird sie von einem breiten Bündnis aus Umweltorganisationen, Bauern und Bäuerinnen, entwicklungspolitischen Gruppen und vielen mehr. INKOTA ist als Mitträger der Demo wie immer dabei. 
  • Was: 9. „Wir haben es satt“-Demonstration
  • Wann: Samstag, 19. Januar 2019, 12:00 Uhr
  • Wo: Brandenburger Tor, Berlin
Die Dürre 2018 hat gezeigt: So geht es nicht weiter! Wir brauchen endlich eine wegweisende Politik mit konsequentem Klimaschutz. Wir reihen uns ein in die globale Bewegung für Klimagerechtigkeit. Deswegen kämpfen wir für eine Landwirtschaft, die lebendige Böden schafft, zum Klimaschutz beiträgt und uns mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln versorgt! In vielen europäischen Schlachthöfen und Treibhausplantagen herrschen unwürdige Arbeitsbedingungen, damit Discounter und die Exportindustrie mit Dumpingpreisen immer größere Profite machen können. Die EU zwingt vielen Staaten des globalen Südens Freihandelsverträge auf und ruiniert mit Billigexporten dann Millionen Kleinbäuerinnen und –bauern. In einem solidarischen Europa sind gerechter Handel, Menschen- und Bauernrechte nicht verhandelbar! Auf dem Land und in der Stadt zeigen wir gemeinsam, dass es anders und besser geht. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern ackern ohne Glyphosat, halten ihre Tiere artgerecht und füttern gentechnikfrei. Immer mehr Menschen machen Foodsharing, sind Teil einer Solidarischen Landwirtschaft und entscheiden sich an der Ladentheke für gutes, handwerklich erzeugtes Essen aus der Region. Wir schauen über den Tellerrand und treten gemeinsam ein für die globale Agrar- und Ernährungswende und für ein Europa ohne Ausgrenzung und Rassismus! Sei dabei, wenn wir dafür mit Zehntausenden im politischen Berlin demonstrieren. Dann, wenn sich bei der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ und dem Agrarministergipfel alles um die Zukunft von Essen und Landwirtschaft dreht, fordern wir gemeinsam den Umbau der Landwirtschaft: Wir haben Agrarindustrie satt – Essen ist politisch! INKOTA ist nicht nur bei der Demo am Start, sondern organisiert in Kooperation mit weiteren Organisationen noch drei spannende Veranstaltungen rund um die Demo und die „Grüne Woche“.  Mehr Informationen dazu gibt es hier Informationen zu der Demo INKOTA-Arbeitsbereich Landwirtschaft und Welternährung

Gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für die Inhalte ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich. Der Inhalt dieser Veranstaltung spiegelt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Förderer wider.   
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Immer im Januar: Raus zur „Wir haben es satt“-Demonstration

5. Dezember 2018 - 10:55
Unter dem Slogan „Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen! Für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen!“ findet am 19. Januar 2019 die bereits 9. „Wir haben es satt“-Demo statt. Organisiert wird sie von einem breiten Bündnis aus Umweltorganisationen, Bauern und Bäuerinnen, entwicklungspolitischen Gruppen und vielen mehr. INKOTA ist als Mitträger der Demo wie immer dabei. 
  • Was: 9. „Wir haben es satt“-Demonstration
  • Wann: Samstag, 19. Januar 2019, 12:00 Uhr
  • Wo: Brandenburger Tor, Berlin
Die Dürre 2018 hat gezeigt: So geht es nicht weiter! Wir brauchen endlich eine wegweisende Politik mit konsequentem Klimaschutz. Wir reihen uns ein in die globale Bewegung für Klimagerechtigkeit. Deswegen kämpfen wir für eine Landwirtschaft, die lebendige Böden schafft, zum Klimaschutz beiträgt und uns mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln versorgt! In vielen europäischen Schlachthöfen und Treibhausplantagen herrschen unwürdige Arbeitsbedingungen, damit Discounter und die Exportindustrie mit Dumpingpreisen immer größere Profite machen können. Die EU zwingt vielen Staaten des globalen Südens Freihandelsverträge auf und ruiniert mit Billigexporten dann Millionen Kleinbäuerinnen und –bauern. In einem solidarischen Europa sind gerechter Handel, Menschen- und Bauernrechte nicht verhandelbar! Auf dem Land und in der Stadt zeigen wir gemeinsam, dass es anders und besser geht. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern ackern ohne Glyphosat, halten ihre Tiere artgerecht und füttern gentechnikfrei. Immer mehr Menschen machen Foodsharing, sind Teil einer Solidarischen Landwirtschaft und entscheiden sich an der Ladentheke für gutes, handwerklich erzeugtes Essen aus der Region. Wir schauen über den Tellerrand und treten gemeinsam ein für die globale Agrar- und Ernährungswende und für ein Europa ohne Ausgrenzung und Rassismus! Sei dabei, wenn wir dafür mit Zehntausenden im politischen Berlin demonstrieren. Dann, wenn sich bei der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ und dem Agrarministergipfel alles um die Zukunft von Essen und Landwirtschaft dreht, fordern wir gemeinsam den Umbau der Landwirtschaft: Wir haben Agrarindustrie satt – Essen ist politisch! INKOTA ist nicht nur bei der Demo am Start, sondern organisiert in Kooperation mit weiteren Organisationen noch drei spannende Veranstaltungen rund um die Demo und die „Grüne Woche“.  Mehr Informationen dazu gibt es hier Informationen zu der Demo INKOTA-Arbeitsbereich Landwirtschaft und Welternährung

Gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für die Inhalte ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich. Der Inhalt dieser Veranstaltung spiegelt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Förderer wider.   
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Nie wieder Rana Plaza! Bangladesch-ACCORD muss weiter gehen

1. Dezember 2018 - 11:28
Das Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch (ACCORD) steht vor dem Aus.  Die Regierung in Bangladesch ist gegen die Weiterarbeit mit dem ACCORD. Das Abkommen ist die wichtigste Konsequenz aus der Katastrophe von Rana Plaza vor fünf Jahren. Der Einsturz des Gebäudekomplexes mit 1.138 Toten und über 2.000 Verletzten war das schwerste Fabrikunglück in der Geschichte des Landes. Politik, Zivilgesellschaft und Unternehmen mahnen international die Bedeutung der Fortführung des ACCORD an und warnen vor den dramatischen Folgen, wenn das Abkommen nicht fortgeführt wird. Internationale Proteste gegen die Beendigung Am 30. November 2018 sollte das Büro des ACCORD in Bangladesch bereits geschlossen werden. Aufgrund von internationalen Protesten seitens des EU-Parlaments, verschiedener Regierungen u.a. Deutschlands, der Zivilgesellschaft sowie auch Bekleidungsunternehmen wurde die Beendigung der Weiterarbeit des ACCORD zum 30. November aber ausgesetzt. Am 6. Dezember gibt es eine weitere Anhörung des obersten Gerichts in Bangladesch. Derzeit ist offen, ob die Regierung in Bangladesch sich weiterhin gegen die Weiterarbeit mit dem ACCORD stellt. Das Europa-Parlament verabschiedete am 15. November eine Resolution, in der die Regierung von Bangladesch dringend dazu aufgerufen wurde, die vielfache Verletzung der Menschenrechte wie Behinderung des Rechts auf Vereinigungsfreiheit und Repression von GewerkschafterInnen zu unterbinden. Im Dezember 2016 waren nach Protesten für einen Lohn zum Leben 34 GewerkschafterInnen inhaftiert und über 1.600 ArbeiterInnen entlassen worden. Dabei wurde ebenso dringlich die Fortführung des ACCORD empfohlen. INKOTA und die Clean Clothes Campaign warnen vor dramatischen Folgen Der ACCORD ist ein glaubwürdiges und wirkungsvolles Programm. Er hat die Fabriken in Bangladesch für die Menschen sicherer gemacht hat, die unsere Kleidung herstellen. VertreterInnen der ArbeiterInnen in Bangladesch heben die hohe Wirksamkeit des Abkommens hervor. „Wir brauchen den ACCORD, denn dieser hat enorme Veränderungen bewirkt“, sagt Kalpona Akter von der Arbeitsrechtsorganisation BCSW Bangladesch. Die Sicherheit der ArbeiterInnen habe sich durch den ACCORD nachweislich erhöht. Video: Arbeiterin erklärt, warum der ACCORD wichtig für sie ist Unternehmen und Politik müssen Druck erhöhen Die Weiterarbeit und das Inspektionsprogramm des ACCORD vom Juni 2018 sind Teil eines Nachhaltigkeitsabkommens zwischen der EU, den USA, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Bangladesch. INKOTA ruft gemeinsam mit der Kampagne für Saubere Kleidung Unternehmen, Bundesregierung und die Europäischen Kommission dazu auf, bei der Regierung von Bangladesch deutlicher zu intervenieren und damit das Aus des ACCORD zu verhindern. Handelspräferenzen wie die Generalised Scheme of Preferences (GSP) für Bangladesch sollten ausgesetzt werden. Pflichten für Unternehmen bleiben bestehen Das Abkommen ist ein verbindlicher Vertrag zwischen den Gewerkschaften und internationalen Bekleidungsunternehmen. Die Pflichten für sichere Fabriken seitens der Unternehmen bleiben bestehen, auch wenn das Büro des ACCORD in Bangladesch geschlossen werden würde. Denn Unternehmen haben die Sorgfaltspflicht entsprechend der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte für eine sichere Lieferkette einzustehen, bei der Menschen nicht zu Schaden kommen. Deshalb sollten Aufträge nur in Fabriken platziert werden, die vom ACCORD inspiziert wurden und wo die Mängel beseitigt wurden. Der Chefinspektor für Sicherheit könnte erklären, dass es Fabriken, die den Sicherheitsauflagen nicht entsprechen, nicht mehr erlaubt ist, Produkte an die 192 ACCORD-Mitgliedsunternehmen zu verkaufen, da nicht länger garantiert werden kann, dass die Verbesserungs- und Renovierungsarbeiten in den Fabriken adäquat unterstützt werden. Die Textilindustrie in Bangladesch Die Textilfabriken in Bangladesch sind zentral für die Herstellung und den Handel mit Kleidung nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Für die Mitglieder des Bündnis für nachhaltige Textilien in Deutschland ist Bangladesch der Hauptbeschaffungsmarkt. Zugleich ist die Textilindustrie in Bangladesch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Land. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt mehr als zehn Prozent. Das Bündnis für nachhaltige Textilien muss daher massiv die Weiterarbeit des ACCORD vorantreiben, denn kein Unternehmen sollte das Risiko eingehen, dass eine weitere Katastrophe wie Rana Plaza geschieht. Ebenfalls besteht das Risiko bei einem Aus des ACCORD, dass die VerbraucherInnen  ‚Made in Bangladesh‘ aufgrund der negativen Reputation meiden. Video: Arbeiter erklärt, warum der ACCORD wichtig für ihn ist Über INKOTAs Arbeit für eine faire Textindustrie
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INKOTA beim Nyéléni-Kongress für Ernährungssouveränität

