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Ein Stück Faire Welten

Engagement Global - 9. April 2019 - 13:09
Die Messe Faire Welten fand zum fünften Mal im Rahmen der Rheinland-Pfalz Ausstellung statt. Foto: Engagement Global

Dass Fair auch schön und lecker bedeuten kann, bewiesen zahlreiche Ausstellerinnen und Aussteller auf der Messe Faire Welten in Mainz. Die „Messe in der Messe“ lud von Samstag, 6. April, bis Montag 8. April 2019 zum Stöbern, Probieren und Mitmachen ein. Rund 50 Unternehmen und Organisationen, die sich für fairen Handel und nachhaltige Entwicklung engagieren, präsentierten dort ihre schönen und nützlichen, und vor allem nachhaltigen Produkte und Dienstleistungen. Auf der Messe, die Teil der Rheinland-Pfalz Ausstellung ist, wurde das Thema Nachhaltigkeit durch vielfältige Workshop-Angebote für alle Besucherinnen und Besucher greifbar. Engagement Global war mit einem Stand vor Ort und informierte über ihre Arbeit.

Vor allem engagierte Lehrerinnen und Lehrer nutzten das Beratungsangebot und Schülerinnen und Schüler testeten ihr globales Wissen am Eine Welt Quiz-Rad. Die Außenstelle in Mainz hatte Upcycling-Workshops organisiert, in denen Schulklassen und andere Interessierte aus alten Haushaltswaren neue Produkte herstellen konnten. Aus alten Getränkekartons wurden so zum Beispiel Portemonnaies. „Ziel des Workshops ist es, dass die Schülerinnen und Schüler anhand des Haushaltsmülls, den wir dort verarbeiten, ins Nachdenken kommen, sich darüber Gedanken machen, was sie selbst produzieren und was man davon vermeiden könnte. Und darüber hinaus werden die motorischen Fähigkeiten geschult“, erzählte Thomas Zigahn von der Upcycling-Werkstatt und -Ideenschmiede „Tanz auf Ruinen“, der einige der Workshops anleitete.

Publikumsmagneten waren die Fair-Fashion-Modenschau, das Hope Theatre Nairobi, und die Fairtrade Kochshow. Die Fair-Fashion-Szene aus Mainz und aller Welt präsentierte ihre faire Mode, und die Designerinnen und Designer erzählten von der Idee bis zur Umsetzung ihrer eigenen Labels. Von farbenfroh und sportlich bis hin zu klassisch und minimalistisch war für die Modebegeisterten alles dabei.

Wie lecker fairer Handel schmeckt, zeigten Hendrik Meisel und sein Team an allen drei Messetagen bei ihrer Drei-Gänge-Menü Kochshow, verfeinert mit Erlebnisberichten und Zutaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die Jugendlichen vom Hope Theatre Nairobi machten auf ihrer Deutschlandtournee Halt auf der Messe Faire Welten, präsentierten Ausschnitte aus ihren politischen Revuen zu Themen des fairen Handels und Nachhaltigkeit und animierten das Publikum zum Mitmachen.

Das bekannte Gesellschaftsspiel BINGO! sorgte ebenfalls für großes Interesse bei den Messebesucherinnen und -besuchern. Lotto-Rheinland, einer der Kooperationspartner der Messe Faire Welten, zeigte, wie sie damit entwicklungspolitische Bildungsarbeit fördern.

Neben Engagement Global boten zahlreiche Informationsstände, beispielsweise von der Landeszentrale für politische Bildung, dem entwicklungspolitischen Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz oder TransFair e.V. die Möglichkeit, sich intensiv mit Fragen der Einen Welt auseinanderzusetzen.

Die „Messe in der Messe“ ist seit fünf Jahren fester Teil der Rheinland-Pfalz-Ausstellung und wird gemeinsam mit fünfzehn weiteren Kooperationspartnern von Engagement Global,und ihrer Außenstelle in Mainz veranstaltet.

Kongress „fair begegnen, fair gestalten“

Wer sich für fairen Handel oder faire Beschaffung engagiert, ist auf dem Kongress der Ideen und Taten „fair begegnen, fair gestalten“ vom 18. bis 20. September 2019 in Köln genau richtig. Organisiert wird die Veranstaltung von Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt und der Transfair e.V. mit Fairtrade. Während des Kongresses findet die Preisverleihung im Wettbewerb „Hauptstadt des Fairen Handels 2019“ sowie das 10-jährige Jubiläum der Kampagne „Fairtrade-Towns“ statt.

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Wirtschaft und Politik Malawis

E+Z - 9. April 2019 - 12:19
Schwache Institutionen sind Hauptursache für Malawis geringe Entwicklung – die Neuwahlen werden wohl nicht viel verändern

Die Parteien haben ausnahmslos kein klares politisches Profil, der karrierefördernde Wechsel von einer Partei zur anderen – „chameleon politics“ – ist auf allen Ebenen nicht ungewöhnlich, politische Barrieren zwischen den Parteien gibt es nicht. Die Kontrollfunktion des Parlaments ist konstitutionell und kapazitätsbedingt eingeschränkt. Die gegebenen politischen und organisatorischen Bedingungen schlagen sich in einer deutlich reduzierten Effizienz und Effektivität sowohl der Regierungsarbeit als auch der Arbeit des Parlaments nieder.

Malawi ist mit einem Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen (BNE) von 320 Dollar eines der ärmsten Länder der Welt. 70 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,90 Dollar pro Tag. Hunger und Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe ist tägliche Realität. 2015/16 waren 6,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, fast 40 Prozent der Bevölkerung. Für 2018/19 wird wieder eine Zahl von mindestens 3,3 Millionen vorhergesagt.

Das UN Development Programme (UNDP) stuft Malawi auf der Basis des Human Development Index (HDI) am unteren Ende der Gruppe der „low human development countries“ ein (Rang 171 von 189). Das Bevölkerungswachstum liegt – trotz leichtem Rückgang der sogenannten Fertilitätsrate auf 4,4 – immer noch bei 2,9 Prozent. Nach den Ergebnissen der gerade veröffentlichten Volkszählung liegt die Einwohnerzahl bei knapp 18 Millionen; 2050 werden 43 Millionen und damit mehr als doppelt so viele Menschen in Malawi leben, mit schwer einzuschätzenden erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen.

Die Wirtschaft Malawis ist extrem anfällig für exogene Schocks. 65 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt, die überwiegend als regenabhängige Subsistenzlandwirtschaft mit sehr geringer Produktivität auf schon jetzt immer kleiner werdenden Anbauflächen betrieben wird. Das Wirtschaftswachstum Malawis (BIP pro Kopf) lag zwischen 1995 und 2015 jährlich bei nur 1,5 Prozent, im Vergleich zu 2,7 Prozent der übrigen rohstoffarmen Länder Subsahara-Afrikas. 2017 betrug es 4 Prozent, für 2018 werden 3,3 Prozent (IWF) prognostiziert. Das liegt deutlich unter dem für eine nennenswerte Armutsreduzierung benötigten langfristigen Wirtschaftswachstum von über 6 Prozent. Die strukturellen Voraussetzungen für einen dauerhaft nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung in dieser Größenordnung sind jedoch nicht gegeben. (rd)

 

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Malawi vor der Wahl

E+Z - 9. April 2019 - 12:00
Keine Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung Malawis in Sicht

Nach der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1964 übernahm Kamuzu Banda in Malawi die Macht. Er regierte Malawi in den folgenden 30 Jahren als Einparteienstaat mit diktatorischen Befugnissen. Malawi wurde beschrieben als ein Land, „in dem Schweigen herrscht“, ohne bürgerliche Freiheitsrechte. Im Juni 1993 sprach sich die Bevölkerung in einem Referendum schließlich für die Einführung einer Mehrparteiendemokratie aus. In den darauffolgenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Mai 1994 wurde Banda abgewählt und von Bakili Muluzi als Präsident abgelöst. Die Wahlen sind seit 1994 im Wesentlichen friedlich und ordnungsgemäß verlaufen, mit einer geordneten Machtübergabe bei Ausscheiden eines Präsidenten aus dem Amt. Der friedliche Übergang von der Diktatur Bandas zu einer demokratischen Staatsverfassung ist eine große historische Leistung. Aktuell sind allerdings deutlich autoritäre Tendenzen, etwa in der NGO-Gesetzgebung, und eine Zunahme der politisch motivierten Gewalt zu verzeichnen.

