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Aktualisiert: vor 17 Stunden 54 Minuten

Mosambik nach der Katastrophe

23. Mai 2019 - 13:58
Die Wassermassen sind zurückgegangen, aber das Ausmaß der Katastrophe ist immer noch gewaltig. Im März zerstörte der Zyklon Idai die Küstenstadt Beira und hinterließ auch im Hinterland eine Spur der Verwüstung. Nur einen Monat später traf Zyklon Kenneth die Küstenregion in der nördlichen Provinz Cabo Delgado schwer. Jetzt Fotos von Hilfsaktionen ansehen und teilen Die Wirbelstürme kosteten rund 1.000 Menschen das Leben, mehr als 110.000 Häuser sind völlig unbewohnbar, etwa die gleiche Anzahl an Häusern ist stark beschädigt. 160.000 Menschen wurden in Nothilfezentren untergebracht. Tausende Klassenräume sind nicht mehr nutzbar, so dass für 335.000 SchülerInnen der Unterricht nun ausfallen muss. Fast 800.000 Hektar Ackerfläche wurden teilweise oder ganz zerstört und duzende Gesundheitsstationen sind nicht mehr nutzbar. Auch Wochen nach den Zyklonen sind viele Menschen akut auf Hilfe angewiesen. INKOTAs mosambikanische Partnerorganisationen ADECRU und UNAC leisten Nothilfe oder beteiligen sich am Wiederaufbau: ADECRU hat in einigen besonders betroffenen Dörfern in der Provinz Sofala bisher rund 500 Nothilfepakete für jeweis eine Familie verteilt. In den Paketen befanden sich u.a. Reis, Mehl, Zucker, Bohnen, Speiseöl, Seife und Kerzen für jeweils eine Familie. Dafür hat ADECRU einen Kleinlaster in Muxungue, einer Kleinstadt im Süden der Provinz Sofala, genietet. Dort wurde auch der Inhalt der Pakete eingekauft. „Der Transport in die notleidenden Dörfer war schwierig: Die Straßen sind immer noch in einem sehr schlechten Zustand“, sagt Jeremias Vunhanje von ADECRU. Der Bauernverband UNAC unterstützt die Menschen aus dem Projektgebiet in der Provinz Manica beim langfristigen Wiederaufbau und hilft ihnen, ihre Felder wieder instand zu setzen. Die Bauern und Bäuerinnen kehren jetzt in ihre Dörfer zurück und stehen vor einem kompletten Neuanfang. Ein Großteil der Getreideernte wurde von den Zyklonen zerstört, die Lager und Speicher sind leer. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Gemüseanbau in den nächsten Monaten. UNAC stellt Saatgut und Arbeitsgeräte zur Verfügung, damit die Menschen wieder etwas anbauen und sich selbst versorgen können. Spenden Sie für den Wideraufbau nach den Zyklonen Bildergalerie auf Facebook ansehen
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INKOTA begrüßt neue Zielsetzung des Forum Nachhaltiger Kakao

16. Mai 2019 - 15:05
Am 08. Mai verabschiedeten die Mitglieder des Forum Nachhaltiger Kakao auf der 7. Mitgliederversammlung zwölf neue Ziele. Die Ziele beinhalten ein deutliches Bekenntnis der Mitglieder, sich für existenzsichernde Einkommen für Kakaobauern einzusetzen, sowie ausbeuterische Kinderarbeit, Entwaldung und die Ausbringung von verbotenen und gefährlichen Pestiziden zu beenden. Darüber hinaus fordern die Mitglieder des Forum Nachhaltiger Kakao alle Akteure der Wertschöpfungskette dazu auf, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte umzusetzen. Das sind für INKOTA wichtige Schritte in die richtige Richtung. Zertifiziert bedeutet noch nicht existenzsichernd Denn die Wirkung des Forums Nachhaltiger Kakao wurde viel zu Lange daran gemessen, wie hoch der Anteil von zertifiziertem Kakao ist – zertifiziert durch Fairtrade, UTZ, Rainforest Alliance oder ähnliche Programme. Heute wissen wir, dass allein über Zertifizierung die Probleme der Armut unter Kakaobauernfamilien, der ausbeuterischen Kinderarbeit und der Entwaldung nicht gelöst werden. Das Forum Nachhaltiger Kakao hat deshalb neben der neuen Zielsetzung auch die Definition für nachhaltigen Kakao angepasst. Das Erwirtschaften existenzsichernder Einkommen ist dabei ein wesentlicher Bezugspunkt. Evelyn Bahn vom INKOTA-netzwerk, die die Akteure der Zivilgesellschaft im Vorstand des Forum Nachhaltiger Kakao vertritt, betont, dass mit der Verabschiedung der Ziele nur ein erster Schritt getan ist. Damit das Forum Nachhaltiger Kakao tatsächlich ein Vorreiter für Nachhaltigkeit wird, müssen die einzelnen Mitglieder wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation von Kakaobauernfamilien und dem Erhalt der natürlichen Ressourcen umsetzen. In den kommenden Monaten wird das Forum Nachhaltiger Kakao Handlungsempfehlungen für die Mitglieder entwickeln und ein Monitoringsystem zur Überprüfung der Fortschritte aufsetzen. Der Verabschiedung der neuen Ziele war ein 1-jähriger Dialogprozess vorangegangen, der maßgeblich von INKOTA und anderen Mitgliedern aus der Zivilgesellschaft innerhalb des Forums angestoßen wurde. Das muss jetzt passieren Das INKOTA-netzwerk sieht unter anderen folgende zentralen Handlungsfelder für die einzelnen Mitgliedsgruppen zum Erreichen der neuen Zielsetzung:
  • Unternehmen der Schokoladen-/Kakaoindustrie und des Einzelhandels sollten sich an Pilotprojekten zu existenzsichernden Einkommen beteiligen.
  • Unternehmen der Schokoladen-/Kakaoindustrie und des Einzelhandels sollten sich an der Wiederaufforstung in Agroforstsystemen beteiligen.
  • Fairtrade und Rainforest Alliance sollten ihre Zertifizierungssysteme im Kakaosektor weiterentwickeln. Die Rainforest Alliance sollte einen garantierten Mindestpreis einführen, der sich an demjenigen von Fairtrade orientiert. Bis 2025 sollten beide Zertifizierungssysteme den Kakaobauern und –bäuerinnen existenzsichernde Preise garantieren.
  • Die Bundesregierung sollte sich auf EU-Ebene und auf Bundesebene für gesetzliche Regulierungen zu menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten einsetzen.
  • INKOTA wird sich zudem für die Stärkung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Kakaobauernorganisationen einsetzen und deren politische Teilhabe am Dialog zur Gestaltung des Kakaosektors unterstützen.
Im Forum Nachhaltiger Kakao haben sich die Bundesregierung, vertreten durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die deutsche Süßwarenindustrie, der deutsche Lebensmittelhandel und die Zivilgesellschaft zusammengeschlossen.
Zeichnung: Anne Lehmann Weitere Informationen: Weitere Informationen zur 7. Mitgliederversammlung des Forum Nachhaltiger Kakao e.V. Infoblatt: Die bittere Wahrheit über Schokolade Kakaobarometer 2018: Überblick über Nachhaltigkeitsinitiativen im Kakaosektor Hamburger Stiftung Wirtschaftsethik über die neuen Ziele des Forum Nachhaltiger Kakao
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INKOTA vs. Bayer: Diskussion in Berlin - seien Sie dabei!