29. November 2018 - 10:52
Im Dezember findet der erste deutschsprachige Nyéléni-Kongress für Ernährungssouveränität in Freiburg statt. INKOTA ist als Teil der Bewegung mit dabei und organisiert einen Workshop zum Thema Agrarkonzerne und Big Data. Was: Nyéléni Kongress für Ernährungssouveränität
Wann: Donnerstag, 6. Dezember bis Sonntag, 9. Dezember 2018 –
Workshop „Agrarkonzernmacht – Großfusionen und Big Data“ am Samstag, 8. Dezember von 11:00 bis 12:30 Uhr
Wo: Freie Waldorfschule Rieselfeld, Ingeborg-Drewitz-Allee 1, 79111 Freiburg im Breisgau
Anmeldung: bis 30.11.2018, unter: www.co-munity.net/anmeldung-nyeleni-kongress-2018
Teilnahmebeitrag: 50 bzw. 30 Euro Auf dem Kongress bietet INKOTA gemeinsam mit dem Seeds Action Network einen Workshop zum Thema „Agrarkonzernmacht – Großfusionen und Big Data“ an. In dem Workshop werden insbesondere die Auswirkungen der wachsenden Agrarkonzernmacht sowie der fortschreitenden Digitalisierung auf Kleinbauern und –bäuerinnen sowie LandarbeiterInnen im globalen Süden beleuchtet, die eine besonders vulnerable Gruppe im globalen Agrar- und Ernährungssystem darstellen und gleichzeitig den Großteil der weltweit konsumierten Lebensmittel erzeugen. Darüber hinaus finden während der Kongresstage verschiedene Exkursionen, Plenumsdebatten, Jugend-Treffen, Frauen-Treffen und vieles mehr statt. Zum vielfältigen Programm geht es HIER. Nyéléni ist eine weltweite Bewegung für Ernährungssouveränität, die bei einem ersten Forum 2007 in Mali gegründet wurde und in der Bauern und Bäuerinnen ebenso wie NGO-VertreterInnen, Gewerkschaften, AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und an Landwirtschafts- und Ernährungsthemen interessierte BürgerInnen gemeinsam aktiv sind. Seit 2014 gibt es auch eine deutsche Nyéléni-Gruppe. Nun findet der erste Kongress statt, um Ideen und Ansätze zu diskutieren und gemeinsame Handlungsoptionen zu erarbeiten.
  Weitere Informationen: Mehr Informationen zum Thema Ernährungssouveränität INKOTA-Infoblatt zum Thema Ernährungssouveränität Appell zur INKOTA-Kampagne „Fusionswelle brechen - kein weiteres Bayer-Monsanto!“ Mehr Informationen zum Thema Digitalisierung der Landwirtschaft Gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für die Inhalte ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich. Der Inhalt dieser Veranstaltung spiegelt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Förderer wider.   
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Halte Dein Versprechen, H&M!