Der Präsident und Vizepräsident werden als Tandem direkt gewählt. Eine einfache Mehrheit ist ausreichend. Eine Stichwahl gibt es nicht. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Das Parlament (National Assembly) setzt sich aus den in 193 Wahlkreisen direkt gewählten Abgeordneten zusammen (siehe Kasten).

Mitte Februar 2019 endete die Nominierungsfrist für die Präsidentschaftswahlen am 21. Mai 2019. Neun Kandidaten bewerben sich um das Amt des Präsidenten. Ernsthafte Erfolgsaussichten haben aber nur drei: der amtierende Präsident Arthur Peter Mutharika (DPP), der sich zur Wiederwahl stellt, der amtierende Vizepräsident Saulos Chilima, der die Regierungspartei Mitte 2018 verlassen und eine eigene Partei (UTM) gegründet hat, und der Führer der größten Oppositionspartei (MCP) Lazarus Chakwera. Den weiteren Kandidaten werden keine Chancen eingeräumt. Die frühere Präsidentin Joyce Banda (PP), die nach der Wahlniederlage 2014 und  Rückkehr aus dem selbstgewählten Exil zunächst ihre erneute Bewerbung angekündigt und die Wahlunterlagen eingereicht hatte, hat diese später zurückgezogen.

Der positive Eindruck vom Wahlsystem relativiert sich bei genauerer Betrachtung: Der Präsident wird mit einfacher Mehrheit gewählt. Bei den Wahlen 2014 erhielt Präsident Mutharika 36,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung dürfte bei knapp über 60 Prozent gelegen haben. Bezogen auf die wahlberechtigte Bevölkerung über 18 Jahre errechnet sich ein Stimmanteil von knapp über 20 Prozent. Das ist eine sehr schwache legitimatorische Grundlage für die Präsidentschaft. Die in Mutharikas Wahlprogramm versprochene 50-Prozent+1-Wahlrechtsreform mit einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen wurde fallengelassen und im Parlament nicht zur Abstimmung gebracht.

Eine grundlegende Wahlrechtsreform einschließlich der Einführung eines 50-Prozent+1-Wahlsystems war eine Kernforderung in dem 10-Punkte-Ultimatum, das Vertreter der Zivilgesellschaft im April 2018 der Regierung übergeben haben. Erfolg hatte es nicht. Machterhalt hat Priorität. 2019 gelten also die gleichen Spielregeln wie zuvor. Die deutlich geringere Beteiligung am Registrierungs- und Verifizierungsprozess als Voraussetzung für die Teilnahme an der Wahl deutet darauf hin, dass die Wahlbeteiligung 2019 noch geringer als vor fünf Jahren ausfallen wird.

Große Unzufriedenheit der Menschen

Es gibt für den Rückgang der Wahlbeteiligung keine eindimensionale Erklärung. Der zentrale Faktor für den Rückgang der Wahlbeteiligung dürfte die große Unzufriedenheit mit der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation sein. Die Erwartungen der Menschen wurden nicht erfüllt. Das African Business Magazine überschrieb seinen Bericht zur Unabhängigkeitsfeier 2014 mit der Schlagzeile „50 Jahre Stillstand“. Auch Präsident Mutharika gestand in seiner Rede zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit 2014 ein, dass die Malawier heute durchschnittlich ärmer sind als unter der Kolonialherrschaft. Dies betonten auch die katholischen Bischöfe in einem Hirtenbrief im April 2018, verbunden mit der Forderung eines grundlegenden politischen Richtungswechsels. Im Juni 2018 veröffentlichte eine der beiden großen Zeitungen des Landes eine Umfrage, nach der 25 Jahre nach dem Referendum über die Einführung des Mehrparteienstaats 81 Prozent der Malawier mit der Demokratie unzufrieden und der Überzeugung sind, sie hätte nichts zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen. Nach einer Umfrage von Afrobarometer sprechen sich 40 Prozent der Bevölkerung dafür aus, die politische Führung anders als durch Wahlen zu bestimmen. In dieses Bild passt es, dass der 14. Juni, der Tag des Referendums, als Feiertag (Freedom Day) abgeschafft und der Geburtstag Kamuzu Bandas am 14. Mai als Feiertag (Kamuzu Day) wiedereingeführt wurde.

Der Übergang von der Diktatur Bandas zu einer Mehrparteiendemokratie wird aus Sicht der politisch-ökonomischen Analyse zutreffend als „Transition ohne strukturelle Transformation“ beschrieben. Oxfam (2018) und die Weltbank (2018) kommen gleichermaßen zu der Schlussfolgerung, dass die kleine politische und wirtschaftliche Elite des Landes die Politik einschließlich der Regierungs- und anderer öffentlichen Institutionen dominiert und ihre Machtposition in einer Art „Wettbewerbsklientelismus“ (Weltbank, 2018) nutzt. Sie gestaltet die Wirtschaft zu einer auf kurzfristige Profitmaximierung ausgerichteten Rentenökonomie. Eine an langfristigen Entwicklungszielen orientierte strukturelle wirtschaftliche Transformation hat nicht stattgefunden und zeichnet sich auch nicht ab.

Eine schwache Regierungsführung und schwache Institutionen sind eine, wenn nicht die zentrale Ursache für Malawis geringen Entwicklungsstand. Die Stärkung der Governance der politischen und staatlichen Institutionen ist deshalb eine entscheidende Voraussetzung für eine transformative, auf einen langfristig nachhaltigen Wachstumsprozess ausgerichtete Entwicklungsstrategie. Besonders wichtig ist die Stärkung des öffentlichen Finanzmanagements, einschließlich der Ausbildung effizienter interner und externer Kontrollmechanismen sowie einer Kultur der öffentlichen Rechenschaftslegung. Die Veruntreuung öffentlicher Gelder und eine systemische, in der Rentenökonomie verwurzelte Korruption (Weltbank, 2018) ist ein Kernproblem der staatlichen Verwaltung.