16. Mai 2019 - 11:55
Gerade erst haben wir unse neue Broschüre "Advancing together?" veröffentlicht, die einen kritischen Blick auf die Geschäftspraktiken von Bayer seit der Übernahme von Monsanto wirft. Und wir haben unsere Kritik mit einer Rede auf der Bayer-Hauptversammlung direkt an den Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns herangetragen. Doch die Antworten auf unsere kritischen Fragen an Bayer waren bisher alles andere als zufriedenstellend. So ließ der Vorstandsvorsitzende Baumann etwa die Frage, wie Bayer in Zukunft die Einhaltung des Rechts auf Saatgut garantieren wolle, gänzlich unbeantwortet und wollte keine geschäftlichen Details zu den neuen digitalen Farm-Management-Systemen preisgeben. Gleichzeitig bekräftigte Bayer uns gegenüber immer wieder die Einhaltung aller regulatorischen Anforderungen im jeweiligen Land in Bezug auf den Verkauf giftiger Pestizide und rühmte sich mit „beispielhaften Leistungen in den Bereichen Menschenrechte und Umweltschutz“ sowie mit der gezielten Unterstützung von Kleinbauern und –bäuerinnen in vielen Teilen der Welt. Eine Frechheit! Nun haben wir gleich zweimal die Chance, diese und andere strittige Fragen mit Bayer-Vertretern zu diskutieren – dazu laden wir Sie herzlich ein! Seien Sie dabei, wenn wir Bayer auf den Zahn fühlen! Was: Diskussion „Kleinbäuerliche Landwirtschaft – Von den Feldern des Globalen Südens bis in unsere Supermärkte?“ im Rahmen der Entwicklungspolitischen Diskussionstage des Seminars für Ländliche Entwicklung (SLE)
Wann: Mittwoch, 22.05.2019 von 15.30 Uhr bis 19.00 Uhr
Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin
Eintritt: frei
Mehr zur Veranstaltung Was: Filmvorführung „Unser Saatgut“ und Podiumsdiskussion (beides auf Englisch)
Wann: Freitag, 24.05.2019 von 20.00 bis 23.30 Uhr
Wo: Berliner Union Film, Oberlandstraße 26-35, 12099 Berlin
Eintritt: 8 bis 10 Euro
Mehr zur Veranstaltung Wir freuen uns, mit Ihnen zu diskutieren! Jetzt Broschüre "Advancing together?" im Webshop bestellen
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INKOTA-Workshop beim Jugendfestival Beats und Bohne!

15. Mai 2019 - 15:06
Ihr wollt den Festival-Sommer mit eurem Engagement für eine Agrar- und Ernährungswende verbinden? Dann meldet euch jetzt für das „Wir haben es satt!“-Jugendfestival vom 20. bis 23. Juni 2019 an und bringt euch ein beim INKOTA-Workshop zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft. Was: Workshop „Digitalisierung in der Landwirtschaft - bedeutungslose Technik-Spielerei, Lösung für Hunger und Umweltzerstörung oder Bedrohung für Bauern und Bäuerinnen?“
Wann: 22. Juni 2019, 10 bis 12 Uhr
Wo: Dottenfelder Hof, Bad Vilbel (bei Frankfurt am Main)
Anmeldung: unter www.wir-haben-es-satt.de/festival/tickets/
Kosten: Die Kosten für das Festival-Ticket betragen 50 € (Normalpreis) bzw. 70 € (Soli-Preis). Im Ticketpreis sind die Teilnahme an allen Veranstaltungen, das Camping sowie die Vollverpflegung durch eine VoKü enthalten. Alle interessierten jungen Erwachsenen zwischen 17 und ca. 32 Jahren können sich vier Tage lang zu den Themen zukunftsfähige Landwirtschaft und gutes Essen informieren und vernetzen. Im Sommer unter freiem Himmel sorgt eine Mischung aus leckerem Essen, guter Musik und politischen Workshops für mitreißende Festivalstimmung. Die Teilnehmenden erwarten vier Tage voll spannender Arbeitsgruppen und Aktivwerkstätten, Film- und Theatervorführungen, Bands und vieles mehr. INKOTA-Referentin Lena Michelsen wird dabei einen Workshop zum Thema „Digitalisierung in der Landwirtschaft - bedeutungslose Technik-Spielerei, Lösung für Hunger und Umweltzerstörung oder Bedrohung für Bauern und Bäuerinnen?“ anbieten. Vor dem Hintergrund der Frage, wie digitale Instrumente sinnvoll im Sinne einer sozial gerechten und ökologischen Agrarwende genutzt werden könnten, werden Gefahren und Potenziale dieses kontroversen Themas diskutiert. Mehr Informationen Digitalisierung in der Landwirtschaft INKOTA-Infoblatt zur Digitalisierung in der Landwirtschaft Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für den Inhalt dieser Publikation sind die Herausgeber alleine verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.     
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Trefft INKOTA auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag

14. Mai 2019 - 12:08
Werdet mit uns aktiv für Menschenrechte in der globalisierten Wirtschaftswelt und kommt zu unserem Aktionsstand beim Deutschen Evangelische Kirchentag in Dortmund.
  • Was: Aktionsstand „Ein Mensch ist keine Nähmaschine – Kann Mode IN sein, wenn Menschenrechte OUT sind?“ plus Programm
  • Wann: 20.-22- Juni 2019
  • Wo: Zentrum Jugend auf dem Fredenbaumplatz, Dortmund
Informieren und austauschen An unserem Aktionsstand informieren wir über die dramatischen Arbeitsrechtsverletzungen in der Schuh- und Lederindustrie. Unsere Change Your Shoes Ausstellung, ein Quiz oder ein Gespräch auf einem unserem Schuhputzstuhl geben Euch Einblicke in den Alltag der ArbeiterInnen, die unsere Schuhe produzieren.   Gegenzeichen setzen und Aktivwerden Junge und Junggebliebene können ihre Menschenrechtsbotschaften auf Schnürsenkeln und T-Shirts verbreiten, in Upcycling-Workshops mit „neu-gewonnenen“ Portemonnaies, Stoffbeuteln und Lieblingskleidungsstücken Ressourcen schonen sowie unseren Appell „Menschenrechte schützen – Konzernklagen stoppen“ unterstützen. Sehen und diskutieren Mit Filmen und einer Theaterinstallation vertiefen wir die Perspektive von Menschen aus den Produktionsländern.
  • Am Donnerstag (20.06.2019) zeigen wir im Zentrum Jugend um 20.00 Uhr den Film „Der Preis der Turnschuhe – Billiglohn für schicke Treter“ (Fredenbaumplatz, Workshopzelt 4, Ebertstraße 49, Innenstadt Nord).
  • Am Freitag (21.06.2019) um 14.00 Uhr zeigen SchülerInnen des Friedrich-von-Alberti-Gymnasiums die Theaterinstallation „Fashion Pressure“ (grammophon Events, EG, Grammophon Palace, Ebertstraße 30, Innenstadt Nord).
  • Am Freitag (21.06.2019) um 20.00 Uhr zeigen wir um 20.00 Uhr den Film „Machines“ (Fredenbaumplatz, Workshopzelt 4, Ebertstraße 49, Innenstadt-Nord)
Hier findet ihr uns: INKOTA-Aktionsstand „Ein Mensch ist keine Nähmaschine – Kann Mode IN sein, wenn Menschenrechte OUT sind?“ Zentrum Jugend, Fredenbaumplatz, gleich neben dem Zelt 3 in der Nähe der Container.Kiez.Kirche

Fragen? Anne Neumann (neumann[at]inkota.de)

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Erdüberlastungstag: Das sagen Kinder dazu!

3. Mai 2019 - 8:57
Am 3. Mai sind alle Ressourcen gerodet, gefischt, gegessen, verheizt und verschmutzt, die der Welt 2019 zur Verfügung stehen, würde die gesamte Weltbevölkerung auf so großem Fuß leben wie die Menschen in Deutschland. Ab diesem Tag leben wir auf Kosten der nächsten Generationen. Wir haben Kinder gefragt, was sie davon halten. Schauen Sie sich jetzt die Antworten an.
Klicken und Video ansehen Dieses Experiment hat deutlich gemacht, was die Bewegung „Fridays for Future“ in den letzten Monaten bereits eindrücklich bewiesen hat: Viele Kinder sind sich voll und ganz darüber bewusst, wie unverantwortlich und unnachhaltig „die Erwachsenen“ leben und wirtschaften. Und sie haben ganz konkrete Antworten und Vorstellungen, was wir ändern müssen. Jetzt Video ansehen und teilen Nicht nur für die SchülerInnen, sondern auch für die Referentinnen von INKOTA, BUNDjugend, Fairbindung, Germanwatch und NAJU war es ein ganz besonderer Videodreh: Einen halben Tag lang ging es an einer vierten Klasse in Berlin um das Thema Ressourcenverbrauch – ganz ohne Schulnoten, aber voller Elan. An verschiedenen Stationen konnten die Kinder lernen, was der ökologische Fußabdruck ist oder verschiedene Rohstoffe ihren natürlichen Grenzen zuordnen. Und nebenbei wurde eben auch noch ein Video gedreht. Der deutsche Erdüberlastungstag markiert den Tag im Jahr, an dem rein rechnerisch alle Ressourcen aufgebraucht sind, die für das ganze Jahr zur Verfügung stünden, wenn die ganze Welt so leben und wirtschaften würde wie die Menschen in Deutschland. Dann bräuchten wir drei Planeten. Mehr Informationen zum Erdüberlastungstag Pressemitteilung zum deutschen Erdüberlastungstag 2019
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Ein Jahr Bayer-Monsanto: Kein Grund zum Feiern

24. April 2019 - 12:05
Hochgiftige Pestizide, gentechnisch verändertes Saatgut, schädliche Düngemittel – auch ein Jahr nach der Fusion von Bayer und Monsanto verfolgt der Megakonzern mehr denn je ein desaströses Geschäftsmodell. Es schädigt die Umwelt, macht Menschen krank und missachtet Menschenrechte. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie „Advancing Together? Ein Jahr Bayer-Monsanto: Eine kritische Bilanz“, die INKOTA heute gemeinsam mit Misereor veröffentlicht. Hier klicken und Studie kostenlos bestellen Anhand von konkreten Beispielen aus dem globalen Süden zeigt die Studie: Das Versprechen des Bayer-Chefs Werner Baumann, zukünftig mehr gesunde und nachhaltige Lebensmittel zu produzieren, ist nichts als heiße Luft. Bayer verkauft in Brasilien Pestizide, die in der EU längst verboten sind, setzt sich in Argentinien für ein Gesetzt ein, das Kleinbauern und -bäuerinnen die kostenfreie Nutzung von Saatgut verbieten soll, und sorgt im südlichen Afrika für die massive Verbreitung von Genmais, der nicht so dürreresistent zu sein scheint wie behauptet. INKOTA-Referentin Lena Michelsen wird den Aktionärinnen und Aktionären die Ergebnisse der Studie persönlich auf der Jahreshauptversammlung der Bayer AG vortragen. „Als deutsche Zivilgesellschaft tragen wir eine besondere Verantwortung, die Praktiken des neuen Megakonzerns mit Sitz in Deutschland kritisch zu begleiten“, sagt Michelsen.
Lesen Sie jetzt vorab die Ergebnisse der Studie
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Zyklon Idai: Hunderttausende Menschen in Mosambik sind obdachlos