23. November 2018 - 11:59
Internationale Aktionswoche für Löhne, die zum Leben reichen. 2013 hat H&M angekündigt, bis zum Jahr 2018 existenzsichernde Löhne zu zahlen. Davon ist das schwedische Modeunternehmen meilenweit entfernt: Aber noch immer erhalten die ArbeiterInnen Löhne, die kaum zum Überleben reichen. Wir sagen: Krieg die Kurve, H&M! Es ist höchste Zeit, dass die ArbeiterInnen einen Lohn verdienen von dem sie und ihre Familien leben können. Den Druck auf H&M erhöhen! ArbeiterInnen verdienen mehr als einen Hungerlohn, deshalb erhöhen wir mit der internationalen Aktionswoche vom 23. - 29. November 2018 den Druck auf H&M und fordern von dem Moderiesen das Versprechen, existenzsichernde Löhne zu zahlen, endlich einzuhalten. In vielen Ländern gehen Menschen auf die Straße, sie sprechen unterschiedliche Sprachen, haben aber alle dieselbe Botschaft: Krieg die Kurve, H&M! #TurnAroundHM!
So auch in Berlin: Am 27. November fordern die Aktionsgruppe der Kampagne für Saubere Kleidung und das INKOTA-netzwerk mit einer Straßenaktion am Kurfürstendamm H&M auf, endlich die versprochenen Existenzlöhne zu zahlen. Seid gerne dabei! Mach mit! Erhöhe auch Du den Druck auf H&M und unterzeichne die Petition Halte deine Versprechen, H&M! Gemeinsam können wir erreichen, dass sich die Lebensbedingungen von 850.000 ArbeiterInnen in der Textilindustrie, die Teil von H&Ms Lieferkette sind, verbessern. In mehreren Städten weltweit sind kreative Aktionen geplant. In Deutschland sind AktivistInnen in Berlin, Stuttgart, Neumünster, Münster, Mannheim, Hannover, Greifswald, Dresden und Bonn am Start. Seid dabei bei der Aktion in Berlin:
  • Ort: Treffpunkt 17:00 Uhr, Kurfürstendamm 20-24
  • Zeit: 27. November 2018, 17 bis 19 Uhr
  • Kontakt: Lena Janda, janda[at]inkota.de
Recherchen belegen Armutslöhne Recherchen der Kampagne für Saubere Kleidung in Bulgarien, der Türkei, Indien und Kambodscha belegen, dass trotz des Versprechens keine/r der interviewten ArbeiterInnen auch nur ansatzweise einen existenzsichernden Lohn erhält. Stattdessen berichten sie von Hungerlöhnen, die nicht zum Leben reichen. Das Versprechen von H&M Am 23. November 2013 kündigte H&M öffentlich an innerhalb von fünf Jahren existenzsichernde Löhne an die ArbeiterInnen  in seinen Zulieferbetrieben zu zahlen. Als Teil einer Roadmap zu existenzsichernden Löhnen in der Textilindustrie sollten 850.000 ArbeiterInnen bis 2018 Existenzlöhne erhalten. Aber dies ist nicht passiert. Es wird wieder einmal deutlich, dass unternehmerische Selbstverpflichtung nicht ausreicht, um die Bedingungen für die ArbeiterInnen in den Fabriken am Ende der Lieferkette zu verbessern. Deshalb braucht es endlich politische Regulierungen, die dafür sorgen, dass Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltsplicht nachkommen. 

Weiterführende Informationen:
Studie: H&M - Vom Versprechen existenzsichernder Löhne und der Realität der Armutslöhne
Die Kampagne TURN AROUND, H&M
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