2013 machte der sogenannte Cashgate-Skandal Schlagzeilen. Zwischen April und September 2013 wurden in verschiedenen Ministerien umgerechnet 32 Millionen Dollar veruntreut. Nach der Aufdeckung veranlasste die damalige Präsidentin Joyce Banda eine Untersuchung, im Zuge derer eine Audit-Firma für den Zeitraum von 2009 bis 2014 nicht belegte Ausgaben von 1,25 Milliarden Dollar ermittelte. Dieser Betrag wurde später auf 507 Millionen Dollar reduziert. Die politische und juristische Aufarbeitung des Cashgate-Skandals ist – auch nach fünf Jahren – noch nicht abgeschlossen. Der ­Direktor der Antikorruptionsbehörde Reyneck Matemba warnte im September 2018 eindringlich davor, das Problem der Korruption zu leugnen. Matemba sagte wörtlich: „Alle Ministerien und Behörden sind infiziert. Es gibt keine staatliche Institution, die korruptionsfrei ist.“

Der Ibrahim Index of African Governance 2018 (IIAG 2018) der Mo Ibrahim Foundation gibt Malawi geteilte Noten. Insgesamt nimmt Malawi mit Rang 19 einen guten Mittelplatz unter 54 Staaten ein, mit guten Bewertungen unter anderem im Bereich der Justiz. Bei der Korruption im öffentlichen Sektor sieht man für den Zeitraum 2008 bis 2017 dagegen einen sich deutlich verschlechternden Trend (mit nur noch 22 von 100 Punkten). Das deckt sich mit den Umfragen von Afrobarometer, nach denen eine Mehrheit der Bevölkerung der Regierung schlechte Noten bei der Korruptionsbekämpfung gibt und eine starke Zunahme der Korruption wahrnimmt. Im jüngsten Transparency International Corruption Perception Index steht Malawi mit nur 32 von 100 Punkten auf Rang 120.

Trotz allem, wenn auch nur langsam, Malawi ändert sich. Der ehemalige norwegische Botschafter Asbjorn Eidhammer (2017) schreibt: „Die wichtigste Veränderung ist, dass es eine junge Generation gibt, die Veränderung will.“ Die jungen Wähler haben die Macht zur Veränderung in ihren Händen, sie stellen die Mehrheit. 55 Prozent der Malawier, die sich für die Wahl registriert haben, sind unter 35 Jahre. Es ist zu hoffen, dass sie von ihrem Wahlrecht auf allen Ebenen – bei der Wahl des Präsidenten, der Abgeordneten und der lokalen Gemeinderäte – Gebrauch machen und sich auch danach politisch engagieren.

Rolf Drescher ist Mitarbeiter der GIZ. Er leitet in Lilongwe das Vorhaben „Stärkung des öffentlichen Finanz­managements in Malawi“. Der Beitrag gibt ausschließlich seine persönliche Meinung wieder.
rolf.drescher@giz.de
rolf.drescher@t-online.de

Links und Literatur

World Bank, 2018: Malawi – Systematic country diagnostic: breaking the cycle of low growth and slow poverty reduction.
http://documents.worldbank.org/curated/en/723781545072859945/pdf/malawi-scd-final-board-12-7-2018-12122018-636804216425880639.pdf

Norwegian Institute of International Affairs, 2017: Malawi: a political economy analysis.
https://brage.bibsys.no/xmlui/bitstream/handle/11250/2461122/NUPI_rapport_Malawi_Tostensen.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Oxfam, 2018: Closing the divide in Malawi, how to reduce inequality and increase prosperity for all.
https://d1tn3vj7xz9fdh.cloudfront.net/s3fs-public/file_attachments/bp-closing-divide-malawi-inequality-250418-en.pdf

Eidhammer, Asbjorn 2017: Malawi, a place apart. Lilongwe, Malawi: Logos-Open Culture.

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Hätten Open Source-Lösungen London davor bewahrt, dass die Straßenbeleuchtung wochenlang durchbrennt?

reset - 9. April 2019 - 6:12
Als der Londoner Bezirk Westminster 6 Millionen Pfund für ein intelligentes System für seine 14.000 Straßenlaternen ausgab, rechnete niemand damit, dass der Anbieter ihn bei eingeschalteter Beleuchtung hängen ließ.
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175 Millionen Kinder von Vorschulbildung ausgeschlossen

Unicef - 9. April 2019 - 2:01
Weltweit haben laut UNICEF mehr als 175 Millionen Kinder – rund die Hälfte der Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und sechs Jahren – keinen Zugang zu vorschulischer Bildung.
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Linke fragen nach Gesundheitsförderung

#Bundestag - 8. April 2019 - 19:43
Linke fragen nach Gesundheitsförderung - Entwicklung/Kleine Anfrage
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"Grüner Knopf" startet mit Pilotphase

#Bundestag - 8. April 2019 - 19:43
"Grüner Knopf" startet mit Pilotphase - Entwicklung/Antwort
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Neue Handreichung für NRO: Wie inklusiv gestalten Sie Ihre Projektarbeit? – VENRO

Weblinks - 8. April 2019 - 19:36

Comments:

  • Neben der Bundesregierung sind auch zivilgesellschaftliche Akteur_innen in der Pflicht, ihre Projekte und Programme inklusiv zu gestalten. VENRO hat für sie eine praxisnahe Handreichung für inklusive Projektarbeit entwickelt. - Karsten Weitzenegger

Tags: inklusion, projectmanagement, venro, management

by: Karsten Weitzenegger

Als Nothelfer bei der Welthungerhilfe

Welthungerhilfe - 8. April 2019 - 16:30
Wenn die Erde bebt oder ein Zyklon ganze Landstriche bedroht, kommt sein Einsatz: Für die Welthungerhilfe koordiniert Matthias Amling Nothilfeeinsätze. Der gebürtige Berliner berichtet aus dem Alltag eines Nothelfers und schildert, was im Vorfeld und lange nach einer Katastrophe überlebenswichtig ist.
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08. April 2019

ONE - 8. April 2019 - 15:21

1. Ruanda: 25 Jahre nach dem Genozid
Wie unter anderem Tagesschau.de, FAZ.net, der Spiegel, Spiegel Online, der Tagesspiegel, die Tageszeitung (taz) und Sueddeutsche.de berichten, wurde gestern bei einer Gedenkfeier an die Opfer des Völkermords 1994 in Ruanda gedacht. Dem Genozid vor 25 Jahren, bei dem die Hutu-Mehrheit Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutu ermordet habe, seien mindestens 800.000 Menschen zum Opfer gefallen. Da das Morden rund 100 Tage gedauert habe, habe die gestrige Zeremonie in der Hauptstadt Kigali nun eine hunderttägige Staatstrauer eingeleitet. Präsident Paul Kagame, der damals dazu beigetragen hatte, den Völkermord zu beenden, betonte in seiner Rede in Kigali, dass sich die Geschichte nicht wiederholen werde. Kagame sei bei der Bevölkerung sehr beliebt. Jedoch seien laut Human Rights Watch Meinungsfreiheit, Oppositionsarbeit und Zivilgesellschaft in Ruanda stark eingeschränkt. Hochrangige Politiker*innen wie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler haben der gestrigen Gedenkveranstaltung beigewohnt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sei nicht persönlich gekommen, habe jedoch angekündigt, dem Völkermord in Ruanda einen eigenen französischen Gedenktag widmen zu wollen. Frankreich werde immer wieder vorgeworfen, sich durch die Unterstützung der damaligen ruandischen Regierung an dem Völkermord mitschuldig gemacht zu haben.