20. März 2019 - 11:55
Wir sind in großer Sorge um unsere Partner und Partnerinnen in Mosambik. Die Nachrichten und Bilder, die uns momentan erreichen, sind schockierend. Der Zyklon Idai traf am 14. März auf die Küste Mosambiks in Höhe der Hafenstadt Beira, der viertgrößten Stadt des Landes. Der Wirbelsturm hinterließ eine Spur der Zerstörung und Verwüstung. Das Ausmaß der Katastrophe ist nach wie vor unklar, denn große Teile der zentralmosambikanischen Provinzen Sofala und Manica sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Sicher ist, dass Hunderttausende Menschen ihre Häuser und ihren Besitz verloren haben. Verschlimmernd kommt hinzu, dass die Ernte zahlloser Bauern und Bäuerinnen zerstört wurde – mit schwerwiegenden Folgen für die Ernährungssicherung der größtenteils armen Bevölkerung. INKOTA-Partner mittendrin Den MitarbeiterInnen unserer Partnerorganisationen in Mosambik geht es, zumindest soweit wir bisher wissen, gut – aber sie alle sind in Sorge um Familie und Freunde in den betroffenen Regionen. „Die Menschen im Großraum Beira hat es am schlimmsten getroffen“, berichtet Bartolomeu Antonio, Koordinator des Bauernverbands UNAC, einer INKOTA-Partnerorganisation. „Die gesamte öffentliche Infrastruktur wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Märkte sind zerstört. Es gibt keinen Strom und kein Leitungswasser, Nahrungsmittel werden knapp. Viele Menschen warten immer noch auf Hilfe – und die Zeit rennt uns davon“. Anhaltende Regenfälle erschweren die Rettungs- und Aufräumarbeiten zusätzlich. In der Provinz Manica wurden die Bauern und Bäuerinnen aus dem UNAC-Projekt hart von Zyklon Idai getroffen. Unzählige Häuser wurden zerstört, und ein Großteil der kurz bevorstehenden Getreideernte ist verloren. Das UNAC-Team versucht seit Tagen, mit den Projektteilnehmenden in Kontakt zu treten – doch auch hier sind Straßen überschwemmt oder weggespült und nicht passierbar. Auch die Telefonnetze sind ausgefallen, so dass wir noch immer auf direkte Nachrichten aus dem Projektgebiet warten, um entscheiden zu können, wie wir die Menschen vor Ort am besten unterstützen können. UNAC wird auf jeden Fall am langfristigen Wiederaufbau in der Projektregion beteiligt sein. Wenn Sie diese Arbeit schon jetzt unterstützen wollen, spenden Sie bitte unter dem Kennwort „Zyklon“ auf das unten angegebene INKOTA-Konto oder hier über unser Online-Spenden-Formular: Jetzt spenden! Spendenkonto:
KD-Bank
IBAN: DE06 3506 0190 1555 0000 10
BIC: GENODED1DKD
Stichwort „Zyklon“
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„Ich bin kein Niemand!“

19. März 2019 - 14:32
Im Dezember haben die Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei und Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana eine Rundreise quer durch Deutschland unternommen. Im Gespräch mit Kakao-Referentin Evelyn Bahn berichten die beiden über ihre Eindrücke von Deutschland, den Kontakt mit Verbraucherinnen und Verbrauchern und über ihren Kampf für höhere Kakaopreise. —  Evelyn: Ihr wart im Dezember auf Rundreise durch Deutschland und habt Menschen in Berlin, Oldenburg, Speyer und Tübingen getroffen. Was werdet Ihr von diesen Begegnungen in Erinnerung behalten? Sandra: Ich habe damit gerechnet, dass sich die Leute hauptsächlich für das Endprodukt interessieren – also die Schokolade. Aber sie waren wirklich am Wohlergehen der Kakaobauernfamilien und an der Situation in Ghana interessiert. Viele wollten wissen, was VerbraucherInnen tun können, damit sich die Situation der Menschen in Ghana verbessert. Besonders über ihre eigene Rolle und Verantwortung wollten sie viel erfahren. Dieses große Interesse macht mir Mut. Elizabeth: Für mich war es eine wichtige Erfahrung, über mein Leben in Ghana vor großem Publikum zu berichten. In Tübingen waren wir zum Beispiel bei einem Schokoladenfestival. Die Größe der Veranstaltung hat mich sehr beeindruckt. Es waren unglaublich viele Menschen aus der ganzen Welt dort. Und trotzdem fiel es mir am Ende der Tour viel leichter, von mir zu erzählen. Ich hatte einfach genug Übung bekommen. Und nebenbei: Ich habe dort zum ersten Mal eine heiße Schokolade getrunken – hat gut geschmeckt! — 