2. Proteste im Sudan
Wie unter anderem Spiegel Online, Deutschlandfunk, das ZDF und die Deutsche Welle melden, dauern die Proteste gegen den Präsidenten Umar al-Baschir im Sudan weiter an. Am Wochenende haben die seit Dezember andauernden Protestaktionen gegen die Regierung und ihre Wirtschaftspolitik ihren Höhepunkt erreicht. Tausende protestieren auf dem Gelände vor dem Hauptquartier der sudanesischen Armee, auf dem sich auch die Residenz des Präsidenten und das Verteidigungsministerium befinden. Sie wollen das Gelände erst verlassen, wenn al-Baschir zurücktrete. Zudem fordern die Demonstrierenden das Militär dazu auf, sich mit ihnen zu solidarisieren. Das Militär habe bislang noch nicht eingegriffen, wohingegen die Polizei seit Anbeginn der Proteste immer wieder gegen die Demonstrierenden vorgegangen sei. Amtlichen Angaben zufolge seien dabei seit Dezember 30 Menschen zu Tode gekommen. Human Rights Watch spricht sogar von 51 Todesopfern.

3. Geldverschwendung im BMZ?
Wie Thorsten Jungholt in der Welt schreibt, wird Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vorgeworfen, Steuergelder zu verschwenden. Bei der Kabinettsvorlage zum kommenden Bundeshaushalt habe Müllers wie im vergangenen Jahr Protest eingelegt, da der vorgesehene Etat für das Entwicklungsministerium in den nächsten Jahren zu gering sei. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) habe darauf entgegnet, Müller müsse – wie alle Ressorts – zukünftig „eben vorsichtig planen“. Auch andere Fachleute mahnen eine effiziente Verwendung der Entwicklungsgelder an. Beispielsweise habe der ehemalige Bundespräsident und Afrikakenner Horst Köhler bereits vor zwei Jahren gesagt, mehr Geld könne die notwendige Priorisierung von Projekten verhindern. Einem Positionspapier der FDP zufolge müssen die Mittel dort eingesetzt werden, wo konkreter Bedarf bestehe und nachhaltig Wirkung erzielt werden könne. Bisher gebe es „das Risiko der Verschwendung von Steuergeldern“, so die FDP. Die Partei fordere deswegen eine klare Verteilung der Kompetenzen, eine Vernetzung von Außen-, Verteidigungs- und Entwicklungspolitik sowie eine unabhängige Evaluierung der Maßnahmen.

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Ugandas offene Türen

E+Z - 8. April 2019 - 14:29
Viele Südsudanesen fliehen nach Uganda, um der Gewalt in ihrem Land zu entkommen

Von den 68,5 Millionen Vertriebenen weltweit haben mehr als eine Million in Uganda Zuflucht gesucht. Laut UN-Statistiken  sind rund 800 000 von ihnen Südsudanesen. Seit dem Beginn der aktuelle Krise im Südsudan 2013 hat ihre Zahl drastisch zugenommen. Einige kleine Dörfer in Norduganda wuchsen innerhalb weniger Monate zu mit den größten Flüchtlingslagern der Welt an und beherbergen nun insgesamt rund eine halbe Million Menschen.

Geriga Charles ist einer dieser südsudanesischen Geflüchteten. Der 44-Jährige und seine 15-köpfige Familie leben im Flüchtlingslager Suwinga-Bidibidi. Sie überleben dank der mageren Essensrationen für Flüchtlinge und schlafen in Hütten aus Zweigen, Lehm und Gras – ein typischer Anblick in den Flüchtlingslagern in Uganda. Sie kamen in der zweiten Jahreshälfte 2016, zum Höhepunkt des jüngsten gewaltsamen Konfliktes im Südsudan, der die gesamte Region Equatoria im Süden des Landes in Mitleidenschaft zog. Charles hätte auch in die Demokratische Republik Kongo fliehen können, die seinem Zuhause näher lag, aber er führte seine Familie stattdessen nach Uganda. „Uganda ist freundlich gegenüber Geflüchteten. Hier ist Frieden; wir können uns frei im Land bewegen. Und es gibt eine gute Ausbildung für unsere Kinder“,  erklärt er seine Wahl.

Charles betrachtet Uganda als seine zweite Heimat. 1993 suchte er das erste Mal hier Schutz, während des Bürgerkrieges im Sudan, als Südsudan noch nicht unabhängig war. Damals floh er mit seinem Vater und mit nichts mehr als der Kleidung an seinem Leib. Als der Konflikt in seiner Heimat 2016 wieder aufflammte, waren Charles und seine Familie gezwungen, von einem Dorf ins nächste zu ziehen, um den verschiedenen bewaffneten Gruppen auszuweichen. Aber sich im Busch zu verstecken bedeutete keine Sicherheit, sagt Charles – und es war für ihn unmöglich, weiterhin als Bauer zu arbeiten. „Wenn die Kämpfe heftiger werden, gibt es nichts mehr zu essen, wir können nicht mehr auf unsere Felder und haben keine medizinische Versorgung; uns bleibt nur noch zu fliehen“, erklärt er.

Es war schwierig, das umkämpfte Gebiet zu verlassen. Charles kann nur an Krücken gehen, weil er als Kind Polio hatte. Diese Behinderung macht ihn zu einem leichten Opfer für marodierende Milizen. Aber die Familie schaffte es, die Grenze zu Uganda zu überqueren. Charles ist dankbar, dass sie nun in Sicherheit sind und hat vor, so lange zu bleiben, bis sich die Sicherheitslage im Südsudan verbessert.  

Wenige Alternativen

Maliko Hellen vom International Rescue Committee in Norduganda hilft Geflüchteten wie Charles, zu überleben und sich von dem Schock zu erholen. Sie ist froh, dass viele ihrer Klienten nicht zu lange im Südsudan geblieben sind und mit den bewaffneten Gruppen Verstecken gespielt haben. „Viele Geflüchtete erzählen mir, dass sie flohen, bevor die Kämpfe ihre Dörfer erreicht hatten. Sie wussten von der angespannten Lage, nahmen den schlimmsten Ausgang vorweg und verließen ihr Zuhause, bevor es dazu kommen konnte.“ Hellen fügt hinzu, dass diejenigen, die zurückblieben, nicht viele Möglichkeiten hatten – entweder mussten sie sich den bewaffneten Gruppen anschließen, die in ihre Dörfer einfielen, oder sie riskierten, getötet zu werden.

Laut der London School of Hygiene and Tropical Medicine standen fast 400 000 Todesfälle im Südsudan zwischen Dezember 2013 und September 2018 im Zusammenhang mit der Krise. Aus dem Land zu flüchten, ist somit eine kluge Entscheidung. 

Diese Wahl traf auch die 56-jährige ­Vicky Nyoka: Sie hatte einen Schusswechsel zwischen Regierungs- und Oppositionstruppen überlebt und wollte „kein Risiko mehr eingehen“. Nyoka, eine Witwe, floh im Dezember 2016 zu Fuß aus dem Südsudan, zusammen mit ihren sechs Kindern und noch drei weiteren, die sie unterwegs auflas. Die drei waren von ihren Eltern auf der Flucht getrennt worden und hatten keine Hoffnung mehr, ihre Verwandten je wiederzusehen. 2017 beging eines dieser Kinder Selbstmord.

Nyoka erinnert sich an den Moment, als sie die blauen und weißen Zelte des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR jenseits der Grenze in Uganda sah und wusste, dass ihr furchtbarer Marsch vorbei war und ein besseres Leben auf sie wartete. „In Uganda gibt es Freiheit. Andere Länder sperren Flüchtlinge ein als wären sie Tiere“, sagt sie. 

Thijs Van Laer von der International Refugee Rights Initiative (IRRI) meint, es sei absolut „sinnvoll“ für Leute wie Charles und Nyoka, Uganda anderen Nachbarländern vorzuziehen. „Das erste Kriterium ist geographische Nähe. Aber die Tatsache, dass Geflüchtete hier in Uganda relative Freiheiten genießen und von UNHCR und NROs unterstützt werden, ist natürlich ein weiterer Grund.“

Ugandische Gesetze von 2006 und 2010 garantieren Geflüchteten Schutz und Freiheit ebenso wie Eigentumsrechte, Bewegungsfreiheit, das Recht zu arbeiten und Zugang zu Dienstleistungen. Laut Weltbank und UNHCR bieten diese Leistungen Geflüchteten die Möglichkeit, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und unabhängig zu sein.

Keine Sicherheit

Nach Einschätzung von Eujin Byun vom UNHCR-Büro in Juba hat sich der Konflikt im Südsudan beruhigt. Die „spontanen Konflikte“ in einigen Gegenden des Landes seien jedoch „beunruhigend“, und dies halte Flüchtlinge davon ab, zurückzukehren. „Ein wichtiger Grund, warum sie geflohen sind, war die Unsicherheit. Südsudanesische Geflüchtete in verschiedenen Ländern brauchen eine Garantie bezüglich Sicherheit, sonst trauen sie sich nicht zurückzukehren.“ Das heißt, es könnte lang dauern, bevor sie „das Narrativ der Repatriierung“ annehmen, sagt Byun.

Sie befürchtet, dass noch mehr Südsudanesen nach Uganda fliehen werden, wenn nicht bald Normalität einkehrt. „Das Problem der Nahrungsunsicherheit wird immer ernster. Wenn Bauern nichts anbauen können, weil sie sich im Busch verstecken müssen, können sie nichts ernten. Deswegen haben sie keine andere Wahl, als Nahrung in anderen Ländern zu finden.“ Rund 80 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung lebt in ländlichen Gegenden im Süden des Landes. Die meisten Haushalte sind auf Subsistenz-Ackerbau angewiesen.

Obwohl die großen Konfliktparteien 2018 einen Friedensvertrag unterzeichnet haben, gibt es nach wie vor verfeindete bewaffnete Gruppen im Südsudan. Diese Gewalt ist eine Gefahr für Zivilisten. Bis sich die Lage beruhigt, haben Geflüchtete zu viel Angst, zurückzukehren.

Ochan Hannington ist ein südsudanesischer Journalist, Fotograf und Filmemacher. Er lebt momentan in Uganda.
hannington.a.o@gmail.com

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CSR Hub NRW Launches Toolbox on CSR for Startups and SMEs

SCP-Centre - 8. April 2019 - 13:37

After three years of operation, the CSR Hub NRW has bundled the most significant CSR tools and best practices in an easy to use tool box for startups and small and medium sized enterprises (SMEs). The CSR Hub NRW Toolbox is now available on CSR Hub to refresh knowledge or support the launch of a CSR strategy for the first time.

Since 2016, more than 160 SMEs and startups have taken part in workshops and seminars organised by the CSR Hub NRW. They have become acquainted with many practical techniques and instruments relating to CSR knowledge, communication and marketing, sustainable supply chain management as well as innovation and work culture.

In cooperation with trend-setting companies from NRW and from many hours of intensive workshops, the CSR Hub team has translated the essence of the content into an easy-to-implement format. In four chapters structured according to the main topics, companies of all types and sizes can now quickly and easily find inspiration for best practices and the implementation of concrete CSR measures in their own companies. The beta version of the Toolbox can already be used at here. The final version will be online by the end of April in our library.

The CSR Hub NRW was supported by the state government of NRW and informed more than 160 young companies from NRW about the entrepreneurial opportunities of CSR from 2016 to the end of 2018. The project partners CSCP and Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) jointly implemented the project until its final event on 30 October 2018.

Through the tool box, as well as BAND’s new information and experimentation space for sustainable companies in NRW , the work of the CSR Hub will continue to impact startups and SMEs in their CSR-strategy.

Please contact Patrick Bottermann for further questions.

Der Beitrag CSR Hub NRW Launches Toolbox on CSR for Startups and SMEs erschien zuerst auf CSCP gGmbH.

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Weltgesundheitstag: „Gesundheit ist ein Recht, kein Privileg“

Vereinte Nationen - 8. April 2019 - 12:18

April 2019 – Zum Weltgesundheitstag hat der Leiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, darauf hingewiesen, dass alle Menschen Zugang zu Gesundheitsdiensten haben müssen, "wann und wo sie sie brauchen und ohne finanzielle Schwierigkeiten.“

Die Hälfte der Weltbevölkerung habe jedoch noch immer keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung, wobei jedes Jahr rund 100 Millionen Menschen aufgrund von Ausgaben für Gesundheit in extreme Armut gedrängt würden. Deshalb konzentriert sich die WHO in diesem Jahr auf ihr wichtigstes Ziel: die universelle Gesundheitsversorgung.

Die UN-Agentur definiert universelle Gesundheitsversorgung als die Möglichkeit, aller Menschen und Gemeinschaften, Zugang zu den von ihnen benötigten Gesundheitsdiensten zu haben - von der Gesundheitsförderung über Prävention, Behandlung und Rehabilitation bis hin zur Palliativmedizin - ohne finanzielle Schwierigkeiten.

Wenn Menschen nicht vor den finanziellen Folgen geschützt sind, wenn sie für Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche bezahlen, müssen sie möglicherweise ihre Lebensersparnisse aufbrauchen, Vermögenswerte verkaufen oder leihen und ihre Zukunft und oft die ihrer Kinder zerstören.

Die Erreichung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung ist eines der Ziele, die sich die Vereinten Nationen bei der Verabschiedung der Ziele für nachhaltige Entwicklung im Jahr 2015 gesetzt haben.

Die WHO fordert alle Länder auf, in die medizinische Grundversorgung zu investieren, die Ghebreyesus als "Grundlage einer universellen Gesundheitsversorgung" bezeichnete, die den größten Teil des Gesundheitsbedarfs während des gesamten Lebens eines Menschen abdeckt und Menschen von Krankenhäusern und in der Gemeinschaft fern hält

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ZDF-Doku: Die großen Irrtümer der Globalisierung

BfdW - 8. April 2019 - 12:05
Einmal mehr wird in einer Fernsehreportage dem Mythos der neoliberalen Globalisierungspropheten nachgegangen, offene Handelsgrenzen brächten Wohlstand für alle und schafften Armut und Hunger in der Welt ab. Zu sehen am Donnerstag, dem 11. April 2019 im Dokukanal ZDF-info um 20.15 Uhr.

Einmal mehr wird in einer Fernsehreportage dem Mythos der neoliberalen Globalisierungspropheten nachgegangen, offene Handelsgrenzen brächten Wohlstand für alle und schafften Armut und Hunger in der Welt ab.  Zu sehen am kommenden Donnerstag, dem 11. April 2019 im Dokukanal des ZDF (ZDF-info) um 20.15 Uhr:

„Die großen Irrtümer der Globalisierung“ vom Filmemacher Stefan Ebeling

Brot für die Welt und Partner waren wieder angefragt die Globalisierungsfolgen im Globalen Süden mit einzuschätzen, besonders in Afrika am Beispiel von EU Agrarexporten nach Senegal.