Ghana ist der zweitgrößte Kakaoproduzent weltweit. 20 Prozent des Kakaos stammen aus dem westafrikanischen Land. Die Existenz von einer Million Kakaobauern und -bäuerinnen und ihren Familien hängt an der braunen Bohne. Elizabeth Osei Agyei (links) und Sandra Kwabea Sarkwah fordern deshalb, den Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern endlich zu stärken. Jetzt spenden! —  Warum habt ihr diese Aufklärungstour überhaupt gemacht? Sandra: Die Mehrheit der Kakaobauernfamilien lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wir wollten VerbraucherInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen der Schokoladenindustrie in Deutschland über die Lebenssituation von Kakaobauernfamilien informieren – und so ein Bewusstsein dafür schaffen, dass mit dem jetzigen Kakaopreis ein Leben in Würde nicht möglich ist. Eure Forderung ist also ein höherer Preis für die Kakaobohnen. Wenn Kakao teurer wird, müssen wir in Deutschland aber auch mehr für Schokolade bezahlen, oder? Elizabeth: Jedes Jahr werden die Preise für Lebensmittel und andere Waren in Ghana teurer. Aber wir bekommen nicht mehr Geld für unsere Kakaobohnen. Wenn die VerbraucherInnen mehr für die Schokolade bezahlen würden, würden uns die Unternehmen hoffentlich einen besseren Preis geben. Sandra: Das hoffe ich auch. Aber wenn die VerbraucherInnen mehr zahlen, dann muss auch sichergestellt werden, dass das Geld bei den Bauern und Bäuerinnen ankommt. Was sollten VerbraucherInnen eurer Meinung nach tun? Sandra: VerbraucherInnen müssen ihre Stimme gegenüber der deutschen Regierung erheben und verbindliche Regeln für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte einfordern. Bisherige freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht aus. Damit der Kakaosektor gerechter wird und sich die Lebensbedingungen der Bauern und Bäuerinnen verbessern, brauchen wir Verbindlichkeit. Hier sind die VerbraucherInnen in Deutschland auch als BürgerInnen gefragt. In Ghana wird der Kakaosektor durch eine staatliche Behörde reguliert, das Ghana Cocoa Board (Cocobod). Es gibt den Vorwurf, dass innerhalb des Cocobod das Geld in privaten Taschen verschwindet. Stimmt das? Sandra: Das große Problem des Cocobod ist die fehlende Transparenz: Wir wissen nicht, wie viel Geld es wofür ausgibt. Interessanter als die Frage der Veruntreuung ist also die Frage, wie das Geld tatsächlich verteilt wird. Kakaobauern und -bäuerinnen in Ghana erhalten ungefähr 70 Prozent des Verkaufspreises. Was passiert aber mit den verbleibenden 30 Prozent? Das Cocobod bezahlt davon den Transport und andere logistische Aufgaben, die Verteilung von Pestiziden und Düngemitteln und die Gehälter seines Personals. Aber was genau wo hingeht, das wissen die Kakaobäuerinnen und -bauern nicht. Sie haben aber ein Recht darauf, zu erfahren, was damit passiert – denn eigentlich ist es ihr Geld, dass da verwendet wird. Wir werden immer wieder gefragt, ob es für die Menschen in Ghana nicht besser wäre, wenn nicht nur der Kakao, sondern die gesamte Schokolade dort hergestellt würde. Weil dann mehr GhanaerInnen etwas vom Schokoladengeschäft hätten und wohl auch der Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern in der Lieferkette größer wäre. Was denkt Ihr darüber? Sandra: Ich kann diese Argumentation gut nachvollziehen, glaube aber nicht, dass das machbar ist. Zum einen wären die Produktionskosten sehr hoch. Wir produzieren nur den Kakao in Ghana. Die anderen Zutaten, wie Zucker und Milchpulver, müssten wir importieren. Zum anderen fehlt es an einer stabilen und leistungsstarken Energieversorgung. Dazu kommt noch unser Klima. Die hohen Temperaturen sind ungünstig, um Schokolade herzustellen. Wir müssten wahnsinnig viel Energie aufbringen, um die Schokolade zu kühlen, damit sie nicht schmilzt. Das ist wirtschaftlich kaum rentabel.  Dann müssen die Kakaobäuerinnen und -bauern also anders gestärkt werden. SEND-Ghana führt deshalb zum Beispiel Argumentations- und Verhandlungstrainings für sie durch. Was lernen die Teilnehmenden dort genau? Elizabeth: Erstmal hat mir die Schulung gezeigt, dass ich eine Kakaobäuerin bin und kein Niemand. Wir Kakaobäuerinnen haben bislang keinen Zugang zu Versammlungen oder politischen Entscheidungsträgern. Deshalb bin ich sehr froh, dass sich SEND-Ghana dafür einsetzt, dass unsere Stimme gehört wird. Sandra: Es geht darum, den Bauern und Bäuerinnen zu vermitteln, warum das Thema Interessensvertretung so wichtig ist, um sich für faire Preise für Kakaobohnen einzusetzen. Durch Argumentations- und Verhandlungstrainings erhalten sie die Möglichkeit, sich gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu äußern. Nur wenn die Bäuerinnen und Bauern ihre Stimme laut erheben und für sich einstehen, wird die Politik auf ihre Forderungen reagieren. — — Und bislang hat niemand die Kakaobäuerinnen und -bauern gefördert? Sandra: Es gab über die Jahre schon viele Unterstützungsangebote. In diesen Maßnahmen ging es aber fast immer nur darum, die Kakaoerträge zu steigern. Sie erhöhen den Arbeitsaufwand auf der Plantage enorm, führen aber kaum zu höheren Einkommen. Uns ist es wichtig, dass Bauern und Bäuerinnen diese Ungerechtigkeiten erkennen und sie formulieren können. Elizabeth, Du bist eine Fairtrade-zertifizierte Kakaobäuerin. Es gibt noch weitere Siegel des Fairen Handels, die wir in Deutschland zum Beispiel von den Schokoladentafeln kennen. Ändern die Siegel etwas an der Lebenssituation von Kakaobauern und  bäuerinnen? Elizabeth: Für mich erstmal ja, weil ich über Kuapa Kooko – meine Kakaokooperative – eine Fairtrade-Prämie erhalte. Für jeden 64 Kilo-Sack Kakao erhalte ich 5 Cedis extra (etwa 0,90 Euro, Anm. d. Red.). Zudem nutzt unsere Kooperative die Prämie, um zum Beispiel in Brunnen oder Schulen zu investieren. Außerdem schätze ich die Krankenversicherung, die in Ghana sehr teuer ist. In unsere Gemeinde kommt ein Arzt, der uns untersucht. Wenn ich krank bin, kann ich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Kuapa Kokoo übernimmt sogar die Transportkosten. Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde im Jahr 2030 das Leben einer Kakaobauernfamilie aussehen? Elizabeth: Ich wünsche mir, dass mich die Menschen respektieren – und andere Kakaobäuerinnen und -bauern auch. Dass sie sagen, schaut her, diese Person ist eine Kakaobäuerin. Wir fordern Respekt für uns, unsere Arbeit und unsere Familien. Sandra: Kakaobauern und -bäuerinnen sollten in angemessenen Unterkünften wohnen und einen Zugang zu guter Gesundheitsversorgung erhalten. Ihre Kinder haben das Recht auf eine anständige Bildung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Altersvorsorge. Die Arbeit auf Plantagen ist ein Knochenjob, der mit zunehmendem Alter kaum noch durchführbar ist. Sie haben auch fast keine Möglichkeit, zu sparen. Ein existenzsicherndes Einkommen, während des Arbeitslebens und im Alter, das ist mein allergrößter Wunsch für die Kakaobauern-Familien – bei uns und überall auf der Welt. Vielen Dank, dass ihr hier wart. Es war eine tolle Zeit mit euch! Jetzt spenden! Kakaobäuerinnen und -bauern in Ghana stärken: Erfahren Sie hier mehr!
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Nicaragua und die Zukunft linker Politik

7. März 2019 - 14:17
Konferenz über Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe Ausgehend von den Erfahrungen in Nicaragua und Lateinamerika bringt die Konferenz AkteurInnen aus Nicaragua, Lateinamerika und Deutschland zusammen. In Workshops und auf Podien diskutieren sie mit uns über Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe.

  • Was: Nicaragua-Konferenz mit:
    • Maria Teresa Blandon, Soziologin und feministische Aktivistin, Nicaragua
    • Edgardo Lander, Soziologe und Aktivist, Venezuela
    • Mónica Lopez Baltodano, Anwältin und Aktivistin der Articulación de los Movimientos Sociales, Nicaragua
    • Francisca Ramírez, Anführerin der bäuerlichen Anti-Kanalbewegung, Nicaragua
    • Raul Zelik, Aktivist und Parteivorstand Die Linke und vielen mehr
  • Wann: Freitag, 05. April, 19 Uhr, bis Sonntag, 07. April, 15 Uhr
  • Wo: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
  • Anmeldung bis zum 22.03.2019 unter krekeler[at]inkota.de
Nicaragua hat sich vom weltweit wahrgenommenen Symbol eines erfolgreichen revolutionären Kampfes gegen die Diktatur 1979 zu einer neuen Diktatur entwickelt. Im Bündnis mit Kirche und Unternehmern kontrolliert die Regierung der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN, Frente Sandinista de Liberación Nacional) unter Daniel Ortega weite Bereiche der Gesellschaft, demokratische Freiheiten existieren nur auf dem Papier, Staat und Partei sind längst verschmolzen. Gegen diese autoritären und parternalistischen Entwicklungen begehrten im April 2018 zunächst Studierende auf, denen sich schnell breite Teile der Bevölkerung anschlossen. Die blutige Antwort des Regimes auf die ersten Demonstrationen brachte Hunderttausende auf die Straße. Seit Ausbruch der Proteste wurden über 320 Menschen getötet, Tausende verletzt, gut 30.000 Menschen sind vor der Verfolgung des Regimes ins Exil geflohen. Zuletzt wurde zahlreichen Organisationen die Rechtsfähigkeit entzogen, was nicht nur ein faktisches Verbot, sondern auch eine Form der Kriminalisierung zivilgesellschaftlicher Arbeit bedeutet. Diese neue Qualität der Gewalt offenbart, worauf regierungskritische Stimmen in Nicaragua schon lange hinweisen: Die einstige Revolutionspartei FSLN hat ihren emanzipatorischen Charakter verloren und Präsident Daniel Ortega hat das Land erneut in eine Diktatur gestürzt. Dabei fordern die Protestierenden nicht nur den Rücktritt Ortegas, sondern entwerfen zugleich neue Gesellschaftskonzepte von unten. Wie können diese Entwürfe zusammengefasst werden und welche Anschlüsse bieten sie für linke Utopien über den Kontext Nicaraguas hinaus? Die Regierung Ortega hat sich selbst den „progressiven Regierungen“ zugeschrieben, die im Lateinamerika der letzten Dekaden hegemonial waren. Auch deshalb wirft die Situation in Nicaragua Fragen auf, die weit über das Land hinausweisen: Fragen nach dem Verhältnis von Partei, Staat und Bewegung, nach dem Stellenwert von Demokratie und Freiheitsrechten, nach Solidarität, alternativen Entwicklungsmodellen und feministischen Perspektiven.
  • Anmeldung verbindlich bis zum 22.03.2019 unter krekeler[at]inkota.de
  • Teilnahmebeitrag: 30€, ermäßigt 15€
  • Bankverbindung: INKOTA-netzwerk e.V., KD-Bank, IBAN: DE06 3506 0190 1555 0000 10, Verwendungszweck: Teilnahmebeitrag Nicaragua-Konferenz
Eine Konferenz von:
Heinrich-Böll-Stiftung, Informationsbüro Nicaragua e.V., INKOTA-netzwerk, medico international, Rosa-Luxemburg-Stiftung, SOSNicaragua Alemania
Weiterlesen: Hilfe für politisch Verfolgte in Nicaragua INKOTAs Projektarbeit in Nicaragua
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Mode, Menschen und Maschinen - der Aktionsworkshop von Change Your Shoes

27. Februar 2019 - 12:14
In unsere Kleidung stecken Geschichten: Es sind Menschen, die Zuschneiden, Kleben und Nähen. Aber unter welchen Bedingungen? Beim Aktionsworkshop schauen wir hin und blicken in verschiedene Fabriken in Indien. Wir werden aktiv und stärken mit unseren Ideen die ArbeiterInnen vor Ort. Gemeinsam entwickeln wir eine Crowdfunding-Kampagne für die wir Slogan-Shirts erarbeiten. Was sind Eure Ideen für Subversive Motto-Shirts?
  • Wann: 3. Mai, 16 Uhr - 5. Mai, 14 Uhr
  • Wo: wannseeFORUM, Hohenzollernstraße 14, 14109 Berlin
  • Zur Anmeldung
In den Schaufenstern Europas funkeln die fancy Shirts, Hosen und Schuhe - in Indien trüben sich die Gesichter und Gewässer. Oft wird vergessen, dass in unserer Kleidung Lebensgeschichten stecken. Es sind Menschen und nicht Maschinen, die Zuschneiden, Heften, Kleben und Nähen. Es sind Menschen, die trotz Arbeit arm sind und die unter miserablen Bedingungen viel zu viele Stunden am Tag arbeiten, sie sind davon betroffen, dass Gewässer vergiftet sind und Arbeitsschutz ein Fremdwort ist.

Wir schauen hin:
Im Aktionsworkshop blicken wir in die Produktionsstätten unserer Kleidung und Schuhe in Indien, ein wichtiges Produktionsland. In einer riesigen Textilfabrik in Gujarat wird produziert, was bei uns für wenig Geld über die Ladentheken geht. Die Gänge in der Fabrik sind unübersichtlich, die Arbeit ist hart und unmenschlich. In dem Film „Machines“ zeigt Regisseur Rahul Jain, wie tausende ArbeiterInnen jeden Tag in derselben Umgebung schuften und leben. Es wird klar: Wenn sie sich nicht zusammenschließen, werden sie Gefangene der Maschinerie bleiben.

Wir werden aktiv: Im zweiten Teil des Aktionsworkshops entwickeln wir Ideen, die auf die Missstände aufmerksam machen und den Forderungen der Menschen in der indischen Schuh- und Lederindustrie mehr Nachdruck verleihen. Wir wollen gemeinsam eine Crowdfunding-Kampagne entwickeln und durchführen. Beim Aktionsworkshop erarbeiten wir Slogans & Motive für T-Shirts, damit wollen wir kreativ und unmissverständlich die Missstände anprangern. Wir schauen uns erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen an und spielen unser konkretes Projekt durch. Danach ist mensch fähig, sein eigenes Crowdfunding-Projekt zu starten! Von dem Überschuss aus dem Verkauf der T-Shirts werden Menschen in den Schuh- und Lederfabriken Indiens profitieren.