Zugegeben es werden immer weniger, die die reine Lehre von Liberalisierung und Marktöffnung verteidigen, aber seitdem Trumps „America First“ auch die EU und besonders Deutschlands Exporte bedroht, wird jeder Globalisierungskritiker gleich zum Trump Anhänger. Da ist es gut, dass Journalisten und Journalistinnen immer wieder einmal hinter die Argumente dieser „Retter des freien Handels und der freien Welt“ schauen und hinterfragen, ob z.B. Trumps Strafzölle gegen China und EU nicht einen ernsten Hintergrund haben – nämlich die Schattenseiten und die Verlierer der Globalisierung. Dabei wird nicht die Heuchelei der Trumpschen Politik verschwiegen, denn die USA gehören zu den großen Gewinnern der Globalisierung, wie sich z.B. am Armutsgefälle zu den südlichen Nachbarn Mittelamerikas zeigt.

Afrika ist (noch) ein Globalisierungsverlierer
Afrika steht bei Globalisierungsdebatten selten im Vordergrund. Obwohl die EU und Bundesregierung in den letzten drei Jahren unzählbare Initiativen gestartet haben den afrikanischen Kontinent Fit für den Weltmarkt zu machen, um z.B. Millionen Jugendlichen eine Bleibeperspektive zu schaffen, wie sie sagen. Es besteht aber der Verdacht, dass am Ende die hartnäckigen zum Teil neokolonialen Strukturen zwischen Europa und Afrika unangetastet bleiben werden. Denn schon jetzt ist Afrika mit Abstand der Globalisierungsverlierer Nummer Eins. Auch der von der Bundesregierung beschlossene Marschallplan für Afrika stellte das fest.
Da Globalisierung, wie in der Fernsehdokumentation zu sehen ist, vor allem verstanden wird als die wirtschaftliche Liberalisierung der globalen Warenströme, einschließlich Dienstleistungen, sind die Gewinner ausschließlich die alten und einige neue Industrienationen, besser gesagt deren Konzerne. Sie können heute schrankenlos global agieren und ungehindert Ressourcen, Arbeitskräfte und Produktion weltweit rekrutieren. Größtenteils auch frei von nationalen Schranken und Gesetzen, die Menschenrechte, Umwelt oder Arbeit schützen und oft auch befreit von Steuern oder Abgaben, um Konzerne für Investitionen anzulocken.  Höchstens moralisch umrahmt von „freiwilligen“ Selbstbeschränkungen zu Kinder- und Sklavenarbeit oder den schlimmsten Umweltsünden.

Afrikas neoliberale Wende der 1990er Jahre hat Armut vergrößert
In Bezug auf Afrika verwundert die optimistische Haltung von EU und Bundesregierung, dass mit all den Initiativen und Geldern, die vor allem Privatinvestitionen locken sollen, Afrika oder zumindest einige Länder den Sprung auf das Podest der Gewinner einer Integration in die Weltmärkte schaffen werden.

 Denn es gibt keinen Kontinent, der seit Mitte der 1980er Jahre mehr sich den damaligen Empfehlungen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds eine neoliberale Wirtschaftspolitik einzuleiten, unterworfen hätte. Niedrige Zölle, offene Märkte und investorenfreundliche Abkommen waren das Ergebnis. Erzwungen durch das Versprechen einer Entschuldung der öffentlichen Haushalte, wurde Afrika noch stärker in die Exportabhängigkeit mit Rohstoffen und Agrarprodukten zur Devisenbeschaffung und zum Schuldenabbau gedrängt. Gleichzeitig sollten die Nahrungsmittelpreise durch Agrarimporte mit niedrigen Einfuhrzöllen die städtische Bevölkerung beruhigen. Obwohl staatliche Ausgaben für Gesundheit, Industrieförderung, Energie und Wasser oder Bildung massiv gekürzt wurden, verlief die Privatisierungs- und Liberalisierungswelle großen Ausmaßes halbwegs protestfrei ab. Zumal in den 1990er Jahren viele ehemals korrupten und diktatorischen Regime einen demokratischen Mantel erhielten. 

Wie wenig wirtschaftlicher Fortschritt, Arbeitsplätze oder Industrialisierung dieser radikale Kahlschlag staatlicher Daseinsfürsorge gebracht hat, geben heute selbst Weltbank, IWF und Gebernationen zu.
In der Landwirtschaft, die nach wie vor der größte Arbeitgeber in Afrika ist und am meisten zur Wertschöpfung beiträgt, hat das in einzelnen Sektoren zu einer unfairen Konkurrenz mit zum Teil hoch subventionierten EU Agrarprodukten geführt.

Afrikas Marktöffnung  schadet lokalen AgrarproduzentInnen
Die Fernsehdokumentation macht das am Beispiel der Abhängigkeit Senegals von Weizenimporten deutlich. Im Senegal hat Frankreich schon vor Jahrzehnten sein Weißbrot zum Grundnahrungsmittel gemacht, auf Kosten der einheimischen Getreideproduktion, vor allem von Sorghum und Hirse.  Wie absurd das ist, zeigt sich in diesem Jahr 2019, wo vor ein paar Tagen die FAO einen Rückgang der weltweiten Getreideernten durch Dürre in den Industrienationen verkündete. Das bedeutet für die senegalesische Regierung, dass sie bald die nun teuren EU Weizenimporte subventionieren muss, um den Brotpreis für die Bevölkerung zu halten. Gleichzeitig würden senegalesische BäuerInnen gerne mehr Sorghum und Hirse anbauen, aber sie bekommen schon jetzt ihre Mengen gar nicht los und verfüttern sie an ihre Tiere, weil das französische Baguette und Weizenmehl überall billiger ist. Auch das zeigt die Dokumentation.
Noch könnte Senegal durch hohe Zölle die Einfuhr von Weizen regulieren. Bei Weizenmehl erhebt es bereits über 70% Zoll – dies erlaubt die westafrikanische Zollunion als eine befristete Ausnahme.
So wie Weizen gelangen immer mehr Güter aus der EU auf die afrikanischen Märkte, zusätzlich angeheizt durch einen Flickenteppich von EU Handelsverträgen, von denen wenige in Kraft, viele unterzeichnet, manche gar nicht verhandelt sind. Staaten, wie Ghana und Cote d’Ivoire in Westafrika könnten aufgrund von sogenannten InterimEPAs gar nicht einen Zoll gegenüber EU Gütern anheben. Sollte das EU Abkommen, Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) genannt, mit Westafrika als Ganzes, in Kraft treten (Nigeria leistet noch Widerstand) müssten alle Staaten in naher Zukunft bis zu 80% ihrer Zölle abschaffen.