Sei dabei und mach die Geschichten, die in unserer Kleidung stecken, sichtbar. Jetzt hier anmelden! Weitere Infos Zur Anmeldung zum Aktionsworkshop Programm Aktionsworkshop (PDF) Info-Seite zum Aktionsworkshop Gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).         
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„Ich bin kein Niemand!“

18. Februar 2019 - 14:32
Im Dezember haben die Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei und Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana eine Rundreise quer durch Deutschland unternommen. Im Gespräch mit Kakao-Referentin Evelyn Bahn berichten die beiden über ihre Eindrücke von Deutschland, den Kontakt mit Verbraucherinnen und Verbrauchern und über ihren Kampf für höhere Kakaopreise. —  Evelyn: Ihr wart im Dezember auf Rundreise durch Deutschland und habt Menschen in Berlin, Oldenburg, Speyer und Tübingen getroffen. Was werdet Ihr von diesen Begegnungen in Erinnerung behalten? Sandra: Ich habe damit gerechnet, dass sich die Leute hauptsächlich für das Endprodukt interessieren – also die Schokolade. Aber sie waren wirklich am Wohlergehen der Kakaobauernfamilien und an der Situation in Ghana interessiert. Viele wollten wissen, was VerbraucherInnen tun können, damit sich die Situation der Menschen in Ghana verbessert. Besonders über ihre eigene Rolle und Verantwortung wollten sie viel erfahren. Dieses große Interesse macht mir Mut. Elizabeth: Für mich war es eine wichtige Erfahrung, über mein Leben in Ghana vor großem Publikum zu berichten. In Tübingen waren wir zum Beispiel bei einem Schokoladenfestival. Die Größe der Veranstaltung hat mich sehr beeindruckt. Es waren unglaublich viele Menschen aus der ganzen Welt dort. Und trotzdem fiel es mir am Ende der Tour viel leichter, von mir zu erzählen. Ich hatte einfach genug Übung bekommen. Und nebenbei: Ich habe dort zum ersten Mal eine heiße Schokolade getrunken – hat gut geschmeckt! — 

Ghana ist der zweitgrößte Kakaoproduzent weltweit. 20 Prozent des Kakaos stammen aus dem westafrikanischen Land. Die Existenz von einer Million Kakaobauern und -bäuerinnen und ihren Familien hängt an der braunen Bohne. Elizabeth Osei Agyei (links) und Sandra Kwabea Sarkwah fordern deshalb, den Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern endlich zu stärken. Jetzt spenden! —  Warum habt ihr diese Aufklärungstour überhaupt gemacht? Sandra: Die Mehrheit der Kakaobauernfamilien lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wir wollten VerbraucherInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen der Schokoladenindustrie in Deutschland über die Lebenssituation von Kakaobauernfamilien informieren – und so ein Bewusstsein dafür schaffen, dass mit dem jetzigen Kakaopreis ein Leben in Würde nicht möglich ist. Eure Forderung ist also ein höherer Preis für die Kakaobohnen. Wenn Kakao teurer wird, müssen wir in Deutschland aber auch mehr für Schokolade bezahlen, oder? Elizabeth: Jedes Jahr werden die Preise für Lebensmittel und andere Waren in Ghana teurer. Aber wir bekommen nicht mehr Geld für unsere Kakaobohnen. Wenn die VerbraucherInnen mehr für die Schokolade bezahlen würden, würden uns die Unternehmen hoffentlich einen besseren Preis geben. Sandra: Das hoffe ich auch. Aber wenn die VerbraucherInnen mehr zahlen, dann muss auch sichergestellt werden, dass das Geld bei den Bauern und Bäuerinnen ankommt. Was sollten VerbraucherInnen eurer Meinung nach tun? Sandra: VerbraucherInnen müssen ihre Stimme gegenüber der deutschen Regierung erheben und verbindliche Regeln für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte einfordern. Bisherige freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht aus. Damit der Kakaosektor gerechter wird und sich die Lebensbedingungen der Bauern und Bäuerinnen verbessern, brauchen wir Verbindlichkeit. Hier sind die VerbraucherInnen in Deutschland auch als BürgerInnen gefragt. In Ghana wird der Kakaosektor durch eine staatliche Behörde reguliert, das Ghana Cocoa Board (Cocobod). Es gibt den Vorwurf, dass innerhalb des Cocobod das Geld in privaten Taschen verschwindet. Stimmt das? Sandra: Das große Problem des Cocobod ist die fehlende Transparenz: Wir wissen nicht, wie viel Geld es wofür ausgibt. Interessanter als die Frage der Veruntreuung ist also die Frage, wie das Geld tatsächlich verteilt wird. Kakaobauern und -bäuerinnen in Ghana erhalten ungefähr 70 Prozent des Verkaufspreises. Was passiert aber mit den verbleibenden 30 Prozent? Das Cocobod bezahlt davon den Transport und andere logistische Aufgaben, die Verteilung von Pestiziden und Düngemitteln und die Gehälter seines Personals. Aber was genau wo hingeht, das wissen die Kakaobäuerinnen und -bauern nicht. Sie haben aber ein Recht darauf, zu erfahren, was damit passiert – denn eigentlich ist es ihr Geld, dass da verwendet wird. Wir werden immer wieder gefragt, ob es für die Menschen in Ghana nicht besser wäre, wenn nicht nur der Kakao, sondern die gesamte Schokolade dort hergestellt würde. Weil dann mehr GhanaerInnen etwas vom Schokoladengeschäft hätten und wohl auch der Einfluss der Kakaobäuerinnen und -bauern in der Lieferkette größer wäre. Was denkt Ihr darüber? Sandra: Ich kann diese Argumentation gut nachvollziehen, glaube aber nicht, dass das machbar ist. Zum einen wären die Produktionskosten sehr hoch. Wir produzieren nur den Kakao in Ghana. Die anderen Zutaten, wie Zucker und Milchpulver, müssten wir importieren. Zum anderen fehlt es an einer stabilen und leistungsstarken Energieversorgung. Dazu kommt noch unser Klima. Die hohen Temperaturen sind ungünstig, um Schokolade herzustellen. Wir müssten wahnsinnig viel Energie aufbringen, um die Schokolade zu kühlen, damit sie nicht schmilzt. Das ist wirtschaftlich kaum rentabel.  Dann müssen die Kakaobäuerinnen und -bauern also anders gestärkt werden. SEND-Ghana führt deshalb zum Beispiel Argumentations- und Verhandlungstrainings für sie durch. Was lernen die Teilnehmenden dort genau? Elizabeth: Erstmal hat mir die Schulung gezeigt, dass ich eine Kakaobäuerin bin und kein Niemand. Wir Kakaobäuerinnen haben bislang keinen Zugang zu Versammlungen oder politischen Entscheidungsträgern. Deshalb bin ich sehr froh, dass sich SEND-Ghana dafür einsetzt, dass unsere Stimme gehört wird. Sandra: Es geht darum, den Bauern und Bäuerinnen zu vermitteln, warum das Thema Interessensvertretung so wichtig ist, um sich für faire Preise für Kakaobohnen einzusetzen. Durch Argumentations- und Verhandlungstrainings erhalten sie die Möglichkeit, sich gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu äußern. Nur wenn die Bäuerinnen und Bauern ihre Stimme laut erheben und für sich einstehen, wird die Politik auf ihre Forderungen reagieren. — — Und bislang hat niemand die Kakaobäuerinnen und -bauern gefördert? Sandra: Es gab über die Jahre schon viele Unterstützungsangebote. In diesen Maßnahmen ging es aber fast immer nur darum, die Kakaoerträge zu steigern. Sie erhöhen den Arbeitsaufwand auf der Plantage enorm, führen aber kaum zu höheren Einkommen. Uns ist es wichtig, dass Bauern und Bäuerinnen diese Ungerechtigkeiten erkennen und sie formulieren können. Elizabeth, Du bist eine Fairtrade-zertifizierte Kakaobäuerin. Es gibt noch weitere Siegel des Fairen Handels, die wir in Deutschland zum Beispiel von den Schokoladentafeln kennen. Ändern die Siegel etwas an der Lebenssituation von Kakaobauern und  bäuerinnen? Elizabeth: Für mich erstmal ja, weil ich über Kuapa Kooko – meine Kakaokooperative – eine Fairtrade-Prämie erhalte. Für jeden 64 Kilo-Sack Kakao erhalte ich 5 Cedis extra (etwa 0,90 Euro, Anm. d. Red.). Zudem nutzt unsere Kooperative die Prämie, um zum Beispiel in Brunnen oder Schulen zu investieren. Außerdem schätze ich die Krankenversicherung, die in Ghana sehr teuer ist. In unsere Gemeinde kommt ein Arzt, der uns untersucht. Wenn ich krank bin, kann ich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Kuapa Kokoo übernimmt sogar die Transportkosten. Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde im Jahr 2030 das Leben einer Kakaobauernfamilie aussehen? Elizabeth: Ich wünsche mir, dass mich die Menschen respektieren – und andere Kakaobäuerinnen und -bauern auch. Dass sie sagen, schaut her, diese Person ist eine Kakaobäuerin. Wir fordern Respekt für uns, unsere Arbeit und unsere Familien. Sandra: Kakaobauern und -bäuerinnen sollten in angemessenen Unterkünften wohnen und einen Zugang zu guter Gesundheitsversorgung erhalten. Ihre Kinder haben das Recht auf eine anständige Bildung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Altersvorsorge. Die Arbeit auf Plantagen ist ein Knochenjob, der mit zunehmendem Alter kaum noch durchführbar ist. Sie haben auch fast keine Möglichkeit, zu sparen. Ein existenzsicherndes Einkommen, während des Arbeitslebens und im Alter, das ist mein allergrößter Wunsch für die Kakaobauern-Familien – bei uns und überall auf der Welt. Vielen Dank, dass ihr hier wart. Es war eine tolle Zeit mit euch! Jetzt spenden! Kakaobäuerinnen und -bauern in Ghana stärken: Erfahren Sie hier mehr!
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Solidaritätswoche mit ArbeiterInnen in Bangladesch