Afrikas Antwort auf die Globalisierung: die kontinentale Freihandelszone
Wie sollen afrikanische Staaten und ihre Bevölkerung so zu Globalisierungsgewinnern werden? Die Antwort der afrikanischen Regierungen ist die Schaffung einer riesigen gemeinsamen Afrikanischen Freihandelszone. Statt als Einzelstaaten oder Regionen sich noch weiter gegenüber Wirtschaftsmächten, wie der EU zu öffnen, soll das hohe Potential eines gemeinsamen Binnenmarktes genutzt werden – die EU hat es angeblich vorgemacht.
Aber genau diese Kopie der EU Erweiterung würde zu großen ökonomischen Verwerfungen aufgrund der riesigen wirtschaftlichen Unterschiede der einzelnen afrikanischen Staaten führen. Das galt zwar, z.B. bei der Osterweiterung der EU auch, aber die wirtschaftliche Macht Deutschlands, Frankreichs, Italiens oder Großbritanniens, etc. konnte zumindest einen Teil der negativen Wirkungen durch massive Investitionen in Osteuropa ausgleichen.
Wie soll das aber in Afrika geschehen? Werden nicht schon bestehende Konzerne aus Südafrika, Kenia, Nigeria, Marokko die anderen afrikanischen Staaten mit ihren Waren überrollen, so wie die EU, China, USA es mit Afrika jetzt schon machen? Es ist nicht abzusehen, wo die Mittel für einen regionalen Ausgleichsfonds der Afrikanische Union herkommen sollen.
Außerdem wurden keinerlei Schutzmechanismen für die Mitglieder der Afrikanischen Freihandelszone beschlossen, die die ärmsten Staaten Afrikas ergreifen könnten gegen ihre „Nachbarn“. Menschenrechte oder Umweltschutz spielen auch nur als Lippenkenntnisse eine Rolle. Will Afrika sich also einfach nur dem neoliberalen Mythos unterwerfen: öffnen wir unsere Märkte, dann werden wir alle gemeinsam reich? Und wie werden die Außenbeziehungen dieser großen afrikanischen Freihandelszone werden?

EPAs werden zu EU Brückenköpfen gegen Afrikas Integration
Während die WTO Afrika davor warnt sich abzuschotten, feiert geradezu euphorisch die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft die Ankündigung einer Afrikanischen Freihandelszone. Gleiches gilt auch für die EU. Kommissionspräsident Juncker überlegte gar gleich beide Kontinente in einer gemeinsamen Wirtschaftszone aufgehen zu lassen.
Es dürfte klar sein warum sich EU und Deutschland freuen. Durch die wenigen abgeschlossenen EPAs hat sich die EU wirtschaftliche Brückenköpfe geschaffen über die sie ihre Waren in einigen Jahren zollfrei nach ganz Afrika exportieren kann. Nicht nur in Einzelstaaten mit Freihandelsverträgen, wie Marokko, Südafrika, Kenia, Zimbabwe, Ghana, Kamerun, etc., sondern, sobald die innerafrikanischen Zölle fallen, eben überallhin. Auch in die Staaten, die sich bisher hartnäckig weigern ihre Märkte der EU gegenüber zu opfern, weil sie die eigene Landwirtschaft und Industrie fördern wollen, wie z.B. Nigeria und Tansania. So sind letztere Regierungen noch nicht der Freihandelszone beigetreten, andere werden es sich reiflich überlegen oder werden den Aufbau eines gemeinsamen Binnenmarktes verzögern, solange Marktöffnung gegenüber Nachbarn, die mit der EU EPAs haben, bedeutet, dass EU Billigprodukte auch den eigenen Markt überschwemmen.
Wollten EU und Bundesregierung wirklich die Entwicklung eines afrikanischen Binnenmarktes fördern, müssten sie die Einzelabkommen (EPAs) erstmal einfrieren und dem ganzen Kontinent einseitig Zollfreiheit für ihre Produkte anbieten. Das wäre ein ehrliches EU Angebot der Unterstützung Afrikas ohne Hintertür und Eigeninteressen.
Solange die EU, wie auch andere Industrienationen, in Afrika nur ein billiges Rohstoffreservoir sehen, vielleicht noch bald ein Billiglohngebiet wird sie das selbstgesteckte Ziel Millionen Arbeitsplätze für Jugendliche zu ermöglichen, nicht erreichen. Auch Investoren werden kaum in Afrika für den dann großen afrikanischen Binnenmarkt produzieren, wenn sie befürchten müssen von Waren aus Europa oder China wegkonkurriert zu werden.
Zwingt die EU nun Afrika auch noch ein Dienstleistungsabkommen auf, wie im Post-Cotonou Mandat angekündigt, können afrikanische Regierungen nicht einmal im öffentlichen Beschaffungswesen, nationale oder afrikanische Anbieter bevorzugen und z.B. könnten dann EU Baukonzerne mitbieten.
Dann kann Afrikas Anteil am Welthandel, wie die Weltbank für 2030 schon voraussagt, zwar um 50% steigen – von 2% auf 3%, aber der Kontinent bleibt, vielleicht mit Ausnahme einzelner Staaten, das Armenhaus der Globalisierung. Brot für die Welt, afrikanische und europäische Zivilgesellschaften, Gewerkschaften, Kirchen, KleinunternehmerInnen und BäuerInnen werden das nicht tatenlos hinnehmen und sowohl EU, deutsche aber auch afrikanische Wirtschaftsinitiativen sehr kritisch begleiten und eine Beteiligung daran und laut einfordern.

Thema (BfdW) : Ernährung / LandwirtschaftFinanz- und HandelspolitikLänderbezug (Afrika): Afrika
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"Die Flut kam mitten in der Nacht"

Welthungerhilfe - 8. April 2019 - 10:39
Die Menschen in Malawi wurden von Zyklon Idai schwer getroffen. Sandra Schuckmann-Honsel aus dem Nothilfeteam der Welthungerhilfe war vor Ort, um sich ein Bild von der Lage der Menschen zu machen.
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Sustainable financing for development

DIE - 8. April 2019 - 9:58
Developing countries face challenges in using cross-border capital flows to fund investments in sustainable development. International financial institutions have a key role to play in minimizing risks to developing economies while ensuring more efficient allocation of public and private capital. However, the global financial architecture is not yet fit for the task. To advance sustainable financing, we recommend that the Japanese G20: (i) agree on measures to catalyze and mobilize private capital insupport of the SDGs; (ii) promote measures to improve the allocation ofdevelopment finance; and (iii) establish, and encourage commitment to, funding approaches for global public goods.
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Der Bayerische Rundfunk zu Besuch bei DSW-Projekt im Kenia

DSW - 8. April 2019 - 9:49

Zurzeit leben 7,69 Milliarden Menschen auf der Welt und jede Minute kommen 164 hinzu. Besonders stark wächst die Weltbevölkerung allerdings in Afrika südlich der Sahara, der ärmsten Region der Erde. Mitte des Jahrhunderts werden dort mit rund 2,5 Milliarden Menschen voraussichtlich fast doppelt so viele Menschen leben wie heute.

Der Beitrag „Die Welt an ihren Grenzen – was die wachsende Weltbevölkerung für uns bedeutet“ nimmt sich dem komplexen Thema Weltbevölkerung an, beleuchtet verschiedene Perspektiven und erklärt Ursachen und Auswirkungen des Bevölkerungswachstums auf unseren Planeten. Einer der Hauptgründe für das wachsende Weltbevölkerung ist vor allem der mangelnde Zugang zu Familienplanung, Aufklärung und Gesundheitsdiensten. Gerade Frauen, die in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern leben, bekommen häufig mehr Kinder, als sie sich wünschen. Rund 214 Millionen Frauen in Entwicklungsländern würden gern verhüten, haben dazu aber keine Möglichkeit.