4. Februar 2019 - 17:58
Tausende ArbeiterInnen der Textilbranche protestierten in Bangladesch für höhere Löhne. Entgegengesetzt wurde ihnen von der Regierung Gewalt und Repressionen. INKOTA und die Kampagne für Saubere Kleidung zeigen sich solidarisch und rufen zu einer Solidaritätswoche auf. Nach der jüngsten Revision der Mindestlöhne im Textilsektor sind in Bangladesch tausende ArbeiterInnen aus Protest auf die Straße gegangen. Die Antwort auf ihre Proteste waren Gewalt und Repressionen von Seiten der Regierung. In der Hauptstadt Dhaka feuerte die Polizei Gummigeschosse und Tränengas in die Menge, worauf ein Arbeiter starb und viele andere verletzt wurden. Die immer noch ausstehende Entscheidung des höchsten Gerichtshofs über die Zukunft der Aktivitäten im Rahmen des Bangladesch Accord für Brandschutz und Gebäudesicherheit verdeutlicht zudem, wie sehr Fortschritte der letzten Jahre gefährdet sind. Deshalb rufen INKOTA und die Clean Clothes Campaign - Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) zu einer Solidaritätswoche vom 28. Januar bis 3. Februar auf. ArbeiterInnen haben ein Recht auf höhere Löhne und sichere Arbeitsplätze
Die Regierung von Bangladesch hat die Grundfreiheiten ihrer BürgerInnen zu schützen. Die CCC und INKOTA-netzwerk erklären sich solidarisch mit den Protestierenden und unterstützen ihre Forderungen nach einem Lohn zum Leben, sichere Fabriken und das Ende der Repressionen gegen die ArbeiterInnen in Bangladesch.

ArbeiterInnen haben das Menschenrecht auf Vereinigungsfreiheit, um für einen existenzsichernden Lohn zu demonstrieren – ohne Angst vor Repressionen. Die Regierung Bangladeschs muss dieses Recht achten. Daher fordern wir die Freilassung aller festgenommenen GewerkschaftsvertreterInnen und die Anklagen wegen Aufruhr anlässlich der Demonstrationen zurückzuziehen. So kannst du dabei sein... …in einer Minute:
  • Unterschreibe die Petition für Arbeitsplatzsicherheit in Bangladesch.
  • Teile einen der Kampagnen Posts der Solidaritätswoche auf deinen Social Media Kanälen (facebook, twitter, instagram).
  • Teile deinen persönlichen Social Media Post: Ich stehe hinter den ArbeiterInnen in Bangladesch! #FreiheitSicherheitExistenzlohn #WeStandWithGarmentWorkers #Bangladesh #FreedomSafetyLivingWage.
… in 10 Minuten:
  • Finde in deinem Schrank ein Kleidungsstück ‘Made in Bangladesh’.
  • Mache ein Foto von dem Etikett und teile es mit dem Post: Ich stehe hinter den ArbeiterInnen in Bangladesch, die meine Kleidung nähen. #WeStandWithGarmentWorkers #Bangladesh #FreedomSafetyLivingWag
  • Fertige deine eigenes Protestschild in Solidarität mit den TextilarbeiterInnen und teile es auf deinem Social Media Kanälen mit den Hashtags: #WeStandWithGarmentWorkers #Bangladesh #FreedomSafetyLivingWage #FreiheitSicherheitExistenzlohn

Foto: Die CCC-Aktionsgruppe von INKOTA führte am 30. Januar vor der bangladeschischen Botschaft in Berlin eine Protestaktion durch. In mindestens acht Ländern weltweit sind Proteste im Rahmen der Solidaritätswoche geplant:


Weiterlesen: Was du tun kannst für faire Texilien und Schuhe Ausstellung zum Ausleihen: Für faire Bedingungen in der Schuh- und Lederherstellung
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