Im Rahmen seiner Reportage hat der Autor des Beitrags, Fabian Mader, auch einen Jugendklub der DSW in Kenia besucht. Dort finden Jugendliche einen Platz, um mit speziell ausgebildeten, gleichaltrigen Jugendberater*innen über Sexualität zu sprechen. So erhalten sie nicht nur Zugang zu Familienplanung, Aufklärung und Gesundheitsdiensten, sondern sie bekommen auch Auskunft über die Vielzahl von Verhütungsmitteln.

Zum Beitrag:

 

Der Beitrag Der Bayerische Rundfunk zu Besuch bei DSW-Projekt im Kenia erschien zuerst auf DSW.

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OHCHR-Projekt befragt Stakeholder zu unternehmerischen Beschwerdemechanismen

Global Compact - 8. April 2019 - 9:40
Das „Accountability and Remedy Project“ des Hochkommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen sammelt in seiner dritten Phase noch bis zum 30. April Inputs von Unternehmen und Praktikern zum Thema unternehmensbasierte Beschwerdemechanismen.
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Die Unterstützung Nordafrikas durch die europäischen Länder ist inkohärent

DIE - 8. April 2019 - 9:00
Bonn, 08.04.2019. In den acht Jahren seit dem „Arabischen Frühling“ im Jahr 2011 haben die europäischen Regierungen die Entwicklung und Stabilität in Nordafrika durch mehr Entwicklungshilfe und mehr Waffenverkäufe unterstützt. Dieser inkohärente Ansatz könnte weitere Konflikte schüren. Zwar haben die europäischen Länder immer wieder erklärt, dass sie in Nordafrika sowohl Entwicklung als auch Stabilität fördern wollen. Doch die Mischung aus materieller Unterstützung autoritärer Regierungen – auch durch massive Zuwächse bei Waffenverkäufen – und höheren öffentlichen Entwicklungsgeldern (ODA) ist inkohärent und gefährlich. Wirtschaftliche und soziale Entwicklung hängen von Stabilität ab – umgekehrt gilt dies jedoch auch. Entwicklung kann den Menschen Beschäftigung, Ressourcen und ein sinnvolles Leben ermöglichen - Hilfsgelder werden daher auch damit gerechtfertigt, dass Entwicklung den Menschen Bleibeperspektiven schaffe und sie nicht nach Europa migrieren. Seit den arabischen Aufständen stieg die ODA der vier größten EU-Geber – Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich und die europäischen Institutionen – für Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien von rund 2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 auf mehr als 3,2 Mrd. US-Dollar 2017. Andere Ansätze der Entwicklungsförderung ergänzten dies, darunter EU-Bemühungen die Handelsbeziehungen zu Marokko und Tunesien zu vertiefen. Doch zunehmende Waffenverkäufe Europas an Maghreb-Länder können ebendiese Bemühungen untergraben. EU-Länder sind wichtige Waffenexporteure nach Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien; zwischen 2008 und 2017 beschafften letztere dort rund 25 Prozent ihrer Waffen. Laut einem aktuellen Bericht des schwedischen Forschungsinstituts SIPRI kaufen diese vier Länder 75 Prozent aller nach Afrika exportierten Waffen, ein Anstieg von 20 Prozent zwischen 2009-2013 und 2014-2018. Diese Waffenexporte sind von Natur aus destabilisierend. Ein genauerer Blick auf drei Maghreb-Länder zeigt exemplarisch ein negatives Beispiel, ein Land am Scheideweg, und eine mögliche Erfolgsgeschichte. In Libyen haben die Vereinigten Staaten, Russland, Italien und Frankreich in den letzten Jahren des Gaddafi-Regimes ihre Waffenverkäufe deutlich gesteigert. Als Gaddafi nach einer militärischen Intervention durch einige dieser Lieferanten stürzte, blieben in Libyen riesige Waffenbestände und kampferprobte Milizen zurück. 2012 gelangten viele Waffen und Kämpfer von dort in die Sahel-Länder und verschärften den Konflikt im benachbarten Mali. Dennoch lieferten europäische Länder weiterhin Waffen an Libyen und seit 2014 nicht nur an die international anerkannte westliche Regierung, sondern auch an ihren östlichen Rivalen. Diese Waffen wurden vom ostlibyschen General Haftar bei seiner Übernahme der Kontrolle über den Süden des Landes eingesetzt. Das libysche Beispiel zeigt, dass man beim Verkauf von Waffen an ein Land nicht kontrollieren kann, wo sie landen werden. Algerien ist der größte Waffenimporteur in Afrika und hatte 2014-18 einen Anteil von 56 Prozent an den afrikanischen Importen von Großwaffen. Russland ist bei weitem der größte Lieferant, aber auch Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Schweden und das Vereinigte Königreich haben seit der Niederschlagung der Proteste im Jahr 2011 Waffen dorthin verkauft. Algerien ist mit Abstand der größte Kunde der deutschen Rüstungsindustrie. Die aktuelle Krise in dem Land hat zum Rücktritt von Präsident Bouteflika geführt. Die Situation könnte aber immer noch eskalieren, wenn die Proteste erneut niedergeschlagen werden. Zudem bieten der weitgehend unkontrollierte Süden Algeriens und die reichlichen Öl- und Gasvorkommen Schmugglern und lokalen Kriegsherren vielfältige Anreize. Die Aussicht auf Destabilisierung eines weiteren mit Waffen überfluteten Maghreb-Landes stellt eine ernste und akute Gefahr dar, auch für seine Nachbarn. Tunesien hat ebenfalls mehr Waffen gekauft, wenn auch nicht im gleichen Maße wie Algerien oder Libyen in der Gaddafi-Ära. Vielmehr hat es große Summen zur Unterstützung seines demokratischen Reformprozesses erhalten, insbesondere von Deutschland (2017 rund 750 Mio. US-Dollar) und den EU-Institutionen (2017 rund 1.350 Mio. US-Dollar). Obwohl die Demokratisierung in Tunesien ins Stocken gerät, gibt das Land doch Hinweise darauf, dass ein anderer Ansatz besser funktionieren könnte. Durch finanzielle Unterstützung für die demokratische Transition werden institutionelle Grundlagen für einen friedlichen Interessenausgleich gefördert. Zusätzlich hat das derzeit mit der EU ausgehandelte „tiefgreifende und umfassende Freihandelsabkommen“ das Potenzial, den Alltag der Tunesier erheblich zu verändern, etwa durch verstärkte Agrarexporte und Visa. Die Europäer müssen die Maghreb-Länder weiterhin mit ODA und anderen Formen der Entwicklungszusammenarbeit unterstützen, sowohl beim Infrastruktur-Ausbau als auch bei dem schwierigen Prozess, die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft neu zu gestalten. Aber Hilfe kann nur dann zu Entwicklung und langfristiger Stabilität beitragen, wenn Waffenverkäufe, wo sie überhaupt notwendig sind, zumindest den eigenen „gemeinsamen Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und -ausrüstung“ der EU-Mitgliedstaaten von 2008 entsprechen. Diese verlangen die Berücksichtigung der Menschenrechtssituation und anderer Kriterien im Land des Käufers. Es macht wenig Sinn, Millionen in Entwicklungshilfe zu investieren und gleichzeitig das Waffengeschäft praktisch ohne Bedingungen ausweiten.
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In Kopenhagen wird das Dach eines Einkaufszentrums zu einem städtischen Bauernhof

reset - 8. April 2019 - 6:52
Refarmed ist Teil einer wachsenden Bewegung, die die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren, verändert.
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